Reisebericht Karlsruhe--Wien--Karlsruhe 27./31.8.98
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1. Reisevorbereitungen
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Den Anlass fuer mich, nach Wien zu fahren, bildete die
de.talk.romance- und #weltenhaus-Party vom 27.-30. August in Wien.
Neugierige duerfen naeheres in der Newsgruppe de.talk.romance unter
dem Subject "Partylog aus Wien" (falls noch nicht expired)
oder im WWW unter
http://dtr-party.froehlich.priv.at/~sfroehli/dtrweb/index.html
nachlesen.
Um meinen Bericht nicht ausufern zu lassen, will ich zu den
Reisevorbereitungen hier nur einzelne Stichworte liefern.
- Ich fahre allein mit der Bahn (nachdem Auto-Mitfahrt oder Gruppenreise
scheitern), bei der Gelegenheit will ich mir einen alten Wunsch
erfuellen und einmal die Semmeringbahn befahren.
- Nach diversen Ueberlegungen stehen die Randbedingungen fest: Kauf
einer neuen Bahncard; in einer Fahrtrichtung Fahrt ueber Salzburg--
Bischofshofen--Bruck a. d. Mur--Semmering--Wien zum normalen
Tarif (mit BC-Ermaessigung auf dem deutschen Streckenabschnitt), in
der anderen Fahrt auf der direkten Route via Muenchen--Salzburg--Linz
unter Benutzung des Sommer-Spezial-Tarifs zwischen Muenchen und Wien -
unter der Voraussetzung, dass in einer geeigneten Verbindung noch
Plaetze aus dem begrenzten Kontingent frei sind (wobei Schwierigkeiten
zu erwarten waeren, wie ich aus d.e.b.e bereits weiss)
- Auf www.bahn.de sind fuer das SST zwischen Muenchen und Wien pro
Richtung drei Zuege angegeben. Brauchbar erscheinen mir fuer meine
Zwecke aber jeweils nur einer: EC 63 (Muenchen ab 9.24, Wien West an
14.18), oder in der anderen Richtung EC 62 (Wien West ab 15.50,
Muenchen an 20.36), die anderen schliesse ich wegen zu spaeter Ankunft
bzw. zu frueher Abfahrt in Wien aus meiner Auswahl aus.
- Damit hat meine Reiseplanung nun zwei Versionen:
1.) Hinfahrt am 27.8.: Karlsruhe Hbf ab 5.58, Wien West an 14.18, mit
SST Muenchen--Wien im EC 63;
Rueckfahrt am 30.8.: Wien Sued ab 12.58, via Semmering,
Karlsruhe Hbf an 23.59
2.) Hinfahrt am 27.8.: Karlsruhe Hbf ab 5.58, via Semmering, Wien Sued
an 17.02;
Rueckfahrt am 30.8.: Wien West ab 15.50, Karlsruhe Hbf an 23.59,
mit SST Wien--Muenchen im EC 62
- Bei Erkundigungen in einem Reisebuero mit DB-Agentur bekomme ich ein
Beispiel fuer die Bahnkompetenz mancher Reisebueroangestellter und den
schlechten Informationsfluss von der DB zu den Reisebueros geboten.
Der Kunde vor mir will ein Sommer-Spezial-Ticket von Frankfurt/Main
nach Berlin Ostbf erwerben. Die Reisebueroangestellte, die ihn bedient,
blaettert in einem Ordner mit Unterlagen und versucht, dem
Computersystem ein SST fuer einen dort angegebenen IR zu entlocken, aber
ohne Erfolg. Mein Hinweis, dass die Interregios alle von Berlin Ostbf
nach Berlin-Lichtenberg zurueckverlegt worden seien, loest Verwunderung
aus, fuehrt aber zum Erfolg. Die Angestellte klammert sich nur an ihre
Liste mit den fuer SST freigegebenen Zuegen - und die ist in dieser Form
schon ueberholt, obwohl noch nicht alt -, von der Bahngeographie Berlins
hat sie offenbar keinen Schimmer: Lichtenberg sagt ihr ueberhaupt
nichts, und mit meiner Erklaerung "Ueberlastung der Stadtbahn" kann sie
offenbar auch wenig anfangen ("Wo liegt denn Berlin-Lichtenberg
eigentlich?" "Im Osten." "Aha, das ist dann also an der Strecke nach
Schoenefeld?").
- Fahrkartenkauf, nicht mehr im Reisebuero, sondern am Bahnhof: Am 11.8.
sind die SST-Plaetze im EC 63 fuer den 27.8. wie auch im EC 62 fuer den
30.8. bereits ausgebucht, ebenso im EC 62 und im EC 64 (Wien West ab
8.50, Muenchen Hbf an 13.36) fuer den 31.8. Ich weiche fuer die
Rueckfahrt notgedrungen auf den EC 16 am 31.8. aus (Wien West ab 5.50,
Muenchen Hbf an 10.36), die Hinfahrt waehle ich entsprechend Version 2.
Laut Auskunft der Frau am Schalter sind die Platzkontingente fuer das SST
sehr knapp bemessen, meiner Einschaetzung, dass es sich wohl in erster
Linie um ein Lockvogelangebot handele, stimmt sie zu.
- Das DB-Computersystem kann offenbar keine internationalen Fahrkarten
mit Umwegen im Ausland ausstellen, die Laufwege ab Grenzuebergang zum
Zielort sind jeweils festgelegt. Daher muss ich fuer den Hinweg
stueckeln: Eine Fahrkarte Karlsruhe--Bruck/Mur und eine Fahrkarte
Bruck/Mur--Wien Suedbf. Reservieren lasse ich auch gleich. Die Fahrkarte
fuer Muenchen--Karlsruhe will ich mir erst in Muenchen auf der Rueckfahrt
kaufen, um flexibel zu bleiben - ein kleiner Tagesaufenthalt in Muenchen
ist das mindeste, ich denke ausserdem daran, Freunde zu besuchen.
- Ulkige Wegangabe auf meiner Fahrkarte Karlsruhe--Bruck/Mur:
VIA: UL*A*SALZ*Salzburg*Radstadt*Trieben*Leoben Hbf*****
Offenbar erscheint Salzburg einmal als deutscher und einmal als
oesterreichischer Wegpunkt.
Naechstes Posting: Reisebericht Karlsruhe--Wien, 27. August.
Sven
--
Sven Manias * Rintheimer Str. 32 * 76131 Karlsruhe * Germany
Telephone: +49-721-699556 * E-mail: sven....@stud.uni-karlsruhe.de
WWW home page: http://www.uni-karlsruhe.de/~Sven.Manias/
Um 5.35 verlasse ich meine Wohnung. Es ist noch dunkel, und ich bin
voellig unausgeschlafen, nachdem ich am Abend zuvor viel zu spaet mit
dem Packen und der Zusammenstellung der Reiseverpflegung begonnen hatte.
Jedenfalls hatte ich auch daran gedacht, im KVV-Kursbuch eine passende
Verbindung zum Bahnhof Durlach auszusuchen, eine Zweisystem-Stadtbahn
bot sich als ideal an.
S 4 (Karlsruhe Hbf--Eppingen)
ab 5.47 Gottesauer Platz
an 5.53 Bahnhof Durlach
Meine Stadtbahn kommt puenktlich. Mehrfach sehe ich Strassen- und
Stadtbahnwagen mit auf dieser Strecke normalerweise nicht zu
findenden Linien- und Zielbeschilderungen stadteinwaerts fahren:
Ausruecker aus dem Betriebshof Tullastrasse, den wir bei der
naechsten Haltestelle passieren.
Umsteigen am Durlacher Bahnhof, der Weg ist nicht weit. Der IR-Halt in
Durlach, nur in Tagesrandlagen bedient, erspart mir den weiteren Weg
zum Hauptbahnhof, der mich in Verbindung mit der frueheren Abfahrt dort
eine Viertelstunde frueher zum Aufstehen gezwungen haette. Im Osten
kuendigt sich die Morgendaemmerung an.
IR 2191 (Karlsruhe--Salzburg)
ab 6.03 Karlsruhe-Durlach
an 6.53 Stuttgart Hbf
Der IR faehrt ein, wie auf dieser Linie ueblich mit in Richtung
Stuttgart geschobenem Steuerwagen und einer 120 am Schluss. Ich
beschliesse (wieso komme ich eigentlich erst jetzt darauf?), meine
Platzreservierung Platzreservierung sein zu lassen und die
Streckensicht im Steuerwagen zu geniessen. Im (maessig besetzten) Zug
scheitert diese Idee leider daran, dass der Tf den Vorhang zum
Fuehrerstand noch zugezogen hat. Also entscheide ich mich wieder um
und suche in der Hoffnung auf noch ein wenig Schlaf das naechstbeste
leere Abteil auf, immer noch unter Ignorierung meiner Platzreservierung
(die fuer einen Platz im Grossraum, weiter hinten im Zug, gueltig
gewesen waere).
Der Schlaf bleibt dann doch aus, auch wenn ich - besonders auf meiner
"Hausstrecke" Karlsruhe--Pforzheim - vorlaeufig nichts fuer mich Neues
zu sehen erwarte. An den Zwischenhalten bis Stuttgart fuellt sich der
Zug nach und nach mit Pendlern, doch niemand verirrt sich in mein
Abteil, wo ich einstweilen eine ReiseBanane und einen ReiseOrangenSaft
zu mir nehme.
In Stuttgart heisst es Umsteigen, denn die IR aus Karlsruhe haben in
Salzburg alle zwei Stunden einen wunderschoenen Minus-Zwei-Minuten-
Nichtanschluss in Richtung Bischofshofen.
EC 63 "Bartok Bela" (Frankfurt (Main)--Debrecen)
ab 7.10 Stuttgart Hbf
an 9.15 Muenchen Hbf
ab 9.24
an 10.55 Salzburg Hbf
Der EC "Bartok Bela" (oder "Bela Bartok") ist aus druckdichten
deutschen IC/EC-Wagen zusammengestellt, mit Ausnahme des ungarischen
Speisewagens. Meine Reservierung lautet auf Wagen 267, Platz 75.
Wagen 267 erweist sich zu meiner Freude als ein Bvmz 185. Doch im
Wagen wird nach kurzer Zeit ein Reservierungschaos offenbar. Nach den
Reservierungszetteln ist der (noch unbesetzte) Platz 75 - einer im
mittleren Grossraumbereich des Wagens - von Mannheim bis Augsburg und
von Augsburg bis Wien reserviert. Neben mir will eine Gruppe von fuenf
Geschaeftsreisenden ebenfalls ihre reservierten Plaetze einnehmen, doch
Platz 78, fuer den einer aus der Gruppe eine Reservierung hat,
existiert gar nicht. Gluecklicherweise reichen die Plaetze dann noch
fuer alle aus, auch wenn der Wagen nun voll besetzt ist. Haette der
Wagen planmaessig ein Bpmz (Grossraumwagen mit Sitzanordnung 2+2 pro
Reihe, mit mehr Sitzplaetzen als ein Bvmz 185) sein sollen? Was wird
in Augsburg geschehen? Fragen ueber Fragen.
Nach einer Weile erscheint der Zugchef und bestaetigt meine Vermutung.
Der Wagen war in Frankfurt kurzfristig ausgetauscht worden und haette
eigentlich ein Grossraumwagen sein sollen. Wer auch immer dann die
Reservierungszettel eingesteckt hat, hat sich um eine irgendwie
durchschaubare Zuordnung zu den planmaessigen Platznummern offenbar
nicht gekuemmert; auch das Zugpersonal war ueber den Wagentausch
nicht informiert worden und hat das selbst erst unterwegs, nach
Beschwerden von Reisenden und Rueckfrage in Frankfurt, herausgefunden.
Der Zugchef schlaegt mir dann einen unreservierten und noch unbelegten
Platz eine Sitzgruppe weiter vor, den ich auch einnehme. Die Verwirrung
unter den Reisenden, die ihre reservierten Plaetze suchen und nicht
finden, wird sich dann auch an jedem weiteren Zwischenhalt wiederholen
und sorgt fuer allgemeinen Unmut.
Mittlerweile ist Geislingen erreicht, das Wetter zeigt sich bedeckt
und regnerisch. Triebfahrzeug bis Muenchen ist die uebrigens die
orientrote 103 214, die den Zug ohne Stoerungen ueber die Distanz
bringt. Die Minibar wird wie der Speisewagen von Utasellato betrieben.
Interessant auch die, von der DB herausgegebenen, Faltblaetter "Ihr
Reiseplan" (so der derzeit aktuelle Name): sie sind zweisprachig
deutsch/ungarisch.
In Ulm ueberholen wir den IR 2191, den ich bis Stuttgart benutzt hatte,
und es kommt uns der Eurosprinter 127 001 mit IC 616 "Ludwig Uhland"
(Muenchen - Muenster) entgegen. Ausserdem faellt mir 218 481 in
Verkehrsrot und mit Zusatzscheinwerfern auf.
Nach Dinkelscherben ist die Strecke eine Baustelle. Der Verkehr wird
eingleisig abgewickelt, das Gleis in Richtung Ulm wird gerade erneuert.
Bei Augsburg-Neusaess ueberqueren wir ein Ueberwerfungsbauwerk, aber
unten liegt kein Gleis. Wurde hier frueher einmal eine inzwischen
abgebaute Strecke kreuzungsfrei ausgefaedelt?
In Augsburg Hbf sehe ich auf einem Nachbargleis die ozeanblau-beige
111 106 (GB Nahverkehr Muenchen-West) mit einem mintgruen-weissen
Doppelstock-Wendezug. Offenbar handelt es sich um eine der 111er,
die in juengster Zeit zusaetzlich zu den ehemaligen S-Bahn-Loks mit
ZWS ausgeruestet wurden.
Unsere neue Zuglok ab Muenchen ist 1044.290, Traktion Wien West.
Nach Muenchen beginnt es zu regnen, und tiefhaengende Wolken verdecken
leider die Sicht auf die Alpen. Ich hole noch ein wenig Schlaf nach.
Spaeter, ich bin inzwischen wieder wach, passieren wir Freilassing -
fuer mich das Signal, meine Sachen zusammenzuraeumen und mich
aussteigefertig zu machen.
EC 63 hat in Salzburg 10 Minuten Aufenthalt. 1044.290 wird vom Zug
genommen, kehrt aber nach wenigen Minuten zurueck und wird wieder
angekuppelt, der Sinn der Aktion bleibt unklar.
IC 517 "Karl Boehm" (Salzburg--Bischofshofen--Bruck/Mur--Graz)
ab 11.21 Salzburg Hbf
an 12.02 Bischofshofen
ab 12.08
an 13.36 Selzthal
ab 13.46
an 14.54 Bruck a. d. Mur
Als erstes suche ich meinen naechsten Zug auf, der in einem der
oestlichen Kopfgleise des Bahnhofes schon bereit steht. Er wird
gebildet von einer 4010-Triebzugeinheit der Zfl. Wien Sued, bestehend
aus 4010.028, 7110.228, 7110.128 und 7010.128. Eine Premiere fuer mich,
ich bin bis dahin noch nie 4010 gefahren. Trotz Modernisierung (die sich
in rot/weisser Lackierung, Schwenkschiebetueren und - wie ich spaeter
feststellen werde - geschlossenen WCs aeussert) verbreitet die
Inneneinrichtung des Triebzugs einen etwas altmodischen, aber gediegenen
Charme. Ich sitze in einem Grossraumwagen mit Vis-a-vis-Sitzanordnung in
2+1-Teilung, zwischen den Sitzgruppen ist ausserdem viel Platz fuer
Gepaeck (oder geneigte Rueckenlehnen). Offenbar befinde ich mich in
einem frueheren Wagen der 1. Klasse.
Bis zur Abfahrt ist noch viel Zeit. Ich vertrete mir auf dem Bahnsteig
die Beine und fotografiere die eine oder andere vorbeifahrende
Rangierabteilung (mit Diesellok der Reihe 2068), trotz des miesen
Fotowetters (aber ich komme schliesslich nur sehr selten dazu,
esterreichische Eisenbahnfahrzeuge zu fotografieren). Ein Mann mit
einer Umhaengetasche kommt vorbei, ich nicke ihm freundlich zu, er
spricht mich an und stellt sich als Eisenbahnfreund vor. Wir kommen ins
Gespraech, er ueberreicht mir den Prospekt einer Museumsbahn, bei der
er mitarbeitet (Taurachbahn, Mauterndorf--St. Andrae, in der westl.
Steiermark) und bietet mir schliesslich einen von mehreren
oesterreichischen Museumsbahnen gemeinsam herausgegebenen Kalender zum
Kauf an, den ich ihm auch abnehme - er hat fuer solche Begegnungen
immer ein paar Exemplare dabei, wenn er am Bahnhof ist... Dann wird es
allerdings Zeit fuer mich, meinen Platz im Zug wieder einzunehmen.
In und um Salzburg sind im Gueterverkehr die 1163, moderne Elloks mit
Mittelfuehrerstand, zahlreich vertreten, auch wenn es mir nicht
gelingt, eine zu fotografieren (aus dem fahrenden Zug heraus versuche
ich sowas aber auch gar nicht erst, das spart Nerven). Ansonsten
beherrschen in Oesterreich vor allem 1044 und 1042 (bzw. deren
Wendezugvariante 1142) das Bild.
Beim Bahnhof Salzburg-Parsch passieren wir ein Stellwerksgebaeude,
an dem in der Form eines regulaeren oesterreichischen Bahnhofsschildes
"Modelleisenbahnclub Salzburg" angeschrieben steht. Schoenes Domizil.
Wir fahren nun in die Alpen hinein, dem Tal der Salzach folgend. Etwa
auf halbem Weg zwischen Salzburg und Bischofshofen hoert der Regen auf.
Die tiefhaengende Bewoelkung lockert sich auf und gibt ab und zu den
Blick auf die umliegenden Berge frei, und nach einer Weile blickt sogar
die Sonne gelegentlich zwischen den Wolken durch.
In Bischofshofen wechseln wir die Fahrtrichtung, die Strecke Richtung
Selzthal ist nun eingleisig, windet sich durch ein Seitental der
Salzach und wird mit gemaessigtem Tempo befahren. Wie ich spaeter
einer Karte entnehme, gewinnen wir auf den 24 Kilometern bis Radstadt
rund 300 Meter an Hoehe. 12,5 Promill Steigung im Durchschnitt immerhin,
auch wenn sie mir waehrend der Fahrt nicht besonders auffallen.
Vor Radstadt erreichen wir das Ennstal, dem wir bis Selzthal folgen
werden. Die tiefliegenden Wolken sind nun ganz verschwunden, doch eine
hoeherliegende Wolkenschicht laesst die Sonne auch weiterhin nur selten
durch.
Mir faellt auf, dass die Halte durchweg mit zweisprachigen Ansagen in
Deutsch und Englisch angekuendigt werden. Bei jedem Halt fuellt sich
der Zug, der in Salzburg nur schwach besetzt abgefahren war, mehr.
Die Ennstalstrecke scheint ein Refugium fuer alte OEBB-Elektroloks zu
sein. 1141 sehe ich relativ haeufig, die erste begegnet uns in
Schladming. In Groebming kreuzen wir einen oesterreichischen Binnen-EC
mit dem Laufweg Graz--Salzburg, der ebenfalls von einer 4010-Einheit
gebildet wird. In Stainach-Irdning, wo die Salzkammergutstrecke
einmuendet, sehe ich eine 1141 mit einem Regionalzug nach Attnang-
Puchheim und die urige 1040.013 vor einem Gueterzug. Bei der Einfahrt
nach Selzthal passieren wir das Heizhaus (wie man in Oesterreich zum
Bahnbetriebswerk sagt), wo ich neben zahlreichen anderen Loks auch zwei
schoene Klima-Schneepfluege und die (nicht mehr in Dienst befindliche)
Altbaulok 1245.511 sehe.
Selzthal ist ein groesserer Bahnknotenpunkt. Wir haben 10 Minuten
Aufenthalt, unser Zug wird um eine weitere 4010-Einheit verstaerkt
und verlaesst den Bahnhof schliesslich unter erneutem Wechsel der
Fahrtrichtung.
Wir befinden uns nun auf der zweigleisigen, im Rechtsverkehr befahrenen
Hauptstrecke aus Richtung Linz nach Bruck a. d. Mur (--Graz), und
es geht merklich schneller voran als im Ennstal. In Stadt Rottenmann
fallen mir sehr gelungene, moderne Bahnsteigueberdachungen aus Holz auf.
Dann uebermannt mich Muedigkeit, und ich schlafe wieder ein wenig.
In St. Michael treffen wir auf die Strecke aus Klagenfurt. Zwischen
St. Michael und Leoben fahren wir durch einen langen, neu aussehenden
Tunnel, vor dessen Portal unmittelbar eine elektrifizierte Strecke
nach rechts abzweigt. Ich vermute, dass es sich um die alte, wohl noch
im Lokalverkehr benutzte Strecke handelt, zumal ich auch nach dem
Tunnelende im Bahnhofsbereich von Leoben eine von rechts einmuendende
Strecke bemerke. Wenig spaeter ist auch Bruck an der Mur erreicht,
wo ich den bequemen, mittlerweile gut besetzten Triebzug verlasse.
IC 191 (Villach--Wien Sued)
ab 15.03 Bruck a. d. Mur
an 16.56 Wien-Meidling
Der fast voll besetzte IC 191 (dessen Namen ich vergessen habe zu
notieren, aber ich meine mich an "Adalbert Stifter" zu erinnern)
fuehrt Kurswagen aus Venedig und trifft von der blutorangen 1044.014
gezogen ein. Mein reservierter Platz, um den ich nun froh bin, ist
leider am Gang, aber im Grossraumwagen habe ich trotzdem noch
Aussicht nach links und rechts.
Wir befinden uns nun auf der Suedbahn, die, wie ich feststelle, im
Linksverkehr betrieben wird. Am Bahnhof in Muerzzuschlag sehe ich
die Dampflok 91.32 als Denkmal aufgestellt, und bei der Ausfahrt im
Gleisvorfeld die "Heizanlage 011.22", hinter der ich eine ehemalige 1670
(Altbau-Elektrolok von 1928 fuer die Arlbergstrecke) erkenne. Linker
Hand passieren wir - laut Auskunft meiner Mitreisenden - den deutlich
sichtbaren Eingang zum Probestollen fuer einen kuenftigen Semmering-
Basistunnel.
Was eigentlich der Kernpunkt meiner Reiseplanung gewesen war - die Fahrt
ueber den Semmering - wird durch die eingeschraenkte Aussicht von
meinem Gangplatz und das mittlerweile wieder schlechtere,
wolkenverhangene Wetter - es hat auch wieder zu regnen begonnen -
leider ein wenig getruebt, bleibt aber dennoch interessant. Die
Semmeringbahn ist unglaublich reich an Kurven, Bruecken und Tunnels,
und ich kann mir deutlich vorstellen, dass sie zu ihrer Entstehungszeit
(1854) eine Meisterleistung des Eisenbahnbaus darstellte. Im Bahnhof
Semmering passieren wir denn auch ein deutlich sichtbares Denkmal des
Erbauers Ghega und ausserdem den als Denkmal aufgestellten
Dieseltriebwagen 5044.01.
Auf der Passhoehe angekommen schweift der Blick hinaus ins Flachland,
auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis wir es erreichen.
Inzwischen kuendigt eine Durchsage an, dass man beim Zugpersonal eine
72-Stunden-Karte fuer den Wiener OePNV erwerben kann, die ich schon
von zu Hause aus anhand der Websites des VOR und der Wiener Linien als
geeignetes Angebot fuer mich identifiziert hatte. Doch ich freue mich
zu frueh, bis Wien schafft es kein Zugpersonal mehr in unseren Wagen
(ich werde die Karte dann aber spaeter in Wien ohne Probleme am
Automaten erwerben koennen). Dafuer genehmige ich mir noch mal ein
wenig Schlaf, nachdem wir den Semmering endgueltig hinter uns gelassen
haben.
In Wiener Neustadt sehe ich wieder eine "Heizanlage", diesmal 011.28,
die sich unschwer als 1020 (die oesterreichische Variante der E 94)
identifizieren laesst. Wir haben bereits den weiteren Einzugsbereich
von Wien erreicht, wovon die blau-weissen Schnellbahntriebwagen 4020
und die neuen mit 1142 bespannten Stockwagenzuege (Doppelstock-
Wendezuege) zeugen.
In Wien-Meidling holt mich Walter, mein Gastgeber fuer die naechsten
Tage ab, wir finden uns ohne Probleme. Fuer die folgenden Tage steht
bei meinem Aufenthalt in Wien die Bahn nicht im Vordergrund, auch wenn
ich mehrfach U-Bahn (echt und unecht), Strassenbahn ("Bim", wie der
Wiener sagt) und Bus benutze, auf einen detaillierten Bericht
verzichte ich daher an dieser Stelle.
Der Reisebericht fuer die Rueckfahrt folgt in einem weiteren Posting.
> Ich sitze in einem Grossraumwagen mit Vis-a-vis-Sitzanordnung in
>2+1-Teilung, zwischen den Sitzgruppen ist ausserdem viel Platz fuer
>Gepaeck (oder geneigte Rueckenlehnen). Offenbar befinde ich mich in
>einem frueheren Wagen der 1. Klasse.
Nein, das ist die Original 2. Klasse der 4010er.
>Wir kommen insGespraech, er ueberreicht mir den Prospekt einer Museumsbahn, bei der
>er mitarbeitet (Taurachbahn, Mauterndorf--St. Andrae, in der westl. Steiermark)
Wenn ich jetzt nicht irgendwas stark verwechsle ist das zwar eine
ehemalige Steiermärkische Landesbahnstrecke, aber in Salzburg.
>Mir faellt auf, dass die Halte durchweg mit zweisprachigen Ansagen in
>Deutsch und Englisch angekuendigt werden.
Ohne kabarettistische Einlagen ? "There is a restaurant car on the top
of our train" oder "... in front of our train" geht beim 4010er ja
schlecht, aber die Zugchefs haben sicher auch anderes auf Lager.
>Die Ennstalstrecke scheint ein Refugium fuer alte OEBB-Elektroloks zu
>sein.
ja, seit ich mich errinnern kann.
>Inzwischen kuendigt eine Durchsage an, dass man beim Zugpersonal eine
>72-Stunden-Karte fuer den Wiener OePNV erwerben kann, die ich schon
>von zu Hause aus anhand der Websites des VOR und der Wiener Linien als
>geeignetes Angebot fuer mich identifiziert hatte. Doch ich freue mich
>zu frueh, bis Wien schafft es kein Zugpersonal mehr in unseren Wagen
>(ich werde die Karte dann aber spaeter in Wien ohne Probleme am
>Automaten erwerben koennen).
Sei froh, im Zug verkaufen sie nämlich die teurere Wien-card (oder so
ähnlich) mit der man auch bei einigen Touristenattraktionen ermäßigten
Eintritt bekommt.
Andreas
Praktischerweise wurde dabei das mittlere der drei Gleise Neusäß -
Augsburg Hirblingerstraße (Nicht in Betrieb befindlicher jedoch nicht
stillgelegter Haltepunkt zwischen Augsburg Oberhausen und Neusäß.)
gleich mit stillgelegt, obwohl es als Nahverkehrsgleis dringend nötig
wäre. Im Bhf. Neusäß wurde schlicht ein Drahtzaun auf dem Gleis
errichtet, um zu verhindern, daß die Schüler von Bahnsteig zu Bahnsteig
über die Schienen laufen.
Gruß
Jörg
> fuer alle aus, auch wenn der Wagen nun voll besetzt ist. Haette der
> Wagen planmaessig ein Bpmz (Grossraumwagen mit Sitzanordnung 2+2 pro
> Reihe, mit mehr Sitzplaetzen als ein Bvmz 185) sein sollen? Was wird
> in Augsburg geschehen? Fragen ueber Fragen.
>
> Nach einer Weile erscheint der Zugchef und bestaetigt meine Vermutung.
> Der Wagen war in Frankfurt kurzfristig ausgetauscht worden und haette
> eigentlich ein Grossraumwagen sein sollen. Wer auch immer dann die
> Reservierungszettel eingesteckt hat, hat sich um eine irgendwie
> durchschaubare Zuordnung zu den planmaessigen Platznummern offenbar
> nicht gekuemmert; auch das Zugpersonal war ueber den Wagentausch
> nicht informiert worden und hat das selbst erst unterwegs, nach
> Beschwerden von Reisenden und Rueckfrage in Frankfurt, herausgefunden.
Da könnte man doch hingehen und für alle reservierten und nicht
zuteilbaren Plätze eine automatische Sofortreservierung vornehmen, bei
zusammen gebuchten Plätzen natürlich für alle Zusammenbucher, notfalls
unter Nutzung der 1. Klasse.
>
> Der Zugchef schlaegt mir dann einen unreservierten und noch unbelegten
> Platz eine Sitzgruppe weiter vor, den ich auch einnehme. Die Verwirrung
> unter den Reisenden, die ihre reservierten Plaetze suchen und nicht
> finden, wird sich dann auch an jedem weiteren Zwischenhalt wiederholen
> und sorgt fuer allgemeinen Unmut.
Siehe oben. Wie machen das eigentlich die ungarischen Eisenbahnen, die
im Binnenverkehr den Zug der Reservierungspflicht unterwerfen. Läuft in
Hegyeshalom einer durch den Zug und schreibt auf, welche Plätze von
nicht reseviert habenden internationalen Reisenden bis wohin belegt sein
werden?
(EC Frankfurt - Debrecen)
> Interessant auch die, von der DB herausgegebenen, Faltblaetter "Ihr
> Reiseplan" (so der derzeit aktuelle Name): sie sind zweisprachig
> deutsch/ungarisch.
Die armen Amerikaner...
Gruß, ULF
--
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Ulf Kutzner
Backhaushohl 46
D-55128 Mainz
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Auch meine Rueckfahrt trete ich am fruehen Montagmorgen wieder unter dem
Zeichen akuten Schlafmangels an, so dass meine Beobachtungen durch
Schlafpausen bedingt lueckenhaft bleiben.
Ich lasse mich nach zwei Stunden Schlaf bei Stefan, meinem Gastgeber
fuer diese Nacht (zum Glueck wohnt er nur 10 Minuten zu Fuss vom
Westbahnhof entfernt) um 5.15 Uhr vom telefonischen Auftragsdienst
wecken. Der erste Anruf erreicht aber nur den Anrufbeantworter, beim
zweiten bin ich dann wach. Ich ziehe mich an und verlasse leise die
Wohnung. Der Morgen daemmert, aber noch ist es zum Fotografieren zu
dunkel.
EC 16 "Max Reinhardt" (Wien West--Muenchen)
ab 5.50 Wien Westbf
an 10.36 Muenchen Hbf
Mein Zug wird wieder von der bereits von der Hinfahrt bekannten
1044.290 (uebrigens die 1044 mit der hoechsten Ordnungsnummer)
befoerdert, er besteht aus OEBB-Wagenmaterial.
Mein "Sommer-Spezial"-Ticket-Platz befindet sich in einem druckdichten
OEBB-Abteilwagen der Eurofima-Nachfolgebauart. Alle Plaetze im Abteil
sind durch Reservierungszettel "Express-Reservierung, bitte fuer
Reisende mit Platzkarte freimachen" gekennzeichnet. Die anderen Plaetze
im Abteil sind bereits alle besetzt, mein Rucksack passt auch nur noch
mit Muehe ins Gepaecknetz.
Das Sommer-Spezial-Ticket vereinigt uebrigens Fahrkarte und
Platzreservierung tatsaechlich auf einem Formular und rechtfertigt damit
die Einfuehrung der seit etwa zwei Jahren bei der DB ueblichen
einheitlichen Vordrucke fuer Fahrkarten und Platzreservierungen.
Im Vorfeld des Westbahnhofs fallen mir einige oesterreichische Postwagen
augenscheinlich deutscher Bauart auf. Wahrscheinlich hat sich die
oesterreichische Post beim grossen Postwagen-Ausverkauf in Deutschland
bedient.
Die Westbahn fuehrt zunaechst einige Zeit durch den Wienerwald. In
St. Poelten rangiert eine 2048, eine ehemalige 211 der DB. Zwischen
St. Poelten und Linz bemerke ich mehrfach Ausbauarbeiten an der Strecke.
Die weitere Fahrt bis Wels verschlafe ich wieder weitgehend. Nach Wels
befahren wir dann mehrere offenbar neutrassierte Streckenabschnitte mit
laengeren Tunneln. Bald darauf fuehrt die Strecke wieder in die Vorberge
der Alpen hinein, wird kurvenreich und langsam, aber landschaftlich
reizvoll. Wir passieren einen groesseren See, den ich spaeter auf der
Landkarte als Wallersee identifiziere.
In Salzburg haben wir 10 Minuten Aufenthalt. Bei der Ausfahrt sehe ich
in den Kopfgleisen auf der "deutschen" Seite des Bahnhofs die
verkehrsrote 110 234.
In Freilassing sehe ich aus der Entfernung eine E 44.5. Ich kann aber
nicht erkennen, ob sie auf einem normalen Gleis steht oder als
Denkmallok aufgestellt ist.
Auf der Suche nach einem freien WC betrete ich den Nachbarwagen, einen
"modularen" OEBB-Reisezugwagen der neuesten Generation. Der Wagen laeuft
auffallend ruhig, aber nur eine Toilette fuer einen ganzen
Grossraumwagen finde ich ein bisschen wenig. Im WC will es mir dann
auch nicht gelingen, den Heissluft-Haendetrockner einzuschalten (ich
finde keinen Schalter) oder auszuloesen, so dass ich mir die Haende
an der Hose trockenwischen muss. Positiv vermerke ich dagegen den
eingebauten Baby-Wickeltisch.
Als ich gerade das Klo verlasse - es befindet sich am Ende des letzten
Wagens im Zug, so dass ich Streckensicht nach hinten habe - kreuzen
wir den EC 63 "Bartok Bela", den ich auf der Hinfahrt am Donnerstag
benutzt hatte, ich erkenne ihn am blau-weissen ungarischen Speisewagen.
Ab Grafing begutachte ich den Bauzustand der separaten S-Bahn-Gleise bis
Zorneding. Zunaechst ist das Planum erst auf einzelnen Abschnitten
fertiggestellt. Ab Eglharting liegen dann aber die neuen Gleise bereits
durchgehend, die Oberleitung wird gerade montiert.
Im Gleisvorfeld von Muenchen Hbf passieren wir den ICE-1-Triebzug 10
mit den Triebkoepfen 401 010 und 401 510, der mir durch seine neue
Lackierung mit dem Streifen in verkehrsrot statt orientrot und
pastellviolett auffaellt. Auch die Klassenziffern und Piktogramme an
den Mittelwagen sind anders ausgefuehrt, ausserdem ist der rote Streifen
an der Front der Triebkoepfe durch einen zusaetzlichen DB-Keks
unterbrochen. Spaeter wird mir dieser Triebzug in der Bahnhofshalle
als ICE 588 "Werdenfelser Land" (Muenchen--Wuerzburg--Hamburg-Altona)
wiederbegegnen, so dass ich Gelegenheit habe, ihn zu fotografieren.
In Muenchen verstaue ich mein Gepaeck im Schliessfach, kaufe mir eine
Tageskarte des MVV und begebe mich zunaechst mal mit der S-Bahn ins
Zentrum auf einen kleinen Stadtbummel. Spaeter will ich das Deutsche
Museum besuchen und will dazu mit der S-Bahn zum Isartor. Aus
Unaufmerksamkeit verpasse ich den Bahnhof jedoch und beschliesse
kurzerhand, zum Ostbahnhof weiterzufahren. Dort schaue ich erstmal eine
Weile den Zuegen zu, einige der S-Bahnen machen hier ja Kopf, und
einiges an Fernverkehr kommt hier auch durch. Mir faellt auf, dass in
Muenchen schon ein relativ grosser Anteil der 420er verkehrsrot
umlackiert ist, nach meinem Eindruck mehr als im Stuttgarter Netz.
Weiter drueben auf den Fernverkehrsgleisen sehe ich die
DB-Cargo-verkehrsrote 363 230 rangieren.
Nach einer Weile nehme ich die naechstbeste S-Bahn zurueck zum Bahnhof
Isartor. Auf dem Fussweg von dort zum Deutschen Museum gestehe ich mir
jedoch ein, dass ich - unausgeschlafen wie ich bin - weder die Lust noch
die noetige geistige Frische zu einem Museumsbesuch habe, und
beschliesse, lieber gleich nach Karlsruhe weiterzufahren. Ausserdem
koennte ich dann noch abends ins irc, um meine wohlbehaltene Heimkehr zu
melden... :-)
Ich entscheide mich dafuer, vom Isartor mit der Strassenbahn zum Bahnhof
zurueckzufahren, und kann nach kurzer Wartezeit in einem R-Wagen der
Linie 18 Platz nehmen. In einem Faltblaettchen ueber die
Staedteverbindungen Karlsruhe--Muenchen, das ich schon aus Karlsruhe
mitgebracht hatte, suche ich bereits die naechste Verbindung heraus -
mit ICE bis Stuttgart - und stelle beruhigt fest, dass mir noch genug
Zeit zum Fahrkartenkauf bleibt. Vorher verknipse ich um den Bahnhof
herum noch die letzten Bilder auf meinem Film mit Aufnahmen von
Strassenbahnen.
Spaeter am Bahnhof stellt sich die Zeit zum Fahrkartenkauf allerdings
keineswegs als zu ueppig heraus, zumal im Reisezentrum kein einziger
Express-Schalter geoeffnet hat. In der Bahnhofshalle sehe ich noch die
Frankfurter 110 101 (beige/ozeanblau) mit einem SE aus Donauwoerth.
ICE 996 "Friedrich List" (Muenchen--Stuttgart--Hannover)
ab 17.36 Muenchen Hbf
an 19.51 Stuttgart Hbf
Mein Zug wird gebildet von Triebzug 52, mit Triebkopf 401 052 voraus.
Ich laufe an ihm entlang weit nach vorn und schaffe es auf diese Art
auch, in einem nur wenig besetzten Wagen Platz zu nehmen. Beim naechsten
Halt in Muenchen-Pasing fuellt sich der Wagen dann allerdings doch noch
ziemlich, aber da habe ich meinen Platz laengst sicher.
Waehrend des Haltes in Pasing haelt auf einem benachbarten Gleis, in
Richtung Hauptbahnhof fahrend, ein Triebzug an, den ich aus dem
Augenwinkel zunaechst als noch einen ICE mit verkehrsrotem Streifen
identifiziere. Wie ich genauer hinschaue, um eventuell Fahrzeugnummern
zu notieren, erkenne ich aber, dass es sich um einen auf Probefahrt
befindlichen ICT der Baureihe 415 handelt, der mir hier zum ersten Mal
Begegnet. Die DB-Kekse fehlen noch, auch sind an den Mittelwagen die
Fahrzeugnummern aus Papier angeklebt. Ich notiere die Nummern 415 781
(einer der Mittelwagen) und 415 081 (ein Endwagen).
Zwischen Mering und Augsburg beobachte ich auf der linken Seite
Bauarbeiten fuer zusaetzliche Gleise, sie sind jedoch offenbar noch
nicht weit fortgeschritten. In Augsburg leert sich der ICE - oder
zumindest mein Wagen - schon wieder ziemlich, auf dem Weg nach Ulm doese
ich wieder fuer eine Weile ein.
In Ulm begegnet mir schon wieder der "Eurosprinter" 127 001, wie schon
auf der Hinfahrt; diesmal mit IC 615 "Drachenfels" (Muenster--Muenchen).
Der ICE leert sich noch weiter, niemand steigt mehr zu.
Zumindest solange ich wach bin, habe ich von meinem Sitzplatz aus beide
Bildschirme am WC-losen Wagenende im Blick. So sehr ich darauf lauere,
erscheint aber kein einziges Mal die sonst uebliche gelegentliche
Anzeige der Fahrtgeschwindigkeit.
In Plochingen begegnet uns die verkehrsrote 111 133, nach der Ankunft in
Stuttgart ausserdem die noch nagelneue 101 102 (Abnahmedatum 6.8.98).
IR 2994 (Dresden--Stuttgart--Karlsruhe)
ab 20.04 Stuttgart Hbf
an 20.46 Karlsruhe-Durlach
IR 2994 (Triebfahrzeug ab Stuttgart: 103 194, rot/beige) fuehrt sage und
schreibe drei Bm 235 mit, natuerlich mit klassischen Plumpsklos, obwohl
der Zug von Stuttgart bis zum Abzweig Bruchsal die Neubaustrecke
befaehrt. Die Fahrt ueber die NBS verlaeuft ohne erwaehnenswerte
Ereignisse - vielleicht abgesehen davon, dass eine ausgesprochen
huebsche Zub'in meine Fahrkarte kontrollieren kommt. :-)
Vor Bruchsal, bereits nach dem Einbiegen auf die Altstrecke aus
Heidelberg, fangen wir uns durch einen Halt vor rotem Signal auf freier
Strecke noch einige Minuten Verspaetung ein.
Beim Aussteigen in Durlach verpasse ich knapp eine S 5 in Richtung
Woerth - zu spaet bemerke ich, dass der Fahrer durchaus Umsteiger aus
dem IR abgewartet haette, aber ich habe den Weg durch die Unterfuehrung
gar nicht erst versucht. Stattdessen mache ich mich dann auf den auch
nur wenig laengeren Fussweg zur Auer Strasse, wo die Strassenbahnen aus
Richtung Durlach Turmberg verkehren.
Tram 1 (Durlach--Oberreut)
ab Auer Strasse (Zeit nicht notiert)
an Gottesauer Platz (Zeit nicht notiert)
Vom Gottesauer Platz habe ich nur noch wenige Minuten Fussweg nach
Hause. Ein - nicht nur bahnmaessig - ereignisreiches "langes Wochenende"
geht zu Ende.
>> Ich sitze in einem Grossraumwagen mit Vis-a-vis-Sitzanordnung in
>>2+1-Teilung, zwischen den Sitzgruppen ist ausserdem viel Platz fuer
>>Gepaeck (oder geneigte Rueckenlehnen). Offenbar befinde ich mich in
>>einem frueheren Wagen der 1. Klasse.
> Nein, das ist die Original 2. Klasse der 4010er.
Ich bin beeindruckt.
>>Wir kommen insGespraech, er ueberreicht mir den Prospekt einer Museumsbahn, bei der
>>er mitarbeitet (Taurachbahn, Mauterndorf--St. Andrae, in der westl. Steiermark)
> Wenn ich jetzt nicht irgendwas stark verwechsle ist das zwar eine
> ehemalige Steiermärkische Landesbahnstrecke, aber in Salzburg.
Kann auch sein, auf der Karte, auf der ich nachgeschaut hatte, waren die
Grenzen der Bundeslaender nicht eingezeichnet.
>>Mir faellt auf, dass die Halte durchweg mit zweisprachigen Ansagen in
>>Deutsch und Englisch angekuendigt werden.
> Ohne kabarettistische Einlagen ? "There is a restaurant car on the top
> of our train" oder "... in front of our train" geht beim 4010er ja
> schlecht, aber die Zugchefs haben sicher auch anderes auf Lager.
Mir war nichts aufgefallen, wenn auch die Aussprache nicht gerade
Oxford-reif war. Vielleicht haette ich besser aufpassen sollen? :-)
[Verkauf von 72-Stunden-Karten im Zug]
> Sei froh, im Zug verkaufen sie nämlich die teurere Wien-card (oder so
> ähnlich) mit der man auch bei einigen Touristenattraktionen ermäßigten
> Eintritt bekommt.
Ach so - allerdings haette ich das gemerkt, da ich aus dem Web schon den
Preis der von mir gewuenschten Karte kannte.
> In Bischofshofen wechseln wir die Fahrtrichtung, die Strecke Richtung
> Selzthal ist nun eingleisig, windet sich durch ein Seitental der
> Salzach und wird mit gemaessigtem Tempo befahren. Wie ich spaeter
> einer Karte entnehme, gewinnen wir auf den 24 Kilometern bis Radstadt
> rund 300 Meter an Hoehe. 12,5 Promill Steigung im Durchschnitt immerhin,
> ...
Der hoechste Punkt dieses Streckenabschnitts duerfte zwischen
Huettau und Niedernfritz-St.Martin liegen. Radstatt liegt schon
wieder deutlich niedriger.
> ... auch wenn sie mir waehrend der Fahrt nicht besonders auf-
> fallen.
Da halt einem Elektomotor fuer kuerzere Zeitabschnitte auch mal
eine hoehere Leistung abverlangt werden kann als auf Dauer. Die
Strecke wurde uebrigens Ende der 50er bzw. Anfang der 60er Jahre
elektrifiziert. Vorher, als die Schnellzuege in Richtung Selz-
thal zum Teil noch mit Dieseltriebwagen gefahren wurden, hast Du
die Steigung sehr wohl bemerkt. Die Zuege sind die Bergstrecke
nahezu im Schritttempo hinaufgefahren. (Fragen nach Bauart der
Zuege zwecklos, damals befand ich mich noch im zarten Knabenalter
und hab mich fuer andere Dinge interessiert. Ich erinnere mich
noch dass sie einen ansehnlichen Buckel ueber den Fuehrerstaenden
hatten, aus dem der Dieselqualm hervorgekommen ist.)
Weiters wird am Beispiel dieser Strecke deutlich, dass es in
Oesterreich kaum eine Strecke zwischen zwei Landeshauptstaedten
gibt, bei dem nicht ein Pass mit laengeren Steigungen zu ueber-
winden ist. (Ausnahme duerfte nur die Strecke Linz--Salzburg
sein. Den Korridorverkehr ueber Rosenheim ignorieren wir mal.)
Das stellt an die Eisenbahnfahrzeuge besondere Anforderungen. Sie
muessen einerseits bergstreckentauglich sein, andererseits muessen
sie auf den Talstrecken hohe Geschwindigkeiten fahren koennen,
sollen zeitraubende Lokomotivwechsel vermieden werden.
> Selzthal ist ein groesserer Bahnknotenpunkt. Wir haben 10 Minuten
> Aufenthalt, unser Zug wird um eine weitere 4010-Einheit verstaerkt
> ...
In Selzthal beginnt bzw. endet die Pyhrnbahn nach Linz. Vermutlich
duerfte die weitere "4010-Einheit" ein IC von Linz nach Graz ge-
wesen sein.
> Wir befinden uns nun auf der zweigleisigen, im Rechtsverkehr befahrenen
> Hauptstrecke aus Richtung Linz nach Bruck a. d. Mur (--Graz), und
> es geht merklich schneller voran als im Ennstal.
Die Strecke im Ennstal hat ihre engen Kurven, seit der Erbauungs-
zeit. Dagegen wird der Streckenabschnitt Richtung Bruck a.d. Mur
modernisiert und begradigt.
Der Links- und Rechtsverkehr ist in Oesterreich ein eigenes Kapi-
tel. Wien--Linz: Bis Amstetten Linksverkehr, danach Rechtsverkehr.
(Zumindest frueher.) Oder Kufstein--Innsbruck: Bis Woergl Rechts-,
anschliessend Linksverkehr. Im Gegensatz zu Amstetten bleiben in
Woergl auch die ICs stehen.
Servus
Thomas Kaeufl
> >Siehe oben. Wie machen das eigentlich die ungarischen Eisenbahnen, die
> >im Binnenverkehr den Zug der Reservierungspflicht unterwerfen. Läuft in
> >Hegyeshalom einer durch den Zug und schreibt auf, welche Plätze von
> >nicht reseviert habenden internationalen Reisenden bis wohin belegt sein
> >werden?
> >
> >(EC Frankfurt - Debrecen)
> >
> EC62/63 ist erst ab Györ reservierungspflichtig und gilt ab dort als
> IC, der Schaffner weis also wo man zugestiegen ist.
Zwischen Hegyeshalom und Györ ist er ja auch für Binnenverkehr gesperrt.
Ich wiederhoe trotzdem meine Frage von oben.
> elektrifiziert. Vorher, als die Schnellzuege in Richtung Selz-
> thal zum Teil noch mit Dieseltriebwagen gefahren wurden, hast Du
> die Steigung sehr wohl bemerkt. Die Zuege sind die Bergstrecke
> nahezu im Schritttempo hinaufgefahren.
Wie schnell fuhren eigentlich die Züge in Dieseltraktion östlich von
Bebra in der Steigung?
Sicherlich so:
Mit internationalem Fahrschein(CIV) , der in Ungarn ja deutlich teurer
als der Inlandsfahrschein ist, ohne Reservierung.
Bei Inlandstarif nur mit Reservierung.
Die Schaffner sehen also am Fahrschein , ob man eine Reservierung
braucht oder nicht.
Martin
> Zwischen Mering und Augsburg beobachte ich auf der linken Seite
> Bauarbeiten fuer zusaetzliche Gleise, sie sind jedoch offenbar noch
> nicht weit fortgeschritten.
So lange ist seit dem offiziellen ersten Spatenstich auch noch nicht
vergangen...
> In Augsburg leert sich der ICE - oder
> zumindest mein Wagen - schon wieder ziemlich,
Das ist ganz normal, zu dieser Tageszeit wird das Angebot des
DB Fernverkehrs in dieser Relation als Nahverkehr genutzt.
Jörg.
> > > >Siehe oben. Wie machen das eigentlich die ungarischen Eisenbahnen, die
> > > >im Binnenverkehr den Zug der Reservierungspflicht unterwerfen. Läuft in
> > > >Hegyeshalom einer durch den Zug und schreibt auf, welche Plätze von
> > > >nicht reseviert habenden internationalen Reisenden bis wohin belegt sein
> > > >werden?
> > > >
> > > >(EC Frankfurt - Debrecen)
> > > >
> > > EC62/63 ist erst ab Györ reservierungspflichtig und gilt ab dort als
> > > IC, der Schaffner weis also wo man zugestiegen ist.
> >
> > Zwischen Hegyeshalom und Györ ist er ja auch für Binnenverkehr gesperrt.
> > Ich wiederhoe trotzdem meine Frage von oben.
[...]
> Die Schaffner sehen also am Fahrschein , ob man eine Reservierung
> braucht oder nicht.
Schon recht, aber woher wissen sie, welche Plätze nunmehr für die
Binnenreservierung vergeben werden dürfen?
Der muß ja sehr klein gewesen sein.
> Spaeter will ich das Deutsche
> Museum besuchen und will dazu mit der S-Bahn zum Isartor. Aus
> Unaufmerksamkeit verpasse ich den Bahnhof jedoch
Vom Rosenheimer Platz zurück wäre es auch nicht weiter gewesen.
> DB-Cargo-verkehrsrote 363 230 rangieren.
So eine hat mich auch vor kurzem verblüfft. Laut Mercurio ist es eine
365 mit anderem Motor. Verändert der ihre Eigenschaften? 218 kriegen ja
auch nicht mit jeder neuen Motorbauart eine neue Nummer.
> Ich entscheide mich dafuer, vom Isartor mit der Strassenbahn zum
> Bahnhof zurueckzufahren,
Dieses Vorhaben wird übrigens dadurch behindert, daß die beiden sich
dort vereinigenden Linien ihre Haltestellen vor der Vereinigung haben.
> Spaeter am Bahnhof stellt sich die Zeit zum Fahrkartenkauf allerdings
> keineswegs als zu ueppig heraus, zumal im Reisezentrum kein einziger
> Express-Schalter geoeffnet hat.
Die sind vorwiegend in der Schalterhalle.
> In der Bahnhofshalle sehe ich noch die
> Frankfurter 110 101 (beige/ozeanblau) mit einem SE aus Donauwoerth.
Sind das nicht sonst Wende-Dostos? War ein Steuerwagen dahinter?
Michael Kauffmann
> Der muß ja sehr klein gewesen sein.
Nun ja, aber ich war auch nicht das erste Mal in Muenchen gewesen.
>> Ich entscheide mich dafuer, vom Isartor mit der Strassenbahn zum
>> Bahnhof zurueckzufahren,
> Dieses Vorhaben wird übrigens dadurch behindert, daß die beiden sich
> dort vereinigenden Linien ihre Haltestellen vor der Vereinigung haben.
Stimmt, ich hatte mich fuer eine der beiden entschieden, und das war
dann auch prompt die falsche.
>> In der Bahnhofshalle sehe ich noch die
>> Frankfurter 110 101 (beige/ozeanblau) mit einem SE aus Donauwoerth.
> Sind das nicht sonst Wende-Dostos? War ein Steuerwagen dahinter?
Steuerwagen weiss ich nicht, waere sowieso das andere Ende des Zuges
gewesen - *gruebel* ich bin mir jetzt nicht einmal mehr sicher, ob
doppel- oder einstoeckige Wagen an der Lok hingen.
Die Steuerwagen sind in Richtung Muenchen voraus, er waere also hinter
der Lok gewesen. Funktionsfaehig waere er mit einer 110 ja ohnehin
nicht.
> *gruebel* ich bin mir jetzt nicht einmal mehr sicher, ob
> doppel- oder einstoeckige Wagen an der Lok hingen.
Michael Kauffmann
>> > Sind das nicht sonst Wende-Dostos? War ein Steuerwagen dahinter?
>>
>> Steuerwagen weiss ich nicht, waere sowieso das andere Ende des Zuges
>> gewesen -
> Die Steuerwagen sind in Richtung Muenchen voraus, er waere also hinter
> der Lok gewesen. Funktionsfaehig waere er mit einer 110 ja ohnehin
> nicht.
Ich erinnere mich jedenfalls nicht, einen Steuerwagen wahrgenommen zu
haben. Waere er hinter der Lok mit Fuehrerstand zur Lok gekuppelt
gewesen, dann waere mir das aber aufgefallen, denke ich.
>> *gruebel* ich bin mir jetzt nicht einmal mehr sicher, ob
>> doppel- oder einstoeckige Wagen an der Lok hingen.
Also bei nochmaligem Nachdenken glaube ich, dass der Zug aus
einstoeckigen Gruenlingen bestand. Aber im Gegensatz zur Lok hatte ich
mir das nicht in mein Notizbuch geschrieben, und jetzt erinnere ich mich
wirklich nicht mehr deutlich - ich taperte an dem Tag halt ziemlich im
Halbschlaf umher. :-)
> Ich erinnere mich jedenfalls nicht, einen Steuerwagen wahrgenommen zu
> haben.
> Also bei nochmaligem Nachdenken glaube ich, dass der Zug aus
> einstoeckigen Gruenlingen bestand.
Gestern habe ich einen gesehen, der aus grünen Dostos ohne Steuerwagen
und mit 110 bestand.
Michael Kauffmann