Am 18.08.2012 15:34, schrieb Karl Pentzlin:
> "Raute" wird gewöhnlich als ein Synonym für die geometrische Bezeichnung
> "Rhombus" definiert (als ein Viereck mit gleichlangen Seiten, aber mit
> nicht notwendig rechten Winkeln zwischen den Seiten). (Daneben
> bezeichnet es Pflanzen der Gattung Ruta.)
>
> Neuerdings findet sich "Raute" auch als Benennung des Zeichens "#". Dies
> Zeichen (das im englischsprachigen Raum als Nummernzeichen verwendet
> wird) kam vor seiner Verwendung auf Tastentelefonen (etwa seit den
> 1980er Jahren) im deutschen Sprachraum in allgemeiner Verwendung nur auf
> Tischrechenmaschinen vor, wo es die "Nichtrechentaste" kennzeichnete
> (d.h. die zuvor eingegebene Zahl wurde nicht mitgerechnet).
>
> Die Bennenung "Raute" leitet sich möglicherweise daher, dass der
> Standard ITU-T E.161 der International Telecommunication Union für das
> Zeichen rechts unten auf 12-Tasten-Telefontastaturen (neben der Form:
> Innenteil bildet Quadrat, Überstand der 8 Arme zwischen 8% und 18% der
> Gesamtbreite) vorschrieb: "The symbol may be referred to as the square
> or the most commonly used equivalent term in other languages".
> Irgendwo bei der Einführung in Deutschland muss jemand auf die Idee
> gekommen sein, statt "Quadrat" hier das (vielleicht gefälliger
> klingende) "Raute" zu verwenden (vielleicht auch, weil "Quadrat" für
> eine Form, die für jeden offensichtlich kein Quadrat ist, in Deutschland
> nicht durchsetzbar erschien.)
>
> Weiß zufällig jemand hierzu Genaueres?
>
> Kann zufällig jemand sagen, ab wann "Raute" überhaupt
> allgemeinsprachlich für "#" benutzt wird?
>
> Nun scheint zumindest in meinem privaten Umfeld, in dem Mathematiker und
> Biologen in der Minderzahl sind, jedermann mit dem Begriff "Raute" als
> Erstes das "#" zu verbinden. Auch sagte man mir, dass bei von Automaten
> abgewickelten Service-Telefongesprächen die Anleitung "Drücken Sie die
> Rautetaste" gängig sei.
>
> Kann man also feststellen, dass das Wort "Raute" heute in erster Linie
> die Bedeutung hat: "ein durch zwei sich kreuzende Paare paralleler
> Linien gebildetes Schriftzeichen"?
Umgangssprachlich lernte man die Raute als Schüler und Wehpflichtiger an
zwei Beispielen kennen. Einmal als bemühtes deutsches Synonym für
Rhombus und zweitens als heraldisches Standardsymbol, das sich dann
insbesondere bei den Piktogrammen der Truppengattungen eingebürgert hat.
In unserer Zeit fast in Vergessenheit geraten: Von der Renaissance bis
zur Einführung der Flachglasproduktion von Fensterscheiben war die
Rautenform neben dem Butzenfenster die Standardform für Bleiverglasungen.
Das Doppelkreuz hat jedenfalls bis in die 1980er Jahre niemand als Raute
bezeichnet. In den frühen Assembler- und Programmiersprachen stand #n
für numerische Konstanten als Gegensatz zu numerischen Speicheradressen
oder als Platzhalter in Formatmustern.
Die künstlich-intelligenteste Verwendung stammt aus dem lambda-Kalkül
von Alonzo Church.
http://en.wikipedia.org/wiki/Lamda_calculus
(interessant hier das ausgefallene "b" in der Adresse )
Stephen Wolfram interpretiert es in Mathematica als "x", dh als den
universellen Variablennamen in anonymen Funktionen,
http://en.wikipedia.org/wiki/Anonymous_functions
deren algebraischer Ausdruck zugleich für ihren Namensaufruf steht:
(1/(1 + #^2)&)[5] -> 1/26
Derivative[1][ArcTan] -> ( (1+#^2)^-1 &)
Derivative[-1][1/# &] -> Log[#1] &
und erreicht damit fast lesbares Schulniveau in der Einfachheit der
Notation.
--
Roland Franzius