Am 23.10.2018 um 21:06 schrieb Erika Ciesla:
> Am 23.10.18-01:04 Marcel Mueller schrieb:
>> Und Du weißt schon, dass OS/2 32-bittig ist, (…)
>
> Ja, – weil IBM kurz nach 1995 sich einfach umgedreht hat und kampflos vom
> Platz gegangen ist. Dabei hätten die eine gute Chance gehabt sich gegen
> Windoof-95 zu behaupten, [...]
IBM hatte nie eine reale Chance. Die Firma war und ist bis heute nicht
für das Endkundengeschäft aufgestellt. Viel zu schwerfällig, viel zu
viel Overhead. Bei großen Geschäften ist das vernachlässigbar, aber im
Endkundengeschäft tödlich.
IBM ändert nur etwas, wenn es ohne nicht weiter geht. "Don't fix if it
ain't broke", war die offizielle Devise zu OS/2 Zeiten. Das hat
zweifelsohne seine Vorteile, wenn es um Kontinuität geht, aber ein
Endkunde kapiert doch gar nicht, was es bedeutet, eine Kiste einmal
aufzusetzen und dann 20 Jahre lang mit nur ein paar Updates zu
betreiben, oder das ein 15 Jahre alter Binärtreiber einfach so noch
läuft. Das will der gar nicht.
Kunden kaufen keine gute Produkte, /sie kaufen Produkte, die sie
interessieren./ Und Microsoft hat das kapiert. Vor allem haben sie auch
kapiert, dass der Zugang zum heimischen Wohnzimmer über die Spiele
führt, Der PC wird zwar offiziell zum Arbeiten angeschafft, aber
faktisch muss deshalb ein neuer her, weil es ums Zocken geht. Büro-PCs
mit fetter Grafikkarte - ist klar, fürs Büro. Das ging in den 90-ern
schon los.
> da dieses, wenn man man ganz genau hingeguckt hat,
> doch wieder nur eine neue DOS-Edition gewesen ist. Und damals war 32-Bit
> halt State of the Art, die anderen hatten auch nicht mehr.
Damals gab es faktisch keine 32 Bit Software. Und selbst OS/2 war im
wesentlichen nur ein besserer DOS- und Windows-Emulator. Das war auch
der einzige Grund, warum ihm überhaupt ein kleiner Achtungserfolg
gelang. Ohne diese Emulation hätte nicht einmal ich das Ding mit dem
Hintern angeguckt. Das wäre so alleine gewesen wie Windows Phone.
> Fazit: OS/2 war damals *DAS* PC-Betriebssystem an und für sich; ich habe
> bis heute nicht verstanden, warum IBM das aufgegeben hat?
Weil sie gegen den volatilen Markt nicht gewinnen konnten. IBM steht für
hochpreisige, langlebige Produkte; das komplette Gegenteil des
Endkundenmarktes. Es war eher Zufall, dass es damals überhaupt in diesen
Markt rein gerutscht ist. Das war kein Verdienst von IBM, sondern die
Fehler anderer.
OS/2 wurde für Bankkunden und ähnliche entwickelt. Dort hat es auch
Jahre nach seinem gefühlten Untergang noch seinen Dienst verrichtet.
Ende der 90-er war ein erheblicher Teil der Geldautomaten mit OS/2
ausgestattet, und zwar in der Version 1.3! Bis ins aktuelle Jahrtausend
lief es in etlichen Banken noch auf den Mitarbeiter-Terminals.
>>> Aber der Pentium hat noch eine 32-Bit-Architektur, da habe ich überhaupt
>>> keine Bedenken für, das paßt wie der Arsch auf den Eimer.
>>
>> P166 ist selbst für OS/2 MCP zu lahm, zumal der Bauartbedingt wirklich bei
>> 64MiB RAM fest hängt,
>
> Also mein allererster OS/2-Rechner war ein 386’er mit einer Taktfrequenz
> von 16 MHz und mit 8 MB RAM (diesmal ist das kein Tipfehler), und ich war
> begeistert. Den Pentium gab es damals noch gar nicht, der wäre im Vergleich
> dazu ein echtes Kraftpaket gewesen.
Jo, aber darauf installierst Du kein MCP2. Darauf bekommt man mit ach
und Krach ein OS/2 2.1 hoch. Spaß macht es aber nur mäßig.
Was richtig rattig schnell auf diesen Kisten lief, war OS/2 1.3, also
16-Bit Software. Die braucht halt prinzipsbedingt weniger Speicher, weil
viele Variablen nur die Hälfte des Platzes belegen. Und damit auch
weniger Datendurchsatz in der CPU, weniger Memory-Cache u.s.w.
Das ist ja heute noch so. Ein 64 Bit-System braucht aus dem Stand grob
30% mehr RAM. Anders formuliert: es ist komplett dumm, auf Systemen mit
4GB RAM ein 64 Bit OS zu installieren. Danach hat man nämlich effektiv
1GB weniger. Das hat freilich niemand davon abgehalten, es dennoch zu tun.
Ich habe das kürzlich wieder am eigenen Leib erfahren dürfen. Meine
Entwicklungs-VM hatte ich immer schön brav auf 32 Bit laufen. Nun haben
aber einige Produkte den 32 Bit Support beendet, und ich musste daher
auf 64 Bit wechseln. Vor dem Wechsel hatte die VM 3GB RAM, und das
reichte dicke für Eclipse CDT und JDT mit dutzenden Fenstern, Firefox
mit >30Tabs und noch ein Dutzend kleinere Programme. Mit 64 Bit habe ich
das RAM auf 4GB erhöht, aber es reicht nun nicht mehr. Vor allem bei
GC-Sprechen, wie Java und .NET/Mono (also Eclipse) steigt der Verbrauch
nämlich um mehr als 30%, da diese sehr viel mit nunmehr doppelt so
großen Objektreferenzen arbeiten. Komplexe C++ Anwendungen wie Firefox
neigen auch dazu.
Ich erwäge ernsthaft die 32 Bit Laufzeitumgebung in der 64 Bit VM zu
installieren, und alle möglichen Programme in der i386-Architektur zu
installieren, denn bei VM-Servern ist Speicher immer etwas Mangelware.
Selbst bis 8GB fährt man mit 32 Bit noch ganz gut, solange nicht ein
/einziges/ Programm, z.B. eine Datenbank, diesen Speicher nutzen soll.
Das ist aus Lizenzrechtlichen Gründen allerdings unter Windows nicht
möglich, da die 32 Bit Desktop-Versionen auf 4GB limitiert sind. Unter
Linux ist das jedoch kein Problem. Das dazu notwendige Feature PAE
braucht man aus Sicherheitsgründen sowieso auch unter 32 Bit OS.
Ich würde jetzt keinen neuen Rechner mit 8GB als 32 Bit aufsetzen.
Irgendwann bekommt er das einmal im Rechnerleben fällige Update auf
doppelten Speicher, und dann braucht man 64 Bit. Aber bei einer 4GB
Linux-Büchse, z.B. Notebook, hätte ich keinerlei Skrupel. Das läuft
einfach flüssiger. Man darf ja nicht vergessen, dass auch in die
CPU-Caches unter 32 Bit effektiv mehr rein passt.
>> Auch nicht. Der kann nicht einmal MPEG2 in Echtzeit dekodieren.
>
> Bist Du Dir da ganz sicher? Also so weit ich mich erinnern kann, habe ich
> schon damals auf dem 386’er Filme geguckt.
Ja, 320*200 mit sehr einfachen Codecs wie Intel Indeo Version Uralt und
trotzdem ruckelnd. Schon für IBM Ultimotion, was wirklich sparsam war,
war AFAIK eine FPU also 387 oder 486 Pflicht.
Ich glaube kaum, dass auf dem 386-er signifikant Videos gelaufen sind.
Allen voran deshalb, weil damals die ISA Grafikkarten gar nicht genug
Busbandbreite hatten, um das Video darzustellen. Und des weiteren, weil
Videos erst ab HiColor gehen, was zu 386-Zeiten noch recht selten war.
Tseng Labs ET4000 war eine der wenigen Karten, die das zu 386-er Zeiten
schon konnten, und das auch nur in der 1MB-Version und AFAIR nur bis
640*480, weil die Bandbreite des verbauten RAM und RAMDACs für mehr
meist nicht reichte.
Kurze Überschlagsrechnung: 320*200*25fps*15bpp = 3,2MB/s. Aufgrund der
Austastlücken muss die eigentliche Bildübertragung eher mit 5MB/s statt
finden. Damit ist der ISA-Bus schon weitgehend dicht. Diese
Geschwindigkeit erreicht man bei ISA nur mit Busmaster DMA, was restlos
/keine/ damalige Grafikkarte beherrschte. Wenn man den Bus übertaktete,
gingen vereinzelt mal 10MB/s über DMA - die Adaptecs haben das gerne
gemacht. Über die 386-er CPU waren aber eher 2MB/s üblich.
> Allerdings, – „HD“ gab es damals
> noch nicht, das muß man einschränkend dazu sagen. So eine AVI-Datei hatte
> typischerweise 360 Zeilen (quasi EGA-Standard), und wenn der mit 480 Zeilen
> kam (im VGA-Standard), dann galt DAS damals schon als Hochauflösend.
>
> Heute ist das „Bäh!“, da mag man gar nicht mehr hingucken.
Da konnte man damals auch nicht hingucken. Man hat das AVI nur gespielt,
um zu beweisen, dass man es kann.
Ein weiterer, wesentlicher Grund für die Nichtverbreitung von Videos zu
seiner Zeit war, dass der nötige Storage für die Videos einfach nicht in
bezahlbar zur Verfügung stand. Es gab schlicht keine Medien, auf denen
man sie hätte speichern können. Ich war damals einer der wenigen, die am
486-er schon eine Gigabyte-Platte hatte - guten Kontakten zur IBM
Plattenfertigung in Mainz sei dank. Erst mit den CD-ROMs wurden kurze
Videos hoffähig.
> Ja, so ändern sich die Zeiten.
¡Eso es!
Marcel