Das war noch offen:
Ja, sie sind natürlich dabei.
Vorweg: ICAS = "In Car Application Server"
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ICAS 1 = Diagnose-Interface für Datenbus J533
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Da ist dran:
Nach oben:
der Diagnostic Link-Connector (landläufig "OBD2-Buchse") mit
1x CAN-Bus und
1x GBit-Ethernet (DoIP)
Spannungsversorgung und Masse
(Das Zeug, wo der klassische Flash-Vorgang in der Werkstatt dran hängt.)
Nach unten halt ein Gateway auf verschiedene Bus-Systeme:
2x Gigabit-Ethernet
5x 100MBit-Ethernet
7x CAN-Bus
4x LIN-Bus
Das sind die Zahlen, wie wirklich weitere Systeme angeschlossen sein
können. Das J533 kann aber weitere, ungenutzte Ports haben. Das J533
sitzt wie so eine Krake in der Mitte, das ganze darunter ist dann
weitgehend als Baum organisiert, aber der Baum hat auch etliche
Querverbindungen über CAN-Busse oder einzelne Verbindungen, die für
Redundanz teils nötig sind.
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ICAS 3 = Steuergerät für Informationselektronik 1 J794
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Das Ding ist recht klassisch - ein Radio-Navi halt. :-)
Von oben kommen in J794 rein:
- 1x CAN-Bus Anzeige und Bedienung
- 1x GBit-Ethernet (von ICAS 1)
Nach unten gehen aus J794 raus:
- 1x CAN-Bus Infotainment (zu einem optionalen digitalen Soundpaket und
zu J685, also dem Zentraldisplay)
- 1x USB (USB-Anschluss für externe Medien)
- 3x Video-Verbindungen zu drei Bildschirmen (das wird so LVDS sein)
J1254 - SG mit Anzeigeeinheit für Fahrerinformationssystem
Das ist quasi das klassische Kombiinstrument.
Das hängt aber auch selbst noch am CAN-Bus Anzeige+Bedienung.
J685 - Anzeigeeinheit für SG der Anzeige- Bedienungseinheit,
Informationen vorn
Das ist der Bildschirm in der Mitte.
Der hat auch noch weitere Verbindungen.
J898 - SG für Frontscheibenprojektion (Head-up-Display)
Das ist ein optionales HUD.
- Radio-Antennenverbindungen (DAB, 2xUKW, Sat-Tuner für USA)
- 6x Lautsprecher-Verbindung, vermutlich noch analog
Die ganze Netz-Konnektivität (2xLTE, WLAN, und auch GPS) ist da nicht
drin, sondern die ist nochmal extra in J949 und J666 (siehe oben).
Man kann aber davon ausgehen, dass das digitale Kombiinstrument J1254
schon mal deutlich Rechenpower an das Radio-Navi J794 quasi abgegeben
hat. Und nun beide weitgehend von einer Quelle versorgt werden. Wenn
J794 aber ausfallen sollte, könnte J1254 immer noch die
Basisfunktionalität eines Kombiinstrumentes übernehmen, dann aber
vermutlich ohne Navi-Kartendarstellung und so Firlefanz.
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ICAS 2 - noch nicht drin
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Der ICAS 2 für hochautomatisiertes Fahren ist im id.3/id.4 noch nicht
verbaut, das ist wohl nicht rechtzeitig fertig geworden. Die Systeme
dafür sind heute noch verteilt und dezentral, sieht man ja oben.
J428 SG für Abstandsregelung
J769 SG für Spurwechselassistent
J770 SG 2 für Spurwechselassistent
J772 SG für Rückfahrkamerasystem
J928 SG für Umfeld-Kamera
J446 SG für Einparkhilfe
Mal schauen, ob sich da mit dem id.buzz dann etwas ändert. Aber bisher
hat auch Tesla nicht so richtig geliefert beim hochautomatisierten
Fahren, noch Toyota, die das ja mit den Olympischen Spielen in Tokyo
demonstrieren wollten, dann werden sich die etablierten Hersteller auch
zurückhalten.
>
https://youtu.be/PMmdhkpgPJ8?t=1159
Zu marketinglastig aus Marketing-Material.
Es ist halt "Auto-Journalismus" fürs Volk, populärwissenschaftlich
erzählt. Wo es eigentlich Schaltpläne bräuchte. Und
Software-Architektur-Diagramme. Es ist Breite statt Tiefe.
> Natürlich wird man auf ein Bussystem nicht verzichten können und
> alle Aktoren, Sensoren, ... direkt an einen Zentralrechner anschließen.
> Da sitzen dann sicherlich z.B. bei der Verriegelung der Heckklappe
> auf einer Platine Leistungshalbleiter die von einem Mikrocontroller
> angesteuert werden und dieser Mikrocontroller hat dann einen
> Anschluß an den Bus. Vielleicht ist es auch genau das, was man
> landläufig als Steuergerät bezeichnet?
An sich ja. Aber ein "richtiges" Steuergerät hat auch wesentliche
interne Logik.
Von Bauteilen, die direkt am CAN-Bus oder LIN-Bus hängen (über dann
jeweils einen Mikro-Controller) und dann nur einfache Funktionen
ausführen und kein J irgendwas bekommen haben, gibt es nochmal erheblich
mehr.
Beispiele:
die Scheinwerfer vorne an CAN-Bus
MX1 Scheinwerfer vorn links
MX2 Scheinwerfer vorn rechts
Die Rückleuchten (das sind die gesamten Lampeneinheiten) an LIN-Bus
MX3 Schlussleuchte links
MX4 Schlussleuchte rechts
MX13 Schlussleuchte Mitte
L385 dynamische Lichtleiste 1 für Informationen in der Schalttafel
A19 Spannungswandler Hochvolt DC <=> 12V DC
R242 - Frontkamera Fahrerassistenzsysteme
und viele weitere.
Wenn man also die Geräte mit Mikrocontroller und Bus-Anschluss (CAN,
LIN, ggf. auch SENT) zählen wollte, werden es nochmal erheblich mehr als
die 41 bzw. 49 oben. Irgendwo muss "die Chipkrise" ja herkommen. :-)
> Wenn man wie beim Model3 fast keine Schalter mehr hat und nahezu
> alles über ein sensitives Display steuert, ist aber auch klar, dass es
> dafür sinnvollerweise einen (Zentral-) Rechner braucht,
... eher mehrere, schon allein für die räumliche Verteilung ...
> der mit einem
> Bus Verbindung an alle Sensoren/Aktoren (Steuergeräten) hat.
Die Sensoren/Aktoren sind in dem Sinne von VW keine Steuergeräte (J*).
Sensoren
G* (G für Geber=Sensor) für alle möglichen Sensoren (Druck, Temperatur,
Drehzahlen, ...)
F* für Schalter
E* für Taster
Aktoren
V* für E-Motoren
M* für Lampen
L* für kleine Leuchten
K* für Kontroll- und Warnleuchten
R* für Lautsprecher/Antennen,
N* für Magnetventile oder Zündeinheiten
Z* für Heizwiderstände.
Diese Auffassung gibt es so im id.3/id.4 also nicht, da sind weiter ganz
normale "analoge" Steuerspannungen im Einsatz.
Und bei Tesla gibt es die auch nicht. Das hat auch was mit notwendiger
Redundanz zu tun. Selbst wenn "der Zentral-Rechner" abstürzt oder
ausfällt, will man ja immer noch bremsen, lenken können, die Hupe und
Scheinwerfer/Schlussleuchten sollen weiter funktionieren und mindestens
das e-Call auch.
> Damit würden dann die 2 Zentralrechner eher zusätzlich dazu kommen,
> anstatt wie von mir vermutet diese Vielzahl an Steuergeräten zu
> ersetzen.
Ja, diese Sicht des dazu kommens passt besser.
Es ist eine Mischung. Einzelne vorhandene Steuergeräte werden etwas mehr
ertüchtigt, also aufgebohrt mit fett CPU-Leistung, RAM,
Übertragungsbandbreite (also aus Automotive-Sicht, und da ist ja 100MBit
oder Gigabit-Ethernet schon viel) zu quasi "Supersteuergeräten". Die
bekommen mehr Netzbandbreite (ICAS1) oder Logik-Funktionen (ICAS3) und
rechnen Sachen durch. Die anderen können ihre Logik dann an diese
Supersteuergeräte auslagern.
Die "Supersteuergeräte" sind ein bisschen wie kleine Rechenzentren im
Auto. Aber den Rest an Steuergeräten braucht es immer noch, wenn man
keinen wirklich kompletten Neuentwurf hinlegen kann oder will.
Die Hoffnung ist wohl, dass man mit Updates der Supersteuergeräte
künftig viele Funktionen erwischt. Aber so ein richtiges Ersetzen - das
findet bisher nicht statt.
> Vielleicht hat man im ersten Ansatz auch die Funktionalitäten im Kern
> noch so belassen wie sie sind und sie wandern jetzt im Laufe der
> Jahre zumindest teilweise von den einzelnen Steuergeräten in die
> beiden Zentralrechner? D.h. dass einzelne Funktionen dann verteilt
> sind auf ein Steuergerät und einen Zentralrechner.
Ja, in die Richtung geht es. Aber laaaangsam.
Grüße,
Ralf