Am 20.10.2023 um 10:20 schrieb Martin K.:
> Kürzlich hatten wir hier das KfW Förderprogramm 442, das Photovoltaik
> mit PV-Anlage, Speicher und Wallbox als komplettes System fördert. Als
> Besonderheit gab es dort auch eine höhere Förderung für bidirektionale
> DC Wallboxen,
Jepp.
> mit denen man das BEV als Hausspeicher mitnutzen kann.
> Ich habe mich gefragt, welche das denn konkret sein sollen?
Die Liste hatte bisher genau 1 Eintrag. :-D
Als du gepostet hattest, waren es 4, die du nanntest.
Aktuell sind es wieder nur 3, weil eine (Eaton ) wieder gestrichen wurde.
* ambiCHARGE 11kW DC-Wallbox
* Sigen EV DC Charging Modul
* Wallbox Chargers Quasar 2
> Bekannt war mir eigentlich nur, dass SMA zusammen mit VW an der
> Sache dran ist.
Und dass diese auf DC gehen.
An sich sind aber mehr bekannt:
* Ford Charge Station Pro in den USA, auch mit Intelligent Backup Power
über Sunrun
* so einige V2G-Lösungen für CHAdeMO, die aus Japan kommen
* Lucid mit seiner Wunderbox und einen birektionalen *AC*-Lader im Auto,
das ist bisher aber mehr noch eine Ankündigung
* viele Ankündigungen mehr auf Fahrzeugseite, leider oft unkonkret und
vage. Sowas wie "V2G-ready. Wird umgesetzt mit irgendeinem späteren
Software-Update".
Dabei fehlen oft schon Basisparameter wie:
* über AC oder DC realisiert
* welche maximale und dauerhafte Leistung
* wenn AC: wieviele Phasen
* wenn DC: welcher Spannungsbereich
* welches Kommunikationsprotokoll
Diese ist schon wieder entfallen. Sie steht nicht mehr auf der Liste der
KfW.
Ein Satz wie "Green Motion DC 22 wurde entwickelt, um Vehicle-to-Grid
(V2G) bereit zu sein." reicht also offenbar nicht.
Was interessant ist: das sind alles V2G-Wallboxen, die DC-seitig mit
10-25 kW zum Fahrzeug gekoppelt werden. Und dann AC-seitig ans Netz,
hoffentlich gleich nach europäischer Vorstellung mit 3 Phasen.
Mich wundert ja, dass E3/DC da noch nix auf der Liste hat.
Auch interessant: keiner der Anbieter nennt eine Liste kompatibler
Fahrzeuge (sowie Software-Versionen der ChargeController im Fahrzeueg),
die über DC (und dann CHAdeMO oder CCS) wirklich auch wieder 10-25 kW
rausrücken. Dabei müssen sie es ja mit irgendwas getestet haben und
hoffentlich nicht nur mit protokollgetreuen, simulierten Lasten.
Also: das ist eher Early-Adopter-Futter. :-D
Hier nennt Quasar 2 mal ein Modell (Cupra Born 77 kWh).
https://wallbox.com/en_us/newsroom/wallbox-announces-its-latest-bidirectional-ev-charger-quasar-2-has-confirmed-compatibility-with-cupra-born-77kwh.html
Aber konkrete technische Angaben (z.B. nötige Software-Version im
Fahrzeug) sind wieder nicht dabei.
Zusätzlich interessant: an die kleineren
AC-Vehicle-to-Load-Schnittstellen (1-phasig bis 2,5 oder 3 kW), die
verschiedene Fahrzeuganbieter schon 1-2 Jahre (eher proprietär, also
z.B. MG, Hyundai/Kia) realisiert haben, geht entweder keiner ran. Oder
das entspräche nicht den Förderbedingungen der KfW. Sondern da spannen
die Fahrzeuge dann ein Inselnetz auf, das aber nicht für die
Netzkopplung vorgesehen ist.
> Rein technisch und wirtschaftlich interessant ist, wenn man so eine
> Bi-Wallbox nicht wieder als Einzelteil betrachtet und an Wechselstrom
> bzw. Drehstrom anschließt und deshalb nach Gleichstrom wandeln
> muss.
Stimmt, wäre interessant, wird aber derzeit wohl nicht so gemacht.
Denn der netzseitige Anschluss an AC wird jedoch die übliche
Arbeitsweise dieser Boxen sein. Sie haben einen integrierten
Wechselrichter, werden netzseitig an AC angebunden und wandeln auf dem
Weg zum Fahrzeug und vom (Bidi-fähigen) Fahrzeug zwischen DC und AC.
> Sondern DC gekoppelt in den PV-Wechselrichter integriert, so
> wie man sich heute bei PV-Neuanlagen den Batteriewechselrichter
> spart und Hybrid Wechselrichter verwendet.
Die Idee liegt nahe, wird aber derzeit nicht so hochintegriert realisiert.
> So ein Tri-Wechselrichter könnte dann DC-Anschlüsse haben für:
> PV-String(s)
> stationärer Speicher
> Bi-Wallbox(en)
Mit 3x DC Schnittstellen wäre es ja zunächst kein
"Tri-*Wechsel*richter", sondern er hätte ja intern nur noch
DC-DC-Converter. Es wäre eine unmodulare, integrierte Box, die aber an
allen drei Schnittstellen passen muss:
* genau die richtige Universalschnittstelle zur individuell verbauten PV
* genau die richtige Universalschnittstelle zum individuell verbauten
Speicher
* genau die richtige Universalschnittstelle zum individuell genutzten
Fahrzeug
Diese Schnittstellen haben dabei jeweils eine DC-Stromschnittstelle,
aber auch eine Kommunikationsschnitstelle.
Für Neuinstallationen könnte sowas mal ganz interessant werden. Eine
AC-Seite und netzseitige Kommunikationsschnittstelle müsste jedoch doch
noch dazu kommen, denn natürlich wird es Szenarien geben, wo PV-Strom
ins Netz soll (Sonne ballert, Fahrzeug nicht da, Hausspeicher voll),
oder wo da Fahrzeug doch aus Netzstrom geladen werden soll (Hausspeicher
leer, von der PV kommt gerade nix).
Aber ändert sich da was: also wird die PV größer oder wird der Speicher
anders oder ändert sich die Fahrzeugschnittstelle, würde wieder eine
komplett neue Box fällig. Mit einer modularen Lösung ginge das besser.
> Was ich hier noch nie thematisiert habe sind Ersatzstrom/Notstrom-
> Funktionalitäten. Selbst wenn im Krisenfall bei Stromausfall Schnee
> auf den PV-Modulen liegt, könnte man mit dem BEV an einen noch
> funktionierende Schnelllader fahren und dort Strom laden um das
> Haus wieder ein paar Tage zu versorgen :-)
Nimm es mir nicht übel, aber bei echten Krisenfällen (z.B.
Überschwemmungen, andauernde politische Unruhen, Bürgerkriege, Kriege)
haben die Leute ganz andere Sorgen. Und ihre ganze Haustechnik ist dann
ziemlich sinnbefreit, ggf. unter Wasser, und bleibt bei Flucht eh zurück.
Was du eigentlich bei "Krisenfall" meinst, ist ein temporärer,
ungeplanter Ausfall der lokalen/regionalen Stromversorgung, der dann
noch zu lange dauert, um "einfach so" gut durchzukommen. Mit dem Verweis
auf solche Blackout-Gefahren wurden schon andere Geräte sinnlos
vertickt, wie neulich kleine Generatoren mit Verbrennungsmotor auch von
den Discountern. Zumindest bisher war nix - trotz mancher skeptischen
Prognose. Die Dinger verstauben jetzt in irgendwelchen Kellern. Und von
ihrem Spritvorrat (denn ohne Sprit ergibt ihre Bevorratung wenig Sinn)
geht eine neue, zusätzliche, reale Gefahr aus.
Damit dein Szenario jedoch noch irgendwie Gültigkeit hat, müssten in der
Umgebung die Ladesäulen noch mit Strom versorgt sein. Der "Krisenfall"
muss dann also eng begrenzt sein und wäre gar kein "richtiger"
Krisenfall mehr.
Grüße, Ralf