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politsch unkorrekte Begriffe

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Manfred Werner

unread,
Apr 28, 2004, 8:54:41 AM4/28/04
to
Vorab gleich mal folgende Frage: ist die Übersetzung "politisch korrekt" aus
dem Amerikanischen eigentlich so richtig? Für mich ergibt sie keinen
richtigen Sinn, denn mit Politik hat die Problematik nichts zu tun.

Jetzt zum eigentlichen Thema: Folgende Begriffe werden meist als
diskriminierend bezeichnet, ohne dass ich weiß aus welchem Grund:

Student/Studentin (Studierender/Studierende)
Lehrling (Auszubildender/Auszubildende)
Moslem (Muslim)
Tschechei (Tschechien)

Kann jemand hierzu etwas sagen?


Daniel Küstner

unread,
Apr 28, 2004, 9:28:56 AM4/28/04
to
Popcooorn!

Manfred Werner wrote:
> Jetzt zum eigentlichen Thema: Folgende Begriffe werden meist als
> diskriminierend bezeichnet, ohne dass ich weiß aus welchem Grund:

Bist du sicher? Daß bestimmte Begriffe lieber als andere verwendet
werden, hat nicht unbedingt direkt was mit Diskriminierung zu tun.


> Student/Studentin (Studierender/Studierende)
> Lehrling (Auszubildender/Auszubildende)

gehen auf den Irrtum zurück, daß in der Mehrzahl das Geschlecht immer
mitgenannt werden müsse. Das hat bei Studenten zur Folge, daß man, um
sich die doppelte Mehrzahl zu sparen, man Studierende sagt (und
schreibt). Evtl. wird das dann wieder in den Singular übertragen. Aber
diskriminierend ist weder Student noch Studentin. (Ich halte auch
Studenten für gemischte Gruppen nicht diskriminierend, aber das mögen
andere anders sehen).

Zu Lehrling gibt es keine weibliche Form.

> Moslem (Muslim)

Ich glaube (kann mich aber auch irren), daß beides ok ist. Jedenfalls
wüßte ich nicht, was an Moslem falsch sei.

Eine Frage schließe ich noch an. Es gibt ja das Phänomen, daß bestimmte
Bezeichnungen für Minderheiten als diskriminierend wahrgenommen werden,
aber nicht, weil die Bezeichnung abwertend währe, sondern weil die
Gruppe diskriminiert wird und die Bezeichnung dann auch darunter leidet.
Das führt dann dazu, daß die Bezeichnung nicht mehr genutzt wird
(Beispiele: Neger, Krüppel, Idiot). Ich will auch nicht über dieses
Phänomen diskutieren, sondern wissen, ob das bei Zigeuner auch so ist,
oder ob es noch andere Gründe gibt, warum dieser Begriff nicht mehr gern
verwendet wird.

daniel.
--
Daniel Küstner
pgp public key on request
Nimm eine fremde Hand und geh ins Unbekannte.

Thomas Heier

unread,
Apr 28, 2004, 9:36:35 AM4/28/04
to
Daniel Küstner <ne...@kuestner.org> wrote:

> Zu Lehrling gibt es keine weibliche Form.

Doch, sogar einige ganz niedlichr: Azubine(n)...
--
Gruß aus Schleswig-Holstein, dem Land zwischen den Horizonten.

Christian Seidl

unread,
Apr 28, 2004, 9:41:26 AM4/28/04
to
"Manfred Werner" <x...@xxx.com> wrote in message
news:c6o9it$lrb$1...@online.de

> Vorab gleich mal folgende Frage: ist die Übersetzung "politisch korrekt" aus
> dem Amerikanischen eigentlich so richtig? Für mich ergibt sie keinen
> richtigen Sinn, denn mit Politik hat die Problematik nichts zu tun.

Stimmt. Es ist eine tumbe Wort-für-Wort-Übersetzung. Aber da
sich der Begriff nun mal etabliert hat, wäre es noch tumber, ihn durch
einen neuen ersetzen zu wollen.

> Jetzt zum eigentlichen Thema: Folgende Begriffe werden meist als
> diskriminierend bezeichnet, ohne dass ich weiß aus welchem Grund:

> Student/Studentin (Studierender/Studierende)

Es handelt sich eher um die Pluralform, denn dort gestattet
"Studierende" eine elegante und geschlechtsneutrale Ausdrucksweise.

Ich weiß, dass ich mit meiner Ansicht hierzugroup ein wenig abseits
stehe, aber ich weiß auch, dass ich hier in der Schweiz damit durchaus
salonfähig bin:

Die Verwendung von maskulinen Pluralformen à la "Studenten" allein ist
heutzutage nicht mehr angängig, wenn auch Studentinnen mitgemeint sind.
Entweder drückt man also das Femininum durch die entsprechende Form aus
oder man greift dort, wo dies möglich ist, auf eine geschlechtsneutrale
Form zurück.

(So, und jetzt dürft ihr auf mich eindreschen! *indeckunggeh*)

> Lehrling (Auszubildender/Auszubildende)

Wieder ein Problem mit dem Geschlecht und/oder abwertendem -ling
(vgl. Feig-ling, Schreiber-ling usw.) Allerdings ist das Wort
"Auszubildende(r)" immer noch eher ein Teutonismus. In der Schweiz etwa
sagt man weiterhin ziemlich schamlos "Lehrling" und sogar "Lehrtochter".

> Moslem (Muslim)

Das ist mir allerdings auch schleierhaft.

> Tschechei (Tschechien)

Weil "Tschechei" *auch* Nazislang war. Weil auch in meinen Ohren
bei "Tschechei" jedesmal Hitlers "Erledigung der Resttschechei"
mitklingt, verwende ich den Ausdruck nicht.

Um aber hieb- und stichfest herauszufinden, ob das Wort
wirklich einen Nazitouch hat, müsste man einmal den Sprachgebrauch
in Neonazipostillen untersuchen: Wenn es sich herausstellt, dass dort
tatsächlich eher von der "Tschechei" als von "Tschechien" die Rede
ist, dann muss man wohl zur Kenntnis nehmen, dass das Wort heute
von bestimmten Leuten als Codewort verwendet wird. Aber wie gesagt:
Das müsste zuerst bewiesen werden.

Immerhin sei darauf hingewiesen, dass "Tschechien" ein einwandfrei
gebildetes deutsches Wort ist. Schon von daher ist nicht einzusehen,
warum man es nicht verwenden sollte, um die geografisch völlig neue
Realität, wie sie seit 1993 existiert, zu bezeichnen.

Christian

--
Posted via Mailgate.ORG Server - http://www.Mailgate.ORG

Thomas Heier

unread,
Apr 28, 2004, 9:47:55 AM4/28/04
to
Daniel Küstner <ne...@kuestner.org> wrote:

> Zu Lehrling gibt es keine weibliche Form.

Doch, sogar einige ganz niedliche: Azubine(n)...

Uwe Schickedanz

unread,
Apr 28, 2004, 9:50:57 AM4/28/04
to
"Christian Seidl" <se...@indoger.unizh.ch> schrieb:

>Immerhin sei darauf hingewiesen, dass "Tschechien" ein einwandfrei
>gebildetes deutsches Wort ist. Schon von daher ist nicht einzusehen,
>warum man es nicht verwenden sollte, um die geografisch völlig neue
>Realität, wie sie seit 1993 existiert, zu bezeichnen.

Welche neue Realität? Daß die Tschechoslowakei in ihre beiden
Teilstaaten Tschechei und Slowakei zerfallen ist? Und was bitte ist
daran geographisch?

Was wesentlich mehr interessiert als der Sprachgebrauch von Neonazis
ist derjenige der Einheimischen. Und ich kann mich nicht entsinnen,
daß ein Tscheche mir gegenüber "Tschechien" gesagt hätte. Entweder
wird die tschechische Bezeichnung benutzt oder "Tschechei" bzw.
"Böhmen" verwendet. Und "Böhmen" ist sowieso der historisch gewachsene
Begriff.
Für offizielle Anlässe verwende man "Tschechische Republik"
Gruß Uwe

--
Nun -- das Wesen der Dummheit
liegt in ihrem Mangel an Intelligenz.
Olaf Ulrich in desd
http://www.mc-kw-meerane.de

Christian Seidl

unread,
Apr 28, 2004, 10:12:42 AM4/28/04
to
"Uwe Schickedanz" <spam...@onlinehome.de> wrote in message
news:kcdv801ft9i9g7555...@4ax.com

> Was wesentlich mehr interessiert als der Sprachgebrauch von Neonazis
> ist derjenige der Einheimischen. Und ich kann mich nicht entsinnen,
> daß ein Tscheche mir gegenüber "Tschechien" gesagt hätte.

Meinst du deutschsprachige Vertriebene? Oder heutige Bewohner der
Tschechischen Republik mit tschechischer Muttersprache?

Im letzteren Falle ist das wirklich kein Argument, denn wie man ein
Land auf Deutsch nennt, können nur Muttersprachler des Deutschen mit
hinreichender Kompetenz beurteilen.

> Entweder
> wird die tschechische Bezeichnung benutzt oder "Tschechei" bzw.
> "Böhmen" verwendet. Und "Böhmen" ist sowieso der historisch gewachsene
> Begriff.

Aber "Böhmen" bezeichnet nur einen Teil Tschechiens. Ich sehe nicht
ein, warum man einen solch missverständlichen Begriff brauchen sollte.

Uwe Schickedanz

unread,
Apr 28, 2004, 10:31:40 AM4/28/04
to
"Christian Seidl" <se...@indoger.unizh.ch> schrieb:

>Meinst du deutschsprachige Vertriebene? Oder heutige Bewohner der
>Tschechischen Republik mit tschechischer Muttersprache?

Sprech ich chinesisch? Seit wann hätte sich je ein "Vertriebener" als
Tscheche bezeichnet?

>Im letzteren Falle ist das wirklich kein Argument, denn wie man ein
>Land auf Deutsch nennt, können nur Muttersprachler des Deutschen mit
>hinreichender Kompetenz beurteilen.

Na bestimmt. Wenn sich ein Tscheche (für Dich: Bürger der
tschechischen Republik, slawischen Ursprungs, Muttersprache
teschechisch) mit mir auf Deutsch unterhält, weil er zwar etwas
deutsch, ich aber kaum tschechisch kann, so sollte mann ihm auch
zugestehen, daß er sein Land so benennt, wie es richtig ist.

>Aber "Böhmen" bezeichnet nur einen Teil Tschechiens. Ich sehe nicht
>ein, warum man einen solch missverständlichen Begriff brauchen sollte.

In Mähren sagt man selbstverständlich "Mähren".
Oder eben "Tschechei", wenn man in selbiger ist oder diese meint.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 10:46:14 AM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 16:31:40 +0200, Uwe Schickedanz
<spam...@onlinehome.de> wrote:

> Na bestimmt. Wenn sich ein Tscheche [, der Deutsch
> nur unvollstaendig beherrscht,] mit mir auf Deutsch unterhält,


> weil er zwar etwas
> deutsch, ich aber kaum tschechisch kann, so sollte mann ihm auch
> zugestehen, daß er sein Land so benennt, wie es richtig ist.

Unsinn, wenn er die deutsche Sprache nicht hinreichend beherrscht, sind
ihm gewisse Nuancen moeglicherweise fremd. Es kann auch sein, dass es
Begriffe im Tschechischen gibt, die kein deutsches Aequivalent haben.

So nennen viele Tschechen Tschechien "Czechia" in Englisch, obwohl von
englischen Muttersprachlern fast ausschliesslich "Czech Republic"
verwandt wird. Hinter der Empfehlung der tschechischen Botschaft
"Czechia" zu inoffiziellen Anlaessen zu etablieren, steht natuerlich ein
politisches Ziel.

"Tschechei" klingt in meinen Ohren leicht abwertend, vielleicht sogar weil
die "Wallachei" meist figurativ abwertend benutzt wird.

Andreas Prilop

unread,
Apr 28, 2004, 10:55:43 AM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004, Thomas Koenig wrote:

> "Tschechei" klingt in meinen Ohren leicht abwertend, vielleicht sogar weil
> die "Wallachei" meist figurativ abwertend benutzt wird.

Und was ist mit Slowakei? Turkei? Mongolei?

--
Nicht's geht mehr ohne Apostroph.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 11:03:11 AM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 16:57:17 +0200, Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature>
wrote:

> Thomas Koenig <fo...@gmx.li> wrote in

>
>> "Tschechei" klingt in meinen Ohren leicht abwertend, vielleicht sogar
>> weil die "Wallachei" meist figurativ abwertend benutzt wird.
>

> Sprechen wir also fürderhin von Türkien, Mongolien, Brunien, Uruguien und
> natürlich Slowakien.

Gute Idee. Wo liegen eigentlich Tuerkchay und Mongolchei?

Till Walther

unread,
Apr 28, 2004, 11:04:22 AM4/28/04
to
Andreas Prilop schrieb:

> Nicht's geht mehr ohne Apostroph.

Apo's Troph?

--
http://cretatus.com

Oliver Voß

unread,
Apr 28, 2004, 11:41:01 AM4/28/04
to
Christian Seidl wrote:

> Aber "Böhmen" bezeichnet nur einen Teil Tschechiens. Ich sehe nicht
> ein, warum man einen solch missverständlichen Begriff brauchen sollte.
>

Na und? In "Holland" oder "England" ist das doch auch kein Problem
(Holland ist eigentlich nur ein Teil der Niederlande, und England nur
ein Teil des vereinigten Königreichs, trotzdem gebraucht man diese
Begriffe als Synonym für das ganze Land, ohne daß das irgendwen stört).

Gruß,

Oliver


--
Ham Radio Station DL1YOV: http://www.qsl.net/dl1yov

Oliver Voß

unread,
Apr 28, 2004, 11:44:56 AM4/28/04
to
Daniel Küstner wrote:

> Zu Lehrling gibt es keine weibliche Form.
>

Das mag sein, dafür wird "Lehrling" sowohl für männliche wie für
weibliche Auszubildende gleichermaßen verwendet. (Ansonsten gibt es da
noch so Hilfskonstruktionen wie "Lehrmädchen" usw.)

Rian van der Borgt

unread,
Apr 28, 2004, 11:52:29 AM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 17:41:01 +0200, Oliver Voß wrote:
>Na und? In "Holland" oder "England" ist das doch auch kein Problem
>(Holland ist eigentlich nur ein Teil der Niederlande, und England nur
>ein Teil des vereinigten Königreichs, trotzdem gebraucht man diese
>Begriffe als Synonym für das ganze Land, ohne daß das irgendwen stört).

Irgendwen würde ich da nicht sagen. Es gibt überigens auch noch Leute,
die ganz Deutschland als "Preußen" bezeichnen. Das wird bestimmt auch
welche stören.

Grüße,

Rian

--
Rian van der Borgt, Leuven/Löwen, Belgien.
e-mail: rvdb...@xs4all.be www: http://www.xs4all.be/~rvdborgt/
Fix Outlook Express: http://flash.to/oe-quotefix/
Fix Outlook: http://flash.to/outlook-quotefix/

Daniel Küstner

unread,
Apr 28, 2004, 11:56:53 AM4/28/04
to
Oliver Voß wrote:
> Das mag sein, dafür wird "Lehrling" sowohl für männliche wie für
> weibliche Auszubildende gleichermaßen verwendet.

Das siehst du so und ich auch. Aber dann gibt es immer noch die, die
meinen, grammatisches (oder muß es grammatikalisches heißen? Kennt
jemand den Unterschied?) und biologisches Geschlecht müßten
übereinstimmen. Und für diese ist Lehrling nicht akzeptabel.

Manfred Hoß

unread,
Apr 28, 2004, 12:14:10 PM4/28/04
to
Oliver Voß <voss....@t-online.de> schrieb:

>Na und? In "Holland" oder "England" ist das doch auch kein Problem
>(Holland ist eigentlich nur ein Teil der Niederlande, und England nur
>ein Teil des vereinigten Königreichs, trotzdem gebraucht man diese
>Begriffe als Synonym für das ganze Land, ohne daß das irgendwen stört).

Ich hatte eine schottische Kollegin und die _hat_ das gestört, wenn
ich England sagte und das Vereinigte Königreich meinte. Einen Waliser
wird es vermutlich auch stören.

Gruß
Manfred.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 12:23:30 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 17:41:01 +0200, Oliver Voß <voss....@t-online.de>
wrote:

> Christian Seidl wrote:
>
>> Aber "Böhmen" bezeichnet nur einen Teil Tschechiens. Ich sehe nicht
>> ein, warum man einen solch missverständlichen Begriff brauchen sollte.
>>
> Na und? In "Holland" oder "England" ist das doch auch kein Problem

"England" und "Holland" sind sehr uebliche pars-par-toto-Bezeichnungen,
auch in anderen Sprachen. "Boehmen" ganz sich nicht.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 12:29:09 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 14:54:41 +0200, Manfred Werner <x...@xxx.com> wrote:

> Vorab gleich mal folgende Frage: ist die Übersetzung "politisch korrekt"
> aus
> dem Amerikanischen eigentlich so richtig? Für mich ergibt sie keinen
> richtigen Sinn, denn mit Politik hat die Problematik nichts zu tun.

Was ist Dein Politikbegriff? In Angelsachsien hat der der Begriff PC
genauso viel beziehungsweise wenig mit "politics/policy" zu tun wie das in
D/A/dCh der Fall ist.

> Moslem (Muslim)

Wer sagt das?

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 12:39:27 PM4/28/04
to
On 28 Apr 2004 16:24:58 GMT, Horst Ruth <H.R...@gmx.de> wrote:

> Der zynische aber nicht dumme
> Volksmund reagiert dann mit dem Kalauer: "Ein Zigeunerschnitzel!" -
> "Sinti oder Roma?"

Das ist weniger der Volkmund, aber Pawlowsche Anti-PC-Reflex. Kommt "PC"
zur Sprache dauert es hoechstens zwei postings, bis jemand "Neger"
und/oder "Zigeuner" kraeht und dann eine halbseidene Begruendung
auftischt, warum diese Begriffe "preaziser" als S&R bzw. Schwarzer waeren.

In freudiger Erwartung auf "Gutmenschen"-Rufe:

Thomas

BTW, die SZ hat bereits versucht "Gutmensch" auf der "NWA"[1]-Route zu
redefinieren:

http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/erfolggeld/artikel/537/30507/

[1] "NWA" steht bei der gleichnamigen Rap-Combo fuer "Niggaz with
Attitude".

Christian Feldhaus

unread,
Apr 28, 2004, 12:41:33 PM4/28/04
to
Rian van der Borgt <rvdb...@xs4all.be> wrote:

> On Wed, 28 Apr 2004 17:41:01 +0200, Oliver Voß wrote:
> >Na und? In "Holland" oder "England" ist das doch auch kein Problem
> >(Holland ist eigentlich nur ein Teil der Niederlande, und England nur
> >ein Teil des vereinigten Königreichs, trotzdem gebraucht man diese
> >Begriffe als Synonym für das ganze Land, ohne daß das irgendwen stört).
>
> Irgendwen würde ich da nicht sagen. Es gibt überigens auch noch Leute,
> die ganz Deutschland als "Preußen" bezeichnen. Das wird bestimmt auch
> welche stören.

Allerdings wirst Du in DE kaum jemanden finden, der "Preußen" als
Synonym für Deutschland benutzt. In den Niederlanden dagegen kommt es
durchaus vor, dass jemand "Holland" sagt oder schreibt, damit aber die
Niederlande meint.

Mag sein, dass diese Angewohnheit unter Bewohnern von NH/ZH stärker
ausgeprägt ist als anderswo in NL ;-) Aber _dass_ es diesen
Sprachgebrauch auch in den Niederlanden selbst gibt, dürfte wohl
unumstritten sein ...

Tschüs,
Christian

Christian Feldhaus

unread,
Apr 28, 2004, 12:41:34 PM4/28/04
to
Christian Seidl <se...@indoger.unizh.ch> wrote:

> Allerdings ist das Wort "Auszubildende(r)" immer noch eher ein
> Teutonismus. In der Schweiz etwa sagt man weiterhin ziemlich schamlos
> "Lehrling" und sogar "Lehrtochter".

Vielleicht hat sich das in der Schweiz noch nicht herumgesprochen, aber
auch in DE ist "Lehrling" durchaus üblich ;-) Und nicht nur in der
Umgangssprache - frag mal bei einer deutschen Handwerkskammer Deiner
Wahl ... Die "Lehrtochter" dagegen gibt's hier (m.W.) nicht.

Tschüs,
Christian

Klaus Scholl

unread,
Apr 28, 2004, 12:58:23 PM4/28/04
to

"Manfred Werner" <x...@xxx.com> schrieb im Newsbeitrag
news:c6o9it$lrb$1...@online.de...

Wörter gewisser Dinge verbrauchen mit der Zeit ihre neutrale Ausstrahlung
und werden als pejorativ empfunden.
Nach einer gewissen Zeit werden sie ausgetauscht,
und das geschieht wieder und wieder und wieder:
so sagte man zuerst <Neger> (1930),
dies wurde nach einiger Zeit als pejorativ empfunden,
man sagte daraufhin <Schwarzer> (1950), dann kam <Farbiger> (1970),
nun ist es der <Afroamerikaner> (2000), und bald
wird auch dieses mit Füssen getreten werden.
Ein aberwitziger Wörterzirkus,
in welchem die Muttersprachler zum Affen gemacht werden.
Gruß vom Klaus.

Klaus Scholl

unread,
Apr 28, 2004, 1:01:22 PM4/28/04
to

"Christian Seidl" <se...@indoger.unizh.ch> schrieb im Newsbeitrag
news:8c6c2a991bfd633b31...@mygate.mailgate.org...

> "Manfred Werner" <x...@xxx.com> wrote in message
> news:c6o9it$lrb$1...@online.de
>
> > Vorab gleich mal folgende Frage: ist die Übersetzung "politisch korrekt"
aus
> > dem Amerikanischen eigentlich so richtig? Für mich ergibt sie keinen
> > richtigen Sinn, denn mit Politik hat die Problematik nichts zu tun.
>
> Stimmt. Es ist eine tumbe Wort-für-Wort-Übersetzung. Aber da
> sich der Begriff nun mal etabliert hat, wäre es noch tumber, ihn durch
> einen neuen ersetzen zu wollen.
>
Denken Sie man hat den Begriff <political correct> im Mittelalter nicht
gekannt?
Wie mag man es zu dieser Zeit genannt haben? Etwa 'die feine Art'?

Gruß vom Klaus.

Kurt Watzka

unread,
Apr 28, 2004, 12:02:38 PM4/28/04
to
Thomas Koenig wrote:

Dann wird es aber schwierig. Cesky oder Boehmisch sind Adjektive, die
in zwei verschiedenen Sprachen die gleiche Eigenschaft bezeichnen. Das
Adjektiv fuer den anderen Teil "Tschechiens" ist Moravsky oder Maehrisch.
Wenn Bohmisch nicht fuer ganz "Tschechien" gelten soll, was durchaus
korrekt ist, dann ist es nicht logisch, das "Tschechisch", die
eingedeutschte Form von Cesky, ploetzlich doch fuer das Ganze gelten soll.

"Tschechei" hat allerdings auch fuer mich den Beiklang von "Resttschechei"
und "Walachei", also einen abwertenden.

Kurt Watzka


Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 1:13:25 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 18:58:23 +0200, Klaus Scholl
<sch...@sensualium.cjb.net> wrote:

> Wörter gewisser Dinge verbrauchen mit der Zeit ihre neutrale Ausstrahlung
> und werden als pejorativ empfunden.
> Nach einer gewissen Zeit werden sie ausgetauscht,
> und das geschieht wieder und wieder und wieder:
> so sagte man zuerst <Neger> (1930),
> dies wurde nach einiger Zeit als pejorativ empfunden,
> man sagte daraufhin <Schwarzer> (1950), dann kam <Farbiger> (1970),
> nun ist es der <Afroamerikaner> (2000), und bald
> wird auch dieses mit Füssen getreten werden.
> Ein aberwitziger Wörterzirkus,
> in welchem die Muttersprachler zum Affen gemacht werden.

Zum Affen machen sich hoechstens Leute, die ohne empirische Belege
behaupten, dass die vier genannten Begriffe bedeutungsgleich waeren, dass
die drei letzgenannten haeufig pejorativ gebraucht wuerden oder, die wild
herausgegriffene Jahreszahlen nennen, um die von ihnen fabulierte
Sprachentwicklung als faktisch erscheinen zu lassen.

Auch war 1960 "Neger" MUSEN nicht so stark pejorativ konnotiert, wie dies
heute der Fall ist. Und, hoppsa, 1940 war es wahrscheinlich negativer
konnotiert denn 1960.

Danke fuer den "Neger," ein weiterer Fall, der meine oben genannte
Hypothese bestaerkt.

Ronny Heidenreich

unread,
Apr 28, 2004, 1:13:57 PM4/28/04
to
Thomas Koenig schrieb:

> "Tschechei" klingt in meinen Ohren leicht abwertend,

Daß manch einer meint, dieses klinge abwertend, liegt zum großen Teil
daran, daß insbesondere Mitte der neunziger Jahre des mittlerweile
vergangenen Jahrhunderts in der Öffentlichkeitsarbeit der deutschen
Politik alle Anstrengungen unternommen wurden, um diesen Eindruck zu
erwecken.
Noch bis in die achtziger wurde das Land ganz selbstverständlich
Tschechei genannt; im nichtoffiziellen Gebrauch selbst dann, wenn die
gesamte Tschechoslowakei gemeint war, genau wie bei Rußland für die
Sowjetunion.

RH

Lars Bräsicke

unread,
Apr 28, 2004, 1:27:19 PM4/28/04
to
Daniel Küstner schrieb:

> Oliver Voß wrote:
>> Das mag sein, dafür wird "Lehrling" sowohl für männliche wie für
>> weibliche Auszubildende gleichermaßen verwendet.
>
> Das siehst du so und ich auch. Aber dann gibt es immer noch die, die
> meinen, grammatisches (oder muß es grammatikalisches heißen? Kennt
> jemand den Unterschied?) und biologisches Geschlecht müßten
> übereinstimmen. Und für diese ist Lehrling nicht akzeptabel.

Ist für diese dann auch "der Mensch" nicht akzeptabel, so ganz ohne
weibliches Pendant?

Lars

Lars Bräsicke

unread,
Apr 28, 2004, 1:39:04 PM4/28/04
to
Thomas Koenig schrieb:

>>> "Tschechei" klingt in meinen Ohren leicht abwertend, vielleicht
>>> sogar weil die "Wallachei" meist figurativ abwertend benutzt wird.
>>
>> Sprechen wir also fürderhin von Türkien, Mongolien, Brunien,
>> Uruguien und natürlich Slowakien.
>
> Gute Idee. Wo liegen eigentlich Tuerkchay und Mongolchei?

Wie, du meinst das Pejorative läge am -chei-?
Sollte man dann nicht auch besser Tsche-ien, Walla-ien sagen, statt
Tschechei, Wallachei?
Darf man, ganz nebenbei, eigtl. auch nicht nicht mehr von der Wallachei
sprechen?
Wie nennte man diesen Landstrich dann auf PC-iotisch? Wallachien?
Südrumänien? Erweitertes Bukarester Umland? Cissylvanien?

Lars

Reinhard Gonaus

unread,
Apr 28, 2004, 2:03:21 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 15:28:56 +0200, Daniel Küstner <ne...@kuestner.org>
wrote:

>
>> Moslem (Muslim)
>
>Ich glaube (kann mich aber auch irren), daß beides ok ist. Jedenfalls
>wüßte ich nicht, was an Moslem falsch sei.
>
Das ist wohl ein Irrtum. Das inkriminierte Wort heißt "Mohammedaner".

Reinhard
--
Mensch werden ist eine Kunst.
(Novalis)

Diedrich Ehlerding

unread,
Apr 28, 2004, 1:49:38 PM4/28/04
to
Thomas Koenig meinte:


> Das ist weniger der Volkmund, aber Pawlowsche Anti-PC-Reflex. Kommt "PC"
> zur Sprache dauert es hoechstens zwei postings, bis jemand "Neger"
> und/oder "Zigeuner" kraeht und dann eine halbseidene Begruendung
> auftischt, warum diese Begriffe "preaziser" als S&R bzw. Schwarzer waeren.
>
> In freudiger Erwartung auf "Gutmenschen"-Rufe:

Nach einer anderen Theorie werden diese bewussten Wörter von eben den
Gutmenschen notfalls selbst zur Diskussion gestellt, wenn sich den unter den
politisch Unkorrekten keiner findet, der ihnen den gefallen tut ...

Bitte Fup2 beachten.

Die"nicht schon wieder Sinti-und-Roma-Schnitzel"drich
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
HTML-Mail wird ungelesen entsorgt.

Diedrich Ehlerding

unread,
Apr 28, 2004, 1:59:40 PM4/28/04
to
Reinhard Gonaus meinte:

>>Ich glaube (kann mich aber auch irren), daß beides ok ist. Jedenfalls
>>wüßte ich nicht, was an Moslem falsch sei.
>>
> Das ist wohl ein Irrtum. Das inkriminierte Wort heißt "Mohammedaner".

Das ist wirklich nicht PC, aus "Muselmanen" nicht. Dennoch fällt mir auch
auf, dass "Moslems" inzwischen sehr viel seltener geschrieben wird als
"Muslime".

Diedrich

Reinhard Gonaus

unread,
Apr 28, 2004, 2:13:34 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 19:59:40 +0200, Diedrich Ehlerding
<diedrich....@t-online.de> wrote:

>Reinhard Gonaus meinte:
>
>>>Ich glaube (kann mich aber auch irren), daß beides ok ist. Jedenfalls
>>>wüßte ich nicht, was an Moslem falsch sei.
>>>
>> Das ist wohl ein Irrtum. Das inkriminierte Wort heißt "Mohammedaner".
>
>Das ist wirklich nicht PC, aus "Muselmanen" nicht. Dennoch fällt mir auch
>auf, dass "Moslems" inzwischen sehr viel seltener geschrieben wird als
>"Muslime".
>

Ich weiß es zwar nicht genau, aber es scheint, als ob sich hier die
korrekte Form eines Fremdworts etablierte. "Muslime" ist Plural, und
so hör ich's meistens von solchen, sofern sie Araber oder Türken oder
Kurden oder sowas sind. Mit PC scheint das nichts zu tun zu haben.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 2:10:23 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 19:49:38 +0200, Diedrich Ehlerding
<diedrich....@t-online.de> wrote:

> Thomas Koenig meinte:
>
>
>> Das ist weniger der Volkmund als der Pawlowsche Anti-PC-Reflex. Kommt
>> "PC"
>> zur Sprache, dauert es hoechstens zwei postings, bis jemand "Neger"


>> und/oder "Zigeuner" kraeht und dann eine halbseidene Begruendung
>> auftischt, warum diese Begriffe "preaziser" als S&R bzw. Schwarzer
>> waeren.

> Nach einer anderen Theorie werden diese bewussten Wörter von eben den


> Gutmenschen notfalls selbst zur Diskussion gestellt, wenn sich den unter
> den politisch Unkorrekten keiner findet, der ihnen den gefallen tut ...

Zeige mir oeffentlich zugaengliche Beispiele, bei denen "Gutmenschen" bei
PC-Diskussion *unwillkuerlich* auf das Thema "Neger" oder "Zigeuner"
kommen (also PC-Diskussionen, die nicht mit einem dieser beiden Begriffe
begonnen wurden, oder in denen nicht zunaechst ein Anti-PC-freak diese
Woerter einwurf). Fuer jedes Beispiel finde ich ratzfatz 10 Beispiele der
anderen Art. Mindestens.


> Bitte Fup2 beachten.

Noe, wenn Du nichts zu sagen hast, dann poste doch einfach nicht. Teile
der Diskussion sind redundant, aber keineswegs off-topic.

> Die"nicht schon wieder Sinti-und-Roma-Schnitzel"drich

Mir geht es hier nicht um den Zigeunerbegriff sondern den Diskussionsstil
vieler Anti-PC-freaks.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 2:16:18 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 19:59:40 +0200, Diedrich Ehlerding
<diedrich....@t-online.de> wrote:

>>> Ich glaube (kann mich aber auch irren), daß beides ok ist. Jedenfalls
>>> wüßte ich nicht, was an Moslem falsch sei.
>> Das ist wohl ein Irrtum. Das inkriminierte Wort heißt "Mohammedaner".
>
> Das ist wirklich nicht PC

Was "das"? Belege bitte!

> , aus "Muselmanen" nicht. Dennoch fällt mir auch
> auf, dass "Moslems" inzwischen sehr viel seltener geschrieben wird als
> "Muslime".

Wenn's in Zeitungen steht: Koennte an der Uebersetzung von "Muslims"
liegen, da die groessten Nachrichtendienste nun mal primaer auf Englisch
schreiben (Reuters, AP).

Diedrich Ehlerding

unread,
Apr 28, 2004, 2:17:15 PM4/28/04
to
Reinhard Gonaus meinte:

>>Das ist wirklich nicht PC, aus "Muselmanen" nicht. Dennoch fällt mir auch
>>auf, dass "Moslems" inzwischen sehr viel seltener geschrieben wird als
>>"Muslime".
>>
> Ich weiß es zwar nicht genau, aber es scheint, als ob sich hier die
> korrekte Form eines Fremdworts etablierte. "Muslime" ist Plural, und
> so hör ich's meistens von solchen, sofern sie Araber oder Türken oder
> Kurden oder sowas sind.

INwiefern ist "Muslime" korrekter als "Moslems"? Ich tippe viel eher auf die
Übermacht englischer Nachrichtenagenturen und die Faulheit der Übersetzer.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 2:28:25 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 19:39:04 +0200, Lars Bräsicke
<brae...@despammed.com> wrote:

> Thomas Koenig schrieb:
>>>> "Tschechei" klingt in meinen Ohren leicht abwertend, vielleicht
>>>> sogar weil die "Wallachei" meist figurativ abwertend benutzt wird.
>>>
>>> Sprechen wir also fürderhin von Türkien, Mongolien, Brunien,
>>> Uruguien und natürlich Slowakien.
>>
>> Gute Idee. Wo liegen eigentlich Tuerkchay und Mongolchei?
>
> Wie, du meinst das Pejorative läge am -chei-?

Nein, wenn, dann liegt es an der figurativen Verwendung der Wallachei in
Verbindung mit der Klangaehnlichkeit von "Tschechei" und "Wallachei" sowie
der Tatsache, dass beide Woerter geographische Regionen bezeichnen
(koennen).

> Darf man, ganz nebenbei, eigtl. auch nicht nicht mehr von der Wallachei
> sprechen?

Jemand, der ueber die reale Wallachei redet und das Wort "Wallachei"
benutzt, wird damit kaum implizieren wollen, dass die Wallachei in der
Wallachei liegt. Es wird im Deutschen aber eher selten ueber die Wallachei
geredet, so dass Deutschsprachige mit dem Wort "Wallachei" eher die
figurative Bedeutung denn die Denotation des Wortes assoziieren.

Diedrich Ehlerding

unread,
Apr 28, 2004, 2:45:27 PM4/28/04
to
Thomas Koenig meinte:


>> Thomas Koenig schrieb:
>>>>> "Tschechei" klingt in meinen Ohren leicht abwertend, vielleicht
>>>>> sogar weil die "Wallachei" meist figurativ abwertend benutzt wird.
>>>>
>>>> Sprechen wir also fürderhin von Türkien, Mongolien, Brunien,
>>>> Uruguien und natürlich Slowakien.
>>>
>>> Gute Idee. Wo liegen eigentlich Tuerkchay und Mongolchei?
>>
>> Wie, du meinst das Pejorative läge am -chei-?
>
> Nein, wenn, dann liegt es an der figurativen Verwendung der Wallachei in
> Verbindung mit der Klangaehnlichkeit von "Tschechei" und "Wallachei" sowie
> der Tatsache, dass beide Woerter geographische Regionen bezeichnen
> (koennen).

Die Frage war aber, wieso "-chei" pejorativ sei, "-ei" aber nicht. Deine
Argumentation hat Anklänge eines Zirkelschlusses: dass "-chei" mehrheitlich
pejorativ besetzt sei, ist bei lediglich zwei Beispielen (Walachei,
Tschechei) nur dann richtig, wenn man die pejorative Konnotation beider
Beispiele schon voraussetzt; andernfalls ist es allenfalls mal pejorativ,
mal nicht. Oder soll man deiner Meinung nach nun jeden Begriff vermeiden,
der sich auf einen anderen pejorativ konnotierten auch nur reimt?

>> Darf man, ganz nebenbei, eigtl. auch nicht nicht mehr von der Wallachei
>> sprechen?
>
> Jemand, der ueber die reale Wallachei redet und das Wort "Wallachei"
> benutzt, wird damit kaum implizieren wollen, dass die Wallachei in der
> Wallachei liegt. Es wird im Deutschen aber eher selten ueber die Wallachei
> geredet, so dass Deutschsprachige mit dem Wort "Wallachei" eher die
> figurative Bedeutung denn die Denotation des Wortes assoziieren.

Auch "Sibirien" wird figurativ und leicht pejorativ benutzt
("xxxisch-Sibirien" bezeichnet typischerweise einen fernab von den
Ballungszentren gelegenen und infrastrukturell schlecht erschlossenen Teil
des LAndes xxx aus der Sicht der Ballungsgebiet-Bewohner). Darf man also
nicht mehr über die Region Sibirien reden und dazu das Wort "Sibirien"
verwenden?

Zum Thema "korrekte Bezeichnung für Tschechien bzw. die Tschechei" verwesie
ich im Übrigen auf Ralph Babels desd-FAQL.

Died"hat Walachei eigentlich was mit Pferden zu tun?"rich

Erik Huether

unread,
Apr 28, 2004, 2:56:13 PM4/28/04
to
Thomas Koenig schrieb am Mittwoch, 28. April 2004 20:16:

>>> Das ist wohl ein Irrtum. Das inkriminierte Wort heißt
>>> "Mohammedaner".
>>
>> Das ist wirklich nicht PC
>
> Was "das"? Belege bitte!

Es ist deswegen nicht "PC", weil dadurch der Prophet Mohammed zu sehr
ins Zentrum gerückt wird. Er ist sicher wichtig für den Islam, aber im
Zentrum steht Allah und sonst niemand.
"Muselmanen" hingegen stammt mWn aus der Zeit der Kreuzzüge und war eher
ein Schimpfwort denn eine Religionsbezeichnung. Gut, damals wäre auch
Moslem ein Schimpfwort (in den Ohren der Ritter) gewesen. :-)

Gruß Erik

--
Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. [Wilhelm Busch]
Privat: http://www.ostertaler.de --|-- Band: http://www.nassbirne.de
NP: Thunder - Love walked in

Uwe Schickedanz

unread,
Apr 28, 2004, 3:28:29 PM4/28/04
to
Erik Huether <nu...@ostertaler.de> schrieb:

>Es ist deswegen nicht "PC", weil dadurch der Prophet Mohammed zu sehr
>ins Zentrum gerückt wird. Er ist sicher wichtig für den Islam, aber im
>Zentrum steht Allah und sonst niemand.

Darf ich daraus schlußfolgern, daß die Bezeichnung "Christen"
eigentlich auch irreführend ist?

Gruß Uwe

--
Nun -- das Wesen der Dummheit
liegt in ihrem Mangel an Intelligenz.
Olaf Ulrich in desd
http://www.mc-kw-meerane.de

Sebastian Koppehel

unread,
Apr 28, 2004, 3:50:10 PM4/28/04
to
Reinhard Gonaus <er...@aon.at> schrieb:

> On Wed, 28 Apr 2004 15:28:56 +0200, Daniel Küstner <ne...@kuestner.org>
> wrote:
>
>>> Moslem (Muslim)
>>
>>Ich glaube (kann mich aber auch irren), daß beides ok ist. Jedenfalls
>>wüßte ich nicht, was an Moslem falsch sei.
>>
> Das ist wohl ein Irrtum. Das inkriminierte Wort heißt "Mohammedaner".

Was ist dann nicht in Ordnung? Komischerweise liest man's kaum noch; das
ist nicht unbedingt schlecht, denn so kann man's benutzen und sich somit
von der hysterischen »aktuellen Debatte« loslösen.

- Sebastian

--
Da halte ich es mit Lenin, der gesagt hat: Bevor die Deutschen eine
Revolution machen, kaufen sie sich eine Bahnsteigkarte.

(Werner Hackmann)

Sebastian Koppehel

unread,
Apr 28, 2004, 4:02:47 PM4/28/04
to
"Christian Seidl" <se...@indoger.unizh.ch> schrieb:

> "Uwe Schickedanz" <spam...@onlinehome.de> wrote in message
>
>> Entweder
>> wird die tschechische Bezeichnung benutzt oder "Tschechei" bzw.
>> "Böhmen" verwendet. Und "Böhmen" ist sowieso der historisch gewachsene
>> Begriff.


>
> Aber "Böhmen" bezeichnet nur einen Teil Tschechiens.

Auch »Tschechien« bezeichnet nur einen Teil Tschechiens. Von »Schweiz«
wollen wir mal gar nicht reden; es heißt »Helvetische Konföderation«,
warum einen mißverständlichen Ausdruck verwenden :-)

- Sebastian

--
Manpower so you can listen to the superpower.

(Peter Jennings, ABC, über Kurbelradios für Afghanistan)

Lueko Willms

unread,
Apr 28, 2004, 1:58:00 PM4/28/04
to
Am 28.04.04
schrieb x...@xxx.com (Manfred Werner)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in c6o9it$lrb$1...@online.de
ueber politsch unkorrekte Begriffe

MW> Lehrling (Auszubildender/Auszubildende)


Da sollte der Lehrling aufgewertet werden, was aber durch eine
einfache Umbenennung nicht funktioniert.

Der Begriff "Auszubildender" bzw. kurz Azubi wurde m.W. sogar
gesetzlich eingeführt.


MfG,
Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Die Arbeit in weißer Haut kann sich nicht dort emanzipieren, wo sie
in schwarzer Haut gebrandmarkt wird." - Karl Marx 12.11.1866

Lueko Willms

unread,
Apr 28, 2004, 1:54:00 PM4/28/04
to
Am 28.04.04
schrieb nhtc...@rrzn-user.uni-hannover.de (Andreas Prilop)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in Pine.GSO.4.44.0404281653310.2865-100000@s5b003
ueber Re: politsch unkorrekte Begriffe

>> "Tschechei" klingt in meinen Ohren leicht abwertend, vielleicht sogar
>> weil die "Wallachei" meist figurativ abwertend benutzt wird.

AP> Und was ist mit Slowakei? Turkei? Mongolei?

Die Regierung als die offizielle Vertretung des Landes, um das es
hier geht, besteht darauf, daß ihr Land auf deutsch "Tschechien"
genannt wird, und nicht etwa "Tschechei". Das sollte man respektieren.

Die Walachei gibt oder gab es wirklich, nicht nur im übertragenen
Sinne von "da hinten in der Walachei".


MfG,
Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Regierung aus dem Volke, durch das Volk und für das Volk"
- Abraham Lincoln, Ansprache in Gettysburg, 19.11.1863
"... was in die revolutionäre Sprache von heute übersetzt heißt:
eine Regierung von Arbeitern, durch Arbeiter und für Arbeiter"
- Fidel Castro, November 1994

Lueko Willms

unread,
Apr 28, 2004, 1:57:00 PM4/28/04
to
Am 28.04.04
schrieb spam...@onlinehome.de (Uwe Schickedanz)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in kcdv801ft9i9g7555...@4ax.com

ueber Re: politsch unkorrekte Begriffe

US> Und "Böhmen" ist sowieso der historisch gewachsene Begriff.


Wenn schon dann als "Böhmen und Mähren". Nur so doppelt.

Bohemia und Moravia.


MfG,
Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Es sind nicht die Generäle und Könige, die die Geschichte machen,
sondern die breiten Massen des Volkes" - Nelson Mandela

Michael Hemmer

unread,
Apr 28, 2004, 4:10:38 PM4/28/04
to
Uwe Schickedanz wrote:
> Erik Huether <nu...@ostertaler.de> schrieb:
>>Es ist deswegen nicht "PC", weil dadurch der Prophet Mohammed zu sehr
>>ins Zentrum gerückt wird. Er ist sicher wichtig für den Islam, aber im
>>Zentrum steht Allah und sonst niemand.
>
> Darf ich daraus schlußfolgern, daß die Bezeichnung "Christen"
> eigentlich auch irreführend ist?

Nein, wieso? Auch wenn dadurch dem Namen nach Jesus Christus in den
Mittelpunkt gerückt wird, so liegen doch mit dem Glauben an den einen
dreifaltigen Gott die Verhältnisse deutlich anders als im Islam.

Gruß,

Michael

Ralf R. Radermacher

unread,
Apr 28, 2004, 4:09:53 PM4/28/04
to
Helga Schulz <h...@colorcraze.de> wrote:

> Ja, aber niemand will. Nicht jetzt, nicht hier, nicht heute.

Das erklär mal Meister König aus Liechtenstein, der sich aus diesem
Thread schon seit zwei Tagen wieder einen Vollzeitjob macht.

Ralf

--
Ralf R. Radermacher - DL9KCG - Köln/Cologne, Germany
private homepage: http://www.fotoralf.de
manual cameras and photo galleries - updated March 30, 2004
Contarex - Kiev 60 - Horizon 202 - P6 mount lenses

Christian Seidl

unread,
Apr 28, 2004, 4:10:19 PM4/28/04
to
"Sebastian Koppehel" <ba...@bastisoft.de> wrote in message
news:78f5m1...@bastisoft.de


> > Aber "Böhmen" bezeichnet nur einen Teil Tschechiens.
>
> Auch »Tschechien« bezeichnet nur einen Teil Tschechiens.

Das verstehe ich jetzt nicht ganz. Vielleicht könntest du's langsamer
eintippen? ;-)

> Von »Schweiz«
> wollen wir mal gar nicht reden;

Doch, können wir. Dort gibt's einen Kanton, der heißt "Schwyz"
(für deutsche Zungen: das <y> gibt ein langes /i:/ wieder). Der
wird *ohne* Artikel gebraucht, auch im Dialekt.

Das Land heißt "die Schweiz" bzw. "d'Schwiiz".

Also: Natürlich ist die Landesbezeichnung aus derjenigen des Kantons
entstanden, aber es hat sich zur Unterscheidung eben ein Unterschied
herausgebildet.

> es heißt »Helvetische Konföderation«,

Wenn schon: "Schweizerische Eidgenossenschaft". Das wäre das Pendant
zur Tschechischen Republik.

Christian


--
Posted via Mailgate.ORG Server - http://www.Mailgate.ORG

Ralf R. Radermacher

unread,
Apr 28, 2004, 4:13:45 PM4/28/04
to
Manfred Werner <x...@xxx.com> wrote:

> Student/Studentin (Studierender/Studierende)

Naja, der Studierende studiert halt, wohingegen der Student säuft, lange
schläft und demonstriert. ;-)

Rian van der Borgt

unread,
Apr 28, 2004, 4:23:53 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 18:41:33 +0200, Christian Feldhaus wrote:
>Rian van der Borgt <rvdb...@xs4all.be> wrote:

>>On Wed, 28 Apr 2004 17:41:01 +0200, Oliver Voß wrote:
>>>Na und? In "Holland" oder "England" ist das doch auch kein Problem
>>>(Holland ist eigentlich nur ein Teil der Niederlande, und England nur
>>>ein Teil des vereinigten Königreichs, trotzdem gebraucht man diese
>>>Begriffe als Synonym für das ganze Land, ohne daß das irgendwen stört).
>>
>>Irgendwen würde ich da nicht sagen. Es gibt überigens auch noch Leute,
>>die ganz Deutschland als "Preußen" bezeichnen. Das wird bestimmt auch
>>welche stören.
>
>Allerdings wirst Du in DE kaum jemanden finden, der "Preußen" als
>Synonym für Deutschland benutzt.
>
>In den Niederlanden dagegen kommt es
>durchaus vor, dass jemand "Holland" sagt oder schreibt, damit aber die
>Niederlande meint.

Im Niederländischen aber kaum mehr, außer Fußballfans, Spediteuren und
manchen älteren Leuten. Manche wissen aber nicht, wie "Nederland" in
anderen Sprachen heißt, oder trauen sich nicht, es zu benutzen. Das es
in anderen Sprachen meistens Mehrzahl ist, ist natürlich ungeschickt.

Grüße,

Rian

--
Rian van der Borgt, Leuven/Löwen, Belgien.
e-mail: rvdb...@xs4all.be www: http://www.xs4all.be/~rvdborgt/
Fix Outlook Express: http://flash.to/oe-quotefix/
Fix Outlook: http://flash.to/outlook-quotefix/

Daniel Küstner

unread,
Apr 28, 2004, 4:30:25 PM4/28/04
to
Lueko Willms wrote:
> Die Walachei gibt oder gab es wirklich, nicht nur im übertragenen
> Sinne von "da hinten in der Walachei".

http://de.wikipedia.org/wiki/Walachei

daniel.
--
Daniel Küstner
pgp public key on request
Nimm eine fremde Hand und geh ins Unbekannte.

Daniel Küstner

unread,
Apr 28, 2004, 4:37:28 PM4/28/04
to
Daniel Küstner wrote:

> Lueko Willms wrote:
>
>> Die Walachei gibt oder gab es wirklich, nicht nur im übertragenen
>> Sinne von "da hinten in der Walachei".
>
>
> http://de.wikipedia.org/wiki/Walachei

Oh - das hast du ja gesagt - ich hatte das Komma an der falschen Stelle
wahrgenommen.

Johannes Roehl

unread,
Apr 28, 2004, 4:48:46 PM4/28/04
to
Thomas Koenig schrieb:

> Auch war 1960 "Neger" MUSEN nicht so stark pejorativ konnotiert, wie
> dies heute der Fall ist. Und, hoppsa, 1940 war es wahrscheinlich
> negativer konnotiert denn 1960.
>
> Danke fuer den "Neger," ein weiterer Fall, der meine oben genannte
> Hypothese bestaerkt.

Bis ich ca. 12 Jahre alt war (1984, BRD) war 'Neger' in meinem
Sprachgebrauch und Umfeld der normale, mit keinerlei pejorativen
Konnotationen behaftete Ausdruck für Schwarze. Dann klärte uns eine
Referendarin auf, man sollte Schwarzer sagen, da "Neger" von "nigger"
abgeleitet sei (AFAIK ist das falsch, "nigger" ist natürlich eine
Verballhornung von "negro"; in den USA war IIRC bis in die 50er negro
der respektvolle/Nordstaaten-Ausdruck, dann Black oder colored).
Afroamerikaner ist schlicht falsch, wenn ich einen afrikanischen,
karibischen, französischen oder deutschen Schwarzen bezeichnen möchte.

Wie kommt es eigentlich, dass Sarotti, nachdem der Mohr jahrelang
untergetauscht war, inzwischen wieder mit dem 'extra großen Mohrenstück'
wirbt?

viele Grüße

JR

Andreas Kabel

unread,
Apr 28, 2004, 4:51:48 PM4/28/04
to
Oliver Cromm wrote:

> Uwe Schickedanz wrote:
>
>
>>Erik Huether <nu...@ostertaler.de> schrieb:
>>
>>
>>>Es ist deswegen nicht "PC", weil dadurch der Prophet Mohammed zu
>>>sehr ins Zentrum gerückt wird. Er ist sicher wichtig für den
>>>Islam, aber im Zentrum steht Allah und sonst niemand.
>>
>>Darf ich daraus schlußfolgern, daß die Bezeichnung "Christen"
>>eigentlich auch irreführend ist?
>
>
> Für Christen, die die Trinität ablehnen, vermutlich schon. Gibt's die
> noch?

Nach Definition des Ökumenischen Rats der Kirchen, derzufolge Christen
"...Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland
bekennen..."
muessen Arianer leider draussenbleiben. Unitarier und Zeugen Jehovas
waeren solche Kandidaten.

Matthias Opatz

unread,
Apr 28, 2004, 4:56:39 PM4/28/04
to
Wolfgang Schwanke schrieb:

> In den 1920er Jahren hat man sicher auch "Tschechei" gesagt, oder?
> Wie sagte man dort wohl zu KuK-Zeiten? "Österreich"? "Böhmen"?

In Sport-Siegeristen aus dieser Zeit steht teils "Böhmen",
teils "Böhmen und Mähren".

Matthias

--
Gallus wurde in Gegenwart des Volkes ermordet, und dasselbe Schicksal
hatte er noch einmal durch die Hand eines Meuchelmörders. Galletti
** Wer zum Kuckuck ist Prof. Galletti? => http://www.galletti.de/ **
### Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen ###

Matthias Opatz

unread,
Apr 28, 2004, 4:57:53 PM4/28/04
to
Johannes Roehl schrieb:

> Wie kommt es eigentlich, dass Sarotti, nachdem der Mohr jahrelang
> untergetauscht war,

Ich kann mich nicht an sein Fehlen erinnern.

Lueko Willms

unread,
Apr 28, 2004, 4:26:00 PM4/28/04
to
Am 28.04.04
schrieb fo...@gmx.li (Thomas Koenig)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in opr66ixn...@News.CIS.DFN.DE

ueber Re: politsch unkorrekte Begriffe

TK> Jemand, der ueber die reale Wallachei redet und das Wort "Wallachei"
TK> benutzt, wird damit kaum implizieren wollen, dass die Wallachei in
TK> der Wallachei liegt. Es wird im Deutschen aber eher selten ueber die
TK> Wallachei geredet,

heutzutage. Zu Zeiten der k.u.k. Monarchie war das anders.


TK> so dass Deutschsprachige mit dem Wort "Wallachei"
TK> eher die figurative Bedeutung denn die Denotation des Wortes
TK> assoziieren.

heutzutage. Und vielleicht auch nur hierzulande.


mfG,


Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Ohne Pressefreiheit, Vereins- und Versammlungsrecht ist keine
Arbeiterbewegung möglich" - Friedrich Engels (Februar 1865)

Lueko Willms

unread,
Apr 28, 2004, 4:30:00 PM4/28/04
to
Am 28.04.04
schrieb diedrich....@t-online.de (Diedrich Ehlerding)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in 8na5m1x...@diedrich.ehlerding.dialin.t-online.de

ueber Re: politsch unkorrekte Begriffe

DE> Auch "Sibirien" wird figurativ und leicht pejorativ benutzt
DE> ("xxxisch-Sibirien" bezeichnet typischerweise einen fernab von den
DE> Ballungszentren gelegenen und infrastrukturell schlecht erschlossenen
DE> Teil des LAndes xxx aus der Sicht der Ballungsgebiet-Bewohner). Darf
DE> man also nicht mehr Aźber die Region Sibirien reden und dazu das Wort
DE> "Sibirien" verwenden?


So wurde für das Siemensgelände in München-Perlach (??) der Name
"Datasibirsk" kolportiert.


mfG,
Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Die Interessen der Nation lassen sich nicht anders formulieren als unter
dem Gesichtspunkt der herrschenden Klasse oder der Klasse, die die
Herrschaft anstrebt." - Leo Trotzki (27. Januar 1932)

Lueko Willms

unread,
Apr 28, 2004, 4:44:00 PM4/28/04
to
Am 28.04.04
schrieb er...@aon.at (Reinhard Gonaus)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in mrsv80d4qvub6nvpg...@4ax.com

ueber Re: politsch unkorrekte Begriffe

zu "Muslim" oder "Moslem"

>>> Das ist wohl ein Irrtum. Das inkriminierte Wort heißt "Mohammedaner".
>>

>> Das ist wirklich nicht PC, aus "Muselmanen" nicht. Dennoch fällt mir
>> auch auf, dass "Moslems" inzwischen sehr viel seltener geschrieben
>> wird als "Muslime".
>>

RG> Ich weiß es zwar nicht genau, aber es scheint, als ob sich hier die
RG> korrekte Form eines Fremdworts etablierte. "Muslime" ist Plural, und
RG> so hör ich's meistens von solchen, sofern sie Araber oder Türken oder
RG> Kurden oder sowas sind. Mit PC scheint das nichts zu tun zu haben.


Das sind einfach verschiedene Transskriptionen des arabischem
Worts, das ich mal einfach transkribiere: "mslm" -- man schreibt im
Arabischen nämlich normaleweise nur die Konsonanten, und Vokale nur,
wenn sie lang sind. Und Vokale gibt es in dieser Sprache nur drei: a,
e, und o. Das kann sich je nach Region und Land auch verschieben nach
e, i und u. Von daher die unterschiedliche Schreibweise "moslem" oder
"muslim". Es sind einfach leicht unterschiedliche Aussprachen ein- und
desselben arabischen Wortes.

Der Plural davon ist übrigens "muslimUN" (mit einem langen U).

Wie Islam und Salam abgeleitet von dem Stamm SLM (im Hebräischen
hat sich das S in ein Sch verwandelt).

"Mohammedaner" ist hingegen vom Namen des Propheten abgeleitet, so
wie eine andere Religion nach einen Heiligen namens Christus die
Christen nennt. Oder spätere Sekten davon als "Lutheraner",
"Calvinisten" u.ä.


MfG,


Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Kein Land kann seine Probleme in dieser globalisierten Welt allein
auf sich gestellt lösen. Entweder wir retten uns alle zusammen oder
wir gehen zusammen unter. Heute mehr denn je gilt das Wort von José
Martí: Das Vaterland ist die ganze Menschheit."
- Fidel Castro, Caracas (Veneuzuela), 3. Februar 1999

Matthias Opatz

unread,
Apr 28, 2004, 5:04:21 PM4/28/04
to
Wolfgang Schwanke schrieb:

> In den 1920er Jahren hat man sicher auch "Tschechei" gesagt, oder?
> Wie sagte man dort wohl zu KuK-Zeiten? "Österreich"? "Böhmen"?

In Sport-Siegerlisten aus dieser Zeit steht teils "Böhmen",

teils "Böhmen und Mähren".

Matthias

Christian Weisgerber

unread,
Apr 28, 2004, 4:07:13 PM4/28/04
to
Lars Bräsicke <brae...@despammed.com> wrote:

> Ist für diese dann auch "der Mensch" nicht akzeptabel, so ganz ohne
> weibliches Pendant?

Ich fühle mich diskriminiert, wenn ich als Person bezeichnet werde!

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.inka.de

Matthias Opatz

unread,
Apr 28, 2004, 5:41:56 PM4/28/04
to
Christian Weisgerber schrieb:

> Ich fühle mich diskriminiert, wenn ich als Person bezeichnet werde!

Na, Du bist vielleicht 'ne Kraft!

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 6:18:00 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 23:03:56 +0200, Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature>
wrote:

> Johannes Roehl <parr...@web.de> wrote in

>
>> Bis ich ca. 12 Jahre alt war (1984, BRD) war 'Neger' in meinem
>> Sprachgebrauch und Umfeld der normale, mit keinerlei pejorativen
>> Konnotationen behaftete Ausdruck für Schwarze. Dann klärte uns eine
>> Referendarin auf,
>

> sic

Dass Berlin eine hinterwaeldlerische Hauptstadt ist, ist zwar recht
bekannt, aber Du solltest es nicht so 'rumposaunen, sonst kommt kein
zweiter Bowie auf die Idee sich dorthin zu verirren.

Klaus Scholl

unread,
Apr 28, 2004, 6:22:42 PM4/28/04
to

"Martin Gerdes" <martin...@gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:gr80905getcrm9e8j...@4ax.com...
> Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature> schrieb:
>
> >"Neger" kommt überhaupt nicht aus dem Amerikanischen und trägt natürlich
> >keine US-spezifischen Bedeutungsverfärbungen.
>
> >Die gemeinsame Etymologie aller dieser Wörter ist spanisch "negro"
> >(schwarz), im Deutschen via Französisch entlehnt, im Englischen wohl
direkt
> >aus dem Spanischen.
>
> Nicht zu vergessen die alten Römer, die ihr Wort "niger = dunkelfarbig,
> schwarz" auch aus dem Spanischen entlehnt haben.
>

Wirklich sehr amüsant.
Es traut sich keiner zu sagen,
beweist es doch, daß 'Nigger'
lautlich näher am Original ist als 'Neger',
könnte also die ältere Form sein.

Gruß vom Klaus.


Ralf Heinrich Arning

unread,
Apr 28, 2004, 6:36:50 PM4/28/04
to
Matthias Opatz <spam-c...@onlinehome.de> wrote:

> Johannes Roehl schrieb:
>
> > Wie kommt es eigentlich, dass Sarotti, nachdem der Mohr jahrelang
> > untergetauscht war,
>
> Ich kann mich nicht an sein Fehlen erinnern.

Das war aber so. Irgendwann in den achtziger Jahren (?), als Nostalgie
en vogue war, hat man den Mohren wieder hervorgekramt.

Ralf
--
Kuckuck Wir Vögel singen nicht egal;
Der singet laut, der andre leise,
Kauz nicht wie ich, ich nicht wie Nachtigall,
(Matthias Claudius) Ein jeder hat so seine Weise.

Ralf Heinrich Arning

unread,
Apr 28, 2004, 6:36:47 PM4/28/04
to
Manfred Hoß <manfre...@t-online.de> wrote:

> Oliver Voß <voss....@t-online.de> schrieb:


>
> >Na und? In "Holland" oder "England" ist das doch auch kein Problem
> >(Holland ist eigentlich nur ein Teil der Niederlande, und England nur
> >ein Teil des vereinigten Königreichs, trotzdem gebraucht man diese
> >Begriffe als Synonym für das ganze Land, ohne daß das irgendwen stört).
>

> Ich hatte eine schottische Kollegin und die _hat_ das gestört, wenn
> ich England sagte und das Vereinigte Königreich meinte. Einen Waliser
> wird es vermutlich auch stören.
>
Vor allem beim Fußball.

Vor ein paar Monaten meldete sich in dieser Gruppe jemand aus Overijssel
(WIMRE), den störte es, Holländer genannt zu werden. Andere
nicht-holländischen Niederländer stört es nicht.

Ralf Heinrich Arning

unread,
Apr 28, 2004, 6:36:46 PM4/28/04
to
Christian Weisgerber <na...@mips.inka.de> wrote:

> Lars Bräsicke <brae...@despammed.com> wrote:
>
> > Ist für diese dann auch "der Mensch" nicht akzeptabel, so ganz ohne
> > weibliches Pendant?
>
> Ich fühle mich diskriminiert, wenn ich als Person bezeichnet werde!

Ersetze "Person" durch "Koryphäe" -- um an einen Vorschlag Diedrichs zu
erinneren.

Sebastian Koppehel

unread,
Apr 28, 2004, 6:29:33 PM4/28/04
to
Erik Huether <nu...@ostertaler.de> schrieb:

> Thomas Koenig schrieb am Mittwoch, 28. April 2004 20:16:
>
>>>> Das ist wohl ein Irrtum. Das inkriminierte Wort heißt
>>>> "Mohammedaner".
>>>
>>> Das ist wirklich nicht PC
>>

>> Was "das"? Belege bitte!


>
> Es ist deswegen nicht "PC", weil dadurch der Prophet Mohammed zu sehr
> ins Zentrum gerückt wird. Er ist sicher wichtig für den Islam, aber im
> Zentrum steht Allah und sonst niemand.

Das ist aber kein Alleinstellungsmerkmal des Islam.

- Sebastian

--
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im Mega-CyberCenter unseres Technologie-Partners KPNQWest.
(Strato-Broschüre, 23. 4. 2001)

Christian Feldhaus

unread,
Apr 28, 2004, 7:11:23 PM4/28/04
to
Rian van der Borgt <rvdb...@xs4all.be> wrote:

> Im Niederländischen aber kaum mehr, außer Fußballfans, Spediteuren und
> manchen älteren Leuten. Manche wissen aber nicht, wie "Nederland" in
> anderen Sprachen heißt, oder trauen sich nicht, es zu benutzen.

Die Niederländische Tourismuszentrale in Deutschland vielleicht? ;-)
Werf mal einen Blick auf http://www.nbt.de/

Ich will gar nicht behaupten, dass diese eine Website repräsentativ für
den Sprachgebrauch in NL sei. Aber sooo selten ist die Verwendung von
"Holland" dort, wo eigentlich die Niederlande gemeint sind, in NL nun
doch nicht ...

Tschüs,
Christian

Christian Feldhaus

unread,
Apr 28, 2004, 7:11:24 PM4/28/04
to
Matthias Opatz <spam-c...@onlinehome.de> wrote:

> Ich kann mich nicht an sein Fehlen erinnern.

Ich auch nicht.
Aber der Mohr ist nicht mehr das, was er mal war ;-)
http://tinylink.com/?2mAJ6PzbX6

Tschüs,
Christian

Christian Feldhaus

unread,
Apr 28, 2004, 7:32:43 PM4/28/04
to
Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature> wrote:

> Sarotti ist kein selbstständiges Unternehmen mehr, sondern wurde vor ner
> Weile von Stollwerck gekauft, vielleicht hat es damit zu tun.

Sarotti gehörte übrigens schon seit langem (Ende der 20er Jahre, glaube
ich) zu Nestlé. Vor ein paar Jahren wurde die Marke dann von Barry
Callebaut übernommen, ebenfalls eine Schweizer Firma. Der Mohr soll,
hab' ich mal gelesen, in Anspielung auf den ersten Firmensitz - Berlin,
Mohrenstraße - entstanden sein ...

Tschüs,
Christian

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 7:36:01 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 20:45:27 +0200, Diedrich Ehlerding
<diedrich....@t-online.de> wrote:

> Thomas Koenig meinte:
>
>
>>> Thomas Koenig schrieb:
>>>>>> "Tschechei" klingt in meinen Ohren leicht abwertend, vielleicht
>>>>>> sogar weil die "Wallachei" meist figurativ abwertend benutzt wird.
>>>>>
>>>>> Sprechen wir also fürderhin von Türkien, Mongolien, Brunien,
>>>>> Uruguien und natürlich Slowakien.
>>>>
>>>> Gute Idee. Wo liegen eigentlich Tuerkchay und Mongolchei?
>>>
>>> Wie, du meinst das Pejorative läge am -chei-?
>>
>> Nein, wenn, dann liegt es an der figurativen Verwendung der Wallachei in
>> Verbindung mit der Klangaehnlichkeit von "Tschechei" und "Wallachei"
>> sowie
>> der Tatsache, dass beide Woerter geographische Regionen bezeichnen
>> (koennen).
>
> Die Frage war aber, wieso "-chei" pejorativ sei, "-ei" aber nicht.

Das war zwar nicht die Frage, aber "chei" ist klar eindeutigererer Laut
als "ei" ("Brei", "Wallachei": qed), deshalb weist es eine hoehere
Klangaehnlichkeit auf.

> Deine
> Argumentation hat Anklänge eines Zirkelschlusses: dass "-chei"
> mehrheitlich
> pejorativ besetzt sei, ist bei lediglich zwei Beispielen (Walachei,
> Tschechei) nur dann richtig, wenn man die pejorative Konnotation beider
> Beispiele schon voraussetzt;

Lies doch einfach mal den ganzen Satz, ich habe da drei Faktoren
miteinander verknuepft. Und ich werde sicher nicht "Weichei" in meiner
Begruendung heranziehen.

Dass Wallachei im figurativen Sinn pejorativ besetzt ist, setze ich
selbstredend voraus. Wenn Du das bestreitest, bist Du entweder Autist oder
Nicht-Muttersprachler.

Hint: Ins Englische wuerde ich Wallachei meist mit /boondocks/ uebersetzen
und nur sehr selten mit /Walachia/.

> andernfalls ist es allenfalls mal pejorativ,
> mal nicht. Oder soll man deiner Meinung nach nun jeden Begriff vermeiden,
> der sich auf einen anderen pejorativ konnotierten auch nur reimt?

Nein, ich habe lediglich vermutet, wo der abwertende Klang von "Tschechei"
herruehren mag. Andere haben hier auf den Nazisprachgebrauch verwiesen,
aber mir kommt das Wallachei-Argument plausibeler vor.

Ansonsten setze ich natuerlich auch voraus, dass "Tschechei" leicht
abwertend ist, deswegen schrub ich ja urspruenglich MUSEN.

>> Jemand, der ueber die reale Wallachei redet und das Wort "Wallachei"

>> benutzt, wird damit kaum implizieren wollen, dass die Wallachei in der


>> Wallachei liegt. Es wird im Deutschen aber eher selten ueber die

>> Wallachei
>> geredet, so dass Deutschsprachige mit dem Wort "Wallachei" eher die
>> figurative Bedeutung denn die Denotation des Wortes assoziieren.


>
> Auch "Sibirien" wird figurativ und leicht pejorativ benutzt

> ("xxxisch-Sibirien" bezeichnet typischerweise einen fernab von den

> Ballungszentren gelegenen und infrastrukturell schlecht erschlossenen

> Teil
> des LAndes xxx aus der Sicht der Ballungsgebiet-Bewohner). Darf man also
> nicht mehr über die Region Sibirien reden und dazu das Wort "Sibirien"
> verwenden?

Schrub ich nicht gerade, dass man das Wort "Wallachei" im
*nicht-figurativen Sinn* meist auch nicht pejorativ sei? Warum sollte das
bei "Sibirien" anders sein?

> Zum Thema "korrekte Bezeichnung für Tschechien bzw. die Tschechei"
> verwesie
> ich im Übrigen auf Ralph Babels desd-FAQL.

... die dort wohl einen Fehler enthaelt: Wenn "Boehmen" naemlich
tatsaechlich politisch unkorrekt ist (was die FAQL voraussetzt), dann kann
es nur dann die korrekte Uebersetzung von /Cechy/ sein, wenn /Cechy/
ebenfalls politisch unkorrekt konnotiert ist. Das PC-Element eines
Begriffes wiegt naemlich -- unabhaengig von seiner Berechtigung -- so
schwer, dass man es mituebersetzen muss. Ich spreche kein Tschechisch,
aber ich waere doch sehr erstaunt, wenn /Cechy/ politisch unkorrekt waere.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 7:38:43 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 22:48:46 +0200, Johannes Roehl <parr...@web.de>
wrote:

> Bis ich ca. 12 Jahre alt war (1984, BRD) war 'Neger' in meinem
> Sprachgebrauch und Umfeld der normale, mit keinerlei pejorativen
> Konnotationen behaftete Ausdruck für Schwarze.

Du bist auf dem Mars aufgewachsen? Erzaehl!

> Dann klärte uns eine Referendarin auf, man sollte Schwarzer sagen,

Und Du musstest was lernen. Aergerlich.

> da "Neger" von "nigger" abgeleitet sei (AFAIK ist das falsch, "nigger"
> ist natürlich eine Verballhornung von "negro"; in den USA war IIRC bis
> in die 50er negro der respektvolle/Nordstaaten-Ausdruck, dann Black oder
> colored).

Wow! Du hast sogar noch mehr gelernt. Hoffentlich tat es nicht weh.

> Afroamerikaner ist schlicht falsch, wenn ich einen afrikanischen,
> karibischen, französischen oder deutschen Schwarzen bezeichnen möchte.

Ach was. Wer tut oder fordert denn das?

> Wie kommt es eigentlich, dass Sarotti, nachdem der Mohr jahrelang
> untergetauscht war, inzwischen wieder mit dem 'extra großen Mohrenstück'
> wirbt?

Weil verpekte politische Unkorrektheit derzeit voll im mainstream liegt
und "Mohr" tatsaechlich weniger politisch unkorrekt ist als "Neger". Man
verprellt also nur wenige radikale PCler und gewinnt jede Menge Anti-PCler
als Kunden.

Erik Huether

unread,
Apr 28, 2004, 7:39:09 PM4/28/04
to
Uwe Schickedanz schrieb am Mittwoch, 28. April 2004 21:28:

>>Es ist deswegen nicht "PC", weil dadurch der Prophet Mohammed zu sehr
>>ins Zentrum gerückt wird. Er ist sicher wichtig für den Islam, aber im
>>Zentrum steht Allah und sonst niemand.
>

> Darf ich daraus schlußfolgern, daß die Bezeichnung "Christen"
> eigentlich auch irreführend ist?

Nein, weil Christus als der Erlöser und Sohn Gottes in Personalunion
eben doch im Zentrum des christlichen Glaubens steht.
Für die Moslems ist er nur ein weiterer Prophet, allerdings auch ein
durchaus wichtiger.

Gruß Erik

--
Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. [Wilhelm Busch]
Privat: http://www.ostertaler.de --|-- Band: http://www.nassbirne.de
NP: 09_-_Jethro_Tull_-_Inside

Erik Huether

unread,
Apr 28, 2004, 7:40:34 PM4/28/04
to
Martin Gerdes schrieb am Mittwoch, 28. April 2004 21:00:

>>Es ist deswegen nicht "PC", weil dadurch der Prophet Mohammed zu sehr
>>ins Zentrum gerückt wird. Er ist sicher wichtig für den Islam, aber im
>>Zentrum steht Allah und sonst niemand.
>

> Sofern ich richtig informiert bin, steht Gott im Zentrum des Islam.
> Oder?

Allah = Gott.
Sind wir uns dann einig?

Gruß Erik

--
Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. [Wilhelm Busch]
Privat: http://www.ostertaler.de --|-- Band: http://www.nassbirne.de

NP: 04_-_Dio_-_Hollywood_Black

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 7:41:43 PM4/28/04
to
On Thu, 29 Apr 2004 00:28:37 +0200, Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature>
wrote:

> Hast Du auch was Inhaltliches beizutragen? Das "sic" bezieht sich auf die
> Beobachtung, dass die Brandmarkung des Wortes künstlich konstruiert und
> von
> außen oktroyiert ist.

Das war mir klar. Nun ist Sprache aber durchweg "kuenstlich konstruiert".

"Neger" hatte schon 1984 eine (im Vergleich zu heute weniger starke)
negative Konnotation, die normalerweise nur Hinterwaeldern nicht bekannt
war. Dass Du sie als Berliner nicht kanntest, deutet darauf hin, dass es
in Berlin hinterwaelderische Ecken gibt (tippe auf Wedding und/oder
Wilmersdorf).

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 7:47:16 PM4/28/04
to
On Wed, 28 Apr 2004 22:09:53 +0200, Ralf R. Radermacher <foto...@gmx.de>
wrote:

> Helga Schulz <h...@colorcraze.de> wrote:
>
>> Ja, aber niemand will. Nicht jetzt, nicht hier, nicht heute.
>
> Das erklär mal Meister König aus Liechtenstein, der sich aus diesem
> Thread schon seit zwei Tagen wieder einen Vollzeitjob macht.

AFAIR bin ich nicht der einzige, der zu diesem Thread beitraegt, noch habe
ich ihn begonnen. Ausserdem tippe ich halt wieselschnell, deshalb ja auch
die paar Tippfehler, die Du ja bemaengelst.

In Netscape kann man uebrignes Threads, die einen langweilen mit "K"
ausblenden, in anderen Programmen gibt es sicher aehliches.

Lueko Willms

unread,
Apr 28, 2004, 7:17:00 PM4/28/04
to
Am 28.04.04
schrieb s...@sig.nature (Wolfgang Schwanke)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in a65p6c...@wschwanke.de

ueber Re: politsch unkorrekte Begriffe

WS> In den 1920er Jahren hat man sicher auch "Tschechei" gesagt, oder?
WS> Wie sagte man dort wohl zu KuK-Zeiten? "Österreich"? "Böhmen"?

Böhmen und Mähren.

Ich kenne das nur in diesem Doppelbegriff.

Und die Slovakei gehörte zu Ungarn.


mfG,

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 8:13:34 PM4/28/04
to
On 29 Apr 2004 01:16:00 +0100, Markus Ermert <LOESCH...@compuserve.com>
wrote:

> Christian Seidl schrieb:
>
>> Immerhin sei darauf hingewiesen, dass "Tschechien" ein einwandfrei
>> gebildetes deutsches Wort ist. Schon von daher ist nicht einzusehen,
>> warum man es nicht verwenden sollte, um die geografisch völlig neue
>> Realität, wie sie seit 1993 existiert, zu bezeichnen.
>
> Blöd nur, dass man nicht zugleich Slowakien, Türkien, Walachien sagt
> oder zumindest Slowenei, Bosnei, Georgei, Belgei oder Indei :-)

Ezpliziere mal die These, aus der folgt, dass Deine Alberei Christians
These in Frage stellen wuerde.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 8:22:23 PM4/28/04
to
On 28 Apr 2004 18:50:34 GMT, Horst Ruth <H.R...@gmx.de> wrote:

> Ich sähe den Gutmenschen in ihrem Hamsterlaufrad des
> Begriffetauschens auch lieber gelassen am Diwan liegend zu, am
> liebsten ein Bier dabei trinkend.

Deine Begriffe sind unpraezise oder halten sich jedenfalls nicht an die
gaengigen Konventionen: Du schreibst "Begriffstausch", meinst aber
"Worttausch". Deswegen entgeht Dir, dass die Wandlung von "Neger" zu
"Schwarzer" kein blosser Worttausch, sondern ein Begriffstausch ist.

> Aber der Druck, den sie auf andere ausüben (wollen) stört diese
> heitere Art von Betrachtung gelegentlich und führt dann tatsächlich
> zu Reflexen; zum Pawlowschen aber meist beim Gutmenschen, denn nach
> zehnmaligem Austausch von "Mohrenkopf" - "Dickmann" triefts meist
> jenem vom Munde - aber nicht vor "Gluscht".

Nett, dass Du alles durcheinander wirfst, aber das waren wohl eher
oekonomisch denn politisch motivierte Umbenennungen. Hier handelt es sich
uebrigens tatsaechlich um reine Umbennungen, die jeweils Negerkuss (sic,
die Anfuehrungszeichen wurden keinesfalls vergessen) benannten.

> Und was die die N und Z
> betrifft, so sind dies halt Lieblingsprojekte des PC und beim Griff
> nach Beispielen als erste zur Hand, zumindest in dieser Kategorie.
> Und wenn der "Gegner" selbst solche Vorlagen liefert, wer könnte da
> nein sagen?

Gerade das N- oder das Z-Wort sind aber genau Woerter, die eben *nicht*
einem Pawlowschen PC-Verstaendnis entspringen. Das sind naemlich sehr lang
durchdachte Begriffsverschiebungen, keine Umbenennungen. Man kann gegen
sie argumentieren, aber sicher nicht folgendermassen:

> Ich mag auch meine Begriffswahl nicht inhaltlich begründen[1], damit
> begäbe ich mich ja womöglich in die Denkfalle, in der der Gutmensch
> sitzt.

Nein, das zeigt lediglich, dass Du denkfaul bist -- zumindest auf diesem
Gebiet. Wenn ich vehement fuer oder gegen einen *Begriff* argumentiere,
dann mache ich mir schon Gedanken, wie ich das inhaltlich begruenden kann.

Rian van der Borgt

unread,
Apr 28, 2004, 9:00:42 PM4/28/04
to
On Thu, 29 Apr 2004 00:36:47 +0200, Ralf Heinrich Arning wrote:
>Vor ein paar Monaten meldete sich in dieser Gruppe jemand aus Overijssel
>(WIMRE), den störte es, Holländer genannt zu werden. Andere
>nicht-holländischen Niederländer stört es nicht.

Doch.

Grüße,

Rian

--
Rian van der Borgt, Leuven/Löwen, Belgien.
e-mail: rvdb...@xs4all.be www: http://www.xs4all.be/~rvdborgt/
Fix Outlook Express: http://flash.to/oe-quotefix/
Fix Outlook: http://flash.to/outlook-quotefix/

Rian van der Borgt

unread,
Apr 28, 2004, 9:05:06 PM4/28/04
to
On Thu, 29 Apr 2004 01:11:23 +0200, Christian Feldhaus wrote:
>Werf mal einen Blick auf http://www.nbt.de/
>
>Ich will gar nicht behaupten, dass diese eine Website repräsentativ für
>den Sprachgebrauch in NL sei.

Ist sie auch nicht...

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 9:12:27 PM4/28/04
to
On 29 Apr 2004 01:00:42 GMT, Rian van der Borgt <rvdb...@xs4all.be>
wrote:

> On Thu, 29 Apr 2004 00:36:47 +0200, Ralf Heinrich Arning wrote:


>> Vor ein paar Monaten meldete sich in dieser Gruppe jemand aus Overijssel
>> (WIMRE), den störte es, Holländer genannt zu werden. Andere
>> nicht-holländischen Niederländer stört es nicht.
>
> Doch.

Ich kenne drei nicht-hollaendische Niederlaender (davon allerdings ein
notorischer Germanophiler), die nichts dagegen haben, Hollaender genannt
zu werden. Damit ist Dein "doch" widerlegt.

Thomas Koenig

unread,
Apr 28, 2004, 9:21:21 PM4/28/04
to
On 29 Apr 2004 01:42:00 +0100, Markus Ermert <LOESCH...@compuserve.com>
wrote:

> Daniel Küstner schrieb:
>
>> Aber dann gibt es immer noch die, die
>> meinen, grammatisches (oder muß es grammatikalisches heißen? Kennt
>> jemand den Unterschied?) und biologisches Geschlecht müßten
>> übereinstimmen.
>
> Warum sollten sie *nicht* übereinstimmem müssen (Neutrum mal außen vor
> gelassen)?

Empirische Erkenntnis. Diese Tatsache begruendet allerdings nicht, warum
man auf Biegen und Brechen die maennliche Pluralform beibehalten sollte,
wenn diese unerwuenschte Nebenwirkungen haben mag.

> Personen sind [...] singulär.

Wohl auf einem New-Age-Training-Seminar gewesen? (singulaer<>singular)

>> Und für diese ist Lehrling nicht akzeptabel
>
> Wie bei den meisten generisch maskulinen Berufsbezeichnungen gilt: Zur
> Zeit der Prägung der Bezeichnung waren die betreffenden Menschen stets
> männlich. Dass sie es heute nicht mehr unbedingt sind, ist bereits ein
> hinreichendes Argument, um die maskuline Form als nicht akzeptabel
> anzusehen.

Es ist ein Argument, hinreichen tut es mE nicht.

Christian Weisgerber

unread,
Apr 28, 2004, 8:52:30 PM4/28/04
to
Lueko Willms <l.wi...@jpberlin.de> wrote:

> Die Regierung als die offizielle Vertretung des Landes, um das es
> hier geht, besteht darauf, daß ihr Land auf deutsch "Tschechien"
> genannt wird, und nicht etwa "Tschechei". Das sollte man respektieren.

Ich werde das in Betracht ziehen, wenn ich von der Regierung jenes
Landes nicht mehr als Taubstummer bezeichnet werde.

Christian Weisgerber

unread,
Apr 28, 2004, 8:57:38 PM4/28/04
to
Ein Adressfälscher schrieb:

> Das US-Englische hat eine Bedeutungsdifferenzierung eingeführt:
> "negro" neutral, "nigger" beleidigend.

Das ist inzwischen durchaus komplexer. Wenn Ice-T sich oder andere
Angehörige der gesellschaftlichen Gruppe, der er sich zugehörig
fühlt, als "nigger" bezeichnet, dann ist das in Ordnung. Wenn ich
das tue, nicht.

Uwe Schickedanz

unread,
Apr 28, 2004, 11:29:31 PM4/28/04
to
Martin Gerdes <martin...@gmx.de> schrieb:

>Nicht zu vergessen die alten Römer, die ihr Wort "niger = dunkelfarbig,
>schwarz" auch aus dem Spanischen entlehnt haben.

;)

So fängt der Tag doch gleich mit einem Lachen an...

Gruß Uwe

--
Nun -- das Wesen der Dummheit
liegt in ihrem Mangel an Intelligenz.
Olaf Ulrich in desd
http://www.mc-kw-meerane.de

Tassilo Halbritter

unread,
Apr 29, 2004, 1:43:12 AM4/29/04
to
Lueko Willms <URL:mailto:l.wi...@jpberlin.de> wrote:

>
> WS> In den 1920er Jahren hat man sicher auch "Tschechei" gesagt, oder?
> WS> Wie sagte man dort wohl zu KuK-Zeiten? "Österreich"? "Böhmen"?
>
> Böhmen und Mähren.
>
> Ich kenne das nur in diesem Doppelbegriff.
>
> Und die Slovakei gehörte zu Ungarn.
>
>

Dabei wird immer Schlesien, der dritte Landesteil von Tschechien, ver-
gessen!


--
_____ _ _ mailto: halbritter at acornusers.org
|__ __|| | | | "Religionen halten sich nicht wegen der Pfründe, son-
| | | |_| | dern weil sie Grundbedürfnisse befriedigen. Schaffst
| | | _ | du die alten Gedankenschablonen ab, basteln sich die
|_|a |_| |_|a Menschen neue." (Gerd Thieme in desd)

Tassilo Halbritter

unread,
Apr 29, 2004, 1:53:43 AM4/29/04
to
In article <1569025.v...@ostertaler.de>, Erik Huether

<URL:mailto:nu...@ostertaler.de> wrote:
> Uwe Schickedanz schrieb am Mittwoch, 28. April 2004 21:28:
>
> >>Es ist deswegen nicht "PC", weil dadurch der Prophet Mohammed zu sehr
> >>ins Zentrum gerückt wird. Er ist sicher wichtig für den Islam, aber im
> >>Zentrum steht Allah und sonst niemand.
> >
> > Darf ich daraus schlußfolgern, daß die Bezeichnung "Christen"
> > eigentlich auch irreführend ist?
>
> Nein, weil Christus als der Erlöser und Sohn Gottes in Personalunion
> eben doch im Zentrum des christlichen Glaubens steht.
> Für die Moslems ist er nur ein weiterer Prophet, allerdings auch ein
> durchaus wichtiger.
>

Das Analogon zu 'Mohammedaner' wäre 'Paulinist', denn ohne diesen
selbsternannten Religionsstifter gäbe es das Christentum nicht ...

Lueko Willms

unread,
Apr 29, 2004, 1:04:00 AM4/29/04
to
Am 29.04.04
schrieb fo...@gmx.li (Thomas Koenig)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in opr661m1...@News.CIS.DFN.DE

ueber Re: politsch unkorrekte Begriffe

RHA>>> Vor ein paar Monaten meldete sich in dieser Gruppe jemand aus
RHA>>> Overijssel (WIMRE), den störte es, Holländer genannt zu werden.
RHA>>> Andere nicht-holländischen Niederländer stört es nicht.

>> Doch.

TK> Ich kenne drei nicht-hollaendische Niederlaender (davon allerdings
TK> ein notorischer Germanophiler), die nichts dagegen haben, Hollaender
TK> genannt zu werden. Damit ist Dein "doch" widerlegt.

Drei von wieviel Millionen?

Die oben zitierte Formulierung von R.H.Arning will den Eindruck
erwecken, daß es nur dieser eine Niederländer aus Overijssel war, der
sich dagegen verwehrt, als Holländer bezeichnet zu werden.

Ich könnte mir denken, daß gerade unter den Friesen viele sind,
denen das garnicht paßt.


Mfg,


Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Die Interessen der Nation lassen sich nicht anders formulieren als unter
dem Gesichtspunkt der herrschenden Klasse oder der Klasse, die die
Herrschaft anstrebt." - Leo Trotzki (27. Januar 1932)

Lueko Willms

unread,
Apr 29, 2004, 1:09:00 AM4/29/04
to
Am 29.04.04
schrieb na...@mips.inka.de (Christian Weisgerber)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in c6pjke$2kh2$1...@kemoauc.mips.inka.de

ueber Re: politsch unkorrekte Begriffe

LW>> Die Regierung als die offizielle Vertretung des Landes, um das es
LW>> hier geht, besteht darauf, daß ihr Land auf deutsch "Tschechien"
LW>> genannt wird, und nicht etwa "Tschechei". Das sollte man
LW>> respektieren.

CW> Ich werde das in Betracht ziehen, wenn ich von der Regierung jenes
CW> Landes nicht mehr als Taubstummer bezeichnet werde.

Oh, Sie sind persönlich bekannt bei der tschechischen Regierung?
Welche Ehre...


MfG,


Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Die Arbeit in weißer Haut kann sich nicht dort emanzipieren, wo sie
in schwarzer Haut gebrandmarkt wird." - Karl Marx 12.11.1866

Lueko Willms

unread,
Apr 29, 2004, 1:22:00 AM4/29/04
to
Am 29.04.04
schrieb LOESCH...@compuserve.com (Markus Ermert)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in 97nBnzpkd...@compuserve.com

ueber Re: politsch unkorrekte Begriffe

>> Aber dann gibt es immer noch die, die


>> meinen, grammatisches (oder muß es grammatikalisches heißen? Kennt
>> jemand den Unterschied?) und biologisches Geschlecht müßten
>> übereinstimmen.

ME> Warum sollten sie *nicht* übereinstimmem müssen (Neutrum mal außen
ME> vor gelassen)?

Letzteres kann man aber nicht.

Die deutsche Sprache kennt _drei_ grammatische Geni, die auf einer
anderen Ebene existieren als die beiden biologischen Geschlechter.

Ein grammatischer Genus wird sogar angewandt auf Dinge, die keine
Geschlecht haben:

Die Sonne
Der Mond
Der Baum
Die Blume
Die Hand
Der Fuß


Dafür haben Bezeichnungen für Lebewesen, die durchaus ein
biologisches Geschlecht haben, das grammatische Geschlecht Neutrum:

Das Mädchen
Das Fräulein
Das Kind
Das Wiesel
Das Huhn

Andere werden ohne Ansehen des biologischen Geschlechts mit einem
Wort bezeichnet, das einen bestimmten grammatischen Genus hat:

Die Katze
Der Hund
Die Maus
Der Affe

usw usf.


Ich sehe es nicht ein, daß es keinen einheitlichen Beruf Arzt oder
Lehrer mehr geben soll, sondern je zwei verschiedene Berufe Arzt (der
dann immer nur männlich ist) und Ärztin, oder ein Beruf Lehrer und ein
davon unterschiedener Beruf Lehrerin. Ganz besonders auch deswegen,
weil dadurch eingebläut ist, daß der Normalfall jeweils der Mann ist.

Den grammatischen Genus von Berufsbezeichnungen etc auf Deubel komm
raus in hundertprozentige Deckung mit dem biologischen Geschlechts der
jeweiligen Person in dieser Rolle bringen zu wollen, ist m.E. ein
ausgesprochen frauenfeindliches Unterfangen. Weil, gut gemeint ist
selten gut.


MfG,
Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Regierung aus dem Volke, durch das Volk und für das Volk"
- Abraham Lincoln, Ansprache in Gettysburg, 19.11.1863
"... was in die revolutionäre Sprache von heute übersetzt heißt:
eine Regierung von Arbeitern, durch Arbeiter und für Arbeiter"
- Fidel Castro, November 1994

Christian Seidl

unread,
Apr 29, 2004, 3:02:17 AM4/29/04
to
"Christian Weisgerber" <na...@mips.inka.de> wrote in message
news:c6pjke$2kh2$1...@kemoauc.mips.inka.de

> > Die Regierung als die offizielle Vertretung des Landes, um das es
> > hier geht, besteht darauf, daß ihr Land auf deutsch "Tschechien"
> > genannt wird, und nicht etwa "Tschechei". Das sollte man respektieren.
>
> Ich werde das in Betracht ziehen, wenn ich von der Regierung jenes
> Landes nicht mehr als Taubstummer bezeichnet werde.

Willst du die Hallstein-Doktrin als Weisgerber-Doktrin wieder einführen?
Diplomatische Beziehungen nur zu Ländern, die die Deutschen nicht als
"Stumme" bezeichnen? Eine Einladung zu Sabine Christiansen wäre dir
gewiss.

Christian


--
Posted via Mailgate.ORG Server - http://www.Mailgate.ORG

Christian Seidl

unread,
Apr 29, 2004, 3:22:45 AM4/29/04
to
"Lueko Willms" <l.wi...@jpberlin.de> wrote in message
news:97mTP...@jpberlin-l.willms.jpberlin.de


> Die deutsche Sprache kennt _drei_ grammatische Geni, die auf einer
> anderen Ebene existieren als die beiden biologischen Geschlechter.
>
> Ein grammatischer Genus wird sogar angewandt auf Dinge, die keine
> Geschlecht haben:

Einfach mal so nebenbei: Das Wort "Genus" war im Latein und ist im
Deutschen ein Neutrum. Und der Plural lautet "Genera".

Helmut Richter

unread,
Apr 29, 2004, 3:32:42 AM4/29/04
to
In article <97mTP...@jpberlin-l.willms.jpberlin.de>, Lueko Willms wrote:

> Die deutsche Sprache kennt _drei_ grammatische Geni, die auf einer
> anderen Ebene existieren als die beiden biologischen Geschlechter.
>
> Ein grammatischer Genus wird sogar angewandt auf Dinge, die keine
> Geschlecht haben:

Vielleicht sollte man, wenn man über Genera schreibt, das richtige
Genus von Genus verwenden.

Mit dem Rest stimme ich überein. Natürlich hat bei
geschlechtsübergreifenden Wörtern (der Mensch, die Person, das
Individuum) das biologische mit dem grammatikalischen Geschlecht
nichts zu tun, und ein "weiblicher Lehrling" hat nichts
diskriminierenderes an sich als eine "männliche Geisel".

(... wobei das Wort "diskriminierend" hier falsch gebraucht wird: wer
Lehrer säuberlich von Lehrerinnen trennt, der diskriminiert, und nicht
der, der beide für Angehörige desselben Berufs hält.)

Helmut Richter

Yvonne Steiner

unread,
Apr 29, 2004, 4:03:24 AM4/29/04
to
Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature> wrote:


> Die Endung -ling erzwingt Maskulinum aus rein sprachmechanischen Gründen.

Die Reeling. :)

--
Yvonne Steiner

Johannes Roehl

unread,
Apr 29, 2004, 4:05:10 AM4/29/04
to
Lars Bräsicke schrieb:
> Daniel Küstner schrieb:
>
>>Oliver Voß wrote:
>>
>>>Das mag sein, dafür wird "Lehrling" sowohl für männliche wie für
>>>weibliche Auszubildende gleichermaßen verwendet.
>>
>>Das siehst du so und ich auch. Aber dann gibt es immer noch die, die

>>meinen, grammatisches (oder muß es grammatikalisches heißen? Kennt
>>jemand den Unterschied?) und biologisches Geschlecht müßten
>>übereinstimmen. Und für diese ist Lehrling nicht akzeptabel.
>
>
> Ist für diese dann auch "der Mensch" nicht akzeptabel, so ganz ohne
> weibliches Pendant?

Es gibt ja ein weibliches Pendant, das ist allerdings grammatisch
neutral und pejorativ konnotiert...

viele Grüße

JR

Thomas Koenig

unread,
Apr 29, 2004, 4:10:52 AM4/29/04
to
On Thu, 29 Apr 2004 09:22:17 +0200, Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature>
wrote:

> Thomas Koenig <fo...@gmx.li> wrote in

>
>>>> Vor ein paar Monaten meldete sich in dieser Gruppe jemand aus
>>>> Overijssel (WIMRE), den störte es, Holländer genannt zu werden.
>>>> Andere nicht-holländischen Niederländer stört es nicht.
>>>
>>> Doch.
>>
>> Ich kenne drei nicht-hollaendische Niederlaender (davon allerdings ein
>> notorischer Germanophiler), die nichts dagegen haben, Hollaender
>> genannt zu werden. Damit ist Dein "doch" widerlegt.
>

> Wieder mal ein Logikfehler.

Glashaus? Ralf Heinrich schrieb nicht "*Alle* anderen Niederlaender stoert
es nicht."

Thomas Gerlach

unread,
Apr 29, 2004, 4:30:19 AM4/29/04
to
On Thu, 29 Apr 2004 00:36:01 +0100, Thomas Koenig wrote:

> Hint: Ins Englische wuerde ich Wallachei meist mit /boondocks/ uebersetzen
> und nur sehr selten mit /Walachia/.

Ins "Amerikanische" vermutlich? Was machen wir mit Australiern und
Briten? "Outback" und "hinterland"?
Ich bin übrigens dafür, die hier gemeinte Walachei mit einem l zu
schreiben; ich muss sonst immer an Laasphe denken. ;-)

CU
Thomas

Matthias Opatz

unread,
Apr 29, 2004, 5:01:53 AM4/29/04
to
Markus Ermert schrieb:

> Koryphäen oder Personen sind Fach- und Amtsdeutsch und nebenbei
> singulär.

Na, Du bist mir vielleicht 'ne Kraft!
Ist das auch Fach- und Amtsdeutsch?
Diese Person!

Matthias

--
Gallus wurde in Gegenwart des Volkes ermordet, und dasselbe Schicksal
hatte er noch einmal durch die Hand eines Meuchelmörders. Galletti
** Wer zum Kuckuck ist Prof. Galletti? => http://www.galletti.de/ **
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