Am 26.03.22 um 11:51 schrieb Ulf Kutzner:
> Klaus schrieb am Freitag, 25. März 2022 um 21:16:28 UTC+1:
>> Am 24.03.22 um 13:14 schrieb Ulf Kutzner:
>
>>> Wenn sich alle Betriebseisenbahner immerzu und ständig an das
>>> Regelwerk hielten, dann hätte die Stelle in der Tat weniger Arbeit.
>>>
>> Es geht bei meiner und bei der Bemerkung von Gerd nicht um das Verhalten
>> von Mitarbeitern, sondern um die technische Ausrüstung im Bereich der
>> Sicherungstechnik.
>
> Das mag ja alles sein, aber es geht im Falle eines Falles auch um die
> korrekte oder nicht oder nicht vollständig korrekte Aufnahme bzw.
> die korrekte oder nicht oder nicht vollständig korrekte Einstellung
> bzw. das Stehenlassen von Signalbegriffen.
Wird es nicht korrekt aufgenommen, hilft auch die Dokumentation des Fdl
nicht weiter. Eine "nicht oder nicht vollständig korrekte Einstellung"
gibt es einfach nicht! Ich glaube, daß ist genau der Punkt, der Dir
nicht einleuchtet. Kann aus irgendeinem Grund das korrekte Signalbild
nicht angezeigt werden, fällt das Signalbild wieder auf Halt zurück.
Kann auch Halt nicht mehr angezeigt werden, gibts eine ziemlich laute
Hupe im Stellwerk, die auf diese Störung hinweist. Zudem verhindert die
Technik, daß Fahrten auf dieses Signal eingestellt werden können. Aber
auch ein ungewollt dunkles Signal, hat immer noch ein Mastschild, was
dann immer noch einen gültigen Signalbegriff darstellt. Also selbst,
wenn trotz der Batterieversorgung das komplette Signalnetz ausfallen
sollte, wären über die Schilder an Vorsignalen und die Mastschilder an
den Hauptsignalen immer noch alle Signalbilder eindeutig und gültig. Und
für den Fall, daß mal ein Kabel "halb" angequetscht wurde und das
Stellwerk tatsächlich irgendwelche Phantasiebegriffe am Schirm
produzieren sollte, so fällt auf jeden Fall die Überwachung des Signals
weg und ein Fahrweg auf dieses Signal ist nicht mehr stellbar.
>
>> Und wenn ein Signal im Regelbetrieb ein Signalbild
>> zeigt, muß man das nicht nochmal irgendwo dokumentieren, weil die
>> Technik garantiert, daß dieses Signalbild korrekt ist, mithin macht eine
>> Dokumentation des Signalbilds im Regelbetriebs keinen Sinn, bzw. würde
>> bei einer späteren Untersuchung keinerlei neue Information liefern.
>
> Sind wir uns darin einig, daß Eisenbahnunfälle eine Abweichung
> vom Regelbetrieb bedeuten?
Diese Art von Pseudoargumenten bringt doch niemanden weiter. Natürlich
passieren Eisenbahnunfälle aus einer "normalen" Situation im
Regelbetrieb, weil technisch oder menschlich irgendwo ein Fehler
passiert. Natürlich kann ein Tf über ein halt zeigendes Signal fahren.
Aber dazu muß man den Zustand des Signals nicht nochmal dokumentieren.
Das macht z.B. die PZB schon auf dem Fahrtenschreiber.
>
> Und dann sagt da u.U. ein Tf aus, er habe ein bestimmtes Signalbild
> aufgenommen. Die Widerlegbarkeit einer solchen Aussage kann für
> verschiedene Verfahren von Bedeutung sein.
>
>> Bei der Abweichung vom Regelbetrieb wird das Signalbild dokumentiert,
>> weil die Bedienung von z.B. Zs1 zu einer entsprechenden Registrierung
>> führt, egal ob per Zähler, Störungsdrucker oder was auch immer gerade in
>> der jeweiligen Stellwerksbauform bzw. Ausstattung gerade vorhanden ist.
>>
>> Und wenn auf Befehl gefahren wird, ist auch dieser hinterlegt und damit
>> später prüfbar.
>>
>> Wie bereits vorher bemerkt, sind "betriebliche Abschaltung" als auch
>> "dunkelgeschaltete Signale" Regelbetrieb
>
> Wie auch das Umschalten eines Signal auf Fahrtstellung durch Fdl-Eingriff,
> Zuglenkung, Streckenblock.
>
> Gehe ich recht in der Annahme, daß zumindest EStW derlei mitschreiben?
Nein, macht es nicht, wozu auch...
>
>> und die Dokumentation somit
>> irrelevant.
>
> Nun fand ich für bestimmte Betriebssituationen:
>
> „Der Fahrdienstleiter muss zusätzlich alle folgenden Hauptsignale, welche die
> LZB oder ETCS für den Zug dunkelgeschaltet hatte, auf Halt stellen. Zusätzlich
> muss er ermitteln, ob die LZB oder ETCS für den Zug auch Signale dunkelgeschaltet
> hatte, die Nachbarfahrdienstleitern zugeteilt sind. Wenn dies zutrifft,muss er die Nachbarfahrdienstleiter auffordern, die Signale auf Halt zu stellen
> und dies zu bestätigen.“
>
> Das wäre ja gut, er müßte es nicht erraten, sondern könnte es ersehen.
Geh doch bitte davon aus, daß die Sicherungstechnik eine Fehlbedienung
ausschließen kann. Ein Fahrdienstleiter kann nicht Signale auf
irgendeinen Begriff stellen. Das ist keine Modellbahn. Der Sinn der
Sicherungstechnik besteht ja im Begriff "Sicher"! Du kannst ein Signal
nicht auf Fahrt bekommen, wenn nicht alles andere vom Stellwerk aus
korrekt eingestellt ist. Egal ob in alter mechanischer Bauform, als
elektromechanisches Stellwerk, als Spurplan oder ESTW. Seit den
Spurplanstellwerken hat der Fahrdienstleiter nicht mal mehr irgendeine
einzelne Bedienung, mit dem er die Signalstellung beeinflussen könnte,
wenn diese Bedienung nicht ohnehin schon auch bei mechanischen
Stellwerken gesichert wäre, mal abgesehen davon, daß er jederzeit ein
Signal auf Halt stellen kann.
Auch schon bei mechanischen Stellwerken kann ein Hauptsignal nur den
Begriff anzeigen, der für die eingestellte Fahrstraße gilt. Da braucht
es einfach keine Dokumentation.
>
> Und auch dann, wenn mir jetzt auf die Schnelle kein stattgehabtes
> oder konstruierbares Unfallereignis einfällt, bei dem Aufklärung von
> stattgehabter Dunkelschaltung relevant ist, es wird noch eines kommen.
Gab es doch auch schon. Aber solange nicht das Stellwerk defekt ist,
bringt die Dokumentation niemanden weiter. Und mir ist nur ein Unfall
bekannt, bei dem durch einen fehlerhaften Anschluß einer Weiche, ein
Signal eine zu hohe Geschwindigkeit signalisierte. Da haben aber vorher
mehrere Beteiligte wirklich mehr als fahrlässig gearbeitet und alle
Regeln ignoriert. Aber auch in dem Fall hätte eine Dokumentation des
Signalbilds keine neuen Erkenntnisse gebracht, denn die falsche
Signalstellung ( eigentlich ja eher der falsche Fahrweg ) sind aus der
Technik eindeutig nachweisbar und reproduzierbar.
Wie auch immer... bisher hat offenbar niemand die Notwendigkeit gesehen
die gezeigten Signalbilder im Regelbetrieb zu dokumentieren. Technisch
wäre es simpel, die jeweiligen Spannungen und Ströme zu protokollieren,
aber es wird halt nicht gemacht, weil es offenbar bisher niemand für
Notwendig gehalten hat. Das wird wohl seinen Grund haben...
Gruß
Klaus