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Welche Garamond?

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Gero Langer

unread,
Jan 9, 2002, 1:25:49 PM1/9/02
to
Hallo,

ich schreibe ein Fachbuch mit pdfLaTeX (aktuelles MikTeX) und finde eine
Garamond-Schrift typographisch ansprechend. Wenn ich im Dokument
\usepackage{garamond}
einbinde, wird im Acrobat Reader folgendes umgesetzt (alles Type1,
Kodierung beuntzerdefiniert):

Ausgangsschrift ... Originalschrift
=====================...==================
Garamond-Light ... Adobe Serif MM
Garamond-LightItalic ... Adobe Serif MM

Fettdruck wird in einem breiteren Schriftschnitt, aber nicht fett
dargestellt, ist also kaum hervorgehoben.

Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, die "Profi"-Schriften zu
kaufen, und stehe jetzt vor der Entscheidung, welche ich nehmen soll. Bei
Linotype finde ich z.B. die Stempel G, Adobe G, G Classico, ITC G Book,
ITC G Light, Simoncini G und G Three.

Welche Schrift ist aus typographischer Sicht für ein Buch als Brotschrift
(10pt) zu empfehlen?

Hat schon jemand Erfahrungen mit einer dieser Schriften, vor allem auch
im Zusammenspiel mit LaTeX? Gibt es für eine der Schriften vielleicht
schon fertige Font-Metriken?

Vielen Dank im voraus.

Herzliche Grüße,
Gero

Christian Koch

unread,
Jan 9, 2002, 2:17:28 PM1/9/02
to
Gero Langer <Ne...@Pflegeforschung.de> schrieb:

> ich schreibe ein Fachbuch mit pdfLaTeX (aktuelles MikTeX) und finde
> eine Garamond-Schrift typographisch ansprechend. Wenn ich im
> Dokument
> \usepackage{garamond}
> einbinde, wird im Acrobat Reader folgendes umgesetzt (alles Type1,
> Kodierung beuntzerdefiniert):
>
> Ausgangsschrift ... Originalschrift
> =====================...==================
> Garamond-Light ... Adobe Serif MM
> Garamond-LightItalic ... Adobe Serif MM
>
> Fettdruck wird in einem breiteren Schriftschnitt, aber nicht fett
> dargestellt, ist also kaum hervorgehoben.

Die Adobe Serif MM ist eine Ersatzschrift, mit der der Acrobat Reader
fehlende Schriften nachbildet.

> Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, die "Profi"-Schriften
> zu kaufen, und stehe jetzt vor der Entscheidung, welche ich nehmen
> soll. Bei Linotype finde ich z.B. die Stempel G, Adobe G,
> G Classico, ITC G Book, ITC G Light, Simoncini G und G Three.
>

> Gibt es für eine der Schriften vielleicht schon fertige
> Font-Metriken?

http://home.vr-web.de/was/fonts.html
ftp://ftp.dante.de/tex-archive/fonts/psfonts/

Christian.

Gero Langer

unread,
Jan 9, 2002, 4:06:38 PM1/9/02
to
Hallo!

* Christian Koch <christi...@gmx.de>:
> Gero Langer <Ne...@Pflegeforschung.de> schrieb:


>>
>> Gibt es für eine der Schriften vielleicht schon fertige
>> Font-Metriken?
>
> http://home.vr-web.de/was/fonts.html
> ftp://ftp.dante.de/tex-archive/fonts/psfonts/

Super, vielen Dank!

Herzliche Grüße,
Gero

Gero Langer

unread,
Jan 9, 2002, 4:11:29 PM1/9/02
to
Hallo!

* Stefan Ulrich <ulr...@cis.uni-muenchen.de>:
>
> - Stempel G.: Eine der besten `klassischen' Garamonds, zusammen
> mit der Berthold Garamond die wohl am häufigsten verwendete
> Variante.

Gefällt mir auch mit am besten. :o)

> Siehe dazu auch die persönlichen Einschätzungen auf
> http://cgm.cs.mcgill.ca/~luc/choice.html

Erleichtert die Auswahl nicht unbedingt, jeder sagt irgendwie was
anderes...

> Mathematikfonts brauchst Du keine? Das könnte nämlich bei Garamond
> ein Problem werden.

Nur sehr wenige -- ich nehme bisher Euler und finde das Ergebnis
eigentlich passend und hübsch.

Vielen Dank für Deine Tips, waren mir eine große Hilfe!

Herzliche Grüße,
Gero

Walter Schmidt

unread,
Jan 9, 2002, 4:56:15 PM1/9/02
to Ne...@pflegeforschung.de
Gero Langer schrieb:
>
> ich schreibe ein Fachbuch mit pdfLaTeX (aktuelles MikTeX)[...]

> Wenn ich im Dokument
> \usepackage{garamond}
> einbinde, wird im Acrobat Reader folgendes umgesetzt (alles Type1,
> Kodierung beuntzerdefiniert):
>
> Ausgangsschrift ... Originalschrift
> =====================...==================
> Garamond-Light ... Adobe Serif MM
> Garamond-LightItalic ... Adobe Serif MM
>
> Fettdruck wird in einem breiteren Schriftschnitt, aber nicht fett
> dargestellt, ist also kaum hervorgehoben.

Es kann schon deshalb nicht funktionieren, weil in MikTeX gar
keine Garamond-_Fonts_ enthalten sind. Allerdings sind Makros,
Metriken und Map-Files für irgendeine Garamond enthalten, deshalb
bist du immerhin soweit gekommen. Leider ist das Zeug in MikTeX
völlig undokumentiert, so dass du nicht wissen kannst, zu welchen
realen Schriften es passt. Wahrscheinlich gehört es zur
ITC-Garamond von Adobe, aber die ist aber für normalen Mengensatz
ungeeignet.

> Mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, die "Profi"-Schriften zu
> kaufen, und stehe jetzt vor der Entscheidung, welche ich nehmen soll. Bei
> Linotype finde ich z.B. die Stempel G, Adobe G, G Classico, ITC G Book,
> ITC G Light, Simoncini G und G Three.
>
> Welche Schrift ist aus typographischer Sicht für ein Buch als Brotschrift
> (10pt) zu empfehlen?

Gut:
Adobe Garamond (Adobe)
Berthold Garamond (Berthold)
Stempel Garamond (div. Hersteller)


> Hat schon jemand Erfahrungen mit einer dieser Schriften, vor allem auch
> im Zusammenspiel mit LaTeX? Gibt es für eine der Schriften vielleicht
> schon fertige Font-Metriken?

Ich habe gute Erfahrungen mit "Adobe Garamond" von Adobe gemacht.
Sieht "gut" aus, ist unproblematisch im Druck, hat zahlreiche
Schriftschnitte. Es gibt TeX-Anpassungen, und für den
Mathematiksatz lässt sich sich mit den Euler-Fonts kombinieren.

Dito "Berthold GaramondBE" (Berthold), nur dass sie vielleicht
etwas empfindlicher gegenüber der Druckqualität ist, aber meine
Erfahrungen mit dieser Schrift beschränken sich auf ein paar
Probeausdrucke auf dem Laserdrucker, und YMMV.

Auf
<http://home.vr-web.de/was/fonts>

findest du fertige Metriken sowohl für "Adobe Garamond" als auch
für "Berthold GaramondBE". In den .txt-Dateien zur jeweiligen
Schriftfamilie steht drin, welche Fonts genau unterstützt bzw.
benötigt werden. (Nicht, dass du die falschen kaufst.)

Vor den Font-Metriken in CTAN:fonts/psfonts möchte ich abraten:
Sie sind z.T.fehlerhaft und außerdem nur mangelhaft dokumentiert,
so dass oft nicht klar ist, zu welchen realen Fonts sie gehören


HTH

Walter

--
Walter Schmidt <http://home.vr-web.de/was/fonts>
______________________________________________________________________

Axel Reichert

unread,
Jan 9, 2002, 5:58:52 PM1/9/02
to
Stefan Ulrich <ulr...@cis.uni-muenchen.de> writes:

> Schriften erkennen (s. FAQ), wo (einige der) verschiedenen
> Garamond-Formen vorgestellt

Abschnitt "Ist die Garamond die Garamond?" (-:

> Kaufen und versuchen, die Schriften wiederzuerkennen, die in
> `echten' Büchern vorkommen (Suhrkamp, Insel, ...); das schult den
> Blick ;-)


>
> - Stempel G.: Eine der besten `klassischen' Garamonds, zusammen
> mit der Berthold Garamond die wohl am häufigsten verwendete
> Variante.
>

> - Adobe G.: Gilt ebenfalls als sehr gut; manche halten sie für ein
> wenig zu glatt. (AFKAIR Brotschrift in `Die Zeit').

Ack.

> - ITC G Book/ITC G Light: Eher eine Zierschrift (`Apple'-Werbung),
> als Brotschrift ungeeignet. Hat mit dem echten Geist
> der Garamond nichts zu tun.

Tja, aber erstaunlicherweise die Hausschrift von O'Reilly. Die
Proportionen finde ich unsaeglich, mit "Garamond" hat nur noch der
Name zu tun, IMHO Etikettenschwindel. Ich wuerde die Stempel-Variante
bevorzugen, alternativ noch die Sabon, die das scharfe S stark betont,
deren Halbfette aber als aktive Auszeichnung zu mager ist. Tschichold
halt. (-;

Die magere Halbfette ist uebrigens kein so schlimmes Manko, wie man
naiv meinen sollte, mit etwas Ueberlegung kann man selbst eine
Dissertation mit vier Gliederungsstufen, Tabellen, Abbildungen,
description-Umgebungen, Kapitelmottos, Kopfzeilen, diversen
Verzeichnissen und optisch auffaelligen Querverweisen /ohne/ Halbfette
setzen. Und zwar ohne, dass man eine undifferenzierte Bleiwueste
hinterlaesst. Hat mich aber fuenf Jahre Nachdenken ueber Typografie
gekostet, bis ich die Loesung gefunden habe. Die Version mit "b" statt
"bx" fuer \bfdefault, die ich dir in Muenchen gezeigt habe, ist daher
obsolet. (:

Tschoe, wa!
--
Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist fuer einen Tag satt. Zeig
ihm, wie man angelt, und er poebelt Dich an, dass er besseres zu tun
haette, als Schnuere ins Wasser haengen zu lassen.
-- David Kastrup in de.comp.text.tex

Gero Langer

unread,
Jan 10, 2002, 3:34:39 AM1/10/02
to
Hallo!

* Walter Schmidt <wal_s...@arcormail.de>:
> Gero Langer schrieb:


>>
>> Welche Schrift ist aus typographischer Sicht für ein Buch als
>> Brotschrift (10pt) zu empfehlen?
>
> Gut:
> Adobe Garamond (Adobe)
> Berthold Garamond (Berthold)
> Stempel Garamond (div. Hersteller)

Danke, das bestärkt meine bisherigen Eindrücke.

>> Hat schon jemand Erfahrungen mit einer dieser Schriften, vor allem
>> auch im Zusammenspiel mit LaTeX? Gibt es für eine der Schriften
>> vielleicht schon fertige Font-Metriken?
>
> Ich habe gute Erfahrungen mit "Adobe Garamond" von Adobe gemacht.
> Sieht "gut" aus, ist unproblematisch im Druck, hat zahlreiche
> Schriftschnitte. Es gibt TeX-Anpassungen, und für den
> Mathematiksatz lässt sich sich mit den Euler-Fonts kombinieren.

Klingt wirklich gut. :o)

> Dito "Berthold GaramondBE" (Berthold), nur dass sie vielleicht
> etwas empfindlicher gegenüber der Druckqualität ist, aber meine
> Erfahrungen mit dieser Schrift beschränken sich auf ein paar
> Probeausdrucke auf dem Laserdrucker, und YMMV.

Die habe ich im Netz nirgendwo zum Kaufen gefunden, und die Berthold-
Seite war 'nicht erreichbar'.

> HTH

Prima, vielen Dank!

Herzliche Grüße,
Gero

Gero Langer

unread,
Jan 10, 2002, 2:52:21 AM1/10/02
to
Hallo!

* Axel Reichert <ma...@axel-reichert.de>:


> Stefan Ulrich <ulr...@cis.uni-muenchen.de> writes:
>
>> Schriften erkennen (s. FAQ), wo (einige der) verschiedenen
>> Garamond-Formen vorgestellt
>
> Abschnitt "Ist die Garamond die Garamond?" (-:

Ja ja, ich hab's ja schon bestellt. ;o)

> Ich wuerde die Stempel-Variante bevorzugen, alternativ noch die
> Sabon,

Ich habe Adobe Garamond und Stempel Garamond in die engere Auswahl
genommen.

Danke auch Dir für die Hinweise!

Herzliche Grüße,
Gero

Henning Böke

unread,
Jan 10, 2002, 7:28:23 AM1/10/02
to
Hallo Gero,

alles, was in diesem Thread bisher gesagt wurde, ist richtig. Ich möchte
einen Hinweis hinzufügen:

Bei der Wahl zwischen Adobe und Stempel Garamond ist zu berücksichtigen,
dass diese beiden Schriften in der optischen Größe und Laufweite recht
unterschiedlich ausfallen. Paradoxerweise gleicht eine 10-Punkt-Schrift
nicht der anderen: Es gibt keine genaue Festlegung, wie Schriftkegel
gemessen werden, unterschiedliche Ober- und Unterlängen bei verschiedenen
Schriften ergeben verschiedene Proportionen usw.

Die Adobe Garamond ist eine sehr zierliche, optisch klein ausfallende
Schrift, die Stempel Garamond ist im Bild größer. Zu beachten: Die Adobe
Garamond ist im Bild kleiner als die an sich schon recht winzige (da für das
Unterbringen großer Textmengen auf Zeitungsseiten konzipierte) Times. Bei
einem für Fachbücher üblichen Format in der Größenordnung um A5 kommt die
Stempel Garamond etwa in 10 auf 12 pt recht gut hin, die von Adobe würde in
dieser Größe arg schwindsüchtig wirken.

Zur LaTeXnischen Seite kann ich nichts sagen, da ich ausschließlich Plain
TeX benutze (Textures auf Mac, da ist das Installieren einer T1-Schrift eine
Sache von zwei Minuten).

Die Frage, welche die "richtige" Garamond ist, lässt sich insofern kaum
beantworten, als noch nicht einmal ganz sicher ist, ob Claude Garamond
wirklich der Erfinder dieser Schrift ist; da waren wahrscheinlich noch ein
paar andere mit im Spiel. Die Adobe Garamond ist jedenfalls in den späten
80er Jahren für Adobe von Robert Slimbach unter Hinzuziehung von Drucken aus
der Entstehungszeit der Garamond gezeichnet worden und kommt den
Renaissanceschriften sehr nahe. Sie ist mit diversen Expert-Schnitten mit
Ligaturen, Schmuckbuchstaben usw. erhältlich. Für heutige Augen etwas
manieriert wirkt bei ihr das leicht schräge Divis. Die Stempel Garamond ist
dagegen die Digitalisierung der Handsatz-Garamond der Firma Stempel AG (die
Linotype-Setzmaschinenversion war ihr sehr ähnlich). Sie wirkt etwas
sachlicher, zeitloser, insofern würde ich ihr für ein Fachbuch den Vorzug
geben. Also: die Version von Adobe, extra für den Computer gemacht, ist die
historisch "echtere", die von Stempel/Linotype der Klassiker des 20.
Jahrhunderts.

Vielleicht hilft das bei der Entscheidung.

Henning

Gero Langer

unread,
Jan 10, 2002, 10:14:11 AM1/10/02
to
Hallo!

* Henning Böke <Hennin...@t-online.de>:


>
> Die Adobe Garamond ist eine sehr zierliche, optisch klein
> ausfallende Schrift, die Stempel Garamond ist im Bild größer. Zu
> beachten: Die Adobe Garamond ist im Bild kleiner als die an sich
> schon recht winzige (da für das Unterbringen großer Textmengen auf
> Zeitungsseiten konzipierte) Times. Bei einem für Fachbücher üblichen
> Format in der Größenordnung um A5 kommt die Stempel Garamond etwa in
> 10 auf 12 pt recht gut hin, die von Adobe würde in dieser Größe arg
> schwindsüchtig wirken.

[...]


> Vielleicht hilft das bei der Entscheidung.

Ja, in der Tat, vielen Dank!
Je mehr ich darüber lese, um so erstaunter bin ich, was es alles zu
beachten gilt (auch vor dem Hintergrund der anfallenden Kosten).

Herzliche Grüße,
Gero

Gerhard Killesreiter

unread,
Jan 10, 2002, 10:08:18 AM1/10/02
to
Axel Reichert <ma...@axel-reichert.de> writes:

> Die magere Halbfette ist uebrigens kein so schlimmes Manko, wie man
> naiv meinen sollte, mit etwas Ueberlegung kann man selbst eine
> Dissertation mit vier Gliederungsstufen, Tabellen, Abbildungen,
> description-Umgebungen, Kapitelmottos, Kopfzeilen, diversen
> Verzeichnissen und optisch auffaelligen Querverweisen /ohne/ Halbfette
> setzen. Und zwar ohne, dass man eine undifferenzierte Bleiwueste
> hinterlaesst. Hat mich aber fuenf Jahre Nachdenken ueber Typografie
> gekostet, bis ich die Loesung gefunden habe. Die Version mit "b" statt
> "bx" fuer \bfdefault, die ich dir in Muenchen gezeigt habe, ist daher
> obsolet. (:

Könntest Du obiges etwas klarer formulieren?

Gruß,
Gerhard

--
Dipl.-Phys. Gerhard Killesreiter <killes...@physik.uni-freiburg.de>

Ist Web-Designer etwa ein unanständiger Beruf?
(GMX-Info 27/2001: Cyberwar)

Stephan Lehmke

unread,
Jan 10, 2002, 11:07:20 AM1/10/02
to
In article <a1iici$r5oh3$1...@id-30533.news.dfncis.de>, Axel Reichert writes:
> Hat mich aber fuenf Jahre Nachdenken ueber Typografie
> gekostet, bis ich die Loesung gefunden habe.

Darf man hoffen, das Ergebnis demnaechst als Dokumentklasse auf CTAN
zu finden?

Gruss
Stephan

Henning Böke

unread,
Jan 11, 2002, 8:39:30 AM1/11/02
to
Dirk Friese schrieb:

> Henning Böke <Hennin...@t-online.de> wrote:
>
> > [Welche ist die "richtige" Garamond?]
>
> Was ist von der Garamond von Tiro <http://www.tiro.com/> zu halten?

Der Adobe-Version sehr ähnlich, offenbar noch strenger historisierend.

Genaueres zur Entstehungsgeschichte der Garamond mit ihrem Gewirr von
Plagiaten und Urheberschaftsansprüchen stand vor ungefähr zehn Jahren mal
in einem Artikel in der PAGE.

Die in den 1920er Jahren entstandene Stempel Garamond und die auf sie
abgestimmte Linotype Garamond gingen demgegenüber von Vorlagen aus dem
späteren 16. Jahrhundert aus, unter Verzicht auf historische Manierismen
(Rüssel usw.).

> Wenn es fertige
> Metriken gäbe, würde ich wahrscheinlich schwach werden. »fontinst«
> schreckt mich (OzTeX auf Macintosh) noch etwas ab.

Prozedur in Textures: Das Hilfsprogramm EdMetrics aufrufen, die
üblicherweise vom Hersteller mitgelieferte AFM-Datei in TFM konvertieren
und die Metrikdatei in den richtigen Ordner legen. Fertig. (Seit Version
2.0 geht es sogar ohne AFM-Dateien, deren Verwendung jedoch allerdings
trotzdem empfehlenswert ist.) Vor einiger Zeit habe ich in dieser Newsgroup
mal ein Posting gelesen, wo allen Ernstes die Meinung geäußert wurde, man
solle auf keinen Fall für proprietäre und kommerzielle
TeX-Implementierungen Werbung machen. Vielleicht verstehst du, warum ich es
trotzdem tue: -> www.bluesky.com

Henning


Axel Reichert

unread,
Jan 11, 2002, 2:02:21 PM1/11/02
to
Gerhard Killesreiter <nutz...@killesreiter.de> writes:

> Axel Reichert <ma...@axel-reichert.de> writes:
>
> Dissertation mit vier Gliederungsstufen, Tabellen, Abbildungen,
> description-Umgebungen, Kapitelmottos, Kopfzeilen, diversen
> Verzeichnissen und optisch auffaelligen Querverweisen /ohne/
> Halbfette

[...]

> Die Version mit "b" statt "bx" fuer \bfdefault, die ich dir in
> Muenchen gezeigt habe, ist daher obsolet. (:

Dieser Satz war speziell fuer Stefan Ulrich, mit dem ich mal
ordentlich gefachsimpelt habe.

> klarer formulieren?

1. Wofuer braucht man eine Halbfette? Zur aktiven Auszeichnung.

2. Welche der obigen typografischen Elemente erfordern eine aktive
Auszeichnung?

a) Abgesetzte Ueberschriften kann man mit vertikalem Abstand
kenntlich machen, lediglich eingebette Dinge wie \paragraph
erfordern eine aktive Auszeichnung.

Folgerung fuer die Typografie: Auf eingebettete Ueberschriften
verzichten und vier Gliederungsstufen ohne Halbfette
verwenden, etwa \large\itshape, \large, \itshape und
Grundschrift.

b) Tabellenkoepfe kann man durch eine Halslinie kenntlich machen,
siehe booktabs.dvi oder tabsatz.{ps,tex}.

c) Die Nummern in den Legenden von Tabellen und Abbildungen kann
man mit haengendem Einzug setzen, den Legendentext selbst
kursiv. So kann der Legendentext nicht mit dem Haupttext
verwechselt werden, die Nummer in Grundschrift ist ausreichend
differenziert.

d) Die Begriffe in description-Umgebungen kann man kursiv setzen,
durch den haengenden Einzug reicht das als Differenzierung.

e) Kapitelmottos kann man in Kapitaelchen (Autor), Kursiver und
in Anfuehrungszeichen (Quelle und Zitat) und /zwischen/

Kapitel 1

und

Einleitung

setzen.

f) Kopfzeilen werden sowieso nur konsultiert, keine aktive
Auszeichnung zulaessig.

g) Die erste Ebene in Inhaltsverzeichnissen kann man in
\large\itshape setzen. Das korrespondiert dann mit den
Ueberschriften, noch nicht mal Auspunktieren bis zur
Seitenzahl ist noetig. Andere Ebenen in Grundschrift mit
Punktierung.

h) Komplexe Dokumente werden haeufig diagonal gelesen, oft
moechte der Leser wissen, wo die Erlaeuterung zu einer
Abbildung oder Tabelle im Haupttext ist. Das war damals die
Motivation fuer mein fancyref-Paket, mit dem ich so genannte
"Hauptverweise" aktiv auszeichne, also halbfett setze:

... siehe *Abbildung 3.14* auf Seite 159 ...

Normale Verweise werden natuerlich nicht aktiv ausgezeichnet.

Diese Hauptverweise haben mir die gesamte Typografie kaputt
gemacht: Mit halbfetten Querverweisen konnte ich nicht mehr
die Ueberschriften nur kursiv oder in Grundschrift setzen, das
Gewicht haette nicht mehr gestimmt. Also Ueberschriften
halbfett, daraus folgt erste Ebene im Inhaltsverzeichnis
halbfett, description-Begriffe halbfett, Gleitobjektnummern
halbfett. Aus der Traum, auf aktive Auszeichnung der
Hauptverweise konnte ich nicht verzichten.

Ich sollte aber jetzt nicht so viel Aufhebens um die Loesung
machen, sie ist naemlich laecherlich einfach, Stichwort
"\marginpar". Einen Hauptverweis setze ich jetzt so:

... siehe Abbildung 3.14 auf Seite 159 ... -> Abb. 3.14

Beim fortlaufenden Lesen kriegt der Leser die genaue Seite
genannt, benoetigt daher die Randnotiz gar nicht. Ist der Leser
dagegen auf Rueckwaertssuche, hat er die Seite mit dem Bild ja
schon gefunden und braucht jetzt nur die Randspalte abzusuchen,
bis er die Bildnummer hat. In beiden Faellen braucht man die
Seitenzahl nicht in der Randspalte, die ja sehr schmal
ist. Kuerzt man dann noch "Abbildung" und "Tabelle" ab,
funktioniert die Loesung sogar mit A5-Papier.

Nachdem das Querverweisproblem geloest war, konnte ich das Feld
von hinten aufrollen und schliesslich sogar Minuskelziffern
verwenden, die in derart zarter Umgebung nicht mehr
ueberkandidelt wirken.

Alles klar geworden? Ich habe extra so ausfuehrlich geschrieben, damit
mitlesende etwaige typografische Novizen mal die "Denke" hinter diesem
Fach mitkriegen. Wenn man naemlich ueber ein typografisches Problem
nachdenkt, statt auf die Aesthetik zu schielen, ist es schon halb
geloest. Die Aesthetik folgt dann automatisch. Es muss ja nicht 5 Jahre
dauern. (-;

Die Initialzuendung fuer diese "Denke" war natuerlich "Lesetypografie"
von Willberg/Forssman. Gold wert, dieses Buch, und auch fast so schwer.
(-:

Axel Reichert

unread,
Jan 11, 2002, 8:26:19 PM1/11/02
to
Stephan...@cs.uni-dortmund.de (Stephan Lehmke) writes:

[Komplexe Dokumente ohne Halbfette]

> Ergebnis demnaechst als Dokumentklasse auf CTAN zu finden?

Eher nicht, da hauptsaechlich aus \RequirePackage und \renewcommand
bestehend. Ich denke eher an einzelne Haeppchen, etwa moderate.sty
o. ae., da ich keine Lust habe, haufenweise Support-Fragen von Leuten
zu beantworten, die die notwendigen Pakete nicht oder in anderen
Versionen installiert haben.

Ausserdem halte ich nichts von vorgefertigten Loesungen, ich habe auch
nicht vor zu versuchen, Markus' KOMA-Klassen den Rang
abzulaufen. Typografisch sind wir sowieso fast immer der gleichen
Meinung, seine allgemeine Loesung ist viel flexibler als meine
hochgradig spezielle Variante fuer /ein/ Dokument. Typografisch
sinnvolle Voreinstellungen und einen guten Ausgangpunkt bieten seine
Klassen ohnehin, auch mein "Mist" basiert auf scrbook.cls. Anpassungen
folgen meist individuell aus dem Charakter eines Dokumentes und sind
kaum standardisierbar.

Da predige ich hier lieber weiter als Kreuzritter fuer gute Typografie
und veroeffentliche Anschauungsmaterial a la tabsatz.{ps,tex} und
vielleicht mal ein paar kleine Pakete, die bis zum Abwinken
konfigurierbar sind aber Voreinstellungen nach meinem Gusto
bieten. Eine Dokumentklasse so flexibel zu gestalten, ist mir zu viel
Arbeit, ich ziehe den Hut vor Markus.

Franziska Meyer

unread,
Jan 12, 2002, 4:53:02 AM1/12/02
to
Hallo Axel

Axel Reichert schrieb am Sat, 12 Jan 2002 at 01:26 GMT
> Stephan...@cs.uni-dortmund.de (Stephan Lehmke) writes:

>> Ergebnis demnaechst als Dokumentklasse auf CTAN zu finden?
> Eher nicht, da hauptsaechlich aus \RequirePackage und \renewcommand
> bestehend. Ich denke eher an einzelne Haeppchen, etwa moderate.sty
> o. ae., da ich keine Lust habe, haufenweise Support-Fragen von Leuten
> zu beantworten, die die notwendigen Pakete nicht oder in anderen
> Versionen installiert haben.

Schade... Die Erklärung klang sehr interessant :-)

> Da predige ich hier lieber weiter als Kreuzritter fuer gute Typografie
> und veroeffentliche Anschauungsmaterial a la tabsatz.{ps,tex} und

:-) Ich bitte um Ankündigung hier, damit ich's dann nicht
verpasse.

Gruss
Franziska
--
The physicist in preparing for his work need three things,
mathematics, mathematics, mathematics
--Konrad Röntgen

Markus Kohm

unread,
Jan 12, 2002, 6:18:27 AM1/12/02
to
Axel Reichert <ma...@axel-reichert.de> wrote on Samstag, 12. Januar 2002
02:26:

> Anpassungen
> folgen meist individuell aus dem Charakter eines Dokumentes und sind
> kaum standardisierbar.

Das ist das eine Problem. Zwei andere Probleme kommen hinzu. Das
wichtigste zuerst:

Wie du sehr schön ausgeführt hast, gibt es ein großes Problem, wenn man
die Auszeichnung von Anfang an so mild wie möglich durchführt: sobald
jemand kommt, und irgendwo (halb)fette ins Dokument knallt, bricht
alles zusammen. Betrachtet man sich die Fragen in dieser Gruppe, wird
schnell klar, dass eine so aufgebaute Klasse beim Zusammentreffen mit
einem "normalen" Anwender zu extrem schlechten Ergebnissen und extrem
hohen Supportaufwand führt. Das soll kein Angriff auf die Anwender
sein. Jeder versucht nach seinem Vermögen, best mögliche Ergebnisse zu
erzielen. Wie schon in der Einleitung zum scrguide steht: Ein Problem
bei allem rund um LaTeX ist, dass man es nicht gelehrt bekommt, sondern
selbst lernen muss.

Das weniger wichtige Problem bei einer neuen Klasse, das aber bei alten
Klassen durchaus erheblich ist, ist mit einem Wort abgehandelt:
Kompatibilität.

Aus diesen Gründen zielen die meisten der neueren und teilweise
auswändigen Flexibilisierungen in KOMA-Script darauf ab, dass
Anpassung, wie du sie vornimmst, erleichtert werden. Dass damit oft
auch das Gegenteil erreicht werden kann, ist bedauerlich wird aber in
Kauf genommen. Ok, ich weiß, du verwendest aus Gewohnheit oft andere
Methoden, um KOMA-Script "hinzubiegen". Zumindest geht das teilweise
aus deinen Antworten auf Fragen hier hervor.

Wenn ich die Zeit hätte, hätte ich längst mit einem typografischen
Anhang zum scrguide begonnen. Der scrguide hat aber mit fast 200 Seiten
inzwischen schon genug Umfang. Die Bildschirmversion liegt auch auf
Halde, ebenso das Cover, das Jens entworfen hat. Die neue Briefklasse
ist nur halb fertig. Und dann wollte ich endlich mal an meinem Roman
weiterschreiben.

Gruß
Markus
--
KOMA-Script documentation project at http://www.socha.net/scrguide
Private homepage at http://people.freenet.de/kohm/index.html

Henning Böke

unread,
Jan 12, 2002, 11:58:21 AM1/12/02
to
Dirk Friese schrieb:

> Henning Böke <Hennin...@t-online.de> wrote:
>
> > Der Adobe-Version sehr ähnlich, offenbar noch strenger historisierend.
>

> »Historisierend« ist für mich eher negativ belegt ...


>
> > Die in den 1920er Jahren entstandene Stempel Garamond und die auf sie
> > abgestimmte Linotype Garamond gingen demgegenüber von Vorlagen aus dem
> > späteren 16. Jahrhundert aus, unter Verzicht auf historische Manierismen
> > (Rüssel usw.).
>

> ... und das ist mir schon sympatischer.

Man muss hier den Zusammenhang beachten: Anfang des 20. Jahrhunderts und dann
verstärkt nach dem Ersten Weltkrieg setzten Bemühungen um eine "Reinigung"
der Typografie ein, die im 19. Jahrhundert infolge der Industrialisierung des
Druckgewerbes ziemlich auf den Hund gekommen war. Besonders radikale
Positionen vertrat dabei der junge Jan Tschichold, der in den 20er Jahren
eine "Neue Typografie" im Geiste der neuen Sachlichkeit, der
Bauhaus-Ästhetik, des russischen Konstruktivismus usw. propagierte. Er
forderte damals, generell möglichst alles aus Groteskschriften zu setzen.
Andere gingen nicht so weit und orientierten sich an der Typografie der
Renaissance als Inbegriff von Klarheit; auf diese Linie ist Tschichold nach
dem Zweiten Weltkrieg eingeschwenkt. Die Wiedergeburt der Garamond fand in
den 20er Jahren also unter dem Vorzeichen der Sachlichkeit statt. Deshalb hat
die Stempel AG offensichtlich eine Variante als Vorlage gewählt, die diesen
Anforderungen am besten entsprach.

Ich sage das mit Blick auf einen Sachverhalt, den LaTeX-Anwender vielleicht
beachten sollten: In LaTeX-Layouts stehen die Überschriften linksbündig (was
bei Nummerierungen ja auch durchaus sinnvoll ist). Diese linksbündige
Anordnung gibt es auch erst seit den 1920er Jahren. Tschichold war damals der
Meinung, die Mittelachse sei veraltet, weil sie Autorität und Hierarchie
symbolisiere (auch diesbezüglich hat er seine Auffassung später geändert).
Allgemein gilt seither linksbündige Anordnung als modern-sachlich und
dynamisch, Mittelachse als konservativ, pathetisch und statuarisch. (Vgl.
z.B. Tageszeitungen mit linksbündigen und mittelachsigen Schlagzeilen;
Belletristik und Sachbücher -- was wird wo bevorzugt?) Wenn nun in einem
LaTeX-Standardlayout eine ausgesprochene Renaissanceschrift verwendet wird,
so kann das auf Fachleute irritierend wirken, weil eine gewisse Inkonsistenz
darin liegt, ein modernes Layout mit Schriften zu verwenden, die wir mit der
Buchkunst der Renaissance assoziieren. Laien merken es wahrscheinlich nicht.
Meines Erachtens kann die Stempel Garamond problemlos sowohl in mittigen als
auch linksbündigen Anordnungen verwendet werden; ohne es ausprobiert zu
haben, vermute ich, dass sie mit LaTeX-Layouts recht gut harmoniert. Bei den
streng historischen Garamond-Schriften könnten die Ergebnisse problematisch
ausfallen, weil Layout und Schriftstil gegenläufige Konnotationen mit sich
führen. Um zu urteilen, müsste man es aber probieren.

Ich glaube andererseits, dass die Adobe Garamond in modernen Layouts besser
als die Stempel Garamond mit anderen Schriften kombinierbar ist (vgl. das
Layout der "Zeit" mit Überschriften aus klassizistischer Antiqua und Adobe
Garamond als Grundschrift -- keine "schulmäßige" Kombination, aber gelungen).
Wenn man in LaTeX eine humanistische Serifenlose (z.B. Gill Sans) für die
Überschriften mit einer Garamond als Grundschrift kombinierte, könnte ein
ansprechendes Ergebnis herauskommen. Stempel Garamond harmoniert gut mit der
Syntax (eine humanistische Serifenlose), alles andere scheint mir eher
problematisch, bei Adobe Garamond sehe ich mehr Möglichkeiten. Ich weiß
nicht, wie aufwändig in LaTeX solche Schriftänderungen sind, da die Zeit
meiner Beschäftigung mit LaTeX lange zurückliegt und ich aus verschiedenen
Gründen ganz auf Plain TeX umgestiegen bin.

> > [Metriken mit Textures]
>
> Das schaue ich mir mal an.

Ich glaube, es gibt jetzt eine Demoversion, die für Dokumente mit nur einer
Seite voll funktionsfähig ist.

Henning

Axel Reichert

unread,
Jan 13, 2002, 10:55:44 AM1/13/02
to
Stefan Ulrich <stefan...@elexir.de> writes:

[Hauptverweis als Marginalie]

> geradezu genial einfach ;-)

Vor allem bei Verwendung von fancyref.sty. Das "main"-Format
im Vorspann umdefiniert, fertig. Logisches Markup lohnt. Pakete fuer
den Eigenbedarf schreiben auch. (-;

> Verzicht auf Halbfette dürfte besonders interessant sein für Leute,
> die mit Renaissanceschriften arbeiten wollen, wo der Entwurf der
> (Halb)fetten i.d.R. eine spätere Zutat ist, die oft nicht gut zum
> Charakter der Schrift passt.

Eben. Abschreckendes Beispiel: Stempel Schneidler.

Axel Reichert

unread,
Jan 13, 2002, 11:01:17 AM1/13/02
to
Franziska Meyer <fran...@atreju.ch> writes:

> Axel Reichert schrieb am Sat, 12 Jan 2002 at 01:26 GMT
> > Stephan...@cs.uni-dortmund.de (Stephan Lehmke) writes:
>
> >> Ergebnis demnaechst als Dokumentklasse auf CTAN zu finden?
> > Eher nicht
>

> Schade

Vielleicht kann ich mich ja dazu durchringen, es unter "unsupported"
abzulegen. Wobei ich ja schon einige Male meinen "Vorspann" hier
veroeffentlicht habe. Viel hat sich eigentlich nicht getan, die Klasse
ist allmaehlich "konvergiert".

> > veroeffentliche Anschauungsmaterial a la tabsatz.{ps,tex}
>

> bitte um Ankündigung hier

Klar. Fuer meine neuen Machwerke ruehre ich immer ein wenig selbst die
Werbetrommel. Sie muessen nur dem Anspruch standhalten, dass das
spaeter von anderen gemacht wird.

Axel Reichert

unread,
Jan 13, 2002, 11:21:35 AM1/13/02
to
Henning Böke <Hennin...@t-online.de> writes:

> Allgemein gilt seither linksbündige Anordnung als modern-sachlich und
> dynamisch, Mittelachse als konservativ, pathetisch und statuarisch.

Wobei die Zeit der religiosen Grabenkaempfe IMHO da vorbei ist.

> Wenn nun in einem LaTeX-Standardlayout eine ausgesprochene
> Renaissanceschrift verwendet wird, so kann das auf Fachleute
> irritierend wirken

So streng wuerde ich das nicht sehen. Linksachse und Mittelachse sind
heutzutage weitgehend gleichberechtigte "Farben" auf der Palette des
Typografen. Wenngleich du voellig Recht hast mit deiner Analyse der
feinen stilistischen Unterschiede.

> Layout der "Zeit" mit Überschriften aus klassizistischer Antiqua und
> Adobe Garamond als Grundschrift -- keine "schulmäßige" Kombination,
> aber gelungen).

Die Ueberschriften sind AFAIK in der Walbaum gesetzt. Mir graust es
bei dieser Kombination, einen Laien irritiert sie, sofern er
ueberhaupt bemerkt, dass es nicht die gleiche Schrift ist. Diesen
Stilbruch finde ich viel krasser als eine linksbuendig gesetzte
Stempel Garamond.

> Stempel Garamond harmoniert gut mit der Syntax (eine humanistische
> Serifenlose), alles andere scheint mir eher problematisch, bei Adobe
> Garamond sehe ich mehr Möglichkeiten.

Die Frutiger koennte auch gehen. IMHO sind die Unterschiede zwischen
der Garamond von Adobe und Stempel auch nicht so gross, dass bestimmte
Schriftmischungen nur mit einer Version funktionieren.

Olaf Meltzer

unread,
Jan 14, 2002, 7:07:00 AM1/14/02
to
>>>>> Stefan Ulrich writes:

> Axel Reichert <ma...@axel-reichert.de> writes:
>>> Layout der "Zeit" mit Überschriften aus klassizistischer Antiqua
>>> und Adobe Garamond als Grundschrift -- keine "schulmäßige"
>>> Kombination, aber gelungen).

>> Die Ueberschriften sind AFAIK in der Walbaum gesetzt.

> Tiemann Antiqua (die Suche im Zeit-Archiv funktioniert allerdings
> grade nicht, daher ohne Nachweis ;-)

Ich zitiere Mario Garcia, den Entwickler des im Januar 1998 eingeführten
neueren ZEIT-Designs:

Die Schrifttype Tiemann wird für Überschriften wie für Logos
benutzt. Ein wenig Rot im Anfangsbuchstaben eines jeden Logos dient
zur Hervorhebung der einzelnen Sektionen. Der Text erscheint in
Garamond, während an bestimmten Stellen zur optischen Abhebung die
neue Schrift Thesis verwendet wird.

Die erste ZEIT im neuen Gewand (29.1.1998) enthielt einen interessanten
Artikel "Schöner Lesen" von Garcia über Zeitungsdesign.

Gruß -- Olaf Meltzer

Michael Ebner

unread,
Jan 14, 2002, 1:08:57 PM1/14/02
to
>>Stempel Garamond harmoniert gut mit der Syntax (eine humanistische
>>Serifenlose), alles andere scheint mir eher problematisch, bei Adobe
>>Garamond sehe ich mehr Möglichkeiten.
>>
>
> Die Frutiger koennte auch gehen. IMHO sind die Unterschiede zwischen
> der Garamond von Adobe und Stempel auch nicht so gross, dass bestimmte
> Schriftmischungen nur mit einer Version funktionieren.

Ok, was ist aber, wenn man noch eine TypeWriter Schrift dazu benoetigt?
Was wuerdet Ihr da nehmen?


Cheers

Michael

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