Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

Fachübersetzer

3 views
Skip to first unread message

Schwigon

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to
Hallo User,

meine Schwester möchte medizinische Fachübersetzungen Englisch durchführen.
Sie ist in dem Sinne kein staatl. gepr. Übersetzer.

Durch Ihr Vorhaben kommen eine Menge Fragen auf. Wie zum Beipiel
- wie hoch ist der Stundensatz oder anders wie wird die erbrachte Leistung
berechnet?
- kann sie Rechnungen schreiben?
- wie schützt sie sich vor Zechprellern?
- was ist noch zu beachten und kann Tips geben?

Vielen Dank für die hoffentlich zahlreichen Tips.

Schöne grüße

Dietmar

Matthias Winkler

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to
Schwigon <Coo...@T-Online.de> wrote:

> Hallo User,

Ich antworte trotzdem mal... ;-)


> meine Schwester möchte medizinische Fachübersetzungen Englisch durchführen.

~~~~~~~~
Aus dem Englischen ins... / aus dem ... ins Englische?

> Sie ist in dem Sinne kein staatl. gepr. Übersetzer.

Sondern?


> - was ist noch zu beachten

Bitte Deine Schwester, sich selbst hierher zu bemühen und sich hier
persönlich vorzustellen. Andere mögen das anders sehen - kannst ja mal
abwarten, wie viele Antworten Du noch bekommst -, aber ich habe ehrlich
gesagt keine Lust, über einen Mittelsmann mit jemandem zu kommunizieren.
Nichts gegen Dich persönlich - ich kenne Dich ja gar nicht -, aber das
letzte Mal als ich hier Übersetzertips rausgab (damals war's für die
Ehefrau), hörte ich nie wieder ein Sterbenswörtchen von den Leutchen.
Außerdem: Keiner kann das Anliegen Deiner Schwester so gut darstellen
wie Deine Schwester selbst, oder? Dann sollte sie das auch tun.

In diesem Sinne
mit freundlichen Grüßen

Matthias

Andrey Behrens

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to

>>>>>>>>>>>>>>>>>> Ursprüngliche Nachricht <<<<<<<<<<<<<<<<<<

Am 29.03.00, 05:45:50, schrieb "Schwigon" <Coo...@T-Online.de> zum Thema
Fachübersetzer:


> meine Schwester möchte medizinische Fachübersetzungen Englisch
durchführen.

> Sie ist in dem Sinne kein staatl. gepr. Übersetzer.

Na und. Problematisch kann ich mir höchstens vorstellen, wenn durch
fehlerhafte Übersetzungen z.B. falsche Medikamente verabreicht werden.

> - wie hoch ist der Stundensatz oder anders wie wird die erbrachte
Leistung

So wie bei jedem Freiberufler. Mindestens 100,- DM pro Stunde. Beim
schriftlichen Übersetzungen sind auch Preise pro Wort oder Seite
üblich. Du kannst Dir einfach mal die gelben Seiten nehmen und unter
„Übersetzer“ nachschauen, ein paar Übersetzer anrufen und fragen was
bestimmte Leistungen kosten.

> - kann sie Rechnungen schreiben?

Ja.

> - wie schützt sie sich vor Zechprellern?

Geld gegen Leistung. Wichtig ist: Wenn sie ein Angebot abgibt, muß sie
draufschreiben, daß sie bei Übergabe der Leistung einen Scheck oder
Bargeld möchte. (Genaugenommen muß sie nicht, aber dann gibt es
nachher keine Fragen).

Mit freundlichen Grüßen

--
Andrey Behrens, Burgstadt Dohna


Matthias Winkler

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to
Andrey Behrens <Andrey....@gmx.de> wrote:

> > - wie hoch ist der Stundensatz oder anders wie wird die erbrachte
> Leistung
>
> So wie bei jedem Freiberufler. Mindestens 100,- DM pro Stunde.

Arbeitest Du als Übersetzer? Hast Du als Berufsanfänger ein
Stundenhonorar von 100,- DM verlangt und bekommen? Wenn ja, dann würde
mich mal interessieren, wie Du das angestellt hast.

Wie auch immer, daß Übersetzungen nach Zeitaufwand bezahlt werden, ist
ja eher selten; der Stundensatz, den man erzielt, ergibt sich daher
indirekt aus der Übersetzungsleistung pro Stunde und dem Zeilen- bzw.
Wortpreis.


> Beim
> schriftlichen Übersetzungen sind auch Preise pro Wort oder Seite
> üblich.

Du verwechselst jetzt aber nicht Dolmetschen und Übersetzen, oder?


> Du kannst Dir einfach mal die gelben Seiten nehmen und unter
> „Übersetzer" nachschauen, ein paar Übersetzer anrufen und fragen was
> bestimmte Leistungen kosten.

Hm, um auf diese Weise zu gültigen Zahlen zu gelangen, müßtest Du a)
einen Einzelübersetzer für das medizinische Fachgebiet ausfindig machen
(kein Übersetzungsbüro, denn die nennen Dir ja dann nicht die Preise,
die sie selbst ihren Übersetzern zahlen, sondern die Preise, die sie
selbst von ihren Endkunden verlangen) und Dich b) als Firmenkunde aus
der Medizinbranche präsentieren (denn solche Kunden möchtest Du ja
haben).


> > - wie schützt sie sich vor Zechprellern?
>
> Geld gegen Leistung. Wichtig ist: Wenn sie ein Angebot abgibt, muß sie
> draufschreiben, daß sie bei Übergabe der Leistung einen Scheck oder
> Bargeld möchte. (Genaugenommen muß sie nicht, aber dann gibt es
> nachher keine Fragen).

Ich bezweifle, daß das beim Auftraggeber auf viel Gegenliebe stoßen
würde. Übersetzer sind normalerweise nicht in der Position, sich anders
zu verhalten als beispielsweise Rechtsanwälte oder Zahnärzte, die ja
auch nach erbrachter Leistung ganz einfach eine Rechnung stellen und
dann innerhalb einer bestimmten Frist ihr Honorar überwiesen bekommen.
Mal abgesehen davon, daß Deine Auftraggeber nicht selten ein paar
hundert Kilometer von Dir entfernt sitzen und daß der Produktmanager
oder wer auch immer die Übersetzung in Auftrag gegeben hat kaum eine
Handkasse zur Bezahlung von Honoraren haben wird, wird der Kunde sicher
erst dann bezahlen wollen, wenn er sich von der Vollständigkeit der
Leistung überzeugt hat. Selbst wenn Du Deine Übersetzung als Ausdruck
einreichst und nicht wie üblich per E-Mail verschickst, ist eine Prüfung
der Arbeit sofort und vor Ort nur schwer machbar (und würde ein
ungeheures Entgegenkommen seitens des Auftraggebers voraussetzen).

Pardon, aber dieser Hinweis ist unbrauchbar.

Anders als in der Gastronomie, wo Zechprellerei vielleicht bisweilen
durch körperlichen Einsatz verhindert werden muß, sind - zumindest bei
Kunden in Deutschland - für einen Übersetzer doch keine besonderen
Maßnahmen erforderlich, damit er sein Honorar auch erhält - einen
schriftlichen Vertrag mal vorausgesetzt. Bei Kunden im Ausland, wo ein
gesetzliches Mahnverfahren nicht oder nur schwer durchführbar ist, sieht
das schon anders aus. Je nach Vorgeschichte, über die man sich ja über
verschiedene Kanäle informieren kann, wäre hier in der Tat Vorauskasse
angesagt. Handelt es sich tatsächlich um einen notorisch säumigen
Zahler, dürfte die Forderung nach Vorauskasse allerdings dann
gleichzeitig die Auftragsvergabe verhindern.

Ich weiß, theoretisch sind alle Rechnungen sofort zu begleichen. Die
Praxis sieht aber so aus, daß der Auftraggeber das Zahlungsziel
bestimmt, und dieses lautet immer öfter 30 Tage am Ende des Monats, d.h.
Rechnungen, die zu Beginn des Monats eintreffen, bleiben bis zum Ende
des Monats liegen, und dann beginnen die 30 Tage, was zur Folge hat, daß
man effektiv bis zu zwei Monaten auf sein Geld wartet. Das ist zwar
ärgerlich, aber deswegen auf einen guten Kunden zu verzichten, wäre m.E.
trotzdem nicht sonderlich klug.

Matthias

Martin Hentrich

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to
Am Wed, 29 Mar 2000 05:45:50 +0200, "Schwigon"
<Coo...@T-Online.de> schrieb in
<8bru2f$5fqi0$1...@fu-berlin.de>:

>meine Schwester möchte medizinische Fachübersetzungen Englisch durchführen.

Ins oder aus dem Englischen?

>Sie ist in dem Sinne kein staatl. gepr. Übersetzer.

Ist sie Muttersprachlerin fürs Englische?
Aus UK oder USA oder?

>Durch Ihr Vorhaben kommen eine Menge Fragen auf. Wie zum Beipiel

>- wie hoch ist der Stundensatz oder anders wie wird die erbrachte Leistung

>berechnet?

Zeilenhonorar für eine Normzeile mit 65 Zeichen so ca. 1,70
DM bis 3 DM oder mehr je nach Komplexität.

Hast du dich mal bei Übersetzungsbüros, die es auch im
Internet zu Hauf gibt über die Wettbewerbslage informiert?

Auch über die Haftung Gedanken gemacht?

Martin

Matthias Winkler

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to
Martin Hentrich <MHentri...@t-online.de> wrote:

> Zeilenhonorar für eine Normzeile mit 65 Zeichen so ca. 1,70
> DM bis 3 DM oder mehr je nach Komplexität.

Kleiner Vertipper, oder?

1 Normzeile = 55 Anschläge. (Manchmal wird auch je 50 Anschläge
angerechnet, im Ausland teilweise je 60 Anschläge.)

Gruß
Matthias

Schwigon

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to

"Matthias Winkler" <wen...@gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:1e8930b.15c...@p3e9ee261.dip.t-dialin.net...

> Schwigon <Coo...@T-Online.de> wrote:
>
> > Hallo User,
>
> Ich antworte trotzdem mal... ;-)
>
>
> > meine Schwester möchte medizinische Fachübersetzungen Englisch
durchführen.
> ~~~~~~~~
> Aus dem Englischen ins... / aus dem ... ins Englische?

Aus dem Englischen und ins Englische.

> > Sie ist in dem Sinne kein staatl. gepr. Übersetzer.
>

> Sondern?

Sie ist Fachärztin der Allgemeinmedizin.

>
> > - was ist noch zu beachten
>
> Bitte Deine Schwester, sich selbst hierher zu bemühen und sich hier
> persönlich vorzustellen. Andere mögen das anders sehen - kannst ja mal
> abwarten, wie viele Antworten Du noch bekommst -, aber ich habe ehrlich
> gesagt keine Lust, über einen Mittelsmann mit jemandem zu kommunizieren.

Kein Problem. Allerdings hat meine Schwester erst seit kurzem einen PC und
ich denke sie wird sich hier kaum zurecht finden. Sie sollte erst den PC
beherrschen und dann wird sie sich in die NG stürzen.

> Nichts gegen Dich persönlich - ich kenne Dich ja gar nicht -, aber das
> letzte Mal als ich hier Übersetzertips rausgab (damals war's für die
> Ehefrau), hörte ich nie wieder ein Sterbenswörtchen von den Leutchen.
> Außerdem: Keiner kann das Anliegen Deiner Schwester so gut darstellen
> wie Deine Schwester selbst, oder? Dann sollte sie das auch tun.

Stimmt. Hatte ich Ihr auch vorgeschlagen. Aber Du kennst meine Schwester
nicht.

> In diesem Sinne
> mit freundlichen Grüßen
>
> Matthias

Trotzdem vielen Dank.

Dietmar

Matthias Winkler

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to
Schwigon <Coo...@T-Online.de> wrote:

> > Aus dem Englischen ins... / aus dem ... ins Englische?

> Aus dem Englischen und ins Englische.

Ich finde ja eigentlich, daß man nur in die Muttersprache übersetzen
sollte. In der Regel merkt man es eben doch sehr schnell, wenn ein Text
von einem Nichtmuttersprachler verfaßt wurde, selbst wenn er keine
(Grammatik)Fehler im eigentlichen Sinn enthält. Natürlich gibt's
Ausnahmen: zweisprachige Kindheit, langjährige berufliche Praxis im
Ausland... Medizinische Fachtexte sind da auch mit Sicherheit weniger
kritisch als z.B. Marketingmaterialien, die m.E. auf keinen Fall so
klingen dürfen, als wären sie übersetzt (was zugegebenermaßen noch nicht
mal Muttersprachlern immer gelingt). Dies nur zum Bedenken.
Übersetzungsagenturen, die auf mich einen seriösen Eindruck machen (wie
seriös sie wirklich sind, stellt sich ja oft erst nach einiger Zeit
heraus), beschäftigen übrigens für die jeweilige Sprachrichtung i.d.R.
nur Muttersprachler.


> > > Sie ist in dem Sinne kein staatl. gepr. Übersetzer.
> >
> > Sondern?
>
> Sie ist Fachärztin der Allgemeinmedizin.

Ich dachte immer, Allgemeinmediziner sind die einen und Fachärzte alle
anderen (Chirurgen, Orthopäden, Internisten, Urologen...). Wie auch
immer, als ausgebildete Ärztin hat sie ja gute Voraussetzungen.
Übersetzer ist ein in keinster Weise geschützer Beruf (leider, möchte
man manchmal sagen, aber in Eurem - und auch meinem - Fall natürlich
glücklicherweise). Je spezifischer das Fachgebiet, desto größer der
Anteil an Leuten, die keine studierten Übersetzer, sondern "nur"
Fachleute auf dem entsprechenden Gebiet sind.

Trotzdem noch mal die Rückfrage: Hat sie schon irgendwelche
Übersetzungserfahrung? Kann sie Arbeitsproben vorweisen? Sonstieg
Referenzen? Oder hat sie Kontakte zu irgend einem potentiellen
Auftraggeber? Soll nicht heißen, daß der Berufseinstieg ohne all das
nicht möglich wäre, aber je nachdem, würde ich mich an ihrer Stelle an
Agenturen wenden oder auf die Suche nach Direktkunden machen.


> > Bitte Deine Schwester, sich selbst hierher zu bemühen und sich hier
> > persönlich vorzustellen. Andere mögen das anders sehen - kannst ja mal
> > abwarten, wie viele Antworten Du noch bekommst -, aber ich habe ehrlich
> > gesagt keine Lust, über einen Mittelsmann mit jemandem zu kommunizieren.
>
> Kein Problem. Allerdings hat meine Schwester erst seit kurzem einen PC und
> ich denke sie wird sich hier kaum zurecht finden. Sie sollte erst den PC
> beherrschen und dann wird sie sich in die NG stürzen.

Schade, denn von Übersetzern wird nicht nur der Internetanschluß schon
fast als selbstverständlich vorausgesetzt, sondern das Internet ist auch
voll von aufschlußreichen Informationsquellen, angefangen von
Mailinglisten, mit deren Hilfe man sich über die Zahlungsmoral von
Agenturen informieren kann, über die Homepages zahlreicher
Übersetzungsagenturen und Einzelübersetzer (um mal zu schauen, wie sich
andere so präsentieren) bis hin zu Newsgroups und Mailinglisten für
Übersetzungsaufträge, Terminologiefragen und den allgemeinen
berufsspezifischen (und privaten) Austausch. Näheres auf Anfrage gerne,
am besten dann, wenn es auch genutzt werden kann, d.h. wenn Deine
Schwester so weit ist, daß sie sich in die Weiten der Netze stürzen mag.

Trotz der (bis jetzt) wenigen Postings habt Ihr ja nun schon einige
Infos für den Anfang (siehe auch meine Antwort auf Martin). Wenn noch
was unklar ist, fragt ruhig weiter.

Grüße
Matthias

Martin Hentrich

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to
Am Wed, 29 Mar 2000 15:13:55 +0200, wen...@gmx.de (Matthias
Winkler) schrieb in
<1e89gvn.1uo...@p3e9ee301.dip.t-dialin.net>:

>Kleiner Vertipper, oder?

sorry :-(( ;-)

>1 Normzeile = 55 Anschläge.

eben

Martin

Edgar Warnecke

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to
On Wed, 29 Mar 2000 15:13:55 +0200, wen...@gmx.de (Matthias Winkler)
wrote:

>Kleiner Vertipper, oder?

>
>1 Normzeile = 55 Anschläge. (Manchmal wird auch je 50 Anschläge
>angerechnet, im Ausland teilweise je 60 Anschläge.)

Jaja, stimmt schon.
Habe auch erst ueberlegt, ob die Uebersetzer auf Klopapier tippern.

Dann wollen sie auch nicht DM 1,70 bis.... sondern hier auf dem
platten Land *ab* DM 2,50 der selbstgewaehlten *Norm*-zeile.

Gruss

Edg@r vorm Huy
--
15.4.00 ab 15.00GZ drss-NOS-Treffen
*Wuerttemberg*-Rotehorn-Magdeburg
52°07.10 N - 11°38.24 E
http://www.martins-segelseiten.de/nostreff/

Edgar Warnecke

unread,
Mar 29, 2000, 3:00:00 AM3/29/00
to
On 29 Mar 2000 14:01:55 GMT, mro...@gmx.de (Martin Roell) wrote:

[...]

>Ich frage mich die ganze Zeit schon, ob Ihr eigentlich nie mit Euren Kunden
>redet... geht doch mal hin und fragt die! (Muss ja nicht direkt sein...
>aber am Rande eines Gesprächs kann sowas doch rausfinden!)
>
>Mar"kunden-undnichtkonkurrenzorientiert"tin

Hihihihiiii,

noch einer aus der *Pragmatiker-*Fraktion. :-)))

Matthias Winkler

unread,
Mar 30, 2000, 3:00:00 AM3/30/00
to
Edgar Warnecke <EWar...@t-online.de> wrote:

> ...wen...@gmx.de (Matthias Winkler)wrote...


> >1 Normzeile = 55 Anschläge. (Manchmal wird auch je 50 Anschläge

> >gerechnet, im Ausland teilweise je 60 Anschläge.)
>
> Jaja, stimmt schon.
> Habe auch erst ueberlegt, ob die Uebersetzer auf Klopapier tippern.
>
> Dann wollen sie auch nicht DM 1,70 bis.... sondern hier auf dem
> platten Land *ab* DM 2,50 der selbstgewaehlten *Norm*-zeile.

Neenee, Martin Hentrichs Angaben stimmen schon. Wenn der Endkunde die
Übersetzung für 1,70 DM pro Zeile einkaufen kann, macht er ein echtes
Schnäppchen - oder hat Anlaß zu überlegen, ob mit dem Übersetzer noch
alles stimmt. Dennoch bekommen Übersetzer oft nicht mehr. Ich würde mal
sagen, wer mehr als 2,50 DM von einer Agentur erhält, ist ein echtes
Genie oder vertritt entweder eine seltene Sprachkombination oder ein
besonders gesuchtes Fachgebiet.

Die ganze Preisgestaltung im Übersetzergewerbe (äh: -freiberuflertum)
ist mir offen gestanden nach wie vor ein Rätsel. Aber wie man im
Nachbar-Thread beobachten kann, geht das auch anderen Leuten in anderen
Sparten so. Die gebotenen Honorare, aber auch die verlangten Preise,
beginnen ja noch weit unter 1,70 DM. In Nordamerika z.B. scheint sich,
so weit ich das aus der Ferne beurteilen kann, ein Durchschnittpreis von
etwa 12 US-Cent pro Wort einzupendeln. Das entspricht einem
Zeilenhonorar von 1,75 DM. Es gibt aber auch Auftraggeber, die 5 oder 6
Cent bieten. Wie man hört, finden auch die Übersetzer, die für sie
arbeiten, und kurzfristig mögen da sogar gute Leute dabei sein (wie bei
den Java-Programmierern). Und in einer Mailingliste liest man gar nicht
so selten Angebote im Stil von "Ich bin seit acht Jahren Fachübersetzer
für Fahrzeugtechnik und habe zuletzt für Adtranz, BMW und Boeing
gearbeitet... Mein Zeilenhonorar beträgt zwischen 1,40 und 1,80...
nacht- und Wochenendarbeit ohne Aufschläge" Was stimmt da nicht? Ich
weiß es nicht. Ganz offensichtlich verkauft sich so jemand unter Wert.
Wenn er gewissenhaft arbeitet, hat er sogar möglicherweise trotz seiner
großen Routine Probleme, seinen Lebensunterhalt durch Übersetzen zu
bestreiten, zumindest, wenn er in Deutschland sitzt.

Tatsache scheint mir zu sein, daß sich viele Übersetzer scheuen, selbst
auf Kundenfang zu gehen, und sich statt dessen lieber in die Hände von
Agenturen begeben, die das alles für sie erledigen. Also weniger
Unternehmergeist hier als Ihr Euch da vielleicht vorstellt. (Ich kann da
also durchaus ins gleiche Horn blasen wie Martin Roell.

* * *

Wie viele Anschläge eine Normzeile ausmachen, ist übrigens nicht
selbstgewählt. Daß es dazu (m.W.) keine DIN gibt, heißt ja nicht, daß
eine Norm inexistent ist. In Deutschland ist die Norm 55 Anchläge.
Punkt. In Belgien z.B. sind es 60 Anschläge. Wenn einzelne Agenturen
ihre Übersetzer per 50 Anschläge bezahlen, ist das deren Sache,
berechtigt aber nicht den Übersetzer seine private "Norm" klammheimlich
für alle Kunden auf 50 Anschläge zu setzen.

Grüße
Matthias

Matthias Winkler

unread,
Mar 30, 2000, 3:00:00 AM3/30/00
to
Martin Roell <mro...@gmx.de> wrote:

> wen...@gmx.de (Matthias Winkler) schrieb...

> >Hm, um auf diese Weise zu gültigen Zahlen zu gelangen, müßtest Du a)
> >einen Einzelübersetzer für das medizinische Fachgebiet ausfindig machen
> >(kein Übersetzungsbüro, denn die nennen Dir ja dann nicht die Preise,
> >die sie selbst ihren Übersetzern zahlen, sondern die Preise, die sie
> >selbst von ihren Endkunden verlangen)
>

> Möönsch...jetzt mach's mal nicht unnötig kompliziert! Du bist doch
> Unternehmer, mit ein bisschen Kalkulation (und Intuition ;)) kannst Du
> daraus doch auch einen Preis für Dich abschätzen!

Also gut, das war vielleicht etwas kleinkariert gedacht (oder eher:
formuliert). In erster Linie ging es mir darum, auf den Unterschied
zwischen Direktkunden und Übersetzungsagenturen hinzuweisen. Letztere
geben leider wie man hört zu oft nur die Hälfte des Preises, den sie
verlangen, an ihre Übersetzer weiter (wo vielleicht zwei Drittel
angemessen wären).

Und von wegen Unternehmer und Kalkulation: Tatsache ist, daß es ziemlich
irrelevant ist, welches Stundenhonorar ich gerne hätte (z.B. die
zitierten 100 DM), sondern was zu fordern realistisch ist. Ansonsten
lacht man sich bei Sichtung meines Angebots nämlich nur kaputt und ich
lande noch nicht mal in der Kartei für Notfälle.

Andreys Vorschlag ist aber insofern nicht ganz schlecht, als einem
Kenntnis über die von den Agenturen verlangten Preise ja vielleicht auch
als Argumentationshilfe gegenüber Direktkunden dienen kann. Ihr merkt,
ich propagiere, daß mehr Übersetzer für Direktkunden arbeiten, und zwar
nicht nur, weil ich mich an den Gewinnspannen der Agenturen stoße,
sondern weil ich das - eine gewisse Kontinuität vorausgesetzt - für das
produktivere Vefahren halte.

Grüße
Matthias

101627,1476

unread,
Apr 4, 2000, 3:00:00 AM4/4/00
to

Matthias Winkler <wen...@gmx.de> schrieb in im Newsbeitrag:
1e8a2t8.7py...@pc19f0228.dip.t-dialin.net...

Sorry, 20 Jahre Erfahrung (als Einzelübersetzer und Inhaber eines
Unternehems) zeigen das Gegenteil.

Ein gut geführtes Übersetzungsunternehmen ist vorteilhaft für den
Endabnehmer, weil es ihm "alles aus einer Hand" (z.B. in 10 verschiedene
Sprachen) liefern und eine Qualitätsicherung praktizieren kann, die für
einen Einzelübersetzer einfach unerschwinglich ist. Es ist ebenso produktiv
für den Einzelübersetzer, weil es Wissen verwalten und dem Mitarbeiter
gezielt bereitstellen kann. Wenn der Einzelübersetzer bei Rückfragen an den
Endkunden angewiesen ist, wird er dort sehr wahrscheinlich auf eine Antwort
lange warten müssen. Wo bleibt also die "Produktivität"? Ein weiteres
Vorteil für den Einzelübersetzer ist, daß das Übersetzungsunternehmen
praktisch allein das Zahlungsrisiko trägt. Selbst bei einer nicht ganz
einwandfreien Arbeit wird das Übersetzungsunternehmen sich hüten, dem
Einzelübersetzer das Honorar zu kürzen. Solche Methoden sprechen sich herum,
und das Unternehmen würde gute Mitarbeiter verlieren.

Ein Profi addiert zum Honorar des freien Mitarbeiters seinen eigenen
Mehrwert und seine eigenen Kosten. Erst dann kommt der Gewinn hinzu. Pro
übersetzer Seite (= pro Stückeinheit) ist die Gewinnspanne einer "Agentur"
mit Sicherheit niedriger als die des freien Mitarbeiters!

Im übrigen hat eine Ärztin, die (quasi so eben nebenbei) übersetzen möchte,
wahrscheinlich ihren Beruf verfehlt. Um medizinische Texte zu übersetzen
braucht es etwas mehr als einen Doktortitel.

Grüße
Wolfram


101627,1476

unread,
Apr 4, 2000, 3:00:00 AM4/4/00
to

Matthias Winkler <wen...@gmx.de> schrieb in im Newsbeitrag:
1e8a2d7.1uf...@pc19f0228.dip.t-dialin.net...

Zwei Beispiele aus einer "Norm":
§ 17, Abs. 4, Satz 1 ZSEG (= Zeugen- und
Sachverständigen-Entschädigungsgesetz) definiert als Normzeile eine Länge
von _durchschnittlich 50 Schriftzeichen_ (also nicht 55 oder 60 oder 65).
Traditionell hat sich dieser Maßstab in Deutschland in den Vordergrund
gestellt.

Die EU-Kommission vergibt Übersetzungsaufträge in öffentlicher Ausschreibung
und hat dabei vor Jahren die Normseite definiert mit einer Länge von exakt
1.500 Zeichen (30 Zeilen à 50 Schriftzeichen). Trotzdem wurden Rechnungen
permanent gekürzt.
Grund: im deutschen Vertrag hieß es: "... Schriftzeichen _einschließlich_
Leerzeichen." Die EU-Rechnungsprüfung hingegen arbeitete mit der
französischen Vertragsfassung. Dort hieß es (übersetzt): "... Schriftzeichen
_ohne_ Leerzeichen."
Ein gutes Beispiel für Qualität "made by EU", ausgerechnet für
Übersetzungsleistungen!

Grüße
Wolfram


Ruta

unread,
Apr 4, 2000, 3:00:00 AM4/4/00
to

Hallo,
(...)

> > ich propagiere, daß mehr Übersetzer für Direktkunden arbeiten, und zwar
> > nicht nur, weil ich mich an den Gewinnspannen der Agenturen stoße,
> > sondern weil ich das - eine gewisse Kontinuität vorausgesetzt - für das
> > produktivere Vefahren halte.
>
> Sorry, 20 Jahre Erfahrung (als Einzelübersetzer und Inhaber eines
> Unternehems) zeigen das Gegenteil.
>
> Ein gut geführtes Übersetzungsunternehmen ist vorteilhaft für den
> Endabnehmer, weil es ihm "alles aus einer Hand" (z.B. in 10 verschiedene
> Sprachen) liefern und eine Qualitätsicherung praktizieren kann, die für
> einen Einzelübersetzer einfach unerschwinglich ist.

richtig - wenn er das tut

Es ist ebenso produktiv
> für den Einzelübersetzer, weil es Wissen verwalten und dem Mitarbeiter
> gezielt bereitstellen kann. Wenn der Einzelübersetzer bei Rückfragen an
den
> Endkunden angewiesen ist, wird er dort sehr wahrscheinlich auf eine
Antwort
> lange warten müssen. Wo bleibt also die "Produktivität"?

wieso? Es geht doch nur darum, richtigen Ansprechpartner zu haben. Dann
vermeidet man aber etliche "er hat gesagt, daß sie gesagt hat..."

Ein weiteres
> Vorteil für den Einzelübersetzer ist, daß das Übersetzungsunternehmen
> praktisch allein das Zahlungsrisiko trägt. Selbst bei einer nicht ganz
> einwandfreien Arbeit wird das Übersetzungsunternehmen sich hüten, dem
> Einzelübersetzer das Honorar zu kürzen.

Leider schon selbst erlebt, ging es nicht mal um Qualität, es war schlicht
ein Betrug

Solche Methoden sprechen sich herum,
> und das Unternehmen würde gute Mitarbeiter verlieren.

allerdings :-)))

>
> Ein Profi addiert zum Honorar des freien Mitarbeiters seinen eigenen
> Mehrwert und seine eigenen Kosten. Erst dann kommt der Gewinn hinzu. Pro
> übersetzer Seite (= pro Stückeinheit) ist die Gewinnspanne einer "Agentur"
> mit Sicherheit niedriger als die des freien Mitarbeiters!

na ja..."mit Sicherheit" ist das bestimmt nicht, es gibt eben solche und
solche; es ist aber leider öfters nicht so klar. Aber man lernt ja
bekanntlich auch aus den Fehlern ;-)
>
> (...)
>
Grüße
Ruta

Matthias Winkler

unread,
Apr 5, 2000, 3:00:00 AM4/5/00
to
101627,1476 <10162...@compuserve.com> wrote:

> Die EU-Kommission vergibt Übersetzungsaufträge in öffentlicher Ausschreibung
> und hat dabei vor Jahren die Normseite definiert mit einer Länge von exakt
> 1.500 Zeichen (30 Zeilen à 50 Schriftzeichen). Trotzdem wurden Rechnungen
> permanent gekürzt.
> Grund: im deutschen Vertrag hieß es: "... Schriftzeichen _einschließlich_
> Leerzeichen." Die EU-Rechnungsprüfung hingegen arbeitete mit der
> französischen Vertragsfassung. Dort hieß es (übersetzt): "... Schriftzeichen
> _ohne_ Leerzeichen."

Machtnichts,ichbindaflexibel.Allerdingswäreichdannauchnichtbereit,unbeza
hlteZusastzleistungenzuerbringen.

Matthias

Matthias Winkler

unread,
Apr 5, 2000, 3:00:00 AM4/5/00
to
101627,1476 <10162...@compuserve.com> wrote:

> Matthias Winkler <wen...@gmx.de> schrieb in im Newsbeitrag:

> 1e8a2t8.7py...@pc19f0228.dip.t-dialin.net...


> > ich propagiere, daß mehr Übersetzer für Direktkunden arbeiten, und zwar
> > nicht nur, weil ich mich an den Gewinnspannen der Agenturen stoße,
> > sondern weil ich das - eine gewisse Kontinuität vorausgesetzt - für das
> > produktivere Vefahren halte.
>
> Sorry, 20 Jahre Erfahrung (als Einzelübersetzer und Inhaber eines
> Unternehems) zeigen das Gegenteil.
>
> Ein gut geführtes Übersetzungsunternehmen ist vorteilhaft für den
> Endabnehmer, weil es ihm "alles aus einer Hand" (z.B. in 10 verschiedene
> Sprachen) liefern und eine Qualitätsicherung praktizieren kann, die für

> einen Einzelübersetzer einfach unerschwinglich ist. Es ist ebenso produktiv


> für den Einzelübersetzer, weil es Wissen verwalten und dem Mitarbeiter
> gezielt bereitstellen kann. Wenn der Einzelübersetzer bei Rückfragen an den
> Endkunden angewiesen ist, wird er dort sehr wahrscheinlich auf eine Antwort
> lange warten müssen.

Wieso das denn? Ich höre immer genau das Gegenteil von Kollegen, die für
Agenturen arbeiten. In jedem Fall ist der Prozeß umständlicher: Ich kann
in der Regel direkt mit den Autoren der Texte, die ich übersetze, in
Verbindung treten und sie teilweise, wenn es geografisch machbar ist,
sogar persönlich kennenlernen. Arbeite ich für eine Agentur, habe ich
nur dort einen Ansprechpartner, der meine Frage an den Autor und dessen
Antwort dann wiederum an mich weiterleiten muß - ein Aufwand, zu dem
auch nicht alle Agenturen - und auch nicht alle Übersetzer - bereit
sind. Die Folge ist, daß viele Übersetzer, die für Agenturen arbeiten,
dies nach dem Motto tun "die Agentur wird's schon richten", "die werden
meine Fehler schon ausbügeln" etc. Machen sie oft aber nicht - ein Teil
meiner Erklärung für die oft miserable Übersetzungsqualität aller
möglichen Texte, mit denen ich als Konsument so konfrontiert bin.

Leider weist ein großer Teil der Texte, die ich übersetze, mehr oder
minder starke sprachliche Mängel auf. Auf Rückfrage beim Autor oder
einem anderen Verantwortlichen für den Text wird mir das regelmäßig
bestätigt ("Stimmt, das ist ungeschickt ausgedrückt", "das ist in der
Tat mißverständlich" etc.). Ich bezweifle einfach, daß es ein
praktikabler Weg ist, in solch einem Fall über einen Mittelmann mit dem
Autor in Kontakt zu treten. Soll sich der zuständige Mitarbeiter der
Agentur die Textpassage vom Auftraggeber erklären lassen und dann seine
Erklärung an den Übersetzer weitergeben? Klingt wie "Stille Post" für
mich.

Außerdem finde ich es gar nicht so schlecht, wenn die Auftraggeber mal
selbst ein wenig mit den Problemen der Übersetzer konfrontiert werden
und nicht alles an Agenturen abwälzen (auch hier die weit verbreitete
Einstellung "Die Agentur wird's schon richten" und: "Wenn die
Übersetzung mangelhaft ist, liegt's bestimmt nicht am Ausgangstext,
sondern immer am Übersetzer"). Das Bewußtsein, daß Sprache keine Bereich
mit eineindeutiger Bedeutungszuweiseung ist, könnte sich ruhig ein
bißchen weiter rumsprechen.

Was Du schilderst, mag für größere Projekte gelten, bei denen mehrere
Übersetzer an einem Produkt arbeiten. Dann nimmt eine Übersetzungsfirma
dem Auftraggeber den Aufwand der Projektkoordination, der Pflege der
Terminologie etc. ab, wodurch in erster Linie für den Kunden ein echter
Mehrwert entsteht - den dann auch der Kunde bezahlen soll. Natürlich
profitieren auch die Einzelübersetzer von den Agenturen, so wie Mieter
auch von Maklern profitieren. Wenn mir allerdings eine Agentur nur 60%
des Preises zahlt, den ich von einem Direktkunden bekommen könnte, muß
ich mir überlegen, ob ich dann insgesamt gesehen (Kundenakquise
inklusive) bei dem betreffenden Job auch nur 60% des Aufwands habe.
Ansonsten würde ich ein schlechtes Geschäft machen. Leider habe ich den
Eindruck, daß viele Übersetzer das Problem so lösen, daß sie bei
Aufträgen für Agenturen eben schlampiger arbeiten (siehe oben), um ihren
Stundensatz auf demselben Niveau zu halten wie bei der Arbeit für besser
zahlende Direktkunden.

Der Vorteil der Arbeit für Direktkunden besteht für mich auch darin, daß
eine gewisse Bindung entsteht. Man lernt die Firma und ihre
Besonderheiten kennen, und so entwickelt sich ein ganz anderes
"Commitment" (um es mal neudeutsch zu sagen) als bei anonymen, durch
dritte vermittelte Jobs - ein Vertrauensverhältnis eben. Und das kann
der Qualität doch nur förderlich und daher auch sehr im Sinne des
Auftraggebers sein. Ein guter Kunde kann mir auch abends um acht noch
einen Text schicken, der am nächsten Tag mittags fertig sein sein muß.
Agenturen bieten diesen Service selbstverständlich auch, nur landet dann
der Auftrag normalerweise bei irgendeinem Übersetzer, der gerade
zufällig Zeit hat und vielleicht noch nie für diesen speziellen
Auftraggeber gearbeitet hat.


> Wo bleibt also die "Produktivität"? Ein weiteres


> Vorteil für den Einzelübersetzer ist, daß das Übersetzungsunternehmen
> praktisch allein das Zahlungsrisiko trägt. Selbst bei einer nicht ganz
> einwandfreien Arbeit wird das Übersetzungsunternehmen sich hüten, dem
> Einzelübersetzer das Honorar zu kürzen.

Das kann einem bei Agenturen auch passieren - bevorzugt mit der Ausrede,
der Endkunde weigere sich, den vollen Preis zu zahlen (was natürlich ein
irrelevantes Argument ist). Wie hoch das "Zahlungsrisiko" ist, hängt
allein davon ab, welche Verträge man abgeschlossen hat und welche
Vereinbarungen bezüglich des Umgangs mit eventuellen Mängeln getroffen
wurden.


> Ein Profi addiert zum Honorar des freien Mitarbeiters seinen eigenen
> Mehrwert und seine eigenen Kosten. Erst dann kommt der Gewinn hinzu.

Das heißt die Agentur kassiert nicht nur für den Wert, den sie schafft,
sondern schustert sich auch noch einen Profit zu, der keinem Mehrwert,
also keiner Leistung entspricht? So jedenfalls muß ich diesen letzten
Satz lesen, und genau das ist es, wogegen ich protestiere.


> Pro übersetzer Seite (= pro Stückeinheit) ist die Gewinnspanne einer
> "Agentur" mit Sicherheit niedriger als die des freien Mitarbeiters!

Na hoffentlich. Der Übersetzer sitzt ja in der Regel auch deutlich
länger an einer Seite Text als die Agentur.

Weißt Du, im Internet stoße ich immer mal wieder auf Agenturen, die
Übersetzungen zum Preis in der Region von 1,80 DM pro Zeile anbieten. Je
geringer der Endpreis, desto höher schlagen prozentual die eigenen
Kosten der Agentur zu Buche (und die "Minimalgewinnspanne", die die
Firma zum Überleben barucht). Wieviel können die also ihren Übersetzern
zahlen? 1,20 DM? 1,00 DM? 80 Pfennig? Freilich, schon allein die Angabe
des Preises im Internet ist nicht gerade ein Hinweis auf die Seriosität
des Unternehmens. Aber solche Firmen sind es halt, über die ich mich
aufrege und die ich als schädlich für unsere Profession betrachte, und
zwar nicht nur, weil sie eine Bedrohung für alle Übersetzer darstellen,
sondern auch weil sie naturgemäß nicht dazu beitragen, die Qualität von
Übersetzungen im allgemeinen zu erhöhen. Regelmäßig sind schon die
wenigen Zeilen Text auf den Webseiten dieser Anbieter so beschissen, daß
an die Qualität der Übersetzungen nur allerniedrigste Erwartungen
gestellt werden dürfen. Wie auch? Gute Übersetzer arbeiten nicht lange
für solche Preise.


> Im übrigen hat eine Ärztin, die (quasi so eben nebenbei) übersetzen möchte,

^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Davon war nicht die Rede.

> wahrscheinlich ihren Beruf verfehlt. Um medizinische Texte zu übersetzen
> braucht es etwas mehr als einen Doktortitel.

Völlig richtig (habe ich ihr gegenber per Privatmail auch schon
angedeutet), aber wer sagt denn, daß sie das nicht hat?

Grüße
Matthias

0 new messages