Am 26.10.2016 um 09:05 schrieb Max Werner:
>Vielen vielen Dank für deine umfangreichen Beiträge.
Hallo Max,
ich war eben dabei die Zusammenarbeit von LyX und Pandoc auszuprobieren.
An sich finde ich nämlich (jedenfalls bis jetzt) dass Pandoc bessere
Ergebnisse liefert, was den Import anderer Formate nach und den Export
in andere Formate betrifft, als alles, was ich vorher kannte.
> Das hat mich fast erschlagen - ich komme zeitlich leider nicht in dem
> gewünschten Umfang dazu all deine Tipps sofort auszutesten.
Das tut mir Leid. Aber Du brauchst ja nicht alles auf einmal zu machen. ;-)
> Eine erste Probe mit einer kurzen ODT-Datei (formatiert mit
> Formatvorlagen), die ich mit Hilfe von writer2latex in LyX importiert
> habe, ist ein wenig enttäuschend verlaufen. Der Text wurde zwar
> vollständig eingelesen, aber die Struktur war für mich zuerst nicht
> eindeutig erkennbar. Tabs wurden z.B. zu LyX:space konvertiert, den ich
> neu definieren kann.
Hm. Ich müsste jetzt ins Blaue hinein raten. Wenn ich Dich richtig
verstanden habe, hast Du mit writer2latex einen Importfilter in LyX
erstellt. Abgesehen davon, dass Pandoc dafür wahrscheinlich besser
funktioniert (das müsstest Du bei Dir einfach testen, ich habe das nicht
ausprobiert), könnte eine Ursache die sein, dass writer2latex ja nicht
direkt nach LyX sondern nach LaTeX exportiert und LyX dann die
LaTeX-Datei importiert. Zu den Tabs kann ich nichts sagen, aber was den
Import einer LaTeX-Datei nach LyX betrifft: normalerweise bekommst Du
immer eine lauffähige Datei, aber es gibt einfach viel zu viel ERT, so
dass eine Menge Nacharbeit notwendig ist. Bei Pandoc wiederum bekommst
Du wesentlich weniger ERT (aber auch welchen, den Du dann am besten
löscht), aber Du musst unbedingt alles löschen, was in Dokument -->
Einstellungen --> LaTeX-Vorspann steht.
> Die kann ich, abhängig vom Absatzformat das automatisieren?
> Müssen dafür Makros geschrieben werden?
Grundsätzlich zu Abständen bei LaTeX: LaTeX definiert für alles mögliche
spezielle Abstände. Es gibt auch Befehle (die in LyX gut umgesetzt
sind), mit denen bestimmte Abstände eingefügt werden können (horizontal
und vertikal). Was es nicht gibt, weder in LaTeX noch in LyX, sind
Tabulatoren. Letztlich ist LaTeX, nicht LyX, für die Abstände
verantwortlich, mit denen Deine LyX-Datei arbeitet. Meine Idee an dieser
Stelle wäre die: Du schaust, welcher LaTeX-Befehl in den Fällen, die es
betrifft, für den jeweiligen Abstand verantwortlich ist und definierst
diesen Befehl nach Deinem Gusto um. Das geht mit einem \renewcommand-
oder einem \newcommand-Befehl. Den setzt Du dann in Dokument -->
Einstellungen --> LaTeX-Vorspann ein.
ACHTUNG! Bevor Du das machst, solltest Du Dich über die Befehle
\renewcommand und \newcommand und die Folgen, die deren Einsatz haben
kann, gründlich informieren. Es steht zum Beispiel etwas in
Mittelbach/Goossens 2005:875–880. Google kann auch nicht schaden.
Am besten wird sein, Du sagst genau, welcher Befehl betroffen ist und
wie Du ihn gerne umdefiniert haben möchtest und fragst in dieser
Newsgroup (in einem neuen Thread), ob das jemand kann. Ohne eigene und
sehr tief gehende LaTeX-Kenntnisse können eigene Versuche in der
Richtung nämlich ziemlich in die Hose gehen. (Ich fühle mich da nicht in
der Lage zu.)
Wenn Du einen Code hast, der für Dich funktioniert, dann speichere ihn
als Codeschnipsel ab und setze ihn in jeder LyX-Datei, in der das nötig
ist, in Dokument --> Einstellungen --> LaTeX-Vorspann ein.
> Auch die vielen Optionen beim Export zu LaTeX muss ich noch genauer
> untersuchen.
Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich writer2latex das letzte Mal
benutzt habe. soweit ich mich erinnern kann, kannst Du writer2latex sehr
weitgehend konfigurieren. Das reicht von einer Einstellung, in der
writer2latex praktisch versucht, das komplette Layout der odt-Datei in
LaTeX nachzubauen (mit allen typografischen Fehlern, die das dann in 99
Prozent der Fälle hat) bis hin zu einer Einstellung (die, glaube ich,
›strikt‹ heißt), bei der das Layout komplett von LaTeX bestimmt wird.
Ich persönlich wäre sehr für die letztere Variante. Damit bekommst Du
einfach bessere Ergebnisse.
> Ich merke daran wie wenig ich mich bereits ins Thema eingelesen habe.
Was nicht ist, kann noch werden. ;-) Übrigens glaube ich, dass Pandoc
für den Import von odt-Dateien nach LyX sowieso besser geeignet ist als
writer2latex. Probier es einfach aus.
> Deine Code-Zeile mit dem Kopierer hat mich völlig überrascht, da ich
> nicht wusste, dass man Python so einsetzen kann.
Ich weiß überhaupt nicht, wie man Python einsetzt. Im Ernst: ich habe
die Zeile einfach aus dem bereits existierenden Format »HTML« kopiert
(in der Annahme, dass es da nicht umsonst steht).
> Offensichtlich bin ich noch nicht gut genug über die TeX/LaTeX/LyX
> Arbeitsweise im Bilde. Da ich bisher gewohnt bin mit InDesign zu
> arbeiten ist die Umstellung hin zu Tex/LaTex mir noch sehr fremd.
InDesign ist ein feines Programm und es gibt Sachen, die ich lieber
damit mache, zum Beispiel Flugblätter oder Plakate. Sobald ich aber mit
strukturierten Dokumenten zu tun habe (Berichte, wissenschaftliche
Arbeiten, Memos, Geschäftsbriefe, Lebensläufe und sogar Präsentationen),
nehme ich LaTeX bzw. LyX.
> Deshalb bin ich auf der Suche nach einer guten _deutschsprachigen_
> Einführung in TeX/LaTeX und einer kommentierten Referenz.
> Gibt es so etwas?
Ja, natürlich. Früher waren die Kopka-Bände, insbesondere der erste (den
habe ich auch), sehr beliebt. Inzwischen ist das veraltet und ich würde
das nicht mehr empfehlen. Statt dessen
zu LaTeX allgemein
Mittelbach / Goossens 2005
zu Tabellensatz mit LaTeX
Voß 2008
zu Mathematiksatz mit LaTeX
Voß 2009
zu KOMA-Script (Anpassung von LaTeX auf europäische Typografie)
Kohm/Morawski 2008
zu PSTricks (Grafik mit Postscript)
Voß 2006
Außerdem findest Du noch eine Menge im Internet. Google hilft. An dieser
Stelle nur die folgenden beiden Hinweise:
https://de.wikibooks.org/wiki/LaTeX-Kompendium
https://wiki.lyx.org/
Natürlich gibt es auch Mailinglisten und Newsgroups. Die Newsgroup zu
LaTeX (dctt) hast Du ja schon gefunden. ;-) Dann gibt es noch eine
deutschsprachige Mailingliste zu LaTeX:
Adresse
TEX...@LISTSERV.DFN.DE
Anmeldung
https://www.listserv.dfn.de/sympa/arc/tex-d-l
Und es gibt eine englischsprachige zu LyX:
Adresse
lyx-...@lists.lyx.org
Anmeldung
Leere Nachricht an
lyx-users...@lists.lyx.org zum Abonnieren der Liste,
lyx-users-...@lists.lyx.org zum Abbestellen
Spiegelung als Newsgroup
gmane.editors.lyx.general
Wenn Du LaTeX installierst (unter Linux wird das wohl eine
TeXLive-Installation sein, unter Windows, aber da will Dein
Brötchengeber ja von weg, eher MiKTeX), dann haben alle installierten
Pakete auch eine Anleitung, die Du unterhalb von doc in Deinem
LaTeX-Baum findest, meistens als PDF-Datei, in seltenen Fällen auch als
Postscript- oder DVI-Datei (für beides gibt es Viewer, unter Linux mehr
als unter Windows). LyX hat ebenfalls eine sehr gute und ausführliche
Dokumentation, die Du unterhalb von Hilfe findest und die aus
verschiedenen LyX-Dokumenten (›Handbüchern‹) besteht (die Du Dir, wenn
Du willst, auch ausdrucken kannst; normalerweise ist das aber nicht nötig).
Ach ja, dann gibt es noch etwas Spezielles: eine Tasse mit einer
LaTeX-Kurzreferenz, schau hier:
http://www.lehmanns.de/shop/mathematik-informatik/7361330-9783865410528-latex-referenz-tasse
Ich würde Dir übrigens empfehlen, neben LyX auch einen LaTeX-Editor zu
installieren. Im Prinzip kannst Du alles, was in LaTeX geht, auch in LyX
realisieren. Nur: wenn Dein LyX-Dokument fast ausschließlich aus ERT
besteht, dann solltest Du Dir schon überlegen, ob es nicht einfacher
ist, das Ganze direkt in LaTeX zu schreiben. (ERT heißt »evil red text«,
übersetzt: schlechter roter Text. Du kannst in LyX eine ERT-Box
aufmachen und in die dann LaTeX-Code eingeben, um innerhalb von LyX
Dinge realisieren zu können, die LyX von sich aus noch nicht unterstützt.)
Darüber, welcher Editor der beste ist, hat es schon ganze Flamewars
gegeben. Ich persönlich arbeite gerne mit TeXStudio. Ob es diesen Editor
auch unter Linux gibt, weiß ich nicht. Unter Linux würde ich mir auch
Kile anschauen. Emacs mit AucTeX ist etwas für Leute, die als erstes die
Maus ausstöpseln, wenn sie sich an einen Computer setzen. Es gibt den
Scherz, Emacs heiße ›Escape Meta Alt Control Shift‹. Das ist nicht so
ganz ernst gemeint, aber es zeigt, auf welche Weise Du mit Emacs am
effektivsten arbeitest.
Für bestimmte Dokumente ist LaTeX und damit auch LyX schlicht
ungeeignet. Das trifft immer dann zu, wenn Du selbst Elemente in Rahmen
exakt positionieren musst. Dafür nimmst Du besser ein DTP-Programm.
Unter Linux sieht es da aber eher Mau aus. Das einzige, was es da gibt
ist Scribus. Mit Scribus kannst Du schon arbeiten, aber das Programm ist
lange nicht so gut wie InDesign oder QuarkXPress. Insbesondere die
Tabellen-Funktion ist fast vollständig unbrauchbar. Es gibt allerdings
in Scribus die Möglichkeit einen LaTeX-Rahmen aufzuziehen. Da kannst Du
dann LaTeX-Code eingeben, der dann gerendert wird. Das Ergebnis
platzierst Du dann in deinem Scribus-Dokument da, wo Du es haben willst.
> Grüße
> max
Viele Grüße
Marcus
--- Literatur ---
Kohm, Markus und Jens-Uwe Morawski, (3)2008: KOMA-Script – eine Sammlung
von Klassen und Paketen für LaTeX2e. Berlin: Lehmanns
(inzwischen gibt es, glaube ich, die 5. Auflage. Google das mal.)
Mittelbach, Frank und Michael Goossens, (2)2005: Der LaTeX-Begleiter.
München: Pearson
Voß, Herbert, (3)2006: PSTricks. Grafik mit Postscript für TeX und
LaTeX. Berlin: Lehmanns
Voß, Herbert, 2008: Tabellen mit LaTeX. Berlin: Lehmanns
Voß, Herbert, 2009: Mathematiksatz mit LaTeX. Berlin: Lehmanns
--
PMs an:
m.gl...@gmx.de