[ Ich habe vorhin schon einmal eine Antwort gepostet. Diese habe ich
aber wieder gecancelt, weil ich sie noch ergänzen wollte. ]
Karl schrieb:
> Am 03.02.2015 um 10:52 schrieb Ulrich D i e z:
>
> > Relativpronomen bzw einen bestimmenden Artikel handelt.
>
> bestimm_ter_ Artikel
Ich nehme an, beides (also swowohl "bestimmter Artikel" als auch
"bestimmender Artikel") ist richtig.
Zu meiner Schulzeit hat man unterschieden in "bestimmende" und
"nicht bestimmende" und "negierende" Artikel.
Mein Deutschlehrer hat damals gesagt, nicht bestimmende Artikel
spezifizieren zwar, dass es sich um Elemente einer Menge handelt,
aber nicht, um welche Elemente genau, während bestimmende
Artikel entweder spezifizieren/bestimmen, um welche Elemente
einer Menge es sich handelt, oder spezifizieren/bestimmen, um
welche zuvor genannten Umstände/Sachverhalte es sich handelt.
[ Es gibt auch sogenannte "negierende" Artikel, welche entweder
spezifizieren, dass es sich nicht um Elemente von genannten
Mengen handelt (Bsp: "Das, was da parkt, ist kein grünes Auto,
sondern ein rotes Fahrrad" -> "kein grünes Auto" -> Bei dem
betrachteten Element handelt es sich nicht um ein Element der
Menge der grünen Autos), oder spezifizieren, dass Umstände/
Sachverhalte nicht gegeben sind (Bsp: "Kein grünes Auto fährt
vorbei" -> Der Umstand/Sachverhalte, dass grüne Autos vorbeifahren
bzw dass mindestens ein grünes Auto vorbeifährt, ist nicht gegeben) . ]
Laut meinem damaligen Deutschleherer verkürzen Modernisten die
Terminologie auf ungute Weise und unterscheiden in "bestimmte"
und "unbestimmte" Artikel, obwohl es dabei nicht um Eigenschaften
geht, die dem Artikel selbst zuzuschreiben sind, sondern um die
Funktion, die der Artikel hat bzw um das, wozu der Artikel dient.
In Frageform:
Inwiefern kann man aus dem Umstand, dass ein "bestimmender Artikel"
dazu dient, zu spezifizieren, um welche Elemente einer Menge es sich
handelt, oder um welche zuvor genannten Umstände/Sachverhalte es
sich handelt, schliessen, dass so ein (bestimmender) Artikel selbst die
Eigenschaft hat, "bestimmt" zu sein und somit ein "bestimmter Artikel"
zu sein?
Inwiefern kann man aus dem Umstand, dass ein "nicht bestimmender
Artikel" dazu dient, zu spezifizieren, dass es sich um irgendwelche
Elemente einer Menge handelt, aber nicht, um welche Elemente genau,
schliessen, dass so ein (nicht bestimmende) Artikel selbst die Eigenschaft
hat, "unbestimmt" zu sein und somit ein "unbestimmter Artikel" zu sein?
Ich habe damals zu bedenken gegeben, dass es dabei nicht unbedingt
um Schlussweisen gehen muss, sondern vielleicht auch nur um Definitionen.
Man kann zB _definieren_, dass solche Artikel, die dazu dienen, zu
spezifizieren, um welche Elemente einer Menge es sich handelt, oder um
welche zuvor genannten Umstände/Sachverhalte es sich handelt, fürderhin
unter dem Begriff "bestimmte Artikel" subsumiert werden, und dass solche
Artiikel, die zwar spezifizieren, dass es sich um Elemente einer Menge
handelt, aber nicht, um welche Elemente genau, fürderhin unter dem
Begriff "unbestimmte Artikel" subsumiert werden ...
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Beispiel:
Ein mir fremdes grünes Auto parkt derzeit in meiner Einfahrt.
Der nicht bestimmende Artikel "ein" bestimmt nicht, um welches
Element der Menge der mir fremden grünen Autos es sich handelt,
sondern er spezifiziert nur, dass es um irgendein Element der
Menge der mir fremden grünen Autos geht.
Das (besagte) mir fremde grüne Auto, das derzeit in meiner Einfahrt
parkt, stellt für mich beim Schneeschippen einen nervigen Störfaktor dar.
Der bestimmende Artikel "das" am Satzanfang spezifiziert, dass
es sich um ein Element der Menge der mir fremden grünen Autos
handelt, welches bereits erwähnt worden ist.
Der bestimmende Artikel "das" am Satzanfang bestimmt somit,
um welches mir fremde grüne Auto genau es geht, nämlich das
bereits erwähnte.
Darüber hinaus spezifiziert der bestimmende Artikel "das" am
Satzanfang, dass es sich um dasjenige Element der Menge der
mir fremden grünen Autos handelt, welches die im Relativsatz
genannte Eigenschaft "derzeit in meiner Einfahrt zu parken"
aufweist.
Der bestimmende Artikel "das" am Satzanfang bestimmt somit,
um welches Element der Menge der mir fremden grünen Autos
genau es geht, nämlich dasjenige, welches die Eigenschaft hat,
derzeit in meiner Einfahrt zu parken.
Beispiel:
Ihn charakterisierte, dass er ein guter Geschäftsmann war.
Er war ein guter Geschäftsmann. Das charakterisierte ihn.
Im Satz "Das charakterisierte ihn." bestimmt der bestimmende Artikel
"das", welcher Umstand/Sachverhalt es ist, der ihn charakterisiert,
nämlich der zuvor genannte Umstand/Sachverhalt, dass er ein guter
Geschäftsmann war.
Ulrich