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'Wo warst du?' vs. 'Wo bist du gewesen?'

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Ralf Joerres

unread,
Mar 22, 2018, 6:41:47 PM3/22/18
to
Heute fiel mir auf, dass ich die beiden Fragen 'wo warst du?' gegenüber
'wo bist du gewesen?' anscheinend nicht in denselben Situationen
benutze. Ist das bei Euch auch so?

Gruß Ralf Joerres

Mark Obrembalski

unread,
Mar 22, 2018, 6:54:47 PM3/22/18
to
Ich benutze beides eigentlich fast gar nicht, sicher nicht in einem
Umfang, in dem man da nach Situationen unterscheiden könnte. Vielleicht
beschreibst Du selbst mal die Situationen und was Du wann sagen würdest,
am besten auch, welches Muster Dir da auffällt. Dann kann ich Dir sagen,
ob ich das ähnlich halten würde oder nicht.

Gruß,
Mark

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 23, 2018, 4:04:03 AM3/23/18
to
Ralf Joerres skrev:

> Heute fiel mir auf, dass ich die beiden Fragen 'wo warst du?' gegenüber
> 'wo bist du gewesen?' anscheinend nicht in denselben Situationen
> benutze. Ist das bei Euch auch so?

Einer, der auf einem gewissen Zeitpunkt dringend Hilfe brauchte,
könnte fragen:

Wo warst du?

Der Kriminalkommissar fragt:

Wo bist du gewesen?

--
/Bertel - aus Dänemark

H.-P. Schulz

unread,
Mar 23, 2018, 5:29:03 AM3/23/18
to
Ralf Joerres <rjoe...@gmail.com> schrieb:

>Heute fiel mir auf, dass ich die beiden Fragen 'wo warst du?' gegenüber
>'wo bist du gewesen?' anscheinend nicht in denselben

gleichartigen

> Situationen benutze. Ist das bei Euch auch so?

Same here.

Das führt aber ins weite Feld des grammatischen Zeitengebrauchs, der
consecutio temporum ... und überhaupt und alles. ;-))

Will sagen: Da ist nichts, was den Zeitengebrauch speziell bei dieser
Frage (nach dem Verbleib) thematisierte.

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 23, 2018, 7:20:39 AM3/23/18
to
Mir fiel auf, daß ich einen Hammer und einen Schraubenzieher
anscheinend nicht in denselben Situationen benutze. Ist das
bei euch auch so?

Einer, der nur schnell mal ein Bild an die Wand hängen will,
benutzt einen Hammer.
Der Elektriker beim Anbringen einer Wandlampe
benutzt einen Schraubenzieher.

Nach ihren Gründen befragt, antworteten sie nicht, wie vermutet,
daß das eine weniger Lärm mache als das andere, sondern daß es
für den Einsatz beider Werkzeuge jeweils ziemlich fest umrissene
Rahmenbedingungen gebe, über die man erforderlichen Falls in
speziellen Lehrbüchern nachlesen könne.
--
j/\a

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 23, 2018, 7:32:02 AM3/23/18
to
Jakob Achterndiek skrev:

> Einer, der nur schnell mal ein Bild an die Wand hängen will,
> benutzt einen Hammer.
> Der Elektriker beim Anbringen einer Wandlampe
> benutzt einen Schraubenzieher.

Der Elektriker, der meine Lampe in der Spülküche montieren
sollte, hammerte die Schrauben mit einem Seitenschneider (ehe er
sie schraubte).

René Marquardt

unread,
Mar 23, 2018, 7:35:34 AM3/23/18
to
Saitenschneider! Saitenschneider! Saitenschneider!

Matthias Opatz

unread,
Mar 23, 2018, 2:43:27 PM3/23/18
to
Dies schrieb Martin Gerdes:
> René Marquardt schrieb:

>> Saitenschneider!
>
> Seitenschneider. Der Seitenschneider schneidet an der Seite, wohingegen
> der Vornschneider vorn schneidet.

Naja, die einen sagen so, die andern so.

Post[h]um ist auch so ein Fall. Oder H[ä|e]ring.

Matthias

H.-P. Schulz

unread,
Mar 23, 2018, 3:27:14 PM3/23/18
to
Matthias Opatz <inv...@invalid.invalid> schrieb:

>Naja, die einen sagen so, die andern so.

Das ist glatt Sig-reif!

Oder Genral-Motto für desd.

Andreas Karrer

unread,
Mar 23, 2018, 4:24:36 PM3/23/18
to
* Matthias Opatz <inv...@invalid.invalid>:
> Dies schrieb Martin Gerdes:
>> René Marquardt schrieb:
>
>>> Saitenschneider!
>>
>> Seitenschneider. Der Seitenschneider schneidet an der Seite, wohingegen
>> der Vornschneider vorn schneidet.
>
> Naja, die einen sagen so, die andern so.

Wenn sie es *sagen*, wird man kaum einen Unterschied hören. Gelesen hab
ich das bis eben noch nie.

Von einer Firma wie Knipex kann man in guter Näherung annehmen, dass
die wissen, was für Produkte sie herstellen. Und Knipex verkauft
Seitenschneider. Mehr als 50 verschiedene Typen.

Und wenn von diesen 50 gut die Hälfte nicht zum Schneiden von
Stahlsaiten (Pianodraht) geeignet ist, verdichtet sich der Verdacht,
dass Saitenschneider wohl einfach falsch ist.

- Andi

Detlef Meißner

unread,
Mar 23, 2018, 4:32:01 PM3/23/18
to
Am 23.03.2018 um 21:24 schrieb Andreas Karrer:
> * Matthias Opatz <inv...@invalid.invalid>:
>> Dies schrieb Martin Gerdes:
>>> René Marquardt schrieb:
>>
>>>> Saitenschneider!
>>>
>>> Seitenschneider. Der Seitenschneider schneidet an der Seite, wohingegen
>>> der Vornschneider vorn schneidet.
>>
>> Naja, die einen sagen so, die andern so.
>
> Wenn sie es *sagen*, wird man kaum einen Unterschied hören. Gelesen hab
> ich das bis eben noch nie.

Vielleicht macht ja der Saitenschneider einen Saitensprung.

Detlef

René Marquardt

unread,
Mar 23, 2018, 4:52:25 PM3/23/18
to
Da aber nicht einer dieser "Seiten"schneider seitlich oder Seiten schneidet,
sondern länglichen, straff gespannten Draht, behaupte ich frech, daß
Saitenschneider richtig ist, und "Seitenschneider" eine Verschleifung
ist, die sich durchgesetzt hat. Entweder, als mal kurz "Seite" für
Musikdraht richtig war, oder später.

Das entsprechende Werkzeug an meinem Leatherman heißt übrigens
"wire cutter".

Detlef Meißner

unread,
Mar 23, 2018, 5:02:36 PM3/23/18
to
Am 23.03.2018 um 21:52 schrieb René Marquardt:
> On Friday, March 23, 2018 at 3:24:36 PM UTC-5, Andreas Karrer wrote:
>> * Matthias Opatz <inv...@invalid.invalid>:
>>> Dies schrieb Martin Gerdes:
>>>> René Marquardt schrieb:
>>>
>>>>> Saitenschneider!
>>>>
>>>> Seitenschneider. Der Seitenschneider schneidet an der Seite, wohingegen
>>>> der Vornschneider vorn schneidet.
>>>
>>> Naja, die einen sagen so, die andern so.
>>
>> Wenn sie es *sagen*, wird man kaum einen Unterschied hören. Gelesen hab
>> ich das bis eben noch nie.
>>
>> Von einer Firma wie Knipex kann man in guter Näherung annehmen, dass
>> die wissen, was für Produkte sie herstellen. Und Knipex verkauft
>> Seitenschneider. Mehr als 50 verschiedene Typen.
>>
>> Und wenn von diesen 50 gut die Hälfte nicht zum Schneiden von
>> Stahlsaiten (Pianodraht) geeignet ist, verdichtet sich der Verdacht,
>> dass Saitenschneider wohl einfach falsch ist.

> Da aber nicht einer dieser "Seiten"schneider seitlich oder Seiten schneidet,
> sondern länglichen, straff gespannten Draht, behaupte ich frech, daß
> Saitenschneider richtig ist, und "Seitenschneider" eine Verschleifung
> ist, die sich durchgesetzt hat.

Behaupten kann man viel.
Ein Seitenschneider heißt eben nicht Seitenschneider, weil er Seiten
schneidet, sondern weil er seitlich schneidet.
Ein Vorderschneider heißt auch nicht so, weil der Vorder schneidet.

> Entweder, als mal kurz "Seite" für
> Musikdraht richtig war, oder später.

Nun, ich behaupte mal frech, Schießeisen kommt von Schißeisen, als das
mal so richtig war, entweder früher oder später.

Detlef

René Marquardt

unread,
Mar 23, 2018, 5:14:08 PM3/23/18
to
Dann zeig mir mal einen Seitenschneider, der
seitlich schneidet. Die Dinger, die seitlich
schneiden, heißen bei mir "Messer."

Ulf.K...@web.de

unread,
Mar 23, 2018, 5:19:44 PM3/23/18
to
Moin,
Damit bekommt man die Strippen zumindest
abschnittsweise aus der Violine.

Gruß, ULF

Detlef Meißner

unread,
Mar 23, 2018, 5:24:15 PM3/23/18
to
Ein Vorderschneider (Zange) schneidet vorn, ein Seitenschneider (Zange)
schneidet seitlich. Eine Nagelzange (für Fingernägel) schneidet auch
seitlich, eine Schere schneidet vorn.

Eine Messer ist eine ganz andere Konstruktion. Dann könntest du auch
behaupten, ein Säbel schneide seitlich.

Ich glaube, dir ist nur fad. Ist dir die Munition ausgegangen?

Detlef



Ulf.K...@web.de

unread,
Mar 23, 2018, 5:25:36 PM3/23/18
to
https://de.wikipedia.org/wiki/Seitenschneider
oben.

Bezogen auf eine Ebene mittig, auf die andere eben seitlich.

Frank Hucklenbroich

unread,
Mar 23, 2018, 6:12:57 PM3/23/18
to
Am 23 Mar 2018 20:24:34 GMT schrieb Andreas Karrer:

> Und wenn von diesen 50 gut die Hälfte nicht zum Schneiden von
> Stahlsaiten (Pianodraht) geeignet ist, verdichtet sich der Verdacht,
> dass Saitenschneider wohl einfach falsch ist.

Wieso Pianodraht? Da schneidet man ja normalerweise nicht dran rum. Denk
aber mal an die Gitarren. Da werden zumindest bei E-Gitarren Stahlseiten
verwendet (bei akustischen Western-Gitarren auch). Und das, was nach dem
besaiten an der Kopfplatte übersteht, also nachdem man es auf die Wirbel
gedreht hat (das können gut 10 cm oder mehr sein), knipst man normalerweise
mit dem Saitenschneider ab.

Zumindest bei mir ist das die häufigste Verwendung dieses Werkzeuges,
deshalb heißt es bei mir auch "Saitenscheiner".

Grüße,

Frank

Detlef Meißner

unread,
Mar 23, 2018, 6:25:37 PM3/23/18
to
Möglicherweise ist der Seitenschneider älter als eine Stahlseite.
Prinzipiell kann man eine Saite auch mit einem Vorderschneider schneiden
(Kneifzange).

Detlef

Christian Weisgerber

unread,
Mar 23, 2018, 7:30:06 PM3/23/18
to
On 2018-03-23, Matthias Opatz <inv...@invalid.invalid> wrote:

>> René Marquardt schrieb:
>
>>> Saitenschneider!
>>
>> Seitenschneider. Der Seitenschneider schneidet an der Seite, wohingegen
>> der Vornschneider vorn schneidet.
>
> Naja, die einen sagen so, die andern so.

Ich habe Renés „Saitenschneider“ erst für einen Scherz gehalten und
war überrascht, dass es diese Variante laut Wikipedia tatsächlich
gibt.

> Post[h]um ist auch so ein Fall. Oder H[ä|e]ring.

Was „post(h)um“ angeht, so ist im (Vulgär)lateinischen /h/ entfallen,
was dann zu allerlei Hyperkorrekturen geführt hat. Sowas gibt es
immer wieder; ich habe mich erst kürzlich gewundert, wo denn das
-r- in Massalia > Marseille herkommt.

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.inka.de

Heinz Lohmann

unread,
Mar 23, 2018, 9:09:19 PM3/23/18
to
Am 24.03.2018 um 06:40 schrieb Christian Weisgerber:
> On 2018-03-23, Matthias Opatz <inv...@invalid.invalid> wrote:
>
>>> René Marquardt schrieb:
>>
>>>> Saitenschneider!
>>>
>>> Seitenschneider. Der Seitenschneider schneidet an der Seite, wohingegen
>>> der Vornschneider vorn schneidet.
>>
>> Naja, die einen sagen so, die andern so.
>
> Ich habe Renés „Saitenschneider“ erst für einen Scherz gehalten und
> war überrascht, dass es diese Variante laut Wikipedia tatsächlich
> gibt.
>

Zumindest der ngram-viewer verzeichnet dieses Wort nicht:
<https://books.google.com/ngrams/graph?content=Seitenschneider%2C+Saitenschneider&year_start=1800&year_end=2000&corpus=20&smoothing=3&share=&direct_url=t1%3B%2CSeitenschneider%3B%2Cc0>

https://goo.gl/bhou8k

Allerdings endet der Zeitraum der Suche schon im Jahr 2000, also weit
bevor Wikipedia wirkmächtig wurde.

Wortschatz Uni Leipzig:

Wort: Saitenschneider
keine Ergebnisse

--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.

H.-P. Schulz

unread,
Mar 24, 2018, 3:58:28 AM3/24/18
to
Christina Kunze <ku...@revesz.de> schrieb:

>(...) weil die Buchstabenkombination th edler wirkte als ein
>einfaches T (sowas kommt in mittelalterlichen Urkunden gern mal vor, mir
>sind spontan aber nur Beispiele mit anlautendem T in Erinnerung).

Das th war eine lang anhaltende Mode, auch und gerade für deutsche
Wörter; nicht nur anlautend:

Rath, Werth, Muth, Noth ...

H.-P. Schulz

unread,
Mar 24, 2018, 4:02:33 AM3/24/18
to
Ich vergaß:

Goethe, Werther!

;-))

Diedrich Ehlerding

unread,
Mar 24, 2018, 5:16:27 AM3/24/18
to
Andreas Karrer meinte:

>>> der Vornschneider vorn schneidet.
>>
>> Naja, die einen sagen so, die andern so.
>
> Wenn sie es *sagen*, wird man kaum einen Unterschied hören. Gelesen hab
> ich das bis eben noch nie.

Hierzugruppe würde Martin G. dir sicher vehement widersprechen; wenn ich
dem glauben darf, sprechen Australis "Laib" und "Leib" deutlich
untershchiedlich, wenngleich ich diesen Unterschied nicht höre. Mich
wundert aber, dass du als Schweizer, dessen Heimatdialekt doch auch eher
süddeutsch ist, ebenfalls meint, dass man da keinen (oder kaum einen)
Unterschied hört.
>
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.

Diedrich Ehlerding

unread,
Mar 24, 2018, 5:16:27 AM3/24/18
to
Christina Kunze meinte:

> Ich kenn das Teil auch als
> Seitenschneider,

Ich auch.

> finde aber überhaupt nicht, dass es seitlich schneidet,
> es tut das mehr in der Mitte.

Ich verstehe es als Gegenstück zur Kneifzange und ähnlichen Konstruktionen
(zu der laut dem allwissenden Du-weißt-schon-welches-Online-
Nachschlagewerk ähnliche Konstruktionen auch "Vornschneider" heißen , die
eben vorn abknipsen udn nicht seitlich).

Ulf.K...@web.de

unread,
Mar 24, 2018, 5:53:11 AM3/24/18
to
Am Freitag, 23. März 2018 23:12:57 UTC+1 schrieb Frank Hucklenbroich:

> Zumindest bei mir ist das die häufigste Verwendung dieses Werkzeuges,
> deshalb heißt es bei mir auch "Saitenscheiner".

Dessen Verwendungszweck bitte ich zu erläutern.

Gruß, ULF

Andreas Karrer

unread,
Mar 24, 2018, 6:22:32 AM3/24/18
to
* Diedrich Ehlerding <diedrich....@t-online.de>:
> Andreas Karrer meinte:
>
>>>> der Vornschneider vorn schneidet.
>>>
>>> Naja, die einen sagen so, die andern so.
>>
>> Wenn sie es *sagen*, wird man kaum einen Unterschied hören. Gelesen hab
>> ich das bis eben noch nie.
>
> Hierzugruppe würde Martin G. dir sicher vehement widersprechen; wenn ich
> dem glauben darf, sprechen Australis "Laib" und "Leib" deutlich
> untershchiedlich, wenngleich ich diesen Unterschied nicht höre. Mich
> wundert aber, dass du als Schweizer, dessen Heimatdialekt doch auch eher
> süddeutsch ist, ebenfalls meint, dass man da keinen (oder kaum einen)
> Unterschied hört.

Och im *Dialekt* wird das vollkommen klar unterschieden, Siiteschniider
und Sayteschniider (was ich noch nie gehört habe). Die Situation in
der Schweiz unterscheidet sich aber von der in Süddeutschland: Als
Schweizer weiss ich bei jedem Satz, ob ich Dialekt und Hochdeutsch
spreche, aber in Süddeutschland gibt es ein Kontinuum von Dialekt
über dialektal gefärbte Umgangssprache bis zum Hochdeutsch, wie es
Harald Schmidt spricht, bei dem man seine Wurzeln nur noch an
klitzekleinen Stellen bemerkt.

Martin spricht vermutlich nicht so gut Hochdeutsch wie Harald Schmidt,
es kann gut sein, dass er Seitenschneider und Saitenschneider in jedem
Sprachregister unterschiedlich ausspricht.

- Andi

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 24, 2018, 6:32:28 AM3/24/18
to
Martin Gerdes skrev:

>>> Der Elektriker, der meine Lampe in der Spülküche montieren
>>> sollte, hammerte die Schrauben mit einem Seitenschneider (ehe er
>>> sie schraubte).

>>Saitenschneider! Saitenschneider! Saitenschneider!

> Seitenschneider.

Es ist wohl erlaubt, Spass zu machen?

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 24, 2018, 6:40:34 AM3/24/18
to
Matthias Opatz skrev:

>>> Saitenschneider!

>> Seitenschneider.

> Naja, die einen sagen so, die andern so.

Ist "Saitenschneider" nicht ein Spass?

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 24, 2018, 6:46:30 AM3/24/18
to
René Marquardt skrev:

> Das entsprechende Werkzeug an meinem Leatherman heißt übrigens
> "wire cutter".

Auf Dänisch sagen wir "skævbider" - "Schiefbeisser".

Duden kennt nur "Seitenschneider".

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 24, 2018, 6:51:13 AM3/24/18
to
Frank Hucklenbroich skrev:

> verwendet (bei akustischen Western-Gitarren auch). Und das, was nach dem
> besaiten an der Kopfplatte übersteht, also nachdem man es auf die Wirbel
> gedreht hat (das können gut 10 cm oder mehr sein), knipst man normalerweise
> mit dem Saitenschneider ab.

Normalerweise nicht. Eine erstaundende Menge Gitarrenspieler
wickeln die Saite in einen Kreis auf und lässt ihn hängen. Ich,
dagegen, schneide die Saiten mit einem Seitenschneider ab.

Diedrich Ehlerding

unread,
Mar 24, 2018, 7:58:44 AM3/24/18
to
Andreas Karrer meinte:

> Martin spricht vermutlich nicht so gut Hochdeutsch wie Harald Schmidt,
> es kann gut sein, dass er Seitenschneider und Saitenschneider in jedem
> Sprachregister unterschiedlich ausspricht.

Letzteres mag sein, aber ich versichere dir: Martin spricht gutes
Hochdeutsch. Er hat nun schon viele Jahre in der borealen Diaspora
überlebt, und ich habe ihn problemlos verstanden. Er spricht allerdings
nicht aktiv den (so gut wie ausgestorbenen) Lokaldialekt.

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 24, 2018, 9:34:58 AM3/24/18
to
Am 24.03.2018 um 13:37 schrieb Martin Gerdes:
>
> | Die Etymologie des Namens – und somit auch die Schreibweise – dieses
> | Werkzeuges ist umstritten: Einige leiten die Bezeichnung von der
> | Aufgabe des Schneidens von Saiten ab,
>
> ist meines Erachtens schlichte Behauptung.
>

Der Phantasie des Wiki-Schreibers kann aufgeholfen werden durch den
Hinweis, daß feine Brühwürstchen traditionell in Schafsdärme, so
genannte Saitlinge, gefüllt werden. Die müssen ja auch, wenn sie
als Strang aus der Maschine kommen, irgendwie geschnitten werden -
im Zweifelsfall eben mit einem Saitenschneider.
Das schwäbische Wort /saidewürschtle/ habe ich mir früher so erklärt.
;)
--
j/\a

Dieter Britz

unread,
Mar 24, 2018, 9:47:19 AM3/24/18
to
On Fri, 23 Mar 2018 19:43:25 +0100, Matthias Opatz wrote:

> Dies schrieb Martin Gerdes:
>> René Marquardt schrieb:
>
>>> Saitenschneider!
>>
>> Seitenschneider. Der Seitenschneider schneidet an der Seite, wohingegen
>> der Vornschneider vorn schneidet.
>
> Naja, die einen sagen so, die andern so.

Nein, den wenn es soetwas geben sollte, dann wäre ein
Saitenschneider ein Ding das Saiten schneidet, etwas
ganz anderes als Seitenschneider, ein normales Werkzeug,
normalerweise für Draht. Man könnte natürlich auch Saiten
damit schneiden, aber wer will das?

--
Dieter Britz

Ulf.K...@web.de

unread,
Mar 24, 2018, 9:50:07 AM3/24/18
to
Am Samstag, 24. März 2018 14:47:19 UTC+1 schrieb Dieter Britz:
>
> Nein, den wenn es soetwas geben sollte, dann wäre ein
> Saitenschneider ein Ding das Saiten schneidet, etwas
> ganz anderes als Seitenschneider, ein normales Werkzeug,
> normalerweise für Draht. Man könnte natürlich auch Saiten
> damit schneiden, aber wer will das?

Hattest Du die Diskussion nicht gelesen?

Hier stand etwas von Überlänge von Gitarrensaiten
nach Einspannen.

Gruß, ULF

Gerald Gruner

unread,
Mar 24, 2018, 9:57:11 AM3/24/18
to
Bertel Lund Hansen schrieb am 23.03.18:

> Ralf Joerres skrev:
>
>> Heute fiel mir auf, dass ich die beiden Fragen 'wo warst du?' gegenüber
>> 'wo bist du gewesen?' anscheinend nicht in denselben Situationen
>> benutze. Ist das bei Euch auch so?
>
> Einer, der auf einem gewissen Zeitpunkt dringend Hilfe brauchte,
> könnte fragen:
>
> Wo warst du?

Ich würde unterscheiden:
"Wo bist du gewesen?" -> du warst eigentlich die ganze Zeit da und bist nur
_kurz_ weg gewesen.
"Wo warst du?" -> du bist jetzt zum ersten mal da. ("...ich hätte deine
Hilfe gebraucht." ist dann eine Frage der Betonung.)

Aber beide Formulierungen überlappen im realen Leben sicherlich sehr.

> Der Kriminalkommissar fragt:
>
> Wo bist du gewesen?

Der fragt eher: "Wo _waren_ Sie (zum Tatzeitpunkt) gewesen?"

MfG
Gerald

--
No trees were killed in the sending of this message. However
a large number of electrons were terribly inconvenienced.

René Marquardt

unread,
Mar 24, 2018, 9:57:28 AM3/24/18
to
Auch: Klaviere und Tennisschläger.

H.-P. Schulz

unread,
Mar 24, 2018, 10:53:05 AM3/24/18
to
Martin Gerdes <martin...@gmx.de> schrieb:

>H.-P. Schulz <hps...@online.de> schrieb:
>Ich habe mich lang gefragt, wie die Leute wohl auf solche Schreibungen
>kamen. Mittlerweile ahne ich das: Die Leute hierzustadt sprechen diese
>Behauchungen zum Teil deutlich hörbar aus.

Das ist im Deutschen eigentümlich: Aspiration der Plosive.
Englisch und Französisch kennen diese Aspiration nicht.

Die Aspiration ist aber auch bei auf [t] auslautenden Wörtern zu
hören, deren Schreibung nie (oder wenn, dann nur "idiosynkratisch"
(einen strengen Orthografie-Kanon gab es früher ja nicht)) ein th
hatte: gut, seit, Brett, Fett, Amt ...

Stephen Hust

unread,
Mar 24, 2018, 10:56:55 AM3/24/18
to
On 3/23/2018 9:24 PM, Andreas Karrer wrote:

> * Matthias Opatz <inv...@invalid.invalid>:

>> Dies schrieb Martin Gerdes:

>>> René Marquardt schrieb:

>>>> Saitenschneider!

>>> Seitenschneider. Der Seitenschneider schneidet an der Seite, wohingegen
>>> der Vornschneider vorn schneidet.

>> Naja, die einen sagen so, die andern so.

> Wenn sie es *sagen*, wird man kaum einen Unterschied hören. Gelesen hab
> ich das bis eben noch nie.
>
> Von einer Firma wie Knipex kann man in guter Näherung annehmen, dass
> die wissen, was für Produkte sie herstellen. Und Knipex verkauft
> Seitenschneider. Mehr als 50 verschiedene Typen.
>
> Und wenn von diesen 50 gut die Hälfte nicht zum Schneiden von
> Stahlsaiten (Pianodraht) geeignet ist, verdichtet sich der Verdacht,
> dass Saitenschneider wohl einfach falsch ist.

Ich gestehe, ich kenne nur "wire cutters", aber im Englischen gibt's
auch den Begriff "side-cutters" oder "side-cutting pliers".

Hier eine Saite ... äh .... Seite aus einem Katalog von 1877 (S. 163,
Fig. 1333-1335):

<https://books.google.at/books?id=ZQEfAAAAMAAJ&dq=%22side%20cutting%22%20%22pliers%22&pg=PA163#v=onepage&q=%22side%20cutting%22%20%22pliers%22&f=false>

In diesem Wörterbuch (S. 1742) aus dem Jahr 1877 sieht man "side-cutting
pliers" (e - allerdings schlecht zu erkennen) und auch "flat-nose pliers
with wire-cutter on the side" (d):

<https://books.google.at/books?id=RK05AQAAMAAJ&dq=%22side%20cutting%22%20%22pliers%22&pg=PA1742#v=onepage&q=%22side%20cutting%22%20%22pliers%22&f=false>

In diesem Faksimile eines Montgomery-Ward-Katalogs von 1895
"side-cutting plyers" (S. 151, A 36):

<https://books.google.at/books?id=AjqYCgAAQBAJ&lpg=PA151&dq=%22side%20cutting%22%20%22plyers%22&pg=PA151#v=onepage&q=%22side%20cutting%22%20%22plyers%22&f=false>

--
Steve

My e-mail address works as is.

Frank Hucklenbroich

unread,
Mar 24, 2018, 11:17:03 AM3/24/18
to
Wenn man eine Gitarrensaite eingefädelt, und auf den Wirbel gedreht hat
(also diese Spindel oben an der Kopfplatte), dann stehen in der Regel noch
10 - 15 cm Saite über. Das sieht erstens unordentlich aus und zweitens sind
die Saitenenden ziemlich scharf/spitz, so daß man sich da schnell blutige
Finger holen kann, wenn man nicht aufpasst. Deshalb schneidet man den
überstehenden Teil der Saite ab, und das geht sehr gut mit einem
Saitenschneider. Die knipst man damit einfach durch. Also den oberen,
überflüssigen Teil natürlich, der nicht unter Spannung steht.

Grüße,

Frank

Frank Hucklenbroich

unread,
Mar 24, 2018, 11:21:01 AM3/24/18
to
Bei Darmseiten vielleicht, aber bei Stahlseiten mag ich das nicht, die sind
spitz und scharf und da kann man sich durchaus mit in den Finger stechen,
daß es blutet.

Wobei ich nur E-Gitarre spiele, da sind die Saiten ziemlich dünn,
üblicherweise ein Satz 8er oder 9er. Die sind so dünn, daß sie wirklich
leicht in die Haut stechen:

https://www.thomann.de/de/onlineexpert_page_saitenkunde_e_gitarren_saitenstaerken.html

(0,25 mm für eine hohe 10er Saite).

Grüße,

Frank

Frank Hucklenbroich

unread,
Mar 24, 2018, 11:22:54 AM3/24/18
to
Genau das. Bei jedem Satz Saiten, bei jedem Wechsel (und wer viel spielt
wechselt oft). Also kein Nischenproblem.

Grüße,

Frank

Christian Weisgerber

unread,
Mar 24, 2018, 11:30:06 AM3/24/18
to
On 2018-03-24, Christina Kunze <ku...@revesz.de> wrote:

>> Was „post(h)um“ angeht, so ist im (Vulgär)lateinischen /h/ entfallen,
>> was dann zu allerlei Hyperkorrekturen geführt hat.
>
> Wie kommst Du denn darauf? "Postumus" ist doch klassisches Latein?!
> Ich habe es mir immer so erklärt, dass da volksetymologisch ein H
> reingekommen ist, weil entweder post-huma... oder sowas angenommen
> wurde,

Und wo ist da jetzt der Widerspruch?

Christian Weisgerber

unread,
Mar 24, 2018, 11:30:07 AM3/24/18
to
On 2018-03-24, Diedrich Ehlerding <diedrich....@t-online.de> wrote:

> Hierzugruppe würde Martin G. dir sicher vehement widersprechen; wenn ich
> dem glauben darf, sprechen Australis "Laib" und "Leib" deutlich
> untershchiedlich, wenngleich ich diesen Unterschied nicht höre.

Wieder das übliche Spiel, dass Neuhochdeutsch /aɪ/ aus zwei
verschiedenen mittelhochdeutschen Lauten hervorgegangen ist, nämlich
mal aus langem ī, mal aus eine Diphthong ei. In den Dialekten sind
diese nicht notwendigerweise zusammengefallen.

Da die Unterscheidung bis ins Germanische zurückreicht, ist sie
auch bei den englischen Entsprechungen sichtbar, hier „loaf“ und
„life“.

Detlef Meißner

unread,
Mar 24, 2018, 11:30:45 AM3/24/18
to
Am 24.03.2018 um 16:17 schrieb Frank Hucklenbroich:
> Am Sat, 24 Mar 2018 02:53:10 -0700 (PDT) schrieb Ulf.K...@web.de:
>> Am Freitag, 23. März 2018 23:12:57 UTC+1 schrieb Frank Hucklenbroich:
>>
>>> Zumindest bei mir ist das die häufigste Verwendung dieses Werkzeuges,
>>> deshalb heißt es bei mir auch "Saitenscheiner".
^^^^^^
>>
>> Dessen Verwendungszweck bitte ich zu erläutern.
>
> Wenn man eine Gitarrensaite eingefädelt, und auf den Wirbel gedreht hat
> (also diese Spindel oben an der Kopfplatte), dann stehen in der Regel noch
> 10 - 15 cm Saite über. Das sieht erstens unordentlich aus und zweitens sind
> die Saitenenden ziemlich scharf/spitz, so daß man sich da schnell blutige
> Finger holen kann, wenn man nicht aufpasst. Deshalb schneidet man den
> überstehenden Teil der Saite ab, und das geht sehr gut mit einem
> Saitenschneider. Die knipst man damit einfach durch. Also den oberen,
> überflüssigen Teil natürlich, der nicht unter Spannung steht.

Alles ganz schön und gut, aber Ulf hätte gern eine Erläuterung über den
Verwendungszweck des Seitenscheiners gehabt.

Detlef

Ralf Joerres

unread,
Mar 24, 2018, 11:35:01 AM3/24/18
to
Am Freitag, 23. März 2018 12:20:39 UTC+1 schrieb Jakob Achterndiek:
> Am 23.03.2018 um 09:04 schrieb Bertel Lund Hansen:
> > Ralf Joerres skrev:
> >
> >> Heute fiel mir auf, dass ich die beiden Fragen 'wo warst du?'
> >> gegenüber 'wo bist du gewesen?' anscheinend nicht in denselben
> >> Situationen benutze. Ist das bei Euch auch so?
> >
> > Einer, der auf einem gewissen Zeitpunkt dringend Hilfe brauchte,
> > könnte fragen:
> > Wo warst du?
> > Der Kriminalkommissar fragt:
> > Wo bist du gewesen?
> >
>
> Mir fiel auf, daß ich einen Hammer und einen Schraubenzieher
> anscheinend nicht in denselben Situationen benutze. Ist das
> bei euch auch so?
>
> Einer, der nur schnell mal ein Bild an die Wand hängen will,
> benutzt einen Hammer.
> Der Elektriker beim Anbringen einer Wandlampe
> benutzt einen Schraubenzieher.
>
> Nach ihren Gründen befragt, antworteten sie nicht, wie vermutet,
> daß das eine weniger Lärm mache als das andere, sondern daß es
> für den Einsatz beider Werkzeuge jeweils ziemlich fest umrissene
> Rahmenbedingungen gebe, über die man erforderlichen Falls in
> speziellen Lehrbüchern nachlesen könne.

Wie immer geist-, hier jedoch wenig hilfreich. Wie sollten die "fest
umrissenen Rahmenbedingungen" fürs eine wie fürs andere denn beschaffen
sein? Dass man ausgerechnet dazu in "speziellen Lehrbüchern" eine
überzeugend aufgeklärt wird - das wirst Du doch wohl selbst nicht
glauben. Vielmehr scheint mir die Frage nach dem Gebrauch dieser
sogenannten Tempora in diesem Fall um Größenordnungen weniger fest
umreißbar als die nach einem nicht zweckentfremdenden Werkzeuggebrauch.

Gruß Ralf Joerres

Matthias Opatz

unread,
Mar 24, 2018, 11:44:29 AM3/24/18
to
Dies schrieb Frank Hucklenbroich:
> Ulf Kutznr:
>> Dieter Britz:
>>
>>> Man könnte natürlich auch Saiten damit schneiden, aber wer will das?
>>
>> Hattest Du die Diskussion nicht gelesen?
>>
>> Hier stand etwas von Überlänge von Gitarrensaiten
>> nach Einspannen.
>
> Genau das. Bei jedem Satz Saiten, bei jedem Wechsel (und wer viel spielt
> wechselt oft). Also kein Nischenproblem.

<https://picclick.de/Neewer-Professionelle-Saitenschneider-für-Gitarren-und-Basssaiten-Rot-192279030542.html>

Matthias

Detlef Meißner

unread,
Mar 24, 2018, 12:02:54 PM3/24/18
to
Das steht auch: "Neewer Professionelle Saiten Scheere ist ein
notwendiges Werkzeug für jeden Gitarristen."

Detlef

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 24, 2018, 12:13:39 PM3/24/18
to
Frank Hucklenbroich skrev:

>> Normalerweise nicht. Eine erstaundende Menge Gitarrenspieler
>> wickeln die Saite in einen Kreis auf und lässt ihn hängen. Ich,
>> dagegen, schneide die Saiten mit einem Seitenschneider ab.

> Bei Darmseiten vielleicht,

Nein. Ich habe wirklich viele El-Gitarrenspieler im Fernsehen
gesehen, die die Saiten nicht abgekürzt hätten.

> aber bei Stahlseiten mag ich das nicht, die sind
> spitz und scharf und da kann man sich durchaus mit in den Finger stechen,
> daß es blutet.

Genau deshalb schneide ich sie.

> Wobei ich nur E-Gitarre spiele, da sind die Saiten ziemlich dünn,
> üblicherweise ein Satz 8er oder 9er. Die sind so dünn, daß sie wirklich
> leicht in die Haut stechen:

Bei Elgitarre benutze ich 0.10.

Christian Weisgerber

unread,
Mar 24, 2018, 12:30:06 PM3/24/18
to
On 2018-03-24, Martin Gerdes <martin...@gmx.de> wrote:

>>was dann zu allerlei Hyperkorrekturen geführt hat. Sowas gibt es
>>immer wieder; ich habe mich erst kürzlich gewundert, wo denn das
>>-r- in Massalia > Marseille herkommt.
>
> Ich hingegen wundere mich nicht, wie es zu Schreibungen wie "Amatur" und
> "Markler" kommt (gegensinnige Fehler).

In Deutschland, Dänemark und England wundert mich das auch nicht.
In Frankreich schon.

Christian Weisgerber

unread,
Mar 24, 2018, 12:30:06 PM3/24/18
to
On 2018-03-24, H.-P Schulz <hps...@online.de> wrote:

> Das ist im Deutschen eigentümlich: Aspiration der Plosive.
> Englisch und Französisch kennen diese Aspiration nicht.

Weia. Im Englischen sind Plosive vor betonten Silben natürlich
behaucht.

Klaus Dahlwitz

unread,
Mar 24, 2018, 12:33:14 PM3/24/18
to
Deshalb sagte mein Vater auch:

Knipex, das tapfere Seitenschneiderlein

Klaus
--
2 + 11 = 12 (mjb + rys = mjbrys)

Reinhard Zwirner

unread,
Mar 24, 2018, 12:36:09 PM3/24/18
to
Martin Gerdes schrieb:
> Christina Kunze <ku...@revesz.de> schrieb:

[...]
>>> Selbstverständlich schneidet ein Seitenschneider seitlich und ein
>>> Vornschneider vorn, alle außer Dir erkennen das auf den ersten Blick an
>>> den Bildern, die eine bekannte Suchmaschine liefert:
>
>> Nein, "alle außer ihm" nicht. Ich kenn das Teil auch als
>> Seitenschneider, finde aber überhaupt nicht, dass es seitlich schneidet,
>> es tut das mehr in der Mitte.
>
> Wenn Du einen Seitenschneider mit einem Mittenschneider vergleichst,
> siehst Du das auf den ersten Blick.
>
> Die Schneiden eines klassischen Seitenschneiders sind bündig mit der
> Außenseite der Branchen, so daß man z.B. einen herausstehenden Draht
> knappstmöglich abknipsen kann.
>
> Bei einem Mittenschneider sitzen die Schneiden in der Mitte der Branche.
> Das ist mechanisch an sich günstiger -- aber man kann halt einen aus
> einer Oberfläche herausstehenden Draht nicht direkt an der Oberfläche
> abknipsen.

Es kommt halt darauf an, was Christina unter "mehr in der Mitte"
versteht.

Mittenschneider schneiden ihrer Bezeichnung gemäß natürlich "ganz in
der Mitte".

Wenn man aber z. B. den Hersteller Knipex nimmt, gibt es dort
"Seitenschneider" mit allen Schneidenarten, und zwar mit großer,
kleiner sowie ohne "Facette", auch "Wate" genannt.

<http://www.knipex.de/index.php?id=1216&L=0&page=group_detail&parentID=1367&groupID=1484>

Und wenn Du dann einen Seitenschneider mit großer Facette/Wate
nimmst, schneidet der halt nicht "ganz an der Seite", sondern "mehr
in der Mitte" ...

Ciao

Reinhard

Reinhard Zwirner

unread,
Mar 24, 2018, 12:39:08 PM3/24/18
to
Detlef Meißner schrieb:

[...]
> Alles ganz schön und gut, aber Ulf hätte gern eine Erläuterung über den
> Verwendungszweck des Seitenscheiners gehabt.

Nein, eines "Saitenscheiners"!
^
SCNR

Reinhard

Ralf Joerres

unread,
Mar 24, 2018, 12:45:54 PM3/24/18
to
Am Freitag, 23. März 2018 10:29:03 UTC+1 schrieb H.-P. Schulz:
> Ralf Joerres <rjoe...@gmail.com> schrieb:
>
> >Heute fiel mir auf, dass ich die beiden Fragen 'wo warst du?' gegenüber
> >'wo bist du gewesen?' anscheinend nicht in denselben
>
> gleichartigen
>
> > Situationen benutze. Ist das bei Euch auch so?
>
> Same here.
>
> Das führt aber ins weite Feld des grammatischen Zeitengebrauchs, der
> consecutio temporum ... und überhaupt und alles. ;-))

Das ist jetzt wirklich sehr weit ausgeholt.

> Will sagen: Da ist nichts, was den Zeitengebrauch speziell bei dieser
> Frage (nach dem Verbleib) thematisierte.

Ich nix verstehn. Ich versuche mal, das zu erklären:

"Da" (im weiten Feld des grammatischen Zeitengebrauchs) "ist nichts, was"
ihn = "den Zeitengebrauch (...) bei dieser Frage (nach dem Verbleib)"
(= wo bist du vs. wo bist du gewesen?) "thematisierte" (??).

Ich hatte gefragt, wann der eine und wann der andere Satz von Euch benutzt
wird. Was in schlauen Büchern zur Zeitenfolge und Ähnlichem stehen mag,
war ganz bewusst _nicht_ der Inhalt meiner Frage. Die käme erst im
zweiten Schritt, nachdem man sich dessen vergewissert hat, ob zwischen
den beiden Fragen Gebrauchsunterschiede bestehen. Und um hier nicht
Antworten zu suggerieren, die bei unabhängiger Überlegung nicht
zustandegekommen wären, habe ich meinen Gebrauch erst einmal nicht
benannt.

Vielleicht hab ich aber auch nur wieder irgendein Gras wachsen hören und
es gibt keine substantiellen Gebrauchsunterschiede. Bzw.: In der
operativen Sprachproduktion redet man nun mal so, wie man es gewohnt ist,
vom Hören und vom eigenen Sprechen, und das findet oft abseits dessen
statt, was die Grammatiken erwarten, und das erscheint zunächst oft will-
kürlich und zufällig. Manchmal gibt es in dieser scheinbaren Regellosig-
keit dennoch eine Struktur, die nur noch nicht erkannt wurde. Das sind
dann die wirklich interessanten 'Beobachtungsobjekte'. Die muss man aber
erst mal 'am Wickel' haben, erschließbare Korpora der gesprochenen
Sprache gibt es ja vorerst nicht.

Wahrscheinlich war meine Frage zu offen gestellt. Ich war dabei, sie
einzuengen, dabei hab ich den Browser abgeschossen und die 6 Beispiele
sind erst mal wieder futsch. die kommen später noch mal.

Gruß Ralf Joerres

Reinhard Zwirner

unread,
Mar 24, 2018, 12:47:33 PM3/24/18
to
Diedrich Ehlerding schrieb:
> Andreas Karrer meinte:
>
>> Martin spricht vermutlich nicht so gut Hochdeutsch wie Harald Schmidt,
>> es kann gut sein, dass er Seitenschneider und Saitenschneider in jedem
>> Sprachregister unterschiedlich ausspricht.
>
> Letzteres mag sein, aber ich versichere dir: Martin spricht gutes
> Hochdeutsch.

Stimmt!

> [...] Er spricht allerdings
> nicht aktiv den (so gut wie ausgestorbenen) Lokaldialekt.

Der, wie Diedrich richtig feststellt, auch von anderen Einheimischen
kaumst[TM] noch gesprochen wird, selbst wenn Martin meint, ihn noch
häufig zu hören ...

Ciao

Reinhard

Ralf Joerres

unread,
Mar 24, 2018, 12:47:49 PM3/24/18
to
Am Samstag, 24. März 2018 14:57:11 UTC+1 schrieb Gerald Gruner:
> Bertel Lund Hansen schrieb am 23.03.18:
>
> > Ralf Joerres skrev:
> >
> >> Heute fiel mir auf, dass ich die beiden Fragen 'wo warst du?' gegenüber
> >> 'wo bist du gewesen?' anscheinend nicht in denselben Situationen
> >> benutze. Ist das bei Euch auch so?
> >
> > Einer, der auf einem gewissen Zeitpunkt dringend Hilfe brauchte,
> > könnte fragen:
> >
> > Wo warst du?
>
> Ich würde unterscheiden:
> "Wo bist du gewesen?" -> du warst eigentlich die ganze Zeit da und bist nur
> _kurz_ weg gewesen.
> "Wo warst du?" -> du bist jetzt zum ersten mal da. ("...ich hätte deine
> Hilfe gebraucht." ist dann eine Frage der Betonung.)
>
> Aber beide Formulierungen überlappen im realen Leben sicherlich sehr.
>
> > Der Kriminalkommissar fragt:
> >
> > Wo bist du gewesen?
>
> Der fragt eher: "Wo _waren_ Sie (zum Tatzeitpunkt) gewesen?"

Bedankt! In diese Richtung gingen meine Überlegungen, meine Version
füg ich etwas später hinzu.

Gruß Ralf Joerres

Ulf.K...@web.de

unread,
Mar 24, 2018, 1:25:42 PM3/24/18
to
M

Am Samstag, 24. März 2018 16:21:01 UTC+1 schrieb Frank Hucklenbroich:

> > Normalerweise nicht. Eine erstaundende Menge Gitarrenspieler
> > wickeln die Saite in einen Kreis auf und lässt ihn hängen. Ich,
> > dagegen, schneide die Saiten mit einem Seitenschneider ab.
>
> Bei Darmseiten vielleicht

War hier nicht gerade die Rede von Saiten?

Gruß, ULF

Ulf.K...@web.de

unread,
Mar 24, 2018, 1:25:49 PM3/24/18
to
Am Samstag, 24. März 2018 15:53:05 UTC+1 schrieb H.-P. Schulz:

> Die Aspiration ist aber auch bei auf [t] auslautenden Wörtern zu
> hören

Willy Brandt beherrschte das recht gut...

Gruß, ULF

Frank Hucklenbroich

unread,
Mar 24, 2018, 3:54:09 PM3/24/18
to
Mea culpa.

Grüße,

Frank

Frank Hucklenbroich

unread,
Mar 24, 2018, 4:02:35 PM3/24/18
to
Am Sat, 24 Mar 2018 17:13:37 +0100 schrieb Bertel Lund Hansen:

> Frank Hucklenbroich skrev:
>
>>> Normalerweise nicht. Eine erstaundende Menge Gitarrenspieler
>>> wickeln die Saite in einen Kreis auf und lässt ihn hängen. Ich,
>>> dagegen, schneide die Saiten mit einem Seitenschneider ab.
>
>> Bei Darmseiten vielleicht,
>
> Nein. Ich habe wirklich viele El-Gitarrenspieler im Fernsehen
> gesehen, die die Saiten nicht abgekürzt hätten.

Da zieht dann vieleicht der Gitarrenroadie die Saiten auf und sticht sich
in die Finger. Sowas gibt es bei großen Bands echt, ich habe in den 90ern
ehrenamtlich als Sanitäter im Katastrophenschutz (anstatt Bundeswehr) viele
Rockkonzerte betreut, oft direkt vor der Bühne oder Backstage, da gab es
dann oft Helfer, die dafür zuständig waren, die Gitarren zu stimmen und
gegenbenenfalls neu zu besaiten.

Manche Gitarristen fanden es da vielleicht cool oder wild, wenn da die
Saiten an der Kopfplatte undordentlich lang herausstanden. Ich für meinen
Teil mag es nicht, mir in die Finger zu stechen.

>> aber bei Stahlseiten mag ich das nicht, die sind
>> spitz und scharf und da kann man sich durchaus mit in den Finger stechen,
>> daß es blutet.
>
> Genau deshalb schneide ich sie.

Eben. Wenn man Pech hat, pieckst man sich unter den Fingernagel. Das tut
dann richtig weh und kann sich entzünden.

>> Wobei ich nur E-Gitarre spiele, da sind die Saiten ziemlich dünn,
>> üblicherweise ein Satz 8er oder 9er. Die sind so dünn, daß sie wirklich
>> leicht in die Haut stechen:
>
> Bei Elgitarre benutze ich 0.10.

Jazzgitarre (Semi-Akustik/Hollow-Body)?

Für eine klassische Stratocaster-ähnliche Gitarre wären mir 10er etwas zu
dick. Ist aber sicher Geschmackssache.

Grüße,

Frank

Christian Weisgerber

unread,
Mar 24, 2018, 5:30:06 PM3/24/18
to
On 2018-03-24, Martin Gerdes <martin...@gmx.de> wrote:

>>>>was dann zu allerlei Hyperkorrekturen geführt hat. Sowas gibt es
>>>>immer wieder; ich habe mich erst kürzlich gewundert, wo denn das
>>>>-r- in Massalia > Marseille herkommt.
>
>>> Ich hingegen wundere mich nicht, wie es zu Schreibungen wie "Amatur" und
>>> "Markler" kommt (gegensinnige Fehler).
>
>>In Deutschland, Dänemark und England wundert mich das auch nicht.
>>In Frankreich schon.
>
> Ich hätte die beiden Wörter "Armatur" und "Makler" jetzt für deutsche
> Wörter gehalten und hatte eigentlich (siehe Gruppenthema) die Aussprache
> dieser Wörter durch deutsche Muttersprachler im Hinterkopf.

Ja, und da wird weithin r nach Vokal selbst zu [ɐ] vokalisiert und
die Abfolge [aɐ] verschmilzt dann zu [a], was *Amatur und die
Hyperkorrektur *Markler erklärt. Ähnliches gibt es im Dänischen und
im englischen Englisch, nicht aber im Französischen.

Christian Weisgerber

unread,
Mar 24, 2018, 5:30:06 PM3/24/18
to
On 2018-03-24, Martin Gerdes <martin...@gmx.de> wrote:

>>>> Was „post(h)um“ angeht, so ist im (Vulgär)lateinischen /h/ entfallen,
>>>> was dann zu allerlei Hyperkorrekturen geführt hat.
>
>>> Wie kommst Du denn darauf? "Postumus" ist doch klassisches Latein?!
>>> Ich habe es mir immer so erklärt, dass da volksetymologisch ein H
>>> reingekommen ist, weil entweder post-huma... oder sowas angenommen
>>> wurde,
>
>>Und wo ist da jetzt der Widerspruch?
>
> Christina sagt: "postumus" (ohne h) sei die ursprüngliche Form, das h
> sei später volksetymologisch dazugekommen (siehe auch: author).

Ja, eben eine Hyperkorrektur.

Sergio Gatti

unread,
Mar 24, 2018, 8:40:01 PM3/24/18
to
Christian Weisgerber hat am 24.03.2018 um 21:30 geschrieben:
>>>>> Was „post(h)um“ angeht, so ist im (Vulgär)lateinischen /h/ entfallen,
>>>>> was dann zu allerlei Hyperkorrekturen geführt hat.

Christina:
>>>> Wie kommst Du denn darauf? "Postumus" ist doch klassisches Latein?!
>>>> Ich habe es mir immer so erklärt, dass da volksetymologisch ein H
>>>> reingekommen ist, weil entweder post-huma... oder sowas angenommen
>>>> wurde,

Christian:
>>> Und wo ist da jetzt der Widerspruch?

Martin:
>> Christina sagt: "postumus" (ohne h) sei die ursprüngliche Form, das h
>> sei später volksetymologisch dazugekommen (siehe auch: author).

Christian:
> Ja, eben eine Hyperkorrektur.


Es wäre deutlicher gewesen, dass du und Christina dasselbe
meint, wenn du z.B. geschrieben hättest: "Was „postum“
angeht, ist die Form „posthum“ eine Hyperkorrektur. Im
(Vulgär)lateinischen ist /h/ entfallen, was dann zu allerlei
Hyperkorrekturen geführt hat."

P.S.: Die Zitatebenen in einem Newsreader sind kaputt. Deins
oder Martins, vermute ich.
Ich bitte um Entschuldigung, falls ich die Zitatebenen nicht
richtig rekonstruiert habe.

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 25, 2018, 2:45:12 AM3/25/18
to
Frank Hucklenbroich skrev:

> Da zieht dann vieleicht der Gitarrenroadie die Saiten auf und sticht sich
> in die Finger. Sowas gibt es bei großen Bands echt,

In Dänemark gibt ein sehr guter Schlagzeuger. Er spielt sowohl
Jazz als auch Rock, und er erklärt den Unterschied:

Bei Rock gibt es Roadies, die alle Dinge schleppen, und alles
klar macht. Bei Jazz muss man selber alles tun.

>> Bei Elgitarre benutze ich 0.10.

> Jazzgitarre (Semi-Akustik/Hollow-Body)?

Solid Body. Ich spiele am liebsten Rock. 0.10 ist ein Kompromis.
Je dicker, desto mehr Klang. Auf meiner Westerngitarre habe ich
0.11.

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 25, 2018, 2:47:20 AM3/25/18
to
Ulf.K...@web.de skrev:

>> Bei Darmseiten vielleicht

> War hier nicht gerade die Rede von Saiten?

Doch, aber Seitensprünge sind erlaubt.

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 25, 2018, 3:07:45 AM3/25/18
to
Frank Hucklenbroich skrev:

> Genau das. Bei jedem Satz Saiten, bei jedem Wechsel (und wer viel spielt
> wechselt oft). Also kein Nischenproblem.

Das Gerät bekam seinen Namen, ehe Musik und Tennis/Badminton
gross geworden waren. Otte Normalverbraucher schneidet keine
Saiten, aber er schneidet Draht, wenn er mit seinen elektrischen
Installationen fummelt.

Duden kennt das Wort "Saitenschneider" nicht, und es gibt unter
"Seitenschneider" keine Erklärung, dass es eine ältere/andere
Schreibweise geben sollte.

Manfred Hoß

unread,
Mar 25, 2018, 5:38:51 AM3/25/18
to
Am Sun, 25 Mar 2018 11:15:41 +0200 schrieb Martin Gerdes:

> Christian Weisgerber <na...@mips.inka.de> schrieb:
>
>>>>>> Was „post(h)um“ angeht, so ist im (Vulgär)lateinischen /h/ entfallen,
>>>>>> was dann zu allerlei Hyperkorrekturen geführt hat.
>
>>>>> Wie kommst Du denn darauf? "Postumus" ist doch klassisches Latein?!
>>>>> Ich habe es mir immer so erklärt, dass da volksetymologisch ein H
>>>>> reingekommen ist, weil entweder post-huma... oder sowas angenommen
>>>>> wurde,
>
>>>> Und wo ist da jetzt der Widerspruch?
>
>
>>> Christina sagt: "postumus" (ohne h) sei die ursprüngliche Form, das h
>>> sei später volksetymologisch dazugekommen (siehe auch: author).
>
>>> Du hingegen suggerierst, daß eine Form mit h die ursprüngliche gewesen
>>> sei, der später das h entfallen sei.
>
>> Ja, eben eine Hyperkorrektur.
>
> Du sprichst weiterhin in Rätseln.
>
> Was ist denn nun die ursprüngliche Form?
>
> "postum" von "postumus", wie Christina geschrieben hat, oder eine Form
> mit h, der erst im Vulgärlateinischen das h entfallen ist. Wie hieß denn
> dann diese Ursprungsform im klassischen Latein?

Postumus.

Gruß
Manfred.

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 25, 2018, 5:49:21 AM3/25/18
to
Am 25.03.2018 um 11:15 schrieb Martin Gerdes:
>
> Was ist denn nun die ursprüngliche Form?
>
> "postum" von "postumus", wie Christina geschrieben hat, oder eine
> Form mit h, der erst im Vulgärlateinischen das h entfallen ist.
> Wie hieß denn dann diese Ursprungsform im klassischen Latein?
>

Sowas kommt heraus, wenn gotische Heldengesinnung
mit klassischer Latinität fremd geht:
Sangen's, und die Lobgesänge tönten fort im Gotenheere;
Wälze sie, Busentowelle, wälze sie von Meer zu Meere!
und
post molestam senectutem,
nos habebit humus!
--
j/\a

Christian Weisgerber

unread,
Mar 25, 2018, 7:30:07 AM3/25/18
to
On 2018-03-25, Martin Gerdes <martin...@gmx.de> wrote:

> Du sprichst weiterhin in Rätseln.
>
> Was ist denn nun die ursprüngliche Form?
>
> "postum" von "postumus", wie Christina geschrieben hat,

Genau.
Und da h bei allen Wörtern verstummt ist, wurde es sporadisch dann
auch bei manchen wieder geschrieben, die es ursprünglich nicht
hatten.

Bertel Lund Hansen

unread,
Mar 25, 2018, 7:32:51 AM3/25/18
to
Martin Gerdes skrev:

>>Eben. Wenn man Pech hat, pieckst man sich unter den Fingernagel. Das tut
>>dann richtig weh und kann sich entzünden.

> Armer schwarzer Kater! Sichtlich hast Du diese schweren Verletzungen
> überlebt.

Du soltestes einmal probieren. Es ist recht irritierend.

Gerald Gruner

unread,
Mar 25, 2018, 9:51:20 AM3/25/18
to
Martin Gerdes schrieb am 24.03.18:

> Gerald Gruner <gera...@yahoo.de> schrieb:
>
>>> Der Kriminalkommissar fragt:
>>>
>>> Wo bist du gewesen?
>
>>Der fragt eher: "Wo _waren_ Sie (zum Tatzeitpunkt) gewesen?"
>
> Wenn er ein Norddeutscher ist, dann wohl, dort wird mehr als bisweilen
> das Plusquamperfekt als Erzählvergangenheit verwendet.

Anscheinend auch in Mitteldeutschland. :-)

> Der hochdeutschen Regel zufolge dürfte er Imperfekt verwenden.

Ich hätte hier auch eher gefragt: "Wo waren Sie (zur Tatzeit)?"
Aber wenn nicht das, dann hätte ich als Kommisar immer das Plusquamperfekt
"waren gewesen" gewählt, nie obiges Perfekt "sind gewesen". Mehr
abgeschlossen als die Frage nach einem Alibi kann etwas doch kaum sein.

BTW: Wieso heißt eine _abgeschlossene_ Vergangenheit eigentlich
_Im_perfekt?

MfG
Gerald

--
No trees were killed in the sending of this message. However
a large number of electrons were terribly inconvenienced.

H.-P. Schulz

unread,
Mar 25, 2018, 11:19:24 AM3/25/18
to
Christian Weisgerber <na...@mips.inka.de> schrieb:

>On 2018-03-24, H.-P Schulz <hps...@online.de> wrote:
>
>> Das ist im Deutschen eigentümlich: Aspiration der Plosive.
>> Englisch und Französisch kennen diese Aspiration nicht.
>
>Weia. Im Englischen sind Plosive vor betonten Silben natürlich
>behaucht.

Mir war immer, als sei das im Englischen gleich wie im Französischen.
Aber wenn Du sagst, es sei nicht an dem, - okay, hab' ich wieder was
dazugelernt.

H.-P. Schulz

unread,
Mar 25, 2018, 11:26:01 AM3/25/18
to
Martin Gerdes <martin...@gmx.de> schrieb:


>Ich habe nicht behauptet, daß die Erscheinung durchgängig realiert
>gewesen wäre, sondern nur, daß mir nach langjährigem Unverständnis
>nunmehr angehörs der Hiesigen klar ist, was hinter diesen für mich
>unorganischen h steht.

Die Aspiration steht jedenfalls nicht dahinter.
Das th ist eine Marotte, eine "Buchstabenhäufelung", eine Mode.
vgl. auch andere Sachen, wie etwa dt, pf, ff, gk, ck u.a.m..

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 25, 2018, 11:42:05 AM3/25/18
to
Am 25.03.2018 um 15:51 schrieb Gerald Gruner:
>
> BTW: Wieso heißt eine _abgeschlossene_ Vergangenheit eigentlich
> _Im_perfekt?

Weil jene nicht per factum ist.

Dazu etwa:
Georges: Lateinisch-deutsches Handwörterbuch:
per. [..]
II) übtr.: A) in bezug auf die Zeit, zur Bezeichnung der
ununterbrochenen Fortdauer, u. zwar:
1) zur Angabe der Zeit, durch die hindurch eine Tätigkeit
sich erstreckt, durch... hin, durch... hindurch, lang, während,
ludi decem per dies facti sunt, Cic.: incendium per duas noctes
tenuit, Liv.: quam provinciam tenuistis a praedonibus liberam
per hosce annos, Cic.: Romae regnatum est per septem reges, Eutr.
2) zur Bezeichnung der Zeit, in deren Dauer ein einzelnes Ereignis
fällt, während, im Verlauf, in, cum per ludos scorta raperentur, Liv.:
per eos dies C. Figulus praetor Brundisium venit, Liv.: per diem
perque noctem, Gell.: per illa tempora... pro sua quisque potentia
certabant, Sall.: duo fuerunt per idem tempus dissimiles inter se,
im Verlaufe derselben Zeit, Cic.:per tempus (während der rechten Zeit)
advenis, Plaut. u. Ter.: visa dare obscuriora per somnium, Cic.: u.
so per somnum, Cic.
[ http://www.digitale-bibliothek.de/band69.htm ]
--
j/\a

Ralf Joerres

unread,
Mar 25, 2018, 1:47:03 PM3/25/18
to
Am Sonntag, 25. März 2018 15:51:20 UTC+2 schrieb Gerald Gruner:
> Martin Gerdes schrieb am 24.03.18:
>
> > Gerald Gruner <gera...@yahoo.de> schrieb:
> >
> >>> Der Kriminalkommissar fragt:
> >>>
> >>> Wo bist du gewesen?
> >
> >>Der fragt eher: "Wo _waren_ Sie (zum Tatzeitpunkt) gewesen?"
> >
> > Wenn er ein Norddeutscher ist, dann wohl, dort wird mehr als bisweilen
> > das Plusquamperfekt als Erzählvergangenheit verwendet.

Bei uns (Westdeutschland, Ruhrgebiet) nach meinem Eindruck weniger als
Erzähl-Tempus, eher situierend:

Ich war gestern inne Stadt gewesen un hatte mich nach ner Jeans
umgesehen, da hab ich dann den Kuttie getroffen, den hattich ja
schonn'ne Eewigkeit nich gesehen (gehabt). Der hat mir dann erzählt ...
(d.h., es geht dann im Prinzip Perfekt weiter)

oder auch resümierend:

... Warum solltn nach der langen Tour wer nich noch en Pilsken
zischen!? Wir also da rein un hamm uns jeder en Bier bestellt.
Da ham wer dann überleecht, wo wer dat näächste Ma hinfahrn könn.
Wir sin'dann abber um acht weiter und um neun warn wer dann alle
widder zu Hause.
Dat _wa_ eingtlich en ganz schöner Tach _gewesen_.

> Anscheinend auch in Mitteldeutschland. :-)
>
> > Der hochdeutschen Regel zufolge dürfte er Imperfekt verwenden.
>
> Ich hätte hier auch eher gefragt: "Wo waren Sie (zur Tatzeit)?"
> Aber wenn nicht das, dann hätte ich als Kommisar immer das Plusquamperfekt
> "waren gewesen" gewählt, nie obiges Perfekt "sind gewesen". Mehr
> abgeschlossen als die Frage nach einem Alibi kann etwas doch kaum sein.
>
> BTW: Wieso heißt eine _abgeschlossene_ Vergangenheit eigentlich
> _Im_perfekt?

Gute Frage. Mittlerweile redet man im Sprachunterricht nur noch von
Präteritum. Im Französischen (und meines Wissens auch in anderen
romanischen Sprachen) hat die Bezeichnung 'Imperfekt' ihre Berechtigung.
Ich weiß es nur fürs Französische, dort ist das Imparfait vorrangig
ein Aspekt auf der Zeitstufe der Vergangenheit. Im Präsens gibt es dort
diesen Aspektunterschied nach meiner Erinnerung nicht.

Es wäre einmal interessant, zu erfahren, ab wann der Duden sich auf
den Begriff 'Präteritum' festgelegt hat, oder ob das schon immer so
war.

Ein ähnliches Phänomen gibt es mit dem Begriffszwilling 'Nomen' und
'Substantiv'.

Gruß Ralf Joerres

Sergio Gatti

unread,
Mar 25, 2018, 2:43:02 PM3/25/18
to
Ralf Joerres hat am 25.03.2018 um 19:47 geschrieben:

> Gute Frage. Mittlerweile redet man im Sprachunterricht nur noch von
> Präteritum.

Endlich! Die Bezeichnung "Imperfekt" für das Präteritum habe
ich immer als unpassend und verwirrend empfunden.

Nebenbei: Was meint ihr zu
<https://de.wikipedia.org/wiki/Imperfekt> und vor allem zum
Hinweis "Absatz ist falsch und irreführend"?

Frank Hucklenbroich

unread,
Mar 26, 2018, 3:51:52 AM3/26/18
to
Am Sun, 25 Mar 2018 08:45:11 +0200 schrieb Bertel Lund Hansen:

> Frank Hucklenbroich skrev:
>
>> Da zieht dann vieleicht der Gitarrenroadie die Saiten auf und sticht sich
>> in die Finger. Sowas gibt es bei großen Bands echt,
>
> In Dänemark gibt ein sehr guter Schlagzeuger. Er spielt sowohl
> Jazz als auch Rock, und er erklärt den Unterschied:
>
> Bei Rock gibt es Roadies, die alle Dinge schleppen, und alles
> klar macht. Bei Jazz muss man selber alles tun.

Bei Drummern gibt es ja den Witz "Laß mich Deine Trommeln schleppen, Du
hast eben im Konzert schon genug geschleppt".

Grüße,

Frank

Gerald Gruner

unread,
Mar 26, 2018, 4:41:19 PM3/26/18
to
Martin Gerdes schrieb am 25.03.18:

> Gerald Gruner <gera...@yahoo.de> schrieb:
>
>>Ich hätte hier auch eher gefragt: "Wo waren Sie (zur Tatzeit)?"
>
>>Aber wenn nicht das, dann hätte ich als Kommissar immer das Plusquamperfekt
>>"waren gewesen" gewählt,
>
> Mit welcher grammatikalischen Begründung?

Die Frage nach einem Alibi bezieht sich IMHO auf die Tatzeit (also
Vergangenheit) und die Zeit davor (Plusquamperfekt).

Für "Wo sind Sie gewesen?" fehlt mir irgendwie das nicht abgeschlossene
bzw. der Bezug zur Gegenwart.

>>nie obiges Perfekt "sind gewesen".
>
>>BTW: Wieso heißt eine _abgeschlossene_ Vergangenheit eigentlich
>>_Im_perfekt?
>
> Das hat sich schon mancher gefragt. Manche Leute nennen die Zeitform
> daher lieber "Praeter-itum" -- "das Vorbei-gegangene".

Da bin ich froh, dass nicht nur ich Laie da stutze...

Gerald Gruner

unread,
Mar 26, 2018, 4:41:19 PM3/26/18
to
Christina Kunze schrieb am 25.03.18:

> Am 25.03.2018 um 15:51 schrieb Gerald Gruner:
>>
>> Ich hätte hier auch eher gefragt: "Wo waren Sie (zur Tatzeit)?"
>> Aber wenn nicht das, dann hätte ich als Kommisar immer das Plusquamperfekt
>> "waren gewesen" gewählt, nie obiges Perfekt "sind gewesen". Mehr
>> abgeschlossen als die Frage nach einem Alibi kann etwas doch kaum sein.
>
> Der Unterschied zwischen Perfekt und Plusquamperfekt besteht aber nicht
> im Grad der Abgeschlossenheit, sondern im Zeitverhältnis zu dem Tempus,
> in dem erzählt wird.
> Plusquamperfekt beschreibt eine abgeschlossene Handlung, die vor einer
> anderen Handlung (die natürlich genannt sein muss) stattgefunden hat.

(*) merken...

> Deshalb ist das Plusquamperfekt in diesem einzelnen Satz
> schriftsprachlich falsch.

Genau deshalb(*) kommt es dafür wohl sehr auf den Kontext an, in dem dieser
Satz fällt. Und bei einem Kommissar, der nach einem Alibi fragt, kann die
Frage auch sprachlich zeitlich weiter in der Vergangenheit liegen als die
Tat.

Gerald Gruner

unread,
Mar 26, 2018, 4:41:19 PM3/26/18
to
Ralf Joerres schrieb am 25.03.18:

> Am Sonntag, 25. März 2018 15:51:20 UTC+2 schrieb Gerald Gruner:
>> Martin Gerdes schrieb am 24.03.18:
>>
>>> Gerald Gruner <gera...@yahoo.de> schrieb:
>>>
>>>>> Der Kriminalkommissar fragt:
>>>>>
>>>>> Wo bist du gewesen?
>>>
>>>>Der fragt eher: "Wo _waren_ Sie (zum Tatzeitpunkt) gewesen?"
>>>
>>> Wenn er ein Norddeutscher ist, dann wohl, dort wird mehr als bisweilen
>>> das Plusquamperfekt als Erzählvergangenheit verwendet.
>
> Bei uns (Westdeutschland, Ruhrgebiet)

Ebenfalls. Ich stamme vom Südrand des Ruhrgebiets.

> nach meinem Eindruck weniger als Erzähl-Tempus, eher situierend:
>
> Ich war gestern inne Stadt gewesen un hatte mich nach ner Jeans
> umgesehen, da hab ich dann den Kuttie getroffen, den hattich ja
> schonn'ne Eewigkeit nich gesehen (gehabt). Der hat mir dann erzählt ...
> (d.h., es geht dann im Prinzip Perfekt weiter)
>
> oder auch resümierend:
>
> ... Warum solltn nach der langen Tour wer nich noch en Pilsken
> zischen!? Wir also da rein un hamm uns jeder en Bier bestellt.
> Da ham wer dann überleecht, wo wer dat näächste Ma hinfahrn könn.
> Wir sin'dann abber um acht weiter und um neun warn wer dann alle
> widder zu Hause.

Ich muss zugeben, dass ich bei einer Erzählung wohl auch ins Perfekt
verfallen würde. Die Sätze hätten (leider mit weniger Dialekt) so auch von
mir fallen können.
Nur bei der Einzelfrage oben käme mir das unpassend vor.

Manfred Russ

unread,
Mar 26, 2018, 6:03:12 PM3/26/18
to
Am 25.03.2018 um 19:47 schrieb Ralf Joerres:

> Es wäre einmal interessant, zu erfahren, ab wann der Duden sich auf
> den Begriff 'Präteritum' festgelegt hat, oder ob das schon immer so
> war.

Schulischerseits hat mir mir beizubringen versucht:
Imperfekt ist gut und Präteritum ist böse.

> Ein ähnliches Phänomen gibt es mit dem Begriffszwilling 'Nomen' und
> 'Substantiv'.

Mein alter Lateinlehrer meinte sinngemäß:
Substantiv = Hauptwort.
Nomen = alles, was dekliniert werden kann.



Manfred
--
X-Face:
JcJ:\f#?{j.-]0Zk4H8+}l)L%"sJTGQIy;J*)"I=2CR6*@;ZmBdqh-1s{'DU4mP^j([~GtqxDThUEL#zA&:lF\n(0Ql(1EO,BY<=R/M/jX==1O{/*U03iLv^;jW=w2@S0h$tzG^B2#H(@ak/JAY^3*%q&-OIfoZR}M.B,KtA9J)(B74(L,^AC_\D/#Teh+IF#Wsb</.i\9M{e

Heinz Lohmann

unread,
Mar 26, 2018, 8:59:09 PM3/26/18
to
Am 26.03.2018 um 01:11 schrieb Christina Kunze:
> Der Unterschied zwischen Perfekt und Plusquamperfekt besteht aber nicht
> im Grad der Abgeschlossenheit, sondern im Zeitverhältnis zu dem Tempus,
> in dem erzählt wird.
> Plusquamperfekt beschreibt eine abgeschlossene Handlung, die vor einer
> anderen Handlung (die natürlich genannt sein muss) stattgefunden hat.

Wobei zwischen den beiden Handlungen in der Regel eine Beziehung
besteht, häufig eine kausale:

"Nachdem es die ganze Nacht geschneit hatte, waren viele Straßen am
Morgen unpassierbar. Nichts ging mehr.
--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.

Ralf Joerres

unread,
Mar 27, 2018, 10:00:42 AM3/27/18
to
Am Dienstag, 27. März 2018 02:59:09 UTC+2 schrieb Heinz Lohmann:
> Am 26.03.2018 um 01:11 schrieb Christina Kunze:
> > Der Unterschied zwischen Perfekt und Plusquamperfekt besteht aber nicht
> > im Grad der Abgeschlossenheit, sondern im Zeitverhältnis zu dem Tempus,
> > in dem erzählt wird.
> > Plusquamperfekt beschreibt eine abgeschlossene Handlung, die vor einer
> > anderen Handlung (die natürlich genannt sein muss) stattgefunden hat.
>
> Wobei zwischen den beiden Handlungen in der Regel eine Beziehung
> besteht, häufig eine kausale:
>
> "Nachdem es die ganze Nacht geschneit hatte, waren viele Straßen am
> Morgen unpassierbar. Nichts ging mehr.

Für mich ist das Kausale nur eine Nebenbedeutung von 'nachdem'; oft ist
die Bedeutung eine schlichte Aufeinanderfolge: Erst passiert das im
Nachdem-Nebensatz Genannte, dann das im Hauptsatz Genannte: Nachdem er
seine Ausbildung abgeschlossen hatte, fand er eine Stelle bei Bosch.
Interessant wäre das Zusammenspiel der jeweils möglichen Konjunktionen
oder Adverbien mit den sog. 'Tempora' und den mit den Verbbedeutungen
verbundenen Aktionsarten und anderen Bedeutungsanteilen. Z.B. wäre bei
'als ich die Aufgabe endlich verstanden hatte, war die Zeit zur Lösung
verstrichen' ein 'nachdem' nicht so gut möglich, und dieses 'verstanden
hatte' bedeutet für mich hier nicht Vorzeitigkeit, sondern ist eher ein
in die Vergangenheit verschobenes 'ich hab's jetzt', bzw.: Ich wusste
jetzt, was zu tun war (aber da war es zu spät).

Falls ich jemals auf höheren Levels unterrichten sollte, werde ich daran
ganz schön zu knacken haben.

Gruß Ralf Joerres

Heinz Lohmann

unread,
Mar 27, 2018, 10:05:15 PM3/27/18
to
Am 28.03.2018 um 01:26 schrieb Christina Kunze:
> Am 27.03.2018 um 16:00 schrieb Ralf Joerres:
>> Am Dienstag, 27. März 2018 02:59:09 UTC+2 schrieb Heinz Lohmann:
>>> Am 26.03.2018 um 01:11 schrieb Christina Kunze:
>>>> Der Unterschied zwischen Perfekt und Plusquamperfekt besteht aber nicht
>>>> im Grad der Abgeschlossenheit, sondern im Zeitverhältnis zu dem Tempus,
>>>> in dem erzählt wird.
>>>> Plusquamperfekt beschreibt eine abgeschlossene Handlung, die vor einer
>>>> anderen Handlung (die natürlich genannt sein muss) stattgefunden hat.
>>>
>>> Wobei zwischen den beiden Handlungen in der Regel eine Beziehung
>>> besteht, häufig eine kausale:
>>>
>>> "Nachdem es die ganze Nacht geschneit hatte, waren viele Straßen am
>>> Morgen unpassierbar. Nichts ging mehr.
>>
>> Für mich ist das Kausale nur eine Nebenbedeutung von 'nachdem';
>
> So habe ich auch erst reagiert, aber ich glaube, Heinz meinte nicht eine
> kausale Verwendung von "nachdem" im grammatischen Sinn. Es ist schon
> temporal, aber zwischen den beiden Handlungen besteht inhaltlich eine
> Kausalität.

So meinte ich es. Häufig lässt sich der Temporalsatz mit "nachdem" auch
in einen Kausalsatz umwandeln.
(Das tu ich oft, um meinen Studenten größeren Ärger mit den deutschen
Tempora nach Möglichkeit zu ersparen.)

In folgenden Zweizeiler hat es natürlich keine kausale Bedeutung, aber
beide Handlungen sind verbunden:
"Der Habicht fraß die Wanderratte, nachdem er sie geschändet hatte."
(R. Gernhardt)

In folgendem Fall wird es eigenartig:
"Nachdem der Sack in China umgefallen war, wurde mir ganz schlecht."

Hier fehlt die inhaltliche Beziehung zwischen Haupt- und Nebensatz.

Peter J. Holzer

unread,
Mar 28, 2018, 1:35:56 AM3/28/18
to
On 2018-03-26 20:41, Gerald Gruner <gera...@yahoo.de> wrote:
> Und bei einem Kommissar, der nach einem Alibi fragt, kann die Frage
> auch sprachlich zeitlich weiter in der Vergangenheit liegen als die
> Tat.

Predictive policing?

hp

--
_ | Peter J. Holzer | Fluch der elektronischen Textverarbeitung:
|_|_) | | Man feilt solange an seinen Text um, bis
| | | h...@hjp.at | die Satzbestandteile des Satzes nicht mehr
__/ | http://www.hjp.at/ | zusammenpaßt. -- Ralph Babel

Peter J. Holzer

unread,
Mar 28, 2018, 1:47:01 AM3/28/18
to
On 2018-03-25 18:43, Sergio Gatti <sergi...@meine-wahrheit-deine-wahrheit.de> wrote:
> Ralf Joerres hat am 25.03.2018 um 19:47 geschrieben:
>> Gute Frage. Mittlerweile redet man im Sprachunterricht nur noch von
>> Präteritum.
>
> Endlich! Die Bezeichnung "Imperfekt" für das Präteritum habe
> ich immer als unpassend und verwirrend empfunden.

"Präteritum" finde ich allerdings genauso unpassend und verwirrend.
"Das Vorhergegangene" drückt doch genau die zeitliche Abhängigkeit aus,
die im Deutschen dem Perfekt und Plusquamperfekt eigen ist und dem
Präteritum fehlt. Also müsste eigentlich das Perfekt Präteritum heißen
und das Präteritum Perfekt.

Am besten nimmt man die Bezeichnungen einfach als Namen ohne tieferen
Sinn hin. Das Präteritum könnte auch "Kurt" heißen.

Ulf.K...@web.de

unread,
Mar 28, 2018, 3:11:57 AM3/28/18
to
Am Mittwoch, 28. März 2018 04:05:15 UTC+2 schrieb Heinz Lohmann:

> In folgendem Fall wird es eigenartig:
> "Nachdem der Sack in China umgefallen war, wurde mir ganz schlecht."
>
> Hier fehlt die inhaltliche Beziehung zwischen Haupt- und Nebensatz.

Ellipse. Der Sprecher drückt wohl aus, er habe von diesem
denkwürdigen Ereignis auch vor Eintritt seiner
Übelkeit erfahren oder vermute zumindest - vielleicht stand
er an der Grenze und aus dem Reissack entwich eine
für ihn nicht wahrnehmbar aus dem Sack stammende Pestizidwolke -
nachträglich eine Kausalität.

Gruß, ULF

Ulf.K...@web.de

unread,
Mar 28, 2018, 3:13:21 AM3/28/18
to
Am Mittwoch, 28. März 2018 07:35:56 UTC+2 schrieb Peter J. Holzer:

> > Und bei einem Kommissar, der nach einem Alibi fragt, kann die Frage
> > auch sprachlich zeitlich weiter in der Vergangenheit liegen als die
> > Tat.
>
> Predictive policing?

Schön. Und kannst Du das bitte in eine bzw. die hier
gegenständliche Sprache übersetzen?

Gruß, ULF

Peter J. Holzer

unread,
Mar 28, 2018, 12:24:44 PM3/28/18
to
"Predictive policing" ist der Versuch, vorherzusagen (üblicherweise
fallen in dem Zusammenhang dann Begriffe wie "big data", "machine
learning", etc.), wo Verbrechen stattfinden werden und die Polizei
präventiv hinzuschicken.

Wenn der Kommissar schon nach dem Alibi gefragt hat, bevor die Tat
begangen wurde, fällt das wohl in die Kategorie. Geht aber eigentlich
schon eher in Richtung "Minority Report" (das ich vielleicht mal lesen
sollte).

Quinn C

unread,
Mar 28, 2018, 1:23:48 PM3/28/18
to
* Frank Hucklenbroich:

> Am Sat, 24 Mar 2018 11:51:11 +0100 schrieb Bertel Lund Hansen:
>
>> Frank Hucklenbroich skrev:
>>
>>> verwendet (bei akustischen Western-Gitarren auch). Und das, was nach dem
>>> besaiten an der Kopfplatte übersteht, also nachdem man es auf die Wirbel
>>> gedreht hat (das können gut 10 cm oder mehr sein), knipst man normalerweise
>>> mit dem Saitenschneider ab.
>>
>> Normalerweise nicht. Eine erstaundende Menge Gitarrenspieler
>> wickeln die Saite in einen Kreis auf und lässt ihn hängen. Ich,
>> dagegen, schneide die Saiten mit einem Seitenschneider ab.
>
> Bei Darmseiten vielleicht, aber bei Stahlseiten mag ich das nicht, die sind
> spitz und scharf und da kann man sich durchaus mit in den Finger stechen,
> daß es blutet.

Darmsaiten auf einer Gitarre habe ich mein Lebtag nicht gesehen. Vor 40
Jahren war Nylon schon gang und gäbe.

--
GOGEL, adj., ausgelassen, lustig, übermütig; lascivus.
GRIMM, Deutsches Wörterbuch

Quinn C

unread,
Mar 28, 2018, 1:30:44 PM3/28/18
to
* Martin Gerdes:

> Reinhard Zwirner <reinhard...@t-online.de> schrieb:
>
>>> [Martin] spricht allerdings nicht aktiv den (so gut wie
>>> ausgestorbenen) Lokaldialekt.
>
> Wie auch, mit seinem Migrationshintergrund? Das aane oder andere
> S'trukturelement des Lokalidioms, vermag er aber schon ganz ordentlich
> wiederzugeben, etwa das kläöre ÄÖ.
>
>>Der, wie Diedrich richtig feststellt, auch von anderen Einheimischen
>>kaumst[TM] noch gesprochen wird, selbst wenn Martin meint, ihn noch
>>häufig zu hören ...
>
> Heute in der Zaatunk:
>
>| Lange war er [Johann-Christoph Beindorff, Pelikan-Erbe] bei Pelikan
>| als Exportleiter für globale Geschäfte zuständig. Das Ehepaar lebte
>| außer in Spanien auch in Venezuela, bereiste Hong Kong, Singapur
>| und Ecuador. Wenn Johann-Christoph Beindorff in seinem markanten
>| hannoverschen Tonfall über den japanischen Füllermarkt spricht,
>
> Ts, ts!

Ein Tonfall macht noch keinen Dialekt. Ich habe schon Leute mit
markantem bayerischem Tonfall Englisch sprechen hören.

--
GUGEL, f., m., kapuze, mlat. cuculla, cucullus, ahd. cucalun cucullam
GRIMM, Deutsches Wörterbuch

Quinn C

unread,
Mar 28, 2018, 1:31:58 PM3/28/18
to
* Frank Hucklenbroich:

> Am 23 Mar 2018 20:24:34 GMT schrieb Andreas Karrer:
>
>> Und wenn von diesen 50 gut die Hälfte nicht zum Schneiden von
>> Stahlsaiten (Pianodraht) geeignet ist, verdichtet sich der Verdacht,
>> dass Saitenschneider wohl einfach falsch ist.
>
> Wieso Pianodraht? Da schneidet man ja normalerweise nicht dran rum.

Klavierdraht wird nicht nur für Klaviersaiten verwendet, sondern auch
... zum Schneiden, meistens.

Weiteres Beispiel:
<https://www.translatorscafe.com/tcterms/RU/question.aspx?id=51984>

--
gugelfechten, vb., sich närrisch aufführen, narren, fantasieren,
gauglen und gugelfechten ZWENGEL formularbuch (1568) 39b. --
GRIMM, Deutsches Wörterbuch

Quinn C

unread,
Mar 28, 2018, 1:39:31 PM3/28/18
to
* H.-P. Schulz:
Zumindest im Britischen Englisch ist die Behauchung tendenziell stärker
als im Deutschen. Manchmal sogar am Ende - ein Freund hat in diesem
Song jahrelang nur "ouch - in" gehört:

<https://youtu.be/VzlofSthVwc?t=1m12s>

xylo...@gmail.com

unread,
Mar 29, 2018, 11:17:45 AM3/29/18
to
Am Mittwoch, 28. März 2018 19:30:44 UTC+2 schrieb Quinn C:

>>| Lange war er [Johann-Christoph Beindorff, Pelikan-Erbe] bei Pelikan
>>| als Exportleiter für globale Geschäfte zuständig. Das Ehepaar lebte
>>| außer in Spanien auch in Venezuela, bereiste Hong Kong, Singapur
>>| und Ecuador. Wenn Johann-Christoph Beindorff in seinem markanten
>>| hannoverschen Tonfall über den japanischen Füllermarkt spricht,

> Ein Tonfall macht noch keinen Dialekt. Ich habe schon Leute mit
> markantem bayerischem Tonfall Englisch sprechen hören.

Englisch mit kursächsischem Accent is aba ooch nich von
schlechten Eltern - FR

xylo...@gmail.com

unread,
Mar 29, 2018, 11:29:16 AM3/29/18
to
Am Mittwoch, 28. März 2018 19:31:58 UTC+2 schrieb Quinn C:

>> Wieso Pianodraht? Da schneidet man ja normalerweise nicht dran rum.

> Klavierdraht wird nicht nur für Klaviersaiten verwendet, sondern auch
> ... zum Schneiden, meistens.

In der Fertigung von Porenbeton (vulgo Gasbeton) werden die
Elemente vor dem Autoklavieren tatsächlich mit umlaufendem
Draht geschnitten - das kann aber unmöglich Klavierdraht sein,
der würde der abrasiven Belastung nicht standhalten.

> Weiteres Beispiel:
> <https://www.translatorscafe.com/tcterms/RU/question.aspx?id=51984>

Mein uralter VW-Transporter hatte als Stellglied zwischen
Gaspedal und Vergaser einen Stahldraht von ca. 1 mm Stärke -
das könnte Klavierdraht gewesen sein. Den zu kürzen empfiehlt
sich kein Seitenschneider, vielmehr legt man den Draht auf eine
Stahlunterlage, setzt einen geschärften Meißel an und ein
Hammerschlag wird das gewünschte Ergebnis bringen - FR

Detlef Meißner

unread,
Mar 29, 2018, 11:38:03 AM3/29/18
to
Am 29.03.2018 um 17:29 schrieb xylo...@gmail.com:
> Am Mittwoch, 28. März 2018 19:31:58 UTC+2 schrieb Quinn C:
>
>>> Wieso Pianodraht? Da schneidet man ja normalerweise nicht dran rum.
>
>> Klavierdraht wird nicht nur für Klaviersaiten verwendet, sondern auch
>> ... zum Schneiden, meistens.
>
> In der Fertigung von Porenbeton (vulgo Gasbeton) werden die
> Elemente vor dem Autoklavieren tatsächlich mit umlaufendem
> Draht geschnitten - das kann aber unmöglich Klavierdraht sein,
> der würde der abrasiven Belastung nicht standhalten.

Aber sicherlich gibt er angenehme Töne von sich.

Diverse Steine werden mit Draht geschnitten. Dazu nimmt man dann sog.
Diamantdraht.
http://www.diamondtools.top/de/products/best-wire-saw-cutting-wire-stone-wire-saw.html

Detlef

Manfred Hoß

unread,
Mar 29, 2018, 12:39:27 PM3/29/18
to
Ein Film mit Arnold Schwarzenegger, in dem dieser Englisch spricht, ist in
diesem Sinne auch recht unterhaltsam.

Gruß
Manfred.

Detlef Meißner

unread,
Mar 29, 2018, 1:04:04 PM3/29/18
to
Terminator?

Detlef

Manfred Hoß

unread,
Mar 29, 2018, 1:38:39 PM3/29/18
to
Twins.

Gruß
Manfred.
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