Am 08.04.2017 um 14:30 schrieb Werner Schmidt:
> Michael S. schrieb am 08.04.2017 um 12:44:
>> Ich vermute mal, dass der Turbo den Spitzenwirkungsgrad nicht oder kaum
>> steigert, wohl aber den Bereich mit gutem Wirkungsgrad extrem aufweitet.
>
> Ich denke: sowohl als auch.
Also Toyota bekommt den Prius-Sauger auch ohne Turbo auf 40%
Spitzenwirkungsgrad. Ok, der läuft im Atkinson-Zyklus. Der Vorteil beim
Hybrid ist halt, dass der Motor sehr geziehlt im Bestbereich betrieben
werden kann und Spitzenleistung und Ansprechverhalten keine Rolle
spielen. Das verpennen die deutschen Hersteller völlig. Da wird die
Hybridisierung mit Motoren und Getrieben aus der Schublade betrieben,
mit real deutlich schlechteren Verbräuchen.
Ich denke, im Wirkungsgrad-Bestpunkt holt der Turbo nur noch relativ
wenig zusätzlichen Wirkungsgrad raus. Im Teillast-Bereich dagegen sicher
2stellige Prozentwerte.
>> Auch mit Turbo dürfte man bei 2500rpm und dort abgegebenen 20-30PS mit
>> gutem Wirkungsgrad unterwegs sein. Ich gehe dabei davon aus, dass hier
>> die Leistung nicht mit der Drosselklappe sondern mit dem Wastegate und
>> dem AGR geregelt wird. Die Drosselklappe ist da dann schon voll offen,
>> Drosselverluste gibt es keine mehr. Das Abgas geht am Turbo vorbei.
>
> Drosselklappe also nur noch in Standgas- und unterem Teillastbetrieb
> geschlossen / teilgeöffnet? Interessant, wäre mit elektronisch
> geregelten Motoren wahrscheinlich machbar.
Also mit AGR wird ganz sicher geregelt. Das mit dem Wastegate ist zwar
nur ne Vermutung von mir, aber warum sollte man das nicht tun. Meines
Wissens sind die Drosselverluste der wichtigste Wirkungsgradvernichter
beim Saugmotor.
OK, halb geöffnetes Wastegate macht vermutlich auch Drosselverluste.
> Und würde auch die geringe
> Motorbremswirkung im Schiebebetrieb erklären können: Elektronik erkennt
> die Situation => Spritzufuhr aus, Drosselklappe voll auf, damit die
> durchgepumpte Luft mit möglichst wenig Widerstand strömt.
Denkbar. Ich denke aber, dass es zwischen voll auf und voll zu
diesbezüglich keine großen Unterschiede geben sollte. Bei voll auf kühlt
man den Motor halt zusätzlich, was bei längeren Bergabfahrten
unerwünscht sein könnte.
Bei komplett geschlossener Drosselklappe muss der Zylinder zwar gegen
Unterdruck ansaugen, dafür benötigt er kaum Energie zum Verdichten.
>
>> Das ist allerdings Spekulation. Ein Muscheldiagramm für einen extremen
>> Downsizing-Motor würde mich sehr interessieren.
>
> Damit kann doch ganz sicher Ralf dienen! :-)
Mal gespannt. Ich habe vergeblich gegoogelt.
>> Obiges bestätigen meiner Meinung auch die NEFZ-Verbräuche, die ja
>> praktisch nicht erreichbar sind.
>
> Hm, letztens mit dem V50 etwas unter 600 km unterwegs gewesen; bewusst
> die Landstraßenstrecke gewählt (AB wäre etwas schneller gewesen, aber
> ca. 100 km mehr). Im wesentlichen war das B404 / B4 runter und wieder
> hoch, etwa Segeberg - Halberstadt und zurück.
>
> Der Verbrauch lag etwa bei (eher knapp) 4,5 l/100 km und damit knapp
> über der NEFZ-Angabe für "außerorts" (4,3 l). Und ich bin da "ganz
> normal" gefahren, also auch mal Beschleunigen für Überholvorgänge usw.,
> außerdem war ein kleines Teilstück AB dabei (A21 zwischen Bad Segeberg
> und der Kreuzung mit der A1). Ich denke, der NEFZ-Verbrauch wäre mit
> wenig Anstrengung erzielbar gewesen.
Ich habs bisher nur auf maximal 20km-Stücken getestet, mit Kaltstart bei
um die 5°C. -> keine Chance, obwohl ich am Anfang ca. 100 Höhenmeter
runter musste. Bin mir aber nicht sicher, warum der zurückgesetzte BC
beim Start oben auf dem Berg bei einem mittleren Verbrauch von
7,7l/100km gestartet ist und nach 2km Bergabfahrt ohne Gas trotzdem noch
über 7l lag. Vielleicht habe ich die 4,6 ja geschafft und mir hat nur
der BC nen Streich gespielt.
>> Um zurück auf Dein Fahrprofil zu kommen. Bei einem real
>> übermotorisierten Auto >150PS mit >1,5l Hubraum mag diese Fahrweise auch
>> heute noch Vorteile bringen, weil man bei Konstantfahrt um 100km/h so
>> weit unten im Muscheldiagramm landet, dass man doch wieder relativ
>> ineffizient unterwegs ist.
>
> Auch, ja. Also plausibel. So'n Auto sollte man IMO eh nur anschaffen,
> wenn man viel schnell unterwegs sein muss. Oder die Leistung anderswo
> braucht (z.B. regelmäßiger Anhängerbetrieb in bergiger Umgebung könnte
> ich mir vorstellen).
Ich habe mir bewusst den kleinsten geholt, weil er in der Anschaffung
der zweitbilligste war und laut NEFZ auch mit Abstand der Beste. In der
Presse wurde der Motor stehts gelobt. In der Praxis bei Spritmonitor ist
dagegen der 1,4l 150PS-Benziner wohl nicht schlechter.
Sowas kotzt mich dann beim NEFZ echt an. Da werden Motoren auf einen
sowas von üblen Zyklus hinentwickelt, dass der scheinbar sparsamste gar
nicht der real sparsamste sein muss. Hoffentlich bessert sich das beim
neuen Zyklus deutlich.
Die 105PS reichen mir völlig, mir würde sogar noch weniger reichen.
Selbst Snfahren am Berg mit 750kg Anhänger geht noch gut, da der Turbo
da echt schnell Druck aufbaut.
Leider ist bei den kleinen Motoren aber die Anhängelast schon stark
limitiert, so dass das Ziehen eines großen Wohnwagens legal nicht
möglich ist, auch wenn man nur AB mit sehr wenig Steigung fährt.
Früher hat man 1,6t-Wohnwagen mit viel schwächeren Fahrzeugen ziehen
können, vermutlich auch, weil der 1. Gang viel kürzer untersetzt war,
was das Anfahren enorm erleichtert.
Michae