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Wie alt ist "in den besten Jahren" oder "in der Blüte seiner Jahre"?

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Ralf Joerres

unread,
Jan 27, 2016, 3:18:15 AM1/27/16
to
Altersbezeichnungen erscheinen mir mehr oder
weniger relativ. Welches Alter würde man für
jemanden 'in den besten Jahren' ansetzen?
Und was bedeutet die Redensart überhaupt?
Benutzt man die Bezeichnung für beide
Geschlechter? Und wann ist die 'Blüte der
Jahre' erreicht? Nach dem Bild gesprochen
käme die Blüte vor dem Ansetzen der Früchte,
aber mir scheint, dass hier oft ein höheres
Alter gemeint ist. Mit 'Lebensfrüchten'
sind hier wohl nicht 'nur' Kinder gemeint.

Im Zusammenhang mit Alter stieß ich auf die
Bezeichnung 'junges Ding'. Das sagt man heute
vielleicht nicht mehr so oft. Es klingt für
mich ein bisschen nach 'bloß ein Mädchen'. Ist
doch richtig, dass man es für junge Frauen
benutzt(e)? Wieso 'Ding', und wie alt ist so
ein 'junges Ding'?

Grüße: Ralf Joerres

Gunhild Simon

unread,
Jan 27, 2016, 4:29:25 AM1/27/16
to
Am Mittwoch, 27. Januar 2016 09:18:15 UTC+1 schrieb Ralf Joerres:
> Altersbezeichnungen
...
> Im Zusammenhang mit Alter stieß ich auf die
> Bezeichnung 'junges Ding'. Das sagt man heute
> vielleicht nicht mehr so oft. Es klingt für
> mich ein bisschen nach 'bloß ein Mädchen'. Ist
> doch richtig, dass man es für junge Frauen
> benutzt(e)? Wieso 'Ding', und wie alt ist so
> ein 'junges Ding'?

Dazu ein Zitat aus dem "Hugenottenfriedhof"* von
Wolf Biermann:
"Als ich noch ein junges Ding war
- ich bin ja schon viel zu alt! -"

*http://www.songtexte.com/songtext/wolf-biermann/der-hugenottenfriedhof-6bfa263a.html

So spricht da ein "uraltes Weibchen" von sich
und meint ihre Mädchenjahre.

Gruß
Gunhild

Walter Schmid

unread,
Jan 27, 2016, 4:31:10 AM1/27/16
to
Am 27.01.2016 um 09:18 schrieb Ralf Joerres:

> Im Zusammenhang mit Alter stieß ich auf die
> Bezeichnung 'junges Ding'. Das sagt man heute
> vielleicht nicht mehr so oft. Es klingt für
> mich ein bisschen nach 'bloß ein Mädchen'. Ist
> doch richtig, dass man es für junge Frauen
> benutzt(e)? Wieso 'Ding', und wie alt ist so
> ein 'junges Ding'?

Es ist weder Frau noch Kind, "Ding" passt immer. also auch hier.




Werner Tann

unread,
Jan 27, 2016, 4:40:06 AM1/27/16
to
Ralf Joerres <rjoe...@gmail.com> schrieb:

>Altersbezeichnungen erscheinen mir mehr oder
>weniger relativ. Welches Alter würde man für
>jemanden 'in den besten Jahren' ansetzen?

Abseits von Fachsprachen ist Sprache semantisch nicht normiert. Die
"besten Jahre" können Höflichkeit oder Schmeichelei sein, Selbstbetrug
oder korrekte Einschätzung von einem selbst und von anderen.

"Korrekt" hieße hier, daß es tatsächliche Umstände gibt, die die
Qualifikation erlauben, also etwa Aktivität, Gesundheit, Erfolg.
Freilich ist auch das nicht so einfach. Auch ein kranker, älterer
Mensch, kaum mehr mobil, könnte eine Zufriedenheit und "Weisheit"
entwickelt haben, daß er zu Recht sagt, das seien nun seine besten
Jahre, was habe ihn früher alles fertiggemacht ...

Gunhild Simon

unread,
Jan 27, 2016, 5:26:19 AM1/27/16
to
Am Mittwoch, 27. Januar 2016 10:40:06 UTC+1 schrieb Werner Tann:
> Ralf Joerres <rjoe...@gmail.com> schrieb:
>
> >Altersbezeichnungen erscheinen mir mehr oder
> >weniger relativ. Welches Alter würde man für
> >jemanden 'in den besten Jahren' ansetzen?

...
> "Korrekt" hieße hier, daß es tatsächliche Umstände gibt, die die
> Qualifikation erlauben, also etwa Aktivität, Gesundheit, Erfolg.
> Freilich ist auch das nicht so einfach. Auch ein kranker, älterer
> Mensch, kaum mehr mobil, könnte eine Zufriedenheit und "Weisheit"
> entwickelt haben, daß er zu Recht sagt, das seien nun seine besten
> Jahre, was habe ihn früher alles fertiggemacht ...

Es ist ein Unterschied zwischen den beiden
Wendungen "in den besten Jahren sein"
und "seine besten Jahre haben/erleben".

"in den besten Jahren" wird oft gebraucht,
um einen Widerspruch zwischen Leistungsfähigkeit -
also biologisches Alter plus Erfolg, Wissen,
Weisheit, Gesundheit - und Realität - Unfall,
Krankheit, Schicksalsschlag - zu illustrieren.
Es wird damit eher eine, zwar beschönigende, aber
objektive Aussage über das Alter gemacht -
mittlere Jahre, jedoch dem Scheitelpunkt nahe.

Dagegen sind "die besten Jahre" unabhängig von
einem gesellschaftlich zugewiesenen Alter,
das Erfolg als Krönung und Summe der Bemühungen
aus der Vergangenheit beschreibt, eher subjektiv.
Es sind die persönlichen Bestleistungen.

Dann gibt es noch "Best-agers", rüstige,
gutsituierte, zeitunabhängige Rentner, als
Zielgruppe verschiedener Anbieter.

Gruß
Gunhild

Frank Hucklenbroich

unread,
Jan 27, 2016, 5:41:17 AM1/27/16
to
Am Wed, 27 Jan 2016 02:26:19 -0800 (PST) schrieb Gunhild Simon:

> Am Mittwoch, 27. Januar 2016 10:40:06 UTC+1 schrieb Werner Tann:
>> Ralf Joerres <rjoe...@gmail.com> schrieb:
>>
>>>Altersbezeichnungen erscheinen mir mehr oder
>>>weniger relativ. Welches Alter würde man für
>>>jemanden 'in den besten Jahren' ansetzen?
>
> ...
>> "Korrekt" hieße hier, daß es tatsächliche Umstände gibt, die die
>> Qualifikation erlauben, also etwa Aktivität, Gesundheit, Erfolg.
>> Freilich ist auch das nicht so einfach. Auch ein kranker, älterer
>> Mensch, kaum mehr mobil, könnte eine Zufriedenheit und "Weisheit"
>> entwickelt haben, daß er zu Recht sagt, das seien nun seine besten
>> Jahre, was habe ihn früher alles fertiggemacht ...
>
> Es ist ein Unterschied zwischen den beiden
> Wendungen "in den besten Jahren sein"
> und "seine besten Jahre haben/erleben".
>
> "in den besten Jahren" wird oft gebraucht,
> um einen Widerspruch zwischen Leistungsfähigkeit -
> also biologisches Alter plus Erfolg, Wissen,
> Weisheit, Gesundheit - und Realität - Unfall,
> Krankheit, Schicksalsschlag - zu illustrieren.
> Es wird damit eher eine, zwar beschönigende, aber
> objektive Aussage über das Alter gemacht -
> mittlere Jahre, jedoch dem Scheitelpunkt nahe.

Stimmt.

> Dagegen sind "die besten Jahre" unabhängig von
> einem gesellschaftlich zugewiesenen Alter,
> das Erfolg als Krönung und Summe der Bemühungen
> aus der Vergangenheit beschreibt, eher subjektiv.
> Es sind die persönlichen Bestleistungen.

"Die besten Jahren" können subjektiv auch die Studentenzeit sein, wo man
zwischendurch mit dem Rucksack rund um die Welt gereist ist, oder die
Lebensphase, wo man in jungen Jahren eine Familie gegründet hat.

Das ist alles sehr subjektiv und oft auch duch die rosarote Brille gefärbt
(weil man sich vor allem an die guten Aspekte erinnern und weniger an die
schlechten).

> Dann gibt es noch "Best-agers", rüstige,
> gutsituierte, zeitunabhängige Rentner, als
> Zielgruppe verschiedener Anbieter.

Das ist aber ein Marketing-Euphemismus, um "Senioren", "Rentner" o.ä. zu
vermeiden.

Grüße,

Frank

Ralf Joerres

unread,
Jan 27, 2016, 11:28:10 AM1/27/16
to
Am Mittwoch, 27. Januar 2016 11:26:19 UTC+1 schrieb Gunhild Simon:
> Am Mittwoch, 27. Januar 2016 10:40:06 UTC+1 schrieb Werner Tann:
> > Ralf Joerres <rjoe...@gmail.com> schrieb:
> >
> > >Altersbezeichnungen erscheinen mir mehr oder
> > >weniger relativ. Welches Alter würde man für
> > >jemanden 'in den besten Jahren' ansetzen?
>
> ...
> > "Korrekt" hieße hier, daß es tatsächliche Umstände gibt, die die
> > Qualifikation erlauben, also etwa Aktivität, Gesundheit, Erfolg.
> > Freilich ist auch das nicht so einfach. Auch ein kranker, älterer
> > Mensch, kaum mehr mobil, könnte eine Zufriedenheit und "Weisheit"
> > entwickelt haben, daß er zu Recht sagt, das seien nun seine besten
> > Jahre, was habe ihn früher alles fertiggemacht ...
>
> Es ist ein Unterschied zwischen den beiden
> Wendungen "in den besten Jahren sein"
> und "seine besten Jahre haben/erleben".
>
> "in den besten Jahren" wird oft gebraucht,
> um einen Widerspruch zwischen Leistungsfähigkeit -
> also biologisches Alter plus Erfolg, Wissen,
> Weisheit, Gesundheit - und Realität - Unfall,
> Krankheit, Schicksalsschlag - zu illustrieren.
> Es wird damit eher eine, zwar beschönigende, aber
> objektive Aussage über das Alter gemacht -
> mittlere Jahre, jedoch dem Scheitelpunkt nahe.

Für 'in den besten Jahren' ist mir eine solche
'Kontrastbedeutung' (zugespitzt: in der Blüte
seiner Jahre dahingerafft) nicht geläufig, das
ließe sich aber so sagen: Man würde ihn als
einen 'Mann in den besten Jahren' bezeichnen,
wäre nicht diese 'dumme Geschichte' passiert,
dieses erste Herzversagen mit anschließend
unerfreulicher Diagnose und rigoroser
therapeutischer Einengung seiner bisherigen,
auf Uneingeschränktheit angelegten Lebens-
umstände.

Ich denke, dass häufiger von einem Mann (und
auch, aber weniger häufig, von einer Frau) in
den besten Jahren in dem Sinne gesprochen wird,
dass er seine wilden Zeiten hinter sich hat,
dass er beruflich und charakterlich gefestigt
ist, sesshaft geworden in seinen Wertvorstel-
lungen und Lebensumständen, dass er etwas
erreicht hat, das er nicht aufgeben will. Er
ist jedenfalls nicht jung, wäre womöglich eine
gute Partie und ist nicht 'jenseits von Gut und
Böse'.

> Dagegen sind "die besten Jahre" unabhängig von
> einem gesellschaftlich zugewiesenen Alter,
> das Erfolg als Krönung und Summe der Bemühungen
> aus der Vergangenheit beschreibt, eher subjektiv.
> Es sind die persönlichen Bestleistungen.

Für mich ähnlich. Mir steht dabei der Satz vor
Augen: 'Das waren meine besten Jahre', was sich
erst rückblickend herausstellt und erfolgsunab-
hängig ist. Für mich wären es die Jahre, in denen
jemand am intensivsten das Gefühl hatte, zu leben,
was in latentem Widerspruch zu dem 'Mann in den
besten Jahren' stünde, der in vergleichsweise
ruhiges Fahrwasser gelangt ist. Aber dies ist,
wie du schreibst, sehr subjektiv. Was ich hier
beschrieben habe, könnte man auch 'die schönsten
Jahre' nennen.

> Dann gibt es noch "Best-agers", rüstige,
> gutsituierte, zeitunabhängige Rentner, als
> Zielgruppe verschiedener Anbieter.

Genau, zumal unsere Senioren finanziell oft
'gut dastehen' (auch so eine schöne Wendung)
und wildvergnügt auf Kreuzfahrt, Safari oder
ähnlicherlei Erkundungsfahrten gehen, solang
noch das Lämplein glüht.

Grüße: Ralf Joerres

Ralf Joerres

unread,
Jan 27, 2016, 11:53:24 AM1/27/16
to
Teilübereinstimmung zu 'weder Frau noch Kind', aber
immer passend?
Duden online meint, das bezieht sich auf junge
Frauen / Mädchen und nennt als Beispiele "ein junges,
albernes, liebes, dummes Ding", also eine Auswahl an
Harmlosigkeit, Unerfahrenheit und Profillosigkeit.
Würde man so auch die jungsche Abteilungsleiterin
bezeichnen, die in Kostümchen, frisch der Uni ent-
sprungen, mit 1 A Abschlüssen, Auslandserfahrung
und einschlägigen, offenbar perfekt gecoachten
Praktika in Mitarbeiterführung und Verfahrens-
management, in Habitus und Kommunikation stets sehr
kontrolliert auftretend, welche den alten Hasen vor
die Nase gesetzt wird? Vielleicht schon, im Ton der
Geringschätzung, denn mindestens eins hat die Dame
nicht: Ruhe aufgrund der langjährigen Erfahrung,
dass für niemanden die Bäume in den Himmel wachsen.

Gruß Ralf Joerres

Walter Schmid

unread,
Jan 27, 2016, 12:41:31 PM1/27/16
to
Am 27.01.2016 um 17:53 schrieb Ralf Joerres:
> Am Mittwoch, 27. Januar 2016 10:31:10 UTC+1 schrieb Walter Schmid:

>> Es ist weder Frau noch Kind, "Ding" passt immer. also auch hier.
>
> Teilübereinstimmung zu 'weder Frau noch Kind', aber
> immer passend?
> Duden online meint, das bezieht sich auf junge
> Frauen / Mädchen und nennt als Beispiele "ein junges,
> albernes, liebes, dummes Ding", also eine Auswahl an
> Harmlosigkeit, Unerfahrenheit und Profillosigkeit.
> Würde man so auch die jungsche Abteilungsleiterin

Mit "Ding passt immer" meinte ich, dass es immer ein
Ersatz-Gegenstand ist, wenn einem kein besseres Wort einfällt.

In meiner Wohnung hat es unzählige "Dinge", die ich mangels
Fachwissen nicht benennen kann. Ich würde mich selber aber nie
als "Ding" bezeichnen - auch nicht wenn ich zuhause bin.


Gruss

Walter

--
Ich suche Wörter, die mit Fn oder fn *beginnen*. Egal welche
Sprache und Schrift (aber keine Akronyme oder selbst gebildete
Scherzwörter!). Ich bitte bei aussereuropäischen Schriften um
Transkription. Besten Dank!

Ralf Joerres

unread,
Jan 27, 2016, 5:33:57 PM1/27/16
to
Am Mittwoch, 27. Januar 2016 18:41:31 UTC+1 schrieb Walter Schmid:
> Am 27.01.2016 um 17:53 schrieb Ralf Joerres:
> > Am Mittwoch, 27. Januar 2016 10:31:10 UTC+1 schrieb Walter Schmid:
>
> >> Es ist weder Frau noch Kind, "Ding" passt immer. also auch hier.
> >
> > Teilübereinstimmung zu 'weder Frau noch Kind', aber
> > immer passend?
> > Duden online meint, das bezieht sich auf junge
> > Frauen / Mädchen und nennt als Beispiele "ein junges,
> > albernes, liebes, dummes Ding", also eine Auswahl an
> > Harmlosigkeit, Unerfahrenheit und Profillosigkeit.
> > Würde man so auch die jungsche Abteilungsleiterin
>
> Mit "Ding passt immer" meinte ich, dass es immer ein
> Ersatz-Gegenstand ist, wenn einem kein besseres Wort einfällt.

Okay. Trotzdem finde ich so eine Bezeichnung in
Bezug auf Mädchen / junge Frauen bei näherem Hin-
sehen irritierend. Man könnte glatt vermuten, dass
dabei wieder einmal etwas an paternalistischer
und patriarchaler Überheblichkeit im Spiel ist.
Wurde aber auch von Frauen so benutzt, die redeten
in älteren Filmen jüngere Frauen auch als
'Schätzchen' an oder sprachen über sie als 'die
Kleine', wie hier bereits festgestellt wurde.

> In meiner Wohnung hat es unzählige "Dinge", die ich mangels
> Fachwissen nicht benennen kann. Ich würde mich selber aber nie
> als "Ding" bezeichnen - auch nicht wenn ich zuhause bin.

Na siehste. Und warum sollen die 'jungen Dinger'
sich das gefallen lassen?

Andererseits: Ich wurde mal als 'grinsendes Etwas'
bezeichnet, das kommt dem relativ nahe, also das
'Etwas' dem 'Ding', nicht das 'grinsend' dem 'jung'.

Ciao: Ralf Joerres

Werner Tann

unread,
Jan 28, 2016, 3:11:24 AM1/28/16
to
Ralf Joerres <rjoe...@gmail.com> schrieb:

>Okay. Trotzdem finde ich so eine Bezeichnung in
>Bezug auf Mädchen / junge Frauen bei näherem Hin-
>sehen irritierend. Man könnte glatt vermuten, dass
>dabei wieder einmal etwas an paternalistischer
>und patriarchaler Überheblichkeit im Spiel ist.

Wenn das letzte junge Ding vom letzten Macho "gnädige Frau" genannt
werden wird, werdet Ihr merken, daß die Welt dadurch keinen Deut
besser geworden ist.

Ralf Joerres

unread,
Jan 29, 2016, 11:37:48 AM1/29/16
to
Die Weissagung der Cree lässt grüßen.

Davon ab: Man könnte darüber nachdenken, womit eine
solche Verwendung von 'Ding/Dinger' zusammenhängt.
Maliziös gesprochen ist es zumindest mal kein gene-
risches Maskulinum, das wäre ja auch noch schöner!,
soll die Bezeichnung sich doch ausdrücklich auf weib-
liche Wesen beziehen. Das Neutrum wird diesbezwecks
des öfteren in Anschlag gebracht: 'Kleines' als Anrede
für Mädchen oder wesentlich jüngere Frauen (jünger
als der sog. 'Sprecher'), 'dat Müller' statt 'die
Müllersche' oder 'unsere Müllerin', schwäbisch auch
'das Mensch', scheint nach Internetquellen stark
abwertend zu sein, elsässisch hingegen nach dem
Wörterbuch von Martin/Lienhart (1899) "durchaus ohne
schlimme Nebenbedeutung"; das DWB der Grimms lässt
sich ausführlich darüber aus, inwieweit 'das Mensch'
pejorativ, neutral oder sogar aufwertend sein kann.
Über all dem 'das Mädchen' nicht zu vergessen, aber
dazu heißt es, alle -chens sind Neutra. Die sind
ebenso einfach erklärbar wie 'Weibsstück' oder
'Weibsbild'.

Wohl sind diese Neutra in ihrer Geschichte sehr
unterschiedliche Wege gegangen, aber in meinem
Bewusstsein sind sie miteinander verbunden als
leicht bis stärker herablassend, und sei es nur von
der üblichen wangetätschelnden Erwachsenenperspek-
tive zu einem Kind herunter: Na, Kleines? Das kann
durchaus zärtlich gemeint sein, wobei sich wieder
andere Fragen nach der Angebrachtheit stellen.

Grüße: Ralf Joerres
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