Rüdiger Silberer <
Use...@silberer.net>:
> Man kann verschiedener Meinung sein, ob es richtig ist Diskussionen über
> ein Thema zu verbieten. Ich bin da eher anderer Ansicht. Aber gewisse
> Parallelen sind schon zu erkennen.
>
> Und bevor ich auch noch mit der Gleichsetzung von "Klimaleugner" und
> "Holocaustleugner" überzogen werde, erkläre ich, daß ich keineswegs am
> Holocaust zweifele, nicht im geringsten.
Es wird vielleicht hilfreich sein können, im Sinne der Gangbarkeit die
Furchen von Hirnrissigkeit mit Zenons Paradox ein wenig aufzuglätten.
(als "Pfeil-Paradoxon" siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Pfeil-Paradoxon)
Für Zeitgenossen von steinzeitaltertümlichem Zuschnitt, die viel zu rasch
und zu unbedarft zu erkenntnistheoretischem Vermächtnis und Reichtum
gekommen sind, kann das Paradox, dass der Stein, den man auf ein Ziel wirft,
per strikt linear aufgefädelter Logik nie ankommt, ein Hinweis sein, dass
sich gelegentlich lohnt, den Kopf ein wenig einzuziehen, wenn man denn schon
nichts hinzulernen will, weil wg. dem Zählen von Geld oder von strammem
Erkenntnisbeton o.ä. der Horizont mit Selbstgefälligkeit usw. zugewuchert
ist.
Das Paradox lehrt, dass in manchen Fällen gedankliche Positionen leerlaufen,
gleich, ob sie als belastbar bekannt sind, und erst wieder greifen, wenn als
Korrektiv eine Ausweitung der Positionen, mit vergrößertem Gesichtskreis,
auf die Sprünge hilft.
Das Steinzeitpersonal überlässt solche Details dann lieber den gekauften
dienstbaren Geistern von der etwas solideren Erkenntnisfraktion, schon gar
in gesellschaftlichen Zusammenhängen, wo das Zählen von Geld oder strammem
Erkenntnisbeton als so immens wichtiger gilt, als der Nachvollzug der
einfachen Ordnung der Dinge dieser Welt im Geiste.
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Wenn dies legistisch mit Sanktionen garniert wird, im Fall des konkreten
Gedenkens daran, wo ein wildgelaufener Hurrapatriotismus immensen Schaden
angerichtet hat, dann wird das betreffend tonangebende Steinzeitpersonal
sich wohl unter seinesgleichen wähnen, dass es nicht eine Verschiebung des
Horizonts der Einsichten in den Bereich des Möglichen rücken mag.
So muss man dem Steinzeitpersonal, das einen verflossenen Ablauf der
Menschenistorie auch mehrere Generationen danach immer noch als statischen
Befund apostrophieren möchte, vielleicht selbst einmal auf die Finger
schauen. Man wird sehen können, dass die Festschreibung eines bornierten
Horizonts schlauerweise wiederum genau in deren Interesse ist, womit auch
korreliert, die Aufklärung nicht im kognitiven Sinn mit Blick auf
gesellschaftliche Abhängigkeiten zu betreiben: welches waren (und sind) die
Kapitalströme, für welche Investitionen, für welche Einflussnahmen? Wessen
Interessenslagen werden von welchen Parteien am rücksichtslosesten Deckung
erhalten?
Mit Klarheit vor solchem Hintergrund wären erlittene Traumatisierungen
einige wenige Generationen später ja wohl wenigstens soweit stabil in die
Spur zu bringen, dass ein Verbot von Verstandestätigkeit nurmehr skurril
wirken sollte, diesseits von sowieso sanktionierbarerer Beleidigung und von
haltloser Unterstellung mit Aufstachelung zum Unfrieden, im internationalen
Zusammenhang.
Aber nein, die kognitive Substanz ist auch hier dem Steinzeitpersonal
zuwider, das geht so weit, dass weniger die Klarheit der Darstellungen eine
Chance hat, als nur immer wieder mal ein neuer Aufguss von Ressentiments,
was im Lauf von Jahrzehnten die Richtung von Mythenbildungen einschlägt,
Salto rückwärts zur strammen Positionierung hinein in den bereits mit viel
Hingabe und zur guten Gewinnaussicht gepflegten Schmodder von Ressentiments,
innerhalb der Themenpaletten der Unterhaltungsgiganten.
Und da wird dem Diskurs die Order per Mufti erteilt, was für die erste
Generation sinnigerweise entschärfend durchgehen darf, aber hernach
tätschelt so nun das eine Steinzeitpersonal das andere ebensolche, das eine,
das beim Zählen von Geld und von Erkenntnisbeton nicht gestört sein will,
das andere, das an seinen Hurras im stupiden Patriotismus offenbar gezielt
festhalten soll, mit dem kleinen Anstandspflaster der legistischen Nennung
einer zufälligen Schmerzvokabel.
Und dann gibt es tatsächlich Oberwurschteln, die solche Szenerie, für sich
genommen als Armutszeugnis bereits hirnverbrannt - weil im Verlauf von
Jahrzehnten zunehmend nurmehr Unwillen kaschierend -, gleich noch in
Richtung anderer gedanklicher Felder des thematischen Diskurses ausweiten
wollen? Wg. Praktikabiliät des Diktatorischen?
Das Beispiel mit dem Paradox des Zenon zeigt, dass beim Blick alleine auf
Chauvinismus dann der Einblick in den Zustand des Faktischen verstellt wird,
wie dies ja ebenso vom Zusammenleben der Völker geprägt ist. Ach ja. Die
Exekutive will wieder Krieg (in .de zwar in Verfassungsrang verboten, das
schert immer weniger): Hurra! lautet so die Parole der Exekutive.
Wer gedanklich die Dinge auf die Reihe bringen will, wird als "linksextrem"
schikaniert (oder als "antifa"), weil, die Frage nach emanzipatorischen
Dimensionen stört immens die Gier nach dem Suhlen in Unterwerfung und
Kadavergehorsam, die sich vorzeitig selbst faschistisch nannte. Im Westen
somit nichts neues. Schon garnicht Klarheit als Grundlage zur Einsicht.
Das Steinzeitpersonal sieht den Stein auf sein Ziel zufliegen und ist (nach
der von Zenon in einem treffenden Punkt karikierten Steinzeitansicht)
offenbar wirklich felsenfest überzeugt, dass der Stein ewig weiterfliegt und
sein Ziel nie erreicht. So schaut Erkenntnisverweigerung aus. Klärung ist
unerwünscht.
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Wohl lässt sich jener gedankliche Fortgang auch zu Fragen nach dem Zustand
des Planeten belasten. Unproduktiv und hirnverbrannt auch hier erstmal die
Zuspitzung auf eine Reizvokabel (wie es nebenan auch eine andere Klientel
mit "Kreationisten? ja! oder nein!?" so betreibt).
Damit kann keine Erkenntnis betrieben werden, nur Ausschluss und
Machterhalt. Wer sich aber nun erkundigen will, der wird sofort darüber
stolpern, dass die Fraktion der Leugner von menschengemachtem Klimawandel
irre reiche Onkels haben, was dem Fortschritt von gedanklichem Fortschritt
kaum geradeaus auf die Sprünge helfen wird, als da solche reichen Onkels
zuerst mal ihre eigenen Interessen haben.
Als zweites hilft die Zuspitzung nicht bei der Abwägung, in welche Richtung
es unerlässlich ist, seinen gedanklichen Horizont zu öffnen, sobald die bis
dahin applizierte Logik nurmehr Schlüsse zulässt, die sich selbst in den
Schwanz beißen. Schon alleine die Kasernierung von menschheitsrelevanten
Fragen selbst, in den hierzu völlig ungeeigneten Käfig einer kurzen
Schlagfertigkeit im Gewand von zweiwertiger Logik, ist schon ein absurdes
Schauspiel für sich, als da es, wie der Ansatz nahelegt, nur einem
Scheißspiel von Leugnern jeglicher Dynamik freundlich entgegenkommt.
Wer Antworten will, braucht den Spielraum zur Abklärung von Paradigmen, zur
ungewohnten Klassifizierung in irren Dimensionen, braucht das wie die Luft
zum Atmen, so etwas findet sich nicht in einem TINA-Kasperltheater.
Und letzteres, das tragische TINA-Theater als Verkleidung von finaler
Ausbeutung jeglichen Zuschnitts (mit der Formel bringen die Macher ihre
diktatorischen Absichten selbst auf den Punkt), kompromittiert als Karussel,
das mit jeder Umdrehung Tempo zulegt, alle relevante Gedankenfindung zur
Beschaffenheit der materiellen Substanz, weil die Frage dadurch nicht die
ist, wie kalt oder wie warm es ist, sondern vielmehr, wie sich die Aussicht
auf Kälte oder Hitze vorab schon in klingende Münze übersetzen lässt.
Hinwiederum wird man beim Zusammentragen und rudimentären Einsortieren
einfacher Fakten nicht umhin kommen, die nunmehrige Präsenz des Menschen als
die einer rücksichtslos wütenden Drecksau zu konstatieren, mit absehbar
trüben Konsequenzen für weiteres Leben auf dem Planeten.
Analog geht die Frage kaum um die genauere Taxierung der Drecksau, nein, da
regiert vielmehr (derzeit noch) die biederst denkbare protestantische Ethik,
mit Umlenkung der trüben Aussichten auf die ganz andere gedankliche Mühle,
die man 500 Jahre lang eintrainiert hat, ob eigene Rechtschaffenheit wohl
durch unerschöpfliche Regsamkeit sich weiterhin uminterpretieren lässt, zum
Lobgesang, den man sich als ewige Melodie glücklichen Schwelgens imaginiert.
Mehr Realität ist da nicht, auch dann nicht, wenn zugleich mit dem Singsang
schon klar absehbar sein sollte, dass auf dem Planeten für höhere Lebewesen
künftig kein Ort mehr sein sollte.
In solchen Blickwinkeln ist das in etwa die gleiche steinzeitliche Leier,
die Zenon karikiert, der Stein fliegt auf sein Ziel zu, aber er fliegt immer
weiter und kommt nie an, wenn die Hirntätigkeit nicht hinreicht zur
Ermunterung, den Blick soweit anzuheben, um angemessenere Modelle zur
Betrachtung zu wählen.
Die Frage, ob es dann-oder-dann um so-oder-so-viel Grad wärmer ist, hat mit
angemessenen Modellen wenig zu tun. Das ist die Reduktion der anstehenden
Fragestellungen für die Allerborniertesten von besagtem Steinzeitpersonal,
dass man vielleicht doch aus der Selbstzufriedenheit beim Zählen von Geld
und von Erkenntnisbeton einmal einen Blick riskierte, sodass vielleicht auch
einmal etwas anderes zu sehen ist, als immer nur die Widerspiegelung
vormaliger Projektionen.
Bei Zenons Paradox war der Blick mit zutreffender Stringenz erst gegeben mit
Eröffnung einer Art von Logik, die eine Infinitesimalrechnung erlaubt.
Das Dilemma mit obigen Positionen besteht darin, dass in einem Karussel von
nur machtpolitischem Kalkül als final zutreffende Wahrheit gehandelt wird,
was als Erkenntnis gerade opportun ist und faktische Unsicherheit wird als
Scharadenspiel umgemünzt, so einträglich wie möglich.
Das läuft auf das folgenschwere Hantieren mit brüchigen und unsauberen
Vorgaben global und als Dauerzustand hinaus. Solche Überheblichkeit, allzu
billig eingekaufte Selbsgewissheit, ist teuer. Wahrscheinlich ist sie zu
teuer.