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\onehalfspacing ungleich \begin{spacing}{1.5} ???

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Gero Winkelmann

unread,
Apr 29, 1999, 3:00:00 AM4/29/99
to
Hallo,

ich bin gezwungen meine Diplomarbeit mit eineinhalbzeiligen Zeilenabstand in
12pt zu schreiben. Damit es bei mehrzeiligen Fußnoten nicht komisch aussieht
(unterschiedliche Abstände bei Zeilenumbrüchen innerhalb der Fußnoten und
zwischen verschiedenen Fußnoten) benutze ich das Paket Setspace. Da gibts ja
nun 2 Alternativen:

1. \onehalfspacing diese Option habe ich bisher immer benutzt
2. \begin{spacing}{1.5} das habe ich nur mal so ausprobiert (wollte
eigentlich ein bißchen schummeln und auf 1.6 gehen ;-)

Die Zeilenabstände sind aber alles andere als identisch. Im 2. Fall sind sie
wesentlich größer und ich habe gemerkt, daß bei anderen Diplomarbeiten
(meist mit Word und nie mit TeX) der Zeilenabstand immer größer als bei
Alternative 1. ist.

Kann mir jemand erklären, wie das kommt (glaub kaum, das \onehalfspacing
sich auf 10pt bezieht, oder?) und wie bei 12pt ein typographisch richtiger,
eineinhalbzeiliger Abstand hinzukriegen ist?

Für jeden erhellenden Hinweis dankbar

Gero Winkelmann
win...@stud.uni-hannover.de

Thomas Pothmann

unread,
Apr 29, 1999, 3:00:00 AM4/29/99
to
"Gero Winkelmann" <win...@stud.uni-hannover.de> wrote in de.comp.text.tex:

> ich bin gezwungen meine Diplomarbeit mit eineinhalbzeiligen
> Zeilenabstand in 12pt zu schreiben.

Tsae, diese Unsitte ist scheinbar nicht tot zu kriegen ...

> 1. \onehalfspacing diese Option habe ich bisher immer benutzt
> 2. \begin{spacing}{1.5} das habe ich nur mal so ausprobiert (wollte

> Die Zeilenabstände sind aber alles andere als identisch.

Ja, weil es zwei verschiedene Paar Stiefel sind.

\onhalfspacing setzt den Zeilenabstand auf 18 pt (12 x 1,5 = 18)

{spacing}{1.5} erhoeht \baselineskip um den Faktor 1,5 - der ist fuer
12pt Schrift per default schon mit 14.5 pt definiert - ergo hast du
hier dann 21.75 pt Zeilenabstand (wenn ich mich nicht irre).

> Kann mir jemand erklären, wie das kommt (glaub kaum, das
> \onehalfspacing sich auf 10pt bezieht, oder?) und wie bei 12pt ein
> typographisch richtiger, eineinhalbzeiliger Abstand hinzukriegen
> ist?

Nein, \onehalfspacing redefiniert \baselineskip so, dass bei 12 pt
Schrift 18 pt Zeilenabstand hinten 'raus kommt (s.o.)

Ansonsten: Es gibt keinen typographisch richtigen eineinhalbzeiligen
Zeilenabstand! Typographische Regeln basieren auf Funktionalitaet -
will heissen: sie dienen der guten Lesbarkeit eines Textes. Fuer gute
Lesbarkeit hat sich bei Brotsatz die Faustregel _Zeilenabstand gleich
120 Prozent der Schriftgroesse_ bewaehrt; bei 12 pt ergibt das einen
Zeilenabstand von 14.4 pt. Alles Chlor?

Dein Prof/Betreuer hat offenbar noch nicht mitgekriegt, dass die
Schreibmaschinen-Aera so langsam zu Ende ist. Hier hat
eineinhalb-zeiliger Satz tatsaechlich Sinn gemacht, da er besser
lesbar war als _einzeiliger_. Letzteres hat man hier (kombiniert mit
Einzug rechts u. links) fuer sog. Lang-Zitate verwendet, um diese auch
_optisch_ als gesonderte Text-Bloecke hervorzuheben.

Die ollen Kamellen unreflektiert auf Computer-Satz-Systeme zu
uebernehmen, ist ziemlich daneben. Du solltest dem Prof/Betreuer die
Lektuere eines Typographie-Buches nahelegen ... ;-))

Bye,

--
Thomas Pothmann
Essen, Germany
e-Mail: sl0...@aixrs1.hrz.uni-essen.de
PGP key on demand

Gero Winkelmann

unread,
Apr 30, 1999, 3:00:00 AM4/30/99
to
Hi,

Thomas Pothmann <sl0...@aixrs1.hrz.uni-essen.de> schrieb in im Newsbeitrag:
/uGK38Q0+...@aixrs1.hrz.uni-essen.de...

> > ich bin gezwungen meine Diplomarbeit mit eineinhalbzeiligen
> > Zeilenabstand in 12pt zu schreiben.
>
> Tsae, diese Unsitte ist scheinbar nicht tot zu kriegen ...

Ganz im Gegenteil! Bei uns WiWis scheint sich das als Standard
herauszupellen. Alle Haus-, Diplom- und Doktorarbeiten _müssen_ so verfaßt
werden. Ich finds auch furchtbar.

>
> \onhalfspacing setzt den Zeilenabstand auf 18 pt (12 x 1,5 = 18)
>
> {spacing}{1.5} erhoeht \baselineskip um den Faktor 1,5 - der ist fuer
> 12pt Schrift per default schon mit 14.5 pt definiert - ergo hast du
> hier dann 21.75 pt Zeilenabstand (wenn ich mich nicht irre).
>

ah ja, jetzt wird mir einiges klar.

> Ansonsten: Es gibt keinen typographisch richtigen eineinhalbzeiligen

> Zeilenabstand... [Rest gesnippt]

Das finde ich nun wieder seltsam. Wenn es schon eineinhalbzeilig heißt, dann
sollte man doch meinen, daß damit das eineinhalbfache der
(Schrift-)Zeilenhöhe gemeint ist.

> Dein Prof/Betreuer hat offenbar noch nicht mitgekriegt, dass die
> Schreibmaschinen-Aera so langsam zu Ende ist. Hier hat
> eineinhalb-zeiliger Satz tatsaechlich Sinn gemacht, da er besser
> lesbar war als _einzeiliger_. Letzteres hat man hier (kombiniert mit
> Einzug rechts u. links) fuer sog. Lang-Zitate verwendet, um diese auch
> _optisch_ als gesonderte Text-Bloecke hervorzuheben.

Abgesehen, daß auch die jüngeren Assis das unreflektiert übernehmen, ist
mein Prof. tatsächlich ein Jahr vor seinem Emeritat, den krieg ich da nicht
mehr hin.

> Die ollen Kamellen unreflektiert auf Computer-Satz-Systeme zu
> uebernehmen, ist ziemlich daneben. Du solltest dem Prof/Betreuer die
> Lektuere eines Typographie-Buches nahelegen ... ;-))

Da hab ich was für Sie...
[Theisen,M.R., Wissenschaftliches Arbeiten, Vahlen, 9.Aufl., S.156f]
(Nachdem er vorher schon für 12pt plädiert hat)
Bei Verwendung einem (sic!) proportionalen Schrifttyp und _eineinhalbfachen_
Zeilenabstand entspricht ...
und weiter
... bei der Verwendung eines PC-Druckers sind ggf. größere Zeilenabstände
und/oder Schrifttypen zu wählen.

was soll man denn dazu sagen?

Auf jeden Fall danke ich Dir erstmal für die Infos, werde mein Glück
versuchen.

Tschoe
Gero
win...@stud.uni-hannover.de

Thomas Pothmann

unread,
Apr 30, 1999, 3:00:00 AM4/30/99
to
"Gero Winkelmann" <win...@stud.uni-hannover.de> wrote in de.comp.text.tex:

>> Tsae, diese Unsitte ist scheinbar nicht tot zu kriegen ...

> Ganz im Gegenteil! Bei uns WiWis scheint sich das als Standard
> herauszupellen. Alle Haus-, Diplom- und Doktorarbeiten _müssen_ so
> verfaßt werden.

Tja, manche scheinen Borniertheit fuer eine Tugend zu halten ... ;-)

>> Ansonsten: Es gibt keinen typographisch richtigen eineinhalbzeiligen
>> Zeilenabstand... [Rest gesnippt]

> Das finde ich nun wieder seltsam. Wenn es schon eineinhalbzeilig
> heißt, dann sollte man doch meinen, daß damit das eineinhalbfache
> der (Schrift-)Zeilenhöhe gemeint ist.

Richtig, aber das ist eher eine 'rein rechnerische Groesse - wenn du
12 pt Schrift auf 18 pt setzt, dann geht das auf Kosten guter
Lesbarkeit - unter typographischen Gesichtspunkten gesehen ist das
also falsch.

>> Dein Prof/Betreuer hat offenbar noch nicht mitgekriegt, dass die
>> Schreibmaschinen-Aera so langsam zu Ende ist.

> Abgesehen, daß auch die jüngeren Assis das unreflektiert


> übernehmen, ist mein Prof. tatsächlich ein Jahr vor seinem
> Emeritat, den krieg ich da nicht mehr hin.

Na dann ... ;-)

>> Du solltest dem Prof/Betreuer die
>> Lektuere eines Typographie-Buches nahelegen ... ;-))

> Da hab ich was für Sie... [Theisen,M.R., Wissenschaftliches
> Arbeiten, Vahlen, 9.Aufl., S.156f]

Kenne ich nicht; von wann ist denn dieses Buch?

> was soll man denn dazu sagen?

Mhhm, vielleicht wenigstens einen Versuch wagen, auf die
Ungereimtheit solcher Kochbuch-Regeln hinzuweisen.

> Auf jeden Fall danke ich Dir erstmal für die Infos, werde mein
> Glück versuchen.

Wenn du an dieser Kruecke schon nicht vorbei kommst, bist du IMHO mit
dem globalen Kommando \onehalfspacing noch am besten beraten, das das
wenigstens eine gewisse Konsistenz (z.B. Fussnotensatz) des Dokumentes
sicherstellt.

Gero Winkelmann

unread,
Apr 30, 1999, 3:00:00 AM4/30/99
to
Hi,

> > Da hab ich was für Sie... [Theisen,M.R., Wissenschaftliches
> > Arbeiten, Vahlen, 9.Aufl., S.156f]
>
> Kenne ich nicht; von wann ist denn dieses Buch?
>

Auszug:

Univ-Prof. Dr. iur. Dr. rer. pol Manuel Rene Theisen
Ludwig-Maximilians-Universität München
the...@bwl.uni-muenchen.de

Wissenschaftliches Arbeiten: Technik - Methodik - Form, 9. Auflage
München: Vahlen, 1998

scheint sich hier in Hannover bei den Wiwis als "Bibel" zu etablieren :-(

solong
gero

Peter Fettke

unread,
Apr 30, 1999, 3:00:00 AM4/30/99
to
Thomas Pothmann <sl0...@aixrs1.hrz.uni-essen.de> wrote:

>>> Du solltest dem Prof/Betreuer die Lektuere eines
>>> Typographie-Buches nahelegen ... ;-))

>> Da hab ich was für Sie... [Theisen,M.R., Wissenschaftliches
>> Arbeiten, Vahlen, 9.Aufl., S.156f]

> Kenne ich nicht; von wann ist denn dieses Buch?

Der Theisen erklärt auch nicht gute Typographie, sondern beschreibt
"Technik, Methodik und Form des wissenschaftlichen
Arbeitens". Insofern ist es sowieso schon nicht die richtige
Anlaufstelle bei rein typographischen Fragen.

pf

Gero Winkelmann

unread,
Apr 30, 1999, 3:00:00 AM4/30/99
to

Peter Fettke <fet...@uni-muenster.de> schrieb in im Newsbeitrag:
56bcg7...@popper.fettke.de...

> Der Theisen erklärt auch nicht gute Typographie, sondern beschreibt
> "Technik, Methodik und Form des wissenschaftlichen
> Arbeitens". Insofern ist es sowieso schon nicht die richtige
> Anlaufstelle bei rein typographischen Fragen.

Hi Peter,

bei der Diskussion über Theisen ging es ja auch nicht mehr um die Frage, wie
groß denn nun eineinhalbzeilig sein soll, sondern darum, ob es Sinn macht,
in wissenschaftlichen Arbeiten, was die Form betrifft, in irgendwelche
Dogmen zu verfallen. Denn dadurch wird meiner Meinung nach der subjektive
Wert solcher Errungenschaften wie TeX beachtlich herabgesetzt.

Stelle ich in Word den Zeilenabstand auf eineinhalbzeilig, habe ich
automatisch (?) einen, im Vergleich zum obigen Ergebnis der Diskussion,
größeren Zeilenabstand. In meinem Bereich schreiben ca. 90% aller Leute mit
einem vergleichbaren System. Wird das durch die Macht der Gewohnheit und
Arbeitsanleitungen (z.B. Theisen) zum Quasistandard erhoben, stehe ich als
TeX-User dumm da, weil ich nun die typographisch sehr viel eher korrekten
(denk ich zumindest) Vorgaben von TeX eben dieser Masse anpassen muß und das
zu - prinzipiell nicht notwendigen, abgesehen davon, daß ich dabei was
gelernt habe - Diskussionen dieser Art führt.

Aber Du hast völlig recht, für typographische Fragen ist man da an der
falschen Stelle. Allerdings sagt er das nicht.

tschö
gero
win...@stud.uni-hannover.de

PS: Bin mir nicht sicher, ob das hier langsam OT wird. Falls ja, sorry und
EOT, wobei ich das schon interessant finde.

Dennis Alexis Valin Dittrich

unread,
May 1, 1999, 3:00:00 AM5/1/99
to

Salut Gero!

In article <7gbnp1$j9g$1...@newsserver.rrzn.uni-hannover.de>, "Gero Winkelmann"
<win...@stud.uni-hannover.de> wrote:

>> > Zeilenabstand in 12pt zu schreiben.

>> Tsae, diese Unsitte ist scheinbar nicht tot zu kriegen ...

GW> Ganz im Gegenteil! Bei uns WiWis scheint sich das als Standard
GW> herauszupellen. Alle Haus-, Diplom- und Doktorarbeiten _müssen_ so
GW> verfaßt werden. Ich finds auch furchtbar.

Meine letzte Arbeit habe ich nur noch als PDF abgegeben (per Email).
Allerdings wird das bei mir (HUB) sehr uneinheitlich gehandhabt. Dem einen
reichen PDFs, der andere will zweifache Ausrucke mit den bekannten
typographischen Katastrophenanforderungen.

Dennis
--
economist, freelance journalist Phone: +49-177-2577294
postal address: Ahornweg 27; 16356 Werneuchen, Germany FAX: +49-33398-86930

Markus Kohm

unread,
May 1, 1999, 3:00:00 AM5/1/99
to
>Univ-Prof. Dr. iur. Dr. rer. pol Manuel Rene Theisen

Der wäre mal besser bei seinem Fachgebiet geblieben ...
In gewisser Weise hat er natürlich nicht ganz unrecht. Er nimmt sich einen
Text, der mit Standardeinstellungen von Word allenfalls mit aktivierter
AUTO-Format-Funktion geschrieben wurde. Er ist so gut zu erkennen, daß das
Ergebnis einfach grauenvoll ist. Er beginnt herumzuspielen, um
herauszufinden, wie das Ergebnis mit Word besser wird. Er kommt zu
"Regeln", die teilweise dem entsprechen, was der Duden für das
Maschinenschreiben (das ist nicht mit Schriftsatz zu verwechseln)
vorschlägt, teilweise seiner Phantasie entspringt. Als Prof. meint er, er
müsse seine Erkenntnisse als Weisheiten verbreiten.

Daß es jenseits von Word und sogar mit Word bessere Lösungen gibt,
entzieht sich ihm und leider den meisten Lesern seiner Ergüsse.

Ich kann dazu nur einen Tip aus meiner Erfahrung geben: Ordentlich mit
LaTeX setzen, ohne die Vorgaben streng umzusetzen. Das Ergebnis (muß nicht
gleich die ganze Arbeit sein, kann sogar ein ganz anderer Text sein), dem
Betreuer vorlegen und fragen: "Müssen die Richtlinien wörtlich genommen
werden oder sind das nur Hinweise für Leute, die nicht viel mehr als
Schreibmaschine können, und darf das Ergebnis auch so aussehen."
In vielen Fällen wird die Antwort wie damals bei mir lauten: "Sieht doch
toll aus; klar. Wie haben Sie das gemacht?"

Gruß
Markus

David Haller

unread,
May 4, 1999, 3:00:00 AM5/4/99
to
Hallo Markus, Hallo Alle!

Markus Kohm schrieb in Nachricht <199905011...@hd.maus.de>...


>Ich kann dazu nur einen Tip aus meiner Erfahrung geben: Ordentlich mit
>LaTeX setzen, ohne die Vorgaben streng umzusetzen. Das Ergebnis (muß
nicht
>gleich die ganze Arbeit sein, kann sogar ein ganz anderer Text sein),
dem
>Betreuer vorlegen und fragen: "Müssen die Richtlinien wörtlich genommen
>werden oder sind das nur Hinweise für Leute, die nicht viel mehr als
>Schreibmaschine können, und darf das Ergebnis auch so aussehen."
>In vielen Fällen wird die Antwort wie damals bei mir lauten: "Sieht
doch
>toll aus; klar. Wie haben Sie das gemacht?"

Hihi... Kommt mir bekannt vor... ;)

Und auch wenn _mir_ persoenlich die Koma-Klassen zuviel Papier
verwenden, und fuer meine Zwecke nicht immer angebracht sind, sind sie
typographisch doch ziemlich gut. :)

IMHO ist gegen eine gut les- und gut korrigierbare Arbeit, d.h. mit
mind. 1 1/2-zeiligen Abstaenden und/oder einem breiten Rand, nichts
einzuwenden.

CU
David

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