Am 01.11.2022 um 22:50 schrieb Rupert Haselbeck:
> Michael Pachta schrieb:
>> HC Ahlmann:
>>> Diuese Aufkleber sind Schuldabweiser, welche die Verantwortung des
>>> Fahrzeugführers auf die verkehrsteilnehmer in der Umgebung abwälzen soll
>>> – stampf doch gleich die StVO ein.
>>
>> Diese Aufkleber sollen die anderen Verkehrsteilnehmer darauf hinweisen,
>> dass der Fahrer sie u.U. nicht sieht. Was nützt es mir, im Recht zu
>> sein, wenn ich tot bin?
>
> Völlig richtig!
> Es ist wenig weise, darauf zu beharren, dass man ja Vorfahrt oder
> Vorrang habe.
Jepp.
> Es ist nicht besonders schlau, sich auf dem Fahrrad rechts
> neben einem rechts blinkenden LKW oder so aufzustellen.
Jepp.
Jedoch steht man teils als Fahrradfahrer schon da, und dann kommt der
Lkw/Transporter und stellt sich neben einen, rechts blinkend. Da kann
man sich halt auch schlecht in Luft auflösen. Und das ist dann ein
ungutes Gefühl.
Dann entsteht auch schnell ein Deadlock: der Fahrradfahrer sagt sich: im
Leben fahre ich nicht los, wenn hier der Lkw recht abbiegen will. Und
wartet und wartet und wartet, dass doch endlich der Lkw abbiegen möge.
Mancher hebt dann sein Rad auf den Gehweg und sagt sich, ok, solange
hier der Lkw noch ist, warte ich einfach mal schön weit aus dem
Gefahrenbereich, dass der weg ist.
Der Lkw-Fahrer sagt sich: ok ich lasse erstmal den Fahrradfahrer durch,
der da im toten Winkel steht. Und wartet und wartet und wartet, dass
doch endlich der Fahrradfahrer gerade aus durchfahren möge. Der bekommt
ggf. gar nicht mit, dass sich der Fahrradfahrer gleich komplett von der
Straße zurückgezogen hat.
Und wenn dann manchmal beide denke: ok, der andere will nicht, nun fahre
ich halt, kann es wieder brenzlig werden.
Am Ende ist das einfach ne echt doofe Konstellation.
> Es ist auch nicht besonders schlau, im Auto fahrend einen LKW überholen
> zu wollen, der gerade beginnt in die eigene Spur zu wechseln - das gilt
> sogar dann, wenn er nicht blinkt...
Sehe ich auch so.
> Ich vertraue auch nicht darauf, dass der Daimler-Fahrer, welcher gerade
> noch auf der rechten Spur hinter dem von mir zu überholenden LKW
> herzuckelt, dort bleibt, wenn er den Blinker links betätigt, nur weil er
> ja bekanntlich nicht ausscheren _darf_, wenn ich auf der Überholspur
> ankomme...
Das finde ich auch richtig von dir.
Trotzdem macht das regelmäßig Probleme. Denn wenn du nicht drauf
vertraust, dass der Daimler-Fahrer drin bleibt, dann bist du ja
bremsbereit, auch für starkes Bremsen. Aber ggf. nicht die Nase hinter
dir, die mit kaum Sicherheitsabstand hinter dir tieffliegt.
> Der § 1 StVO beinhaltet auch das Erkennen und Ausbügeln der Fehler
> anderer Verkehrsteilnehmer.
Sehe ich auch so. Aber eben mit Grenzen.
> Der gesunde Menschenverstand und bei Fehlen
> desselben auch schon der Selbsterhaltungstrieb sollte gleichartige
> Verhaltensweisen fördern...
Ich stimme dir in der Sache zu. Aber da gibt es regelmäßig auch echt
schwierige Situationen.
> Allerdings darf man nicht übersehen, dass auch die Mehrzahl derjenigen,
> welche am Stammtisch (oder im Usenet) nicht müde werden zu betonen, dass
> man selbstverständlich auf seinem "Recht" beharren dürfe/müsse, in der
> konkreten Situation denn doch darauf verzichten und lieber Vernunft
> walten lassen
Am Ende kommt sowas erst mit einer gewissen Fahr-Erfahrung. Zu
"selbstbewusst"/riskant ist doof, aber zu ängstlich und zu defensiv ist
auch doof.
Am Ende sind so Menschen als FahrerInnen irgendwie mit natürlichen
Grenzen (ihrer Sinnesorgane, ihrer Merkleistung, ihrer Hilfsmittel
ringsrum) behaftet. Einen Ausweg dazu sehe ich ja in mehr
V2V-Kommunikation mit sowas wie Transpondern.
Ich denke, für die "echten" Robotaxis werden wir das irgendwann
brauchen. Und dann auch mit gemeinsamer Pfadplanung. Wo zwei "Robotaxis"
dann explizit ausmachen: "wir zwei einigen uns auf: erst fährt 1, dann 2."
Oder wo am Lkw dann ein Display an der Seite ist, dass situationsbezogen
angemacht wird: "Radfahrer, ich habe dich gesehen, weiß, dass du
geradeaus durchwillst, ich will halt rechts und warte drauf, dass du
durchfährst und fahre nach dir." Sowas in die Richtung. Das kann ein Lkw
mit Licht dann auch auf die Straße projizieren, oder so. Oder akustisch
ausgeben. Aber es ist halt Zukunftsmusik.
Grüße, Ralf