On 14 Jan., 20:24, Tom Schneider <nom...@invalid.invalid> wrote:
> Ich teile Deine Sympathie für das CVT, ich versuch's mal mit einer
> technisch-wirtschaftlichen Erklärung:
>
> Die Getriebe mit den besten Wirkungsgraden sind immer noch die Handschalter,
> vor allem wenn der Wagen im direkten Gang bewegt wird.
> Das DKG braucht zwei Kupplungen. Während beim Handschalter und ASG die
> Kupplung nur Energie braucht, wenn geschaltet wird, müssen beim DKG beide
> Kupplungen ohne Energie aufgehen. Im Umkehrschluss braucht das DKG also
> ständig Leistung, um eine nasslaufende Kupplung zuzuhalten. Ich meine, dazu
> sind um die 60 bar hydraulischer Druck nötig. Die neueren DKGs mit
> Trockenkupplungen werden hier sicher besser abschneiden.
Jepp, die trockenen sind besser im Wirkungsgrad, sieht man ja bei VW.
Man kann DKGs übrigens auch nicht mit hydraulischen Aktoren, sondern
(ähnlich wie das ASG) mit elektrischen Aktoren schalten. Gerade bei
Trockenkupplungen bietet sich das ja an. Im von Renault eingesetzten
DKG "EDC" (entwickelt von Getrag) wird das gemacht.
http://www.heise.de/autos/artikel/Neues-DKG-fuer-Renault-Megane-und-Scenic-1016599.html
VW meint dazu, dass aus ihrer Sicht hydraulische Aktoren zuverlässiger
und laufruhiger seien als el. Aktoren.
> Im Motorenbau gibt es eine gegenläufige Entwicklung, weil die günstigsten
> Verbrauchsbereiche (Stichwort Muschelkurven) immer breitere Drehzahl und
> Lastbereiche haben, der Nutzen der idealen Anpassung durch ein CVT nimmt
> also ab.
Also hier kann ich dir nicht ganz folgen. Denn das breite Drehzahlband
müsste begünstigen, dass Getriebe mit immer *weniger* Gängen kommen.
Aber: es werden immer mehr!
Der Nutzen aus der idealen Anpassung (z.B. Verbrauchsminderung,
Drehzahlsenkung) muss also doch zunehmen.
Mal ein paar Beispiele:
Schaltgetriebe gehen von früher 4 Gängen auf heute 6, teilweise 7
Gänge (z.B. Porsche).
DKGs gibts mit 6 und 7 Gängen.
Wandlerautomatiken hatten früher 3 oder 4 Gänge, inzwischen wurden es
5, 6, 7, 8 oder sogar 9 Stück. Ist natürlich auch eine Preisfrage, 4-
Gang-Wandlerautomatiken gibt's auch immer noch genügend in
preisgünstigeren Neuwagen.
Und diese Entwicklung (mehr Gänge) kommt doch einem CVT eher entgegen.
Audi zum Beispiel hat auf seine Multitronic-Steuerung früher 6 Gänge
draufprogrammiert, später auch 7 oder 8 Gänge. An sich wären gar keine
Gänge nötig, aber die Verbesserung der Akzeptanz hier in Europa
verlangt wohl diese Gangsimulation.
> Von der Fertigung her kann ein Getriebespezialist, wie z.B. Getrag, Borg
> Warner oder ZF einen Handschalter, ASG und DKG im Prinzip gleich aufbauen.
> Zahnradpaarungen für Übersetzungen gehen damit in großen Stückzahlen in die
> Produktion und sind entsprechend wirtschaftlich.
ACK. Weltweit gesehen sind aber von der Triade (EU, USA, Japan, in
diesen drei Regionen passiert weltweit ein Großteil des
Neuwagenverkaufs) nur die EU ein Schaltgetriebe-Markt. USA und J sind
Automatikmärkte. Insofern: werden weltweit gesehen auch massenhaft
Automatikgetriebe, z.B. CVT oder Wandlerautomatiken, hergestellt.
Und auf allen Automatikgetrieben kann man prinzipiell die Bedienlogik
eines Schaltgetriebes simulieren, auch wenn es nicht Sinn und Zweck
ist.
> Hersteller wie Audi, die 2-3 Automatik-Typen (Multitronic, DKG, Vollautomat)
> und Handschalter im Programm haben, leisten sich da mit ihrem CVT einen
> wirtschaftlichen Luxus.
Auch das würde ich bisschen relativieren: Audi ist ja nur einer im VW-
Konzern. Die teilen sich also die Getriebe mit ihren vielen Konzern-
Brudermarken. Und kommen so auf Stückzahl. Ausnahme: Multitronic. Aber
da haben sie es an Seat im Exeo weitergegeben.
> Ich gehe daher davon aus, dass wir diesbezüglich in
> einer Übergangszeit leben.
Ich würde da die Kunden nicht ganz rauslassen und eben Traditionen der
Käufer. Z.B. die Japaner kennen CVT und sie lieben es, die Amis lieben
ihre Wandlerautomatiken, in Europa sind Handschaltgetriebe noch sehr
verbreitet (preisgünstig, recht robust, verbrauchsgünstig).
> Der Handschalter wird aussterben, weil hier der Fahrer immer noch Mist
> machen kann (Überdrehen, Knallstart und mit zu hohen Momenten in unteren
> Gängen anfahren)
Vor allem: die Ausbildung wird deutlich erschwert. Gerade in neuen
Märkten (z.B. China, Indien) kann das eine Rolle spielen. Es werden
also kaum Leute von Automatik auf Handshcalter wechseln, sondern
hauptsächlich von Handschalter auf Automatik. El. Parkbremse mit
Berganfahrkontrolle, Schaltempfehlung und Co können diesen Trend
vielleicht ein bisschen verzögern, aber kaum ganz aufheben - aus
meiner Sicht.
> und ich vermute mal, dass weder Abgasqualität noch der
> Verbrauch bald noch gesetzeskonform mit einem Handschalter darstellbar sind.
Aber: die VW Bluemotion Modelle (und Ableger im Konzern) (ziemlich gut
in Abgasqualität und Verbrauch!) haben alle Schaltgetriebe. Oben lobst
du doch noch den guten Wirkungsgrad. Und geübte Fahrer kommen damit
wirklich sparsam voran.
> Das CVT wird meines Wissens kaum noch ernsthaft entwickelt und wird daher
> aussterben, weil es kaum noch Verbrauchsvorteile ausspielen kann, leider
> immer noch viele Kunden das Schaltverhalten nicht akzeptieren und es wenig
> Gleichteile mit anderen Getriebebauformen hat.
Schau mal nach Japan, dort ist die Akzeptanz von CVT sehr gut.
Übrigens: Das CVT-Prinzip (muss ja nicht als Kegelräder sein!)
verträgt sich dufte mit Hybrid-Antrieben, wie man bei Honda oder
Toyota sieht.
> Das DKG wird gegen das ASG verlieren, sobald das ASG die
> Schaltgeschwindigkeit (wie im Lamborghini) erfolgreich steigern kann und
> falls das DKG nicht noch andere Vorteile nachlegen kann.
Ich glaube nicht, dass es nur um Schaltgeschwindigkeit geht. Sondern
um z.B. Kriechen bei Einparken. Bei ASG und DKG wird das über eine
schleifende Kupplung simuliert. Aber: erst wenn man das richtig gut
macht, kann sowas mit ner Wandlerautomatik konkurrieren.
Übrigens: an anderen Stellen werden im Hochleistungsbereich ASGs auch
mal durch DKG abgelöst, z.B. im M3. Früher ein ASG namens "SMG",
heute ein DKG.
> Der Wandlerautomat wird fleißig weiterentwickelt, ZF hat 8-Gang-Automaten
> und im Mini wird Promo für einen 9-Gang-Automaten gemacht, eine gewaltige
> Leistung, was die Reduktion der Baugröße betrifft.
Der BMW 1er (nun auch kein Riese) ist jetzt schon mit 8-Gang-Automatik
zu haben. Aber gut: Heckantrieb lässt mehr Platz.
> Aber der komfortable Wandler mit Wandlerüberbrückung wird im DKG bereits mit
> der Steuerung der Kupplung ersetzt und das ASG wird folgen.
> Der Wandler mit seiner vorteilhaften Drehmomentüberhöhung kann aber sicher
> auch noch in einem ASG oder DKG Platz finden.
Sicherlich. CVT+Wandler wird ja schon gemacht, das war/ist in MB's
Autotronic so zwecks des Komforts, und Franks Fiat hat auch einen
Wandler vor dem CVT. Kostet halt Sprit wegen schlechterem
Wirkungsgrad.
Trotzdem halte ich ASG/DKG+Wandler für keine häufige Option in der
Zukunft, weil aus meiner Sicht die Nachteile der Kombination die
Vorteile überwiegen würden.
> Also, ich denke es sieht langfristig schlecht aus für das CVT.
Mal schauen. Gerade die japanischen Hersteller werden ihre
Investitionen schon schützen wollen. Und die japanischen Kunden ihre
Gewohnheiten eher wenig ändern.
Ralf