Albrecht Mehl schrieb:
> Ich habe vor, unserer sechzehnjᅵhrigen Tochter [...] LaTeX beizubringen
[...]
> Ich muss zusammen mit der X... ein Referat schreiben. X... hat aber
> kein LaTeX. Wie fᅵgen wir am geschicktesten unsere Beitrᅵge - bei
> mir aus .tex, bei ihr aus .doc - zu _einem_ Dokument zusammen?
Im Zweifelsfall macht wohl jede/r das, was sie/er kann.
Zumindest in Baden-Wᅵrttemberg gibt es fᅵr Gymnasiast/inn/en
bereits ab der Unterstufe ein Schulfach "Informationstechnische
Grundbildung". In diesem Fach sollen die Schᅵler unter anderem
den Umgang mit Office-Paketen lernen.
Bei Sechzehnjᅵhrigen und ᅵlteren Gymnasiast/inn/en ist also
davon auszugehen, das als gemeinsamer Nenner zumindest
das vorhanden ist, was alle Beteiligten an der Schule bereits
gelernt haben. Also wird es wohl darauf hinauslaufen, dass
als Datenaustauschformat das von diversen "Wortprozessoren",
die zu diversen Office-Paketen gehᅵren (zB Microsoft Word aus
dem Microsoft-Office), verwendete .doc- oder .docx-Format
gewᅵhlt wird.
Fᅵr die Abgabe der Arbeit/des Elaborats braucht man ein
Format, mit welchem alle Beteiligten, insbesondere die
Lehrerin/der Lehrer, umgehen kᅵnnen und es kommt auch
darauf an, ob die anzugebende Endfassung noch editierbar
sein soll (bspw durch die Lehrerin/den Lehrer, die/der noch
Anmerkungen dazuschreiben will, zB was ihr/ihm an Inhalt
fehlt und wo es Punktabzug gab) oder nicht. Im einen Fall ist
hᅵufig .doc(x) gewᅵnscht, im anderen ist pdf hᅵufig gerne
gesehen.
An der Universitᅵt fand ich die Sache mit (La)TeX schon
zu meiner Zeit nicht sehr tragisch. Ich fand es irgendwann
hilfreich und spassig, endlich einigermassen damit
zurechtzukommen, aber was das Studium an sich angeht,
wᅵre ich wohl komplett ohne ausgekommen, da schon zu
meiner Zeit die Dozentenschaft resigniert hatte und darauf
eingestellt war, dass Studierende nicht damit umgehen
kᅵnnen.
Meist war entweder "Papiernes" (handschriftlich oder
Ausgedrucktes) oder .doc oder .pdf gefordert, wobei egal
war, wie die pdf-Dateien entstanden waren solange der
pdf-Viewer sie korrekt anzeigen konnte.
Auch bei den Physikern habe ich miterlebt, wie den Leuten
im Grundstudium geraten worden ist, unter M$-Windows
einen Treiber fᅵr einen virtuellen Drucker (zB RedMon) zu
installieren, welcher als Ausgabe pdf-Dateien liefert und
damit das das Word-Dokument "auszudrucken"...
Ab und zu "durfte" ich "HiWi-Job-mᅵssig" Elaborate fᅵr
irgendwelche Dozenten "texen", was daran lag, dass
ich der einzige greifbare Nerd war, der erstens es
einigermassen hinbekam und zweitens es sich antat,
wᅵhrend besagte Dozenten es nicht konnten oder sich
nicht antun wollten, es aber trotzdem haben wollten um
"hip" zu sein.
Auch heute noch ist mir ausser mir selbst niemand persᅵnlich
bekannt (aus dieser Newsgroup kenne ich niemanden
persᅵnlich), der in (La)TeX etwas anderes sieht als dieses
ominᅵse ᅵberkomplizierte Programm, das von Nerds
verwendet wird, um pdf-Dateien zu erstellen, die dann
manchmal - je nach Expertise des Nerds - sogar hᅵbsch
aussehen.
Ich denke, auch an der Universitᅵt ist (La)TeX fᅵr Studierende
heutzutage im Vergleich zu anderen Dingen nicht ganz so
wichtig, wie manche Leute das gerne hᅵtten.
Wenn es darum geht, jemanden an Markup und derartige
Konzepte heranzufᅵhren, wᅵrde ich heutzutage vielleicht nicht
mit (La)TeX anfangen, sondern vielleicht erst mit etwas
SGML- bzw XML-Basiertem wie DocBook oder DITA.
(Es gibt wohl Tools, mittels derer man zB aus dem DocBook-
Format sowohl LaTeX- als auch Word-Dateien erzeugen kann
und umgekehrt. )
Ich selbst bin relativ gut mit dem Python-Framework "PlasTeX"
zurechtgekommen, habe aber keine aktuelleren Erfahrungen.
Auch das folgende hat nichts mit der eigentlichen Frage
des Initialpostings zu tun, aber dennoch:
Auch wenn die Tochter gewissermaᅵen einen Lehrer hat,
der ihr (La)TeX beibringt, wird sie wohl um ein bisschen
Selbststudium nicht herumkommen.
Es ist also auch wichtig, dass sie weiss/lernt, wie man bspw
im Usenet oder in Web-basierten Foren nachfragt und dabei
bspw "minimal working/failing examples" (=Minimal-
beispiele) erstellt und vor allem, wie man durchschaut,
worauf andere Kommunikationsteilnehmer aus sind und
einschᅵtzt, welche Kommunikation in Hinblick auf das,
was man erfahren/erreichen mᅵchte, noch zielfᅵhrend sein
kᅵnnte.
Was mich noch interessiert: Wie tiefgehend sollen denn
am Ende des "Lehrgangs" die LaTeX-Kenntnisse sein?
Eher oberflᅵchlich - Gliederungsbefehle (\chaper, \section...)
und Einteilung in Prᅵambel und document-Umgebung -
oder schon sehr profund (plain TeX ist kein Problem.
Expansion, Makroprogrammierung, Package-debugging,
catcode-Jongliererei und das Programmieren eigener
Output-Routinen und Lua-Spielereien sind an der
Tagesordnung)?
Wie tiefgehend sollen denn am Ende des "Lehrgangs" die
sonstigen Computerkenntnisse sein? (Fᅵr manche Leute,
die nur unter Windows mit angeblich intuitiv bedienbaren
graphischen Klicki-Bubnti-Benutzeroberflᅵchen arbeiten,
ist die Konfrontation mit kommandozeilenorientierten
Systemen (Shells, Terminals, "Eingabeaufforderung",
Commandline-Interpreter etc) keine Freude und wer
LaTeX aufrufen bzw einen TeX-Editor konfigurieren
oder ein TeX-System auf dem eigenen Rechner warten/
updaten kᅵnnen will, kᅵnnte damit zu tun bekommen...)
Mit freundlichem Gruᅵ
Ulrich