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Pfuerdi und Pfuerdeu

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Dirk Stoecker

unread,
Feb 25, 2003, 3:01:09 AM2/25/03
to
Hi,

ich arbeite seit einiger Zeit in der Naehe von Muenchen und habe ein Frage
zur Sprache, welche nichteinmal die Einheimischen zufriedenstellend
aufklaeren koennen.

Hier wird zum Abschied das "Wort" Pfuerdi oder Pfuerdeu verwendet, wobei
das "di" und "eu" die Worte Dich und Euch repraesentieren. Nur was heisst
"Pfuer"?

Eine Suche nach den zwei Begriffen mittels Google ergibt einen Treffer mit
Pfuerdi, der aber nichts erklaert.

Ciao
--
____ _ _ ____ _ _ _ _ ____
| | | | | | \ / | | | the cool Gremlin from Bischofswerda
| __ | ____| | \/ | | | WWW: http://www.dstoecker.de/
| | | | | | | | PGP key available on www page.
|____| _|_ |____| _|_ _|_ |____| I hope AMIGA never stops making fun!

tobias b koehler

unread,
Feb 25, 2003, 3:26:20 AM2/25/03
to

Dirk Stoecker schrieb:

> Hier wird zum Abschied das "Wort" Pfuerdi oder Pfuerdeu verwendet, wobei
> das "di" und "eu" die Worte Dich und Euch repraesentieren. Nur was heisst
> "Pfuer"?

So weit ich weiß "pfiadi" = "(Gott) behüte dich"; "pfiadei" =
"(Gott) behüte euch". Vielen grußformeln wohnt eine tiefe
religiosität inne, deren sich die sprecher nicht immer bewusst
sind ....

--
tobias benjamin köhler ____________________________ t...@uncia.de
_________ ______________ ______________ ______________ __>_____
========H|H============H|H============H|H============H|=H=====`)
------oo-^-oo--------oo-^-oo--------oo-^-oo--------oo-^o-o--o-o=

Steffen Buehler

unread,
Feb 25, 2003, 3:29:47 AM2/25/03
to
Dirk Stoecker wrote:
>
> ich arbeite seit einiger Zeit in der Naehe von Muenchen und habe ein Frage
> zur Sprache, welche nichteinmal die Einheimischen zufriedenstellend
> aufklaeren koennen.
>
> Hier wird zum Abschied das "Wort" Pfuerdi oder Pfuerdeu verwendet, wobei
> das "di" und "eu" die Worte Dich und Euch repraesentieren. Nur was heisst
> "Pfuer"?

Das heißt "behüte". Normalerweise kommt noch ein "Gott" dahinter, so daß
die Bedeutung "behüte dich/euch Gott" ist.

> Eine Suche nach den zwei Begriffen mittels Google ergibt einen Treffer mit
> Pfuerdi, der aber nichts erklaert.

Deine Schreibweise ist auch für mich Nichtbayer etwas irritierend; ich kenne
es als "Pfüati" - so gibt's auch mehr Treffer. Mehr von den Einheimischen auf
http://trc.ucdavis.edu/clarnett/bairisch/woerterbuch.html.

Viele Grüße
Steffen

Klaus Scholl

unread,
Feb 25, 2003, 6:15:04 AM2/25/03
to

"Dirk Stoecker" <dsto...@gmx.de> schrieb im Newsbeitrag news:Pine.LNX.4.51.03...@KGIns2.geo.tu-dresden.de...

> Hi,
>
> ich arbeite seit einiger Zeit in der Naehe von Muenchen und habe ein Frage
> zur Sprache, welche nichteinmal die Einheimischen zufriedenstellend
> aufklaeren koennen.
>
> Hier wird zum Abschied das "Wort" Pfuerdi oder Pfuerdeu verwendet, wobei
> das "di" und "eu" die Worte Dich und Euch repraesentieren. Nur was heisst
> "Pfuer"?
>
> Eine Suche nach den zwei Begriffen mittels Google ergibt einen Treffer mit
> Pfuerdi, der aber nichts erklaert.
>
> Ciao


Ich kenne auch die Schreibweis 'Fürti'.
Rezitat: ... daß die Grußformeln Pfür Gott - oder eher vertraulich Pfürti - gewöhnlich auf dem Lande in Südbayern vorkommen. In
Österreich, der Schweiz und in Südtirol aber sind sie alltäglich.

Gruß vom Klaus

Klaus Scholl

unread,
Feb 25, 2003, 6:16:29 AM2/25/03
to

"Wolfgang Schwanke" <REMOVE.use...@wschwanke.de> schrieb im Newsbeitrag news:bpif3b...@wschwanke.de...
> Dirk Stoecker <dsto...@gmx.de> wrote in
> news:Pine.LNX.4.51.03...@KGIns2.geo.tu-dresden.de:

>
> > Hier wird zum Abschied das "Wort" Pfuerdi oder Pfuerdeu verwendet,
> > wobei das "di" und "eu" die Worte Dich und Euch repraesentieren. Nur
> > was heisst "Pfuer"?
>
> Behüt dich/euch [Gott]
>
> Gruß


Also ist 'pfuer' der Imperativ von FÜHREN? Oder die Präposition 'für'?
Gruß,
Klaus

Dirk Stoecker

unread,
Feb 25, 2003, 6:46:38 AM2/25/03
to
Hi,

> > ich arbeite seit einiger Zeit in der Naehe von Muenchen und habe ein Frage
> > zur Sprache, welche nichteinmal die Einheimischen zufriedenstellend
> > aufklaeren koennen.
> >
> > Hier wird zum Abschied das "Wort" Pfuerdi oder Pfuerdeu verwendet, wobei
> > das "di" und "eu" die Worte Dich und Euch repraesentieren. Nur was heisst
> > "Pfuer"?
>
> Das heißt "behüte". Normalerweise kommt noch ein "Gott" dahinter, so daß
> die Bedeutung "behüte dich/euch Gott" ist.

Hmm. Kann man den Wortstamm irgendwie ableiten, oder muss ich es einfach
als gegeben hinnehmen? Es erscheint mir zumindest erstmal logisch.
Zumindest kann ich ich mich erinnern es auch mal im Zusammenhang mit Gott
gehoert zu haben.

> > Eine Suche nach den zwei Begriffen mittels Google ergibt einen Treffer mit
> > Pfuerdi, der aber nichts erklaert.
>
> Deine Schreibweise ist auch für mich Nichtbayer etwas irritierend; ich kenne
> es als "Pfüati" - so gibt's auch mehr Treffer. Mehr von den Einheimischen auf

Nunja. Ich habe es so geschrieben, wie es klingt. Allerdings bin ich mir
(trotz meiner saechsischen Abstammung - und ich weiss wir haben da
Probleme) relativ sicher, dass hier alle ein "d" und kein "t" sprechen.

Andreas Karrer

unread,
Feb 25, 2003, 7:38:19 AM2/25/03
to
* Klaus Scholl <Kl...@sensualium.cjb.net>:

> Rezitat: ... daß die Grußformeln Pfür Gott - oder eher vertraulich Pfürti - gewöhnlich auf dem Lande in Südbayern vorkommen. In
> Österreich, der Schweiz und in Südtirol aber sind sie alltäglich.

Das stimmt für die Schweiz nicht, oder es stimmt höchstens für wenige Gebiete.

"Bhüet di", "Bhüet di Gott", "Bhüet di de Herrgott" assoziiere ich mit
frömmlerischen alten Frauen aus Bibelgruppen in den 60ern; sie waren
schon damals keineswegs so alltäglich wie "Pfüat di" in Bayern und sind
heute sehr selten zu hören.

Den ebenfalls gut angestaubten Ausruf "Bhüet is, nei" (Nein,
behüte uns [der Herrgott]) verwende ich manchmal ironisch für
gespieltes Entsetzen über eine Nichtigkeit. "Bhüet is trüüli" (Behüte
uns treu) ist noch verstaubter und wird wohl von vielen nicht mehr
verstanden.

Das kann aber in katholischen Gegenden oder auf dem Land (ich lebe in
Zürich) ein bisschen anders sein.

Eine Aussprache von "behüte" mit f (wie in Pfüat) kenne ich aus der
Schweiz nicht.

- Andi

tobias b koehler

unread,
Feb 25, 2003, 8:12:31 AM2/25/03
to

Andreas Karrer schrieb:

> "Bhüet is trüüli" (Behüte uns treu) ist noch verstaubter und
> wird wohl von vielen nicht mehr verstanden.

Jetzt wissen wir aber, woher "yours truly" kommt :)
Kam ein Engländer in die Schweiz, verstand die dinge nicht ganz
richtig und sprach sie nuschelig aus ....

Martin Rost

unread,
Feb 25, 2003, 9:35:32 AM2/25/03
to

"Dirk Stoecker" <dsto...@gmx.de> schrieb:

> Nunja. Ich habe es so geschrieben, wie es klingt. Allerdings bin ich mir

> relativ sicher, dass hier alle ein "d" und kein "t" sprechen.

Ich habs auch schon so gehört, kenns aber eher mit einer leichten
Abtrennung,
pfüat-di. Da sind ja auch ein t und ein d verschmolzen.

Gruß, Martin


Michael Baumgartner

unread,
Feb 25, 2003, 10:04:20 AM2/25/03
to
Martin Rost schrieb

Die Unsicherheit kommt wohl daher, daß es sich hier um einen stimmlosen,
nicht aspirierten Verschlußlaut handelt, und der ist schwer zwischen d
und t einzuordnen.

Gruß, Michael

--
Vermutlich muss man im Winter frieren, viel arbeiten, rohen Fisch
essen und einmal am Tag bei 42 Grad baden um steinalt zu
werden. Vielleicht ist es aber auch ganz anders.
(Olaf Kaluza in de.soc.kultur.japan)

Michael Baumgartner

unread,
Feb 25, 2003, 10:10:24 AM2/25/03
to
Hans Schlager schrieb:
>
>Hier in Salzburg sagt man in etwa 'Pfiat di' respektive 'Pfiat eich'.
>'Di' heißt dich und 'eich' heißt klarerweise 'euch'. Kann es sein,
>dass die Eingeborenen in deiner Region eigentlich 'Pfiad euch' sagen
>und das 'ch' einfach so schwach betonen, dass man es überhört?

Ich denke auch, daß es sich um einen Verhörer handelt. In der 2. Pers.
Pl. kann es entweder "Pfiat eich" oder "Pfiat enk" heißen, je nach
Region.
Üblich ist auch noch "Pfiat Eahna" als höfliche Version, alles
fakultativ mit angehängtem "Good".

>Gerade vor ein paar Minuten beim Bäcker gehört: 'Pfia(d) Gott'. Da
>fehlt die direkte Anrede 'dich' oder 'euch' völlig, es ist vielmehr
>ein allgemeiner Abschiedsgruß an alle die's hören, wie in diesem Fall
>alle Leute in der Bäckerei, die man ja nicht unbedingt kennt und somit
>auch nicht direkt anspricht.

100% ACK.

Andreas Eibach

unread,
Feb 26, 2003, 6:38:14 AM2/26/03
to

"Steffen Buehler" <steffen...@freenet.de> schrieb:

> Dirk Stoecker wrote:
> >
> > ich arbeite seit einiger Zeit in der Naehe von Muenchen und habe ein
Frage
> > zur Sprache, welche nichteinmal die Einheimischen zufriedenstellend
> > aufklaeren koennen.
> >
> > Hier wird zum Abschied das "Wort" Pfuerdi oder Pfuerdeu verwendet, wobei
> > das "di" und "eu" die Worte Dich und Euch repraesentieren. Nur was
heisst
> > "Pfuer"?
>
> Das heißt "behüte". Normalerweise kommt noch ein "Gott" dahinter, so daß
> die Bedeutung "behüte dich/euch Gott" ist.
>
> > Eine Suche nach den zwei Begriffen mittels Google ergibt einen Treffer
mit
> > Pfuerdi, der aber nichts erklaert.
>
> Deine Schreibweise ist auch für mich Nichtbayer etwas irritierend; ich
kenne
> es als "Pfüati" - so gibt's auch mehr Treffer.
an den OP:
Sprich's dir ein paarmal mit "B'hüat di!" vor. Das "b'hüat" klingt bei
bestimmtem Sprechen ziemlich ähnlich wie "pfüat". So hat sich's entwickelt.

An ' das sprachwissenschaftliche Fachchinesisch überlass ich nun anderen '
dreas


Andreas Eibach

unread,
Feb 26, 2003, 6:40:18 AM2/26/03
to

"Hans Schlager" <m...@privacy.net> schrieb:

> Dirk Stoecker wrote:
>
> > Hier wird zum Abschied das "Wort" Pfuerdi oder Pfuerdeu verwendet, wobei
> > das "di" und "eu" die Worte Dich und Euch repraesentieren. Nur was
heisst
> > "Pfuer"?
>
> Hier in Salzburg sagt man in etwa 'Pfiat di' respektive 'Pfiat eich'.
> 'Di' heißt dich und 'eich' heißt klarerweise 'euch'. Kann es sein,
> dass die Eingeborenen in deiner Region eigentlich 'Pfiad euch' sagen

Was ist eigentlich mit 'Pfiads euch?"
Hab ich auch schon des öfteren gehört.

An ' Bulle von Tölz gucken, da könnt ihr diesbezüglich was lernen *scnr* '
dreas


Wolf Busch

unread,
Feb 26, 2003, 1:15:36 PM2/26/03
to
Hans Schlager schrieb:

> Es könnte allerdings irgendwas damit zu tun haben, dass im
> bayr./österr. generell (?) bei der Anrede im Plural ein zusätzliches
> 's' zur Anwendung kommt, wie mir jetzt grade auffällt. Ein paar
> Beispiele:
>
> Habt ihr das gesehen? - Hobt's es des gsegn?
> Geht mir nicht auf die Nerven! - Geht's ma ned auf d'Nervn!
> Lasst mich in Ruhe! - Losst's mi in Ruah!
> Habt noch etwas Geduld - Leckt's mi am Oasch! ;)
>
> Es ist zwar meine Muttersprache,

Meine zwar nicht, aber dafür habe ich eine bairische Grammatik. ;-)

> aber ich weiß ehrlichgesagt nicht, wofür dieses 's' steht.

Für »ees« (ihr), das früher ein Dualpronomen war (»ihr beide«), aber
schon seit dem 12. Jh. die Bedeutung des Plurals übernahm (»ihr«).

»Ees« wurde an das Verb angehängt und verkümmerte zu -s. Diese
alte Dual-Endung -s wurde also Teil der Verbalendung, deswegen
ist übrigens auch der Apostroph überflüssig. Wie Dein erstes
Beispiel zeigt, bleibt das -s auch dann erhalten, wenn das
volle Personalpronomen (»ees«) im Satz vorkommt. Im Bairischen
endet also der Imperativ in der 2. Person Plural nicht auf -t,
wie im Standarddeutschen, sondern auf -ts (-ds).

Schöne Grüße,
Wolf


Helmut Richter

unread,
Feb 27, 2003, 3:39:28 AM2/27/03
to
In article <b3g0lj$ko3$06$1...@news.t-online.com>, Michael Baumgartner wrote:

>>Ich habs auch schon so gehört, kenns aber eher mit einer leichten
>>Abtrennung, pfüat-di. Da sind ja auch ein t und ein d verschmolzen.
>
> Die Unsicherheit kommt wohl daher, daß es sich hier um einen stimmlosen,
> nicht aspirierten Verschlußlaut handelt, und der ist schwer zwischen d
> und t einzuordnen.

Der wird aber ganz genau wie praktisch jeder andere als d oder t
geschriebene Laut im Bairischen ausgesprochen. Dass der Norddeutsche
Theodor Siebs für den norddeutschen Regiolekt des Hochdeutschen, den er
zur Standardsprache für die Bühne ernannt hat, ein stimmhaftes b, d und g
sowie ein aspiriertes t und p vorsieht, hat für die korrekte Aussprache
des Bairischen wenig Bedeutung.

Helmut Richter

Helmut Richter

unread,
Feb 27, 2003, 3:42:41 AM2/27/03
to

So ist es. Was nichts daran ändert, dass "pfiats eich" sprachlich
falsch ist (es hieße "behütet [ihr] euch" und nicht "behüte [er]
euch") und nur daraus zu erklären, dass der Gruß auch von den
Einheimischen nicht mehr verstanden wurde.

Helmut Richter

Michael Baumgartner

unread,
Feb 27, 2003, 4:24:41 AM2/27/03
to

Helmut Richter schrieb:

>In article <b3g0lj$ko3$06$1...@news.t-online.com>, Michael Baumgartner
wrote:
>
>> Die Unsicherheit kommt wohl daher, daß es sich hier um einen
>>stimmlosen, nicht aspirierten Verschlußlaut handelt, und der
>>ist schwer zwischen d und t einzuordnen.
>
>Der wird aber ganz genau wie praktisch jeder andere als d oder t
>geschriebene Laut im Bairischen ausgesprochen. Dass der Norddeutsche
>Theodor Siebs für den norddeutschen Regiolekt des Hochdeutschen, den er
>zur Standardsprache für die Bühne ernannt hat, ein stimmhaftes b, d und
g
>sowie ein aspiriertes t und p vorsieht, hat für die korrekte Aussprache
>des Bairischen wenig Bedeutung.

Hab ich was anderes behauptet? Ich hab nur beschrieben, warum dieser
Laut Nichtbaiern Schwierigkeiten bei der Einordnung bereitet.

Gruß, Michael

... der sich jedesmal ärgert, wenn im BR die Ortsnamen "Deggendorf" und
"Nabburg" vorkommen, weil die neuerdings im Radio mit stimmhaften
Konsonanten ausgesprochen werden.

Tassilo Halbritter

unread,
Feb 27, 2003, 10:23:28 AM2/27/03
to
In article <slrnb5rjrj....@lxhri01.lrz.lrz-muenchen.de>,

Habe ich auch in Österreich noch nie gehört. Entweder 'pfiat eich'
(ebenso: pfiat enk) oder 'pfiati'.

--
_____ _ _ mailto: halbritter at acornusers.org
|__ __|| | | | "Die Politik beruht darauf, daß man den Depperten
| | | |_| | nicht sagt, daß sie deppert sind, weil sie einen
| | | _ | sonst nicht wählen würden." (Georg A. Siegl)
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