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Wider den Stachel löcken

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Jan Reiter

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Dec 20, 1999, 3:00:00 AM12/20/99
to
Guten Abend ......

Es bedeutet soviel wie "sich gegen etwas auflehnen". Aber woher kommt "wider
den Stachel löcken"? Lustig klingts allemanl.

--- >> Gruuß, JAN

Sent via Deja.com http://www.deja.com/
Before you buy.

Thorsten Nitz

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Dec 20, 1999, 3:00:00 AM12/20/99
to
Jan Reiter schrieb:

> Es bedeutet soviel wie "sich gegen etwas auflehnen". Aber woher kommt "wider
> den Stachel löcken"? Lustig klingts allemanl.

Wer gegen den Stachel leckt, sticht sich in die Zunge. Das ist noch
unangenehmer, als gegen den Strom zu schwimmen oder gegen den Strich zu
bürsten.

--
Tschö, wa!
Thorsten

Wolfram Steinacker

unread,
Dec 20, 1999, 3:00:00 AM12/20/99
to
Thorsten Nitz schrieb:

>
> Wer gegen den Stachel leckt, sticht sich in die Zunge. Das ist noch
> unangenehmer, als gegen den Strom zu schwimmen oder gegen den Strich
> zu bürsten.

Und wer mit dem Stachel leckt, was hat er bloß davon? :-(

Nein, löcken hat weder mit lecken noch locken zu tun.
Vielmehr bedeutet mhd. leichen, löcken, got. laikan = springen, tanzen,
hüpfen. Überliefert ist es lediglich durch Luther (Apostelgeschichte 9,5
-'wie ein Ochse ohnmächtig gegen den Stachelstock anspringen'), aber
auch in Begriffen wie Wetterleuchten (-Wetterleich =Wettertanz,
springendes Wetter) oder frohlocken (froh hüpfen, freudig springen).

nach STORFER

W


Paul Batt

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Dec 21, 1999, 3:00:00 AM12/21/99
to
Jan Reiter <wande...@my-deja.com> schrieb in im Newsbeitrag:
83lkfn$35h$1...@nnrp1.deja.com...
> Guten Abend ......

>
> Es bedeutet soviel wie "sich gegen etwas auflehnen". Aber woher kommt
"wider
> den Stachel löcken"? Lustig klingts allemanl.

Kommt vom Treiben von Stieren oder Ochsen. Dazu wurde ein spitzer Stock, der
Stachel, benutzt. Mit dem Löcken ist das Treten oder allgemein Auflehnen
einzelner Tiere gegen den Stachel gemeint.

-Paul

Tassilo Halbritter

unread,
Dec 21, 1999, 3:00:00 AM12/21/99
to
In article <y5G74.9$0H1.12009@news>, Paul Batt


Dazu paßt auch: Über die Stränge schlagen ...

--

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Christina Kunze

unread,
Dec 21, 1999, 3:00:00 AM12/21/99
to

Wolfram Steinacker schrieb in Nachricht
<385E71A5...@t-online.de>...

>Thorsten Nitz schrieb:
>>
>> Wer gegen den Stachel leckt, sticht sich in die Zunge. Das ist noch
>> unangenehmer, als gegen den Strom zu schwimmen oder gegen den Strich
>> zu bürsten.
>
>Und wer mit dem Stachel leckt, was hat er bloß davon? :-(
>
>Nein, löcken hat weder mit lecken noch locken zu tun.
>Vielmehr bedeutet mhd. leichen, löcken, got. laikan = springen, tanzen,
>hüpfen. Überliefert ist es lediglich durch Luther (Apostelgeschichte
9,5
>-'wie ein Ochse ohnmächtig gegen den Stachelstock anspringen'),

Genau, der Stachel ist nämlich das, womit schon die ollen Griechen ihre
Maultiere angetrieben haben: das kentron.
Und Luther hat da eine griechische Redewendung wörtlich übersetzt, von
der ich allerdings das Verb nicht mehr weiß: pros kentra ... (irgendwas
mit löcken stammverwandtes - Guido, kannste helfen?).

chr

Guido Wojaczek

unread,
Dec 21, 1999, 3:00:00 AM12/21/99
to

Christina Kunze wrote:

> Wolfram Steinacker schrieb in Nachricht
> <385E71A5...@t-online.de>...
> >Thorsten Nitz schrieb:
> >>
> >> Wer gegen den Stachel leckt, sticht sich in die Zunge. Das ist noch
> >> unangenehmer, als gegen den Strom zu schwimmen oder gegen den Strich
> >> zu bürsten.
> >
> >Und wer mit dem Stachel leckt, was hat er bloß davon? :-(
> >
> >Nein, löcken hat weder mit lecken

Doch. s.u. Bis in das 18. Jh. stand in der Lutherschen Bibelübersetzung
'lecken' und nicht 'löcken'.

> noch locken zu tun.
> >Vielmehr bedeutet mhd. leichen, löcken, got. laikan = springen, tanzen,
> >hüpfen. Überliefert ist es lediglich durch Luther (Apostelgeschichte
> 9,5
> >-'wie ein Ochse ohnmächtig gegen den Stachelstock anspringen'),
>
> Genau, der Stachel ist nämlich das, womit schon die ollen Griechen ihre
> Maultiere angetrieben haben: das kentron.
> Und Luther hat da eine griechische Redewendung wörtlich übersetzt, von
> der ich allerdings das Verb nicht mehr weiß: pros kentra ... (irgendwas
> mit löcken stammverwandtes - Guido, kannste helfen?).

Logisch. ;-)
Act 26, 14: prňs kéntra laktízein
'löcken' ist wirklich damit verwandt. Es scheint sich um einen
Sekundär-Gräzismus zu handeln. D. h. 'löcken' stammt von mhd. 'lecken'
(-->frohlocken) ab. Der Stamm findet sich bei schwed. 'lacka', lit. 'lekti',
ai. 'rksála', gr. 'lax'. Erhalten hat es sich bis heute aber nur wegen der
Lutherschen Übersetzung des griechischen Wortes 'laktízein'.

Grüße.

Guido


Thorsten Meinecke

unread,
Dec 22, 1999, 3:00:00 AM12/22/99
to
'guw>' := Guido Wojaczek <guido.w...@split.uni-bamberg.de>

guw> Bis in das 18. Jh. stand in der Lutherschen Bibelübersetzung
guw> 'lecken' und nicht 'löcken'.
guw> Act 26, 14: prňs kéntra laktízein

Und 9,5.

Luther: Es wird dir schwer sein, wider den Stachel zu löcken.
King James: it is hard for thee to kick against the pricks.
Karadzic: Teschko ti je protivu bodila pracati se.

guw> 'löcken' ist wirklich damit verwandt.
[Viel Gelehrtes gelöscht.]

Aber was soll's denn nun bedeuten? War der Stachel das
hakenbewehrte Werkzeug, mit dem Tiere getrieben wurden?

Gruß,
--Thorsten

Wolfram Steinacker

unread,
Dec 22, 1999, 3:00:00 AM12/22/99
to
Thorsten Meinecke schrieb:

>
> Aber was soll's denn nun bedeuten? War der Stachel das
> hakenbewehrte Werkzeug, mit dem Tiere getrieben wurden?

STORFER: Der "Stachel" ist ein Knüttel, der am dickeren Ende mit einem
eisernen Spaten versehen war, der dazu diente, die an die Pflugschar
sich hängende Erde abzukratzen; am dünneren Ende; am dünneren Ende hatte
der Stab eine scharfe Eisenspitze, die man zum Antreiben des trägen
Zugtieres benutzte. <Und jetzt was für unsere Christina, aber wir tragen
vielleicht nur Wasser in die Donau ;-)> [In Ungarn, wo man vorwiegend
mit Ochsen und nicht mit Pferden ackert, hat sich eine Bezeichnung
dieses Stachelstockes erhalten:ösztöke; daraus wird das Zeitwort
ösztökél = aneifern, antreiben, zu etwas bewegen]

Grüße

Wolfram


Reinhard Gonaus

unread,
Dec 22, 1999, 3:00:00 AM12/22/99
to
On Wed, 22 Dec 1999 09:18:19 +0100, Wolfram Steinacker
<Wolfram.S...@t-online.de> wrote:

>(In Ungarn, ...), hat sich eine Bezeichnung


>dieses Stachelstockes erhalten:ösztöke; daraus wird das Zeitwort
>ösztökél = aneifern, antreiben, zu etwas bewegen]
>

anstacheln.

Reinhard
--
Im dichten Nebel
kann ich den Weg nicht finden,
kein Ziel erkennen.

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