Am Mittwoch, 27. Januar 2016 11:26:19 UTC+1 schrieb Gunhild Simon:
> Am Mittwoch, 27. Januar 2016 10:40:06 UTC+1 schrieb Werner Tann:
> > Ralf Joerres <
rjoe...@gmail.com> schrieb:
> >
> > >Altersbezeichnungen erscheinen mir mehr oder
> > >weniger relativ. Welches Alter würde man für
> > >jemanden 'in den besten Jahren' ansetzen?
>
> ...
> > "Korrekt" hieße hier, daß es tatsächliche Umstände gibt, die die
> > Qualifikation erlauben, also etwa Aktivität, Gesundheit, Erfolg.
> > Freilich ist auch das nicht so einfach. Auch ein kranker, älterer
> > Mensch, kaum mehr mobil, könnte eine Zufriedenheit und "Weisheit"
> > entwickelt haben, daß er zu Recht sagt, das seien nun seine besten
> > Jahre, was habe ihn früher alles fertiggemacht ...
>
> Es ist ein Unterschied zwischen den beiden
> Wendungen "in den besten Jahren sein"
> und "seine besten Jahre haben/erleben".
>
> "in den besten Jahren" wird oft gebraucht,
> um einen Widerspruch zwischen Leistungsfähigkeit -
> also biologisches Alter plus Erfolg, Wissen,
> Weisheit, Gesundheit - und Realität - Unfall,
> Krankheit, Schicksalsschlag - zu illustrieren.
> Es wird damit eher eine, zwar beschönigende, aber
> objektive Aussage über das Alter gemacht -
> mittlere Jahre, jedoch dem Scheitelpunkt nahe.
Für 'in den besten Jahren' ist mir eine solche
'Kontrastbedeutung' (zugespitzt: in der Blüte
seiner Jahre dahingerafft) nicht geläufig, das
ließe sich aber so sagen: Man würde ihn als
einen 'Mann in den besten Jahren' bezeichnen,
wäre nicht diese 'dumme Geschichte' passiert,
dieses erste Herzversagen mit anschließend
unerfreulicher Diagnose und rigoroser
therapeutischer Einengung seiner bisherigen,
auf Uneingeschränktheit angelegten Lebens-
umstände.
Ich denke, dass häufiger von einem Mann (und
auch, aber weniger häufig, von einer Frau) in
den besten Jahren in dem Sinne gesprochen wird,
dass er seine wilden Zeiten hinter sich hat,
dass er beruflich und charakterlich gefestigt
ist, sesshaft geworden in seinen Wertvorstel-
lungen und Lebensumständen, dass er etwas
erreicht hat, das er nicht aufgeben will. Er
ist jedenfalls nicht jung, wäre womöglich eine
gute Partie und ist nicht 'jenseits von Gut und
Böse'.
> Dagegen sind "die besten Jahre" unabhängig von
> einem gesellschaftlich zugewiesenen Alter,
> das Erfolg als Krönung und Summe der Bemühungen
> aus der Vergangenheit beschreibt, eher subjektiv.
> Es sind die persönlichen Bestleistungen.
Für mich ähnlich. Mir steht dabei der Satz vor
Augen: 'Das waren meine besten Jahre', was sich
erst rückblickend herausstellt und erfolgsunab-
hängig ist. Für mich wären es die Jahre, in denen
jemand am intensivsten das Gefühl hatte, zu leben,
was in latentem Widerspruch zu dem 'Mann in den
besten Jahren' stünde, der in vergleichsweise
ruhiges Fahrwasser gelangt ist. Aber dies ist,
wie du schreibst, sehr subjektiv. Was ich hier
beschrieben habe, könnte man auch 'die schönsten
Jahre' nennen.
> Dann gibt es noch "Best-agers", rüstige,
> gutsituierte, zeitunabhängige Rentner, als
> Zielgruppe verschiedener Anbieter.
Genau, zumal unsere Senioren finanziell oft
'gut dastehen' (auch so eine schöne Wendung)
und wildvergnügt auf Kreuzfahrt, Safari oder
ähnlicherlei Erkundungsfahrten gehen, solang
noch das Lämplein glüht.
Grüße: Ralf Joerres