Gestern am 7.7. wurde nach ca. einjähriger Bauzeit die
Streckenverlängerung der Straßenbahn in das Wohngebiet Lütten-Klein
feierlich übergeben.
Bei brütender Sommerhitze begann es mit langen und teilweise ermüdenden
Eröffnungsreden vom technischen Vorstand der RSAG Graf Vitzthum,
Rostocks Oberbürgermeister Pöker, Wirtschaftsminister Ebnet und
Staatssekretär Hilsberg (man frage mich nicht wo er herkam und was er
dort wollte) und anschließender Durchtrennung des Bandes.
Ein paar Absperrungen und Sicherungsbänder sowie ein paar hysterische
Mitarbeiter sollten verhindern das die Massen in die Eröffnungsbahn
strömen (wie so üblich bei derartigen Eröffnungen) und den geladenen
Gästen die Plätze wegnehmen was mich aber nicht daran hinderte ruhigen
Schrittes an der Absperrung herum zu gehen und ungestört die
bereitstehende Bahn zu betreten.
Rostocks OB Pöker nahm in den letzten Tagen ein paar Fahrstunden bei der
Straßenbahn, denn er hatte es sich in den Kopf gesetzt die
Eröffnungsbahn selber zu steuern. Zusammen mit einem bereitstehenden
Fahrlehrer setzte er dann ruhig und unter starkem Einsatz der Klingel
den Eröffnungszug in der Haltestelle Lütten-Klein Zentrum in Bewegung.
Dort betehen ab jetzt die Umsteigebeziehungen zu den anderen Buslinien
im Nordwesten Rostocks und nach Warnemünde. Außerdem wurde dort ein
neues Kundenzentrum eingerichtet.
Insgesamt wurden für 47 Mill DM 2,8 km Doppelgleis verlegt, 7
behindertengerechte Haltestellen gebaut, 2 Bahnunterwerke errichtet und
für 3,5 Mill Mark Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt. Weil ein Sportplatz
für die Wendeschleife am Endpunkt in der Rügener Straße weichen mußte
wurde als Ersatz ein neuer wettkampftauglicher Hokeyplatz daneben
angelegt.
Die Fahrt ging dann auch zum Endpunkt in der Rügener Straße wo ein paar
Leute ausstiegen und dann weiter dort durch die Wendeschleife. In der
Wendeschleife ist eines der beiden Unterwerke untergebracht das auch die
Versorgung der zukünftigen Verlängerung nach Lichtenhagen übernehmen
soll. Für diese Verlängerung läuft derzeit die Planung. Der Baubeginn
soll im Herbst 2002 sein und die Eröffnung im Herbst 2003. Bislang gibt
es dafür nur einen Gleisstummel der mit einem Schwellenkreuz gesichert
ist.
Die Fahrt ging dann zurück über den Ausgangspunkt zur Haltestelle
Fischerdorf. Alle Ampeln auf der Strecke sind mit einer Vorrangschaltung
ausgerüstet und derart programmiert das sie die Bahnen aus beiden
Richtungen gleichermaßen beachten. Außerdem wurden die Wartezeiten in
den Haltestellen mit berücksichtigt so das wir ein paar mal in den
Haltestellen auf die Ampeln warten mussten.
Im anderen Unterwerk in der Helsinkier Straße ist die
Rechnerbetriebsleitzentrale für die Strecken im Nordwesten eingerichtet.
Beide unterwerke sind so ausgerüstet das beim Ausfall des einen das
jeweils andere dessen Aufgaben mit übernehmen kann. Im Bereich der
Haltestelle Fischerdorf wurde der Oberbau als Rasengleis ausgeführt und
nicht wie im übrigen Teil der Strecke als normaler Schotteroberbau.
In der Haltestelle Fischerdorf wartete schon eine Tatrabahn T6A2M mit
dem neuen Niederflurbeiwagen 4NBWE die ebenfalls an diesem Tag erstmals
der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Es verkehren ab jetzt alle
Straßenbahnen in Rostock niederflurig. Insgesamt werden für Rostock bis
Frühjahr 2002 22 dieser Beiwagen beschafft die zusammen mit den
Verkehrsbetrieben in Leipzig wo sie schon seit ein paar Monaten fahren
bei Bombardier beschafft. Der Stückpreis beträgt 750.000 Mark und sie
sollen ca. 15 Jahre lang halten.
Diese Bahn zurück zum Ausgangspunkt wurde dann nicht mehr von OB Pöker
gefahren. Es hätte dann dort noch einen kleinen Empfang gegeben den ich
aber in Anbetracht meiner etwas zu legeren Kleidung bei den Temperaturen
ausfallen lies und lieber nach Warnemünde zum Badewannenrennen gefahren
bin ;-). Außerdem war in Lütten Klein noch ein Volksfest zur Eröffnung
der Straßenbahn (u.a. spielte dort Karat) auf dem ein neues Buch zur
Chronik der Rostocker Straßenbahn vorgestellt wurde (ich habe aber nur
kurz reingeschaut und es nicht gekauft).
Die nächste Streckeneröffnung dürfte dann im März 2003 mit dem Tunnel
unter dem Hauptbahnhof und den Streckenästen in der Südstadt zur Mensa
(dort läuft derzeit die Ausschreibung) und zum Südblick in der
Nobelstraße (die Planfeststellung läuft) sein.
Bye Kai
Kai Garlipp wrote:
>
> [Eröffnungsfeierlichkeiten, Streckenbeschreibung]
Was mir noch gut gefallen hätte, wäre G4-61 + LOWA-Bw im Planeinsatz.
Fahren in HRO bei Streckeneröffnung nie historische Züge?
BTW: Hat man in Rostock einen Ikarus aufgehoben?
Jedenfalls sah es heute Nachmittag in Lütten Klein so aus, als sei der
3,5-Min-Takt etwas zu viel. Mal sehen, wie sich "Rostocks Neuen
Linien" entwickeln werden.
> Die nächste Streckeneröffnung dürfte dann im März 2003 mit dem Tunnel
> unter dem Hauptbahnhof und den Streckenästen in der Südstadt zur Mensa
> (dort läuft derzeit die Ausschreibung) und zum Südblick in der
> Nobelstraße (die Planfeststellung läuft) sein.
Yo, dazu gab es im RSAG-Zelt einen Plan zu Liniengestaltung, und auf
Anfrage wurden sogar Ausdrucke davon ausgegeben. Feine Sache, dieser
Service.
Das Ziel-Netz 2003:
(lt. RSAG sind die Liniennummern Arbeitstitel)
01: Lichtenhagen, Mecklenb. Allee -- Toitenwinkel, Hafenallee
02: Evershagen, T.-Morus-Strasse -- Dierkow, K.-Schumacher-Ring
03: Südblick -- K.-Schumacher-Ring
04: Mecklenburger Allee -- Hp Dierkow
05: Südstadt, Mensa -- K.-Schumacher-Ring
06: Lütten Klein, Rügener Strasse -- Südblick
07: T.-Morus-Strasse -- Mensa
11: Südblick -- Neuer Friedhof
(Busnetz wird auf Anfrage nachgereicht)
Ich hoffe, es bin nur ich, der Bauchschmerzen hat...
Die Takte wären interessant! Ich kann mir schwer vorstellen, wie mal
die Fahrpläne aussehen sollen, zumal nur je eine Linie nach
Toitenwinkel resp. Dierkow fahren soll - sofern da jemand einen
20'-Takt im Sinne hat, möge er den bitte vergessen, s.a. SL 11... :-(
Drei zum K.-Schumacher-Ring?
Meine Vorschläge zur Verschlimmbesserung:
05: Mensa -- Hp Dierkow (wenn 4 alle 15-20')
08: Hafenallee -- Mensa (sofern 1 alle 15-20')
usf.
Beste Grüsse
Mike
"Mike S. Friedrich" wrote:
>
> Was mir noch gut gefallen hätte, wäre G4-61 + LOWA-Bw im Planeinsatz.
Irgendwelche Leute saßen dort auch drin.
> Fahren in HRO bei Streckeneröffnung nie historische Züge?
Man frage mich aber nicht wieso man diese Bahnen nicht regelmäßiger für
die Allgemeinheit fahren lässt (so einmal im Monat würde ausreichen).
Der letzte große Planeinsatz war wohl zur Eröffnung des Einkaufszentrums
in Reutershagen. Ab und an machen die auch eine Stadtrundfahrt mit
Kommentaren up platt im Gotha-Gelenkwagen (meistens zur Hanse Sail).
> BTW: Hat man in Rostock einen Ikarus aufgehoben?
Ich glaube nicht (der historische Bus ist ein H4B). Fahr aber mal nach
Doberan, da fährt noch einer.
> Jedenfalls sah es heute Nachmittag in Lütten Klein so aus, als sei der
> 3,5-Min-Takt etwas zu viel. Mal sehen, wie sich "Rostocks Neuen
> Linien" entwickeln werden.
Dafür ist tagsüber der 7,5 min Takt + die 15 min der Linie 12 zu wenig
je dichter man an das Stadtzentrum kommt. Außerdem ist der mehrmalige
Taktwechsel am Tag und die Pläne Schulzeit/Ferien mehr als verwirrend
(abgesehen von den ganzen ein- und ausrückenden Fahrten)
[Liniennetz 2003]
> Ich hoffe, es bin nur ich, der Bauchschmerzen hat...
Die habe ich auch. Das Problem mit den Megaumläufen ist das zur gleichen
Zeit an beiden Enden die Spitzenbelastungszeiten (z.B. Schulbeginn) ist
und das deshalb der halbe Fahrplan aus ein- und ausrückenden Bahnen zur
Verstärkung besteht.
Ein anderes Problem wird bei Havarien und Betriebsstörungen im Bereich
Nordwesten auftreten, da es nicht möglich ist einen Inselbetrieb
einzurichten da keine Wendeschleife (und sei es nur eine
semi-professionelle wie am Gerberbruch) vorhanden ist um Züge innerhalb
des Nordwestens enden zu lassen. Die erste Wendemöglichkeit ist am
Betriebshof Hamburger Str.
> Die Takte wären interessant! Ich kann mir schwer vorstellen, wie mal
> die Fahrpläne aussehen sollen, zumal nur je eine Linie nach
> Toitenwinkel resp. Dierkow fahren soll - sofern da jemand einen
> 20'-Takt im Sinne hat, möge er den bitte vergessen, s.a. SL 11... :-(
> Drei zum K.-Schumacher-Ring?
die Linienführung im Nordosten ist noch nicht endgültig und es wird dort
wohl noch zum Umlegungen auf den einzelnen Ästen kommen. Interessant
wäre es jetzt aber mal die Fahrzeugbelegung im Nordosten
Bye Kai