Hallo!
On 01.05.15 23.28, Werner Holtfreter wrote:
> Marcel Mueller wrote:
> Im Gegensatz zu mir hast noch keine einzige Digitalwaage
> aufgeschraubt und maßt dir an, über die "meisten billigen
> Digitalwaagen" zu schwadronieren.
in meinem Dunstkreis der Familie haben alle bis auf eine Waage nur einen
Sensor und so Stahl-Stäbe die das Gewicht auf eben diesen Sensor
verteilen. Der Sensor wiederum ist ein mechanisches Wiegeelement, an dem
optisch das Gewicht abgenommen wird. Die eine, die anders konstruiert
ist, liegt >100€. Die Waagen sind Söhnle o.ä., aber eben die billigen
von denen.
Wirklich besseres Zeug mit Wiegeblock und symmetrischer Messbrücke kenne
ich nur von Laborwaagen. Die können dann auch wirklich Nachkommastellen.
> Zur Information: Die üblichen billigen digitale Personenwaagen haben
> vier Kraftsensoren, in jedem Fuß einen, deren Kraft gemessen und
> addiert wird. Sie enthalten keinerlei Mechanik.
OK, es scheint, es geht noch billiger. Bei Piezos muss man sich
tatsächlich nicht wundern. Die sind nichtlinear und können zudem
Driften, was die Messung verfälscht. Vor allem sind gute
Ladungsverstärker nicht billig.
> Besser wären wohl drei Füße/Sensoren, damit alle ohne kippeln
> aufliegen - aber das scheint es nicht zu geben.
Die Zahl der Punkte ist egal. Die Einzelwerte müssen bei dieser Art der
Konstruktion sowieso Addiert werden (vermutlich werden die einfach die
Kabel verbunden haben). Es dürfte schlicht praktische Erwägungen haben.
Es werden einfach die 4 Füße der Waage als Messpunkte verwendet. 3 wäre
zu kippelig.
Wenn man die Drift-Effekte der Piezos weg haben will, muss man
wenigstens Dual-Slope messen. Also draufsteigen, Differenz messen,
runter steigen, nochmal messen, jetzt negativ. Das ist allerdings dem
Anwender schwer vermittelbar. Ansonsten schmiert beim Piezo-Sensor der
Messwert ständig weg, auch wenn sich das Gewicht nicht ändert.
>> Wenn er denn überhaupt existiert und es nicht einfach
>> systematische Messfehler sind.
>
> Über die Messabweichung kann ich nichts sagen, weil mir die Referenz
> fehlt.
Das ist bei Haushaltswaagen auch besser so...
Ich habe schon 4kg Unterschied auf verschiedenen Exemplaren gesehen.
Bei den Digitalwaagen mit Ladungsverstärker (also Piezos) kommt noch die
DNL des verwendeten ADCs dazu. Das äußert sich dann darin, dass
bestimmte Anzeigewerte wesentlich häufiger vorkommen als andere. Oft
kann man bestimmte Anzeigewerte auch durch noch so feingranulare
Variationen des Gewichts gar nicht herbeiführen. Zuweilen fehlen sogar 3
oder mehr aufeinanderfolgende Werte komplett.
Möglicherweise hast Du auch diesen Effekt als "Speicher" interpretiert.
Dass es mit Päuschen und anderer Messung dazwischen klappt, kann daran
liegen, dass die Waage intern eine Nullpunktkorrektur durchführen muss.
Dabei wird faktisch der Messwert ohne Gewicht gespeichert und vom
Ergebnis abgezogen. Durch die Differenzbildung fehlen bei Änderung der
Null-Messung jetzt natürlich andere Zahlen im Ergebnis. Diese Null-Werte
werden allerdings nicht lange gespeichert. Bereits nach wenigen Minuten
sind sie wertlos, weil veraltet. Üblicherweise wird die
Null-Kalibrierung mindestens nach jedem Einschalten der Waage
durchgeführt, oft auch bei jeder Entlastung.
> Die Reproduzierbarkeit aufeinander folgender Messungen ist
> jedoch mit +/- 100 g gut, wie man durch Austricksen des
> Mogelspeichers leicht ermitteln kann: Einfach mit/ohne 2 kg Gewicht
> in der Hand wiegen und schauen, was die 100-g-Stelle anzeigt. Es
> geht auch ohne definiertes Gewichtsstück. Ohne/mit/ohne
> Zusatzgewicht wiegen und "ohne" mit "ohne" vergleichen.
Spannender für Deine Anwendung ist allerdings die Reproduziergenauigkeit
mit einem Tag dazwischen. Die ist üblicherweise deutlich schlechter.
Wie auch immer, wenn Du beim Gewicht die Flöhe husten hören willst,
brauchst Du eine Waage mit entsprechend geringer Toleranz. Also für 500g
Genauigkeit wären das bei 80kg +/-0,3%. Natürlich würde für den Zweck
eine entsprechende Reproduziergenauigkeit genügen. Das bedeutet, Du
kannst eine Waage verwenden, die solche Werte nur mit (regelmäßiger)
Eichung erreicht, und auf die Eichung verzichten.
Nichtsdestotrotz sehen wir uns in einer anderen Preisklasse wieder. Die
meisten Personenwaagen geben nämlich sicherheitshalber die Toleranz gar
nicht erst an. Das bedeutet, dass der Wert auch nur näherungsweise
stimmt, ist keine garantierte Eigenschaft. - Willkommen in der schönen
neuen Welt der Digitaltechnik.
Marcel