Ralf Koenig <
ralfk...@xmg.de> wrote:
> Am 17.11.2021 um 18:35 schrieb Henning Koch:
> > On Wed, 17 Nov 2021 15:55:25 +0100, Juergen wrote:
> >
> >> Nachdem ich bei GripGate Reifen bestellt habe, schrieb mir ihr
> >> Montagepartner, die Montagedauer betrage etwa eine Stunde.
> >
> > Auftrag aufnehmen, Auftrag in die Werkstatt geben, Auftrag einem
> > Mechaniker zuweisen, Auto reinholen, Reifen ausladen, Räder
> > demontieren, Reifen ummontieren, Räder wuchten, Reifen wieder
> > montieren, Altreifen entsorgen oder wieder ins Auto legen, Auto aus
> > der Werkstatt fahren, Abschlussdokumentation, Rechnung schreiben,
> > Kassieren, fertig.
>
> Meine Sicht: es zählt Arbeitszeit in der Werkstatt.
Das ist regelmäßig der Zeitbezug der Kalkulation; alle o.g. Positionen
erzeugen Kosten, die in dem nötigen Zeitfenster in der Werkstatt
erwirtschaftet werden müssen. All das "Getüdel" bis Auto reinholen und
ab Auto rausfahren gehen als Verwaltungsgemeinkosten in die Kalkulation
ein (auch der Kaffee für den Kunden), wie Ralf skizzierte.
> > Das wird in einer halben Stunde knapp. Wenn man jetzt "halbe Stunde"
> > sagt beschwert sich der Kunde ggf. nach 32 Minuten, wenn noch nicht
> > alles fertig ist. Wenn man "eine Stunde" sagt, ist der Kunde zufrieden
> > wenn er nach 40 Minuten wieder vom Hof ist.
>
> Klassisches Erwartungsmanagement halt. :-)
Da gehen zwei Zeitbegriffe durcheinander. Der wartende Kunde will
wissen, wie lange er Kaffee trinken muss, bis er wegfahren kann
(Montagedauer plus verwaltungskram), aber für die kaufmännische Seite,
die Kalkulation, ist nur von Belang, wie lange der Monteur und ein
Werkstattplatz belegt ist (Montagedauer), weil da die Wertschöpfung
stattfindet.
> Kann so sein, ja. Aber realistischer klingt mir: man hat damit auch
> Pufferzeiten für so Sachen wie nicht pünktlich anfangen können, oder
> Komplikationen oder andere parallele Sachen.
Ja, aber erstens ist es "Kaffeezeit" für den wartenden Kunden und
kalkulatorisch schwer oder nicht zu erfassen, zweitens fallen Zeitpuffer
bei der Wertschöpfung aus, dürfen also nicht größer als nötig sein. Bei
späterer Abholung merkt ein Kunde von Leerlaufzeiten nichts.
> An sich ist das ganze Reifenwechselbusiness (gerade in den auf Reifen
> spezialisierten Werkstätten) gut durchgetaktet und verdammt effizient.
> Aber man muss diese erreichte Effizienz ja nicht 100% an den Kunden
> weitergeben.
Das tut man ja auch nicht, sondern gibt ihm noch einen zweiten Kaffee
mit Keks, die als Aufwand für Kundenbetreuung in den Stundensatz
eingehen.
Mein RdgM wechselte wiederholt vier Reifen in gemittelt 50 Minuten und
berechnet 15€ pro Reifenmontage, hat also vermutlich einen Stundensatz
von etwa 72€ (Hinterhofgarage, u.a. mit Reifenbezug vom benachbarten
Schrotti); der andere im Nachbarort ruft bei Reifenkauf 56€ auf und
benötigte 45 Minuten laut GPS-Logger zwischen auf den Hof fahren und
wegfahren (also Montage- und Verwaltungszeit), liegt also bei mindestens
74€/h.
--
Munterbleiben
HC