Am 22.05.2012, 05:57 Uhr, schrieb Roland Franzius <
roland....@uos.de>:
> Das verpflichtende "mit freundlichen Grüßen" und das
> verschwundene "Sehr geehrtes Fräulein" gehen auf die
> Demokratisierung und die Durchsetzung der Verfassungs-
> grundsätze auch in der, an der barocken Aristokratie
> orientierten, deutschen Beamtenschaft zurück.[..]
Zum Stichwort Barock als Beispiel der Bittbrief, den
ein Landpastor an seinen Landesherrn geschrieben hat.
------------------------------------------------------
| Durchleüchtigster Hertzog!
| Gnädingster Fürst und Herr!
Es folgt ein Bericht über das Elend der Bauern durch
Mißwuchs und Viehseuchen und darüber, daß deshalb die
Bauern ihn und seine Familie nicht alimentieren können.
Die Schluß-Sequenz buchstaben- und zeichengetreu:
| Ich aber werde nicht aufhören Tag und Nacht mit den
| armen Meinigen die Göttl. Majestät anzuflehen, daß
| Selbige ihr allergnädigstes Antlitz auch auff Ihro Hoch=
| fürstl. Drl. beständigst leüchten laßen, dero gantzes
| Hochfürstl. Mecklenbg.=Strelitzsches Hauß zu einem unauf=
| hörl. Seegen aussetzen und in stetem Hochfürstl. Flor
| bis an jenen großen Tag bey allem ersinnlichen
| Hochfürstl. Hochergehen Gnädigl. conserviren, in je=
| ner Freüden=vollen Ewigkeit aber dero Hochfürstl.
| Häüpter mit denen Unvergleichlichen Lobes=Kronen
| begnädigen wolle, daß Sie leüchten wie die Sonne, und
| wie des Himmels Glantz und wie die Sterne immer
| und ewiglich. Ergebe Ihro hiemit der Allmächtig=
| gen Gnaden=Beschirmung Gottes des Allerhöchsten, und
| verharre nechst Untertänigster süßen Hoffnung einer Gnä=
| digsten Erhörung
| Ihro Hochfürstl. Durchl.
| Meines Gnädigsten Fürsten
| und Herrn
| Untertänigst demütigster Knecht
| Johann Andreas Selschop
| Pastor zu Witzin im Sternbergschen
| Ammte des Hertzogthums Hochfürstl.
| Mecklenburg belegen.
| Witzin d. 13 Jun.
| 1720
------------------------------------------------------
Das ist doch mal was anderes als
Alles Gute und viele Grüße
euer Jakob Achterndiek
j/\a
--