Szasz-Zitat: Das Masturbationsirresein [460] Psychiatrie
Oder genauer:
Die Fabrikation des Wahnsinns – Fabrikation der Geisteskrankheit – Das
neue Produkt: Masturbationsirresein
Oder:
Über die „Entstehung“ und „Verbreitung“ der erfundenen Krankheit
„Masturbationsirresein“ und die Zwangsbehandlung der angeblich davon
befallenen Menschen.
Kurzzitate:
„Ärzte führen Krieg gegen Krankheiten und erniedrigen, verletzen, ja
töten dabei oft Personen, die sich ihnen freiwillig als Patienten
überantworten oder die ihnen, wie in der Kinderheilkunde oder der
Institutionalen Psychiatrie, von Familie und Staat zugewiesen werden. Es
besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen der früheren Verfolgung
von Masturbatoren und der gegenwärtigen Verfolgung von Homosexuellen,
und als Behandlung bei Masturbationsirresein ist die Klitorisentfernung
nicht „bizarrer“, „sadistischer“ oder „irrsinniger“ (um es mit Comforts
Adjektiven zu sagen) denn die Lobotomie als Mittel gegen Schizophrenie.“
„ . . . die Erfindung der Masturbationshypothese und ihre medizinischen
(zumal psychiatrischen) Anwendungsformen [sind] ein Beispiel für den
Geist des therapeutischen Imperialismus und Messianismus.“
„Komplett ist der Triumph des medizinischen Imperialismus, wenn der Laie
normale Körper- und Geistesfunktionen als Krankheiten betrachtet und
schädliche Eingriffe – auch gegen den Willen des Patienten – als
Behandlung ansieht.“
Zitat aus:
Szasz, Thomas S.: /Die Fabrikation des Wahnsinns. Gegen Macht und
Allmacht der Psychiatrie/
11. Das neue Produkt – Masturbationsirresein
„/Alles, was gewisse Seelentyrannen den Menschen wünschen, die sie
unterweisen, ist, daß sie einen kranken Geist haben mögen./“
VOLTAIRE (1)
Der Natur, sagt Spinoza, ist ein Vakuum zuwider. Dieser Satz beinhaltet
eine jener poetischen Projektionen, die uns mehr über den Sprecher als
über den Gegenstand verraten. Der Natur ist ein Vakuum weder lieb noch
zuwider; Menschen dagegen, das steht fest, sind Phänomene ohne
Erklärungen und Probleme ohne Lösungen zuwider. Und darum sind Magie und
Religion die wahren Ahnen des Rationalismus und der Wissenschaft. Daher
auch hat man im Namen des Rationalismus und der Wissenschaft viele
Problemerklärungen vorgebracht und weit und breit geglaubt, die nicht
weniger falsch und dabei oft noch schädlicher sind als jene, die man in
vorwissenschaftlichen Zeiten vertrat (2).
Als gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts die Macht religiöser
Überzeugungen und Einrichtungen dahinschwand und im Zuge dieser
Entwicklung die Macht des weltlichen Denkens und der Herrscher von
Nationalstaaten zunahm, büßte auch das Hexereikonzept rasch an
erklärender Kraft und Verwendbarkeit ein. Der Teufel und seine Schüler
genügten jetzt nicht mehr als Urheber ansonsten unerklärlicher
Übelstände. Man brauchte eine neue, wiewohl ähnlich urnfassende
Erklärung. Wo War sie zu finden? Nur in einer einzigen Quelle - bei den
Sachverständigen nämlich, die die Priester ablösten, und deren
dahinfabulierte Erklärungen, Wissenschaft genannt, jene der Religion
verdrängten. Unter den neuen Wissenschaftlern befanden sich die
Mediziner als Experten für das Wohlergehen des am wenigsten
entbehrlichen Besitzes des Menschen, seines Körpers, in einer besonders
günstigen Position, um eine neue Erklärung für viele, vormals dem Walten
von Hexen und Zauberern zugeschriebene Erscheinungen vorzulegen. Und
wenn die neue Theorie obendrein nichts weiter ist als eine revidierte
Fassung der alten, um so besser - dann können die Menschen wenigstens
glauben, sie hätten eine neue Wahrheit zur Hand, ohne ihre
geistig-seelischen oder weltlichen Gewohnheiten ernsthaft ändern zu müssen.
Der Wahnsinnsbegriff war bewundernswert geeignet, die Nachfolge des
Hexereibegriffs anzutreten. Aber genau wie die Hexerei eine Ursache
haben mußte (und sie im Teufelspakt zuerkannt bekam), so mußte auch der
Wahnsinn eine Ursache haben. Somit erhob sich die Frage: Was verursachte
Verrücktheit und wie konnte man sie verhindern und heilen? Für
theoretische Konstruktionen, wie wir sie hier betrachten, das heißt für
eine vollkommen strategisch und nicht empirisch angelegte Denkweise, muß
die „verursachende Kraft“ allgegenwärtig sein. Erst dann kann der
Theoretiker – der eigentlich ein heimlicher Vollstrecker sozialer Regeln
und Wertvorstellungen ist – seine Erklärung nach Belieben auf jedes
Problem anwenden und entsprechend zurechtstutzen, oder sie eben nicht
anwenden, wenn es ihm oder seinen mächtigen Beauftragten so gefällt. Da
Hexerei eine Folge eines Paktes mit dem Satan und letzterer
allgegenwärtig war, konnte man Handlungen, die man anfechten oder
bestrafen wollte, stets auf Hexerei zurückführen. Diese Erklärung mußte
nun durch eine andere ersetzt werden, die ebenso universell anwendbar,
aber in ihrer Bildsprache weltlicher war. Wenn Not tatsächlich
erfinderisch macht, so veranlaßte sie in diesem Falle wahrlich einen
genialen Schachzug - sie brachte den Menschen auf den Gedanken, Wahnsinn
sei die Folge einer anderen verruchten Handlung, nämlich der
Masturbation. So, meine ich, wurde der Mythos des Masturbationsirreseins
geboren. Die unter dieser Bezeichnung seit dem achtzehnten Jahrhundert
bekannte «Krankheit» stellt also das neue Produkt dar, das jene neue
Sorte von Menschenerniedrigern, die Ärzte, und zumal die Irrenärzte
(oder Psychiater) in die Welt setzten.
In der Bibel werden zwar sehr viele sexuelle Praktiken erwähnt, die
Masturbation jedoch ist nicht darunter *1 . Dennoch entstammen die
Einwände gegen das Masturbieren – gleich solchen gegen andere Formen
geschlechtlicher Handlungen, die nicht der Fortpflanzung dienen –
jüdisch-christlichen religiösen Quellen. Im orthodoxen jüdischen Denken,
merkt Kinsey an, „ist die Masturbation eine schwere Sünde und wurde zu
gewissen Zeiten in der jüdischen Geschichte mit dem Tode bestraft“ (3).
Ja, Kinsey weiß sogar zu berichten: „Nur wenige Völker haben die
Masturbation so schwer verdammt, wie die Juden es getan haben. Nach den
talmudischen Belegstellen und Erörterungen zu urteilen, ist Masturbation
eine noch größere Sünde als der nichteheliche Geschlechtsverkehr. Das
jüdische Gesetz kannte Entschuldigungen für vorehelichen sowie für
außerehelichen Geschlechtsverkehr mit bestimmten Personen, ließ aber für
Masturbation keine mildernden Umstände gelten. Die Logik dieser
Vorschriften beruht natürlich auf dem Fortpflanzungsmotiv in der
Sexualphilosophie der Juden. Ihm zufolge war jeder Geschlechtsakt, der
in keiner Empfängnis gipfeln konnte, naturwidrig, eine Perversion und
eine Sünde.“ (4)
Diese Auffassung wurde so gut wie unverändert erst von der Kirche
und dann von der Medizin übernommen, was dazu führte, wie Kinsey sagt,
daß „die Vorschriften des Talmud nahezu identisch [sind] mit denen
unserer gegenwärtigen Rechtsvorschriften über das sexuelle Verhalten“ (5).
Im englischen Sprachgebrauch erscheint das Wort „masturbation“ nicht
vor der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts; seine erste Erwähnung im
/Oxford English Dictionary/ datiert aus dem Jahre 1766 (6).
Aufschlußreich ist nun die Etymologie des Begriffs. Masturbation ist
eine verderbte Form des lateinischen /manustupration/ (von /manus/ Hand,
/stuprare/ entehren). „Onanism“ (Onanie) wurde 1710 von dem anonymen
Autor des wichtigen Textes /Onania/, auf den wir gleich eingehen werden,
als Synonym für Masturbation in Umlauf gebracht. Medizinische Schriften
des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts bevorzugen allgemein das
Wort „Onanie“, das erst in unserem Jahrhundert von „Masturbation“
verdrängt wird.
Das Verdienst, Masturbation als eine ernste medizinische Gefahr
erfunden zu haben, gebührt einem anonymen Kleriker, der Arzt wurde und
um 1710 eine Abhandlung mit dem Titel /Onania, or the Heinous Sin of
Self-Pollution/ (Onanie, oder die Verruchte Sünde der Selbstbefleckung)
veröffentlichte. Hare gibt in seiner ausgezeichneten Studie über
„Masturbationsirresein“ zu bedenken, daß der Verfasser seiner Meinung
nach „gewiß [. . .] kein achtbarer Arzt [war]. Sein Buch behandelt mehr
die Sündhaftigkeit als die Schädlichkeit des Masturbierens.“ (7) Diese
Unterscheidung wurde von den Ärzten jener Tage und wird selbst von
heutigen Psychiatern gewöhnlich nicht gemacht.
Wie dem auch sei, /Onania/ muß einem starken und weitverbreiteten
Bedürfnis entgegengekommen sein – vielleicht dem, getäuscht zu werden,
wenn der Betrug diesmal auch von medizinischen statt von religiösen
Instanzen verübt wurde –; denn schon 1730 erreichte das Buch seine
fünfzehnte, 1765 gar seine achtzigste Auflage.
Der Autor der /Onania/ mag zwar ein Quacksalber gewesen sein, doch
bereitete er die Bühne, auf der reputierliche Ärzte bald Hauptrollen
spielen sollten. 1758 legte der prominente Lausanner Arzt Tissot sein
Buch /Onania, oder eine Abhandlung über die durch Masturbation
hervorgerufenen Störungen/ vor. Mit dem Erscheinen dieses Werkes erhielt
die Bewertung der Masturbation als einen ätiologisch bedeutsamen
Krankheitsfaktor sozusagen ein solides, medizinisches Fundament: Nunmehr
hatten also erhabene Koryphäen der medizinischen Wissenschaft befunden,
daß es sich so und nicht anders verhielt. Tissots Schrift ist wichtig
nicht nur als eines jener Werke, die den Mythos des
Masturbationsirreseins in Umlauf brachten, sondern auch als ein – in der
heutigen Psychiatrie alltäglich gewordenes – Beispiel für das Verfahren,
moralische Argumente in medizinische Rhetorik zu hüllen. Tissot gibt
sich nicht damit zufrieden, seinen Leser zu warnen, daß sexuelle
Ausschweifung jeder Art und besonders das Masturbieren eine Fülle der
schwersten körperlichen und geistig-seelischen Gebrechen hervorrufen
können, so unter anderem „Schwindsucht, Verschlechterung des
Augenlichts, Verdauungsstörungen, Impotenz, [. . .] und Wahnsinn“ (8).
Obendrein tadelt er den Masturbierenden als „Verbrecher“, nennt die
Handlung ein „ungeheuerliches Verbrechen“ und spricht über den Verfall
des Opfers als einen Zustand, «der ihm rechtens eher die Verachtung denn
das Mitleid seiner Mitmenschen eintragen sollte“ (9). Er gelangt zu dem
Schluß, daß die Bestrafung des Patienten mit Krankheit in dieser Welt
nur das Vorspiel zu seiner Bestrafung mit den ewigen Feuerqualen der
Hölle im Jenseits sei (10).
1766 wurde Tissots Buch ins Englische übersetzt. Bald darauf
verwandelte sich der Gedanke des Masturbationsirreseins aus einer
Hypothese in ein Dogma. Ungefähr seit 1800 bis in die ersten Dezennien
dieses Jahrhunderts hinein drohen nun Ärzte ihren Patienten mit den
verheerenden Folgen des Masturbierens in einer Art und Weise, die sich
von der Methode ihrer kirchlichen Vorgänger, Pfarrkinder mit den
verhängnisvollen Konsequenzen des Ketzertums zu schrecken, kaum
unterschied. Aber sie drohen nicht nur, sie bestrafen auch - wiewohl sie
ihre Strafe „Behandlung“ nennen. Tatsächlich definiert die Strafe für
das Masturbieren die Rolle dieses neuen Fachmannes, des Nervenarztes
oder Psychiaters. Die Strafe für Selbstbefriedigung ist künftige
Geisteskrankheit, sind Kinder, die mit Sicherheit verrückt werden, ist,
nicht zu vergessen, die Einlieferung des ja selbst schon Wahnsinnigen
ins Tollhaus. So spielt der Institutionale Psychiater seit dem Beginn
seiner historischen Laufbahn gleichzeitig die Rollen des Anklägers, des
Richters und des Kerkermeisters. Und wie es sich für einen Moralisten
des Diesseits schickt, droht er statt mit Schwefel- und Feuerregen
nunmehr mit Wahnsinn und geschädigtem Nachwuchs, bestraft er statt mit
der Gewißheit ewiger Verdammnis mit lebenslänglicher Haft in einer Hölle
auf Erden, nämlich in der Irrenanstalt.
In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts wird die
Masturbation immer mehr als psychiatrisches Problem aufgefaßt, und in
der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mausern sich zunächst die Chirurgen,
danach die Kinderärzte zu Hilfsspezialisten: erstere als Sachverständige
für die Heilung der „Krankheit“, letztere als Fachleute, die zu
verhindern wußten, daß das Leiden sich überhaupt entwickelte. Und wenn
es für die amerikanische Psychiatrie auch ein zweifelhaftes Ruhmesblatt
ist – die erste bestimmte Aussage über Masturbation als Wahnsinnsursache
in einem Text über Geisteskrankheiten findet sich in Benjamin Rushs
/Medical Inquiries upon Diseases of the Mind/ *2 (11). „In den Jahren
zwischen 1804 und 1807 sind mir in meiner eigenen Praxis vier Fälle von
Wahnsinn mit dieser Ursache vorgekommen“, schreibt Rush. «Er entsteht
aus dieser Ursache bei jungen Männern häufiger, als Eltern und Ärzte
annehmen. Die krankhaften Auswirkungen zügellosen Geschlechtsverkehrs
mit Frauen sind wahrlich schwach und vorübergehend, vergleicht man sie
mit der Serie von körperlichen und moralischen Schäden, die dieses [. .
.] Laster Leib und Seele zufügt.“ (12) Die Onanie führt nach Rush zu
„Zeugungsunfähigkeit, Impotenz, Störung der Harnentleerung,
Rückenmarkschwindsucht, Tuberkulose, Verdauungsstörungen, Sehschwäche,
Schwindelgefühl, Epilepsie, Hypochondrie, Gedächtnisschwund, Manalgie,
Einfältigkeit und Tod“ (13).
Kein Zweifel, Rush war ein Pionier in der Fabrikation des Wahnsinns
und besonders in der Fabrikation von Masturbationsirresein. Hare weist
darauf hin, daß Pinel in der Erstauflage seines 1801 erschienenen,
epochemachenden Werkes /Traité médico-philosophique sur l'aliénation
mentale/ die Masturbation nicht erwähnt und in der zweiten Auflage, die
1809 herauskam, dieses Thema zwar erörtert, nicht aber behauptet,
Masturbation führe zum Wahnsinn. 1813 dagegen weiß Pinel es schon besser
und erklärt, daß Masturbieren Nymphomanie hervorrufe (14).
In der französischen Psychiatrie, die in der Geschichte des Fachs
eine so entscheidende Rolle gespielt hat, war es Esquirol, der die
Masturbationshypothese begeistert aufgriff und mit dem Siegel seiner
Autorität versah. Es sei an dieser Stelle daran erinnert, daß Esquirol
auch für die Verbreitung der Theorie von der Geisteskrankheit der Hexen
verantwortlich war (15). Übrigens behauptete Esquirol nicht, die
pathogenen Effekte der Masturbation als erster entdeckt zu haben.
Vielmehr implizierte er mit einer Formulierung im Jahre 1816, daß wohl
keine geachtete medizinische Kapazität die Schädlichkeit der
Selbstbefriedigung bezweifeln könne: „In allen Ländern wird anerkannt,
daß Masturbation gewöhnlich zum Wahnsinn führt.“ 1822 schreibt er:
„Onanie ist ein schweres Maniesymptom; hat es mit ihr nicht gleich ein
Ende, so stellt sie sich einer Heilung als unüberwindliches Hindernis
entgegen. Indem sie die Widerstandskräfte schwächt, reduziert sie den
Patienten zu einem Zustand des Stumpfsinns, zu Auszehrung und Marasmus,
bis der Tod eintritt.“ (16) In seinem 1838 veröffentlichten, klassischen
Lehrbuch /Des maladies mentales/ wiederholt und erweitert er diese
Auffassungen. Masturbation, schreibt er, „kann ein Vorläufer von
Wahnsinn, Demenz und sogar von Altersblödsinn sein; sie führt zu
Melancholie und Selbstmord; ihre Folgen sind bei Männern schwerer als
bei Frauen; sie ist stark heilungsbehindernd bei Wahnsinnigen, die sie
während ihrer Krankheit häufig praktizieren“ (17).
Abgesichert durch die Autorität von Männern wie Rush und Esquirol,
verbreitete sich die „Masturbationshypothese“, wie Hare sie nennt, rasch
in der gesamten „zivilisierten“ Welt. In England datiert der erste
Hinweis auf Masturbation als Ursache von Wahnsinn aus dem Jahre 1828, in
Deutschland aus den dreißiger Jahren desselben Jahrhunderts. Bald gibt
es nur noch wenige Kritiker des Masturbationsmythos, und sogar Ärzte,
die die Schädlichkeit des Masturbierens für übertrieben halten, sehen
sich in die Defensive gedrängt. „Hoffentlich wird man mir nicht
vorwerfen, ich hätte eine Apologie der Selbstbefleckung geschrieben“,
schreibt ein deutscher Arzt 1838, „ich wollte lediglich die Richtigkeit
der Ansicht, die Selbstbefleckung sei so sehr häufig die einzige oder
Hauptursache geistiger Störungen, in Frage stellen.“ (18) Um die Mitte
des neunzehnten Jahrhunderts
immerhin, notiert Hare, regten sich „bei kontinentaleuropäischen
Nervenärzten [. . .] erste Zweifel“, kam es zu einer „allgemeinen
Lockerung der Einstellung“ zur Masturbation als Wahnsinnsursache,
„jedoch zunächst ohne eine entsprechende Parallele in der
englischsprechenden Welt.“ (19) In der Tat gebührte damals England und
den Vereinigten Staaten die zweifelhafte Ehre, im Kreuzzug gegen das
Masturbationsirresein an der Spitze zu marschieren *3 .
Rushs Pionierarbeit auf diesem Gebiet fand ihre Nachfolge im Wirken
des nicht minder verehrten Isaac Ray. Nach Rays Meinung war der
„Wahnsinn des Masturbierens“ eine Form von „moralischer Psychose“ mit
den kennzeichnenden Merkmalen „Neigung zu Demenz, Verlust der
Selbstachtung, mißlicher und gefährlicher Allgemeinzustand und seelische
Reizbarkeit mit Depressionen.“ (20) Wie die amerikanische Medizin um die
Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zur Masturbation stand, verdeutlicht
ein Leitartikel im /New Orleans Medical and Surgical Journal/
(1854-1855). Gleich eingangs behauptet der Verfasser, amerikanische
Frauen hätten eine viel höhere Moral als die Frauen in anderen Ländern,
was unter anderem daran zu erkennen sei, daß die meisten Prostituierten
in New Orleans aus dem Ausland stammten. Dann kommt er auf sein
Hauptthema, Masturbation, zu sprechen, die er als „sehr
gesundheitsschädlich für Männer wie Frauen“ bezeichnet. Männer, weiß er,
geben gelegentlich zu, Selbstbefriedigung zu üben, Frauen aber nicht.
„Es ist völlig sinnlos und vergeblich, von erwachsenen Frauen
diesbezügliche Informationen zu erbitten oder zu erwarten“, schreibt er,
„obwohl man für viele ihrer Leiden, wie Weißfluß, Gebärmutterblutung,
Uterusprolaps, Krebs, Herzfunktionsstörungen, Rückgratreizung,
Herzklopfen, Hysterie, Krämpfe, hagere Gesichtszüge, Abzehrung,
Schwäche, Manie – viele 'nervös' genannte Symptome – /un triste
tableau/, Masturbation als Ursache angegeben hat. Selbst wenn diese
Erkrankungen nicht durch Masturbieren entstanden sind, kann die Praxis
der Selbstbefriedigung sie gewißlich verschlimmern.“ Der Artikel
schließt mit den warnenden Worten eines französischen Arztes: „Nach
meiner Meinung haben weder Pest, Krieg, Pocken noch eine Menge ähnlicher
Leiden für die Menschheit verheerendere Folgen gezeitigt als die
Angewohnheit des Masturbierens - sie ist das zerstörerische Element der
zivilisierten Gesellschaft.“ (21)
Die gleiche Auffassung vertritt 1876 der französische Arzt Pouillet,
der erklärt: „Von allen Lastern und Übeltaten, die man rechtens Verstöße
wider die Natur nennen kann und die die Menschheit in ihren Sog reißen,
ihre physische Lebenskraft bedrohen und ihre geistigen und moralischen
Fähigkeiten zu zerstören geeignet sind, ist das Masturbieren, das wird
wohl niemand bestreiten wollen, eines der
größten und am weitesten verbreiteten [Verbrechen].“ (22)
Die dräuenden Gefahren des Masturbierens, die die medizinische
Wissenschaft eindeutig nachgewiesen zu haben behauptet, wurden in allen
westlichen Ländern gebührend gewürdigt. So warnt uns E. J. Ekman in
seinem 1887 zu Stockholm erschienenen Buch mit dem passenden Titel /The
Sneaking Enemy/ (Der schleichende Feind), die „Selbstbefleckung“ vermöge
einen jungen Mann in ein „verfallendes, abgezehrtes Wrack“ zu
verwandeln, das „entweder dem Grabe oder der Tollhauszelle
entgegenwankt“, und könne ihn in die "finstere und bodenlose Nacht des
Wahnsinns" hinabstoßen. Überdies sei das Masturbieren auch die Ursache
dafür, daß beim Kinde „das Wachstum unterbrochen wird, während zugleich
die Entwicklung der Muskulatur und der Stimme, der Bartwuchs, das
Heranreifen zu Mut und Tatkraft verlangsamt, wenn nicht völlig gehemmt
werden.“ (23)
Wir mögen uns zu Recht fragen, wie gelehrte Männer nicht minder als
die Öffentlichkeit solchen Unsinn, der sich ja durch Beobachtungen am
Menschen wie am Tier mühelos und eindeutig widerlegen läßt, wirklich
glauben konnten. Diese Neigung zum Festhalten an einem Kollektivirrtum
(zumal einem, der das Opfer mit Leid bedroht und besondere
Schutzvorkehrungen erfordert) scheint ein integraler Bestandteil der
sozialen Natur des Menschen zu sein. In der Konfrontation mit einem
einflußreichen Massenwahn – wie dem Glauben an die Hexerei, an die
Schädlichkeit des Masturbierens oder an die Geisteskrankheit – klammert
sich der Mensch lieber an allbekannte Erklärungen, die den
Gruppenzusammenhalt fördern, als daß er präzise Beobachtungen machte,
die die Einheit der Gruppe gefährden könnten. Und genau deshalb beachten
die meisten Menschen in der Regel nur diejenigen ihrer Beobachtungen,
die die akzeptierten Theorien ihres Zeitalters bestätigen, und lehnen
ab, was sie widerlegt *4 .
Daher müssen wir bei der Betrachtung einer jeden historischen Epoche
stets genau auf die dominierende weltanschauliche Perspektive achten, in
der Menschen ihre dingliche Umwelt, ihre Gesellschaft und sich selber
sehen. Das neunzehnte Jahrhundert war eine Ära der physikalischen
Vorurteile, die, wie Wayland Young es formuliert, „die augustinische
Askese, die theologischen Zweifel und Hemmungen einer früheren Zeit in
das physikalische Gewand von Energievorstellungen hüllte. Damals wurde
die Möglichkeit, den Menschen als Maschine aufzufassen, ein normaler
Bestandteil des menschlichen Denkens, und in gewisser Hinsicht deckte
sich der neue, mechanisch-technische Bauplan des Menschen exakt mit dem
früheren theologischen Entwurf. [. . .] Die Analogie ist hier unschwer
zu erkennen. Je mehr Energie man einer Maschine entzieht, desto weniger
bleibt übrig; man darf sie nicht überlasten. Je mehr Geld man von der
Bank abhebt oder dem Geschäft entnimmt, desto weniger bleibt davon
übrig; man darf nicht zuviel ausgeben. Daraus folgt: Je mehr ein Mann
vögelt, desto schwächer wird er.“ (24)
So wurde der religiöse Begriff von der Sündhaftigkeit des
Geschlechtsgenusses behende in die medizinische Vorstellung umgewandelt,
daß der Verlust von Sperma schädlich sei. Das besagt: „Samenverlust, ob
beim Geschlechtsverkehr oder sonstwie, [. . .] ist Verlust an Kraft,
Gesundheit und letztlich auch der geistigen Gesundheit.“ (25) Die
Masturbationshypothese ist nichts weiter als die traditionelle
christliche Ethik, übersetzt in die Sprache der modernen Medizin.
[. . . ; Kürzung d. d. Schreiber]
. . . je mehr in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts der
Glaube an den Mythos des Masturbationsirreseins dahinschwand, desto
beliebter wurden chirurgische Eingriffe auf diesem Sektor. Das wiederum
hing eindeutig mit den Fortschritten in der chirurgischen Technik und
aseptischen Operationsmethoden zusammen, vermöge derer man den Patienten
ungefährdet chirurgisch verstümmeln konnte – nicht aber damit, daß man
irgendwelche neuen medizinischen Anhaltspunkte für die Behandlung des
Masturbierens entdeckt hätte. Keine Diskussion des
Masturbationsirreseins wäre vollständig ohne einige Bemerkungen über die
„Behandlungen“ mit denen man dieser „Krankheit“ etwa nach 1850 zu Leibe
rückte.
Zur Behandlung masturbierender Mädchen und Frauen führte Isaac Baker
Brown, ein prominenter Londoner Chirurg, der später zum Präsidenten der
Medical Society of London aufstieg, um 1858 die Klitorisexzision ein.
Zwecks Heilung der „Krankheit“ entfernte er das Organ, das sie
„affiziert“, weil er glaubte oder zu glauben vorgab, daß Masturbation
Hysterie, Epilepsie und krankhafte Krampfe hervorrufe (32). A. J. Block,
visitierender Chirurg am Charity Hospital zu New Orleans, nannte die
weibliche Selbstbefriedigung eine Form der „moralischen Lepra“ und
befürwortete noch 1894 die Klitorisentfernung als Heilmethode (33).
Offenbar sahen weder er noch seine Kollegen einen logischen oder
moralischen Widerspruch darin, einen moralischen Zustand mit operativen
Eingriffen zu behandeln. Männlichen Masturbatoren erging es nicht viel
besser. So empfahl zum Beispiel der englische Arzt J. L. Milton, sie
sollten tagsüber Keuschheitsgürtel und des Nachts, um sie im Fall einer
nächtlichen Erektion aufzuwecken, mit Eisenspitzen oder Zähnen versehene
Ringe tragen *5 .
Miltons Buch /The Pathology and Treatment of Spermatorrhea/ (1887)
erlebte zwölf Auflagen – auch etwas, woran man ablesen kann, wie beliebt
und einflußreich solche Bücher waren *6 (34).
1891 publizierte James Hutchinson, Präsident des Royal College of
Surgeons, eine Abhandlung /On Circumcision as Preventive of
Masturbation/, in der er nicht nur die Beschneidung zur Behandlung und
Verhütung dieser „schändlichen Gewohnheit“ anpries; er meinte, „wenn die
öffentliche Meinung ihre Anwendung nur gutheißen
würde [. . .], so könnten sich noch radikalere Maßnahmen als die
Beschneidung [. . .] für viele Patienten verschiedenen Geschlechts als
wahre Wohltat erweisen“ (35). Hätte Hutchinson einige Jahre später
gelebt, so wäre vielleicht ihm und nicht Egas Moniz der Nobelpreis für
die Behandlung von Geisteskrankheiten verliehen worden *7 .
Im Jahre 1895 empfahl T. Spratling, ebenfalls ein englischer
Chirurg, Masturbation bei „geisteskranken männlichen Erwachsenen“ mit
„der kompletten Durchtrennung der dorsalen Penisnerven“ zu kurieren, und
für Frauen fand er „nichts geringeres als die Eierstockspaltung“
angebracht, das einzige „Linderungsmittel“, wie er sagte, das
sich „dieses Namens überhaupt wert erweisen“ werde (36).
Alex Comfort geht in einer kritischen Untersuchung des
Masturbationsmythos auf die Beliebtheit drastischer chirurgischer
Eingriffe gegen das Masturbieren in der Zeit zwischen etwa 1850 und 1900
ein und schreibt dazu:
„In diesem Zeitraum erlebte etwas einen nachgerade bemerkenswerten
Aufschwung, was wir eigentlich nur als Bildergeschichten-Sadismus
bezeichnen können. Doch nicht allein Sonderlinge sprachen sich für diese
bizarren Therapien aus. Wer um 1880 aus irgendeinem unbewußten Drang
sexuell aktive Kinder oder Geisteskranke – jene beiden Gruppen von
unfreiwilligen „Patienten“, derer man sich am leichtesten zu bemächtigen
vermochte - binden, knebeln, infibulieren, mit grotesken Vorrichtungen
versehen, in Gips, Leder oder Gummi legen, ängstigen oder gar
kastrieren, mit Kauterisierung der Geschlechtsorgane oder Unterbindung
der entsprechenden Nervenzufuhr malträtieren Wollte, der konnte das,
gestützt auf so manche menschenfreundliche und hochgeachtete
medizinische Autorität, guten Gewissens tun. Damit war das
Masturbationsirresein handfeste Wirklichkeit geworden – und jetzt zog es
den medizinischen Berufsstand in Mitleidenschaft.“ (37)
Comforts Darstellung leuchtet ein. Dennoch: Wenn man
Masturbationsirresein als Wahnsinn einstuft, der die Ärzteschaft
affiziert, könnte man genauso gut Hitler oder Stalin als Geisteskranke
bezeichnen. Wie politische Führer, gebieten auch Ärzte über ein
gerüttelt Maß echter sozialer Macht. Und Macht ist Macht! Es kommt –
zumal für das Opfer – nicht wirklich darauf an, wer sie ausübt. Papst
oder Fürst, Politiker oder Arzt, jeder kann Menschen, die seiner Macht
ausgeliefert sind, unterdrücken, verfolgen und umbringen. Politiker
führen Kriege gegen Feinde und opfern dabei ihr eigenes Volk. Ärzte
führen Krieg gegen Krankheiten und erniedrigen, verletzen, ja töten
dabei oft Personen, die sich ihnen freiwillig als Patienten
überantworten oder die ihnen, wie in der Kinderheilkunde oder der
Institutionalen Psychiatrie, von Familie und Staat zugewiesen werden. Es
besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen der früheren Verfolgung
von Masturbatoren und der gegenwärtigen Verfolgung von Homosexuellen,
und als Behandlung bei Masturbationsirresein ist die Klitorisentfernung
nicht „bizarrer“, „sadistischer“ oder „irrsinniger“ (um es mit Comforts
Adjektiven zu sagen) denn die Lobotomie als Mittel gegen Schizophrenie.
Ich werde darauf später noch zurückkommen.
[. . . ; Kürzung d. d. Schreiber]
Da Comfort es verabsäumt, zwischen der Geschichte des
Masturbationsirreseins und derzeitigen psychiatrischen Usancen
Zusammenhänge herzustellen, fällt er der Mythologie der Geisteskrankheit
selbst zum Opfer. „Es beschleicht einen ein ungutes Gefühl“, schreibt
er, „wenn man sich die Vielfalt und Unkontrollierbarkeit solcher
Reaktionen [wie die von Ärzten auf das hier erörterte
Masturhationsproblem] vor Augen hält und bedenkt, daß die meisten
Beteiligten zu mehr als einer beschränkten Einsicht völlig außerstande
sind. Und so sucht man mit der Zeit nach einem Gegenstück zu Hexenwahn
und Masturbationsfurcht in den eigenen, den allgemein verbreiteten
Widersinnigkeiten des Denkens und Handelns, über die sich heutzutage bis
auf ein paar ungewöhnlich objektive Beobachter überhaupt niemand richtig
klar ist.“ In unserer heutigen Welt erkennt Comfort solche
„Widersinnigkeiten“ in „der Bombe, im Raumfahrtwettlauf [und] im Kalten
Krieg [. . .]. Auch dabei gibt es Verrückte und /pathologisch
getriebene/ Scharlatane, aber das eigentlich Unheilvolle besteht doch
genau wie bei den Verfolgungen von Hexen, Homosexuellen, Juden oder
Masturbatoren darin, daß dieses Denken auch human eingestellte und
/offensichtlich ausgeglichene/ Geister erfaßt.“ (68) (Kursiv Th. Sz.)
Doch da Comfort die „Verfolgungen von Hexen, Homosexuellen, Juden
oder Masturbatoren“ auf „Widersinnigkeiten“ zurückführt, verfehlt er
ihre entscheidenden moralischen, politischen und soziopsychologischen
Elemente. Nach meiner Auffassung haben wir es in jeder der besagten
Verfolgungssituationen mit einer Unterdrücker-Unterdrückten-Beziehung zu
tun. Zwecks Unterwerfung und Ausbeutung seines Widersachers bedient sich
der Unterdrücker unweigerlich der Gewalt und des Betrugs. Oft entwickelt
er eine therapeutische Rhetorik, rechtfertigt er seine Herrschaft mit
der Behauptung, selbstlos zu handeln und seinem Opfer nur helfen zu
wollen. Kritik an der Unterdrückungspraxis ist unmöglich, da der
Kritiker als Verräter an der bestehenden Sozialordnung verfolgt wird.
Und schließlich wird die Ideologie des hilfreichen Zwangs so
institutionalisiert, daß sie die Verfolgungsvorgänge über lange
Zeiträume hinweg absichert und trägt. Während Hare, Comfort und Spitz
also die aufgeklärte Haltung der modernen Psychiatrie und die
Überwindung früherer Irrtümer betonen, behaupte ich, daß sich die
heutige Situation in der Psychiatrie praktisch in nichts von jenen
Zeiten unterscheidet, als Masturbationsirresein noch das herrschende
Dogma war. Geändert hat sich freilich das rhetorische Gewand: nicht
„Masturbation“, „schlechte Angewohnheit“ und „Irrsinn“, sondern
„Geisteskrankheit“, „Der Kranke kann nichts dafür“ und „Verständnis“
sind derzeit die Zauberworte. Geändert haben sich auch die
therapeutischen Eingriffe: Statt der Klitorisexzision oder der
Durchtrennung von Penisnerven gelten heute Elektroschock oder Thorazin
als die magischen Wunderkuren. Aber das sind nur modische Veränderungen
an der psychiatrischen Aufmachung. Die grundlegende Sozialstruktur und
Funktion der Institutionalen Psychiatrie sind die gleichen geblieben.
(Allerdings hat sie ihren Funktionsbereich und ihre Macht im Laufe der
letzten hundert Jahre ständig erweitert.) Die Folge ist, daß ein volles
Jahrhundert, nachdem der grausame Schwindel mit dem
Masturbationswahnsinn seinen Höhepunkt erreicht hatte, Psychiater noch
immer dieselbe Rhetorik verwenden wie früher und sich noch immer die
Aufmerksamkeit (und oft sogar das Vertrauen) einer Öffentlichkeit zu
verschaffen wissen, die sich von Psychiatern in der Attitüde des
medizinischen Wissenschaftlers nur allzu gern führen und irreführen
läßt. Damals rettete der Psychiater den „Patienten“ vor der
Masturbation, obgleich dieser davor gar nicht gerettet werden wollte –
heute rettet der Psychiater den „Patienten“ vor Drogensucht,
Homosexualität, Selbstmord und hundert anderen schrecklichen
„Geisteskrankheiten“, auch wenn das Opfer in Wort und Tat
unmißverständlich klarmacht, daß es davor nicht gerettet werden will.
Kurzum, die Verlagerung des Akzentes von der Hexerei auf das
Masturbationsirresein und von diesem auf das moderne
Geisteskrankheitskonzept läßt sich vielleicht am besten als ein Wandel
unserer westlichen Vorstellungen von persönlicher Schlechtigkeit
verstehen. Diese Veränderungen in der Auffassung und im Verständnis des
Bösen reflektieren ihrerseits die veränderten kulturellen Bedingungen.
Im Mittelalter und in der Renaissance zum Beispiel ist die Quintessenz
des Bösen der Pakt mit dem Satan, und sein Symbol ist die Hexe, die auf
dem Besenstiel zum Hexensabbat reitet. Von der Renaissance bis zum
Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gilt das Masturbieren als Inbegriff
des Bösen und ist sein Symbol der Verrückte, der im Irrenhaus onaniert.
Wie Ketzerei ein Verstoß wider die Autorität Gottes und des Priesters
ist, so ist Wahnsinn ein Verstoß wider die Autorität der Natur und des
Arztes. Im Zuge der derzeitigen Verdrängung der Autorität Gottes, der
Natur, des Priesters und des Arztes durch die Autorität der öffentlichen
Meinung und des Massenmenschen entsteht ein neuer Inbegriff des Bösen,
nämlich die persönliche Autonomie, das heißt ein Verhalten, das dem
Willen und dem Vorgehen der „aufgeklärten Mehrheit“ widerspricht; und
als neues Symbol des Bösen taucht nun der Nonkonformist auf, der
akzeptierte Anschauungen oder Sitten ablehnt. So wurde im Laufe der Zeit
nach dem Teufel der eigene Penis und schließlich das Selbst zum
Verbrechenskomplizen des Menschen. Sein „Verstoß“ ist immer eine Form
von „Selbstmißbrauch“ – eine Befleckung seiner Seele, Geschlechtsorgane
oder Persönlichkeit. Dementsprechend löste der Geisteskrankheitsbegriff
den Teufel und die Genitalien als Mittler des individuellen Vergehens an
der Gesellschaft ab. Es ist, als wäre die Menschheit außerstande,
menschliche Konflikte als Realität hinzunehmen. Niemals ist es einfach
der Mensch, der sich an seinem Mitmenschen versündigt. Irgendwer oder
irgendwas – Teufel, Masturbation, Geisteskrankheit – schiebt sich immer
dazwischen, um die Unmenschlichkeit des Menschen wider den Menschen zu
verschleiern, zu entschuldigen und durch Erklären zu beseitigen.
Die Geschichte des Masturbationsirreseins, die die gesamte
Geschichte der Psychiatrie umspannt, liefert gutes Anschauungsmaterial
für einige Argumente, die ich in diesem Buch vorgetragen habe. Ich
möchte sie zum Schluß kurz zusammenfassen.
Erstens sind die Erfindung der Masturbationshypothese und ihre
medizinischen (zumal psychiatrischen) Anwendungsformen ein Beispiel für
den Geist des therapeutischen Imperialismus und Messianismus. Das Ziel
des Massenbekehrungs-Missionars besteht darin, mehr und mehr Seelen für
das Christentum zu gewinnen; ebenso will der missionierende Arzt mehr
und mehr Leiber für die Medizin erobern. Im christlichen Glaubensrahmen
geschieht dies dadurch, daß alle Menschen zu Sündern erklärt werden
(Lehre von der Erbsünde), deren Erlösung einzig durch den Beistand der
christlichen Kirchen möglich ist. In der Medizin geschieht es dadurch,
daß alle Menschen als Kranke definiert werden (die
Masturbationshypothese, neuerdings umformuliert in das hundertprozentige
Vorhandensein von Geisteskrankheit), deren Heilung sich allein mit Hilfe
des medizinischen Berufsstandes bewerkstelligen läßt.
Zweitens veranschaulicht die Masturbationshypothese eine
grundsätzliche Taktik des medizinischen und psychiatrischen
Imperialismus. Um medizinischen Fachkenntnissen und
Eingriffsmöglichkeiten einen Bereich des menschlichen Lebens zu erobern,
müssen zunächst dessen normale Funktionsabläufe zu Manifestationen von
Krankheiten erklärt werden. Daraufhin kann der nächste Schritt erfolgen:
Er besteht darin, schädliche Eingriffe von ärztlicher Seite als
medizinische Behandlung auszugeben. Der dritte und letzte, für die
Psychiatrie typische Schritt wird vollzogen, indem man dem Patienten den
schädlichen Eingriff gegen seinen Willen aufzwingt. Komplett ist der
Triumph des medizinischen Imperialismus, wenn der Laie normale Körper-
und Geistesfunktionen als Krankheiten betrachtet und schädliche
Eingriffe – auch gegen den Willen des Patienten – als Behandlung
ansieht. Drittens stützt die Masturbationshypothese – genauer gesagt,
was moderne psychiatrische Fachleute mit ihr treiben - meine These über
die Rolle von Täuschung und Unterdrückung in der Arbeit der
Institutionalen Psychiater. Zilboorg, Alexander und Menninger, um nur
drei außergewöhnlich einflußreiche Protagonisten der
Psychohygienebewegung zu nennen, haben eine Unmenge über die Geschichte
der Psychiatrie geschrieben, doch keines von all diesen Millionen
Wörtern gilt dem Masturbationsirresein. Dabei haben diese Autoren dieses
„Syndrom“ unstreitig gekannt *8 . Aber sie erörtern es nicht, und das
läßt nur einen Schluß zu: Sie werden der Psychiatrie eine peinliche
Verlegenheit ersparen wollen. Wir können ihre „maßgeblichen“ Geschichten
der Psychiatrie, in denen mit keiner Silbe vom Masturbationsirresein die
Rede ist, folglich mit der Verfassung der Vereinigten Staaten
vergleichen, die die Negersklaverei nicht erwähnt. Solche manipulierte
Geschichtsschreibung, die die Opfer eines Unterdrückungsverhältnisses
nicht auf ihren Status als Ausgebeutete aufmerksam macht und damit ihrer
fortgesetzten Täuschung und Entwürdigung Vorschub leistet, dient einzig
den Interessen der Unterdrücker, seien es Priester, Politiker oder
Psychiater.
Fußnoten:
*1: Wiewohl Onanie ein Synonym für Masturbieren ist, bestand Onans
Verbrechen nicht im Masturbieren, eine Praxis, auf die die Bibel
nirgendwo hinweist. In der Bibel wird vielmehr folgende Geschichte erzählt:
Ger, Onans älterer Bruder, war böse, und darum tötete ihn der Herr. „Da
sprach Juda [ihr Vater] zu Onan: Gehe zu deines Bruders Weib, und nimm
sie zur Ehe, daß du deinem Bruder Samen erweckest. Aber da Onan wußte,
daß der Same nicht sein eigen sein sollte, wenn er einging zu seines
Bruders Weib, ließ er's auf die Erde fallen, und verderbte es, auf daß
er seinem Bruder nicht Samen gäbe. Da gefiel dem Herrn übel, was er tat,
und er tötete ihn auch.“ (1. Mose 38, 8-10) Anders formuliert bestand
also Onans Tat nicht in der Selbstbefriedigung, sondern im /coitus
interruptus/, das heißt im Zurückziehen des Penis aus der Scheide vor
der Ejakulation. Sein Vergehen war nicht die Selbstbefleckung, sondern
die Weigerung, sich dem Gesetz des Levirats zu fügen, das heißt, wie im
Alten Testament vorgeschrieben, mit der Witwe seines kinderlos
verstorbenen Bruders einen Sohn zu zeugen.
*2: Über dreißig Jahre, bevor Rush Masturbation als sein Spezialgebiet
beanspruchte, hatte Johann Frank, der anerkannte Vater des
Gesundheitswesens, sie zu seinem angestammten Fachgebiet erklärt. 1780
verkündete Frank, in den Schulen habe sich die Selbstbefriedigung
derartig ausgebreitet, daß die Behörden „gar nicht genug tun können, um
diese Pest zu unterdrücken“(Zitiert in E. H. Hare, Masturbatory
insanity: The history of an idea. /J. Ment. Sci./, 108: 1-25 [Jan.]
1962, S. 23).
*3: Psychiater des neunzehnten Jahrhunderts hielten die Masturbation
nicht für die einzige, ja nicht einmal unbedingt für die wichtigste
Wahnsinnsursache. Wahrscheinlich betonen sie sie in ihren Schriften und
zumal, wenn sie sich an den Laien richteten, so stark, weil sie
glaubten, sie am besten kontrollieren zu können. Syphilis und erbliche
(oder konstitutionsbedingte) Veranlagung waren ebenfalls beliebte
Erklärungen für das Entstehen geistiger Störungen.
*4: Dies gilt für die Unrichtigkeit des Geisteskrankheitskonzepts
ebenso wie für die Unrichtigkeit der These, Masturbation führe zum
Wahnsinn. Die National Association for Mental Health behauptet, und
amerikanische Präsidenten beten es ihr zustimmend nach, daß
„Geisteskrankheiten eine Krankheit wie jede andere“ sei. Die Tatsachen
indessen besagen, daß amerikanische Bürger wegen Geisteskrankheit,
jedoch nicht wegen irgendeiner anderen Krankheit gegen ihren Willen
hospitalisiert und behandelt werden können; daß sie vor Gericht als
Entschuldigung für ein Verbrechen Geisteskrankheit geltend machen
können, aber keine andere Krankheit; und daß
sie sich wegen Geisteskrankheit des Ehepartners, aber nicht wegen
irgendeiner
anderen Krankheit desselben scheiden lassen können. Gleichwohl haben
diese Tatsachen die psychiatrische und volkstümliche Auffassung, daß
„geistige Störungen“ im medizinischen Sinne Krankheiten seien, die von
Ärzten stationär behandelt werden müssen, keineswegs untergraben,
sondern womöglich noch gestärkt.
*5: Noch 1897 erteilte die amerikanische Regierung einem Michael
McCormick in San Francisco das Patent Nr. 587 994 für einen „männlichen
Keuschheitsgürtel“ den Väter ihren heranreifenden Söhnen als
Masturbationssperre anlegen sollten (/Playboy/, Dez. 1967, S. 79).
*6: Wie Rush und andere messianisch eifernde Ärzte war Milton auch
gegen das Rauchen. 1857 veröffentlichte er das Buch Death in the Pipe
(Comfort, /The Anxiety Makers/, S. 97).
*7: Je mehr sich die chirurgischen Techniken und Methoden
vervollkommneten, desto schwierigere und schädlichere Operationen ersann
und praktizierte man zur Heilung neuer iatrogener Krankheiten. Das
Voranschreiten von der Klitorisexzision zur Dickdarmexzision und von da
zur Lobotomie – zwecks „Behandlung“ nicht nur von Irrsinn, sondern auch
einer Fülle anderer Krankheiten – veranschaulicht dieses Prinzip. So
können wir zwei Grundprinzipien für das Indentifizieren von Krankheiten
und ihren Ursachen herausarbeiten. Das eine, eine empirische, geht von
Beobachtungen und gelegentlich vom Experiment aus; Beispiel: die
Indentifizierung von Syphilis und Tripper als Geschlechtskrankheiten.
Das andere, strategische, gründet sich auf die Verfügbarkeit plausibler
Mittel, mit denen medizinisch eingegriffen werden kann; Beispiel
gütliches Zureden und Darmentleeerung, als dies die hauptsächlichen
therapeutischen Möglichkeiten waren.
Demgemäß könnte man eine funktionale – oder strategische – Theorie der
iatrogenen Krankheiten und der schädlichen Behandlungsverfahren
aufstellen. Ihr zufolge lassen sich Ärzte, wenn sie Krankheiten
entdecken und sie bestimmten Ursachen zuschreiben, davon leiten, wie sie
in das Leben des Patienten /eingreifen/ möchten. Als moralische
Autorität eine starke therapeutische Waffe war, erklärte der Arzt
Wahnsinn mit Masturbation und suchte den Fall durch Überreden zu
kurieren; als die chirurgische Kunst in den Kinderschuhen steckte,
führte er das Leiden auf dieselbe Ursache zurück, behandelte es jedoch
mittels Beschneidung und Klitorisexzision. Als sich die chirurgischen
Kenntnisse und Fertigkeiten erweiterten und entwickelten, erblickte der
Arzt die Ursache des Wahnsinns im (anatomisch intakten) Dickdarm und
schritt zur Kolonresektion; als die Nervenchirurgie ihre Techniken
verfeinert hatte, sah er die Ursache der Krankheit in einer Dysfunktion
der Stirnlappen und behandelte mit Lobotomie. Die derzeitige Mode,
Geisteskrankheiten mit Psychopharmaka zu behandeln, läßt sich ähnlich
interpretieren.
*8: Daß Menninger das Problem des Masturbationsirreseins in seinem Buch
/Das Leben als Balance/ ausklammert, ist besonders aufschlußreich, weil
er im Anhang David Skaes psychiatrisches Klassifikationssystem anführt,
in dem „Masturbationsirrsinn“ an vierter Stelle steht. Weder gibt
Menninger dazu einen Kommentar, noch findet sich das „Syndrom“ bei ihm
im Index. (Menninger, /Das Leben als Balance/, S. 431.)
Anmerkungen:
(1) François Voltaire, /Dictionnaire Philosophique/, S. 154.
(2) Vgl. vor allem Friedrich A. Hayek, /The Counter-Revolution of
Science/.
(3) Alfred C. Kinsey, Wardell B. Pomeroy, Clyde E. Marlin und Paul
Gebhard, /Sexual Behavior in the Human Female/, S. 168.
(4) Ibd., S. 473.
(5) Alfred C. Kinsey, Wardell B. Pomeroy und Clyde E. Martin, /Sexual
Behavior in the Human Male/, S. 465.
(6) E. H. Hare, Masturbarory insanity: The history of an idea, /J.
Ment. Sci./, 108: 1-25 (]an.), 1962; S. 20.
(7) Ibd., S. 2.
(8) Ibd.,S. 2 f.
(9) Ibd., S. 3.
(10) Ibd.
(11) Benjamin Rush, /Medical Inquiries and Observations upon the
Deseases of the Mind/ (1811).
(12) Ibd., S. 33. 0
(13) Ibd.,S. 347.
(14) Ilza Veith, /Hysteria/, S. 179.
(15) Vgl. Kp. 8.
(16) Hare, S. 4.
(17) lbd.
(18) Ibd., S. 5.
(19) Ibd., S. 6.
(20) Ibd.
(21) Zitiert in: John Duffy, Masturbation and clitoridectomy. /J. A. M.
A./, 186: 246-248 (19. Okt.), 1963; S. 246.
(22) Zitiert bei Hare, S. 23.
(23) Zitiert in: Lars Ullerstam, /The Erotic Minorities/, S. 113.
(24) Wayland Young, /Eros Denied/, S. 204.
(29) Zitiert in Alex Comfort, /The Anxiety Makers/, S. 107 f.
(32) René A. Spitz, Authority and masturbation: Some remarks on a
bibliographical investigation, /Yearbook of Psychoanalysis/, Bd. 9, S.
113-145; S. 123.
(33) Duffy, S. 248.
(34) Comfort, S. 97.
(35) Hare, S. 22.
(36) lbd.
(37) Comfort, S. 95.
(67) Comfort, S. 111.
(68) lbd., S. 112.
Bibliographie:
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the Medical Profession/. Nelson, London 1967.
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246-248 (19. Okt.), 1963.
Hare, E. H., Masturbarory insanity: The history of an idea. /J.
Ment. Sci./, 108: 1-25 (]an.), 1962.
Hayek F. A., (1955) /The Counter-Revolution of Science: Studies on
the Abuse of Reason/. Free Press, New York 1964.
Kinsey, A. C., Pomeroy, W. B., Martin C. E., /Sexual Behavior in the
Human Male/. Saunders, Philadelphia 1948.
Kinsey, A. C., Pomeroy, W. B., Martin C. E. und Gebhard, P., /Sexual
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Rush, B., /Medical Inquiries and Observations upon the Deseases of
the Mind/. Facsimile of the Philadelphia 1812 Edition. Mit einer
Einführung von S. Bernhard Wortis. Hafner Publishing Co., New York 1962.
Spitz, R. A., Authority and masturbation: Some remarks on a
bibliographical investigation. /Yearbook of Psychoanalysis/, Bd. 9, S.
113-145. International Universities Press, New York 1953.
Ullerstam, L., (1964) /The Erotic Minorities/. Grove, New York 1966.
Veith, I., /Hysteria: The History of a Desease/. Univer. Of Chicago
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Voltaire F., (1764) /Dictionnaire Philosophique/. S. 154. Zitate
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New York 1946.
Young, W., /Eros Denied: Sex in Western Society/. Grove, New York 1966.
Aus:
TEIL II
/Fabrikation der Geisteskrankheit/
In:
Szasz, Thomas S.: /Die Fabrikation des Wahnsinns. Gegen Macht und
Allmacht der Psychiatrie/. Fischer Taschenbuch Verlag: Frankfurt am Main
1976; Engl.: /The Manufacture of Madness. A comparative Study of the
Inquisition and the Mental Health Movement/. Harper and Row: New York 1970
Nachdruck und Online-Ausgabe:
Szasz, Thomas S.: /The Manufacture of Madness: A Comparative Study of
the Inquisition and the Mental Health Movement/. Syracuse University
Press: Syracuse 1997:
http://books.google.de/books/about/The_manufacture_of_madness.html?id=hpOcRRum3XEC
--
Wortfeld Selbstbefriedigung:
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runterholen, einen keulen, einen schrubben, die nuss knacken, Fünf gegen
Willy, hobeln, one man show, taschenbillard spielen, eiergeleier,
einmastsegeln, wanken, einen von der Palme wedeln, einen schrubbn, die
Möhre schälen, die Taschenrakete melken, den einäugigen Zyklopen
kitzeln, den Kasper schnäuzen, die Fleischpeitsche polieren, einen
lümmeln, den Lachs baden, den Jürgen würgen, wedel edel, to choke the
monkey, den Gockel frisieren, die Banane entsaften, den Rasen sprengen,
orgeln, die Wurst pellen, einen schlackern, Den Räuber schütteln, to
hold the sausage hostage, die Hosenschlange würgen, es sich selbst mit
der Hand machen, einen schlackern, wienern, die Boa würgen, Quark
machen, spudern, der Eichel schmeicheln, den Kolben polieren, das Rohr
polieren, Kleister fabrizieren, Keulen, Kleppern, Schüddeln, einen
bürsten, Flötensolo spielen, die Peitsche schwingen, (sich) die Perle
putzen , den Delfin lackieren , den Kasper flapschen , den Lurch würgen,
häufigste Form sexueller Aktivität, sexuelle Aktivität, den Finger
versenken, sich den Finger geben, sich fingern, Selbsthilfe, sich selbst
helfen
English:
self-abuse, sexual stimulation, to jerk off, to wank, to bash the
bishop, to beat off, to beat the meat, to choke the chicken, to fap, to
flog the log, to jack off, to jerk off, to play pocket pool, to play
with oneself, to pleasure oneself, to service yourself, to skeet, to
spank the monkey, to toss, to toss off, to wank, to wank off, to whack
off, to mastuprate, to frig, to diddle, to flick the bean, to jill, to
jill off
Teil-Quelle und Dank an:
http://forum.rollbrettmedia.de
Und:
http://en.wiktionary.org/wiki/Wikisaurus:masturbate