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Q: Hanseatisches Du

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Ika Geers

unread,
Apr 22, 1994, 6:28:03 PM4/22/94
to
Holm Landrock (ho...@salyko.cube.net) schrieb:
> Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
> die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
> dass der Tick aus den USA stammt.

Die Bezeichnung kenne ich nicht, aber ich kenne Beispiele, dass
sowas in amerikanischen Firmen in Deutschland entsteht.
Mir persoenlich ist diese Form auesserst unangenehm, und ich bemuehe mich
grundsaetzlich, sowas in die eine oder andere Richtung aufzuloesen.
Entweder ich bin mit jemand per "du" oder per "Sie".
Und wenn es sich um Amis handelt, hast du im Brief das Problem ja
sowieso nicht. Meine Empfehlung, wenn sowas denn schon
eingerissen ist: Anrede mit dem vollen Namen, d.h.
"Liebe Anne Rademacher, bitte koennten Sie..."
damit haelst du dir praktisch beide Wege offen, den zum du und den
zum Sie. Wenn ich einen solchen Brief bekomme, dann verstehe ich
den als Signal, das etwa besagt: "Wir sind zwar nicht per Du, aber ich
wuerde dich gerne duzen, weil wir uns so gut verstehen."
marlene
--
/* Ika Geers: Never say never */
/* Internet: mar...@cube.net */
/* CompuServe: 73250,652 */

Holm Landrock

unread,
Apr 22, 1994, 12:39:09 PM4/22/94
to
Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
dass der Tick aus den USA stammt.

Meine Frage: Wie lautet eine korrekte Anrede im Brief?
Beispiele: Guten Tag Klaus, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
Hallo Marion, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
Lieber Hein, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...

Welche Form haelt die Distanz des "Sie" aufrecht und vermittelt
gleichzeitig die "corporate" lockere Umgangsform?

mfG
Holm
--
- Holm Landrock, 81927 Muenchen, Internet: ho...@cube.net -
- "Die 5 Phasen des Todes: Zorn, Verleugnung, Feilschen, Depression, Annahme" -

Klaus Desinger

unread,
Apr 23, 1994, 8:08:59 AM4/23/94
to
mar...@salyko.cube.net (Ika Geers) writes:

>Holm Landrock (ho...@salyko.cube.net) schrieb:
>> Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
>> die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
>> dass der Tick aus den USA stammt.

>Die Bezeichnung kenne ich nicht, aber ich kenne Beispiele, dass
>sowas in amerikanischen Firmen in Deutschland entsteht.

[...]

Ich wurde von einer (aelteren) Hamburger Zimmerwirtin (sie stammte aus
Dithmarschen) immer mit "Herr Klaus" und "Sie" angesprochen; und sie
hat nicht etwa Klaus fuer meinen Nachnamen gehalten.

Gruss,
Klaus

--
Klaus Desinger email k...@ipp-garching.mpg.de
Rechenzentrum Garching annoyance number +49 89-3299-2168

Joachim Beggerow

unread,
Apr 22, 1994, 8:47:04 PM4/22/94
to
In <2p8ujd$f...@salyko.cube.net>, Holm Landrock writes:
>Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
>die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
>dass der Tick aus den USA stammt.
>
>Meine Frage: Wie lautet eine korrekte Anrede im Brief?
>Beispiele: Guten Tag Klaus, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
> Hallo Marion, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
> Lieber Hein, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
>
>Welche Form haelt die Distanz des "Sie" aufrecht und vermittelt
>gleichzeitig die "corporate" lockere Umgangsform?

Wenns denn unbedingt die Kombination eines Vornamens mit Sie sein soll ---
ich finde diese Verbindung generell grauenhaft --- wuerde ich die erste
oder dritte Variante waehlen. Die zweite klingt fuer mich voellig daneben.

Joachim
--
| "The clam shells are heavy today."
Joachim Beggerow | Kajiwara Takeo, then 7-dan, muttered this after
j...@shusaku.escape.de | he played four stones during a whole day.

Franz Betzel

unread,
Apr 24, 1994, 5:08:35 PM4/24/94
to
In article <2p8ujd$f...@salyko.cube.net>, ho...@salyko.cube.net (Holm
Landrock) wrote:

> Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
> die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
> dass der Tick aus den USA stammt.
>
> Meine Frage: Wie lautet eine korrekte Anrede im Brief?
> Beispiele: Guten Tag Klaus, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
> Hallo Marion, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
> Lieber Hein, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...

Hallo...

Das erste ist zu distanziert, das zweite setzt schon beinahe ein "Du"
voraus.

BTW: Ich arbeite in einer amerikanischen Firma mit vielen deutschen
Angestellten, und das "Sie, [Vorname]..." hat sich auch auf deutsch
durchgesetzt. Auch in meinem Bekanntenkreis kann ich immer wieder positive
Reaktionen auf diese Anredeform finden.

Franz.
(Zu mir koennt ihr ruhig weiterhin "Du" sagen.)

*****************************************************************
Franz J. Betzel, RFE/RL Inc., Munich, Bavaria (bet...@rferl.org)

Hatten Sie das schon einmal? Dann haben Sie's jetzt wieder...

Peter Kittel Germany

unread,
Apr 26, 1994, 1:56:32 AM4/26/94
to
In article <2p8ujd$f...@salyko.cube.net> ho...@salyko.cube.net (Holm Landrock) writes:
>Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
>die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
>dass der Tick aus den USA stammt.

Sehe ich auch so. In Norddeutschland, als ich mal in den Ferien im
Akkord gejobbt habe, haben sich die Frauen genau andersrum angeredet:
"Du, Frau Meier,...". Als ich damals hier bei C= anfing, wurde mir als
erstes gesagt, wir seien eine amerikanische Firma und Anrede sei der
Vorname, auch beim obersten Boss. Bei Respektabstand natuerlich zusammen
mit "Sie". Nach zwei Tagen hatte ich mich daran gewoehnt.

>Meine Frage: Wie lautet eine korrekte Anrede im Brief?
>Beispiele: Guten Tag Klaus, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...

Jupp. Und bei Kollegen, mit denen ich sowieso per Du bin, habe ich auch
keine Skrupel, das Du auch in schriftlichen Memos zu verwenden. Wenn es
um die Feinheiten der ersten Woerter so eines Schreibens geht, dann
vermeide ich das entweder ganz und fange gleich mit dem eigentlichen
Anliegen an oder verwende das "Lieber Otto,...".

>Welche Form haelt die Distanz des "Sie" aufrecht und vermittelt
>gleichzeitig die "corporate" lockere Umgangsform?

Also an dieser Stelle ist es schlicht Geschmackssache. Uns hier wird
da nichts direkt vorgeschrieben, es haelt jeder wie der Dachdecker.

--
Best regards, Dr. Peter Kittel // E-Mail to \\ Only my personal opinions...
Commodore Frankfurt, Germany \X/ pet...@cbmger.de.so.commodore.com

Ulf Moeller

unread,
Apr 23, 1994, 8:55:33 PM4/23/94
to
ho...@salyko.cube.net (Holm Landrock) writes:

>Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
>die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
>dass der Tick aus den USA stammt.

Kaum, da im Englischen nicht zwischen "Du" und "Sie" unterschieden
wird...

>Meine Frage: Wie lautet eine korrekte Anrede im Brief?
>Beispiele: Guten Tag Klaus, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
> Hallo Marion, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
> Lieber Hein, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
>
>Welche Form haelt die Distanz des "Sie" aufrecht und vermittelt
>gleichzeitig die "corporate" lockere Umgangsform?

Schwierig, wohl am ehesten die mittlere. In offiziellen Briefen würde
man IMHO "Sehr geehter Herr xyz" schreiben.
--
Ulf Möller u...@ulf.mali.sub.org

PGP key fingerprint = B6 4F 97 28 8F C0 54 C3 A6 10 02 2F B9 31 78 14

Holm Landrock

unread,
Apr 27, 1994, 3:02:46 PM4/27/94
to
Ulf Moeller (u...@ulf.mali.sub.org) meinte in seiner bewaehrt altklugen Weise:

> ho...@salyko.cube.net (Holm Landrock) writes:
> >Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
> >die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
> >dass der Tick aus den USA stammt.

> Kaum, da im Englischen nicht zwischen "Du" und "Sie" unterschieden
> wird...

..und Ulf schafft es damit, die Einleitung zur Hauptsache zu machen.
Allerdings wird im Englischen und Amerikanischen sehr wohl zwischen Du
und Sie unterschieden, allein man nimmt zur Zeit dasselbe Wort dafuer.
Aber das gehoert eher nach alt.usage.english.

Spaetestens an der Schnodderschnautze, die einige Anglophonen an den Tag
legen, merkt man, dass es eben kein "Sie" ist, dass da "you" heisst.
Des weiteren bezog sich "Tick aus den USA stammt" darauf, dass Firmen in
Deutschland, die amerikanische Muttergesellschaften haben, eben das von
mir so genannte Hanseatische Du, das es, wie Peter schon schrieb, auch
mit Du und Familienname gibt, heranziehen, um die Amis nachzuaeffen, mit
ihrem sicherlich sehr feinen Unterschied zwischen "Du Arsch" und
"Sie Kamel". Jawoll, Herr Ulf!

Holm
--
- Holm Landrock, 81927 Muenchen, Internet: ho...@cube.net -

- "The Only Person Getting His Work Done By Friday Was ... Robinson Crusoe" -

Ulf Moeller

unread,
Apr 28, 1994, 8:46:50 PM4/28/94
to
ho...@salyko.cube.net (Holm Landrock) writes:

>..und Ulf schafft es damit, die Einleitung zur Hauptsache zu machen.

Diesmal schaffe ich das wirklich: Wenn du mich anflamen willst, tu das
doch bitte in de.alt.flame. Hast du meinen Umlaut-Artikel immer noch
nicht verkraftet, oder was ist los?

Olaf Titz

unread,
Apr 28, 1994, 5:07:12 AM4/28/94
to
In article <15...@cbmger.de.so.commodore.com>,

Peter Kittel Germany <pet...@cbmger.de.so.commodore.com> wrote:
> In article <2p8ujd$f...@salyko.cube.net> ho...@salyko.cube.net (Holm Landrock) writes:
> >Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
> >die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
> >dass der Tick aus den USA stammt.

In Hamburg ist diese Form der Anrede wirklich mehr oder weniger
üblich. Wo man es noch findet, ist in manchen Schulen, wo die Lehrer
gehalten sind, ältere Schüler zu siezen (und zumeist keiner damit
glücklich ist).

> Sehe ich auch so. In Norddeutschland, als ich mal in den Ferien im
> Akkord gejobbt habe, haben sich die Frauen genau andersrum angeredet:
> "Du, Frau Meier,...". Als ich damals hier bei C= anfing, wurde mir als

Das habe ich auch schon hier (=Süddeutschland) gehört (vorwiegend
unter Verkäuferinnen). Hat jemand eine Ahnung, wo das herkommt?

> >Meine Frage: Wie lautet eine korrekte Anrede im Brief?
> >Beispiele: Guten Tag Klaus, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
> Jupp. Und bei Kollegen, mit denen ich sowieso per Du bin, habe ich auch
> keine Skrupel, das Du auch in schriftlichen Memos zu verwenden. Wenn es
> um die Feinheiten der ersten Woerter so eines Schreibens geht, dann
> vermeide ich das entweder ganz und fange gleich mit dem eigentlichen
> Anliegen an oder verwende das "Lieber Otto,...".

Die wachsende Verbreitung von Email bringt hier auch eine Änderung im
Umgangston mit sich: nur "Hallo" ohne Namen oder ganz ohne Anrede ist
üblich, gleichzeitig setzt sich das Du noch weiter durch. Dann gibt es
auch noch Formen wie "Lieber Herr ..."

Das Problem dabei sehe ich, daß die überkommenen Formen nicht mehr als
adäquat angesehen werden und sich neue noch nicht so recht
durchgesetzt haben. Es gibt auch keine Instanz, die das irgendwie
normieren könnte, und viele sind sich umso unsicherer, sich nicht im
Ton zu vergreifen.

Olaf
--
___ ol...@bigred.ka.sub.org - uk...@rz.uni-karlsruhe.de
__ o <a href="http://rzstud1.rz.uni-karlsruhe.de/~uknf/">click</a>
__/<_ also: s_t...@ira.uka.de - uk...@dkauni2.bitnet - praetorius@irc
_)>(_)_________ "now i find that most of the time love's not enough in itself"

Steffani

unread,
Apr 29, 1994, 2:04:39 PM4/29/94
to
ol...@bigred.ka.sub.org (Olaf Titz) writes:

>In article <15...@cbmger.de.so.commodore.com>,
>Peter Kittel Germany <pet...@cbmger.de.so.commodore.com> wrote:
>> In article <2p8ujd$f...@salyko.cube.net> ho...@salyko.cube.net (Holm Landrock) writes:
>> >Fuer die Verwendung des Vornamens mit der Anredeform Sie habe ich mal
>> >die Bezeichnung "Hanseatisches Du" aufgeschnappt. Ich nehme aber an,
>> >dass der Tick aus den USA stammt.

>In Hamburg ist diese Form der Anrede wirklich mehr oder weniger

>ueblich. Wo man es noch findet, ist in manchen Schulen, wo die Lehrer
>gehalten sind, aeltere Schueler zu siezen (und zumeist keiner damit
>gluecklich ist).

Mein Vater (und auch ein paar andere Vaeter) bedienen sich
dieser Form um mit meinen Freunden zu kommunizieren. (Meine
Mutter sagt Du). Das scheint auch recht vernuenftig, denn
aus Erzaehlungen sind diese Menschen unter ihren Vornamen
bekannt, aber anderseits ist ein einseitiges Du auch komisch.

Ausserdem kenne ich es etwa bei Nachberinnen, die mich von so
klein (Handbewegung in Kniehoehe) kennt. Aber ansonsten Sie mit
Nachnamen oder Du mit Vornamen aber kein Mischmasch. Ich habe
nicht das Beduerfnis, jeden zu duzen. Es gibt Menschen die ich
sieze die mir naeher stehen als andere die ich duze.

>> >Meine Frage: Wie lautet eine korrekte Anrede im Brief?
>> >Beispiele: Guten Tag Klaus, anbei finden Sie die Unterlagen zu blafasel...
>> Jupp. Und bei Kollegen, mit denen ich sowieso per Du bin, habe ich auch
>> keine Skrupel, das Du auch in schriftlichen Memos zu verwenden.

Jein ... offizielle Briefe, die in irgendwelchen Akten landen kriegen
ein Sie ... ansonsten Du falls ueblich

hans friedrich steffani
--
Hans Friedrich Steffani gm...@rz.uni-karlsruhe.de
Maschinenwesen im Baubetrieb hans.s...@bau-verm.uni-karlsruhe.de
Universitaet Karlsruhe gm...@DKAUNI2.BITNET
0721 / 608-6008

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