Am 08.04.2019 um 14:53 schrieb Frank Werner:
> Am 08.04.19 um 08:48 schrieb Ralf Koenig:
>
>> Ein BlackBerry KEY2 Dual-SIM 128GB sieht doch gut aus.
>
> Ja, ist aber nicht meine erste Wahl...
>
>> Also ich lese da
>> Xperia X Compact Xperia X Compact (F5321)
>> Nur dann ein rotes Kreuz bei Mirrorlink. Aber dann bleibt dir ja
>> Android Auto.
>
> Verstehe ich das richtig, dass ich entweder ein Smartphone aus der
> Kompatibilitätsliste brauche oder Android Auto?
Ich verstehe es so:
irgendwann entwickelt der Zulieferer für Skoda das Swing und die
Software auf dem Swing.
Der nimmt sich ein paar gängige Smartphones aus dem
Entwicklungszeitpunkt und entwickelt damit die Autoseite.
Tester nehmen sich dann Smartphones und machen halt echte Tests: sie
haben einen Testplan und nur wenn es am Ende klappt - und zwar mit
Skodas Definition von Testplan und mit Skodas Verständnis von "klappen"
(auch nach Standby/Energiesparmodus, innerhalb bestimmter Antwortzeiten,
für alle Test-Medienformate, für alle getesteten Apps, mit
Usability-Kriterien, etc. pp. - was weiß ich, was sie da konkret testen)
- dann gibt einen grünen Haken in der Kompatibilitätsliste.
Sonst eben einen roten. Das muss dann nicht heißen, dass es gar nicht
geht, aber es kann eben sein, dass z.B.:
* dass ein bestimmtes Medienformat ruckelt
* dass es aus Standby nicht klappt
* dass es auch mal zu lange dauert (usability gerissen)
* oder dass z.B. selbst bei Maximallautstärke am Handy aus den
Fahrzeugboxen nur was leises kommt, z.B. wenn während der Navigation aus
einer Navi-App die Telefonanrufe zu leise sind. Was dann keine gute
Usability ist.
Usability-Kriterien halt. Der Teufel steckt ja im Detail bei dem Zeug.
Selbst wenn 90% funktionieren, können 10% den Rest gründlich versauen.
Oder 5%.
Für die Smartphones aus der Liste haben sie überhaupt Tests gemacht und
auch Testergebnisse veröffentlicht.
Für Smartphones, die da nicht drauf stehen: kann klappen, kann nicht
klappen. Was man sieht: die Smartphones dort sind alles nicht gerade die
frischesten.
Getestet wird von Skoda im Testkanon allerdings nur wenig:
* Freisprechen über HFP - Hands-Free Profile (Bluetooth)
und rSAP - SIM Access Profile (SAP, SIM, rSAP)
-----------------------------------------------------------------
Enabled hands-free telephony - Is the mobile phone at all with the phone
system used by SKODA (HFP Bluetooth profile)
Call lists
Control via infotainment system
Display on infotainment system
Phone Ringtone
Phonebook
Private Mode
SIM Phonebook
-----------------------------------------------------------------
* Media Player über Bluetooth
(AVRCP = Audio Video Remote Control Profile Fernbedienung für
Audio/Video) und auch Media Browsing
A2DP Advanced Audio Distribution Profile Übertragung (Streaming) von
Audiodaten
-----------------------------------------------------------------
Enabled Media Player - When the phone is suitable for use as a media player
Bluetooth Audio Control
Bluetooth Audio Playback
Display track information
Media Browsing
-----------------------------------------------------------------
* naja und dann Mirrorlink
-----------------------------------------------------------------
Enabled MirrorLink™ Connectivity
Is this mobile phone for use as a MirrorLink™
-----------------------------------------------------------------
Android Auto oder Apple Carplay haben sie dort in der Skoda Test-Liste
ja gar nicht drin. Damit werden für diese beide Funktionen von Skoda
keine Testergebnisse bereitgestellt. Also wieder: kann klappen oder
nicht. Versuch macht klug.
Vielleicht sieht Skoda dafür dann Apple und Google in der Pflicht, dafür
Testergebnisse bereitzustellen. Oder Skoda hat schlicht seinen Testkanon
schon ewig nicht erweitert. So sieht es aus, denn unten steht noch:
"Liste der Funktionen entspricht dem MIB Infotainment-System mit allen
verfügbaren Funktionen."
> Implementiert die App
> das fehlende Protokoll nach?
Nicht nur das. Die Google Android Auto App macht noch deutlich mehr.
Bei Mirrorlink muss jeder einzelne App-Schreiber bestimmte Bibliotheken
des CCC einbinden und dann den Freigabe-Prozess beim CCC durchlaufen,
siehe z.B.
https://www.infoware.de/fileadmin/Resources/Public/pdf/Anleitung_MirrorLink.pdf
Der App-Entwickler ist dann abhängig von CCC (Konsortium hinter
Mirrorlink) und danach eben Google, damit die zu verteilende
Mirrorlink-befähigte App dann im Google Play Store landen kann. Es
braucht dann aber keine zusätzliche App mehr.
Ich denke, der Smartphone-OEM schaut drauf, dass sein Smartphone an sich
die nötige Low-Level Software für Mirrorlink hat. Auch dort wird es dann
einen Zertifizierungsprozess über das CCC geben.
Bei Android Auto hingegen gehe ich davon aus, dass eben Google viel
macht: Google baut die Android Auto App mit sicherlich einer
Ablaufumgebung. Die eigentlichen Apps (Spotify, TuneIn, usw. usf.)
werden dann vermutlich weitgehend gegen diese linken, und über
zusätzliche Views auf dem Gerät bereitgestellt.
Hier ist es im Detail: wirklich mal ganz nützlich anzuschauen.
https://eu.udacity.com/course/android-auto-development--ud875C
Google macht da in den Beispielen viel mit API-Funktionen. Aber der
App-Entwickler bekommt damit halt auch immer nur darüber Zugriff auf
bestimmte Funktionen, die dann auf das Auto adaptiert werden. Es wird
gerade nicht der Handy-Bildschirm auf den Auto-Bildschirm repliziert,
sondern es gibt ein zusätzliches autofahrt-angepasstes grafisches
Nutzerinterface.
Auf der Nutzerseite: An sich kann es dir egal sein, wie das alles
gekapselt ist. Die Anleitung für Nutzer (ein paar Einrichtungsschritte)
ist an sich hier:
https://support.google.com/androidauto/answer/6348029?hl=de
Der Rest: ist Learning by doing - anstatt Handbuch lesen, denn
Handbücher gibt's nicht mehr, die Apps sind eher wie ein
Adventskalender: schau hinter jedes Türchen mal rein, dann weißt du was
drin ist. Im Auto ist diese Lernphase natürlich nicht während der Fahrt
angesagt.
Die jeweiligen Guidelines legen fest, dass Apps, die für die Benutzung
im Auto geschrieben werden, bestimmte Richtlinien einhalten:
* große Schrift
* große Buttons
* keine Texteingabe
* keine Animationen
usw.
Viele Grüße,
Ralf