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Entwurf der vfdb RL 0601 „Technisch-medizinischen Rettung nach Verkehrsunfällen“

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Manuel Schmidt

unread,
Dec 17, 2009, 3:58:00 PM12/17/09
to
Hallo allerseits!

Ich zitiere mal ebend
<quote src=http://www.feuerwehr.de/news/2009/12/17/vfdb.php>

vfdb veröffentlicht Entwurf der RL 0601 „Technisch-medizinischen Rettung
nach Verkehrsunfällen“

Die VFDB, Referat 6 veröffentlicht den Entwurf der Richtlinie RL 0601
„Technisch-medizinischen Rettung nach Verkehrsunfällen“ (.pdf 6,96 MB).
Stellungnahmen zum Entwurf sind bis 30. Januar möglich.

Für Stellungnahmen, Kommentare und Änderungsvorschläge stellt die VFDB
ein Word-Formular bereit. Die Stellungnahmen sind per E-Mail einzureichen.
</quote>

Die Richtlinie des "Verein zur Förderung des Brandschutzes" macht in
diesem Richtlinien entwurf auch recht detailierte Angaben zur
medizinischen Versorgung.

Ich werde mir das im Dienst mal näher zur Gemüte führen und im Detail
schauen, was ich davon halte.

Schaut ihr euch das doch auch mal an, um es zu kommentieren.


Grüße

Manuel

Manuel Schmidt

unread,
Dec 21, 2009, 5:12:58 PM12/21/09
to
Manuel Schmidt schrieb:

> Hallo allerseits!
>
> Ich zitiere mal ebend
> <quote src=http://www.feuerwehr.de/news/2009/12/17/vfdb.php>
>
> vfdb veröffentlicht Entwurf der RL 0601 „Technisch-medizinischen Rettung
> nach Verkehrsunfällen“

Hat sich jemand den Entwurf, zu sehen auch unter
http://www.vfdb.de/download/EntwurfvfdbRichtlinie0601.pdf , mal angeschaut?

Bevor ich am Einspruchsverfahren teilnehme, würde ich gerne eine etwas
breitere Diskussin dazu anstoßen.
Nachdem ich letzte Schicht mir den Entwurf genauer angeschaut habe, habe
ich insbesndere den medizinischen Teil mal kommentiert, was ich hier zur
Diskussion stelle:

1 Vorwort, Seite 5:
"Als Orientierung dient die so genannte "Golden Hour of Schok", d.h. es
sollte ein Zeitraum von unter 60 Minuten vom Unfallereignis bis zum
Erreichen eines Traumazentrums angestrebt werden".
Wenn man den Begriff der "Golden Hour of Shock" verwendet, sollte er
fachlich korrekt verwendet werden. Die "golden Hour of Shock" endet
nicht bei erreichen des Traumazentrums, sondern mit Beginn der
operativen Versorgung (sprich Schnitt-Zeit der Not-OP)
"Aus diesem Grund sollen die Rettungszeiten (...) von durchschnittlich
20-30 Minuten im Regelfall nicht überschritten werden."
In Anbetracht dass Traumamanagment Zeitmanagment ist, sehe ich die
Gefahr, dass hier 20 Minuten immer verwendet werden, auch wenn es
situationsangepasst schneller gehen würde. Wie wäre es mit: "Aus diesem
Grund sollen die Rettungszeiten möglichst gering gehalten werden, jedoch
20-30 Minuten im Regelfall nicht überschreiten"

2.4 Begriffsbestimmungen "Sofortrettung" Seite 6
Ich finde es gut, dass jemand weiter zur Vereinheitlichung der
grundsätzlichen Rettungsmodi beiträgt.
Ich schlage als Alternative zur "Sofortrettung" den Begriff der
"Notrettung" vor. Wie er etwa In den Traumasystemen verwendet wird.

2.5 "Schnelle Rettung". Seite 6
Auch hier würde ich lieber den Hinweis auf die dringliche Notwendigkeit
sehen.
"Um die Vor-Ort-Zeiot zu minimieren und den Kliniktransport zu
beschleunigen sollte die technische Rettung soweit unter
Berücksichtigung der Sicherheitsaspekte möglich ist beschleunigt werden.
Das Zeitfenster soll nicht mehr als 20 Minuten hierfür betragen."

3.1 Kräfteansatz Seite 8
Die Erwähnung eines frühzeitig anzufordernden RTH finde ich sehr gut.

3.2.2. Staffelführer 1, Seite 9
ggf. sollte erwähnt werden, dass vom Staffelführer 1 auch die Position
der Geräteablage des Rettungsdienstes festgelegt wird
Wenn diese Richtlinie teilweise schon sehr detailierte
Aufgabenverteilungen und Angaben macht, sollte man dies auch einfügen.

3.2.2. Staffel 1, 2. Trupp; Seite 10
Hier könnten auch Angaben zur anzustrebenden Qualifikation des inneren
Retters stehen.
Oder ob man eher einem RettAss, Fw-Unerfahren, oder einem Feuerwehrmann,
aber RD-Unerfahren, bevorzugen sollte.

3.4.3. Medizinisches Gerät
Die angegebene Ausrüstung ist meiner Einschätzung nach ein gutes
Grundgerüst.
Ich würde folgende angaben hinzufügen: "Sollten Mitglieder in der
Feuerwehr über eine entsprechender Qualifikation, z.B. Rettungssanitäter
oder höher, Verfügen, sollte diese Mindestausstattung entsprechend
ergänzt werden".
Zum Rettungsbrett: Eine gute Sache, gehört meiner Meinung nach unbedingt
dazu.
Ich würde folgende Ergänzungen vorschlagen:
"Langes Rettungsbrett". Es gibt auch kurze Rettungsbretter. IMO ist
einem langen Rettungsbrett grundsätzlich den Vorzug zu geben. Kurze
Rettungsbretter haben ihre daseinsberechtigung nur als "Extraktion
device" bei beengten Lagen. Hierfür steht in Deutschland im
Rettungsdienst eigentlich flächendeckend das KED oder vergleichbares zur
Verfügung.
"Mit System zur Körper- und Kopffixierung" gehört IMO ergänzt.
Ich kenne einzelne Fws die haben nur ein Brett, aber ansonsten nichts
dazu. Beides gehört IMO aber zwingend zu einem Wirbelsäulenbrett dazu.
Vor allem ermöglicht das dem Rettungsdienst die Option, den Patienten
auf dem Wirbelsäulenbrett entsprechend in seiner Bewegung einzuschränken
und damit in's Krankenhaus zu verbringen.
Von den wei teren Möglichkeiten der Fw-Einheit die sich so durch das
Brett ergeben (z.B. Ersatz für DIN-Trage) mal ganz abgesehen.

3.4 Kommunikation Seite 18
"Die Zeitangaben solltne in messbaren Größen (z.B. in Minuten) angegeben
werden." steht dort.
"Die Zeitschiene sollte durch einen FM(SB), etwa durch den
Führungsgehilfen des Einsatzleiters, im Auge behalten und der
Einsatzleiter darüber informiert werden."
Auch dem Einsatzleiter geht das Zeitgefühl recht schnell verloren. Da
kann es hilfreich sein, wenn ihn gelegentlich jemand daran erinnert, mal
auf die Uhr zu schauen.

4.5.3 Brandschutz; Seite 22
"Die Löschmittel sollten, sobald ausreichend Personal zur Verfügung
steht, permanent besetzt werden."
Ab dem Zeitpunkt, wo man ausreichend Personal hat, dass ständig eine
Person an Rohr und Feuerlöscher steht, könnte diese Person auch ständig
Atemschutz tragen.
Somit wird die zeit Verkürzt um "parallel zu den ersten
Brandbekämpfungsmaßnahmen Atemschutz anzulegen" auf die Zeit zum
anschliesen des LA verkürzt.
ein Geübter FM wird auch 2 Minuten brauchen um vom Einsatzort zum LF zu
laufen, PA samt Maske aufzusetzen und wieder zurück zu laufen. Eine
größére Zeit ist realistischer.

4.6.2 "Notfallmäßige Erstversorgung"; Seite 30
"Die Stabilisierung der Vitalfunktionen für den Kliniktransport".
Dieser Satz behagt mir nicht so recht. Er Impliziert, dass man "Die
Vitalfunktionen" stabilisieren kann. Das trifft gerade auf den Kreislauf
bei einem kritischen Traumapatienten regelmäßig nicht zu. Versucht man
dies verschenkt man Zeit.
Vorschläge für eine treffendere Formulierung, die klarmacht: "macht nur
das, was dem Patienten nützt. Alles andere Schadet ihm weil es Zeit kostet"
"... verfolgt ausschlieslich ein Ziel: erweiterte unmittelbar
Lebensrettende Maßnahmen und einen zügigen Kliniktransport"?

4.6.3 "Allgemeiner Eindruck "General Impression""; Seite 31
Aha, man hat sich also bei PHTLS was abgeschaut.
Der "Allgemeine Eindruck", bzw. "Gesamteindruck" (wie er bei ITLS
genannt wird) ist eine reine Blickdiagnose. Was man so auf den Ersten
Blick sieht. Wenn man den Patienten anschaut und schon feststellt, dass
der Patient "Oh mein Gott positiv" ist. Puls fühlen etwa kommt weiter
hinten im "ABCDE-Aproach"

4.6.4 A "Erstbeurteilung des Patienten"; Seite 31
Dem "Trauma Chin lift" zum Vorziehen des Unterkiefers würde ich den
modifizierten Esmarch-Handgriff vorziehen. Dieser ermöglicht
gleichzeitig mit dem Vorziehen des Unterkiefers die manuelle
Stabilisation des Kopfes durch einen Helfer. Das geht beim "Trauma Chin
lift" ebend nicht.
Wenn man im PHTLS-Sprachgebrauch bleiben will kann man es auch
"Trauma-Jaw-Thrust" nennen.
"ggf. Einlage Wendel-Guedeltubus". Das sind zwei Verschiedene Tuben,
also sollte es auch "ggf. Einlage WEndl-, oder Guedeltubus" heißen

4.6.4 B "Erstbeurteilung des Patienten"; Seite 31
Atemgeräsche wie SChnarchen etc. deuten auf eine teilweise Verlegung der
Atemwege hin. Sind also ein A-Problem.
Ich halte es für nicht gut, wenn man das ABCDE-Schema übernimmt, aber
dabei nicht konsequent ist.
Bei der Atemfrequenz sollten der Einfachheit halber in Klammern Zeiten
angegeben werden. etwa wie folgt:
"(schnell >20-30/Minute (< 5sec für zwei Atemzüge) und langsam <
12/Minute (> 10 sec für zwei Atemzüge))"
Eine Angabe von Sekunden für zwei Atemzüge erleichtert die erste
Einschätzung der Atmung ungemein und ist IMO wesentlich praktikabler als
etwa 15 Sekunden lang die Atmung auszuzählen und zu multiplizieren.
Ob man eine Atmung von <12 bereits als kritisch Bezeichnen sollte, darf
diskutiert werden. Man findet auch Angaben von <10 oder >30 als
Parameter für eine kritische Atmung.

4.6.4 C "Erstbeurteilung des Patienten"; Seite 31
Der Patient soll ja nicht Kapitulieren, sondern überleben. Daher sollte
die "Rekapitullierungszeit" durch die "Rekapilarisierungszeit" ersetzt
werden :-)
Bezüglich des Normbereiches des Pulses darf auch diskutiert werden, ob
ein Puls >100 bei einem Patienten der momentan unabhängig von
eventuellen Verletzungen totalen Stress hat, als kritisch zu betrachten ist.
Ob der Puls peripher tastbar ist oder nur Zentral ist ein auch
Entscheidungskritierium das hinzugefügt werden muss. Wenn nicht sogar
eines der wichtigsten.
Die Stabilisierung einer Beckenfraktur zählt ebenfalls zur
Blutungskontrolle. Also nicht nur "Identifikation und STillung ovn
starken, äußerlich sicht baren Blutungen"

4.6.4 E "Erstbeurteilung des Patienten"; Seite 32
"EInmaldecken, oder zur Not auch Wolldecken" steht hier.
Ich frage mich, warum eine Wolldecke hier schlechter sein soll, als eine
Einmaldecke?
Wir verwenden beim VU primär eine Wolldecke. Sie ist im Gegensatz zu
einer Einmaldecke deutlich robuster. Einmaldecken sind i.d.R. auch
leichter entflammbar als eine Wolldecke.
Sicherlich darf man die Wolldecke nicht einfach so wieder einpacken und
für's nächste Opfer verwenden. Wir wachen die im Anschluss
desinfizierend und packen sie danach getrocknet wieder in eine Tasche
und wieder auf's Auto.

4.6.7 "Medizinisch-technischer Algorithmus "Eingeklemmte Person""; Seite 33
Die Quelle für dieses Schema fände ich recht interessant.
Was haltet ihr von diesem Schema? finde es in mehreren Punkten nicht
glücklich.
Das fängt damit an, dass hier andere Angaben zu AF (hier <8, >30) als
insuffizient betrachtet werden als bei 4.6.4 B. Ähnlich verhält es sich
bei den Kreislaufparametern (hier Puls >110 als kritisch)
Ein paar andere Punkte finde ich ebenfalls nicht gut. Aber hierzu bitte
zunächst eure Meinungen

4.7 "Einsatzablauf (Chronologie)"; Seite 34
"Zugang schaffen -> Medizinischer Ersteindruck (Bodycheck)"
Ein paar Seiten weiter vorher kennt man diesen Vorgang "Erstbeurteilung
des Patienten (Primary Survey)". Dann sollte man es hier auch so nennen.

5.4 "Trennen der B-Säule - Alternative zum Schneiden"; Seite 41
Wo ich bis jetzt eigentlich nur medizinische Sachen kommentiert habe
jetzt etwas zur technischen Seite:
Wir haben letztens mal Versucht durch einen Zylinder das Dach soweit
nach oben zu Drücken, bis die B-Säule abreist.
Deutlich vor dem Abreißen der B-Säule bewegten sich Vorder- oder
Hinterwagen deutlich. Von daher weiß ich nicht, ob das die Methode der
Wahl ist.

6 "Literaturhinweise"; Seite 42
Sind dies Hinweise auf gute Literatur oder Quellenangabe aus denen ein
Teil des fachlischen Teiles dieser Richtlinie hervorging?
Wenn ersteres: sollte dies deutlicher gemacht werden.
Wenn letzteres der Fall ist: sollte da sicherlich noch ein par andere
Sachen auftauchen.

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