In article <n54i8e$g26$
1...@news.albasani.net>,
jseem...@arcor.de
says...
> Ich hab' auch schon mal jemandem zugesehen, der im Winter das zugefrorene
> Auto erst mal einige Minuten hat warmlaufen lassen (der Fahrer war
> währenddessen in der Wohnung) bevor er mit dem Entfernen von Eis und
> Schnee begonnen wurde. Der Sohn davon lässt immer mal wieder seinen Golf
> GTI mit laufendem Motor vor der Tür stehen, verschwindet in der Wohnung
> und fährt dann 5-10 Minuten später weiter.
Das ist allerdings auch so ein typischer d.e.f.a-Trigger. Genauso wie
hier Leute zu Verfechtern der Todesstrafe werden, weil vor ihnen Leute
mit regelwidrig angeschalteter Nebelschlussleuchte fahren, gilt es als
Schwerverbrechen, die Karre im Stand laufen zu lassen, ohne damit zu
fahren. Gern wird auch darauf verwiesen, dass das illegal sei. Mit dem
"illegal" ist das allerdings so eine Sache. Es ist nicht verboten, sein
Auto im Stand laufen zu lassen, es ist nur verboten, dies unnötig zu
tun.
Nach meinem Rechtsempfinden ist es statthaft, ja geradezu geboten, ein
Auto im Stand laufen zu lassen, wenn dies zum Erlangen einer
Verkehrstüchtigkeit erforderlich ist. Früher war es zum Beispiel so,
dass Lkw mit Druckluftbremse und Federspeicher-Feststellbremse im Stand
relativ rasch den Druck im Druckluftbehälter verloren haben. Da musste
dann der Motor bei Kaltstarts am Morgen schon einmal ein paar Minuten im
Leerlauf laufen, bis der Druck im System hoch genug war. Vorher
losfahren wäre nicht nur gefährlich gewesen, es wäre auch gar nicht
gegangen, denn eine Federspeicherbremse macht erst dann auf, wenn
genügend Druck auf dem Kessel ist.
Mein erstes eigenes Motorrad, eine Yamaha TDM 850 von 1992, hatte in der
Bedienungsanleitung einen expliziten Hinweis, dass der Motor nach einem
Kaltstart zwei Minuten im Leerlauf laufen solle, damit sich das Öl im
Motor verteilt, bevor man losfährt. Meine jetzige BMW hat einen ebenso
expliziten Hinweis, dass das nicht notwendig sei. Nach dem Start könne
sofort losgefahren werden. Unterschied: Die TDM hatte eine
Trockensumpfschmierung, die BMW hat einen Nassumpf.
Im Winter erlaube ich mir, wenn das Auto vereist und/oder zugeschneit
ist, dass ich den Motor laufen lasse, während ich die Scheiben frei
mache. Gründe dafür: Wenn der Motor läuft, lädt er die Batterie auf und
Heckscheibenheizung und Gebläse laufen. Das hat den Vorteil, dass es im
Auto nach ein paar Minuten (na ja, wie lange braucht man schon, um die
Scheiben frei zu machen?) nicht mehr ganz so kalt ist und dass beim
Reinsetzen nicht mehr der eigene Atem an der Scheibe gefriert. Das ist
ein unmittelbarer Beitrag zur Fahrsichereit, denn durch die Scheiben
muss man was sehen. Es ist dann auch so, dass der Motor stabil läuft und
nicht so schnell abwürgt. Das Auto ist insgesamt fahrsicherer.
Warum Leute ihr Auto zehn Minuten unbeaufsichtigt und mit laufendem
Motor stehen lassen, entzieht sich meinem Verständnis. Entweder können
sie die Raten nicht mehr zahlen und brauchen jemanden, der ihnen die
Karre klaut, oder - was ich für viel wahrscheinlicher halte - sie denken
nicht nach.
Frank
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