Am 23.02.2021 um 08:07 schrieb F. W.:
> Hallo,
>
> meine Partnerin und ich haben jeweils einen Diesel (Skoda Superb 2.0 TDI
> und Opel Astra 1.6 BiTurbo).
Opel Astra K
1.6 BiTurbo Diesel - 118 kW B16DTR EURO 6b (etwas älter)
10/2015–06/2018
oder
1.6 BiTurbo Diesel - 110 kW D16DTR EURO 6d-TEMP
06/2018–04/2019
Und damit das ganze Programm:
* Abgasrückführung
* Oxi-Kat
* Dieselpartikelfilter
* SCR-Kat mit AdBlue-Tank
> Meine Schöne kriegt nun eine neue Arbeitsstelle und anstatt 30 km zur
> Arbeit fährt sie künftig nur noch 10 km in die Nachbarstadt. Das
> erbrachte gemeinsame Überlegungen,
*Gemeinsame* Überlegungen? Deine Partnerin macht sich da Gedanken? Habe
ich ja so noch nicht erlebt. :-) "Auto muss fahren." Das kenne ich eher.
> ob ihr Diesel nun noch ausreichend warm wird.
Es gibt mehrere Risiken beim Kurzstrecken-Einsatz von Diesel-Pkw:
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* die Regeneration des Dieselpartikelfilters (Ruß im
Dieselpartikelfilter abbrennen) wird nur unter bestimmten Bedingungen
angestoßen (Geschwindigkeit, DPF-Temperatur). Hier kann man die
Regenerationsintervalle überwachen, wenn man krass drauf ist.
* der Oxi-Kat und SCR-Kat wird anfangs nicht warm, die AGR nicht wirksam
und bleibt so lange unwirksam. Bekanntes Problem für die Luftqualität.
Mit Software-Updates wurde das etwas besser.
* in der Kaltlaufphase kommt es zu kleinen Kraftstoffeinträgen ins
Motoröl, diese summieren sich zwar, sind aber trotzdem gering
* der streckenbezogene Verbrauch erhöht sich etwas durch den Kaltstartanteil
* naja und die allgemeinen Risiken um die zwei Turbolader, AGR-Ventil
Versottung, Probleme mit der Common-Rail-Pumpe und Injektoren bleiben --
aber in den Punkten helfen auch viele km nicht. Noch der Wechsel auf
"moderne" Benziner, die fast das gleiche Arsenal aufweisen.
* Batterie kann problematisch werden, aber nur bei längeren Standzeiten,
oder vielen Verbrauchern.
* und auch innen wird's nur dann flott muckelig warm, wenn ein
elektrischer Zuheizer angeht. Den wird der aber haben.
* naja Kosten: Wertverlust + Versicherung + Kfz-Steuer des Diesel-Pkw
dann unnötig teuer, gerade umgelegt auf die (wenigen) km
Gut an wenig km:
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* geringer Verschleiß auf Reifen und Fahrwerk
* geringer Verschleiß an Radlagern, Innenraum
* geringeres Risiko bei Steinschlag
* an sich geringerer Wertverlust, aber nur wenn andere den Tachostand
dann auch glauben und zu schätzen wissen, und weiter gern einen sehr
starken (und durchaus durstigen) Dieselmotor im Astra haben wollen. An
sich ist das da ein "Autobahn-Diesel."
> Soweit ich das weiß besteht die Gefahr, dass sich zuviel Treibstoff im
> Motoröl ansammeln könnte, weil es durch mangelnde Öltemperatur nicht
> mehr verdampfen kann.
Dieselkraftstoff im Motoröl verdampft in der Ölwanne nicht, auch nicht
in heißem Motoröl, denn das wird ja nur so 90°C warm in der Ölwanne.
Stellenweise an Lagern und Engstellen wird es natürlich punktuell viel
heißer (z.B. Lager der Turbolader, oder an den Ventilschäften, oder beim
Durchfluss durch den Zylinderkopf etc.), aber da verdampft ja nichts.
Und dann kommt ein Ölkühler.
Nur Benzin im heißen Motoröl hat die Chance, bei hoher Motortemperatur
in der Ölwanne zu verdampfen und dann mit der Kurbelgehäuseentlüftung
als Benzindampf der Verbrennung zugeführt zu werden.
> Bei mir (400 km/Woche) tritt dieses Problem vermutlich nicht auf, weil
> jede Strecke wenigstens 44 km lang ist und der Skoda die notwendigen 55°
> C (Diesel) bzw. 100° C (Biodiesel) Öltemperatur während der Fahrt erreicht.
Was sollen denn die 55°C nutzen? Gar nix.
Dieselkraftstoff hat bei 55°C seinen Flammpunkt (Luft darüber in einem
Luft-Dieseldampf-Gemisch entzündet sich bei Vorhandensein einer
Zündquelle). Der nützt dir aber nix. Der Siedebereich von
Dieselkraftstoff ist erst viel höher bei 141-462°C. Und den erreicht das
Kühlmittel und damit auch das Motoröl in der Ölwanne eh nicht. Und eine
Zündquelle gibt's im ganzen Ölsystem nicht. Sollte es zumindest nicht
geben. :-)
Bei Biodiesel passiert bei 100°C gar nix. Flammpunkt und Siedetemperatur
sind weiter weg.
Also: ist die richtige Maßnahme: bei Kurzstrecken-Verkehr
Ölwechsel-Intervalle verkürzen. Dann kommt das Motoröl raus,
irgendwelche Dieselanteile gleich mit und dann gibt's frisches Motoröl.
Clevere Autos mit adaptiven Intervallen machen das von selbst und
adaptieren die Anzeige ihrer Ölwechsel. Sollte der Astra K an sich auch
machen. Vermutlich hat der sogar einen Ölqualitätssensor.
Hier gibt's einen langen Thread dazu:
https://www.astra-k-forum.de/forum/thread/896-diskussion-%C3%BCber-%C3%B6llebensdauer-und-deren-messung/?pageNo=1
Dem Rest (ohne große Intelligenz in den Autos) sind so 1 Jahr, 15 TKM
eine brauchbare Sache, je nachdem, was kürzer ist: bei eher Kurzstrecken
dann also 1x im Jahr Ölwechsel.
(Longlife macht bis zu 30 TKM und 2 Jahre, aber eben nur wenn dann auch
die Strecken und Bedingungen stimmen.)
Durch die Fahrten hat sie ca. 2 * 10 km * 230 = 4600 km im Jahr für die
Arbeitsstrecken. Dazu kommt noch was an Privatfahrten?
Mit welchem Inspektionsintervall/Ölwechselintervall bringt ihr den Astra
weg?
> Wie ist das bei ihr? Reichen 10 km hin und 10 km zurück aus, um den
> Motor ausreichend zu erwärmen? Die Strecke ist eine weitgehend
> ampelfreie gerade Landstraße
Also: 10 km Landstraße mit so im Schnitt 40-70 km/h macht so um 10-15
Minuten Fahrtdauer für jede Fahrt? Ja, da ist er dann halt gerade warm.
Und wird wieder abgestellt. So richtig gut ist das nicht.
> und der Astra hat leider keine
> Öltemperatur-Anzeige.
Wenn dir daran liegt: mit einem OBD2-Scanner kommst du da ggf. ran. Auf
OBD-Service 0x01, Parameter-ID 0x5C (dezimal 92) liegt die
Motor-Öltemperatur, wenn das Motor-Steuergerät diesen Parameter unterstützt.
Ersatzweise kann die Temperatur des Motoröls in der Ölwanne
näherungsweise durch die Kühlmitteltemperatur abgeschätzt werden, auch
wenn das Motoröl deutlich natürlich länger braucht, um warm zu werden.
Hier einige Diagramme von anderen Autos mit anderen Motoren:
Audi A3 3.2
https://lh3.googleusercontent.com/proxy/b3DyX6RD-csVwG46W6S1Lr7o0XQdYlMvhMVJN-GHVEOPeAqzWqScoOZoXqZ47mkz9R2r_t1TiEeOZMT9JQz1K3bikjCDiVwBbHANIeZNswo48ac
Porsche 996
https://www.gs-forum.eu/attachments/image-jpg.98950/
VW Sharan bei wirklich forcierter Fahrt
https://www.sgaf.de/sites/sgaf.de/files/images/graph.preview.png
> Oder sollen wir die Autos einmal im Monat für eine Woche tauschen?
Bringt potentiell wieder andere Probleme (z.B. Versicherung, Kenntnis
des Autos beim Parken und Folgeschäden, häufiges Sitzeverstellen und
Folgeschäden, Spiegelverstellen und so). Aber ist doch ein Ansatz.
> Oder ist die Gefahr nicht so groß, wie wir dachten?
Diesel-Pkw haben allgemein einige Risiken. Bevor man sich da zu viele
Gedanken macht, macht man sich diese lieber nicht. Bringt den Wagen 1x
im Jahr zur Inspektion mit Ölwechsel und gut ist.
Und macht ab und an einen größeren Wochenendausflug, dass er wenigstens
immer mal ne Mittelstrecke bekommt (so 100 km bei 110 km/h), wo er
seinen DPF regenerieren kann, wenn er das braucht.
> Oder sollen wir ihr einen Benziner kaufen?
Ich sehe dafür keinen Anlass. Weil es das Problem nicht funktionell löst.
Mein Rat immer für Pendler mit den vielen Pendler-Fahrten:
Wenn richtig viele km, also bei langen Pendlerstrecken:
* Fahrgemeinschaften oder ÖPNV überlegen (mehr Personen pro Fahrzeug)
Wenn wenig km, also bei kurzer Pendlerstrecke:
* Auto reduzieren, Rad/Pedelec/E-Moped überlegen
* und dann Auto abschaffen, wenn möglich
* wenn das gar nicht geht: für solche Strecken ein günstiges, ggf.
gebrauchtes Batterie-Auto überlegen, ggf. in Kombination mit
Photovoltaik auf dem Dach und Speicher dazu oder halt Ökostrom aus dem
"Großhandel"
Und: am besten vor dem Pkw-Kauf immer auch mal dran denken, dass es auch
mal drastisch weniger km werden können, wenn sich die Umstände ändern
können. Etliche starke Diesel hätten an sich gar nicht erst gekauft
werden sollen.
Grüße,
Ralf