Am Dienstag, 5. Juni 2018 16:31:23 UTC+2 schrieb
Ulf.K...@web.de:
> Am Dienstag, 5. Juni 2018 16:21:32 UTC+2 schrieb Ralf Joerres:
> > Am Dienstag, 5. Juni 2018 10:04:32 UTC+2 schrieb Detlef Meißner:
>
> > > Umgangssprachenmäßig müsste es ja "auf" heißen.
> >
> > Tut's in meiner Gegend auch.
> >
> > Zur Sache: 'auf'/'zu' sind Adverbien, heutzutage vornehmlich Präpositio-
> > nen; 'offen'/'geschlossen' sind Adjektive. Das bringt bestimmte Gebrauchs-
> > beschränkungen mit sich. Erstere können nicht (so gut) attributiv gebraucht
> > werden, wobei eine 'zue Tür' für mich noch lange nicht so falsch ist wie
>
> eine 'zuene'. Verzeichnung.
>
> > eine 'aufe'.
>
> Eine der ersten Beanstandungen in der Literatur
> betraf ein 'abbes Bein'.
>
> > Interessanterweise gibt es die schöne Zwitterkonstruktion
> > 'die Bank hat noch nicht auf / hat noch nicht geöffnet', zu dem manche
> > Deutschlehrer alten Schlags meiner Einschätzung irgendetwas zwischen 'das
> > ist kein gutes Deutsch' und 'das ist kein Deutsch' gesagt haben würden.
> > Umgangssprachlich eingeführt ist das aber längst (wobei 'aufhaben' auch
> > 'Schulla aufhaben'
>
> Auch das ist erklärungsbedürftig.
? > 'Schularbeiten' = 'Hausaufgaben aufhaben', etwas 'aufhaben' (Wir haben
heute nix auf(bekommen)).
Man kann btw auch den Kaffee aufhaben.
> > bedeuten konnte - keene Ahnung, was die Kids heute dazu
> > sagen). Auf/zu sind qua Adverbien auch Verbpräfixe, aber es gibt analoge
> > Konstruktionen auch mit offen/geschlossen: Halt dich gefälligst geschlossen,
> > etwas offenlegen usw.
> >
> > Ob 'die Tür ist auf' / 'ist offen' dasselbe bedeuten? Regional
> > wahrscheinlich nicht. 'Die Tür steht auf' / stand offen'; 'ich lass die
> > Tür auf' / 'ich lass sie offen': 'offen stehen' oder 'unverschlossen'?
> > 'Ich lass sie geöffnet' ist jedenfalls 'offen stehen'.
> >
> > Ihr steht die ganze Welt offen: 'auf' geht hier nicht.
>
> Andererseits: *Mach die Tür offen!
Ja, schon gehört, aber jetzt schon lange nicht mehr.
> > Andererseits kann
> > jemand sich 'aufgeschlossen' zeigen, nicht 'offen geschlossen', denn es
> > heißt 'auf- und wieder zuschließen'.
>
> Eben. Vgl. 'Ihr sagt auf/offen, was Ihr gelernt habt.'
In 'auf-sagen' ist das ein anderes 'auf', steht assoziativ in Verbindung
mit 'aufzählen', 'aufführen' usw.
> > Wieder andersrum kann jemand 'offen-
> > herzig' sein.
>
> Etwas kann offenkundig, etwas anderes auflandig sein.
>
> > Ich denke im Vorbeigehen: 'auf' bezeichnet auch den Prozess - aufschließen,
> > aufbrechen, aufdröseln... 'Offen' ist demgegenüber eher das Ergebnis:
> > 'offener Brief', 'offene Frage', 'offenes Geheimnis'...
> >
> > Das sind nur ein paar Anmerkungen ohne System.
>
> Daß Du hier drei attributive Beispiele bringst, belegt
> wenig außer der attributiven Verwendbarkeit.
In diesen Beispielen: Ja. Es gab bereits andere Beispiele.
Hier gab es 'deren' 6. Was ist 'auf-' in 'aufschließen'? Meine Antwort:
Objektprädikativ (bezieht sich auf die Tür). Was ist 'offen' in
die Frage musste offen bleiben'? > Subjektprädikativ (bezieht sich
auf die Frage). Das könnte Teil der Antwort sein. Es gibt aber eben
auch 'die Tür geht auf', 'auf' hier adverbiale Lokalergänzung...
Ich hatte nur sagen wollen: Die Antwort auf die hier gestellt Frage
ist nicht trivial, es spielen zu viele Faktoren mit.
Grüße: Ralf Joerres