Jahrelang gab es beim Autozug nach Sylt die Regelung, dass auf Sylt
zugelassene Fahrzeuge billiger transportiert wurden. Zum Jahreswechsel
wurde diese Regelung nun dahingehend geändert, dass dies nur noch
gilt, wenn der Fahrzeughalter auch auf Sylt wohnt. Betroffen davon
sind Zweitwohnungsbesitzer und auch viele Handwerksbetriebe. Die
"Sylter Rundschau" schrieb dazu in ihrer Ausgabe vom 12. Januar:
<Zitat>
"Kundenfeindlich": Unternehmerverein kritisiert neuen Autozug-Tarif
Inselunternehmer sagen der Bahn den Kampf an
Mit einer offenen Kampfansage des Sylter Unternehmervereins (SU) an
die DBAutoZug endete gestern ein Gespräch über das neue Tarifsystem
des Autozuges. "Die Bahn hat den Bogen überspannt und muss den
ungerechten Tarif zurücknehmen, sonst werden wir mit allen uns zur
Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen", hielt SU-Jurist Andreas
Wendt den Bahn-Vertretern vor. Hauptkritikpunkte: der Wegfall des
vergünstigten Sylt-Tarifes für Gewerbetreibende und
Zweitwohnungsbesitzer sowie die Ausweis- und Fahrzeugpapierkontrolle
für alle Insulaner.
SYLT (chr)
Seit Einführung des neuen Tarifsystems für den Autozug am 1. Januar
weht der Bahn der Sylter Wind kräftig ins Gesicht. Zu den wütenden
Kunden, die an der Verladung abgewiesen wurden, weil sie keinen
Ausweis dabei hatten, und den empörten Zweitwohnungsbesitzern, die
jetzt den vollen Preis zahlen müssen, gesellt sich nun auch die
gesamte Sylter Unternehmerschaft. Als deren Interessenvertretung ließ
der Verein Sylter Unternehmer (SU) die DB Autozug gestern wissen, dass
man sich "mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln" gegen die
neuen Tarife zur Wehr setzen werde.
Hauptgrund des Protestes ist die Streichung des so genannten
Sylt-Tarifes für Firmenfahrzeuge. Galt der um 50 Prozent vergünstigte
Sylt-Tarif bislang ausnahmslos für alle auf der Insel zugelassenen
Pkw, so greift die neue "Preiskategorie S" nur noch, wenn der Wagen
auf der Insel zugelassen ist und dessen Halter hier seinen ersten
Wohnsitz hat. Wird der Wagen von jemand anderem gefahren,
muss dieser neben dem Erstwohnsitz auf Sylt auch nachweisen, dass ihm
das Fahrzeug überlassen wurde.
"Um mehr Gerechtigkeit zu erzielen", wie Peter Schumann von der DB
AutoZug erklärte, gelte der günstige Tarif nur noch "für die Menschen,
die auf Sylt leben". Wirtschaftsförderung zu betreiben, sei nicht
Aufgabe der Bahn. Nach seinen Angaben sei die DB zu diesem Schritt
gezwungen worden, da sich die Zahl der Kunden mit auf Sylt
zugelassenem Wagen innerhalb von nur zwei Jahren um 35 Prozent erhöht
habe. 425 000 Kunden fuhren 2001 mit dem Autozug; wieviele davon zum
halben Preis, wollte die Bahn nicht bekannt geben.
Für sehr viele Inselfirmen bedeutet die Änderung, dass sie den vollen
Fahrpeis zahlen müssen, da die Fahrer von Firmenwagen zumeist auf dem
Festland wohnen. "Dieser Tarif schränkte den Kreis der Insulaner ohne
sachliche Rechtfertigung ein, hat arbeitsmarktpolitisch katastrophale
Folgen und führt zu unhaltbaren Kontrollen am Autozug", hielt Jurist
Andreas Wendt (SU) den Bahnern vor.
Als Beispiel für die Auswirkungen des neuen Tarifes auf
Gewerbetreibende führte Rolf Olsson seinen "Inselschnelldienst" an,
der bislang jährlich 360000 Mark für Transporte per Bahn aufwendete.
"Wenn wir unsere Logistik beibehalten, zahlen wir künftig 143000 Euro
mehr. Oder wir entlassen 20 Fahrer und fahren nur noch einmal am Tag
mit einem großen Lkw über den Damm. Dann würde die Bahn von uns 153000
Euro weniger bekommen." Olsson kritisierte auch, dass der Tarif ohne
Vorwarnung "§über Nacht" verändert wurde.
Zu kuriosen Situationen führen schon jetzt die Kontrollen aller Nutzer
des Sylttarifes an der Abfertigung. So muss beispielsweise eine
Ehefrau mit dem auf ihren Mann zugelassenen Wagen glaubhaft machen,
dass sie mit dem Halter verheiratet ist. Für Wendt sind die
Ausweiskontrollen aller Sylter ein Beispiel, dass sich die Bahn mit
dem Tarif "vergaloppiert" hat und ihn schnellstens zurücknehmen muss.
Sollten die neuen Regelungen nicht rückgängig gemacht werden, hat
Andreas Wendt bereits Klage angekündigt.
</Zitat>
Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt...
Bis die Tage, Martin
--
Martin Schrader, Hermann-Sielcken-Str. 34, 76530 Baden-Baden
> Jahrelang gab es beim Autozug nach Sylt die Regelung, dass auf Sylt
> zugelassene Fahrzeuge billiger transportiert wurden. Zum
Jahreswechsel
> wurde diese Regelung nun dahingehend geändert, dass dies nur noch
> gilt, wenn der Fahrzeughalter auch auf Sylt wohnt. Betroffen davon
> sind Zweitwohnungsbesitzer und auch viele Handwerksbetriebe. Die
> "Sylter Rundschau" schrieb dazu in ihrer Ausgabe vom 12. Januar:
Hallo zusammen,
warum macht es sich die DB so schwer? Die in dem Artikel der - mir als
kritisch bekannten, wenn's um "Abzocke" geht - "Sylter Rundschau"
genannten Kontrollen kosten die DB doch Personal und Zeit ohne Ende und
verärgern sehr viele AutoZug-Nutzer.
Warum hat man es nicht viel einfacher gemacht? Z.B.: Alle im Kreis
Nordfriesland zugelassenen Fahrzeuge erhalten den Rabatt. Dann genügt
ein kurzer Blick auf's Kennzeichen und die Abfertigung ist gemacht.
Dass die DB hier riesige Summen "verlieren" würde, glaub' ich nicht so
recht, denn der Autotransport nach Sylt und zurück ist für einen
Urlauber so teuer, dass - alles eingerechnet; inkl. Autokosten bis
Niebüll - eine 1.-Klasse-Bahnfahrt m.E. wohl günstiger kommt (ohne
jetzt gerechnet zu haben).
Beste Grüße, Frank
--
Frank Ziegler, D-95138 Bad Steben
e-Mail: frank....@steben.de
Internet: www.steben.de/ziegler/
>> Jahrelang gab es beim Autozug nach Sylt die Regelung, dass auf Sylt
>> zugelassene Fahrzeuge billiger transportiert wurden. Zum
> Jahreswechsel
>> wurde diese Regelung nun dahingehend geändert, dass dies nur noch
>> gilt, wenn der Fahrzeughalter auch auf Sylt wohnt. Betroffen davon
>> sind Zweitwohnungsbesitzer und auch viele Handwerksbetriebe. Die
>> "Sylter Rundschau" schrieb dazu in ihrer Ausgabe vom 12. Januar:
> Hallo zusammen,
> warum macht es sich die DB so schwer? Die in dem Artikel der - mir als
> kritisch bekannten, wenn's um "Abzocke" geht - "Sylter Rundschau"
> genannten Kontrollen kosten die DB doch Personal und Zeit ohne Ende und
> verärgern sehr viele AutoZug-Nutzer.
> Warum hat man es nicht viel einfacher gemacht? Z.B.: Alle im Kreis
> Nordfriesland zugelassenen Fahrzeuge erhalten den Rabatt. Dann genügt
> ein kurzer Blick auf's Kennzeichen und die Abfertigung ist gemacht.
Mein Mitleid mit Zweitwohnungsbesitzern aus Sylt hält sich in Grenzen.
Hinsichtlich der Fahrer, die auf dem Festland wohnen, aber für eine
Firma in Sylt arbeiten, gebe ich zu bedenken, dass eine Vielzahl
der auf Sylt Beschäftigten es sich nicht leisten kann, dort zu wohnen.
Insoweit ist diese Problematik durch die Sylter Gemeinden, die durch
saftigste Grundstücks- und Mietpreise nun nicht eben am Bettelstab
gehen, hausgemacht. Sollen doch diese Gemeinden für die bei ihnen
ansässigen Firmen den Fahrpreis subventionieren. Oder, wenn sie glauben,
es billiger anbieten zu können, eigene Züge zwischen Westerland und Niebüll
fahren lassen.
Oliver Schnell
Am Tue, 15 Jan 2002 07:55:54 +0000 (UTC) schrieb Oliver Schnell
<o...@usenet.mkm.de>:
>Mein Mitleid mit Zweitwohnungsbesitzern aus Sylt hält sich in Grenzen.
Das siehts nicht nur du so.
In der "Sylter Rundschau" vom 15. Januar findet sich ein weiterer
Bericht (Sylter Politiker beschweren sich beim Verkehrsminister in
Kiel) sowie eine ganze Seite mit Reaktionen der Leser:
- Bei Einheimischen zwar teilweise Verständnis für Wegfall der
Ermäßigung für die Zweitwohnungsbesitzer aber generelle Kritik an der
Kontrolle der Ausweise (in einer Glosse in der SR vom 12. wurde schon
darauf angespielt, dass man seit letztem Jahr ohne Kontrolle nach
Dänemark kommt, am Hindenburgdamm jetzt aber wieder den Ausweis
vorzeigen muss. Die abgedruckten Lesermeinungen vergleichen die
Kontrollen teilweise mit denen durch DDR-Grenzer).
- Drohungen, nicht mehr so oft nach Sylt zu fahren.
- Ausweichen auf die bequemere und billigere (aber zeitaufwändigere)
Fährverbindung.
Ausserdem ein Beitrag des früheren Sylter ADAC-Vorsitzenden über die
Einführung des Insulaner-Tarifs 1957; er sieht eine Unterlaufung des
Tarifs durch Zweitwohnungsbesitzer (früher sei die Zulassungspraxis
restriktiver gewesen) und unterstützt die Haltung der Bahn: "Wir
Sylter sollten daher meines Erachtens in Sachen Insulaner-Tarif die
Kirche im Dorf lassen und lieber sachlich über wünschenswerte
Nachbesserungen für inselansässige Betriebe verhandeln, als blindwütig
auf die Autozug-Betreiber einzuprügeln. Sie sind nicht die Veursacher
der neuen Situation, sie reagieren nur, wenn auch unbeholfen und mit
wenig Fingerspitzengefühl. Fakt ist, dass Sondertarife für Insulaner
auf anderen deutschen Insel-Fährverbindungen nur ganz vereinzelt
üblich sind. Gleiche Vergünstigungen für Zweitwohnugsbesitzer oder
Festlandsfirmen findet man nirgends."
> wenig Fingerspitzengefühl. Fakt ist, dass Sondertarife für Insulaner
> auf anderen deutschen Insel-Fährverbindungen nur ganz vereinzelt
> üblich sind.
Wie steht es mit Föhr?
In Frankreich scheinen mir solche Vergünstigungen jedenfall nicht
unüblich zu sein.
Gruß, ULF
--
________________________________________________________________________
Ulf Kutzner Backhaushohl 46 D-55128 Mainz
________________________________________________________________________
>> wenig Fingerspitzengefühl. Fakt ist, dass Sondertarife für Insulaner
>> auf anderen deutschen Insel-Fährverbindungen nur ganz vereinzelt
>> üblich sind.
> Wie steht es mit Föhr?
Föhrer und insbesondere Amrumer haben oft ihren (Zweit-)wagen auf dem Festland
stehen und entgehen so den hohen Fährtarifen. Saftige Mieten für Ferien-
wohnungen ermöglichen den Einheimischen problemlos den Besitz eines
Zweitwagens. Das restriktive Baurecht sorgt dafür, dass die ungebrochene
Nachfrage nach Urlaubsdomizielen weitestgehend über steigende Mieten und
nicht etwa eine Ausweitung des Angebotes abgefangen wird.
Oliver Schnell
> Martin Schrader wrote:
>
> > wenig Fingerspitzengefühl. Fakt ist, dass Sondertarife für
Insulaner
> > auf anderen deutschen Insel-Fährverbindungen nur ganz vereinzelt
> > üblich sind.
>
> Wie steht es mit Föhr?
>
> In Frankreich scheinen mir solche Vergünstigungen jedenfall nicht
> unüblich zu sein.
Richtig. Das kenne ich - auch wenn hier OT, weil Kfz-Verkehr - z.B. von
der großen Brücke zur Insel Ré. Fahrzeuge mit Kennzeichen "13" haben
eine eigene Abfertigungsspur und zahlen weniger.
Frank Ziegler schrieb:
>
> Warum hat man es nicht viel einfacher gemacht? Z.B.: Alle im Kreis
> Nordfriesland zugelassenen Fahrzeuge erhalten den Rabatt. Dann genügt
> ein kurzer Blick auf's Kennzeichen und die Abfertigung ist gemacht.
> Dass die DB hier riesige Summen "verlieren" würde, glaub' ich nicht so
> recht,
Die Zulassungszahlen auf Sylt sollen in drei Jahren um 35% gestiegen
sein. Da geht es schon um Geld.
> denn der Autotransport nach Sylt und zurück ist für einen
> Urlauber so teuer, dass - alles eingerechnet; inkl. Autokosten bis
> Niebüll - eine 1.-Klasse-Bahnfahrt m.E. wohl günstiger kommt (ohne
> jetzt gerechnet zu haben).
Wie weit willst Du für 77 Euro mit der Familie in der ersten Klasse
fahren?
MfG
Knud
Oliver Schnell schrieb:
>
> > Wie steht es mit Föhr?
>
> Föhrer und insbesondere Amrumer haben oft ihren (Zweit-)wagen auf dem Festland
> stehen und entgehen so den hohen Fährtarifen.
Zumindest vor ein paar Jahren war Föhr-Festland-Föhr billiger als
anders herum.
Knud
> >> Jahrelang gab es beim Autozug nach Sylt die Regelung, dass auf Sylt
> >> zugelassene Fahrzeuge billiger transportiert wurden. Zum
> > Jahreswechsel
> >> wurde diese Regelung nun dahingehend geändert, dass dies nur noch
> >> gilt, wenn der Fahrzeughalter auch auf Sylt wohnt. Betroffen davon
> >> sind Zweitwohnungsbesitzer und auch viele Handwerksbetriebe. Die
> >> "Sylter Rundschau" schrieb dazu in ihrer Ausgabe vom 12. Januar:
> Insoweit ist diese Problematik durch die Sylter Gemeinden, die durch
> saftigste Grundstücks- und Mietpreise nun nicht eben am Bettelstab
> gehen, hausgemacht. Sollen doch diese Gemeinden für die bei ihnen
> ansässigen Firmen den Fahrpreis subventionieren. Oder, wenn sie glauben,
> es billiger anbieten zu können, eigene Züge zwischen Westerland und Niebüll
> fahren lassen.
Dann sind Handwerksleistungen auf Sylt eben künftig etwas teurer,
und/oder es ziehen einige Handwerker nach Sylt. Du willst doch keine
Subventionsmentalität fördern?