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"Meum est propositum" auf Deutsch?

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Markus Gail

unread,
Apr 1, 1997, 3:00:00 AM4/1/97
to

Wer hat eine Übersetzung von dem Lied "Meum est propositum"?

--
Markus Gail In dubio pro libertate.
<mailto:ga...@rz.uni-frankfurt.de> <http://www.rz.uni-frankfurt.de/~gail>
________________________________________________________________________
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Meno Sellschopp

unread,
Apr 2, 1997, 3:00:00 AM4/2/97
to

Erwiderung auf : Markus Gail
vom : 01.04.97
zum Thema : ""Meum est propositum" auf Deutsch?":

> Wer hat eine Übersetzung von dem Lied "Meum est propositum"?

Ich habe es leider nicht zur Hand:
"Lieder des Archipoeta", z.B. in der Reihe Reclam UB.

Falls also nicht inzwischen ein anderer helfen konnte ...

Meno
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Markus Gail

unread,
Apr 3, 1997, 3:00:00 AM4/3/97
to

Meno Sellschopp <M.SELL...@LINK-R.de> wrote:
> Ich habe es leider nicht zur Hand:

Daran solls nicht scheitern:

Meum est propositum

|: Meum est propositum in taberna mori
ubi vina proxima morientis ori. :|
Tunc cantabunt laetius angelorum chori:
Deus sit propitius isti potatori, isti potatori.

|: Poculis accenditur animi lucerna,
cor inbutum nectare volat ad superna. :|
Mihi sapit dulcius vinum de taberna,
quam quod aqua miscuit praesulis pincerna.

|: Jejunant et abstinent poetarum chori,
vitant rixas publicas et tumultis fori et, :|
ut opus faciant, quod non possit mori,
morientur studio subditi labori.

|: Unicuique proprium dat natura donum,
ego versus faciens bibo vinum bonum :|
et quod habent purius dolia cauponum;
tale vinum generat copiam sermonum.

|: Mihi nunquam spiritus poetriae datur,
nisi prius fuerit venter bene satur. :|
Cum in arce cerebri Bacchus dominatur,
in me Phoebus irruit et miranda fatur.

|: Tales versus facio, quale vinum bibo,
nihil possum facere, nisi sumpto cibo. :|
Nihil valent penitus, quae jejunus scribo,
Nasonem post calicem carmine praeibo.

Meno Sellschopp

unread,
Apr 4, 1997, 3:00:00 AM4/4/97
to

Erwiderung auf : Markus Gail alias gail
vom : 03.04.97
zum Thema : "Re: "Meum est propositum" auf Deutsch?"

> > Ich habe es leider nicht zur Hand:
> Daran solls nicht scheitern:

> |: Meum est propositum in taberna mori
> [..]

Danke!

Aber was ich mit meinem Hinweis eigentlich gesagt haben wollte:
In dem Reclam-Heftchen für bummelige 5 Mark nochwas steht
*außerdem* noch die Übersetzung. Im hiesigen Buchhandel war es
leider nicht vorrätig.

Salve!

Meno
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Peter 'Epit' Herbertz

unread,
Apr 4, 1997, 3:00:00 AM4/4/97
to

Replik auf ga...@rz.uni-frankfurt.de:

> Wer hat eine Übersetzung von dem Lied "Meum est propositum"?

Ich habe eine zweisprachige Ausgabe, ein altes Fischertaschenbuch,
das die Quellen nicht zuordnet.

Sie enthält auch dieses Kneipentestament, jedoch mit einem,
abgesehen von der ersten und letzten Zeile der ersten Strophe,
völlig andern Text.

So heißt es dort in der ersten Strophe:


"Meum est...
vinum sit appositum sicientis ori,
ut dicant, cum venerint angelorum chori:
deus ...


Der Rest ist vollkommen anders, das Lied scheint in Jahrhunderten
immer wieder neu zerkaut und zersungen worden zu sein.

Ich bin kein Philologe, doch scheint mir die von Markus gelieferte
Version ein "jüngeres" Latein zu sein, sie ist mir neu.


Drum versuche ich mich mal dran, aber quick & dirty und möglichst
wörtlich, nicht in gebundener Sprache. Die Randbemerkungen
korrigieren von mir vermutete Übertragungsfehler.

Mir ist vorbestimmt, in der Kneipe zu sterben,
wo die Weine nahe den Lippen des Sterbenden sind,
damit die Engelchöre fröhlicher singen:
Gott sei diesem Säufer gewogen. (propicius)

Durch die Humpen wird das Licht des Geistes angezündet,
Das Herz, vom Nektar befeuchtet, fliegt zum Himmel. (imbutum)
Mir schmeckt angenehmer der Wein aus der Kneipe,
als der des Pfaffen, weil den der Schenk mit Wasser mischt.

Es hungern und entbehren die Scharen der Dichter,
leben in öffentlichem Streit und im Krach des Marktes,
und damit sie ein Werk schaffen, das nicht sterben kann
werden sie sterben beim Streben, der Arbeit unterworfen.

Es gibt die Natur einem jeden ihre eigene Gabe,
Ich trinke versmachend den guten Wein,
und weil Fässer der Wirte reineren [Inhalt] haben (cauponium?)
erzeugt ein solcher Wein eine Menge Gedichte.

Niemals ist mir gegeben der Geist der Poeterei,
wenn nicht vorher der Bauch zufiedengestellt ist.
Sooft im Bogen des Hirnes Bacchus dominiert,
stürzt Phoebus in mich und Erstaunliches geschieht.

Wie mein Wein, so meine Verse, (ging nicht wörtlicher)
nichts kann ich fertigen, wenn ich nicht mit Aufwand speise (?).
Nichts, was ich darbend schreibe, kann im Innern was bewirken,
Nach dem Humpen werde ich mit meinem Lied den [Ovidius] Naso
[übertreffen.


(Oh, Graus, habe ich da viel nachschlagen müssen. - F'up.)

Ahoi,
ep

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