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Zeile zu lang

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Christoph Stracke

unread,
Sep 30, 2001, 6:10:30 PM9/30/01
to
Nochmal Hallo an alle,

ich habe ein paar überhängende Zeilen, deren letzte Wörter leider nicht
trennbar sind. Meines Wissens gab es doch irgendeinen Befehl, der dafür
sorgt, daß TeX eine kleine Prioritätsverschiebung vom korrekten Wortabstand
zu sauberen Zeilenlängen vornimmt (also das letzte Wort mit umbricht und
dafür die Zeile etwas spreizt)? Leider fällt es mir nicht ein und ich habe
in der FAQ nichts dazu gefunden. Ich möchte nämlich lieber die Zeile ein
bißchen löchrig haben, als daß sie hinten zu weit raushängt...
Wäre nett, wenn mir jemand auf die Sprünge helfen könnte :-)

Vielen Dank,

Christoph

--
--
Christoph Stracke, Breul 29, D-48143 Münster, Fernsprecher +49 251 519936
* The study of non-linear physics is like the study of non-elephant-biology. *
* (Spruch eines unbekannten Weisen) *

Heiko Oberdiek

unread,
Oct 1, 2001, 2:00:20 AM10/1/01
to
On 30 Sep 2001 22:10:30 GMT, Christoph Stracke
<to...@hottemax.uni-muenster.de> wrote:

> ich habe ein paar überhängende Zeilen, deren letzte Wörter leider nicht
> trennbar sind. Meines Wissens gab es doch irgendeinen Befehl, der dafür
> sorgt, daß TeX eine kleine Prioritätsverschiebung vom korrekten Wortabstand
> zu sauberen Zeilenlängen vornimmt (also das letzte Wort mit umbricht und
> dafür die Zeile etwas spreizt)?

Vielleicht ist \emergencystretch das von dir Gesuchte?

Viele Gruesse
Heiko <ober...@uni-freiburg.de>

Markus Kohm

unread,
Oct 1, 2001, 3:52:59 AM10/1/01
to
Christoph Stracke wrote:

> Ich möchte nämlich lieber die Zeile ein
> bißchen löchrig haben, als daß sie hinten zu weit raushängt...

Na, im allgemeinen ändert man dann einfach den Text ein bisschen. Das
haben die Setzer schon vor zweihundert Jahren so gemacht.

Ansonsten: sloppypar-Umgebung ist vermutlich das, was du suchst, wobei
ich vor einiger Zeit etwas gepostet habe, was nicht ganz so brutal ist.
Ich habe es leider nicht mehr. Du müsstest also ggf. danach suchen.

Gruß
Markus
--
KOMA-Script documentation project at http://www.socha.net/scrguide

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Christian Justen

unread,
Oct 1, 2001, 2:58:08 PM10/1/01
to
Juergen Fenn schrieb:
>
>
> Wie kommt es, daß das Problem mit überhängenden Zeilen bei LaTeX immer
> wieder auftritt? Es paßt nicht zu dem Anspruch an Ästhetik und optischer
> Perfektion, der mit LaTeX einhergeht.

Das kommt vielleicht daher, daß (La)TeX als eines der wenigen Programme
sich darum bemüht, die Zeilen so zu umbrechen, daß das Ergebnis halbwegs
den Anforderungen guter Typographie entspricht. Natürlich kann bei Word,
StarWriter, WordPerfect ... sowas nicht allzu oft passieren, aber die
Ergebnisse sehen dann ja auch entsprechend aus!

Du darfst nicht von LaTeX erwarten, daß es Wunder vollbringt. Wenn LaTeX
einen Absatz nicht optimal umbrechen kann, ist das kein "Problem" von
LaTeX; es sei denn, Du gehst davon aus, daß eine moderne
Textverarbeitung in der Lage sein muß, einen Text bei Bedarf
umzuformulieren ...

Wenn Du das "Problem" ein für allemal umgehen willst, kannst Du
natürlich auch \sloppy in die Präambel setzen, nur bekommst Du dann ganz
andere Probleme -- wobei natürlich gesagt werden muß, daß auch mit
\sloppy gesetzte LaTeX-Dokumente das übliche WYSIWYG-Zeugs um Längen
überragt.

Gruß, Christian.

David Kastrup

unread,
Oct 1, 2001, 3:03:46 PM10/1/01
to
>>>>> "Christoph" == Christoph Stracke <to...@hottemax.uni-muenster.de> writes:

Christoph> Nochmal Hallo an alle, ich habe ein paar überhängende
Christoph> Zeilen, deren letzte Wörter leider nicht trennbar
Christoph> sind. Meines Wissens gab es doch irgendeinen Befehl,
Christoph> der dafür sorgt, daß TeX eine kleine
Christoph> Prioritätsverschiebung vom korrekten Wortabstand zu
Christoph> sauberen Zeilenlängen vornimmt (also das letzte Wort
Christoph> mit umbricht und dafür die Zeile etwas spreizt)? Leider
Christoph> fällt es mir nicht ein und ich habe in der FAQ nichts
Christoph> dazu gefunden. Ich möchte nämlich lieber die Zeile ein
Christoph> bißchen löchrig haben, als daß sie hinten zu weit
Christoph> raushängt... Wäre nett, wenn mir jemand auf die
Christoph> Sprünge helfen könnte :-)

Blöde Frage: Du hast \usepackage[T1]{fontenc} samt
\usepackage{german} oder \usepackage[german]{babel} aktiv?


--
David Kastrup, Kriemhildstr. 15, 44793 Bochum
Email: David....@t-online.de

Message has been deleted

Andreas Matthias

unread,
Oct 1, 2001, 6:13:40 PM10/1/01
to
Juergen Fenn <fe...@stud.uni-frankfurt.de> writes:

> Christian Justen schrieb:


>
> > Du darfst nicht von LaTeX erwarten, daß es Wunder vollbringt. Wenn LaTeX
> > einen Absatz nicht optimal umbrechen kann, ist das kein "Problem" von
> > LaTeX; es sei denn, Du gehst davon aus, daß eine moderne
> > Textverarbeitung in der Lage sein muß, einen Text bei Bedarf
> > umzuformulieren ...
>

> Das kannst Du nicht ernst gemeint haben, oder?
>
> Stelle Dir, bitte, einmal vor, der Suhrkamp-Verlag wollte mit einer
> Software wie LaTeX z. B. ein Buch von Max Frisch setzen, und es käme zu
> einer überhängenden Zeile. Denen würdest Du doch auch nicht empfehlen,
> sie sollten halt den Text von Frisch ändern, damit es wieder richtig
> paßt? Der Fehler liege bei Frischs Text, nicht bei der Software?

Das ist einer der wirklich wenigen Faelle, in denen du auf sloppypar
zurueckgreifen musst. Oder Satzspiegel aender ... (Das machen Verlage
wirklich.)

> Nun stelle Dir, bitte, weiterhin vor, ich wollte ein wörtliches Zitat
> von Max Frisch in einen Text aufnehmen. Es stellt sich dasselbe Problem.

Nein. Hier kannst Du immer noch an *Deinem* Text etwas aendern.
Kleine Aenderungen ein paar Zeilen weiter oben wirken sich
meist auf alle folgenden Zeilen aus. Text und Zitat muessen
dann aber in einem Absatz sein.

> Ein gutes Textsystem muß jeden Text verarbeiten können. Alles andere ist
> letztlich nicht ausgereift. Man kann es doch einmal sagen: Auch LaTeX
> weist Mängel auf.

Ob eine Zeile so gesetzt wird, dass sie rechts hinaus ragt,
oder dass sie viel zu grosse Loecher enthaelt, ist doch
einerlei. In beiden Faellen musst Du mit Hand eingreifen,
um ein optimaler Ergebnis zu erzielen. (Notfalls mit sloppypar.)
Wenn Du kein optimales Ergebnis wuenscht -- das immer etwas
Handarbeit erfordert --, so setze doch einfach \sloppy.
Aber verschweigen dann lieber, dass Du LaTeX verwendest!

> Der Fehler bei zu langen Zeilen ist einer davon, er
> kommt sehr häufig vor, und es scheint, als würde daran nicht gearbeitet.

Bloedsinn. Haeufig tritt dies nur bei Beschreibungen von
Programmcode auf, da man z.B. Makronamen nicht trennen
will. Aber selbst bei .dtx Dateien sehen ich hinaus ragende
Zeilen eher selten.

In den meisten aller Faellen, duerfe es wohl so sein, dass
die FAQ nicht gelesen wurde und so folgendes fehlt:

\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage{german}

Ciao
Andreas

Heiko Oberdiek

unread,
Oct 1, 2001, 5:26:54 PM10/1/01
to
On 01 Oct 2001 21:03:46 +0200, David Kastrup
<David....@t-online.de> wrote:

> Blöde Frage: Du hast \usepackage[T1]{fontenc} samt
> \usepackage{german} oder \usepackage[german]{babel} aktiv?

Heutzutage wohl eher
\usepackage{ngerman} oder \usepackage[ngerman]{babel}
;-)

Viele Gruesse
Heiko <ober...@uni-freiburg.de>

Martin Vaeth

unread,
Oct 2, 2001, 5:03:17 AM10/2/01
to
Juergen Fenn <fe...@stud.uni-frankfurt.de> wrote:
>
>
>Christian Justen schrieb:

>
>> Du darfst nicht von LaTeX erwarten, daß es Wunder vollbringt. Wenn LaTeX
>> einen Absatz nicht optimal umbrechen kann, ist das kein "Problem" von
>> LaTeX; es sei denn, Du gehst davon aus, daß eine moderne
>> Textverarbeitung in der Lage sein muß, einen Text bei Bedarf
>> umzuformulieren ...
>
Jein: Für deutsche Texte sind die Default-Einstellungen der "Toleranzen"
in TeX schon sehr streng, weil Deutsch einfach längere Silben hat als
Englisch, für das die Werte gewählt wurden (das "sch" z.B. braucht alleine
schon sehr viel Platz...).

>Stelle Dir, bitte, einmal vor, der Suhrkamp-Verlag wollte mit einer
>Software wie LaTeX z. B. ein Buch von Max Frisch setzen, und es käme zu
>einer überhängenden Zeile. Denen würdest Du doch auch nicht empfehlen,
>sie sollten halt den Text von Frisch ändern, damit es wieder richtig
>paßt? Der Fehler liege bei Frischs Text, nicht bei der Software?

Für noch lebende Autoren ist es der Regelfall, dass der Text abgeändert wird:
Der Autor bekommt die geänderte Version dann später nochmals zum Durchlesen,
und kann immer noch protestieren.

>Nun stelle Dir, bitte, weiterhin vor, ich wollte ein wörtliches Zitat
>von Max Frisch in einen Text aufnehmen. Es stellt sich dasselbe Problem.

Wenn etwas absolut nicht geändert werden kann, gibt es dazu ja {sloppypar}.

>Ein gutes Textsystem muß jeden Text verarbeiten können. Alles andere ist
>letztlich nicht ausgereift. Man kann es doch einmal sagen: Auch LaTeX

>weist Mängel auf. Der Fehler bei zu langen Zeilen ist einer davon, er


>kommt sehr häufig vor, und es scheint, als würde daran nicht gearbeitet.

Die Alternative ist eben leider, im Zweifelsfall ein allzu bescheidenes Layout
zu erhalten. Es ist halt immer ein Kompromiss...

>Deshalb mein Vorschlag: Es müßte doch möglich sein, sloppypar so zu
>automatisieren, daß es eingreift, wo es eingesetzt werden muß
Genau das macht ein globales \sloppy: Es greift *immer* da ein, wo
"gute" Wortzwischenräume andere Probleme verursachen würden.
Es gibt aber auch andere Kompromisse:
Aus der neuen Version meines persönlichen mvstyle.dtx:

\newenvironment{argsloppypar}{\par\argsloppy}{\par}
\newcommand{\argsloppy}[1][0]{\ifcase#1\relax
% \tolerance200\relax\emergencystretch0pt%\fussy
\or\tolerance200\relax\emergencystretch0.5em%
\or\tolerance400\relax\emergencystretch1em%
\or\tolerance800\relax\emergencystretch1.5em%
\or\tolerance1200\relax\emergencystretch2em%
\or\tolerance1600\relax\emergencystretch2.5em%
\or\tolerance2000\relax\emergencystretch3em%
\else\tolerance9999\relax\emergencystretch3em%\sloppy
\fi\ignorespaces}

Man kann dann global \argsloppy[x] aufrufen, wobei x eine Zahl ist.
Je größer x, desto weniger wahrscheinlich sind herausragende Worte (aber desto
mehr Kompromisse sind notwendig...); falls man [x] weglässt,
ist das äquivalent mit [0]. Entsprechend: \begin{argsloppypar}[x]...
Ich persöndlich halte für deutsche Texte (A4, einspaltig) den Wert x=2
noch für akzeptabel.
Vielleicht hat aber jemand noch bessere Kombinationen für die beiden Werte
vorzuschlagen...

Markus Kohm

unread,
Oct 2, 2001, 3:02:54 AM10/2/01
to
Andreas Matthias wrote:

> Kleine Aenderungen ein paar Zeilen weiter oben wirken sich
> meist auf alle folgenden Zeilen aus.

Bei TeX können sich auch Änderungen weiter unten entsprechend
auswirken.

Gruß
Markus

Markus Kohm

unread,
Oct 2, 2001, 3:03:24 AM10/2/01
to
Juergen Fenn wrote:

>
> Wie kommt es, daß das Problem mit überhängenden Zeilen bei LaTeX immer
> wieder auftritt? Es paßt nicht zu dem Anspruch an Ästhetik und
> optischer Perfektion, der mit LaTeX einhergeht.

Doch, genau dazu passt es. TeX versucht eine gute Lösung für den
Absatzumbruch zu finden. Wenn es keine gute Lösung gibt, wird eine
Warnung ausgegeben und auch in der Ausgabe visualisiert. Der Anwender
hat dann die Möglichkeit, entweder den Text zu ändern, so dass mit den
vorhandenen Einstellungen eine gute Lösung gefunden wird, oder die
Parameter so zu ändern, dass weniger gute Lösungen zulässig sind.

Übrigens haben wir dieses Thema hier alle paar Wochen und sowohl hier
als auch auf TeX-D-L bereits ausführlich erörtert. Die Frage wird fast
ausschließlich von Leuten gestellt, die weder die Meldungen von TeX
noch die Log-Datei beachten und nicht wissen, wie der Absatzumbruch in
TeX arbeitet.

Gruß
Markus

Gunter Lindemann

unread,
Oct 2, 2001, 9:46:20 AM10/2/01
to
Juergen Fenn wrote:


> Ein gutes Textsystem muß jeden Text verarbeiten können. Alles andere ist
> letztlich nicht ausgereift.

Mit der gleichen Logik könntest Du sagen: "Ein gutes Mathe-Programm
muß jede Gleichung lösen können ..."

> Deshalb mein Vorschlag: Es müßte doch möglich sein, sloppypar so zu

> automatisieren, daß es eingreift, wo es eingesetzt werden muß, um mir
> diese Notlösung zu ersparen:

Und dann stehen wir wieder vor der Frage, /wie/ diese Lösung dann
aussieht (welche Parameter verwendet werden). Wie man es dreht:
wenn ein Absatzumbruch nicht gelöst werden kann, muß eben der Autor
ran und den Absatz ändern.

Zumindest ist das so, wenn Du gute Ergebnisse willst. Immerhin weist
Dich LaTeX auf die Problemstellen hin.

Gruß, Gunter

Christoph Stracke

unread,
Oct 3, 2001, 7:35:15 AM10/3/01
to
David Kastrup <David....@t-online.de> wrote:

> Blöde Frage: Du hast \usepackage[T1]{fontenc} samt
> \usepackage{german} oder \usepackage[german]{babel} aktiv?
> --
> David Kastrup, Kriemhildstr. 15, 44793 Bochum
> Email: David....@t-online.de

Hallo David,

ja, das hatte ich schon gemacht; vielen an alle für die vielen Antworten;
da habe ich ja eine richtig heftige Diskussion ausgelöst. Es ging um Text in
einer Minipage, so daß die Zeilen sowieso schon kurz waren. (Allein schon ein
Wort wie "schon" macht dann schon Probleme ;-). Mir ist einfach der Befehl
nicht eingefallen, und ich habe jetzt die "sloppypar" Umgebung benutzt
(klappt super).
Aber um mich nochmal kurz in die Diskussion einzumischen: ich möchte auch
denjenigen Recht geben, die der Ansicht sind, LaTeX sollte sowas irgendwie
automatisch erkennen. Wenn ich in LaTeX setze, möchte ich am liebsten ohne
Preview gleich ausdrucken können und mir dabei sicher sein, daß der Text
optimal aussieht. Und was nützt mir der schönste Umbruch, wenn eine Zeile
raushängt? (Das erinnert mich irgendwie an die Leute, die sich für 500 DM
Lautsprecherkabel kaufen, wo die Boxen aber nur 200 gekostet haben und dort
investiertes Geld viel besser angelegt wäre...;-)
Im Zweifelsfall kann ja trotzdem eine Fehlermeldung ausgegeben werden für
diejenigen, die gerne log-Dateien lesen, aber trotzdem stillschweigend zu
einem etwas laxeren Wortabstand gegriffen werden. Es geht ja meistens nicht
um "1pt too wide", sondern um zwei-drei Buchstaben. Und das sieht so sch...
aus, daß es selbst der letzte tumbe Tor bemerkt; ist der Wortabstand dagegen
nicht optimal, bemerken es meistens nur Puristen, Setzer oder sonstige
Leute, die die Schriftästhetik zu ihrem Hobby erkoren haben. Die meisten
Leute (beispielsweise Prüfer von Examensarbeiten ;-) gehören glücklicherweise
nicht dazu; die kriegen meistens weit schlimmeres zu sehen.

Jedenfalls nochmals vielen Dank an alle,

Christoph

Gunter Lindemann

unread,
Oct 3, 2001, 10:55:34 AM10/3/01
to
Christoph Stracke wrote:

> da habe ich ja eine richtig heftige Diskussion ausgelöst. Es ging um Text in
> einer Minipage, so daß die Zeilen sowieso schon kurz waren.

Halte Dich einfach an die Regel: "Kein Blocksatz in schmalen Spalten!"
(Frei nach Axel Reichert in tabsatz.ps)
Stattdessen \raggedright oder \usepackage{ragged2e} und dann
\RaggedRight.

> und ich habe jetzt die "sloppypar" Umgebung benutzt
> (klappt super).

Deine Ansprüche an das Layout sind zeimlich niedrig, gell!

> Aber um mich nochmal kurz in die Diskussion einzumischen: ich möchte auch
> denjenigen Recht geben, die der Ansicht sind, LaTeX sollte sowas irgendwie
> automatisch erkennen.

Tut es ja, und tut es dann auch noch kund.

> Wenn ich in LaTeX setze, möchte ich am liebsten ohne
> Preview gleich ausdrucken können und mir dabei sicher sein, daß der Text
> optimal aussieht.

Erst benutzt Du sloppypar und dann verlangst Du, daß der Text optimal
aussieht. Paßt irgendwie nicht zusammen.

Wenn ein guter Umbruch nicht möglich ist, mußt Du entweder zu der
Notlösung sloppypar greifen und damit erklären, daß Dir auch ein
schlechter Umbruch genügt, oder die saubere Lösung wählen und am
Satzbau basteln. (Oder eben nicht Blocksatz vorschreiben, siehe oben.)
Ich bin auf jeden Fall froh, daß LaTeX nicht einfach auf "schlecht"
schaltet, sondern die Stelle markiert und darüber meckert.

> Und was nützt mir der schönste Umbruch, wenn eine Zeile
> raushängt?

Die raushängende Zeile ist kein Lösungsvorschlag von LaTeX, der
irgendetwas mit schönem Umbruch zu tun haben soll, sondern ein
Hilferuf an den Autor, etwas zu verändern, damit ein guter Umbruch
möglich wird.

> (Das erinnert mich irgendwie an die Leute, die sich für 500 DM
> Lautsprecherkabel kaufen, wo die Boxen aber nur 200 gekostet haben und dort
> investiertes Geld viel besser angelegt wäre...;-)

Oder an Leute, die mit LaTeX arbeiten, obwohl sie eigentlich mit
den Umbruchfähigkeiten von Word zufrieden wären und sich dann
beschweren, daß sich LaTeX nicht automatisch auf dieses Niveau
herunterschraubt.

> Im Zweifelsfall kann ja trotzdem eine Fehlermeldung ausgegeben werden für
> diejenigen, die gerne log-Dateien lesen, aber trotzdem stillschweigend zu
> einem etwas laxeren Wortabstand gegriffen werden. Es geht ja meistens nicht
> um "1pt too wide", sondern um zwei-drei Buchstaben. Und das sieht so sch...
> aus, daß es selbst der letzte tumbe Tor bemerkt;

Jetzt hast Du den Zweck dieser Vorgehensweise verstanden!
Gratuliere! ;-)

> ist der Wortabstand dagegen
> nicht optimal, bemerken es meistens nur Puristen, Setzer oder sonstige
> Leute, die die Schriftästhetik zu ihrem Hobby erkoren haben. Die meisten
> Leute (beispielsweise Prüfer von Examensarbeiten ;-) gehören glücklicherweise
> nicht dazu; die kriegen meistens weit schlimmeres zu sehen.

Aha, dann machst Du Deine Examensarbeiten auch Inhaltlich nur
gerade so gut, daß der Prüfer damit zufrieden ist, oder? Es gibt
aber auch Leute, die ihrem Niveau treu sind, und da nicht drunter
gehen -- aus Prinzip.

Gruß, Gunter

Peter Schneider

unread,
Oct 3, 2001, 5:40:00 AM10/3/01
to

*Hallo Jürgen!*

JF>Wie kommt es, daß das Problem mit überhängenden Zeilen bei LaTeX immer
JF>wieder auftritt?
Vielleicht, weil TeX aus dem englischen Sprachraum, in dem es mehr
einsilbige Wörter gibt uns es ich deshalb besser trenen läßt?

JF>Es paßt nicht zu dem Anspruch an Ästhetik und optischer Perfektion,
JF>der mit LaTeX einhergeht.
Doch, gerade wegen dieser Perfektion, denke ich.

Und TTschö
ps

Peter Schneider

unread,
Oct 3, 2001, 5:45:00 AM10/3/01
to

*Hallo Jürgen!*

JF>Man kann es doch einmal sagen: Auch LaTeX weist Mängel auf.
Das darf man sagen. Wobei ich das trenn-Problem eher bei TeX denn bei
LaTeX vermuten würde.

JF>Der Fehler bei zu langen Zeilen ist einer davon, er kommt sehr häufig
JF>vor,
Das auch.

JF>und es scheint, als würde daran nicht gearbeitet.
Aber Du könntest das doch tun. Und bei Erfolg wäre Dir der Beifall der
LaTeX-Gemeinde gewiß! Ohne Ironie! Völlig ernst gemeint!

Und TTschö
ps

Martin Vaeth

unread,
Oct 4, 2001, 7:03:44 AM10/4/01
to
Peter Schneider <Peter_S...@su2.maus.de> wrote:
>JF>Man kann es doch einmal sagen: Auch LaTeX weist Mängel auf.
>Das darf man sagen. Wobei ich das trenn-Problem eher bei TeX denn bei
>LaTeX vermuten würde.
Nein, das ``Problem'' liegt in der \output-Routine von LaTeX: Sie muss
`entscheiden', was zu tun ist, wenn ein Absatz nicht mit der gewünschten
badness erreicht wird.

Peter Schneider

unread,
Oct 5, 2001, 1:33:00 PM10/5/01
to
Hallo Gunter,

GL>Oder an Leute, die mit LaTeX arbeiten, obwohl sie eigentlich mit den
GL>Umbruchfähigkeiten von Word zufrieden wären und sich dann beschweren,
GL>daß sich LaTeX nicht automatisch auf dieses Niveau herunterschraubt.
diesen Deinen Satz habe ich mir auf der Zunge zergehen lassen. :-)

Und TTschö
ps

Axel Reichert

unread,
Oct 5, 2001, 2:34:03 PM10/5/01
to
Gunter Lindemann <gunter.l...@t-online.de> writes:

> Leute, die mit LaTeX arbeiten, obwohl sie eigentlich mit den
> Umbruchfähigkeiten von Word zufrieden wären und sich dann
> beschweren, daß sich LaTeX nicht automatisch auf dieses Niveau
> herunterschraubt.

Kein Problem: (Aus meinem Fundus, Donald Arseneau in comp.text.tex,
1999):

\tolerance=1
\emergencystretch=\maxdimen
\hyphenpenalty=10000

Es ist sehr lehrreich, mal den normalen Absatzumbruch von TeX mit
diesem Zeilenumbruch a la Word zu vergleichen. Wer es nachlesen
moechte: Die Message-ID war damals <3MAY1999...@reg.triumf.ca>.

Tschoe, wa!
--
Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist fuer einen Tag satt. Zeig
ihm, wie man angelt, und er poebelt Dich an, dass er besseres zu tun
haette, als Schnuere ins Wasser haengen zu lassen.
-- David Kastrup in de.comp.text.tex

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