So ist dieser kein Reisebericht im üblichen Sinne sondern mehr ein
Praxisbericht für Leute mit ähnlich wenig Erfahrung in diesen Dingen wie
ich. Es sei daher vorweggenommen, daß uns der IR 2314 gezogen von 103
126-9 gut nach Emden gebracht hat. Die kleine Verspätung, mit der der
Zug in Duisburg Hbf eintraf war bis Emden aufgeholt. Wegen der
Bauarbeiten an der Ruhrbrücke (bis zum 26.9.) ging die Fahrt anstatt
nach Oberhausen Hbf ohne Halt durch die Hauptbahnhöfe von Mülheim und
Essen, anschließend bog der Zug von der Bergisch-Märkischen Strecke ab
und erreichte über Kray-Nord und Gelsenkirchen-Rotthausen die übliche
Route bei Gelsenkirchen Hbf. In Lingen fiel der erste
Notfallmanager-Geländewagen mit Blaulicht auf (Kennzeichen aus
Frankfurt, F-DB xxxx).
Ungeduldiges Betätigen des Rufsignals ließ vermuten, daß es wichtige
Neuigkeiten für die Fahrgäste gab. Und richtig, nach einiger Zeit ging
das Zugpersonal in jedes Abteil und informierte darüber, daß die
Fährverbindung von Emden-Außenhafen nach Borkum mit dem Katamaran wegen
des Sturms nicht durchgeführt werden könne. Es würde eine herkömmliche
Ersatzfähre eingesetzt, dadurch würden für die Überfahrt statt 60
Minuten zwei Stunden benötigt.
Die nachfolgende Diskussion mit der besten Ehefrau von allen darüber, ob
man wegen der zu erwartenden Seekrankheit nicht lieber ein Hotel in
Emden aufsuchen solle hinderte mich daran, den Lokwechsel in Emden Hbf
zu beobachten. Als wir in Emden-Außenhafen schließlich zur Fähre gingen
war unsere Zuglok bereits abgekoppelt und ans andere Zugende unterwegs.
Unser IR war bereit in Emden mit neuen Zuglaufschildern und
Reservierungszetteln versehen und startete kurz darauf wieder Richtung
Karlsruhe. In Emden Hbf stiegen übrigens Mitarbeiterinnen der
Bahnhofsmission zu, die den Fahrgästen beim Halt in Emden-Außenhafen
beim Aussteigen behilflich waren.
Die Überfahrt verlief vollkommen reibungslos, das Küchenpersonal kam
kaum mit den Mittagessen-Bestellungen nach und zuckte auf die Nachfrage
meiner Angetrauten nach gewissen kleinen Papiertüten nur mit den
Schultern. Sowas würde man hier nicht benötigen (und so war es auch).
In Borkum Reede wartete das Inselbähnchen mit neuen Wagen der
Waggonfabrik Bautzen und Dieselbespannung und kutschierte uns das letzte
Stück. Bei einer Ausflugsfahrt an einem der nächsten Tage mit der frisch
restaurierten Dampflok wurde allerdings deutlich, daß es sich auch dabei
nur um eine Dieselbespannung handelt. Eine Dampflok mit LKW-Geruch,
schon sehr merkwürdig. Das netteste Eisenbahnereignis auf Borkum war die
Fahrt mit dem Wismarer Schienenbus. Der Tfzf beeindruckte die Fahrgäste
durch eine sportliche Einlage in Borkum-Reede: Während der Fahrt sprang
er aus dem Triebwagen, rannte voraus, um eine Weiche umzustellen, ließ
den Triebwagen passieren, stellte die Weiche zurück und erreichte dann
nach kurzem Sprint wieder die vordere Tür zwecks Zustieg... Weiteres
Personal war nicht im Zug oder an der Strecke. Das nenne ich
Rationalisierung!
Aber zurück zu den besonderen Vorbereitungen: Zunächst war da natürlich
die Frage nach dem richtigen Ticket. Ich erfuhr, daß die einfache Fahrt
Duisburg-Borkum 101,00 DM kosten würde. Unter Berücksichtigung des
Mitfahrer-Sparpreises ergibt sich daraus (101+101/2+101/4)*2= 353,50 DM
(unsere 2-jährige Tochter reist ja umsonst). Dem gegenüber bot sich der
Kauf einer Familien-Bahncard für 120,00 DM an. Das führte gegenüber dem
o.g. Mitfahrer-Sparpreis zu einer Ermäßigung von 101,00 DM, so daß wir
die BC(F) für nur 19,00 DM Aufpreis erhielten. Dazu waren noch je vier
Reservierungen für zusammen 24,00 DM zu rechnen. Gesagt, getan, die
Bahncard wurde vorab bestellt.
Beim Fahrscheinkauf merkte ich dann, daß ich diese Rechnung ohne den
Wirt in Gestalt der Borkumer Kleinbahn gemacht hatte, die auch die
Fährverbindung betreibt. Mitfahrer-Sparpreis und Bahncard lassen sich
nur auf die Strecke Duisburg Hbf - Emden=Außenhafen anwenden, so daß die
Rechnung für die DB-Fahrt beim Mitfahrer-Sparpreis (76+76/2+76/4)*2 =
266,00 DM ausmacht und der Einsatz der Bahncard nur noch 76,00 DM spart
(also 44,00 DM für die Familien-BC zusätzlich bezahlt, was sich
letztendlich auch rentiert). Trotzdem erhielt ich einen einzigen
Fahrschein von Duisburg Hbf nach Borkum (Nordseebad) und zurück, für
zwei Erwachsene mit Ermäßigung 50% BC(F). Nur an den verschiedenen
Mwst.-Beträgen waren überhaupt Rückschlüsse auf die Preise der einzelnen
Abschnitte zu ziehen. Zusätzlich gab es für den Sohn einen Fahrschein
von Duisburg Hbf nach Emden=Außenhafen u.z. und einen weiteren von
Emden=Außenhafen nach Borkum (Nordseebad) u.z., warum auch immer.
Größtes Problem bei einer solchen Familienfahrt ist das Gepäck. Als
Autofahrer ist man von einer gewissen Sorglosigkeit geprägt, bei der
Bahnreise muß alles geschleppt oder kostenträchtig befördert werden.
Eine Beschränkung schien also angebracht. Bei zwei kleinen Kindern sind
gewisse Reiseutensilien unentbehrlich, verschiedene Dinge müssen am
Zielort sofort zur Verfügung stehen. Daher beschlossen wir, einen Koffer
befördern zu lassen und einen weiteren selbst mitzunehmen. Aus den
beiden Angeboten Kuriergepäck und Postgepäck entschieden wir uns für die
zweite Variante, da sie preiswerter ist und das Kuriergepäck uns keine
Vorteile zu bieten schien. Eine Erkundigung im Vorfeld ergab jedoch, daß
das Angebot Postgepäck zu den Nordseeinseln nicht bestehen würde. Wie
sich später auf Borkum herausstellte, war diese eine Fehlinformation der
Deutschen Post AG.
Ohne weiter über Kuriergepäck nachzudenken, beschlossen wir, ein Paket
vorauszuschicken. Am Freitag gegen 15:30 Uhr begab ich mich zur
Hauptpost, um das Paket aufzugeben, mußte jedoch zur Kenntnis nehmen,
daß es schwerer als 20 kg sei und daher von der Post nicht befördert
würde (ging das nicht mal bis 30,5 kg?). Man könne sich auch keine
andere Versendungsart vorstellen. Auch ein Anruf beim Post-Infotelefon
aus der Telefonzelle der Hauptpost brachte keine andere Auskunft.
Da war guter Rat natürlich teuer. Alles aus und umpacken kam nicht in
Frage. Eine nächste Anfrage im Hauptbahnhof ergab, daß man das Paket als
Kuriergepäck verschicken könne, in den Vorschriften sei kein Passus zu
entdecken, wonach das Gepäck die Form eines Koffers haben müsse. Auch
das Gewicht über 20 kg sei kein Problem. Allerdings: Der Auftrag zur
Abholung könne erst für Montag angenommen werden (abgeben war nicht
möglich) und nach Borkum müsse ich damit rechnen, daß das Paket nicht
vor Donnerstag dort sei. Damit schied diese Variante aus, schließlich
würden wir schon Dienstag auf Borkum sein.
Also mit dem Paket wieder nach Hause und erneut ans Telefon. UPS: Das
ist alles kein Problem für uns. Wie groß ist das Paket? Nachdem ich das
Gewicht und die geschätzten Maße durchgegeben hatte wurde ein Tarif von
ca. 85,00 DM errechnet. Nach Erläuterung der geographischen Lage von
Borkum wurde mir auch bestätigt, daß das Paket im Laufe des Dienstags
dort sein könne. Was in dem Paket sei, wurde noch gefragt. Und dann
hörte ich zu meiner größten Überraschung, daß persönliche Dinge, wie
z.B. Bekleidung, nicht transportiert würden, da man Auseinandersetzungen
über die Wiederbeschaffungskosten vermeiden wolle. Offenbar landet bei
UPS jedes zweite Paket im Meer.
Nächster Versuch: PostExpreß. Ja, natürlich könne man das Paket
befördern, auch wenn die Hauptpost Duisburg und das Info-Telefon
gegenteiliges behaupten würden. Das Paket würde bis 19:30 Uhr bei uns
abgeholt, könne aber leider erst am Montag und nicht am Samstag
zugestellt werden (wg. Nordseeinsel). Preis 63,50 DM. Abgemacht, und 45
Minuten später stand der Postkurier auf dem Hof und übernahm das Paket.
Sicher wegen der doch recht hohen Kosten kein nachahmenswertes Beispiel
aber eine Lösung unseres Problems.
Das andere Gepäckstück, sieht man von den kleinen Rucksäcken als
Handgepäck ab, war sicher auch schwerer als 20 kg, so kam es mir
jedenfalls vor. Besonders bequem war es nicht, den Koffer in Duisburg
zum Zug zu schleppen und in Emden zur Fähre. So gab ich ihn in Emden bei
der Inselbahn auf, mit der Option, ihn im Hotel zuzustellen. Das
Vergnügen kostete nochmals ca. 15 DM. Insgesamt kamen wir also auf 80,00
DM. Mit "Kuriergepäck" hätten wir für den ersten Koffer 40,00 DM
bezahlt, das zweite Gepäckstück soll preisgünstiger sein.
Bei der Rückfahrt beglückten wir die Post mit zwei postgerechten Paketen
für zusammen 33,00 DM und nahmen den erleichterten Koffer in die Hand.
So verlief die Heimreise im wahrsten Sinne des Wortes fast unbeschwert.
Der RE 2311 wartete schon in Emden-Außenhafen, als wir eintrafen. Die
IR-Garnitur schien einige Reisende zu verunsichern, immerhin wurde ich
gefragt, ob "das die Bimmelbahn nach Emden" sei. Man wolle dort Richtung
Hannover umsteigen. Wenn ich es richtig gesehen habe, hat 211 015 vom Bh
Osnabrück den Zug nach Emden gebracht. Dort wurde er auch um zwei Bm.235
im IC-Lack ergänzt, da etliche Abteile von Schulklassen reserviert
waren. Wir fanden im 22-90110 ein Abteil für uns alleine. Die Kinder
zogen die Sitze aus und tobten darauf herum, so war das Reisen für sie
angenehmer als im IR-designten Wagen. 103 227-5 brachte den Zug von
Emden Hbf bis Duisburg (und vmtl. weiter nach Karlsruhe).
Ein Wort noch zur An- und Abreise zum Duisburger Hbf. Da die nächste
ÖPNV-Haltestelle in 30-Minuten-Fußweg-Entfernung zu unserer Wohnung
liegt konnten wir uns glücklich schätzen, von einem Freund in unserem
Auto zum Bahnhof gefahren zu werden, verbunden mit dem Vorteil für die
Kinder die passenden Kindersitze dabeizuhaben. Die Rückfahrt geschah mit
dem Taxi, tatsächlich fand sich eines mit zwei Kindersitzen.
Unter'm Strich bleibt festzuhalten, daß die Familienurlaubsfahrt mit der
Bahn durchaus praktikabel ist, besonders wenn Autofahren am Zielort
verboten ist und daher die mangelnde Beweglichkeit vor Ort nicht negativ
ins Gewicht fällt oder durch ein geeignetes ÖPNV-Angebot kompensiert
wird. Bei entsprechender Planung läßt sich auch der Gepäcktransport
weniger kostenintensiv in den Griff bekommen.
Gruß,
Klaus-Dieter Gogoll
> wird. Bei entsprechender Planung läßt sich auch der Gepäcktransport
> weniger kostenintensiv in den Griff bekommen.
Tja ... einige Kunden der DB bzw. der Firma Hermes, die den Transport
des Gepäcks durchführt, haben bis zu 12 Stunden auf den Kurier warten
müssen. Da ist man mit dem PKW selbst bei angeblich urlaubstypischem
Stau schneller am Ziel als die Bahn allein für das Abholen bzw.
Zustellen des Gepäcks braucht :-(
Da muß die Bahn noch "etwas" dran arbeiten, auch wenn sie selbst der
Meinung ist, das sei so in Ordnung. Klar, Geschäftsreisende auf dem
Weg zu einer Konferenz bekommen das Aktenköfferchen bequem unter.
Sven
Das ist uebrigens unnoetig; man kann eine "vorlaeufige Bahncard" (die
natuerlich nicht als Kreditkarte verwendet werden kann, aber bahnmaessig
keinen Unterschied macht) sofort fuer 120 DM am Schalter bekommen.
: das Angebot Postgepäck zu den Nordseeinseln nicht bestehen würde. Wie
: sich später auf Borkum herausstellte, war diese eine Fehlinformation der
: Deutschen Post AG.
Am Sinn des Angebots Postgepaeck zweifle ich seit langem. Es kostet
AFAIK genausoviel wie das teuerste normale Paket (18-20 kg), wird genauso
behandelt (Abgabe bei der Post, Zustellung oder Abholung am Ziel),
braucht genauso lange - der einzige Unterschied ist, dass Pakete unter 18
kg preisguenstiger sind (und dass man nicht noch zum Bahnhof muss, um
eine Postgepaeck-Karte zu kaufen).
: daß es schwerer als 20 kg sei und daher von der Post nicht befördert
: würde (ging das nicht mal bis 30,5 kg?).
Muss lange her sein. Seit ich Posttarife verfolge, und das tue ich seit
ca. 13-14 Jahren, war die Obergrenze 20 kg.
--
Martin Bienwald <obe...@fim.informatik.uni-mannheim.de>
Jörg.
> Unter'm Strich bleibt festzuhalten, daß die Familienurlaubsfahrt mit
> der Bahn durchaus praktikabel ist, besonders wenn Autofahren am Zielort
> verboten ist und daher die mangelnde Beweglichkeit vor Ort nicht
> negativ ins Gewicht fällt oder durch ein geeignetes ÖPNV-Angebot
> kompensiert wird. Bei entsprechender Planung läßt sich auch der
> Gepäcktransport weniger kostenintensiv in den Griff bekommen.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir das damals immer gemacht haben - mit
der Sackkarre zwei grosse Koffer zum Bahnhof um die Ecke gezogen. Diese konnten
wir dann am Bahnhof aufgeben und eigentlich machten wir auch immer die
Erfahrung, dass sie vor uns am Zielbahnhof waren. Allerdings konnte man damals
auch noch am Bahnhof um die Ecke das Gepaeck aufgeben.
An mangelnde Beweglichkeit am Urlaubsort kann ich mich nicht erinnern. Ganz im
Gegenteil - auch auf dem friesischen Festland gibt es einen Fahrradverleiher
neben dem anderen. Irgendwie sind mir kilometerlange Fahrradtouren bei
Gegenwind und leichtem Spruehregen (dort herrscht immer Gegenwind!!!) noch
bestens im Gedaechtnis.
-JJ
RE steht fuer ReiseEppler!