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Ueberspringende Steuerketten

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Sebastian Suchanek

unread,
Jan 13, 2018, 1:07:31 PM1/13/18
to
Hallo NG!

Eine Arbeitskollegin fährt bzw. fuhr einen 1er BMW (E87) mit
Dieselmotor (welchen genau, weiß ich nicht). Kürzlich ist ihr im
Stop&Go-Verkehr in der Stadt der Motor unvermittelt ausgangen -
Zitat: "wie ganz sanft abgewürgt".
Die anschließende Diagnose der Werkstatt: Steuerkette
übergesprungen, (wirtschaftlicher) Totalschaden.

So weit, so blöd. Was mich dabei irritiert: aus der
Totalschadendiagnose schließe ich, dass Ventile und Kolben
miteinander in Berührung gekommen sind und deswegen Ventile
und/oder Kolben und/oder Pleuel beschädigt sind. Ich hätte jetzt
erwartet, dass wenn so etwas passiert, es einen Mörder-Schlag
tut und nicht, dass der Motor mehr oder weniger sanft ausgeht.

Hat jemand von Euch einschlägige (leidvolle) Erfahrung? Können
Symptome und Diagnose tatsächlich zusammenpassen?


TIA,

Sebastian

Alfred Lönze

unread,
Jan 13, 2018, 1:34:37 PM1/13/18
to
Am 13.01.2018 um 19:07 schrieb Sebastian Suchanek:

> Hat jemand von Euch einschlägige (leidvolle) Erfahrung? Können
> Symptome und Diagnose tatsächlich zusammenpassen?

Wenn Ventile und Kolbenboden zusammentreffen reicht das nicht, um die
Drehbewegung des Motors schlagartig zum Stillstand zu bringen. Die
dünnen Ventilschäfte geben nach, werden krumm, weil sie V-förmig über
dem Kolbenboden hängen.

Ich gehe davon aus, wenn die Ventile exakt senkrecht über dem Kolbem
stehen würden, sähe das anders aus.

--
Waldsterben, Feinstaub, Ozeanplastik, Klimarettung: alles ausschließlich
deutsche Geisteskrankheiten

Nico Hoffmann

unread,
Jan 13, 2018, 1:37:24 PM1/13/18
to
Alfred Lönze schreibt:

> Am 13.01.2018 um 19:07 schrieb Sebastian Suchanek:
>
>> Hat jemand von Euch einschlägige (leidvolle) Erfahrung? Können
>> Symptome und Diagnose tatsächlich zusammenpassen?
>
> Wenn Ventile und Kolbenboden zusammentreffen reicht das nicht, um die
> Drehbewegung des Motors schlagartig zum Stillstand zu bringen. Die
> dünnen Ventilschäfte geben nach, werden krumm, weil sie V-förmig über
> dem Kolbenboden hängen.
>
> Ich gehe davon aus, wenn die Ventile exakt senkrecht über dem Kolbem
> stehen würden, sähe das anders aus.

Was sollte dann deiner Meinung nach nachgeben - Kurbelwelle, Pleuel,
Kolben, Stößel, Nockenwelle oder der Block/Kopf?

;-)

N.
--
(Keine Signatur)

olaf

unread,
Jan 13, 2018, 2:00:18 PM1/13/18
to
Sebastian Suchanek <sebastian...@gmx.de> wrote:

>Hat jemand von Euch einschlägige (leidvolle) Erfahrung? Können
>Symptome und Diagnose tatsächlich zusammenpassen?

Yep, mein Alfa 166 ist so von mir gegangen. (schnief)
Da ist beim anfahren an der Ampel der Zahnriemen gerissen und da ging
der Motor auch einfach nur aus. Und der hatte ein paar Ventile mehr
als euer WinzigBMW.

Allerdings finde ich es sehr erstaunlich das eine Steuerkette einfach
so ueberspringen kann. Das spricht nicht gerade fuer eine gelungene
Konstruktion.

Olaf

Alfred Lönze

unread,
Jan 13, 2018, 2:14:32 PM1/13/18
to
Am 13.01.2018 um 19:37 schrieb Nico Hoffmann:

> Was sollte dann deiner Meinung nach nachgeben - Kurbelwelle, Pleuel,
> Kolben, Stößel, Nockenwelle oder der Block/Kopf?

Ich bei sowas noch ned zugeschaut aber in einem solchen Fall gehe ich
davon aus, dass die Ventilteller krumm im Kolbenboden stecken oder
siehst Du das anders? :-)

olaf

unread,
Jan 13, 2018, 2:45:19 PM1/13/18
to
Alfred Lönze <alfred...@gmx.de> wrote:

>Ich bei sowas noch ned zugeschaut aber in einem solchen Fall gehe ich
>davon aus, dass die Ventilteller krumm im Kolbenboden stecken oder
>siehst Du das anders? :-)

Ach..ihr solltet alle mal ein Ventil von Hand einschleifen damit ihr
wisst wie genau das sein muss. Selbst wenn der Kolben das Ventil bei
einer geringen Ueberschneidung nur ganz leicht beruehrt und das teil
danach 1/10mm krumm ist, das war es dann.

Ausserdem habe ich gerade heute in einer Motorradzeitung gelesen das
BMW fuer eine Stunde Arbeit 143,95Euro nimmt.
Da kann man nicht mehr viel reparieren bis man den Zeitwert
ueberschreitet.

Hm..ich hab gerade eine Geschaeftsidee. Ich stell mich mit einer Art
Wuerstchenbude vor BMW und verkaufe den Leute dann
Beruhigungstropfen beim reingehen und Herztropfen beim rauskommen. :-)

Olaf

Siegfried Fischer

unread,
Jan 13, 2018, 3:55:38 PM1/13/18
to
olaf <ol...@criseis.ruhr.de> wrote:

> Alfred Lönze <alfred...@gmx.de> wrote:
>
> >Ich bei sowas noch ned zugeschaut aber in einem solchen Fall gehe ich
> >davon aus, dass die Ventilteller krumm im Kolbenboden stecken oder
> >siehst Du das anders? :-)
>
> Ach..ihr solltet alle mal ein Ventil von Hand einschleifen damit ihr
> wisst wie genau das sein muss. Selbst wenn der Kolben das Ventil bei
> einer geringen Ueberschneidung nur ganz leicht beruehrt und das teil
> danach 1/10mm krumm ist, das war es dann.
>
> Ausserdem habe ich gerade heute in einer Motorradzeitung gelesen das
> BMW fuer eine Stunde Arbeit 143,95Euro nimmt.
> Da kann man nicht mehr viel reparieren bis man den Zeitwert
> ueberschreitet.

Krank! aber nur, wenn man kein handwerkliches Geschick hat. Es lohnt
auch, ältere Autos zu fahren, die weniger komplex sind. Praktisch kann
man alles selber machen. Problem ist wohl meistens die Zeit.

Siegfried

Falk Dµebbert

unread,
Jan 13, 2018, 5:46:51 PM1/13/18
to
Am 13.01.18 um 19:59 schrieb olaf:
> Allerdings finde ich es sehr erstaunlich das eine Steuerkette einfach
> so ueberspringen kann. Das spricht nicht gerade fuer eine gelungene
> Konstruktion.

Ohne hier ins Victim-Blaming zu verfallen gibt es da eine hohe
Überschneidung an längeren Wartungs- und Inspektionsintervallen und
überspringenden Ketten.
Die Kette nimmt darüberhinaus vor allem Kurzstreckenbetrieb, bei dem der
Motor fast nie das Wasser aus dem Öl gekocht bekommt richtig übel.

Falk D.

Ralf Koenig

unread,
Jan 13, 2018, 8:08:55 PM1/13/18
to
Am 13.01.2018 um 19:07 schrieb Sebastian Suchanek:
> Hallo NG!
>
> Eine Arbeitskollegin

Daumen hoch für deinen Einsatz für die Kollegin! :-)

BTW: Kommen evt. noch so Markendünkel dazu? Du hast doch einen S212
E-Klasse - und irgendwie auch einen guten Draht zu MB (konkrete Umstände
weiß ich nicht). Arbeitet sie dann auch bei einer Firma mit gutem Draht
zu MB? Manchmal kommt ja dann ein Fehler bei BMW recht gelegen, um über
den Weißwurst-Konkurrenten abzustänkern.

> fährt bzw. fuhr einen 1er BMW (E87) mit
> Dieselmotor (welchen genau, weiß ich nicht).

Vorab: alle Motoren sind dort *längs* drin - versteht sich von selbst.
Aber wollte ich erwähnt haben. Ist ja schon was besonderes in der
Kompaktklasse.

So viele Motoren gab es übrigens nicht:

-------------------------------------------------------------------

E87 - 2004-2007:
M47TÜ2 im 118d und 120d.

(TÜ2 = Zweite Technische Überarbeitung, also schon der 3. Wurf des M47)

Der hat 2 Ketten:
* eine von der Kurbelwelle zur Hochdruckpumpe
* eine von der Hochdruckpumpe zu einer Nockenwelle, die andere dann per
Stirnradgetriebe

Der Kettentrieb ist vorne, also auch gut erreichbar.

Kettentrieb an sich unauffällig.

-------------------------------------------------------------------

E87N - 2007-2011:
N47 im 116d, 118d, 120d, 123d.

N47 - das ist der BMW-bekannte Problembär-Motor hinsichtlich Kettentrieb
und Steuerkette!

An sich eine ähnliche Konstruktion (auch mit den 2 Ketten), aber der
Kettentrieb ist jetzt hinten: zwischen Motor und Getriebe.

Das ist ja schon ein wichtiger Unterschied in den Diagnosemöglichkeiten.

Alles sind R4 2.0 Turbodiesel.

Der N47 hat die Steuerkettenprobleme schon auf der Wikipedia-Seite stehen:

https://de.wikipedia.org/wiki/BMW_N47#Probleme_mit_der_Steuerkette

Die Autobild hat auch drüber berichtet - im August 2013:
http://www.autobild.de/artikel/problem-mit-bmw-dieselmotoren-4346950.html


Und BMW hat Reparaturkits extra dafür, siehe etkbmw.com

Und natürlich gab es von BMW eine Service Information REP-11 31 544 :
http://www.e90post.com/forums/attachment.php?attachmentid=1183306&d=1427723613

Garantie wurde von BMW für dieses Problem verlängert auf 8 Jahre,
200.000 km.

Ich sage es mal so: wer den hat, der sollte davon auch gewusst haben.

Und wer sein Auto bei BMW scheckheftgepflegt hat (zu prüfen), der sollte
kritisch seine BMW-Werkstatt fragen, warum die das nicht beachtet haben.

Vorher sollte der Kunde mal kritisch durcharbeiten, ob sein konkretes
Auto dort mit erfasst ist.

Und alle anderen, sollten ihre Werkstatt fragen, warum diese die Service
Infos von BMW nicht beachten.

-------------------------------------------------------------------

Sobald du die genaue Fahrzeug-Identifikation (!) weißt, hier gibt's die
Konstruktion dazu:
https://www.etkbmw.com

> Kürzlich ist ihr im
> Stop&Go-Verkehr in der Stadt der Motor unvermittelt ausgangen -
> Zitat: "wie ganz sanft abgewürgt".
> Die anschließende Diagnose der Werkstatt: Steuerkette
> übergesprungen,

Das reicht nicht als Diagnose. Und ist absolut viel zu dünn.

> (wirtschaftlicher) Totalschaden.

Das ist keine Diagnose mehr, sondern schon Glaskugel. Diagnose ist immer
nur die Aufnahme des Ist-Zustandes und die Schlussfolgerung auf die
Ursache(n).

Und beides ist die Kommunikationskette:
Werkstatt-Mechatroniker -> Service-Berater -> Kundin -> dich -> uns.
Da ist mir ein bisschen viel stille Post dabei.

Wir können auch nicht wissen, wer aus welchem Grund auf die
Schlussfolgerung wirtschaftlicher Totalschaden kommt. Also, wer sie
aufgrund welcher Kontextinformationen hinzugefügt hat.

Bei 1-2 Zähne übergesprungen merkt das Steuergerät das schon an den
Signalen von Kurbelwellen- gegen Nockenwellensensor, Aber bei 1-2 Zähnen
muss noch gar keine Berührung der Motorteile (Kolben zu Ventile)
passiert sein. Sondern dann wäre es eine Art "Soft-Off" des
Motorsteuergerätes als Motorschutz.

> So weit, so blöd. Was mich dabei irritiert: aus der
> Totalschadendiagnose schließe ich, dass Ventile und Kolben
> miteinander in Berührung gekommen sind und deswegen Ventile
> und/oder Kolben und/oder Pleuel beschädigt sind.

Eine Annahme, die stimmen kann oder nicht. Du rätst schlicht. Und das
ist Mist. Denn so geht Diagnose nicht.

Andere Spekulation: Auch ein Steuerkettenwechsel (das große Programm mit
den Rädern, Kette, Kettenspanner, Kettengleitschienen, und es kommen am
Problemmotor N47 noch ein paar Sachen dazu, wer es BMW-konform machen
will) bei BMW könnte schon den Zeitwert überschreiten. Selbst um den
Zeitwert grob einzuschätzen, haben wir bisher nichtmal Motor, Baujahr,
km, Zustand von dir.

Bei einer anderen Werkstatt: kann es wieder wirtschaftlich werden.

Wenn ich immer "wirtschaftlicher Totalschaden" höre, dann denke ich an
Win-Win: die BMW-Werkstatt verkauft dann ein neues Auto oder Gw-Auto.
Sie repariert nicht für um 2000-8000 EUR an einem "alten" Auto rum, wo
sie nicht mal wissen, ob sie das wieder ordentlich zusammenbekommen und
wie es zum Rest passt (die Motornebenaggregate sind ja auch mit einem
gewissen Verschleiß schon versehen). Und müssen dann noch 1 Jahr
Gewährleistung drauf geben. Was ihnen sehr viel Ärger einbringen kann an
alten Autos. Ggf. weiß die Werkstatt auch, dass sie die TSI nicht sauber
abgearbeitet hat, und dann ist: Karre weg, neue Karre her doch viel
bequemer, als den Rechtsstreit einzugehen um den Beitrag am Verschulden
der verschiedenen Beteiligten.

Der Kunde freut sich nach kurzem Schock und kurzem Aufreger (mal
tränenreich, mal wütend) eigentlich, dass die "alte Schüssel" endlich
mal kaputt geht, und man sich wieder was neues aussuchen kann mit neuen
Gadgets und Features und meist auch mehr Werbe-PS und passend zu den
aktuellen Vorstellungen des Kunden/der Kundin. Die Zuverlässigkeit
stimmt wieder, der km-Stand ist wieder unter 50.000 km statt über
250.000 km, wo die meisten schon Schiss bekommen und das Autofahren
fühlt sich wieder freier und problemloser an.

Das dumme: danach verändern die Kunden ihr Muster an sich nicht. Sie
lernen nicht draus. Sie kaufen wieder ein Auto und fahren es bis zum
wirtschaftlichen Totalschaden. Sie suchen nicht anders aus, sie
verhalten sich dann nicht anders.

==> Fazit: Es gibt oft einfach auf diese Art keinen Anreiz zur echten
Diagnose und echten Suche nach einer Reparatur. Das Autodurchtauschen
ist gerade am Diesel einfach Standard geworden.

Der polnische Verwerter-Malik, der solche Autos im Dutzend-Pack nach
Polen oder in den Ostblock schaukelt, freut sich hingegen über einen
geringen Preis. Und dass man nach der Diagnose und Reparatur ein
attraktives Auto zum Verkauf hat.

> Ich hätte jetzt
> erwartet, dass wenn so etwas passiert, es einen Mörder-Schlag
> tut und nicht, dass der Motor mehr oder weniger sanft ausgeht.

Naja, oben deine Annahme ist doch schon wacklig. Dann wird jedes
Weiterspinnen erst recht eine Hätte-wäre-könnte.

> Hat jemand von Euch einschlägige (leidvolle) Erfahrung? Können
> Symptome und Diagnose tatsächlich zusammenpassen?

Deine Diagnose oben ist IMHO viel zu dünn dafür.

So geht sowas:

* Erstmal die Konstruktion ermitteln für das konkrete Auto.

* DTCs auslesen und als Protokoll sichern

* Motor von Hand vorsichtig drehen, Signale von KW-Sensor,
Hochdruckpumpe (auch die wird einen Drehzahl- und Positionssensor haben)
und NW-Sensor auswerten, um den Versatz zu ermitteln.

Parallel: Glühkerzen raus, 4 Endoskope rein und
* durch die Glühkerzenlöcher die Bewegung der Kolbenböden anschauen.
Natürlich auch nach Abdrücken der Ventile suchen. Fotos sichern für die
Diagnose-Dokumentation.

Bis hierher kann man mit einfachen Mitteln viel mehr tun!

Wenn so erhärtet, kommt dann erst das große Programm:

* Getriebe raus, dann von hinten: Kettenkasten auf - reinschauen, was
wirklich betroffen ist: nur der Spanner? Wie sieht die Kette aus? Wie
sehen die Kettenräder aus? Sind die fest?

Und das für beide Ketten im obigen Fall. Stellung Kurbelwelle zu
Hochdruckpumpe zu Nockenwelle.

Wenn noch nötig:

* Kopf runter, anschauen von Ventilen, Kolben, dann sieht man das.

(Alternativ: Motor als Gesamtes raus -> zum Motorenüberholer für die
Innendiagnose.)

Denn du kannst hier aus der Ferne auch nicht diagnostizieren, ob ich
Blasensteine oder Arthritis habe und was die Ursache dafür ist. :-)

Und ganz ehrlich: Überlegen durch Mehrheitsmeinung um das Thema
"Überspringende Steuerketten" (wie du das hier vor hast) ist doch Mist.
Konkrete Arbeit am konkreten Auto ist doch viel sinnvoller in so einem
Fall. Und dann das Zeug dokumentieren mit Fotos, Auslesen des MSG und
den DTCs, usw. Halt ein ordentliches Diagnose-Protokoll mit ordentlicher
Iststandsaufnahme.

Ich finde, du solltest es konkreter machen, damit der Telefonjoker hier
auch bisschen Sinn bekommt.

Grüße,
Ralf

Henning Koch

unread,
Jan 13, 2018, 8:58:16 PM1/13/18
to
On Sat, 13 Jan 2018 19:07:21 +0100, Sebastian Suchanek wrote:

>Die anschließende Diagnose der Werkstatt: Steuerkette
>übergesprungen, (wirtschaftlicher) Totalschaden.

Vermutlich ist die BMW-Werkstatt bei einem zehn Jahre alten Auto
ziemlich schnell mit dieser Diagnose bei der Hand.

Ein freier Motoren-Instandsetzer könnte zu einem anderen Ergebnis
kommen. Allerdings müsste das Auto dafür erstmal dahin, und vermutlich
wird man dort auch noch ein paar Euros für die Diagnose zahlen müssen.

(Das alles natürlich mit dem Risiko, dass er doch das gleiche Ergebnis
verkündet wie die BMW-Werkstatt)

Ralf Koenig

unread,
Jan 13, 2018, 10:24:38 PM1/13/18
to
Am 13.01.2018 um 20:14 schrieb Alfred Lönze:
> Am 13.01.2018 um 19:37 schrieb Nico Hoffmann:
>
>> Was sollte dann deiner Meinung nach nachgeben - Kurbelwelle, Pleuel,
>> Kolben, Stößel, Nockenwelle oder der Block/Kopf?
>
> Ich bei sowas noch ned zugeschaut aber in einem solchen Fall gehe ich
> davon aus, dass die Ventilteller krumm im Kolbenboden stecken oder
> siehst Du das anders? :-)

Hier ist mal ein konkreter Fall:

Die bekommen einen relativ jungen Punto (allerdings ein einfacher
Saugbenziner, 8V, ziemlich viel Platz im Motorraum) mit übergesprungenem
Zahnriemen.

Erst machen sie auf Verdacht nur den Zahnriemen und Kurbelwellenrad neu
mit richtiger Steuerzeit => merken beim Drehen von Hand schon, dass der
Motor wohl keine Kompression mehr hat => und messen dann die Kompression:

Teil 1
https://www.youtube.com/watch?v=EurjlpX6er8

Dann richtig die Ventile und Dichtungen neu, aber den Zylinderkopf und
Motorblock samt Kurbeltrieb lassen sie einfach so:

Teil 2
https://www.youtube.com/watch?v=nCiubDQQ4rg

Ob diese Arbeit nun wirklich eine allgemeine Werkstatt machen sollte, da
habe ich so meine Zweifel. Besser den Motor insgesamt raus, zur
Motorenwerkstat, dann kommt der gereinigt, vermessen und überholt in
Neuspezifikation zurück.

Vielleicht musste Aljoscha das in Vorbereitung für seine Meisterprüfung
machen. :-)

Und es ist zwar nur eine "halbe Reparatur" (denn Kolben, Zylinderkopf
bleiben ja so), dafür aber erstmal günstiger. Es kann sich später
natürlich rächen.

Grüße,
Ralf

Sebastian Suchanek

unread,
Jan 14, 2018, 5:03:41 AM1/14/18
to
Thus spoke Henning Koch:
> On Sat, 13 Jan 2018 19:07:21 +0100, Sebastian Suchanek
> wrote:
>
>> Die anschließende Diagnose der Werkstatt: Steuerkette
>> übergesprungen, (wirtschaftlicher) Totalschaden.
>
> Vermutlich ist die BMW-Werkstatt bei einem zehn Jahre alten
> Auto ziemlich schnell mit dieser Diagnose bei der Hand.
> [...]

Das fragliche Auto hat(te) einen sechsstelligen Kilometerstand
mit einer "3" als erste Ziffer. Von daher bin durchaus geneigt,
mich der Werkstattdiagnose sogar quasi blind anzuschließen. ;-)


Tschüs,

Sebastian

Sebastian Suchanek

unread,
Jan 14, 2018, 5:03:41 AM1/14/18
to
Thus spoke Ralf Koenig:
> Am 13.01.2018 um 19:07 schrieb Sebastian Suchanek:
>>
>> Eine Arbeitskollegin
>
> Daumen hoch für deinen Einsatz für die Kollegin! :-)

Das täuscht. ;-) Der Motorschaden war schon irgendwann Q4/2017,
inzwischen hat sie längst ein neues Auto. Ich bin nur erst diese
Woche dazu gekommen, mich mit ihr darüber zu unterhalten, was
dann zu den im OP geäußerten Fragen bei mir geführt hat.

> BTW: Kommen evt. noch so Markendünkel dazu? Du hast doch
> einen S212 E-Klasse - und irgendwie auch einen guten Draht
> zu MB (konkrete Umstände weiß ich nicht).

Auch das täuscht. ;-) Ja, ich habe eine S212 E-Klasse und - zum
Glück! - eine Stammwerkstatt, die meiner Meinung nach weitgehend
gute Arbeit abliefert. Darüber hinaus habe ich noch ein wenig
angelesenes Wissen über das "MB-Universum" - das war's dann aber
auch schon.

> [...]
> Andere Spekulation: Auch ein Steuerkettenwechsel (das große
> Programm mit den Rädern, Kette, Kettenspanner,
> Kettengleitschienen, und es kommen am Problemmotor N47 noch
> ein paar Sachen dazu, wer es BMW-konform machen will) bei
> BMW könnte schon den Zeitwert überschreiten. Selbst um den
> Zeitwert grob einzuschätzen, haben wir bisher nichtmal
> Motor, Baujahr, km, Zustand von dir.

Was ich spontan sonst noch so über das Auto weiß: Kilometerstand
jenseits der 300Mm, schon länger bestehender Hagelschaden auf
dem Dach.

> Ich finde, du solltest es konkreter machen, damit der
> Telefonjoker hier auch bisschen Sinn bekommt.

Wie gesagt: das fragliche Auto ist längst weg und gegen ein
"neues" (Gebrauchtwagen) ersetzt. Mir ging es wirklich nur um
die Frage, ob die beiden Punkte "Steuerkette übergesprungen" und
"Motor (relativ) sanft aus" in Einklang zu bringen sind - und
anscheinend sind sie das.


Tschüs,

Sebastian

Falk Dµebbert

unread,
Jan 14, 2018, 6:24:34 AM1/14/18
to
Am 14.01.18 um 04:24 schrieb Ralf Koenig:
>
> Ob diese Arbeit nun wirklich eine allgemeine Werkstatt machen sollte, da
> habe ich so meine Zweifel. Besser den Motor insgesamt raus, zur
> Motorenwerkstat, dann kommt der gereinigt, vermessen und überholt in
> Neuspezifikation zurück.

Bei einem Wagen, der in A-Zustand gerade mal 3 bis 4 Kiloeuro erzielt,
und eher ein Brot- und Butter-Auto ist, also auch im Alter keinen
Sammlerwert erlangen dürfte, fürchte ich, dass man dem Motorenüberholer
keine Mach-was-Du-für-richtig-hältst-Karte ausstellen sollte.

Selbst wenn man mit Kolben und den Ventilen nebst Dichtungen auskäme,
was ich stark bezweifle, denn die 1er BMW Diesel-Köpfe sind empfindlich
wie sau und spätestens mit der UV-Lampe oder dem Ultraschall sieht man
nach einem Aufschlag Risse zwischen den Ventilen. Und kalt plan sind die
nach über 200tkm auch nicht wirklich. Ein leerer Kopf aus Italien liegt
bei 300,- im Einkauf. Außerdem dürfte bei der Laufleistung ein Übermaß
kaum reichen um auf Kompression zu kommen.

Beim kleinen BMW geht der Motor oben raus, was die Bühnenzeit klein
hält. Dabei muss aber viel getrennt und hinterher aufgefüllt werden. Im
Werkstatthandbuch stehen 6-8 Stunden Aufwand für einen Motortausch inkl.
Anlernen des Steuergeräts. Vier Stunden davon sind nur "mit erweiterter
Qualifikation" leistbar. Also sind wir auch bei einer freien Werkstatt
mit 360,- bis 600,- Arbeit im Rennen.

Es kommen vier Spezialwerkzeuge zum Einsatz und zumindest für eine
Werkstatt mit Bosch-Messgeräten wird eine gesonderte KTS-Lizenz für das
Anlernen fällig - bei Gutmann und Tech2 sieht es mal wieder günstiger
aus. Man kann versuchen, dem Steuergerät den neuen Motor unterzujubeln
ohne die Grundkalibrierung anzupassen, aber das würde ich jetzt nicht
mehr tun, es sei denn der TÜVler ist bekannt und hat bei der
Endrohrmessung viel Geduld, bis der Wagen sich eingestellt hat.

Falk D.

Heinz-Juergen Kronemeyer

unread,
Jan 15, 2018, 9:19:52 AM1/15/18
to
Am 13.01.2018 um 19:59 schrieb olaf:

> Yep, mein Alfa 166 ist so von mir gegangen. (schnief)
> Da ist beim anfahren an der Ampel der Zahnriemen gerissen und da ging
> der Motor auch einfach nur aus. Und der hatte ein paar Ventile mehr
> als euer WinzigBMW.

Auf die Wechselintervall angabe von Alfa verlassen? Die gaben mal
120.000 km für den Zahnriemenwechsel an. Deutlich zu viel. Vorsichtige
Fahrer wechselten bei 60.000, spätestens aber bei 80.000. Der Arese V6
lässt sich zwar gut reparieren, aber das muss ja nicht sein. Mein 164
Super V6 soll jedenfalls noch lange mitspielen.

> Allerdings finde ich es sehr erstaunlich das eine Steuerkette einfach
> so ueberspringen kann. Das spricht nicht gerade fuer eine gelungene
> Konstruktion.

Nun ja, ein großer Hersteller hatte mal Probleme mit minderwertigen
Steuerketten, die schon nach 50.000 km rissen oder übersprangen. Sparen
um jeden Preis ist nicht immer eine gute Idee.

Heinz-Jürgen
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