On Thu, 17 Nov 2011 22:20:19 +0100, Thomas Schade <
tos...@rrr.de>
wrote:
>On 17.11.2011 22:14, Uwe Schickedanz wrote:
>> On Thu, 17 Nov 2011 21:23:08 +0100, Thomas Schade <
tos...@rrr.de>
>> wrote:
>
>>>Man möcht sich nicht vorstellen, wie 'Fahrschein' in gewissen
>>>ostdeutschen Dialekten klingen mag.
>>
>> "Sichtkart" in meinem.
>
>Das finde ich eine äußerst ungewöhnliche Aussprache für 'Fahrschein'.
>Aber Spaß beiseite, bei 'Sichtkart' hätte ich bis gerade nicht die
>geringste Idee gehabt, was das hätte sein können.
Es handelt sich möglicherweise um einen Zwickauer oder westsächsischen
Regionalismus. In meiner Kindheit hatten Busse und Straßenbahnen
teilweise noch Schaffner, denen man diesen Fahrschein "zur Ansicht"
hinzeigte. Dazu müßte ich aber meine Eltern bzw. Großeltern befragen,
meine Erinnerung ist da sehr verschwommen. Als ich in die Schule kam,
war dieses System bereits abgelöst durch briefkastenänhliche Gebilde
aus Holz mit einer Glasscheibe. Die Sichkarten steckte man beim
Einsteigen einfach oben rein, und für alle Umsitzenden war zu sehen,
ob man eine Sichtkarte eingeworfen hatte oder nicht. Die Dinger gabs
als Block, jeweils 5 Stück ein Blatt, mit Perforation zum Abreißen.
Eine Sichtkarte war vielleicht 4 cm lang und 1,5 cm breit, kam 20 Pf.
(Kinder, Rentner und Schwerbehinderte die Hälfte) und man konnte im
Stadtgebiet beliebig weit fahren.
Später kamen dann Boxen, die hinter einer Plexiglasscheibe eine Art
Flügelzellenrad hatten, daß sich jeweils ein Segment im Uhrzeigersinn
weiterdrehte, wenn man rechts am Hebel zog. Hatte ein bißchen was von
einem einarmigen Banditen. Also Karte oben rein, fiel dann in eins der
sechs (oder acht?) Segmente, dann am Hebel gezogen, rechts kam ein
Beleg raus, den man abreißen mußte.
Noch später wurden Stempelautomaten ('Entwerter') eingeführt,
allerdings dann mit einem größeren Fahrschein aus grauem
Recyclingpapier. Der Stempel löste durch mechanischen Druck des immer
noch Sichtkarte genannten Fahrscheins aus, was mitunter schwierig war,
besonders, wenn der schon längere Zeit im Portemonnaie herumoxidierte.