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In Rheinfelden streiten sich die Notärzte um Notfallpatienten

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Oliver Nöltner

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Apr 23, 2001, 6:51:01 AM4/23/01
to
Im Landkreis Lörrach wird der Notarzt nun selbst zum Notfall.
Weil das Landratsamt den Rettungsdienst im Raum Rheinfelden nicht eindeutig
geregelt hat,
streiten sich das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und das private
Rettungsdienstunternehmen Paramed Ambulanz GmbH um die Patienten.
Obwohl das Freiburger Verwaltungsgericht den Privatrettern eine
vorläufige Betriebserlaubnis erteilt hat, werden die Paramed-Notärzte
durch die vom DRK betriebene Rettungsleitstelle bei Notfällen nicht
alarmiert. Deshalb hat Paramed gegen Disponenten der Leitstelle
Strafanzeige wegen versuchter unterlassener Hilfeleistung gestellt.
Auch die Ärztekammer Freiburg beschäftigt sich mit den Vorfällen.

Wenn auf der Rettungsleitstelle im Gebäude des DRK-Kreisverbandes
Lörrach ein Notruf eingeht, ist der Streit schon vorprogrammiert.
Denn laut Rettungsdienstgesetz Baden-Württemberg muss bei einem
Notfalleinsatz das Rettungsfahrzeug eingesetzt werden, das am
schnellsten beim Patienten ist. In dem Gebiet rund um Rheinfelden, in
dem mehr als 40 000 Menschen leben, sind die Paramed-Retter am
schnellsten. Das im Juni 1999 gegründete Unternehmen betreibt im
Landkreis Lörrach zwei Rettungswachen, die rund um die Uhr mit
ausgebildeten Rettungskräften besetzt sind. Sieben nach den
Vorschriften des Rettungsdienstgesetzes ausgestattete Fahrzeuge
stehen für Notfälle bereit.

Weil in Rheinfelden die Notarztversorgung unzureichend war, füllte
das Unternehmen im Februar 2001 die Lücke. Seither schickt es nicht
nur Rettungswagen, sondern auch ein Notarzteinsatzfahrzeug zu den
Patienten. Doch den Einsatz der Paramed-Notärzte will das Rote Kreuz
nicht akzeptieren. Seit 1. April organisiert es in Rheinfelden einen
eigenen Notarztdienst. Bei lebensbedrohlichen Situationen alarmiert
die DRK-Rettungsleitstelle nur die eigenen Ärzte - auch dann, wenn
der Einsatzwagen von Paramed nur wenige hundert Meter entfernt ist.
Ist dies der Fall, dann rücken die Notärzte von Paramed auf eigene
Verantwortung aus, weil sie den an den Funkverkehr angeschlossen
sind.

In der Praxis führt das zu abenteuerlichen Situationen. «Es ist
wie beim Duell Hase gegen Igel», sagt der Ärztliche Leiter von
Paramed, Axel Hauber: «Wer zuerst kommt, gewinnt.» Meist hat der
mehrere Kilometer entfernt stationierte DRK-Arzt das Nachsehen. Er
trifft in der Regel sieben bis zehn Minuten nach dem Notarzt von
Paramed ein. Bei den Krankenkassen rechnet das DRK den Einsatz
dennoch ab. Das Verwaltungsgericht hat den Einsatz der privaten
Retter für rechtens erklärt. Eine Beschwerde des Landratsamtes gegen
dieses Urteil hatte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg
abgewiesen.

Das Rote Kreuz will sich zu dem Tauziehen um die Notfallpatienten
nicht äußern. Vom Landratsamt fordert das DRK, dass es die Paramed-
Rettungsfahrzeuge aus dem Verkehr zieht. Doch die Behörde tut sich
schwer mit einer Entscheidung. Seit Monaten lässt Landrat Alois
Rübsamen (CDU) die privaten Notfallretter im Ungewissen. Rübsamen ist
Kreisvorsitzender des DRK, der Leiter seiner Rechtsaufsicht
Schatzmeister des DRK-Kreisverbandes. Eine Entscheidung des
Landratsamtes in diesem Fall wird Ende dieser Woche erwartet.

«Der Streit in Rheinfelden ist typisch. Privaten Anbietern werden
massiv Steine in den Weg gelegt», sagt Andreas Wolf, Vorsitzender des
Bundesverbandes eigenständiger Rettungsdienste (BKS). Wolf betreibt
einen Rettungsdienst in Karlsruhe. Seiner Ansicht nach beweisen die
Privaten, dass Notfallrettung auch ohne staatliche Subventionen
betrieben werden kann. Aber: «Gegen die starke Lobby der
Wohlfahrtsverbände kommen wir nicht an.» In Baden-Württemberg sind
elf Rettungsfirmen gemeldet. Insgesamt verfügen sie über sechs
Rettungswagen. Dem gegenüber stehen 270 Rettungswagen der
Wohlfahrtsverbände.

---
Oliver Nöltner


Oliver J

unread,
Apr 23, 2001, 7:18:16 AM4/23/01
to
On Mon, 23 Apr 2001 12:51:01 +0200, "Oliver Nöltner"
<noel...@welle.de> wrote:

> ... (snip) ... Deshalb hat Paramed gegen Disponenten der Leitstelle


>Strafanzeige wegen versuchter unterlassener Hilfeleistung gestellt.

~~~~~~~

...die nicht strafbar ist.


Mit besten Grüßen
OLIVER

Ingo zum Felde

unread,
Apr 23, 2001, 7:27:11 AM4/23/01
to

"Oliver Nöltner" wrote:

> ....In dem Gebiet rund um Rheinfelden, in


> dem mehr als 40 000 Menschen leben, sind die Paramed-Retter am

> schnellsten. .... Sieben nach den


> Vorschriften des Rettungsdienstgesetzes ausgestattete Fahrzeuge
> stehen für Notfälle bereit.
>

> .... sondern auch ein Notarzteinsatzfahrzeug zu den
> Patienten....

7 Fahrzeuge darunter ein NEF für 40000 Einwohner??, etwas viel oder nicht.
Bei 40000 Einwohnern gibt es ca. 4000 Fahren, davon max. 2000 Rettung und
600-800 mit NA.
1000 Einsätze je RTW (2 Wachen) ist sicherlich schon sehr wenig (oder die
Tarife sehr hoch) aber 2 Einsätze für ein NEF am Tag ist sicherlich sehr wenig
(schon wieder sehr hohe Tarife ??)

Gruß
Ingo

Oliver J

unread,
Apr 23, 2001, 8:00:33 AM4/23/01
to

Kaffeesatzleserei.

Ohne Kenntnis der genauen Gegebenheiten (Bevölkerungsdichte,
geographische Besonderheiten, sonstige zu berücksichtigende Merkmale)
kann eine zutreffende Aussage über "zu viele" Fahrzeuge wohl kaum
getroffen werden.

Zur Einhaltung der in den Landesrettungsdienstgesetzen vorgegebenen
Hilfsfristen kann es auch erforderlich sein, Rettungswachen mit
weitaus weniger als 1000 Einsätzen/Jahr zu schaffen. In ländlichen
Gebieten sind Rettungswachen mit 500 - 800 Einsätzen/Jahr keine
Seltenheit.


Mit besten Grüßen
OLIVER

Tim Niklas Mueller

unread,
Apr 23, 2001, 8:00:09 AM4/23/01
to
"Oliver Nöltner" wrote:
>
> alarmiert. Deshalb hat Paramed gegen Disponenten der Leitstelle
> Strafanzeige wegen versuchter unterlassener Hilfeleistung gestellt.

Eine Strafbarkeit der _versuchten_ unterlassenen Hilfeleistung gibt es
nicht, genausowenig wie diese Konstruktion an sich! Wer nachlesen
möchte, der kann dies in den §§323c und 23 StGB tun, das auch in
Baden-Württemberg gilt.
--
Gruss, Tim

"Nie hat ein Dichter die Natur so frei ausgelegt,
wie ein Jurist die Wirklichkeit." J. Giraudoux

Sascha Rheker

unread,
Apr 23, 2001, 8:15:39 AM4/23/01
to
Oliver J schrieb:

Ich denke da würde der versierte Anwalt eher nach der Garantenstellung
greifen :o)

SASCHA

--
http://www.srheker.de
+49-171-7822596


Andreas Bräutigam

unread,
Apr 23, 2001, 7:37:55 AM4/23/01
to

Oliver J <ool...@yahoo.de> schrieb in im Newsbeitrag:
ol38et00u0b62ualk...@4ax.com...

*totlach* der Versuch einer Unterlassung.... ist das rein logisch nicht
völliger Bullshit??!!

"Ich wollte es lassen...aber dann konnte ich nicht mehr gegen mich selber
an" :-))


Sascha Rheker

unread,
Apr 23, 2001, 8:20:32 AM4/23/01
to
"Oliver Nöltner" schrieb:

> Rübsamen ist
> Kreisvorsitzender des DRK, der Leiter seiner Rechtsaufsicht
> Schatzmeister des DRK-Kreisverbandes. Eine Entscheidung des
> Landratsamtes in diesem Fall wird Ende dieser Woche erwartet.
>

Sicher eine spannende Entscheidung mit völlig unbefangenen
Entscheidungsträgern...

Sebastian Fellinger

unread,
Apr 23, 2001, 2:19:07 PM4/23/01
to

>7 Fahrzeuge darunter ein NEF für 40000 Einwohner??, etwas viel oder nicht.
>Bei 40000 Einwohnern gibt es ca. 4000 Fahren, davon max. 2000 Rettung und
>600-800 mit NA.
>1000 Einsätze je RTW (2 Wachen) ist sicherlich schon sehr wenig (oder die
>Tarife sehr hoch) aber 2 Einsätze für ein NEF am Tag ist sicherlich sehr wenig
>(schon wieder sehr hohe Tarife ??)
>
>Gruß
>Ingo


Wer die ganze Geschichte lesen will: www.paramed.de und dann auf Presse


Die Fahrzeuganzahl im Rettungsdienstbereich Rheinfelden wurde im Bericht nicht
richtig dargestellt.
Im RD-Bereich Rheinfelden gibt es einen RTW und einen KTW des DRK in der Stadt
Rheinfelden, die Firma Paramed in Rheinfelden Herten stellt einen weiteren RTW,
ein MZF und einen KTW. Zusätzlich können zur Notfallrettung noch das DRK Lörrach
(16 Km, kurvige Straße) und die Firma Käch aus dem schweizerischen Teil von
Rheinfelden hinzugezogen werden. (Grenzüberschreitender RD findet hier
beiderseits statt) Paramed hat zwr noch einen weiteren RTW im Leitstellenbereich
Lörrach, dieser ist aber nicht im Gebiet Rheinfelden unterwegs.
Bis vor kurzem existierte in Rheinfelden gar kein NA-Dienst, das NEF kam entweder
aus Lörrach oder der NA kam mit der REGA (stationiert am Flughafen Basel, nahe
bei Lörrach).
Erst als Paramed ein NEF stellte versuchte das DRK auch, möglichst schnell einen
NEF-Dienst auf die Beine zu stellen. Erwähnt sollte in diesem Zusammenhang auch
werden, daß das NEF von Paramed billiger fährt als das DRK-NEF.


Sebastian

--
_____________________________________________________________
NewsGroups Suchen, lesen, schreiben mit http://netnews.web.de

Thomas Hochstein

unread,
Apr 23, 2001, 1:19:35 PM4/23/01
to
"Oliver Nöltner" <noel...@welle.de> scripsit/wrote:

> Im Landkreis Lörrach wird der Notarzt nun selbst zum Notfall.

Dein eigener Beitrag?

Wenn nein: zumindest die Angabe der Quelle gehört (nicht nur) zum guten
Ton.

-thh
--
Thomas Hochstein * t...@mail.th-h.de * http://www.th-h.de/
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. - RV Weinstraße * http://www.juh-nw.de/

Thomas Hochstein

unread,
Apr 23, 2001, 1:20:40 PM4/23/01
to
Sascha Rheker <sas...@srheker.de> scripsit/wrote:

>> Rübsamen ist
>> Kreisvorsitzender des DRK, der Leiter seiner Rechtsaufsicht
>> Schatzmeister des DRK-Kreisverbandes. Eine Entscheidung des
>> Landratsamtes in diesem Fall wird Ende dieser Woche erwartet.
>
> Sicher eine spannende Entscheidung mit völlig unbefangenen
> Entscheidungsträgern...

Ja. Aber das ist ja leider nicht nur dort das Problem. Wo ist denn nicht
der Landrat oder der Oberbürgermeister auch DRK-Vorsitzender?

Gruß,

Michael Schalkalwies

unread,
Apr 23, 2001, 3:04:20 PM4/23/01
to
Am 23 Apr 2001 20:19:07 +0200 schrieb "Sebastian Fellinger"
<sebastian...@web.de> :

>
>
>Wer die ganze Geschichte lesen will: www.paramed.de und dann auf Presse
>

die richtige URL: http://www.paramed-ambulanz.de/


--
Gruss... Michael

Oliver Nöltner

unread,
Apr 23, 2001, 5:15:31 PM4/23/01
to

"Thomas Hochstein" <expire...@usenet.th-h.de> schrieb im Newsbeitrag
news:den.0104231...@dragon.akallabeth.de...

> Dein eigener Beitrag?

dpa

--
Oliver


Thore Schmechtig

unread,
Apr 25, 2001, 2:02:05 AM4/25/01
to
> ...den Einsatz der Paramed-Notärzte will das Rote Kreuz

> nicht akzeptieren. Seit 1. April organisiert es in Rheinfelden einen
> eigenen Notarztdienst. Bei lebensbedrohlichen Situationen alarmiert
> die DRK-Rettungsleitstelle nur die eigenen Ärzte - auch dann, wenn
> der Einsatzwagen von Paramed nur wenige hundert Meter entfernt ist.

Mann, woran erinnert mich das bloß? :(
An einen BF-LSt-Disponenten, der für einen Massenunfall auf der BAB mit 14
Verletzten den normalen Rettungsdienst bis zum Umfallen schuften läßt
(Selbst am Funk mitgehört: "Fahrzeug X [RTW], Anweisung bestätigt, fahren
Sie mit _zwei_ Schwerverletzten ins Krankenhaus A"), obwohl fast das gesamte
Personal einer SEG schon in der Wache versammelt ist - wöchentliches
Helfertreffen - und innerhalb 5 Minuten ausrücken könnte. Anweisung _von der
BF selbst:_ Bei allen Vorfällen, die mehr als 5 Patienten produzieren, ist
eine SEG zu alarmieren...

...man wird den Verdacht nicht los, daß da ein Disponent die Anzahl der
Nicht-BF-Fahrzeuge möglichst gering halten wollte, weil ja jeder Transport,
den die fahren, der BF kein Geld...

...nun ja. Alte Geschichte. Aber die Erinnerung bleibt. :/


--
Und wech

Thore Schmechtig (To...@carcosa.de)


Ingo zum Felde

unread,
Apr 25, 2001, 8:10:34 AM4/25/01
to

Thore Schmechtig wrote:Mann, woran erinnert mich das bloß? :(

> An einen BF-LSt-Disponenten, der für einen Massenunfall auf der BAB mit 14
> Verletzten den normalen Rettungsdienst bis zum Umfallen schuften läßt

> ....


> BF selbst:_ Bei allen Vorfällen, die mehr als 5 Patienten produzieren, ist
> eine SEG zu alarmieren...

Völlig typisch und hat aus meiner Sicht nichts mit Geld zu tun, sondern das die
SEG völlig anders ist als das tägliche Schema. Da muß man auf einmal umdenken.
Für medizinische Notfälle gibt es eben RTW+NEF (und sonst nix, SEG sind nur für
die Befriedigungder EA der HiOrg da).

Bei uns Bahn gegen Schulbus ohne SEG
(http://home.t-online.de/home/mathias.wille/lueb.html und
http://www.feuerwehr-egestorf.de unter Einsätze) (o.K. auch wenn die Meldung
anders war, gab es nur 2 Verletzte)

Gruß
Ingo

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