Mathias Böwe <
Mathia...@gmx.de> wrote:
> Warum ist denn Misogynie unter Frauen soweit verbreitet - jedenfalls
> wenn das Zitat zutrifft, wovon ich angesichts eigener Erfahrungen
> zunächst einmal ausgehen kann?
Was Du meinst, ist vermutlich die strukturelle Diskriminierung, die im
Androzenrismus ihren Ausdruck findet. Es ist nicht so, dass Männer und
Frauen etwa unterschiedlich diskriminierten – das ist ja ein kulturelles
Problem, und da sind Männer wie Frauen beteiligt.
Wie bei jeder Ideologie so sitzt auch das Frauenverachten fest in den
Köpfen, auch den weiblichen. Es ist da nur höchst mühsam wieder weg zu
kriegen.
Zum Thema: es war ganz schön ideologisch aufwändig, die Frauen im
zweiten Weltkrieg dazu zu kriegen, die Jobs der Männer zu erledigen;
jene waren ja oft beim Kämpfen, jemand musste die Jobs machen. So ist es
entstanden, dass die gerade damals aufkeimende Softwarekunst im
Wesentlichen von Frauen begründet worden ist. Man hat das massiv
propagandiert.
Nun wollte man so etwas nach dem Krieg wieder weghaben. Entsprechend
gab es den Propaganda-Aufwand in den 50er Jahren, dass die Frau zurück
an den Herd und für die Kinder da sein soll. Die Beispiele für solche
Propaganda sind ja Legion.
Das hat ebenso funktioniert – und uns die Grundlage für unser heutiges
Problem gelegt.
> Und warum unterstellst Du dem Überbringer einer Nachricht, daß er sie
> sich zueigen machen würde?
Das mache ich nicht prinzipiell, sondern in dem Fall aufgrund der
gesamten Argumentation. Und ich vermute auch nach wie vor, dass ich
richtig liege. Es ist ja kein Zufall, welches Zitat man wählt, um welche
Position in einer Diskussion zu belegen.
> Im Posting, auf das Du Dich beziehst, sehe ich keine eigene Misogynie,
> sondern nur im wiedergegebenen Ausspruch.
Falls Du es theoretisch erklären können möchtest, empfehle ich Dir
Sprachakttheorie, einschlägig wäre Searl. Ich kanns auch kurz auf den
Punkt bringen: mit dem Sprechen handelt man. Man wählt aus, in welcher
Form man welchen Inhalt mit welcher Bedeutung in welchen Worten mit
welcher Konotation spricht.
Die Form einer Diskussion ist ja keinesfalls die eines Berichts mit dem
Anspruch eines in der Sache neutralen Berichterstatters. Im Gegenteil,
da geht es um's Positionen beziehen. Und das ist hier auch passiert.
> Desweiteren: Warum fangen Frauen mehrheitlich kein Studium im Bereich
> MINT an (ausgenommen Biologie, mit Einschränkungen Chemie und vielleicht
> noch Mathematik) und jammern dann, daß unter den Ingenieuren Frauen
> unterrepräsentiert sind?
Schon diese Frage enthält Mysogynie ;-) Denn Du sprichst davon, dass
Frauen mehrheitlich kein MINT-Studium beginnen, und dann jammern. Es ist
hier in der Diskussion aber gar nicht der Fall, dass Frauen jammern. Ich
bin keine Frau. Ich beklage hier aber, dass wir viel zu wenige Frauen
in die Softwarekunst und in die Informatik kriegen, nachdem ausgerechnet
in unserem Fach völlig klar ist, dass es rein gar keinen Unterschied
zwischen Frau und Mann hier gibt, denn inzwischen haben wir Männer ja
längst bewiesen, dass wir das auch können.
Ich kenne überhaupt keine Frauen, die so jammern, schon gar nicht
mehrheitlich. Und auch der Bericht, dessen Bewertung meinerseits Du
mokierst, ist ja alles andere als Jammern – er ist im Gegenteil die
Feststellung, dass Frauen das Beschriebene angeblich so wollen.
Wenn ich Dich analysiere, würde ich aus dem ersten Eindruck vermuten,
dass Du Dich als Mann angegriffen fühlst und schuldig gemacht, und jetzt
versuchst, die Schuld auf die anderen – das wären hier die Frauen –
abzuschieben. Deshalb konstruierst Du ein verwerfliches Verhalten, was
die andere Gruppe aufzuzeigen Du behauptest. Du unterstellst das
einfach, und zeigst dann mit dem Finger darauf.
Damit sagst Du eine Menge über Dich selbst, übrigens ;-)
Ich kann Dich aber in einem Punkt beruhigen: Du musst Dich nicht
angegriffen fühlen. Auch wenn ich selbstverständlich so werte, dass das
völlig falsch ist, Frauen zu diskriminieren, ist es nicht so, dass ich
daraus immer sofort Schuld ableite. Entsprechend möchte ich hier
niemanden angreifen. Das würde ich auch nicht in langen, erklärenden
Texten mit möglichst neutral formulierter Analyse tun ;-)
Ich beginne ja schlicht damit, dass ich darauf hinweise, was man
feststellen kann, wenn man beispielsweise Deine Aussagen reflektiert.
Ich möchte Dich animieren, das auch selbst zu tun. Da geht es nicht um
Schuld, sondern um Aufklärung. Das ist schon alles.
> Das ist so zwar pauschalisiert, aber mir erschließt sich nicht, wie
> aus einer Frauenquote unter den angehenden Ingenieuren von z. T.
> deutlich unter 2% später ein nennenswert höherer Frauenanteil bei den
> in Lohn und Brot stehenden Beschäftigten erwachsen kann.
Natürlich muss man Mädchen und Frauen viel mehr in die Ausbildung in der
Softwarekunst und der Informatik kriegen. Deinen Hinweis halte ich
entsprechend für zutreffend.
> Wieso tut niemand etwas gegen die Misogynie bei Frauen?
Das ist ebenso eine sehr gute Frage. Wenn man kulturell determinierte,
also strukturelle Diskriminierung bekämpfen will, muss man das gesamt-
gesellschaftlich tun. Und das schliesst alle Menschen mit ein, explizit
auch die Frauen.
Übrigens ist es nicht so, dass man das nicht jetzt schon auch bei Frauen
bekämpfte; es gibt eine Reihe von Massnahmen, die auf diese Gruppe
abzielen.
Viele Grüsse,
VB.
--
“Wohltätigkeit ist das Ersäufen des Rechts im Mistloch der Gnade.”
Johann Heinrich Pestalozzi