SAHARA (FAQ deutsche Sprache) Nov 2007

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Joerg Digmayer

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Nov 1, 2007, 6:57:32 AM11/1/07
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SAHARA

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Sammlung häufig registrierter Anfragen im Usenet-Forum
news:de.etc.sprache.deutsch
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FAQ - Frequently asked questions in the newsgroup
news:de.etc.sprache.deutsch


Erscheint: monatlich in news:de.etc.sprache.deutsch
Stand: November 2007

Änderungen gegenüber der Oktober-Ausgabe:

neu: Frage 22 zu "weil"-Sätzen
neu: Frage 28 zu Mohrenköpfen und Negerküssen


Inhalt:
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Teil A Allgemeines

1. Was ist eine Sprache?
2. Warum soll ich Deutsch lernen?
3. Wie kann ich gutes Deutsch lernen?
4. Warum die Unterscheidung in "Sie" und "Du"?
5. Ist die deutsche Sprache frauenfeindlich?
6. Wann beginnt das neue Jahrtausend?
7. Wie heißen die Jahre von 2000 bis 2009?
8. Wie heißt das @?


Teil B Grammatik

9. Warum heißt es "der Löffel", aber "die Gabel" und
"das Messer"?
10. Welchen Artikel nimmt man im Deutschen bei Verkehrsmitteln?
11. Welchen Artikel führen Flussnamen?
12. Welche Vergangenheitsform ist korrekt?
13. Wann heißt es "als" und wann "wie"?
14. Wann fügt man ein Fugen -s ein? Heißt es z.B. "Essenmarke"
oder "Essensmarke"?
15. Welcher Fall kommt nach "wegen"?
16. Welcher Fall kommt nach "trotz"?
17. Welcher Fall kommt nach "außer"?
18. Wann nimmt man welchen Konjunktiv?
19. Wie ist das mit "sich" und "einander"?
20. Wie ist das mit dem Genitiv von "voriges Jahr" und
"dieses Jahr"?
21. Wie werden zusammengesetzte Eigennamen gebeugt?
22. Was folgt richtigerweise auf "weil"?


Teil C Regionalismen

23. Heißt es "der Gummi" oder "das Gummi"?
24. Was bedeutet "das Mensch"?
25. Kann man das korrekterweise sagen: "Ich erinnere etwas"?
26. Wie bezeichnet man die Uhrzeit für 8.15 Uhr und 8.45 Uhr
korrekt?
27. Heißt es korrekt "Samstag" oder "Sonnabend"?
28. Was ist der Unterschied zwischen "Mohrenkopf" und Negerkuss"?
29. Darf man Dialekt sprechen, ohne sich zu blamieren?


Teil D Deutsche Wörter, Anglizismen

30. Gibt es eine offizielle Liste deutscher Wörter
oder ein Wörterbuch mit allen deutschen Wörtern?
31. Gibt es deutsche Wörterbücher online?
32. Wie lautet das Gegenteil von "durstig"?
33. Welches ist das am häufigsten gebrauchte deutsche Wort?
34. Gibt es einen Unterschied zwischen "scheinbar" und
"anscheinend"?
35. Gibt es einen Unterschied zwischen "dasselbe" und
"das gleiche"?
36. Wie setzt man Wörter zusammen?
37. Wie viele Wörter im Deutschen enden auf -nf?
38. Welche Markennamen sind zu allgemeinen Begriffen geworden?
39. Sagt man "Gewerkschafter" oder "Gewerkschaftler"?
40. Kann es "Unkosten" geben?
41. Sind Fremdwörter sinnvoll oder überflüssig?
42. Wie kann man englische Fachwörter im Computerbereich auf
deutsch ausdrücken?
43. Gibt es eine Liste mit vermeidbaren Anglizismen?
44. Welche deutschen Wörter haben es ins Englische geschafft?
45. Wie werden fremdsprachige Ausdrücke gebeugt?
46. Wie lautet der Plural von "Status"?
47. Welcher Artikel kommt vor "E-Mail", "URL" und "Website"?
48. Wann setzt man einen Apostroph?


Teil E Worterklärungen

49. Woher kommt der Begriff "Fisimatenten machen"?
50. Woher kommt das Wort "Zigeuner"?
51. Was ist ein "Fuzzi"?
52. Heißt es "Pogrom" oder "Progrom"?
53. Warum hört man heute meist "Reichspogromnacht" statt
"Reichskristallnacht"?
54. Was heißt "etwas ist in trockenen Tüchern"?
55. Woher kommt der Begriff "Handy"?
56. Gibt es in Deutschland wirklich einen Ort namens "Fucking"?

Teil F Rechtschreibung und Rechtschreibreform

57. Ist die Rechtschreibreform sinnvoll?
58. Muss ich nach neuer Rechtschreibung schreiben?
59. Ist der Duden verbindlich?
60. Darf man alles klein schreiben?
61. Darf man ein Binnen-I (Majuskel-I) verwenden?
62. Was ist das "ß"? Ist es sinnvoll?
63. Welche Rechtschreibfehler finden sich besonders häufig?


Teil G Aussprache

64. Wie spricht man die Endung -ig (König) korrekt aus?
65. Wo kann ich korrekte deutsche Aussprache lernen?


Teil H Besonderheiten in de.etc.sprache.deutsch, Akronyme

66. Kann ich auch in de.etc.sprache.deutsch schreiben,
wenn ich selbst nicht gut Deutsch kann?
67. Was bedeuten diese komischen Abkürzungen (Akronyme) in
de.etc.sprache.deutsch?
68. Was ist ein "Borealgermanismus"?
69. Was soll diese Liste überhaupt?
70. Gibt es besondere Regeln in de.etc.sprache.deutsch?
71. Hier gibt es soviel zu lesen. Könnte man das Forum nicht
teilen?
72. Gibt es eine Liste interessanter Verweise für das WWW (Links)?
73. Was bedeutet es, wenn jemand nach Popcorn oder gar Popcornf
ruft?
74. Wer hilft mir bei meinen Deutsch-Hausaufgaben?


Teil A Allgemeines


1. Was ist eine Sprache?

Ein unterscheidbares Kommunikationssystem nennt man "Sprache". Zwei
Formen gelten als unterschiedliche Sprache, wenn sie untereinander
nicht mehr verständlich sind. Die Abgrenzung zwischen Sprachen und
Dialekten erfolgt durch die Nutzer der Sprache. Wenn diejenigen, die
Plattdeutsch, Jiddisch oder Rotwelsch sprechen, das als eigenständige
Sprachen empfinden - und nicht als deutsche Dialekte -, dann ist die
Definition von Sprache jeweils erfüllt.


2. Warum soll ich Deutsch lernen?

Weil Deutsch eine schöne Sprache sein kann. Um Heine, Goethe, Rilke im
Original lesen zu können. Um einen Arbeitsplatz bei einer deutschen
Firma zu erhalten. Oder um in news:de.etc.sprache.deutsch
mitdiskutieren zu können.


3. Wie kann ich gutes Deutsch lernen?

Durch Übung, z.B. durch Diskussionen in news:de.etc.sprache.deutsch.
Es gibt auch sogenannte Stilkunden, das sind Bücher, die einem helfen
sollen, gut und verständlich zu schreiben. Welche die beste ist, soll
jeder nach seinem persönlichen Geschmack entscheiden.


4. Warum die Unterscheidung in "Sie" und "Du"?

Um Distanz zu wahren. Um Höflichkeit und Respekt auszudrücken. Um
Rangunterschiede erkennbar zu machen.
In deutschsprachigen Foren des Usenet, also auch in
news:de.etc.sprache.deutsch, duzen die Diskussionsteilnehmer einander.


5. Ist die deutsche Sprache frauenfeindlich?

Viele Bezeichnungen für Personengruppen (Leser, Ärzte, Minister) sind
im Deutschen maskulin. Manche Feministen erklären das so, dass hier
eine frauenfeindliche Wirklichkeit durch die Sprache abgebildet worden
sei: Wenn den Frauen der Zugang zu Amt und Beruf versperrt werde,
genüge es, die maskuline Form zu nehmen, um das entsprechende Amt oder
den Beruf zu bezeichnen. Um Frauen auch in der Sprache sichtbarer zu
machen, müsse man die femininen Varianten (Leserin, Ärztin,
Ministerin) ausdrücklich ansprechen.

Die feministische Deutung, wie die maskulinen Formen entstanden seien,
ist allerdings umstritten. So wird argumentiert, dass das Genus eines
Wortes nicht nur vom Geschlecht des Beschriebenen, sondern auch durch
die Endung des Begriffs bestimmt werde. Wörter auf -ung sind in der
Regel feminin und Wörter auf -er maskulin. Kritiker meinen außerdem,
dass die Bezeichnungen für Personengruppen sich immer schon auf beide
Geschlechter erstreckt hätten: Das Lehrerzimmer etwa sei stets für
Lehrer beiderlei Geschlechts offen gewesen. Wenn die Sprache nur die
gesellschaftliche Wirklichkeit abbilde, so ein weiterer Einwand,
müssten zur Gleichberechtigung der Frau viel eher die realen
Verhältnisse geändert werden als deren sprachliches Spiegelbild. (Vgl.
auch Frage 61 zum Binnen-I)


6. Wann beginnt das neue Jahrtausend?

Unsere Zeitrechnung beginnt am 01.01.0001, weil die
Geschichtsschreibung kein Jahr "Null" kennt. Das erste Jahrhundert
endet hundert Jahre später am 31.12.0100. Das zweite Jahrtausend
beginnt nach dieser Rechnung am 01.01.1001 und endet am 31.12.2000.
Eine Eselsbrücke hilft, den Sachverhalt zu verstehen: Der zweite
Kasten Bier beginnt mit der 21. Flasche, nicht mit der 20.

Das zwanzigste Jahrhundert dauert folglich vom 01.01.1901 bis zum
31.12.2000. Die neunziger Jahre dagegen erstrecken sich vom 01.01.1990
bis zum 31.12.1999.

"Millennium" schreibt man übrigens mit zwei "n" - man kann aber auch
Jahrtausend oder Jahrtausendwechsel sagen.


7. Wie heißen die Jahre von 2000 bis 2009?

Das muss sich erst noch herausstellen. Im Angebot sind u.a. "die
nuller Jahre" oder "die nullziger Jahre". Das hübsche englische
Wortspiel "the naughties" lässt sich leider nicht ins Deutsche
übersetzen.


8. Wie heißt das @?

Auf englisch "commercial at". Einst diente es dazu, den Preis für
Waren anzuzeigen. "Lettuce @ 10 cent" hieß damals, dass man pro
Salatkopf 10 Cent zahlen musste; damit entsprach es dem auf Deutsch
üblichen "à": "Kopfsalat à 1,-". Im Deutschen wird das @ offiziell
nach DIN mit "kommerziellem à" übersetzt.

Seit das @ als Trennzeichen in E-Mail-Adressen dient, sagt man auf
englisch "at" dazu; diese Bezeichnung hört man auch auf Deutsch recht
häufig. Namen wie "Klammeraffe" und "Kringel-a" sind daneben
verbreitet.

Teil B Grammatik


9. Warum heißt es "der Löffel", aber "die Gabel" und
"das Messer"?

Weil Deutsch anders funktioniert als Italienisch oder Spanisch. Die
Regeln zur Genusbildung im Deutschen sind sehr kompliziert und folgen
keiner Logik, die sich auf den ersten Blick erschließt. Für
Fremdsprachler hilft leider nur: Lesen, lernen, üben ...


10. Welchen Artikel nimmt man im Deutschen bei Verkehrsmitteln?

Schiffe, Flugzeuge, Motorräder und Raumschiffe sind im Deutschen immer
weiblich, auch wenn sie den Namen eines Mannes tragen: "Wir machen
eine Kreuzfahrt auf der 'König Ludwig'."; "Ich finde die neue
'Harley-Davidson' toll."; "Terroristen entführten 1977 die 'Landshut'
nach Mogadischu."; "Die 'Endeavour' startet in Cape Canaveral."

Automarken und -typen sind in der Regel männlich, auch wenn der Name
weiblich ist. Vielleicht hat die Ableitung von der männlichen Form
"der Wagen" zu dieser Regel geführt. "Ich habe einen Mercedes
gekauft."; "Wir testen den 528i, den VW Lupo, den Testarossa und den
Toyota Carina." Einige (fahrtüchtige) Ausnahmen sind: die Ente, die
Isetta, die Barchetta, die Corvette, die Viper und das Goggomobil.


11. Welchen Artikel führen Flussnamen?

Da gibt es keine eindeutige Regel, manche Flüsse sind maskulin (wie
der Rhein), manche feminin (wie die Ilz). Die Flussgötter der
Germanen waren weiblich, die der Römer männlich, die keltischen
Bedeutungen waren und sind den meisten Leuten unbekannt; die
Bezeichnungen und Artikel ziehen sich bei manchen Flüssen aber bis
heute durch. Das Genus lässt sich dann jedoch nicht erkennen: der Po,
aber die Rhône (die auf französisch gemeinerweise "le Rhône" heißt, im
Gegensatz zur Saône, die auch auf französisch feminin daherfließt).

Außereuropäische Flüsse sind in der Regel männlich (der Nil, der
Mississippi, der La Plata, der Jangtse), außer der Name weckt sofort
weibliche Assoziationen (die Lena).


12. Welche Vergangenheitsform ist korrekt?

Im Deutschen ist die Wahl der Vergangenheitsform weniger streng
geregelt als etwa im Englischen oder Französischen. Meist kann das
Präteritum ("sie half mir") durch das Perfekt ("sie hat mir geholfen")
ersetzt werden.

Das Präteritum ist die geeignete Zeitform, um Ereignisse rein aus der
vergangenen Perspektive heraus zu erzählen. Bei Ereignisreihungen,
besonders in der Literatur, ist es hochsprachlich sogar die einzig
korrekte Form: "Bogus trat nach vorne, schob den Riegel des Tores
zurück und ließ seine Soldaten herein."

Das Perfekt muss dagegen immer dann verwendet werden, wenn der
Sprecher einen Bezug zur Gegenwart herstellen will.

a.) Perfekt des Nachzustandes: "Hurra, es hat geschneit!" (wenn der
Schnee noch liegt, ist "Hurra, es schneite!" falsch)

b.) Perfekt der Erfahrung ("experiental"): "Hast du je Froschschenkel
gegessen?" (nicht "Aßest du je Froschschenkel?")

c.) Neuigkeitenperfekt ("hot news perfect"): "Der Kanzler ist
zurückgetreten!" (nicht "Der Kanzler trat zurück!")

d.) Gegenwartsrelevanz: "Immerhin hat Jürgen Germanistik studiert,
also kennt er sich mit Sprache aus."

Das Plusquamperfekt bezeichnet die Vorvergangenheit. "Als sie geendet
hatte, ging sie nach Hause." Der Gebrauch des Plusquamperfekts als
normale Vergangenheitsform: "Letzte Woche waren wir in Urlaub
gefahren", ist hochsprachlich nicht korrekt, aber z.B. im Berliner
oder Hannoverschen Regiolekt gebräuchlich. Möglicherweise empfindet
man diese Zeitform weniger formal als das Präteritum, aber vornehmer
als das Perfekt.


13. Wann heißt es "als" und wann "wie"?

Nach Steigerungen fast immer "als", aber nie "wie". "Er ist größer als
ich."
Man kann bei Steigerungen auch "denn" verwenden, um zwei "als"
hintereinander zu vermeiden: "Es ist besser als freier Mensch zu
sterben, denn als Sklave zu leben." Ein wenig altmodisch klingt das
allerdings schon.
Bei Gleichordnungen immer "wie". "Er ist so dick wie ich."

Kniffliger wird die Sache, wenn man Multiplikatoren zum Vergleich
heranzieht. Korrekt heißt es: "Ina ist zweimal so stark wie Peter"
(Gleichordnung), aber "Ina ist zweimal stärker als Peter"
(Steigerung).

Im Süden des deutschen Sprachraumes wird umgangssprachlich gerne "wie"
nach dem Komparativ gesetzt ("Ich bin stärker wie du."), während die
Norddeutschen eher dazu neigen, "als" nach dem Positiv zu verwenden
("so weit als möglich"). Standardsprachlich ist beides falsch.

Wenn "als" und "wie" nicht zum Steigern, sondern zum Vergleichen
verwendet werden, gilt folgende Faustregel:

"Als" nimmt man, wenn ein identischer Vergleich gezogen wird: "Als
deine Schwester rate ich dir heimzugehen." Ich bin tatsächlich deine
Schwester und rate dir heimzugehen.

"Wie" nimmt man, wenn keine Identität vorliegt: "Sie sorgt für mich
wie eine Schwester." Sie ist zwar nicht meine Schwester, aber sie
sorgt so für mich, als wäre sie meine Schwester.


14. Wann fügt man ein Fugen -s ein? Heißt es z.B. "Essenmarke"
oder "Essensmarke"?

Es gibt keine eindeutige Regel, und das Fugen -s hat auch nichts mit
dem Genitiv zu tun. Der Gebrauch des Fugen -s unterscheidet sich von
Region zu Region. Der Gesetzgeber in Deutschland vermeidet es
allerdings, Fugen -s zu setzen. So werden die offiziellen
Steuerbezeichnungen ohne "s" gebildet: Einkommensteuer,
Versicherungsteuer usw. In Österreich ist das Fugen-s verbreiteter;
dort ereignen sich sogar "Zugsunglücke".

Analog zum Fugen -s gibt es auch das Fugen -n. Man findet es z.B. im
"Hallenbad".


15. Welcher Fall kommt nach "wegen"?

In geschriebenem Deutsch der Genitiv ("Wegen des Regens sind wir
daheim geblieben."); es heißt ja auch "deswegen" und nicht "demwegen".
Umgangssprachlich verwenden die meisten Leute - mit Zustimmung des
Duden - den Dativ ("Wegen dir hab ich mein Leben vergeudet."). Der
Dativ nach "wegen" schleicht sich auch zunehmend in die geschriebene
Sprache: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod!

In der geschriebenen Alltagssprache wird der Dativ nach "wegen"
besonders verwendet, wenn ein einfacher Singular ohne Artikel folgt:
"Wegen Todesfall geschlossen" an Stelle des eigentlich korrekten:
"wegen Todesfalls geschlossen".

Außerdem folgt im Plural der Dativ, wenn Nominativ, Genitiv und
Akkusativ Plural gleich lauten und kein anderer Zusatz (Artikel,
Adjektiv verwendet wird:

"Die Prozedur wurde wegen Fehlern abgebrochen."
"Die Autobahn war wegen Unfällen gesperrt."

Aaaaaber:

"Die Prozedur wurde wegen schwerer Fehler abgebrochen."
"Die Autobahn war wegen der vielen Unfälle gesperrt."


16. Welcher Fall kommt nach "trotz"?

Meistens der Genitiv, obwohl historisch der Dativ richtig wäre. Es
heißt ja "trotzdem" und nicht "trotzdessen".

Das Wort "nichtsdestotrotz" ist eigentlich eine spaßige Verbindung aus
"nichtsdestoweniger" und "trotzdem". Nichtsdestoweniger setzt sie sich
immer mehr durch und wird z.B. von der Winword-Rechtschreibprüfung als
richtig akzeptiert.


17. Welcher Fall kommt nach "außer"?

"Außer" ist eine Einschränkung, statt dessen kann man auch "abgesehen
von", "mit Ausnahme von", "bis auf" oder "nur ... nicht" sagen. Der
Duden meint, dass auf "außer" und "entlang" Genitiv, Dativ oder
Akkusativ folgen.

Der Nikolaus bringt [wem?] allen Kindern Süßigkeiten, außer [wem?] den
bösen Schlingeln.

Ich mag [wen?] alle Früchte, außer [wen?] die grünen Zitronen.
außer [wem?] den grünen Zitronen.

Oft sind beide Formen möglich, wenn "außer" das Subjekt einschränkt:

Außer ihrer Mutter hatten ihr alle Verwandten ein Geschenk
mitgebracht.
Alle Verwandten hatten ihr ein Geschenk mitgebracht, außer ihre(r)
Mutter.
Alle Verwandten, außer ihre(r) Mutter, hatten ihr ein Geschenk
mitgebracht.

Wenn die Bezüge unklar sind und erst aus dem Zusammenhang erschlossen
werden müssen, klingt "außer" oft seltsam. Dann ist es besser, einen
anderen Ausdruck zu verwenden.

Eindeutiger ist es, "abgesehen von" oder "mit Ausnahme von" zu
verwenden, weil da immer der Dativ verlangt ist. Wenn man "bis auf"
nimmt, folgt ein Akkusativ. Bei "nur ... nicht" passt sich der Fall
dem Vorangegangenen an:

Abgesehen von [wem?] ihrer Mutter hatten ihr alle ein Geschenk
gebracht.
Mit Ausnahme von [wem?] ihrer Mutter hatten ihr alle ein Geschenk
gebracht.
[Wer?] Alle hatten ihr ein Geschenk gebracht, nur [wer?] ihre Mutter
nicht.
Alle hatten ihr ein Geschenk gebracht, bis auf [wen?] ihre Mutter.


18. Wann nimmt man welchen Konjunktiv?

Das Deutsche kennt zwei Konjunktivformen. Besondere Bedeutung gewinnen
sie in der indirekten Rede.

"Er sagt, er ist ein feiner Kerl."
Er sagt es, und ich weiß, dass es stimmt.

"Er sagt, er sei ein feiner Kerl."
Er sagt es. Ich weiß nicht, ob er recht hat, oder ich will mich in
meiner Aussage nicht festlegen. Diese Form ist korrekt, um neutral in
indirekter Rede zu berichten.

"Er sagt, er wäre ein feiner Kerl."
Er sagt es, aber ich weiß, er ist ein Schuft.

Um konditionale Sachverhalte auszudrücken, nimmt man den Konjunktiv II
(Irrealis): "Wenn es regnete, nähme ich den Schirm", bzw. gängiger:
"Wenn es regnen würde, würde ich den Schirm nehmen." Die
Konjunktivform der Verben klingt in vielen Fällen ungewöhnlich und
wird nur noch selten verwendet. Statt dessen nimmt man besonders im
Alltag normalerweise die Hilfsform "würde", also "Es würde mir helfen,
wenn du deutlicher sprechen würdest.", an Stelle von "Es hülfe mir,
wenn du deutlicher sprächest."


19. Wie ist das mit "sich" und "einander"?

"Einander" dient in der "gehobenen Sprache" (so der Duden) dem
Ausdruck einer wechselseitigen Beziehung: "Sie wuschen einander die
Hände". Obwohl "einander" die kürzere und prägnantere Form darstellt,
verwendet man heute in der Alltagssprache meist die Konstruktion "sich
gegenseitig": "Sie wuschen sich gegenseitig die Hände".

"Sich" steht immer dann, wenn die Beziehung selbstbezogen ist: "Sie
wuschen sich die Hände" (d.h. jeder für sich) "Sich" steht im heutigen
Sprachgebrauch meist auch dann für die wechselseitige Beziehung, wenn
kein Missverständnis möglich ist: "Sie küssten sich." Die
eindeutigeren Formen "einander" und "sich gegenseitig" wirken hier oft
gespreizt: "Was einander liebt, das neckt einander" oder "Sie küssten
sich gegenseitig und sie schlugen sich gegenseitig."


20. Wie ist das mit dem Genitiv von "voriges Jahr" und
"dieses Jahr"?

Das Demonstrativpronomen "dieser" wird mit dem Substantiv gebeugt,
andere Pronomina nicht. Auf Deutsch:

"Im Sommer dieses Jahres ..."
"Ende dieses Monats ..."
aber
"Anfang vorigen Jahres ..."
"Zu Beginn letzten Quartals ..."

Und wenn "heuer" klein geschrieben wird, ist es keine Entlohnung für
Seeleute, sondern ein Ausdruck für "dieses Jahr", der im Süden des
deutschen Sprachraumes gängig ist. "Wir wollen heuer Weihnachten zu
Hause feiern."


21. Wie werden zusammengesetzte Eigennamen gebeugt?

Wenn Eigennamen Artikel oder Adjektive enthalten ("Das Goldene
Blatt"), werden diese üblicherweise mit gebeugt.

"Nachdem Heinz viele Jahre als Orchestermusiker bei den 'Lustigen
Oberländern' gearbeitet hatte, schaffte er den Durchbruch als Solist.
In der 'Bunten' gab er ein Interview, und er durfte sogar im 'Ersten'
beim 'Großen Sommerfest der Volksmusik' auftreten."

Sehr selten bleiben zusammengesetzte Ortsnamen ungebeugt. In Köln
bleibt etwa der "Alter Markt" immer so stehen: "Auf dem Alter Markt
tobte das Karnevalstreiben." Für auswärtige Ohren klingt das fremd.


22. Was folgt richtigerweise auf "weil"?

Mit "weil" leitet man einen kausalen Nebensatz ein. In deutschen
Nebensätzen kommt das Verb zum Schluss. Deshalb muss es heißen: "Ich
kann nicht kommen, weil ich erkältet bin." Der Satz: "Ich kann nicht
kommen, weil ich bin erkältet." ist grammatikalisch nicht korrekt.

Wem Nebensatzbildungen zu kompliziert erscheinen, kann seine
Kausalsätze als Hauptsatz mit "denn" anfangen. "Ich kann nicht kommen,
denn ich bin erkältet." ist eine standardsprachlich korrekte Lösung.

Teil C Regionalismen


23. Heißt es "der Gummi" oder "das Gummi"?

Beides ist richtig. Die Verwendung ist regional unterschiedlich.
Genauso ist es bei "die Cola" und "das Cola".

Nur im Bairischen (und in einigen Ecken im Südwesten des deutschen
Sprachraums) hingegen sind korrekt: der Radio, der Schokolad', der
Butter, das Teller, das Joghurt, das Monat, das Bleistift und der
Zwiebel.


24. Was bedeutet "das Mensch"?

"Mensch" ist ursprünglich "der Männische" und gehört zum Wort "man",
das es im Englischen heute noch so gibt. "Man" bedeutete "Person"
(nicht etwa nur "männliche Person"), das unpersönliche Pronomen "man"
im modernen Deutsch leitet sich davon ab.

Früher standen "das" und "der" Mensch gleichberechtigt nebeneinander;
später hat man "das" Mensch (Plural: Die Menscher) nur noch auf Frauen
bezogen, "der" Mensch auf Personen allgemein. Heute kennt man die Form
"das Mensch" nur noch im Süden des deutschen Sprachraumes.

"Das" Mensch hat dort in einigen Gegenden eine abschätzige Bedeutung
bekommen und heißt etwa "Frau mit zweifelhafter Moral"; noch
abschätziger ist die Verkleinerungsform "das Menschle", was
mancherorts "Flittchen" bedeutet. Anderswo haben sich die älteren,
wertfreien Bedeutungen noch gehalten; so gibt es Gegenden, wo die
"Menscherkammer" keine negative Nebenbedeutung hat.


25. Kann man das korrekterweise sagen: "Ich erinnere etwas"?

"Ich erinnere meinen letzten Geburtstag." Diese nicht-reflexive Form
von "erinnern" begegnet uns als schlechte Übersetzung aus dem
englischen "I remember my last birthday" immer häufiger. In einigen
Gegenden Norddeutschlands (um Lübeck herum und in Mecklenburg) ist
diese Form aber schon seit Jahrzehnten gebräuchlich.


26. Wie bezeichnet man die Uhrzeit für 8:15 Uhr und 8:45 Uhr
korrekt?

Wenn man "viertel nach acht" und "viertel vor neun" sagt, ist es
eindeutig und wird überall verstanden. Regional gebräuchlich ist auch
"dreiviertel neun" (8:45 Uhr) und "viertel neun" (8:15 Uhr). Diese
Bezeichnungen werden aber nicht überall richtig interpretiert.

Wer statt 8:30 Uhr "halb neun" sagt, wird überall verstanden.


27. Heißt es korrekt "Samstag" oder "Sonnabend"?

Im Norden Sonnabend, im Süden Samstag. Allerdings scheint sich der
Samstag durchzusetzen, da ihn selbst die notorisch norddeutsche
"Tagesschau" verwendet. Bemerkenswert resistent gegen die Ausbreitung
des Samstags scheint sich dagegen die Berliner Medienszene zu zeigen.


28. Was ist der Unterschied zwischen "Mohrenkopf" und "Negerkuss"?

Die Bezeichnung für diese Süßspeisen unterscheiden sich regional. In
manchen Gegenden wird beides synonym für eine mit Schokolade
überzogene Schaumspeise verwendet, die politisch korrekt als
"Schaumkuss" oder "Schokokuss" benannt wird.

Anderswo kennt man als Mohrenkopf ein mit Schokoladenglasur
überzogenes Biskuit, das nach dem Backen halbiert und mit Schlagsahne
gefüllt wird.


29. Darf man Dialekt sprechen, ohne sich zu blamieren?

Im Gegensatz zu anderen Sprachen ist im Deutschen der Gebrauch von
Dialekten und Regiolekten in vielen Gegenden auch unter gebildeten
Leuten nicht verpönt (z.B. in Schwaben und im bairischen Sprachraum).
Zu offiziellen Anlässen und in den Medien Radio und Fernsehen wird in
Deutschland in der Regel in Schriftsprache geredet. In der Schweiz
wird der Dialekt (Schweizerdeutsch in seinen Ausprägungen) auch bei
offiziellen Gelegenheiten und in den Medien gesprochen.

Außerhalb der Belletristik ist es ungewöhnlich, im Dialekt zu
schreiben, selbst wenn man ihn spricht. In news:de.etc.sprache.deutsch
schreiben fast alle Diskussionsteilnehmer Schriftsprache.

In Ermangelung eigener Foren für die Dialekte des Deutschen (Ausnahme:
Schwäbisch in news:alt.aeffle.und.pferdle) gibt es auch Diskussionen
zu Dialektthemen in news:de.etc.sprache.deutsch.

Teil D Deutsche Wörter, Anglizismen


30. Gibt es eine offizielle Liste deutscher Wörter
oder ein Wörterbuch mit allen deutschen Wörtern?

Nein. Es wird so etwas auch nie geben können, denn im Sprachgebrauch
entstehen ständig neue Wendungen, während andere veralten und
aussterben. Außerdem erlaubt die deutsche Sprache alle möglichen
individuellen Zusammensetzungen, so dass unmöglich alle denkbaren
Variationen katalogisiert werden können. Schließlich führen Lexika
regelmäßig nur die Grundformen von Wörtern auf, bei Verben etwa den
Infinitiv, nicht aber alle Beugungsformen. Eine Sammlung aller
deutschen Wörter wäre also ständig im Fluss und zudem schier unendlich
groß. Das Wörterbuch, das die Brüder Grimm 1838 begonnen haben,
umfasst 350.000 Einträge, aber nicht mal das reicht aus: Die ersten
Bände werden derzeit neu bearbeitet und aktualisiert.

Anmelden kann man selbst erfundene Wörter nicht. Allein der
Sprachgebrauch entscheidet, ob ein Wort sich durchsetzt. Die Redaktion
des Duden wertet laufend deutschsprachige Veröffentlichungen aus. Wenn
ein neues Wort regelmäßig verwendet wird, dann kommt es in den Duden.


31. Gibt es deutsche Wörterbücher online?

Es gibt mehrere Fachlexika, der Duden ist allerdings nicht komplett im
WWW verfügbar.

Der Adelung, das "grammatisch-kritische Wörterbuch der Hochdeutschen
Mundart": <http://mdz.bib-bvb.de:80/digbib/lexika/adelung/>

Das Wortschatz-Lexikon der Uni Leipzig:
<http://wortschatz.uni-leipzig.de>

Der Wahrig unter:
<http://wissen.de>

Das Grimmsche Wörterbuch:
<http://www.dwb.uni-trier.de>

Der Wikipedia-Ableger Wiktionary:
<http://de.wiktionary.org/wiki/Wiktionary:Hauptseite>

Wörterbücher, die deutsche Begriffe in eine andere Sprache
übersetzen und umgekehrt, finden sich reichlich bei den gängigen
Suchmaschinen. Suchbegriff: Wörterbuch deutsch.


32. Wie lautet das Gegenteil von "durstig"?

Die deutsche Sprache kennt für diesen Zustand keinen Ausdruck. Es gibt
von Zeit zu Zeit Wettbewerbe, diese Lücke zu füllen. Der jüngste
Vorschlag heißt "sitt". Im täglichen Sprachgebrauch hat sich bislang
keiner der vorgeschlagenen Ausdrücke durchgesetzt, auch nicht
"durstsatt", das der Duden anbietet.


33. Welches ist das am häufigsten gebrauchte deutsche Wort?

Das Wort "der" kommt am häufigsten vor. Die Uni Leipzig führt eine
Liste, in der man sehen kann, wie oft ein gesuchtes Wort im Vergleich
zu "der" verwendet wird: <http://wortschatz.uni-leipzig.de>


34. Gibt es einen Unterschied zwischen "scheinbar" und
"anscheinend"?

Ja. "Scheinbar" heißt, dass es in Wirklichkeit ganz anders ist. Bei
"scheinbar" trügt der Schein. "Anscheinend" ist dagegen in puncto
Wahrheitsfindung neutral.

"Anscheinend ist er ein reicher Mann."
Ich weiß nicht, ob er reich ist. Ich schließe es aber aus dem
Anschein, den er erweckt. Vermutlich ist er reich, so wie er sich
gibt.

"Scheinbar ist er ein reicher Mann."
Er gibt sich zwar als reicher Mann aus, ich weiß aber genau: In
Wirklichkeit ist er arm wie eine Kirchenmaus.


35. Gibt es einen Unterschied zwischen "dasselbe" und
"das gleiche"?

Ja. Bei demselben handelt es sich um ein und dasselbe Teil, bei dem
gleichen existieren zwei Stücke, die einander aufs Haar gleichen.

"Tina und Petra trugen dasselbe Kleid."
Die beiden sind bettelarm und müssen sich ein Kleid teilen. Am Montag
darf es Tina tragen, am Dienstag Petra.

"Tina und Petra trugen das gleiche Kleid."
Tina und Petra sind auf einer Party, jede hat ein Kleid an, die
Kleider kann man aber nicht unterscheiden.


36. Wie setzt man Wörter zusammen?

Ganz einfach. Man fügt sie, wie sie sind, zusammen (evtl. mit Fugen -s
oder Fugen -n wegen der leichteren Aussprache): Dann wird aus dem
Schrank, der im Wohnzimmer steht, ein "Wohnzimmerschrank". Auf keinen
Fall wird ein "Wohn Zimmer Schrank" daraus und auch kein
"WohnZimmerSchrank", selbst wenn die kreativen Köpfe der
Werbewirtschaft diese Kombinationen derzeit sehr chic finden.

Wenn die Wörter nach dem Zusammensetzen zu lang oder zu
unübersichtlich werden, darf man der Lesefreundlichkeit halber auch
Bindestriche setzen. Dann wird aus dem "Kaffeeexporteur" eben ein
"Kaffee-Exporteur". Auch bei Verbindungen mit Fugen -s ist das
zulässig, so z.B. bei der Versicherungs-Gesellschaft.


37. Wie viele Wörter im Deutschen enden auf -nf?

Sechs. Nämlich fünf, Genf, Hanf, Senf, Sernf (das ist ein Schweizer
Flüssli) und Ganf. Das ist laut "Duden" (Band 9: Gutes und richtiges
Deutsch, 4. Aufl., S. 535) eine Nebenform zu "Ganeff", was im Jargon
des Rotwelsch für einen Ganoven steht. Zusammensetzungen wie
hundertfünf oder Weißwurstsenf gelten natürlich nicht.


38. Welche Markennamen sind zu allgemeinen Begriffen geworden?

Man sagt z.B. allgemein "Jeep" für Geländewagen und "Tempo" zum
Papiertaschentuch. Eine Liste derartiger Begriffe, die als Markennamen
geschützt sind, findet sich im WWW unter
<http://www.oberlehrer.org/gm.html>, eine weitere hat Erik Meltzer
zusammengetragen und unter
<http://www.ermel.org/usenet/desd/marken.txt> veröffentlicht.


39. Sagt man "Gewerkschafter" oder "Gewerkschaftler"?

Wenn die Grundform ein Verb ist, wird die Ableitung (von Nomina
agentis) immer auf "-er" gebildet: Kriegsgewinner (den Krieg
gewinnen), Sprecher (sprechen), Weltrekordhalter (den Weltrekord
halten), Schneider, Sänger ... Wenn die Grundform ein Substantiv ist,
wird die Ableitung auf "-ler" bevorzugt: Kriegsgewinnler
(Kriegsgewinn), Altsprachler (alte Sprachen), Weltrekordler
(Weltrekord), Postler, Künstler, Sportler, Nachzügler, Zuchthäusler
...

Bildungen auf "-er" mit substantivischer Basis - wie Reeder, Türmer,
Schäfer - geraten heute immer mehr außer Gebrauch. Die Bildungen
"Gewerkschaftler" und "Wissenschaftler" sind grammatisch korrekt und
wertneutral. Dennoch halten viele "Gewerkschafter" und
"Burschenschafter" an den Formen auf "-er" fest - aus Tradition oder
weil sie in den Bildungen auf "-ler" immer noch eine (vermeintliche)
Abwertung erblicken.

(Vgl. P. Eisenberg 1998, "Grundriss der deutschen Grammatik. Das
Wort.", S.266)


40. Kann es "Unkosten" geben?

Die Vorsilbe "Un-" bezeichnet nicht nur das Gegenteil (wie bei
Ungeduld oder Unsinn), sondern dient manchmal auch zur Verstärkung:
Ein Unwetter ist ein besonders heftiges Wetter, und eine Unmenge eine
sehr große Menge. Folgerichtig hat der Sprachgebrauch vor langer Zeit
aus lästigen Kosten "Unkosten" gebildet.

Die Fachsprache der Betriebswirtschaftslehre nimmt es mit den Kosten
ganz genau und kennt Sachkosten, Fixkosten, pagatorische Kosten und
viele andere. Die Unkosten aber finden keinen Platz in der
betrieblichen Kostenrechnung und sind bei den Betriebswirten verpönt.


41. Sind Fremdwörter sinnvoll oder überflüssig?

Sprache lebt, Sprache wandelt sich. Neue Ideen, neue Konzepte
verlangen nach Begriffen, um sie zu beschreiben. Daher gibt es
Fremdwörter, seit es unbekannte Dinge aus fremdsprachigen Gegenden
gibt. Das Deutsche ist voll von solchen eingedeutschten Begriffen, und
bei den meisten merkt man gar nicht mehr, dass sie einmal aus fremden
Ländern eingeführt worden sind. Wer denkt bei "Mauer", "Pfosten" oder
"Fenster" an Fremdwörter?

Manche Fremdwörter beschreiben Sachverhalte, für die es im Deutschen
keinen geeigneten Ausdruck gibt (Esprit, Chuzpe, Fairness). Andere
lassen sich nur umständlich und verschraubt übersetzen: Warum soll man
einen Schauspieler für sein "genaues Gespür für den richtigen
Zeitpunkt" loben, wenn bei ihm das Timing stimmt?

Wer allerdings Fremdwörter einsetzt, um seine Sprache möglichst
unverständlich zu machen, wer mit hochtrabenden Ausdrücken
verschleiert, dass er im Grunde nichts zu sagen hat, der liegt mit
Fremdwörtern einfach falsch und wird niemandem imprägnieren können.


42. Wie kann man englische Fachwörter im Computerbereich auf
deutsch ausdrücken?

Gängig sind z.B.:
Computer - Rechner; Newsgroup - Nachrichtengruppe, Diskussionsgruppe,
Forum; Homepage - Leitseite, Startseite, Hauptseite; Website -
Netzplatz, Netzpunkt, Netzauftritt; URL - Netzadresse; E-Mail -
E-Post, E-Nachricht; to boot - hochfahren; to crash - abstürzen; to
mail - senden; to post - veröffentlichen; posting - Artikel, Beitrag,
Veröffentlichung; mailing - Nachricht; download - herunterladen,
(formlos) herunterziehen, saugen; upload - hochladen

Es ist umstritten, ob Übersetzungen von Begriffen wie "Usenet" oder
"Internet" sinnvoll sind. Umfangreichere Listen mit deutschen
Übersetzungen gibt es auf der Leitseite des Vereins Deutsche Sprache
(s.u.).


43. Gibt es eine Liste mit vermeidbaren Anglizismen?

Ja. Beim Verein Deutsche Sprache <http://www.vds-ev.de>. Stefan
Winterstein hat eine umfangreiche Liste mit Anglizismen und
Übersetzungsfallen zusammengestellt:
<http://www.uebersetzungsfallen.de>.

Über den Einfluss von Anglizismen auf die deutsche Sprache teilen sich
die Meinungen: Für die einen bricht schon längst das Abendland
zusammen; die anderen halten die Sprache für widerstandsfähig genug,
alle paar Jahre ein paar wechselnde Modewörter oder Anglizismen
auszuhalten. Ganz allgemein gilt: Die Grenze zwischen der Vermeidung
überflüssiger Anglizismen und Deutschtümelei ist fließend. Jeder
empfindet das anders.


44. Welche deutschen Wörter haben es ins Englische geschafft?

Am bekanntesten sind wohl der "kindergarten", der "rucksack" oder der
"blitzkrieg". Eine umfangreiche Liste deutscher Fremd- und Lehnwörter
im Englischen hat Robbin Knapp zusammengetragen:
<http://germanenglishwords.com>.


45. Wie werden fremdsprachige Ausdrücke gebeugt?

Wenn sie als Lehnwörter ins Deutsche integriert worden sind, dann
werden sie auch ganz normal gebeugt ("Es ist Aufgabe des Managements
..."). Bei der Pluralbildung werden dann auch die deutschen Regeln
angewendet, nicht die englischen. So heißt es auf Deutsch: Babys,
Hobbys, Partys statt auf Englisch: babies, hobbies, parties. Wenn die
Begriffe (noch) als fremdsprachig empfunden werden, bleiben sie
ungebeugt ("Es ist das Wesen des Cash-flow ...").

Bei Verben ist die Sache schwieriger ("downgeloadet" oder
"gedownloadet"?). In solchen Zweifelsfällen ist es wohl am besten,
einen deutschen Ausdruck zu nehmen ("heruntergeladen" bzw.
"heruntergezogen") oder auf eine Mischung aus fremdsprachigem
Substantiv und deutschem Verb zurückzugreifen ("Nachdem der Download
durchgeführt wurde, ...").


46. Wie lautet der Plural von "Status"?

Nominativ: Der Status. Genitiv: Es ist eine Frage des Status ...
Plural: Die Status ...

So steht's im Duden, und so entspricht es auch der lateinischen
Herkunft (status, -us; m). Wer die gewöhnungsbedürftige Beugung
vermeiden will, kann "Status" ersetzen durch: Zustand, Stand, Bestand,
Lage oder Stellung. In der Informatik spricht man gerne von
Statuswerten.


47. Welcher Artikel kommt vor "E-Mail", "URL" und "Website"?

Man sagt "die E-Mail" (so der Duden) oder auch "das E-Mail" (das ist
laut dem Österreichischen Wörterbuch gleichwertig). Das englische
Wort "mail" kennt keinen Plural, sowenig wie die deutsche "Post". Als
Fremdwort im Deutschen kann man dagegen die Pluralform verwenden:
"Schau an, ich hab' drei neue Mails erhalten."

Wer Email ohne Bindestrich schreibt, meint kein elektronisches
Kommunikationsmittel, sondern eine Metallbeschichtung
("Emaillierung").

"Website" wird im Deutschen in der Regel weiblich benutzt: "die
Website". Vermutlich liegt das am Gleichklang mit dem Ausdruck "die
Webseite", auch wenn eine Website meist mehr als eine Seite umfasst.

Meistens orientiert sich der Artikel fremdsprachiger Ausdrücke an dem
deutschen Begriff, der dem Ausdruck am nächsten kommt. Wenn mehrere
Möglichkeiten zur Wahl stehen, gibt es auch keinen eindeutigen
Artikel, so wie etwa bei der/dem E-Mail.

Um den Begriff Uniform Resource Locator (URL) streiten sich die
Gelehrten: Für _den_ URL spricht der Locator, für _die_ URL die
gängige Übersetzung mit Netzadresse.


48. Wann setzt man einen Apostroph?

Seltener als man vielleicht denkt. Jedenfalls nicht beim Genitiv
("Pauls Würstchenbude"), außer ein Eigenname endet auf einen Zischlaut
wie s, z, x: "Marx' Theorie", "Tacitus' Darstellung". Die neue
Rechtschreibung erlaubt einen Apostroph, wenn damit die Grundform des
Namens deutlich gemacht wird ("Das Kind Andrea's").

Wenn der Genitiv schon durch einen Artikel angezeigt wird, braucht man
auch bei Zischlauten keinen Apostroph zu schreiben: "Die Darstellung
des Tacitus".

Kein Apostroph wird beim Plural von gebeugten Abkürzungen gesetzt
(CDs, CPUs). Und erst recht kommt kein Apostroph bei Verschmelzungen
von Verhältniswörtern mit Artikeln, also bei "ans", "fürs", "am",
"beim", "zum" usw. Die genauen Regeln stehen im Duden unter dem
Stichwort "Apostroph".

"Wenn der Deutsche nicht weiß, wie was geschrieben wird, haut er einen
Apostroph rein. Klingt internationaler." (Richard Rogler)

Teil E Worterklärungen


49. Woher kommt der Begriff "Fisimatenten machen"?

"Fisimatenten machen" heißt soviel wie Unsinn, Unfug oder
Umständlichkeiten machen. Das "elektronische Klassenzimmer" der
Deutschen Welle bietet folgende etymologische Erklärungsversuche:

Erste Möglichkeit: Aus dem 15. Jahrhundert von visae patentes literae,
kurz visepatentes, ein umständlich zu erlangendes Patent.

Zweite Möglichkeit: Aus dem mittelhochdeutschen Wort visamente, das
Zierrat oder Ornament bedeutet.

Dritte Möglichkeit: Volkstümliche Deutung: Von "Visitez ma tente"
("Besuchen Sie mein Zelt") als Einladung napoleonischer Offiziere an
deutsche Mädchen.

Vierte Möglichkeit: Volkstümliche Deutung: Von der Ausrede verspäteter
Passanten gegenüber napoleonischen Straßenkontrollen "Je viens de
visiter ma tante." ("Ich habe gerade meine Tante besucht.")

<http://www.dwelle.de/dpradio/bildung/alltagsdeutsch/archiv/Allt1299.html>


50. Woher kommt das Wort "Zigeuner"?

"Secanen nannten sich selber die Nachkommen jener nordwestindischen
Volksgruppe, die, seit sechshundert Jahren auf der Flucht, um 1500 in
Mitteleuropa eintrafen. Andere bezeichneten sie irrtümlich als Egypter
- ein Name, der schließlich das englische gypsy, das spanische gitano,
das französische gitan hergab. Den Namen Secanen hatten sie vom Balkan
mitgebracht. Das gleiche Wort ('tsigan') bürgerte sich in vielen
osteuropäischen Sprachen ein, aber auch im Französischen (tzigane) und
im Portugiesischen (cigano). Jedesmal paßte es sich dabei den Laut-
und Schreibregeln der Landessprache an; im Deutschen ergab es
Zigeuner. Woher 'tsigan' stammte und was es bedeutete, ist unbekannt.
Die gängigste Erklärung leitet es aus dem byzantinischen Griechisch
ab: ath'inganoi oder dann ts'inganoi wurden die unberührbaren Anhänger
einer phrygischen Ketzersekte genannt, und vermutlich wurde das Wort
von ihr auf die rätselhaften Islam-Flüchtlinge aus Kleinasien
übertragen. Es war jedenfalls kein Schmähwort. Seine Abschaffung macht
frühere Schmähungen nicht ungeschehen und verhindert keine für die
Zukunft."
(Dieter E. Zimmer in der "Zeit")

Wer politisch korrekt "Sinti und Roma" sagt, schließt alle anderen
Volksgruppen der Zigeuner aus. Im Singular heißt es übrigens "ein
Sinto" und "ein Rom". Die weiblichen Formen sind "Sintiza" und
"Romni".


51. Was ist ein "Fuzzi"?

Mit "Fuzzi", genauer "Fuzzy", bezeichnet man ursprünglich einen
kleinwüchsigen Mann auf etwas abschätzige Weise. "Fuzzy" ist eine
komisch-kauzige Westernfigur mit wucherndem Vollbart, die in den
dreißiger und vierziger Jahren von dem Schauspieler Al St. John in
etwa hundert US-Billig-Western verkörpert wurde. Im deutschen
Fernsehen liefen diese Filme in der Reihe "Western von gestern".
"Fuzzy" deutsch ausgesprochen ergab den heute üblichen "Fuzzi". Auf
englisch bedeutet "fuzzy" so viel wie "flaumig, kraus, wuschelig".


52. Heißt es "Pogrom" oder "Progrom"?

Das Wort Pogrom kommt aus dem Russischen und bezeichnet auch dort
gewaltsame Ausschreitungen gegenüber ethnischen oder religiösen
Minderheiten. "Progrom" ist ebenso falsch wie häufig - vermutlich
verleitet die gängige lateinische Vorsilbe "pro-" zu diesem
Fehler.


53. Warum hört man heute meist "Reichspogromnacht" statt
"Reichskristallnacht"?

In der Nacht vom 9. auf 10. November 1938 kam es in Deutschland und
Österreich zu schweren Pogromen gegen Juden und jüdische
Einrichtungen. Heutige Quellen berichten von bis zu 400 Menschen, die
im Verlauf der Ausschreitungen umgebracht wurden. Die Propaganda der
Nationalsozialisten hat den Begriff "Reichskristallnacht" nie
gebraucht, die Nazis selbst sprachen unmittelbar danach von einer
"Judenaktion", einer "Vergeltungsaktion" oder von
"Protestkundgebungen" - sie legten großen Wert darauf, dass die
Ausschreitungen nicht staatlich organisiert worden seien, sondern im
aufgebrachten Volk ihren Ursprung gehabt hätten. Welchen Anteil
Befehle von oben und straff organisierte SA-Trupps an den Verbrechen
jener Nacht hatten, ist regional unterschiedlich und in der
historischen Diskussion noch umstritten. In der Rückschau der
offiziellen Propaganda folgender Jahre wurden die Pogrome jedenfalls
totgeschwiegen.

In Westdeutschland bürgerte sich spätestens nach Kriegsende der Name
"Reichskristallnacht" für die Ereignisse jener Nacht ein. Diese
volkstümliche Bezeichnung nimmt ironisch die offiziöse Titelsucht der
Nazis aufs Korn, ähnlich wie bei den Spottnamen der
"Reichswasserleiche" (die auf tragisch-melodramatische Rollen
spezialisierte Schauspielerin Kristina Söderbaum) oder der
"Reichsklavier-Großmutter" (die Pianistin Elly Ney).

Seit Mitte der achtziger Jahre wird die Bezeichnung "Kristallnacht"
immer seltener im offiziellen Kontext gebraucht, distanzierend wurde
eine Zeitlang von der "sogenannten Reichskristallnacht" gesprochen, da
der verharmlosende Spottname den Opfern der Pogrome nicht gerecht
werde. Schließlich, so der Einwand, sei in dieser Nacht nicht nur
Kristall zu Bruch gegangen, sondern Menschen zu Tode gekommen.
Zusehends findet sich seither im Gebrauch von Medien und Politik die
Bezeichnung "Reichspogromnacht".

Während einerseits damit die Natur der Ausschreitungen als Pogrom
besser getroffen wird, erweckt die offiziell klingende Bezeichnung
andererseits den falschen Eindruck einer historischen Benennung durch
die Nazis selbst. Darum verwenden manche Schreiber lieber den Begriff
"Novemberpogrom".


54. Was heißt "etwas ist in trockenen Tüchern"?

Verträge oder Geschäfte sind "in trockenen Tüchern", wenn sie nach
langen Verhandlungen endlich abgeschlossen werden. "Unter Dach und
Fach sein" kann man synonym verwenden. Der Ausdruck "in trockenen
Tüchern sein" ist erst seit 1981 belegt. Möglicherweise liegt die
Vorstellung eines gewickelten Babys zugrunde. Genaueres ist aber
(noch) nicht bekannt

(Vgl. J. Seifert 1998, "In trockenen Tüchern", in: Der Sprachdienst,
42 Jg., S. 214-218)


55. Woher kommt der Begriff "Handy"?

Ja, der Begriff "Handy" ist eine deutsche Erfindung, so wie der Twen,
der Dressman und der Slip. Nein, die Engländer sagen nicht "Handy",
sondern "mobile phone" oder "cell(ular) phone". Nein, auch sonst sagt
niemand "Handy"; in Italien heißen die Dinger "telefonino", in
Frankreich "mobilophone". Ja, man kann auch in Deutschland
"Mobiltelefon" sagen. Ja, wir kennen den Witz, dass die Handys eine
schwäbische Erfindung sind ("Hänn die koi Schnur?").

(Vgl. auch <http://www.u32.de/handy.htm>)


56. Gibt es in Deutschland wirklich einen Ort namens "Fucking"?

Nicht in Deutschland, aber in Österreich. Fucking liegt in
Oberösterreich, ein unscheinbares Bauerndorf, dessen Ortsverwaltung
damit geplagt ist, dass Touristen permanent die Ortsschilder
abschrauben und als Souvenir mitnehmen. Bilder als Beleg findet man
unter: <http://www.fucking.at>, keine Sorge, diese Seite ist
jugendfrei!

Daneben gibt es im deutschen Sprachraum eine Reihe von weiteren
Ortsnamen, die komische Bedeutung haben, von Sixtnitgern bei
Odelzhausen in Bayern bis Schieten bei Solingen in
Nordrhein-Westfalen.

Teil F Rechtschreibung und Rechtschreibreform


57. Ist die Rechtschreibreform sinnvoll?

Ja. Nein. (Unzutreffendes bitte streichen) Die vollständige Liste mit
den neuen Rechtschreibregeln ist unter <http://www.duden.de>
erhältlich, die "amtlichen Regeln" zur Rechtschreibung stehen auf der
Seite des Instituts für Deutsche Sprache unter
<http://www.ids-mannheim.de/reform/>.


58. Muss ich nach neuer Rechtschreibung schreiben?

Die neue Rechtschreibung ist nur für die Schule und für Behörden
verbindlich. Im Übrigen gilt: Rechtschreibfehler sind (noch) nicht
strafbar.


59. Ist der Duden verbindlich?

Im Prinzip ja. Der Duden ist das am weitesten verbreitete deutsche
Wörterbuch. Allerdings ist umstritten, ob der Duden auch das beste
deutsche Wörterbuch ist. Und manchmal liegt er definitiv daneben.


60. Darf man alles klein schreiben?

Man darf nicht, und man soll nicht. Es ist auch wenig sinnvoll, da die
differenzierte Groß- und Kleinschreibung das Lesen erheblich
erleichtert und beschleunigt. "Die großgeschriebenen Substantive sind
die Leuchttürme über dem Satz, und der Satz kann sie brauchen - um so
dringender, je schlimmer er verschachtelt ist." (Wolf Schneider)


61. Darf man ein Binnen-I (Majuskel-I) verwenden?

Das Binnen-I ist eine Erfindung der "tageszeitung" (taz), um bei
Berufs- und Gattungsbezeichnungen männlichen Genus' anzudeuten, dass
auch Frauen gemeint sind; z.B. "LeserInnen" für "Leserinnen und Leser"
bzw. für männliche und weibliche Leser. Seit Mitte der achtziger Jahre
hat sich das Binnen-I in links-alternativen Kreisen verbreitet, was
z.T. groteske Züge angenommen hat, etwa beim "KinderInnengarten" oder
den "MitgliederInnen".

Der Vorteil des Binnen-I gegenüber anderen Konstrukten wie
"Leser/-innen" oder "Leser(innen)" oder "Leserinnen und Leser" liegt
in der Kürze.

Nachteilig ist dagegen, dass man Wörter, die das Binnen-I enthalten,
nur schwer laut aussprechen kann (Leser(<pause>)innen) und das
Binnen-I den Lesefluss stören kann. Weder die alte noch die neue
Rechtschreibung lassen das Binnen-I zu. Korrekt ist die Schreibweise
"Leser(innen)". Man kann auch den ganz altmodischen Standpunkt
vertreten, dass sich Gattungsbezeichnungen unabhängig von ihrem Genus
auf beide Geschlechter erstrecken. Dann ist das Binnen-I überflüssig,
weil es die mitbezeichneten Frauen doppelt moppelt. (Vgl. auch Frage
5).


62. Was ist das "ß"? Ist es sinnvoll?

Das "ß" heißt Eszett (s-z), so wie die Schokoladetäfelchen, oder auch
"scharfes s". Ursprünglich war es ein Verbundbuchstabe (Ligatur) in
gebrochenen Schriftsätzen (wie der Fraktur) oder der Antiqua. Den
vorderen Teil bildet das lange "s", das wie ein "f" ohne Querstrich
aussieht. Ob der zweite Teil des "ß" vom runden Schluss-"s" oder vom
Schluss-"z" herstammt, ist umstritten.

Befürworter des "ß" betonen, es verbessere die Lesbarkeit eines
Textes, weil es - im Gegensatz zum "ss" - auch eine Oberlänge hat.
Auch erhöhe es die Verständlichkeit und Eindeutigkeit in Bedeutung und
Aussprache (Als Gegenbeispiel für Zweideutigkeiten ohne "ß" wird gerne
der Satz "Er trinkt Alkohol in Massen." angeführt).

Die Gegner des "ß" - darunter die Brüder Grimm - weisen darauf hin,
dass es das "ß" in keiner anderen Sprache gibt und der Verzicht die
internationale Verständigung erleichtern würde. Bei der Umwandlung von
Klein- in Großbuchstaben und zurück kommt es beim "ß" zu
Informationsverlusten, weil es nicht als eigener Großbuchstabe
definiert ist. Die Schweizer haben das "ß" abgeschafft und leben
trotzdem.


63. Welche Rechtschreibfehler finden sich besonders häufig?

"Das" und "dass" verwechselt man gern. Die einfache Merkregel bei
Nebensätzen: Wenn man statt "das" auch "welcher" sagen könnte ("Das
Haus, welches ich meine" statt "Das Haus, das ich meine"), dann
schreibt man "das" mit einfachem "s".

Den Standard schreiben leider viele als "Standart", den Stegreif als
"Stehgreif". Beim Stegreif hilft einem die Erklärung des Worts
vielleicht auf die Sprünge: Ein Steg-Reif oder Steg-Reifen ist die
alte Bezeichnung für den Steigbügel; wer aus dem Stegreif etwas
erledigen muss, der steht noch in den Steigbügeln, ist also nicht
einmal vom Pferd abgestiegen und hatte dementsprechend keine
Gelegenheit, sich vorzubereiten.

Das Rückgrat leitet sich vom Grat ab (wie der beim Grillen beliebte
Halsgrat), nicht vom Grad, nicht vom Rad und auch nicht vom Rat.

Ein alter Merkvers weiß: Wer nämlich mit h schreibt ("nähmlich"), ist
dämlich! Auch wäre es schön, wenn man endlich kein "währe" mehr lesen
müsste und die "Maschiene" (statt der Maschine) und die "Blondiene"
(statt der Blondine) im Voraus (nicht im "Vorraus") richtig
geschrieben würden.

"Immernoch" (eine Gegend in Schottland?) wird immer noch (auch nach
neuer Rechtschreibung) getrennt geschrieben, genau wie noch einmal
(nicht: "nocheinmal").

Teil G Aussprache


64. Wie spricht man die Endung -ig (König) korrekt aus?

Wie man will, das ist von Region zu Region unterschiedlich. Es gibt im
Deutschen grundsätzlich keine verbindliche Aussprache. Bücher, die die
deutsche Aussprache festlegen (Siebs), sind nur für die Bühne
allgemeingültig. Auf der Bühne sagt man also "Könich", in Bayern
besser nicht.


65. Wo kann ich korrekte deutsche Aussprache lernen?

Auf einer Schauspielschule, mit Hilfe des Buchs über Bühnensprache von
Herrn Siebs oder im Studiengang "Sprechwissenschaft" der Universität
Halle (<http://www.sprechwiss.uni-halle.de>). Wer sich an
überregionaler Lautung orientieren will, kann auch zum
"Aussprachewörterbuch" aus der Duden-Reihe (Band 6) greifen.

Im Gegensatz etwa zu Großbritannien sind weder die Fernsehnachrichten
noch das Staatsoberhaupt ein Maßstab für gute Aussprache. Die
ARD-"Tagesschau", die aus Hamburg gesendet wird, hat ein Faible für
norddeutsche Sprecher. Die Aussprache des Staatsoberhauptes ändert
sich mit den Personen, die dieses Amt bekleiden.

Teil H Besonderheiten in de.etc.sprache.deutsch, Akronyme


66. Kann ich auch in de.etc.sprache.deutsch schreiben,
wenn ich selbst nicht gut Deutsch kann?

Ja. Solange die anderen Teilnehmer verstehen, was gemeint ist, gibt es
keine Probleme. Die Fragen finden eigentlich immer eine Antwort, und
Fehler werden gelegentlich verbessert, entweder auf Wunsch des
Fragenden oder einfach so. Aber bis jetzt eigentlich immer in
freundlichem Ton.

Falls jemand gar kein Deutsch kann, um eine Frage oder Stellungnahme
zu formulieren, findet sich in der Regel auch ein
Diskussionsteilnehmer, der auf Englisch antwortet. Wer in
news:de.etc.sprache.deutsch keine Antwort auf seine Fragen findet,
kann sein Glück auch in news:alt.usage.german versuchen.


67. Was bedeuten diese komischen Abkürzungen (Akronyme) in
de.etc.sprache.deutsch?

ARS: Alte Rechtschreibung
BRaZ: Beste Rechtschreibreform aller Zeiten
(abfällig-ironisch für RSR)
DaF: Deutsch als Fremdsprache
desd: news:de.etc.sprache.deutsch
ENGE: Einer Notdurft gehorchend, Entschuldigung
(vgl. SCNR)
EUSE: Euer untrügliches Sprachempfinden
GABELNF: Gruppe, Area, Brett, Echo, List, Newsgroup,
Forum des Usenet
MUSEN: Meinem unmaßgeblichen Sprachempfinden nach
NRS: Neue Rechtschreibung
PPA: Partizip Präsens Aktiv (z.B. gehend)
RS: Rechtschreibung
RSR: Rechtschreibreform
SAHARA: Sammlung häufig registrierter Anfragen (= FAQ)
WIMRE: Wenn ich mich recht erinnere
(= If I remember correctly, IIRC)
WWG: wieder was gelernt

Ansonsten werden alle Akronyme verwendet, die auch anderswo im Usenet
gebräuchlich sind (IMHO, SCNR usw.).

Immer wieder tauchen auch die Namen von Schriftstellern in abgekürzter
Form auf:

ASch Arno Schmid
FHO Fritz von Herzmanovsky-Orlando
FHT Fritz von Herzmanovsky-Orlando in den von
Friedrich Torberg bearbeiteten und herausgegebenen
Werken
FT Friedrich Torberg
HvD Heimito von Doderer
KT Kurt Tucholsky


68. Was ist ein "Borealgermanismus"?

Für Wendungen, die nur im Norden des deutschen Sprachraumes
beheimatet sind, hat sich in der Gruppe die Bezeichnung
"Borealgermanismus" eingebürgert. Daneben gibt es den "Helvetismus"
und den "Austriazismus", das umfasst Begriffe, die man nur in der
Schweiz oder Österreich so verwendet. Schließlich verwendet man die
Bezeichnung "Binnengermanismus", die (amts-) deutsche Begriffe
abdeckt, die nur in der Bundesrepublik Deutschland in Gebrauch sind.


69. Was soll diese Liste überhaupt?

Zugegeben, es gibt bereits eine sehr umfangreiche FAQL, die Ralph
Babel verfasst hat. Im Web <http://faql.de> wird sie weiter
aktualisiert.

Das Dokument ist allerdings urheberrechtlich geschützt, und der Autor
erlaubt die Verwertung und Verbreitung nur nach Maßgabe des UrhG.
Außerdem wird die Babel-FAQL nicht mehr direkt in desd
veröffentlicht.


70. Gibt es besondere Regeln in de.etc.sprache.deutsch?

Nein. Der Umgangston in diesem Forum ist aber um einiges freundlicher
und höflicher als in anderen Gruppen. Deshalb sollte man sich etwas
zurückhalten, wenn man aus anderen Foren kommt, wo es ruppiger zugeht.


71. Hier gibt es zuviel zu lesen. Könnte man das Forum nicht
teilen?

Man könnte, aber die Mehrheit der Teilnehmer hat das bis jetzt immer
abgelehnt. Die meisten Leser finden es spannend und abwechslungsreich,
Diskussionen zu verschiedenen Aspekten der deutschen Sprache in einem
Forum zu verfolgen.


72. Gibt es eine Liste interessanter Verweise für das WWW (Links)?

Ja, die gibt es. Wolfram Meyer-von Gagern hat sie zusammengestellt und
veröffentlicht sie regelmäßig in desd. Die Verweise finden sich im WWW
unter <http://www.gagern.info>, wo auch diese Fragen-Sammlung zu
finden ist.
Ralph Babel hat einige interessante WWW-Quellen für desd auf der
Seite <http://faql.de> gesammelt.

Die SAHARA steht im WWW (noch) unter <http://www.schweinebildchen.de>.


73. Was bedeutet es, wenn jemand nach Popcorn oder gar Popcornf
ruft?

Manche provozierenden Fragen und Diskussionen tauchen in regelmäßigen
Abständen in diesem Forum auf: Jemand klagt etwa, dass die deutsche
Sprache in einem Meer von Anglizismen untergehe (vgl. Frage 43), oder
ein Schüler will seine Hausaufgaben erledigt haben (vgl. Frage 74).
Die Reaktionen sind für erfahrene Teilnehmer vorhersehbar; darum
nehmen sie symbolisch auf einer gepolsterten Bank Platz und kramen
ebenso symbolisch Popcorn heraus, um die sarkastischen Reaktionen in
aller Gemütlichkeit zu betrachten, genau wie im Kino. Andere Leute
setzen sich dazu, bringen Cola, Eiscreme und Chips mit, und so
amüsiert man sich.

Eine Steigerung findet der Spaß mittlerweile durch den Ruf nach
"Popcornf". Das wäre nämlich das siebte Wort auf "-nf". (Vgl. Frage
37)


74. Wer hilft mir bei meinen Deutsch-Hausaufgaben?

In news:de.etc.sprache.deutsch kaum jemand. Konkrete Fragen werden in
der Regel beantwortet, allgemeine Anfragen im Stile von "Was muss ich
in meiner Hausarbeit zu Goethes Faust schreiben?" hingegen weniger.
Beim Schurigeln von Schülern mit derartigen Anfragen wird der
Umgangston auch schnell ruppiger als sonst in diesem Forum. Außerdem
lesen viele Deutschlehrer mit, und man kann nie wissen, ob der eigene
darunter ist ...

Anfragen zu Literatur und Bitten um Buchzusammenfassungen bzw.
-interpretationen sind jedenfalls besser in news:de.rec.buecher
aufgehoben.


Dank an Jürgen Amrhein, Ralf Arning, Barbara Aselmeier, Thomas
Bliesener, Børge Bomark, Martin Braun, Wolf Busch, Oliver Cromm,
David Dahlberg, Mirko Driller, Martin Eberle, Karl Eichwalder, Michael
Erskine, Gerald Fix, Markus Gail, Oliver Gassner, Martin Gerdes, Bernd
Gramlich, Mathias Hiller, Martin Hensel, Werner Icking, Fritz Jörn,
Andreas Karrer, Sven Kaiser, Thomas "Theo" Kiaupat, Walter Koch,
Christina Kunze, Uwe Köther, Matthias Kranz, Julian Ladisch, Heinz
Lohmann, João Luiz da Costa, Wolfram Meyer-von Gagern, Martin Müller,
Thomas Müller-Bardey, Christoph von Nathusius, Matthias Opatz, Joachim
Pense, Michael Prónay, Peter Ringeisen, Helmut Richter, Florian
Ritter, Andreas Roeschies, Manfred Russ, Holger Sawierucha, Thomas
Schenk, Uwe Schickedanz, Roland Schmitt-Hartmann, Wolfgang Schwanke,
Jan Seifert, Andreas Seybold, Wolfram Steinacker, René Steiner,
Matthias Warkus, Ulrich von Welck, Christian Wetzel und Zippo
Zimmermann für ihre Hinweise.

Korrekturen, Erweiterungen und Anregungen sind willkommen.
Bitte per E-Mail an Jörg Digmayer (joerg.d...@gmx.de).

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