"Wendelin Uez" <
wu...@online.de> schrieb:
> Es wäre daher angebracht. anderen nicht vorzuwerfen, Netiquette nicht zu
> verstehen, solange man sie selbst noch nicht mal richtig einordnen kann. Das
> Usenet ist nicht dazu gedacht, Rechthabern formale Leitlinien zum
> Eindreschen auf andere zur Verfügung zu stellen, sondern um frei im Rahmen
> eines anständigen Umgangs miteinander Nachrichten auszutauschen und darüber
> zu diskutieren. Form follows function.
Die Netiquette entstand zu einer Zeit, als der Anteil der User, die
neu im Usenet waren, sogar neu im Internet, immens war. Zudem waren
fast alle "digital immigrants". Entsprechend bedürftig sahen viele
Postings aus. Die Netiquette wurde wie alle Regeln natürlich zu jeder
Zeit von Blockwart-Charakteren missbraucht, die gerne maßregeln. Auf
der anderen Seite gab/gibt es freilich unbelehrbare Vollpfosten, auf
die man durchaus reagieren muss, wenn man eine gewisse Einheitlichkeit
und Lesbarkeit herstellen will. Ich erinnere mich noch gut, wie nervig
"kreativ" manche Leute waren, um aufzufallen und ihr Ego zu
streicheln. So gab es die konsequenten Kleinschreiber oder die
Umlautverweigerer (ae, ue, oe:): "Ich habe Linux" 8-).
Seit die Neueinsteiger "digital natives" sind, kommen die meisten
Postings viel "ordentlicher" rüber. Bei den Postern vor 2000 hatte ich
auch das Gefühl, es handelte sich bei vielen um Leute, die mit Ach und
Krach einen Schulabschluss geschafft hatten und die damals, als das
Internet massentauglich wurde, fast zwangsläufig in selbiges gespült
wurden. Ob inzwischen die Volksbildung gestiegen ist, wage ich nicht
zu beurteilen, eine gewisse Generation sitzt zweifellos inzwischen im
Pflegeheim und tut fernsehen oder schaut sich die Radiechen schon von
unten an.
Auch das Usenet und damit deren Netiquette unterliegt historischer
Veränderung.