Am 03.10.14 um 22:39 schrieb Lennart Blume:
> Am Wed, 01 Oct 2014 12:17:14 +0200 schrieb Günther Dietrich:
>> Elektronische Heizkörperthermostate gibt es, sogar solche, deren
>> aktuellen Stellwert sowie die aktuell gemessene Temperatur und auch die
>> Differenz zur Solltemperatur man auslesen kann.
>
> Das sind aber nur sehr wenige Modelle, die dann auch etwas mehr kosten
> und nicht im Baumarkt um die Ecke erhältlich sind.
>
>> Diese Werte in einem
>> Heizugsregler zu berücksichtigen sollte heutzutage kein Hexenwerk mehr
>> sein. Etwas mit der Rechenleistung eines Rhaspberry Pi schafft das spielend.
>> Ob es von Herstellern von Heizungs- oder Heimautomatisierungsanlagen
>> bereits angeboten wird, weiß ich allerdings nicht, da ich den Markt
>> nicht beobachte. Technisch und wohl auch finanziell ist es heute aber
>> keine Herausforderung mehr.
>
> Doch, eine Herausforderung ist es schon, das auf das jeweilige Gebäude
> und die Heizungsanlage optimal anzupassen.
>
> Es gibt erste Ansätze in dieser Richtung, sowohl kommerziell, als auch
> Hobbyentwicklungen auf Basis verschiedener
> Heimautomatisierungssysteme.
>
> Bis sich solche Systeme im Markt durchsetzen, werden sicher noch
> etliche Jahre vergehen.
> Und Du vergißt noch den Störfaktor Mensch. Viele Menschen sind schon
> heute mit der korrekten Bedienung eines einfachen Thermostatventils
> überfordert.
Diesen Teil erwähnte ich nur als ein _Beispiel_, wie eine nicht allein
durch einen Aussentemperaturfühler geführte Heizungsregelung realisiert
werden _könnte_, bzw., dass die Komponenten verfügbar seien (das wurde
nämlich sinngemäß verneint).
>> Als sich die Heizkörperthermostate verbreiteten, änderte sich an den
>> herkömmlichen Reglern vom Prinzip her nichts. Nur wurden sie jetzt etwas
>> anders verwendet -- nicht mehr, um mit viel Glück die Raumtemperatur zu
>> regeln, sondern um die Vorlauftemperatur an den vermeintlichen
>> Wärmebedarf anzupassen.
>>
>>
>> Beim diesem herkömmlichen Heizkurven-Verfahren ist die Kopplung zwischen
>> der Führungsgröße (Außentemperatur) und der zu steuernden Größe
>> (Vorlauftemperatur) sehr, sehr lose.
>
> An den physikalischen Zusammenhängen hat sich nichts grundlegendes
> geändert. Der Wärmeverlust (den es auzugleichen gilt) ergibt sich aus
> der Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur und dem Dämmwert des
> Gebäudes.
Der herkömmliche Heizungsregler weiß nichts über die Innentemperaturen
der einzelnen Räume des Gebäudes. Die bräuchte er aber. Und da der
Wärmefluss nicht nur von der Differenz zwischen Innen- und
Außentemperatur und dem Dämmwert des Gebäudes, sondern auch noch davon,
ob und wieviel Wind weht, abhängt, fehlen dem Regler eine ganze Latte an
Parametern, um eine sinnvolle Vorlauftemperatur einzustellen.
Um aus der doch sehr losen Kopplung des Wärmeverbrauchs an die Werte
eines Außentemperaturfühlers eine harte Kopplung an die Außentemperatur
zu machen. müsste man diese Werte alle bereitstellen. Und das würde doch
so einiges an Aufwand bedeuten -- wie zum Beispiel die oben von Dir als
zu aufwändig und aktuell wohl sowieso nicht verfügbar kritisierte
Variante der elektronischen Heizkörperthermostaten mit
Auslesemöglichkeit und deren Auswertung.
Warum also so aufwändig, wenn es auch einfacher geht? Zwei
Temperaturfühler (Vor- und Rücklauf) und ein Durchflussgeber, und man
hat direkt die aktuell abgeforderte Wärmeleistung parat.
Und warum sollte man so ein indirektes Verfahren (Außenteperatur,
Innentemperaturen diverser Räume, Dämmwerte, Windgeschwindigkeit, ...)
mit all seinen Fehlermöglichkeiten verwenden, wenn es ein einfaches
direktes Verfahren gibt?
>> Alleine schon der Montageort des
>> Außentemperaturfühlers ist äußerst kritisch.
>
> Ist sicher nicht ganz einfach, gerade bei größeren Gebäuden den
> richtigen Kompromiß zu finden.
>
>> Tatsächlich interessiert die Außentemperatur aber nicht. Tatsächlich
>> interessiert der aktuelle Wärmeverbrauch. Dieser ist es, der als
>> Führungsgröße dienen sollte, um unnötige Verluste zu vermeiden.
>
> Nein, nicht der aktuelle Verbrauch, sondern der aktuelle Bedarf ist
> entscheidend.
Mit den heute weit verbreiteten Heizkörperthermostaten sollte da kein
nennenswerter Unterschied bestehen.
>> Da die Außentemperatur -- so man sie überhaupt einigermaßen zuverlässig
>> messen könnte -- nur extrem lose mit dem _tatsächlichen_ Wärmeverbrauch
>> eines Hauses gekoppelt ist, ist sie als Führungsgröße letztlich ungeeignet.
>> Und warum ist die Kopplung so schwach? Hier eine _kleine_, nicht
>> erschöpfende Auswahl von Gründen:
>> - Der individuelle Wärmebedarf der verschiedenen Räume wird nicht
>> berücksichtigt. Ist nur ein einziger Heizkörper in Betrieb, und
>> dessen Thermostat auch nur auf eine recht geringe Solltemperatur
>> eingestellt, wird trotzdem die volle über den Außentemperaturfühler
>> vorgegebene Vorlauftemperatur gefahren. Bei entsprechend hohen
>> Verlusten.
>
> Das läßt sich in der Tat bei dieser Regelung nicht vermeiden.
> Allerdings solte dieser Fall eher die Ausnahme sein.
"Sollte" klingt zwar gut. Ob es aber wirklich die Ausnahme ist, könnte
nur eine entsprechende Erhebung ergeben.
>> Insbesondere bei Einrohrsystemen ist das besonders
>> nachteilig.
>
> Einrohrsysteme haben eine Reihe von Nachteilen und werden deshalb m.W.
> nicht mehr neu installiert.
Ja, das sollte man bleiben lassen.
>> - Bei Wind ist die Wärmeabgabe des Hauses höher, als bei Windstille.
>> Wohlgemerkt bei identischer Außentemperatur. Bei Wind wird deshalb
>> die Vorlauftemperatur zu niedrig sein.
>
> Also darf der Fühler eben nicht völlig windgeschützt montiert werden.
Dann werden wiederum die beiden Fälle "kein Wind" und "starker Wind"
falsch behandelt. Abgesehen davon müsste der Heizungsbauer etwas tun,
das er in der Praxis sicher nicht tun wird: Zeit aufwenden, um
herauszufinden, unter welchen Bedingungen der Fühler an welcher Stelle
wie viel Wind abbekommt. Stattdessen wird der Fühler wohl einfach
gedankenlos irgendwo an eine Nordwand gedübelt und fertig.
>> - Sonneneinstrahlung und damit niedrigerer Wärmebedarf in den Räumen
>> auf der Südseite wird nicht berücksichtigt. Die Vorlauftemperatur
>> ist dann zu hoch.
>
> Man kann in einer Anlage eben nur eine Vorlauftemperatur fahren. Senkt
> man die Vorlauftemperatur wegen Sonneneinstrahlung ab, hat man auf der
> Nordseite zu wenig Wärme zur Verfügung.
> Solche Störgrößen muß man halt über das Thermostatventil ausregeln.
>
> Wenn die wichtigen Räume alle auf der Südseite liegen kann man den
> Fühler auch bewußt auf der Südseite anbringen.
Oder den leicht aus Vor- und Rücklauftemperatur und Durchfluss zu
ermittelnden Wärmeverbrauch (oder -Bedarf) heranziehen.
>> - Abwesenheit von Bewohnern und deswegen aus- oder niedrig eingestelle
>> Heizkörperthermostate werden nicht berücksichtigt. Die
>> Vorlauftemperatur ist dann zu hoch.
>
> Bei EFH kann man dann auch die Vorlauftemperatur absenken,
Tut das jemand? Oder besser formuliert: Wie hoch ist der Anteil
derjenigen, die das tun?
> bei
> Mehrfamilienhäusern geht das leider nicht so einfach.
Eben.
>> Wie oben schon geschrieben, sollte anhand des tatsächlichen
>> Wärmeverbrauchs geregelt werden.
>
> Du redest immer von Wärmeverbrauch. Wer garantiert, daß der aktuelle
> Verbrauch dem Bedarf entspricht?
Dafür sorgen weitgehend die Thermostatventile an den Heizkörpern.
Wie ein Thermostat, oder allgemeiner ein Regler funktioniert, möge der
geneigte Leser bitte selbst recherchieren. Ebenso, warum bei
eingeschwungenem Regler die zugeführte Leistung (im hiesigen Kontext der
"Wärmeverbrauch") weitgehend gleich der abgeführten (entspricht hier dem
"Wärmebedarf") ist.
>> Der lässt sich recht einfach über die
>> Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauftemperatur und den
>> Volumenstrom ermitteln. Da besteht ein direkter, linearer Zusammenhang.
>
> Soweit richtig.
>
>> Die altuell benötigte Wärmeleistung ist direkt proportional der
>> Temperaturdifferenz multipliziert mit dem Volumenstrom. Da gibt es keine
>> der massiven Verfälschungen und Unwägbarkeiten, wie sie beim
>> herkömmlichen Heizkurven-Verfahren auftreten. Wenn an einem der
>> Heizkörper ein Kilowatt Wärmeleistung in den Raum abgegeben wird, dann
>> ergibt das bei gegebenem Volumenstrom eine entsprechende Differenz
>> zwischen Vor- und Rücklauftemperatur. Unabhängig davon, ob draußen Wind
>> weht, oder gar Sturm bläst, ob die Sonne scheint, etc.
>
> Und wer garantiert, daß die 1 kW Wärmeleistung ausreicht, um die
> Solltemperatur zu erreichen?
Man kann sich natürlich auch doof stellen und einen offensichtlich als
Beispiel hingeschriebenen Zahlenwert vorsätzlich als universell gültig
missdeuten. Sollte man aber nicht, falls man sachlich bleiben will.
Falls Du dich an "ein Kilowatt" störst, dann ersetze es einfach durch
"eine bestimmte". Der Sinn des Satzes bleibt damit derselbe, der Satz
wird dadurch aber Nitpicker-resistenter.
Diese Diskussion ist inzwischen sehr weit vom eigentlichen Thema des
Threads entfernt. Eigentlich wollte ich nur dem OP bei seiner
Fehlersuche helfen, und nicht die technischen Artikel, die ich zu
alternativen Verfahren für Heizugssteuerungen im Laufe der Jahre gelesen
habe, hier zu einem Fachartikel zusammenfassen. Wer wirklich an solchen
Verfahren interessiert ist, wird sicherlich im Web fündig werden.
Grüße,
Günther