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[scrbook] Klebebindung und Bindekorrektur

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Christian Ebert

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Dec 14, 2004, 12:32:37 PM12/14/04
to
Hallo,

Nachdem mein Drucker sein Waterloo erlebt hat, indem er versprach
sich im die Bindekorrektur der von mir gelieferten Bücher selbst
zu kümmern und die Korrektur darin bestand, daß sie nicht
stattfand, kümmere ich mich jetzt darum. Dabei entsteht aber eine
kitzlige Frage:

Es handelt sich um Taschenbücher, die -- man verzeihe die
laienhafte Umschreibung -- so gebunden werden, daß die Bögen
nicht nur am Rücken an den Umschlag geklebt sind, sondern die
erste und die letzte Seite mit einem 5mm breiten Steg am Umschlag
kleben. Etwa so:

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Meine Frage an die Experten: Sollte man nun die gesamten 5mm als
Bindekorrektur ansehen?

Wie man's auch dreht, in gewisser Weise ist's ein Kompromiß; denn
wenn man das Buch »bricht« (Gott bewahre!), hätte man ja wieder
den inneren Rand plus die 5mm vor sich, da die restlichen Seiten
ja nur am Rücken verklebt sind, bzw. etwa 3mm bis 4mm sind, wenn auch
optisch stark verkürzt, doch zu sehen. Die Sache verhält sich also nicht
so eindeutig wie bei einer Leinenbindung, bei der man mit dem
Aufschlagen des Buchs die drei, in diesem Fall gleich breiten,
weißen vertikalen Streifen deutlich vor Augen hat.

Erfahrungen? Tipps? Geschmackssache?

c
--
Wer auf sein Elend tritt, steht höher.
_HÖLDERLIN: H Y P E R I O N_ <http://www.blacktrash.org/>

Markus Kohm

unread,
Dec 15, 2004, 3:13:32 AM12/15/04
to
Christian Ebert wrote:

> Wie man's auch dreht, in gewisser Weise ist's ein Kompromiß;

Bindekorrektur insbesondere bei Leimbindung ist immer ein Kompromiss.
Eigentlich soll die Bindekorrektur ja dafür sorgen dass:

- der innere Rand optisch so groß ist wie jeder äußere Rand
- das Seitenverhältnis der optischen Seite zum Seitenverhältnis
des Satzspiegels passt

Nun ist aber der optische innere Rand eine neuen, ungebrauchten Buches in
Leimbindung deutlich kleiner als der eines Buches, das schon Dutzende Male
gelesen wurde. Damit ist schon unter optimalen Voraussetzungen kein
eindeutiger Wert zu ermitteln. Dazu kommt, dass jede Leimbindung anders
ist.

> die erste und die letzte Seite mit einem 5mm breiten Steg am Umschlag
> kleben.

Das ist bei guten Klebebindungen normal (und teilweise sogar bei
fadengebundenen Büchern zu finden). Einerseits spielt das überhaupt keine
Rolle. Damit das keine Rolle spielt, verwendet man einen Schmutztitel ode
rein zusätzliches Deckblatt, das extrem wenig und außen orientiertes
Material enthält. Bei der KOMA-Script-Anleitung findet man auf dieser Seite
beispielsweise die Logos von Lehmanns und DANTE.

Andererseits hat das Cover an dieser Stelle normalerweise eine Falz und alle
Seiten, die dich am Cover liegen, knicken an dieser Stelle. Dafür liegt die
andere Seite einer solchen Doppelseite ziemlich flach.

Hat man ein Probeexemplar des Buches, dann kann man daran eigentlich sehr
gut die notwendige Bindekorrektur abschätzen. Hat man das nicht, dann ist
nach meiner Erfahrung eine gute a-priori Abschätzung:

Bindekorrektur = max ( Cover-Falzbreite, 1/2 Buchblockdicke + 1mm )

Vorteilhaft ist außerdem, wenn man von Anfang an, eine Randbeschneidung oben
unten und rechts einplant, also das Papierformat etwas verkleinert bzw. mit
großzügigen Rändern arbeitet. Dann kann nämlich ggf. bei der Beschneidung
eine optisch zu geringe Bindekorrektur durch stärkeres Beschneiden
ausgeglichen werden. Eine absolut zu geringe Bindekorrektur (wenn also
bereits Text in der Bindung bzw. in der Biegung verschwindet) ist aber
durch nichts mehr zu retten.

Achso, wie kommt man an die Buchblockdicke? Der Drucker sollte die Dicke des
verwendeten Papiers kennen.

Gruß
Markus
--
Fragen zu LaTeX? --> http://www.dante.de/faq/de-tex-faq/
Fragen zu KOMA-Script? --> Anleitung z. B. auf CTAN (--> FAQ);
--> http://www.komascript.de
Die Verwendung einer falschen From-Angabe wäre ein Verstoß gegen rfc1036.

Christian Ebert

unread,
Dec 15, 2004, 2:57:26 PM12/15/04
to
* Markus Kohm am 15.12.2004:

> Bindekorrektur insbesondere bei Leimbindung ist immer ein Kompromiss.
> Eigentlich soll die Bindekorrektur ja dafür sorgen dass:

[...]

Herzlichen Dank für deine kompromißlos präzise Beschreibung des
Kompromisses.

Nur eine Frage noch, zur Sicherheit:

> Bindekorrektur = max ( Cover-Falzbreite, 1/2 Buchblockdicke + 1mm )

heißt: wenn 1/2 Buchblockdicke + 1mm größer als Cover-Falzbreite,
letzteres, ansonsten Cover-Falzbreite -- und /nicht/
Cover-Falzbreite + 1/2 Buchblockdicke + 1mm?

Tschulje die blöde Frage, aber meine Nerven sind etwas
angegriffen.

c
--
All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed.
No matter. Try again. Fail again. Fail better.
~ Samuel Beckett, Worstward Ho

Paul Muster

unread,
Dec 15, 2004, 3:13:35 PM12/15/04
to
Christian Ebert schrieb am 15.12.2004 20:57:
> * Markus Kohm am 15.12.2004:

> Nur eine Frage noch, zur Sicherheit:


>
>> Bindekorrektur = max ( Cover-Falzbreite, 1/2 Buchblockdicke + 1mm )
>
> heißt: wenn 1/2 Buchblockdicke + 1mm größer als Cover-Falzbreite,
> letzteres, ansonsten Cover-Falzbreite --

Nein.

Berechne "Cover-Falzbreite".

Berechne "1/2 Buchblockdicke + 1mm".

Die von Markus empfohlene Bindekorrektur ist der größere der beiden
berechneten Werte.


mfG Paul

Christian Ebert

unread,
Dec 15, 2004, 5:58:36 PM12/15/04
to
* Paul Muster am 15.12.2004:

> Christian Ebert schrieb am 15.12.2004 20:57:
>> * Markus Kohm am 15.12.2004:
>> Nur eine Frage noch, zur Sicherheit:
>>
>>> Bindekorrektur = max ( Cover-Falzbreite, 1/2 Buchblockdicke + 1mm )
>>
>> heißt: wenn 1/2 Buchblockdicke + 1mm größer als Cover-Falzbreite,
>> letzteres, ansonsten Cover-Falzbreite --
>
> Nein.

Ja. Äh, nein. Doch!

> Berechne "Cover-Falzbreite".
>
> Berechne "1/2 Buchblockdicke + 1mm".
>
> Die von Markus empfohlene Bindekorrektur ist der größere der beiden
> berechneten Werte.

Sag ich doch. ;-)

Sorry; danke, das Brett vorm Kopf ist inzwischen wenigstens
dünner als die berechnete Buchblockdicke.

c
--
So is das Leben / Eben. / Eben und flach. / Ach.
---> <http://www.blacktrash.org/hanullmann/hanullmann.html>

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