<Ilka>Am Donnerstag begann mich das Fernweh zu jucken, ein zweitägiger
Ausflug per SWT musste her. Aus der Theorie wurde schnell konkrete
Planung, als meine Frage an Jan "In welche Richtung möchtest du denn?"
mit einer meiner Ideen, nämlich "Hof oder so" beantwortet wird. Aus
"oder so" wurde dann Plauen.</Ilka>
<Jan>Plauen kannte ich bisher nur vom Bahnhof aus, auch wenn das
Städtchen von dort aus nicht besonders einladend wirkt, hatte ich Plauen
irgendwie noch auf dem Zettel. Jena mit seinen Zweiachsern wäre leider
mit dem SWT kaum mit akzeptablen Reisezeiten erreichbar gewesen, haben
wir doch ein paar Schlenker in den Reiseplan mit eingebaut.</Jan>
Am Samstag geht es los, fast spät sogar, nämlich erst um 6:46 Uhr ab
Rosenheim. RE31006 kommt mit Steuerwagen voraus. Auf der Strecke nach
München ist das ein noch ziemlich ungewohnter Anblick. Inzwischen ist
die Sonne aufgegangen und scheint, was das Zeug hält. Wir haben beste
Bergsicht aus dem Zug, denn es ist Föhnwetter und die Berge scheinen zum
Greifen nah zu sein. In Grafing begegnen wir einem S5-Vollzug, gebildet
aus 420 430 und 420 425. Das sind zwei Züge mit Vollwerbung: 420 430 ist
meines Wissens die neueste Vollwerbung in München und wirbt für US
Airways, der Zug sieht richtig edel aus. 420 425 ist eine der drei
Triebzüge, die für die Süddeutsche Zeitung werben. In München Ost steht
auf einem Abstellgleis der Diagnose VT, die Nummer war für mich nicht zu
erkennen. Jan meint, dass das wohl Baureihe 707 sein müsste.
In München Hauptbahnhof angekommen, empfängt uns am Prellbock stehend
152 073 mit Railion-Beschriftung. Dieses gesuchte Maschinchen mit der
raren Beschriftung muss natürlich noch entsprechend in Szene gesetzt
werden, bevor wir für ReiseVerpflegung sorgen, in flüssiger Form,
ausreichend Brote lagern ja bereits in unseren Rucksäcken. Dann entern
wir RE31206 und beziehen eine Sitzgruppe oben im DBpz. Der Rucksack
kommt auf den Kindersitz... 111 198 in Verkehrsrot zieht uns dann durch
die sonnige Frühlingslandschaft. Nach Neufahrn in Niederbayern finden
sich Rehe auf einer benachbarten Wiese und in Eggmühl dreht uns am
Bahnhof ein bronzener Löwe den Rücken zu. Weiß vielleicht jemand, was es
mit diesem Standbild auf sich hat?
In Regensburg wechseln wir wieder den Zug. Eigentlich hatten wir
gehofft, hier 218 217 oder eine der beiden 218er in Touristik-Farben zu
sehen, aber die Aussicht zeigt uns nichts aufregendes. Wir fahren also
mit 218 387 weiter, die in neuem Verkehrsrot vor RB30248 aus einem Rot-
und einem Silberling glänzt. Der Zug ist überwiegend sehr gut gefüllt
und wir steigen in Weiden auch gerne aus.
In Weiden erwartet uns RE3568 in Form von 610 007 in Verkehrsrot und wir
schaukeln gemächlich nach Nürnberg.
Dort angekommen, werfen wir standesgemäß einen Blick auf den
Bahnhofsvorplatz - und dort findet ein Treffen von Oldtimer-Trams
statt... Jan ist in seinem Element, aber schnell ohne Film, also gebe
ich ihm meine Kamera und suche erst mal die örtliche ReiseFrische auf -
gar nicht so leicht zu finden, aber hier ist der Weg tatsächlich
brauchbar ausgeschildert. Nur so etwas wie ein Händetrockner oder
Papierhandtücher oder so hätte man gerne noch anbringen können. Wieder
zurück am Bahnhofsvorplatz, sehe ich Jan weit weg immer noch auf
Fotojagd und ich erinnere ihn telefonisch daran, das wir ja noch weiter
wollen. Er hat keine Zeit, da kommt gleich noch eine Museums-Tram ums
Eck.
Reichlich spät steigen wir ein RE3077 ein, einen grün-weißen Pendolino,
und die Quittung erhalten wir umgehend. Freie Sitzplätze nur noch im
Raucherabteil. Das ließ sich am nächsten Tag noch in der Kleidung
riechen... Der Pendolino wurde noch in Nürnberg ganz kurz vor der
Abfahrt verstärkt - klammheimlich allerdings, keine Durchsage, nichts.
Und wir haben auch keinen Ruck bemerkt, der auf ein Ankuppelmanöver
hingewiesen hätte. Immerhin entzerrt sich der Füllstand auf dem Weg nach
Hof ein wenig, es steht niemand mehr. Allerdings sind bis Hof fünf
Minuten Verspätung zusammengekommen.
Dadurch wird es in Hof ein bischen hektisch, denn der Weg von Gleis 2a
zu Gleis 1b ist für 3 Minuten und eine Horde Mitreisende ein bischen
knapp. Wir fahren ein bischen verspätet ab und 628 426 zuckelt an den
ehemaligen Grenzanlagen vorbei ins Vogtland. In Syrau scheint das
Bahnsteigdach höchst einsturzgefährdet zu sein, denn es ist mit massiven
Balken abgestützt. Wie lange es wohl noch stehen wird? Als wir den
Bahnhof verlassen, begegnet uns unser erster RegioSprinter der
Vogtlandbahn. Dann sind wir am Ziel unserer Reise und wir warten erst
mal auf den nächsten RegioSprinter, um ein oder zwei Fotos zu machen.
Dann machen wir uns auf die Suche nach der Straßenbahn, denn unser Hotel
liegt in der Stadt. Die Tram ist schnell gefunden, immer den Schienen
nach... Der Fahrkartenautomat verkauft uns willig jedes Ticket, das wir
haben wollen, aber genauere Informationen über den Tarif gibt es dort
nicht. Inzwischen erklimmt die Straßenbahn die Steigung hinauf zum
Bahnhof und fährt in die Wendeschleife. Nur wenige Minuten später
quietscht wieder etwas die Schienen hinauf. Am Samstag ein
Fünfminutentakt? Aber nicht doch, es ist Party-Zeit und die
Bier-Elektrische kommt, von einem kleinen Grüppchen am Bahnhof auch
sehentlich erwartet. Richtig niedlich, das Züglein, mit einer
"Hopfengirlande" dekoriert... Wir beschließen spontan, den nächsten Zug
sausen zu lassen, um den Partyzug bei der Abfahrt zu fotografieren. Da
dieser aber noch auf Nachzügler wartet, werden insgesamt drei "nächste
Züge" daraus... Dann fahren wir ins Hotel (sehr empfehlenswert,
Anschrift gibt's auf Nachfrage bei Ilka). Da wir eine Tageskarte
erworben haben, gehen wir anschließend noch einmal Tram fahren. Die
Haltestelle Tunnel (Was hat das mit diesem Tunnel eigentlich auf sich?)
befindet sich vor unserer Haustür und wir müssen auf den nächsten
Taktknoten warten. Dann fahren wir mit Plauens schönster Straßenbahn,
nämlich Zug 218, auf der Linie 6 nach Waldfrieden, zurück zum Tunnel,
mit der Linie 1 nach Neundorf und wieder zum Tunnel. Dann ist unsere
Energie für heute erschöpft und wir suchen das Restaurant auf, das sich
in unserem Hotel befindet und ebenfalls rundum empfehlenswert ist. In
unserem Zimmer können wir dann absolute Ruhe genießen und schlafen wie
die Murmeltiere.
Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntag morgen machen wir uns erst
einmal frisch gestärkt auf die Suche nach Fotomotiven rund um die
Haltestelle Tunnel, was aber durch die reichlich vorhandenen Baustellen
und die noch tiefstehende Sonne nicht eben erleichtert wird. Aber ein
paar gute Fotos sind uns doch gelungen. Die Freude ist groß, als uns Zug
218 zum Bahnhof fährt. Die Werbung ist nicht etwa aufgeklebt, sondern
extrem aufwändig in Airbrush-Technik auflackiert, bis hin zur Schrift.
Da hat einer sehr viel Geld ausgegeben. Am Bahnhof fotografieren wir
unsere Straßenbahn noch einmal bei der Ausfahrt - der Zug sieht wirklich
super aus.
<Jan> In Hamburg nachgeschlagen finde ich für Plauen keine explizite
Lackierung. Seit dem Verzicht auf die DDR-Einheitslackierung malen die
Plauener ihre Trams immer kunterbunt an, was inzwischen wohl zu einer
100%-Quote für Ganzreklame gewandelt wurde, soweit wir die Wagen gesehen
haben.</Jan>
Dann machen wir uns auf die Socken, denn es will erst noch ein SWT
erworben werden. RB27487 steht schon in Form eines alten Bekannten,
nämlich 628 426, am Gleis 5 und dieselt vor sich hin. Der Füllstand ist
heute deutlich niedriger als gestern und wir können uns gemütlich
ausbreiten. Bei Bilderbuchwetter zuckeln wir durch die Lande und
genießen den Sonnenschein.
<Ilka>Mittags erreichen wir Hof und habe dort auch etwas mehr
Aufenthalt. Also werfen wir einen Blick in die schönen ehemaligen
Warteräume, die im vorderen Teil durch einen eingebauten Kiosk völlig
verschandelt wurden. Immerhin lassen sich diese Stände wieder spurlos
entfernen - ich hoffe, das passiert bald. Dann erwartet uns 628 424 in
grün-weiß, um uns als RB70212 nach Bayreuth zu bringen. Die schiefe
Ebene herab, und wir können in Neuenmarkt-Wirsberg einen Blick auf 103
002 werfen, die völlig vergammelt aussieht. Ich behaupte mal, das DDM
hat sich mit dieser Lok völlig übernommen. Da 103 002 völlig ungeschützt
steht, wird der Zustand eher noch gammliger - ob sie wohl schon an den
Schienen festgerostet ist? Das DDM sollte sich überlegen, sich von
dieser Lok zu trennen und sie an jemanden abzugeben, der sich besser
darum kümmern kann. Auf dem weiteren Weg nach Bayreuth kommen wir durch
Binlach, wo ein "Christian" mit Empfangskomitee per Spruchband fast
enthusiastisch empfangen wird.</Ilka>
Dann erreichen wir Bayreuth, und fahren wieder einmal Pendolino. 610 005
wartet grün-weiß als RE3018 auf uns und schaukelt uns nach Nürnberg. Der
Zug füllt sich unterwegs sehr gut und ich muss Jans Platz einmal fast
mit Klauen und Zähnen verteidigen.
In Nürnberg wandern wir wieder einmal zum Bahnhofsvorplatz in der
Hoffnung, alte Trambahnen zu sehen, aber heute ist nichts damit. Aber
eine der "noch-aktuellen" Züge fährt uns in der alten, beige-grünen
Lackierung über den Weg. Das Foto haben wir natürlich gerne gemacht.
Dann nichts wie zurück, im Eilschritt durch die Baustelle, denn 111 198,
die uns schon am Samstag von München nach Regensburg gefahren hat,
wartet vor RE31221 auf uns und fährt auch kurz nach dem Einsteigen ab.
In Regensburg ist erst mal Wandertag, denn wir sind in unserem Zug ganz
vorne, und zum Umsteigen wäre das andere Ende besser gewesen. Wir kommen
auf Gleis 9 an und unser nächster Zug wartet auf Gleis 109 - ganz weit,
weit hinten... Immerhin können wir in Regensburg mehrere östereichische
1110 ausmachen und sichten dort 218 418 in Bereitschaft mit dem
Hilfszug. 111 082 fährt dann unsere RB71738 in Richtung Ingolstadt. Dann
überqueren wir die Donau und warten zwischen Sinzing und Gundelshausen
auf unseren Gegenzug, der eine saftige Verspätung mitbringt. Dann kommt
er endlich, mit 111 001 schiebend, und wir können mit acht Minuten
Verspätung weiterfahren. Da unser Tf etwas sportlich fährt, haben wir
den größten Teil davon schnell eingeholt, nur ein kleiner Rest bleibt
uns erhalten. In Bad Abbach "bewundern" wir noch das häßlich gekachelte
Bahnhofsgebäude und trudeln bald in Ingolstadt ein.
Zielstrebig begeben wir uns zu Gleis 3, dort steht auch München am
Fahrzielanzeiger, die Wagen sind auch richtig (DoStos), warum also auf
die Abfahrtszeit achten? Gemächlich schreibe ich mir noch die Nummer der
Lok auf (111 185, orientrot) und wir suchen uns einen Sitzplatz. Von
unserem Aussichtspunkt beobachten wir, wie ein Zug nach dem anderen zum
Taktknoten den Bahnhof verläßt und sehen uns höchst verdattert an, als
auch unser Zug abgefertigt wird und Ingolstadt verläßt. Aber hoppla, das
hätte ins Auge gehen können... Unser Zug hält überall, und Jan
befürchtet schon, dass wir unterwegs überholt werden könnten. Dem ist
nicht so, aber aus 15 Minuten Vorsprung werden drei Minuten. Als wir das
Gelände von Krauss-Maffei passieren, sind dort zwei schlicht rote 152 zu
sehen und auch eine 152 im Railion-Design steht nagelneu dort herum.
Unsere drei Minuten Vorsprung verschaffen Jan aber ein bischen Zeit, die
vor RE31322 nach Passau wartende "Traditionslok" 110 228 zu
fotografieren. Ich besorge uns inzwischen Platz in der BOB - nein, nicht
im Integral, die fahren ja noch nicht wieder, sondern im
Grünling-Steuerwagen. Am anderen Ende steht 218 314 im sauberen
Verkehrsrot und um 19:30 fahren wir los, nach Holzkirchen, zum letzten
Umsteigen des Tages. In Holzkirchen steht eine Kaulquappe (VT 112) auf
dem Abstellgleis, etwa schon wieder als eiserne Reserve?
In Holzkirchen eilen wir dann durch die Baustelle, denn der Weg zu Gleis
7 ist weit. Wir stellen uns beim Anblick des Bahnhofs schon die Frage,
ob dieser jemals fertiggestellt wird. Immerhin können wir hier eine
verkehrsrote, saubere S-Bahn sehen (ja, das gibt es, in Form von 420
134) 111 069 wartet verkehrsrot vor 4 Grünlingen bis alle da sind und
rollt dann gemächlich das Mangfalltal entlang nach Rosenheim.
Da das Wetter gut ist, gönnen wir uns noch einen gemächlichen
Spaziergang durch Rosenheim und sind kurz nach neun zu Hause. Diese
Reise war sozusagen die Saisoneröffnungsfahrt und hat auch ganz sicher
Lust auf mehr gemacht. Die diesjährige "Fahrt in den Mai" findet
allerdings in weit nördlicheren Gefilden statt - wartet einfach den
Reisebericht ab...
Ilka & Jan [TM]
F'up2 debe ist gesetzt. Bei Antworten zum Thema Straßenbahn bitte
ändern!
--
Ilka Wessel, Rosenheim
Jan Borchers, Hamburg
Mail: Ilka...@gmx.de
> Jans Blick, als ihn beim üeberqueren der Gleise am
> Muenchner Hbf eine Tram anbimmelt sollte auch nicht
> unerwaehnt bleiben:)
Als ich das gestern morgen gelesen hab, bin ich beinah vom Stuhl
gefallen... Ilka klärte mich später darüber auf, daß Du im Oktober in
Karlsruhe bei Marcs Sonderfahrt dabei warst. Das Bimmeln habe ich noch
sehr gut im Ohr. Ich fragte mich seinerzeit, was mich ein grad haltender
Trambahnfahrer von den Gleisen schrecken will.
Vermeintlich inkognito, ließ ich Tram Tram sein und ging Essen...
Nun, vielleicht sollte ich künftig mehr auf der Hut sein, noch nicht
allzu lange ist Tobias Nicht´s Überfall in Ohlstedt her, wo er mich mit
dem schon fast legendären "Eine schöne Strassenbahn haben Sie hier" kalt
erwischt hatte.
Lehre: Jan, sei immer auf der Hut vor Trambahnfahrern... Wat´n Glück,
daß München eine echte U-Bahn[TM] hat!
Viele Grüße ;-)
Jan Borchers