-Welche Besetztung haben Emergency Ambulances (RTWs) im UK
_ welche Kompetenzen werden ihnen eingeräumt?
-Welche Berufsbilder gibt es ? (eg RA, RS) und welche Ausbildung haben sie
genossen?
Danke
garrit
Enigma wrote:
Besatzung von RTWs (Accident & Emergency Ambulance):
Von der Regierung vor einigen Jahren schon gefordert, sollte mittlerweile
ein jeder RTW der "999 Notrufe" faehrt, mit mindestens einem Ambulance
Paramedic und einem Ambulance Technician besetzt sein.
Im UK gibt es den einfachen Krankentransport (Patient Transport Service)
welcher meist durch nur einen Fahrer mit relativ wenig medizinischer
Ausbildung durchgefuehrt wird. Jedoch werdern leider immer noch allzu oft
RTWs waehrend notfallruhigen Zeiten fuer den PTS verraeumt (insbesondere
Nachts). Man unterscheidet also zwischen urgent admissions (Krankentransoprte
mit Blau), emergencies und Transfers.
Kompetenzen:
Ein Ambulance Technician darf in der Regel einen halbautomaten bedienen,
nebulized Salbutamol, oral glucose und Etonox geben sowie dem Ambulance
Paramedic assistieren.
Der Ambulance Paramedic DARF GRUNDSAETZLICH
periphere Venen punktieren (to cannulate)
manuel defibrillieren
oral intubieren (ohne Relaxanzien), sowie
Adrenaline, Lignocaine, Glucagon, Atropine, Etonox, Nubain, Naloxone,
Diazepam, Salbutamol und Nitro applizieren.
Jeder NHS Trust bestimmt jedoch fuer sich selbst, welche Massnahmen
(zusaetzlich) durchgefuehrt werden. So wird zum Beispiel in sehr wenigen
Gegenden Lasix geben. Die meisten Ambulance Services geben keine
hochprozentige Glukose (angeblich zu hohe Gefahr der Nekrosebildung - anstatt
wird Glucagon i.v. appliziert). Medikanemte wie Dobutamin oder Dopamin kommen
meines Wissens nach bei keinem RD zum Einsatz.
SVT's koennen und duerfen weder elektrisch (synchronisierte Kardioversion)
noch pharmakologisch Behandelt werden - also kein Verapamil, Diltiazem,
Adenosin, Digitalis, Procainamide, Ajmilin, Digitalis oder Beta-Blocker. VM
und CSM duerfen auch nicht durchgefuehrt werden.
Ventrikulaere Tachykardien duerefn bei einer Frequenz von >150 mit Lignocaine
behandelt, jedoch nicht kardiovertiert werden! - Bei pulsloser V-Tach wird
unsynchronized geschockt.
Lungenoedem wird also bei den meisten RD's mit Sauerstoff und Nitro
behandelt.
Kardiogener Schock kann nicht behandelt werden - improvisieren und zum
Beispiel einen Adrenalin-Tropf (epi drip) haengen, gibt es nicht.
Ist der NHSTD Paramedic in PHTLS ausgebildet, darf er in einigen Gegenden
die "blind nasotracheal intubation" durchfuehren.
Skills wie I.O.'s in pediatrics, needle thoracostomy (Punktion eines
Spannungspenu mittels Braunuele) aber auch die needle cricothyrotomy (Puntion
des Ligamentum Konikums mittles Braunuele) werden bei vereinzelten RDs
durchgefuehrt. 12-Kanal EKGs werden von nur sehr wenigen eingesetzt.
Berufsbilder/ Ausbildungen:
Ambulance Technician: Ca. 13-15 Wochen (5x8 Std.x15 Wochen = 600 Std.)
Davon sind ca. 3-4 Wochen medizinische Ausbildung, 3-4 Wochen Fahrertrainig
und 4 Wochen berufspolitisch bezogen.
Anschliessend verbringt man gute 12 Monate auf einer Wache unter anleitung
eines "seniors". Nach erfolgreichem Abschluss dieser Probezeit ist man ein
"qualified ambulance technician". Da Paramedics in bestimmten Gegenden immer
noch reichlich benoetigt werden, kann man meist gleich nach Ablschuss der
Probezeit sich fuer das "laecherliche" Paramedictraining bewerben.
Paramedic:
4 Wochen bzw. 160 Std. Theorie
4 Wochen bzw. 160 Std. Krankenhauspraktikum (mindestens 25 Zugaenge, 25
Intubationen)
Anschliessend 6 Monate mit Praxisanleiter auf dem RTW. Danach
Abschlussgespraech und man ist ein vollwertiger NHSTD Paramedic.
Michael
P.S. Dies sind allgemeine Angaben laut Stand Dezember 1989 - also, keine
Gewaehr.
[große Teile der guten Darstellung der Unterschiede in UK gesnipt]
>
>Berufsbilder/ Ausbildungen:
>
>Ambulance Technician: Ca. 13-15 Wochen (5x8 Std.x15 Wochen = 600 Std.)
>
>Davon sind ca. 3-4 Wochen medizinische Ausbildung, 3-4 Wochen Fahrertrainig
>und 4 Wochen berufspolitisch bezogen.
>Anschliessend verbringt man gute 12 Monate auf einer Wache unter anleitung
>eines "seniors". Nach erfolgreichem Abschluss dieser Probezeit ist man ein
>"qualified ambulance technician". Da Paramedics in bestimmten Gegenden
immer
>noch reichlich benoetigt werden, kann man meist gleich nach Ablschuss der
>Probezeit sich fuer das "laecherliche" Paramedictraining bewerben.
>
>Paramedic:
>4 Wochen bzw. 160 Std. Theorie
>4 Wochen bzw. 160 Std. Krankenhauspraktikum (mindestens 25 Zugaenge, 25
>Intubationen)
>
>Anschliessend 6 Monate mit Praxisanleiter auf dem RTW. Danach
>Abschlussgespraech und man ist ein vollwertiger NHSTD Paramedic.
Sehe ich das richtig, daß man erst die Ausbildung zum AT bestehen muß, bevor
man den Paramedic machen darf?
Und ist es auch so, daß die UK Paramedics mit einer weitaus geringeren
Ausbildung als ein dt. RettAss, ein vielfaches an Maßnahmen durchführen
darf?
Nur zum Verständnis................
MfG
Jörg
--
- Man sollte nie so viel zu tun haben, daß man zum Nachdenken keine Zeit
mehr hat.- (Georg Christoph Lichtenberg)
joerg.f...@ruhr-uni-bochum.de
"Jörg Fritzsche" wrote:
> [große Teile der guten Darstellung der Unterschiede in UK gesnipt]
>
> Sehe ich das richtig, daß man erst die Ausbildung zum AT bestehen muß, bevor
> man den Paramedic machen darf?
Ja
> Und ist es auch so, daß die UK Paramedics mit einer weitaus geringeren
> Ausbildung als ein dt. RettAss, ein vielfaches an Maßnahmen durchführen
> darf?
bezueglich Ausbildungsstunden sicherlich
>
>
> Nur zum Verständnis................
>
> MfG
> Jörg
Michael
Etonox?? is das Etomidat?? Und wozu, wenn nicht mit relax. intubiert werden
darf??? *grübel*
[...]
>Adrenaline, Lignocaine, Glucagon, Atropine, Etonox, Nubain,
Wird Nubain als Partialantagonist, also als Antidot verwendet, oder als
Analgetikum?
Falls ersteres, wie sind die Erfahrungen in der Notfallmedizin (Junkies)
damit? Bei Naloxon läuft man ja immer Gefahr, anschließend erheblicher
Gegenwehr ausgesetzt zu sein...
Gruß,
Ingo
--
Ingo Schilk
mailto:Sch...@gmx.net
Ingo Schilk wrote:
> Etonox?? is das Etomidat?? Und wozu, wenn nicht mit relax. intubiert werden
> darf??? *grübel*
>
> [...]
>
> >Adrenaline, Lignocaine, Glucagon, Atropine, Etonox, Nubain,
>
> Wird Nubain als Partialantagonist, also als Antidot verwendet, oder als
> Analgetikum?
> Falls ersteres, wie sind die Erfahrungen in der Notfallmedizin (Junkies)
> damit? Bei Naloxon läuft man ja immer Gefahr, anschließend erheblicher
> Gegenwehr ausgesetzt zu sein...
Ingo,
Etonox ist nicht Etomidat. Etonox ist ein 50% Oxygen, 50% Nitrous Oxide
Gasgesmisch und dient demnach als Inhalationsanaesthetikum.
Laut UK AMBULANCE SERVICE PARAMEDIC TRAINING der NATIONAL HEALTH SERVICE
TRAINING DIVISION (NHTSD):
Nubain Indications
- relieve of moderate-to-serve pain uncontrolled by Etonox.
Hier noch meine Erfahrung bezueglich Einsatz von Naloxon bei Heroinueberdosis:
In meinen 6 Jahren Paramedic-Erfahrung in San Diego (1993-1997) und
Seattle-King County(1997- present) habe ich weit mehr als 300 junkies mit
Naloxon behandelt. Nicht ein einziger der daraufhin aufwachte, war
anschliessend im Entzug oder gar rebellisch; ich behaupte jedoch nicht, dass
dies nicht passieren kann/koennte.
Meine Angaben zum UK Paramedic beziehen sich auf den Stand von letztem Jahr
1998 nicht 1989!
Hier nocheinmal die Standardmedikamente (nicht alle werden von jedem RD
eingesetzt)
atropine
diazepam
ergometrine (oxytocin)
glucagon
glyceryl trinitrate spary (Nitro)
lignocaine
naulbuphine
naloxone
salbutamol
sodium bicarbonate
dextrose 50%
heamaccel
normal saline
Servus,
Michael
on 25 Sep 1999 19:43:58 GMT, "Ingo Schilk" <Sch...@gmx.net> wrote in
"de.etc.notfallrettung":
>Etonox?? is das Etomidat??
Entonox ist ein Gemisch aus Lachgas und Sauerstoff, was zur
Analgesie inhalativ verabreicht wird.
>Wird Nubain als Partialantagonist, also als Antidot verwendet, oder als
>Analgetikum?
Als beides (zumindest in der Klinik in Deutschland). :-)
>Falls ersteres, wie sind die Erfahrungen in der Notfallmedizin (Junkies)
>damit? Bei Naloxon läuft man ja immer Gefahr, anschließend erheblicher
>Gegenwehr ausgesetzt zu sein...
Nalbuphin zur partiellen Antagonisierung hebt selektiv die
mue-Wirkungen der Opioide auf (insb. Atemdepression und
Reflexdaempfung) bei gleichzeitiger kappa-Stimulation. Das bedeutet,
dass die spinal- und supraspinal vermittelte Analgesie erhalten
bleibt (im Ggs. zu Naloxon, bei dem die Pat. zwar gut schnaufen,
aber auch Schmerzen haben).
Zu den mue-vermittelten Wirkungen gehoert auch die Euphorie, also
die eigentlich vom Junkie angestrebte Wirkung. Wie er darauf
reagiert, wenn ihm dieses genommen wird, ist wohl schwer
vorherzusagen, und mir fehlen diesbezueglich auch die praktischen
Erfahrungen. Es darf aber sicher postuliert werden, dass aufgrund
der sedierenden und analgesierenden Komponente von Nalbuphin die
"Entzugssymptomatik" wesentlich blander verlaeuft.
--
Mit freundlichen Gruessen,
(DN)
| Dr. Detlef Nick, Maj. (MD)
| Anesthesiologist
| Dep. of Anesthesiology
| German Federal Armed Forces Central Hospital
| 56072 Koblenz / Germany
| email: dn...@online.de
| netmail: 2:2454/410@fidonet
on Sat, 25 Sep 1999 16:33:16 -0700, Michael Damm
<dam...@foxinternet.net> wrote in "de.etc.notfallrettung":
>In meinen 6 Jahren Paramedic-Erfahrung in San Diego (1993-1997) und
>Seattle-King County(1997- present) habe ich weit mehr als 300 junkies mit
>Naloxon behandelt. Nicht ein einziger der daraufhin aufwachte, war
>anschliessend im Entzug oder gar rebellisch; ich behaupte jedoch nicht, dass
>dies nicht passieren kann/koennte.
Das ist aber auf jeden Fall ein Hinweis darauf, dass Du die
Gesichtspunkte beim Einsatz von Naloxon bei dieser Indikation sehr
korrekt eingehalten hast (verduennen, titrierend kleinste Dosen
(<0,04) applizieren, lange genug die Wirkung abwarten (>3 Minuten)),
was oft falsch gemacht wird, und dann zur "Katastrophe" (=akutes
Entzugsdelir) fuehren kann.
"Dr. Detlef Nick" wrote:
> Das ist aber auf jeden Fall ein Hinweis darauf, dass Du die
> Gesichtspunkte beim Einsatz von Naloxon bei dieser Indikation sehr
> korrekt eingehalten hast (verduennen, titrierend kleinste Dosen
> (<0,04) applizieren, lange genug die Wirkung abwarten (>3 Minuten)),
> was oft falsch gemacht wird, und dann zur "Katastrophe" (=akutes
> Entzugsdelir) fuehren kann.
detlef,
kann sicherlich, wuerde auch niemals dagegen argumentieren, jedoch ist mir das
bei +300 patienten nicht ein einzigesmal passiert. in san diego gaben wir eine
standarddosis von 2mg i.v. push worauf 95% meiner patienten binnen 7-30 sekunden
aufwachten; anschliessend wurden weitere 2mg i.m. als depot-wirkung appliziert
und der patient vor ort belassen. (100% der vort ort belassenen verweigerten
anschliessenden transport und die krankenhaeuser waren froh ihre 'kostbaren"
betten nicht mit junkies belegen zu muessen.
in seattle gaben wir waehrend meiner ausbildung 0.8mg i.v. und transportierten
jede overdose, wir im landkreis hingegen geben 1mg i.v. und wiederum 1mg i.m. und
kein transport.
die einzige reaktion welche ich on occasion post naloxon applikation bei
patienten bemerke ist nausea & vomiting.
michael
on Tue, 28 Sep 1999 09:44:09 -0700, Michael Damm
<dam...@foxinternet.net> wrote in "de.etc.notfallrettung":
> in san diego gaben wir eine
>standarddosis von 2mg i.v. push
Das waeren ja (bei Benutzung der deutschen Handelsform) 5 Ampullen
auf einmal?!
>worauf 95% meiner patienten binnen 7-30 sekunden
>aufwachten; anschliessend wurden weitere 2mg i.m. als depot-wirkung appliziert
>und der patient vor ort belassen. (100% der vort ort belassenen verweigerten
>anschliessenden transport und die krankenhaeuser waren froh ihre 'kostbaren"
>betten nicht mit junkies belegen zu muessen.
Klar, wo sowas haeufig ist, faehrt man die nicht ins hospital.
>die einzige reaktion welche ich on occasion post naloxon applikation bei
>patienten bemerke ist nausea & vomiting.
Agitiertheit und Agressivitaet kommt nicht vor?
"Dr. Detlef Nick" wrote:
> Das waeren ja (bei Benutzung der deutschen Handelsform) 5 Ampullen
> auf einmal?!
stimmt, allerdings gibt es in usa 0.4mg, 1mg und 2mg apullen.
> Agitiertheit und Agressivitaet kommt nicht vor?
nee; denial jedoch staendig - nach dem motto: "ich habe nichts genommen bzw. kein
heroin abgeschossen."
servus,
michael