Am 07.04.17 um 13:37 schrieb Christian Heuer:
> Hallo,
>
> Habe jetzt schon einige Zeit das Internet durchforstet, bin aber
> bislang noch nicht auf eine vollständige Antwort gestoßen.
>
> Nehmen wir mal den Fall an, dass ein Zug auf einer zweigleisigen
> Strecke vom durchgehenden Hauptgleis in ein Ausweichgleis einfahren
> soll. Kleiner Bahnhof, zwei Spurwechsel, insgesamt sechs Weichen,
> keine Schutzweichen, so einer, wie es ihn wahrscheinlich über 100 Mal
> in Deutschland gibt. Die Weichen des Ausweichgleises liegen im
> durchgehenden Hauptgleis der Gegenrichtung, der Zug muss das
> Gegengleis sozusagen kreuzen, um ins Ausweichgleis zu kommen.
Also (wenn ich Dich richtig verstehe) diese Situation:
____________________________
/ N3 |-O \
______________/______________________________\___________
/ \
________/__________________________________________\_____
A |-O N1 |-O
Der Zug faehrt vom Einfahrsignal A zum Ausfahrsignal N3.
> Nehmen wir mal an, dass das Ausfahrsignal des Ausweichgleises relativ
> dicht vor der Weiche steht. Daher müsste diese Weiche für den
> Durchrutschweg definitiv in Richtung des Ausweichgleises gestellt
> werden, richtig?
M.W. ja.
> Wo ich jetzt aber hadere, ist, wie der Durchrutschweg weiter
> verlaufen würde.
>
> Meine Annahme wäre, dass er über den zweiten Spurwechsel zurück ins
> Regelgleis führen müsste. Aaaaaaaber: dann wären ja alle drei Gleise
> im Bahnhof blockiert.
Wobei die Frage ist, wie schlimm das waere. Dass gleichzeitig ein
in Gleis 1 stehender Zug ausfahren soll, ist eher ungewoehnlich.
Wenn ein nachfolgender Zug ueberholen soll, dann kann er allerdings
etwas frueher Ausfahrt an N1 bekommen, wenn der Durchrutschweg dort
nicht im Weg liegt.
> Könnte er daher auch geradeaus über den zweiten Spurwechsel ins
> Gegengleis führen?
Prinzipiell ja. Was allerdings auch den Nachteil hat, dass die
Ausfahrt an N3 zur Weiterfahrt erst gestellt werden kann, wenn er
aufgeloest wurde.
Je nach Einfahrgeschwindigkeit koennte er aber auch schon vor der
spitz befahrenen Weiche enden, dann stellt sich die Frage gar
nicht.
> Was dann aber Probleme geben könnte mit dem
> Gefahrpunktabstand des Einfahrsignals aus der Gegenrichtung...
Stimmt. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob Durchrutschwege (bzw.
Durchrutschweg und Gefahrpunktabstand) sich ueberlappen koennen.
> Wie wird diese Situation in der Praxis gehandhabt?
Kann man m.E. nicht generell sagen, aber man kann auch mehrere
Durchrutschwege einrichten, in diesem Fall bis zu drei (einen in
das Regelgleis, einen in das Gegengleis und einen kurzen, dann
mit einer niedrigeren Geschwindigkeit).
> Gibt es
> Unterschiede zwischen den jeweiligen Stellwerkstypen?
Auch mechanische und elektromechanische Stellwerke koennen mit
mehreren Durchrutschwegen umgehen, aber wegen des Aufwands ist
das eher untypisch. Wenn der Durchrutschweg eine niedrigere
Geschwindigkeit erzwingt, als eigentlich fuer die Einfahrstrasse
notwendig ist, dann ist es schoen, Hochsignalisierung zu haben
(d.h. die Geschwindigkeitsanzeige am Einfahrsignal wechselt auf
eine hoehere Geschwindigkeit, wenn der Durchrutschweg expandiert
oder eine Ausfahrt gestellt wurde). Hochsignalisierung gibt es
m.W. nur bei ESTW.
Christoph