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EINeRST – Ein Tastaturlayout zur Einhand-Eingabe, insbesondere mit Stiften auf Touchscreens

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Alexander Teichmann

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Feb 14, 2010, 11:00:39 PM2/14/10
to
Hallo Leute.

Der folgende Text beschreibt ein Tastaturlayout an de ich bastele zur
einhändigen Eingabe, insbesondere für Stifte und Touchscreens.
Sollte dieses Thema nicht hierher oder woanders besser hingehören, bitte
ich um Umleitung.

Vielen Dank

Alex

Beginn des Textes:

EINeRST – Ein Tastaturlayout zur Einhand-Eingabe, insbesondere mit Stiften
auf Touchscreens

von Alexander Teichmann

1. Vorbemerkung:
Der folgende Vorschlag für ein neues Tastaturlayout entstammt einem
Nebenprojekt zu meiner Doktorarbeit. Bei einer Doktorarbeit muss man
gemeinhin viel tippen. Ich aber habe eine spastische Lähmung in der linken
Hand, sodass es mir zwar möglich ist, normale QWERTZ-Tastaturen zu
verwenden, aber gerade beim längeren Tippen empfinde ich dies als
anstrengend. Gerade die im Deutschen häufige Großschreibung, die ein
Shift-Tippen mit der linken Hand bedingt ist relativ anstrengend für mich,
da beide Hände zeitlich koordiniert eingesetzt werden müssen (Und das
Editorial der c’t 12/09
(http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/2009/12/3/@00000@/ct.1209.003.pdf)
zeigt auf amüsante Weise, dass auch andere Leute, oder früher zumindest
André Kramer, ähnliche Probleme hatten und/oder haben). Deswegen machte ich
mich auf die Suche nach einer einhändigen Alternative. Es war mein Ziel
eine einhändige Tastaturlösung zu finden, die, wenn auch vielleicht nicht
ganz so schnell wie mit zehn Fingern, ein zügiges und vor allem
fehlerfrei(er)es, aber, am wichtigsten, entspannteres Tippen ermöglicht.
Ich denke auch, dass einhändige Tastaturen, insbesondere solche, die auf
Touchsystemen laufen, weitere Vorteile bieten. Solche Tastaturen könnten
gerade auf mobilen Systemen, wo wenig Platz für eine zweihändige
QWERTZ-Lösung ist, wie Mobiltelefonen, PDAs, UMPCs und Tablets ihre Stärken
ausspielen. Und vielleicht würde durch Anwendung von Touchscreenstiften und
die damit verbundene andere Haltung der Hand, das Risiko von repetitive
strain injury oder Karpaltunnelsyndrom reduziert. Und, wenn Text und
Tastatur auf einem, natürlich genügend großen, Bildschirm liegen, müsste
man weniger auf- und abblicken. Dies könnte Nackenverspannungen reduzieren.
Wobei natürlich bei einer Einhand-Tastatur auf eine Hand wesentlich mehr
Arbeit zukommt, als bei einem zweihändigen System.

2. Grundlegende Unterschiede zwischen zwei-, und einhändigen Tastaturen:
Beim Design von Tastaturlayouts gibt es verschiedene Aspekte zu beachten,
die auch zu Unterschieden im Design zwei- und einhändiger Layouts führen
können. Bei einer zweihändigen Tastatur, etwa einer Standard-PC-Tastatur
mit QWERTZ-Layout, gibt es zwei Ruhepositionen, eine jeweils für einen der
beiden Zeigefinger. Diese Positionen sind bei QWERTZ die Tasten F und J,
auf vielen Tastaturen sind diese Tasten mit einer kleinen Erhöhung
gekennzeichnet, damit sie auch haptisch wiedererkennbar sind.
Ergonomisches und gleichzeitig Arbeiten bedeutet, die Last zwischen den
Beiden Händen und ihren Fingern möglichst gut aufzuteilen, indem man zum
Beispiel die häufigen Buchstaben E und N in die Ruhepositionen legt, und
bei N-Grammen die Hände abwechselnd tippen läßt. Das zweihändige NEO-Layout
folgt diesen Prinzipien, auch liegt etwa das Bigramm QU auf zwei
verschiedenen Händen.
Bei einhändigen Tastaturen sieht die Situation etwas anders aus. Hier hat
man nicht die Möglichkeit auf Geschwindigkeit zu optimieren, indem man
darauf achtet, das sich die Hände abwechseln. Bei einhändigen Layouts ist
es daher wichtig, dass Buchstaben, die oft aufeinander folgen, etwa Q und
U, nahe beieinander liegen, damit die zurückgelegten Wege möglichst kurz
sind.
Eine zweihändiges Layout ist in den meisten Fällen eine breite rechteckige
Struktur, die Zeilen sind also länger als die Spalten, ganz einfach
deshalb, weil unsere Hände an beiden Körperseiten sitzen, und zwischen den
beiden Ruhepositionen etwas Platz sein sollte und die beiden Hände
voneinander weg arbeiten müssen, sonst kommen sie sich in die Quere. Und da
wir zumindest zeilenweise von links nach rechts lesen macht eine solche
Form auch beim Tippen ziemlich Sinn.
Ein einhändiges Layout hat nur eine Ruheposition, muss aber auf die Form
des menschlichen Körpers weit weniger Rücksicht nehmen. Ich glaube, eine
ideale einhändige Tastatur wäre vielleicht ein Kreis, um dessen Mittelpunkt
die Buchstaben nach Ihrer Häufigkeit angeordnet sind, wobei seltenere
Buchstaben außen stehen, und N-Gramme bei der Anordnung berücksichtigt
werden. Ich weiß, dagegen spräche natürlich das
Zeilenweise-Lesen-und-Schreiben-Argument.



3. Zuvor getestete Systeme:

3.1 FrogPad:
Ein System, dass ich testete, war die Einhand-Tastatur FrogPad
(www.frogpad.com). Das FrogPad ist ein interessantes Konzept, dass eine
komplette Tastatur entweder für die rechte oder linke Hand mit nur 20
Tasten abbildet. Bei der Gestaltung der Tastatur wurden laut Homepage
ergonomische Aspekte berücksichtigt, so lassen sich etwa häufige Buchstaben
direkt tippen, für seltenere Kombinationen muss der Benutzer
Tastenkombinationen tippen.
Ich habe mich schlußendlich jedoch gegen ein FrogPad entschieden, da auf
einer normalen Konfiguration Umlaute nur schwer zu erzeugen sind, der
Hersteller empfiehlt ein Remapping. Auch bereitet mir die Eingabe von
Tastenkombinationen Probleme, dies ist aber eher persönlicher Natur, wenn
ich ein Ä tippen möchte, möchte ich ein Ä tippen. J
Nichtsdestotrotz scheint der FrogPad-Ansatz vielversprechend, auch wenn ich
mir wünschen würde, der Hersteller würde seine Bemühungen um internationale
Varianten intensivieren. Zumindest für den englischsprachigen Raum scheint
ein FrogPad eine gute Alternative, einzelne User erreichen Werte vom 80-100
words per minute (WPM).

3.2 FITALY:
Ich bin PocketPC-Benutzer. Auf einem solchen, wie auf allen PDA-Systemen,
ist die Frage nach einer schnellen und sicheren Einhand-Eingabe vielleicht
noch relevanter, als dies bei Desktops der Fall ist. Deswegen wurden viele
Einhand-Tastaturen für PDAs und ihre Touchscreens entwickelt.
Ich habe mich mit der FITALY-Tastatur (www.fitaly.com) eingehender
beschäftigt.
Diese geht von einer Ein-Finger-Lösung aus, entsprechend kann man sie gut
mit dem PDA-Stift benutzen. Auch diese Tastatur ordnet die Buchstaben aus
ergonomischen Gründen nach ihrer Häufigkeit neu an. Was mir an FITALY gut
gefiel, war die Tatsache dass häufig getippte Buchstaben (e und n) in der
Mitte stehen, wie interessanterweise auch die Space-Taste, die hier
zweigeteilt ist. Und FITALY unterstützt Gesten bzw. Slides, um z. B. das
Shift für die Großschreibung überflüssig zu machen. Leider ist dies in
meinen Augen etwas unlogisch, um einen Buchstaben groß zu setzen, muss man
mit dem Stift auf den Buchstaben tippen und nach unten ziehen. Auch FITALY
ist primär für englischsprachige Benutzer ausgelegt. Zwar kann man mit der
Tastatur einen kompletten Unicode-Satz tippen, aber auch hier sind
„Sonderzeichen“, wie etwa deutsche Umlaute, mit Gesten oder einer
speziellen Umlaut-Taste erreichbar. Wenn man große Umlaute per Geste
verfügbar haben möchte, so muss man diese erst einfügen, was aber sehr
einfach ist.
Auch die erreichbare Tippgeschwindigkeit scheint ordentlich. Der Hersteller
veranstaltete früher Wettbewerbe, die FITALY mit anderen Systemen
verglichen, hier wurde eine Geschwindigkeit von etwa 80-90 WPM erreicht.
Einschränkend ist jedoch anzumerken, dass es bei den Wettbewerben um die
Eingabe bereits bekannter (englischsprachiger) Texte ging.

3.3 Speedscript
Die Software Speedscript hat einen interessanten Ansatz. Hier werden die
häufigen Vokale über Slides in verschiedene Richtungen realisiert. Das
spart Platz und sorgt für kurze Wege. Leider zitter ich wohl zu stark,
sodaß ich mit den Slides in verschiedene nicht gut klargekommen bin.



4. Entwicklung des EINeRST-Layouts:
Meine ursprüngliche Idee war es, das FITALY-Konzept nur ein wenig zu
adaptieren. Ich wollte die Umlaute als eigene Tasten ausführen, wie gesagt,
ein Ä ist für mich ein Ä, das Z analog zur Anpassung vom englischen QWERTY
auf das deutsche QWERTZ neu anordnen und vielleicht die Space-Tasten
vereinigen. Ich hatte auch schon einen Namen für das Projekt: FITALZÜ.
Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr entwickelte sich mein
Konzept davon weg, zum Beispiel wollte ich auch Punkt und Komma in der Nähe
der Leertaste anordnen, denn im Deutschen (und jeder anderen von mir mehr
oder weniger gut getippten Sprache) folgt auf ein solches Satzzeichen die
Leertaste. Außer vielleicht, man neigt zum Klempen.
Insbesondere durch Friedrich L. Bauers „Entzifferte Geheimnisse“ (einer,
trotz des recht plakativen Titels, ziemlich guten Einführung in die
Kryptologie. Na ja, zumindest die historischen Aspekte davon.) waren mir
Aspekte der Buchstabenhäufigkeit bekannt. Da meine alte Ausgabe aber immer
noch bei einem Bekannten rumliegt, benutze ich die Tabellen des Artikel
„Buchstabenhäufigkeit“ der Wikipedia und die Bigrammtabellen von Klaus
Pommerenring

(http://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Kryptologie/Klassisch/6_Transpos/Bigramme.html).

Aber ich muß sagen, das Ganze basiert auch zu einem großen Teil auf meiner
Intuition.

5. Zentrale Designprinzipien:
Eine Abbildung des kompletten Layouts, realisiert mithilfe der Software
Comfort On-Screen Keyboard von ComfortSoftware ist auf der EINeRST-Seite
unter

(http://www.einerst.de/sites/default/files/einerst.jpg)

verfügbar.
Das zentrale Designprinzip besteht darin, möglichst kurze Entfernungen zu
realisieren. Häufige Buchstaben sollten in Nähe der Ruheposition sein, die
Entfernung zweier (oder mehrerer) Buchstaben eines N-Gramms möglichst kurz.
Es nun doch kein Kreis geworden, dazu war ich dann zu faul, aber ich glaube
auch, das eine annähend quadratische Form einen guten Kompromiss zwischen
der Anforderung kurze Wege zu realisieren und einer möglichst einfachen
Umgewöhnung bietet.
Das Quadrat scheint mir bei einem einhändigen Layout besser als ein
Rechteck, da Zeilen und Spalten gleich lang sind, dies führt zu ähnlicheren
Entfernungen, zumal es nur eine Ruheposition gibt.
Ich meine, irgendwo einmal gelesen zu haben, dass, dies entspricht auch dem
Zeilen-Argument, Links-Rechts-Bewegungen, ergonomischer sind, als von oben
nach unten. Wenn dies der Fall ist, so wäre zu prüfen, ob dies auch für
einhändige Systeme gilt. Ich habe jedenfalls versucht, N-Gramme möglichst
in Zeilen anzuordnen.

5.1 Die zentrale Gruppe:
Die zentrale Gruppe ist die Anordnung der in etwa häufigsten Buchstaben und
Satzzeichen.
Die zentrale Gruppe der Tastenanordung sieht so aus:

d e i n f
, Leeeertaste .
l r s t h

Ich denke, das ist eine ziemlich gute Anordnung. Die Leertaste ist, wie bei
FITALY, der zentrale Punkt der Tastatur, weil Leerzeichen recht häufig
sind. Okay, aufgrund der Möglichkeit zur Kompositabildung im Deutschen
vielleicht nicht so sehr wie in anderen Sprachen. Was die Leertaste und das
mit ihr verbundene Leerzeichen auch besonders macht, ist die Tatsache, das
es praktisch vor und nach jedem Buchstaben stehen kann. Oder anders (und
vermutlich falsch) formuliert:
Für orthographisch einwandfreie Texte und direkt aufeinander folgende
Ereignisse L und B gilt:
Die bedingte Wahrscheinlichkeit für das Ereignis Leertaste L unter der
Bedingung Buchstabe B (P(L|B)) ist für jede Ausprägung von B gleich
wahrscheinlich.
Und: Die bedingte Wahrscheinlichkeit für das Ereignis Buchstabe B unter der
Bedingung Leertaste L (P(B|L)) ist für jede Ausprägung von B gleich
wahrscheinlich.
Anders sieht es bei es bei Satzzeichen aus:
Für orthographisch einwandfreie Texte und direkt aufeinander folgende
Ereignisse L und S gilt:
Die bedingte Wahrscheinlichkeit für das Ereignis Leertaste L unter der
Bedingung Satzzeichen S (P(L|S)) ist für jede Ausprägung von S gleich 1.
Das Ereignis ~L|S (nicht L unter S) nennen wir Klempen.
Und: Die bedingte Wahrscheinlichkeit für das Ereignis Satzzeichen S B unter
der Bedingung Leertaste L (P(S|L)) ist für jede Ausprägung von B gleich 0.
Das Ereignis S|L nennen wir Plenken.
Insofern ist es gut, die Leertaste zentral anzuordnen, denn auf sie kann
praktisch alles folgen, von anderen Satzzeichen (vielleicht mal abgesehen.
Und ihr kann praktisch alles vorausgehen. Die Leertaste ist auch die
einzige Taste im Layout, die drei Standardtasten lang ist.
EIN ist ein ziemlich häufiges Trigramm, die Bigramme EI, EN und IN und Ihre
Permutationen sind auch sehr häufig. Das Tetragramm NEIN bildet sich
quasi-automatisch. Deswegen bildet EIN das obere Trigramm der zentralen
Gruppe. R, S, und T sind ebenfalls häufig, sie bilden das untere Trigramm,
auch wenn RST kein Trigramm im klassischen Sinne ist. Oberes und unteres
Trigramm gemeinsam bilden zum Beispiel die Wörter IST, SEIN, EINER und
EINES. Beide Trigramme zusammen bilden auch den Namen des Layouts, weil
aber EINRST schwer bis gar nicht zu sprechen ist, habe ich noch ein e
eingefügt: EINeRST.
Da auf Punkt und Komma (und Doppelpunkt, Semikolon, etc.) immer ein
Leerzeichen folgt, sind auch diese Teil der zentralen Gruppe. Die weiteren
Buchstaben in der zentralen Gruppe sind D, F, L und H. Beispielsweise
können damit „fein“ und „dein“ sehr schnell getippt werden.



5.2 Das Vokaldreieck:
Vokale sind in der deutschen Sprache recht häufig, deswegen sind die beiden
wichtigsten Vokale, E und I, auch Teil der zentralen Gruppe. Die restlichen
Vokale (A, O, U) bilden ein Dreieck um die zentrale Gruppe:


a
d e i n f
, Leeeertaste .
l r s t h
o u

Warum es ein Dreieck ist? Keine Ahnung, es sind halt drei Tasten und ich
liebe symmetrische Formen.
Ich bin, zumindest in manchen Aspekten, noch nicht ganz glücklich mit
dieser Anordnung. Insbesondere für das das häufige Bigramm AU ist es ein
weiter Weg. Und wenn, wie man aus der Abbildung der kompletten Tastatur
ersehen kann, die zentrale Gruppe doch nicht ganz zentral ist, es liegen
eine Buchstabenreihe (die mit O und U) unter ihr, aber zwei über ihr, so
tritt dieses Problem der weiten Entfernung auch bei anderen vokalhaltigen
n-Grammen auf.

5.3 Die Umlaute
Einer der Gründe, ein neues Layout zu entwickeln, war eine bessere
Unterstützung für Umlaute gegenüber den Konzepten von FrogPad und FITALY.
Ich muß sagen, bisher habe ich nur eine recht konservative Lösung. Wie im
QWERTZ habe ich die Umlaute auf der rechten Seite als Gruppe angeordnet.

5.4 Die anderen Buchstaben und Schriftzeichen:

5.5 Die Funktionstasten:
Etwas konfuser (oder noch konfuser?) ist das EINeRST-Layout in Bezug auf
Funktionstasten. Zwar habe ich auch hier ein paar Annahmen über die
Anordnung, aber wirklich gut ist das noch nicht. Ich glaube auch, das es
gut wäre Buchstaben- und Funktikonstasten deutlicher voneinander zu
trennen, etwa durch Einfügen von Leerräumen, aber, auch das braucht Platz.
Und möglichst geringer Platzverbrauch scheint mir gerade bei
Bildschirmtastaturen ein gewichtiges Argument, insbesondere bei der
Verwendung auf PDAs, UMPCs und Tablets. Im EINeRST Layout umrahmen die
Funktionstasten die Tasten für Buchstaben und andere Schriftzeichen. Dies
ist recht ähnlich zu Standard-PC-Tastaturen.

5.5.1 Enter:
Die Enter-Taste ist neben der Punkt-Taste. Das hat, denke ich, einen guten
Grund. Ein guter Absatz sollte mit einem Punkt enden. Na ja, zumindest
manchmal.

5.5.2 Shift und Caps-Lock:
Eigentlich sollte es auf meinem ursprünglichen Entwurf gar keine
Shift-Taste mehr geben. Shift nervt. Und Caps-Lock ist die Hölle. Zumindest
manchmal. Wenn es einen Grund für mich gibt, ein neues Tastaturlayout zu
entwickeln, dann die Tatsache, das ich Bildschirmtastaturen einsetzen will,
die es mir ermöglichen, einhändig zu tippen, und große Buchstaben per Geste
oder Slide zu erzeugen. Wenn mich etwas am Tippen nervt, dann ist es die
Koordination meiner beiden Hände miteinander.
Aber Shift ist auch für andere Programmfunktionen wichtig, deswegen mußte
ich wohl oder übel klein beigeben J.
Ich habe auch hier für ein relativ konservatives Design entschieden, Shift
und Caps-Lock liegen nebeneinander links unten. Aber gegenüber meiner
Cherry gibt es nur noch eine Shift-Taste mit zwei Standardtasten Größe,
Caps-Lock hat die Größe einer Standardtaste.


5.5.2 Escape:
Bei der Escape-Taste habe ich mich am Vorbild QWERTZ orientiert und diese
oben links belassen.


5.5.1 Die F-Tasten:
Komischerweise waren es gerade die F-Tasten, die das Aussehen des Layouts
schon früh mitgeprägt haben. Wie oben dargestellt wollte ich ein möglichst
quadratisches Layout realisieren. Die F-Tasten sind mit 12 die größte
Einzelgruppe. Eine meiner ersten Ideen ungefähr ein 10x9-Layout zu basteln,
mit den zehn Ziffern als breiteste Gruppe. Dies hätte bedeutet, die
F-Tasten in zwei Sechsergruppen übereinander anzuordnen, mit anderen
Funktionstasten daneben. Aber ich habe mich dann doch für etwas mehr
QWERTZ-Kompatibilität entschieden.


5.5.3 Strg, Alt und Win:
Diese habe ich, ebenfalls an Standardtastaturen orientiert, auf der unteren
Reihe belassen.

5.5.4 Die Pfeiltasten:
Auch bin ich eher dem Üblichen gefolgt, ein klassisches Pfeiltastenfeld
rechts unten.

5.5.5 Einfügen und Entfernen:
die beiden Tasten Einfügen und Entfernen habe ich jeweils am linken und
rechten Rand der dritten Zeilen gegenübergeordnet. Dafür gibt es wohl
keinen spezifischen Grund, außer vielleicht mein Hang zur Symmetrie.

5.5.6 Die anderen Funktionstasten:
Auch die anderen Funktionstasten befinden sich wie gesagt, mehr oder
weniger auf den Rändern des Layouts. In Einzelfällen bin ich aber noch
nicht so recht glücklich mit der Anordnung. Im Falle der Druck- und der
Pause-Taste, die eigentlich in der zweiten und dritten Spalte stehen, würde
mir eine Position weiter weg von den Buchstaben besser gefallen. Auch die
Rollen-Taste wirkt ziemlich willkürlich platziert. Was mir, glaube ich,
ziemlich gut gelungen ist Gruppe mit dem Bildlauf-Tasten am rechten Rand
über den Pfeiltasten.
Aber ich glaube auch in Bezug auf die anderen Funktionstasten kann man das
Layout noch optimieren.

5.6 Spezielle N-Gramme und Tastenkombinationen

5.6.1 DE
Ich glaube, es ist eine ganz gute Idee, das D neben dem E anzuordnen.
Gerade bei INternetadressen hat das einen Vorteil.

5.6.2 QU
Das Bigramm QU ist im Deutschen besonders. Standardsprachlich folgt wohl
auf jedes Q ein U.

4.6.3 AltGr + Q
Auch diese Kombination macht Sinn, sie erzeugt nämlich ein @.

5.6.4 MAN
Auch diese Tasten liegen aneinander, wenn auch auf zwei Zeilen.

5.6.5 CU
Vielleicht ist dieses Bigramm nicht ganz soooo wichtig, aber für Chats kann
man es gut gebrauchen.

5.6.6 JA
Ich dachte mir, wenn man schon NEIN relativ schnell bilden kann, sollte
dies auch für JA gelten. Schließlich bin ich Optimist J.

5.6.7 TH
Ein Bigramm, das wichtig ist, wenn man mal englisch tippen muss. Aber auch
sonst könnte es nützlich sein. Ich bin Psychologe, da ist (noch) vieles
THeorie.

5.6.7 NF
Es gibt im Deutschen wohl ziemlich viele Wörter, die das Bigramm NF
enthalten. Ich finde, ein neues Tastaturlayout sollte dem Rechnung tragen.

5.6.8 TU
Ein seeehr wichtiges Bigramm, zumindest für mich.

5.7 Warum hat das EINeRST-Layout zwei Minus-Tasten?
Eine Besonderheit des Layouts ist das Vorhandensein von zwei Minus Tasten,
die erste relativ nah an der zentralen Gruppe, die zweite in der zweiten
Zeile der letzten Spalte. Dabei handelt bei der ersten um das normale
Minus, die zweite Taste ist das Zifferblock-Minus, übrigens die einzige
Taste, die ich aus dem Zifferblock übernommen habe. Eigentlich könnte man
eine der beiden Tasten löschen, zumindest dann, wenn sie gleiche Funktionen
aufweisen. Es gibt aber Fälle, wo ich explizit das Zifferblock-Minus
brauche. Damit bändige ich nämlich meinen Drachen.


6. Praktische Umsetzung
Das EINeRST-Layout wurde entwickelt, um eine entspannte und trotzdem zügige
Einhand-Eingabe zu ermöglichen. Vor allem auf touchbasierten, mobilen
Systemen könnte dies ein Vorteil sein. Um das EINeRST-Layout für eine
Umgebung entwickeln zu können, habe ich mir die Software
ComfortOnScreenKeyboard von ComfortSoftware und ein Wacom CintiQ 12WX
Tablett besorgt.

6.1 Software
Um eine EINeRST-Layout mithilfe von Bildschirmtastatursoftware zu
realisieren, sollte die Software ein paar Anforderungen erfüllen.

1. freie Konfigurierbarkeit des Layouts
(ähm, das ist jetzt irgendwie klar, oder?)
Zusätzlich sollten meiner Meinung nach folgende Annehmlichkeiten gegeben
sein:

2. direkte Unterstützung des deutschen Alphabets incl. Umlaute
3. Unterstützung von Gesten und Slides, etwa zur vereinfachten
Großschreibung
(siehe oben: Shift nervt.)
4. Verfügbarkeit bei Win-Logon

Die Software Comfort-Onscreen-Keyboard erfüllt all diese Voraussetzungen.
Leider ist die Software Shareware, aber nicht allzu teuer. Gut fand ich
insbesondere, das die Großschreibung über Slides oder einen rechten
Mausclick möglich ist, was gerade beim Cintiq-Tablett von Vorteil ist.
Schade ist, allerdings, das die Tastatur zumindest bei mir kein
„Dauerfeuer“ unterstützt. Auch etwas „hakelig“ ist der Win-Logon im
Dual-View-Modus meiner NVidia-Karte. Die Tastatur liegt leider immer auf
dem anderen Bildschirm, ich weiß auch nicht, warum, aber dies könnte auch
an der Karte liegen.
Wer EINeRST mithilfe dieser Software testen möchte, kann sie unter
folgendem Link herunterladen:

http://de.comfort-software.com/downloads.php?host=cs&name=kb_setup.exe

Ein passendes Keyboard-File gibt’s auf der EINeRST-Seite:

http://www.einerst.de/sites/default/files/einerst1.txt



Eine andere Tastatur, die ich testete war das Touch-it Keyboard von
chessware. Diese scheint auch recht gut zu sein, zumal sie STRG-ALT-ENTF
und Dauerfeuer unterstützt. Aber die schnelle Großschreibung ist nur über
Doppelclick möglich. Das finde ich, ehrlich gesagt, ziemlich seltsam.

6.2 Hardware

6.2.1 Wacom Cintiq 12WX
Die EINeRST-Tastatur lüft bei mir auf einem Wacom Cintiq 12WX. Der
Hersteller Wacom spricht bei diesem Gerät nicht von einem Touchscreen,
sondern von einem Interactive Pen Display, es ist sozusagen ein
Grafiktablett mit Monitoroberfläche. Was leider aber auch nicht ganz billig
ist. Das Display reagiert auf aufgrund der elektromagnetischen
Resonanztechnologie, wie sie Wacom nennt, nur auf Stifteingaben, das
bedeutet aber auch, dass man die Hand auf das Tablett legen kann, ohne
Funktionen auszulösen. Für mich als Spastiker ist das durchaus ein Vorteil,
ver hindert aber auch Möglichkeiten, die Multitouch bieten könnte. Ein
weiterer Vorteil ist, dass das Display ein Seitenverhältnis von 16:10 hat,
was besser zu meinem Haupt-Display passt, die meisten günstigen
Touchscreens mit ca. 12 Zoll werden noch als 4:3 ausgeführt, zumindest habe
ich fast nur solche gefunden. Ein großer Vorteil des Cintiq ist der
Doppelseitenschalter, der Doppel- und Rechtsklicks ermöglicht. Insbesondere
Rechtsklicks sind bei Folien-Touchscreens prinzipbedingt mit einer Latenz
verbunden, das nervt mich manchmal. Insbesondere wenn man Großbuchstaben
über die rechte Maustaste realisiert, wäre die Wacom-Lösung wohl die
schnellere und sicherere Möglichkeit. Dies habe ich aber bisher noch kaum
ausprobiert, als alter PPC-Nutzer slide ich meine Großbuchstaben.
Gut gefallen haben mir auch die Expresskeys und die Touchstrips zum
Scrollen am Cintiq. Eine der Tasten habe ich so belegt, dass damit die
Bildschirmtastatur ein- und ausblenden kann. Ich finde, dies ist
ergonomischer als das Anklicken eines Startleistenicons.
Allerdings könnte auch das Cintiq manchmal etwas schneller reagieren.

6.2.2 Club 3d 6200 (NVidia-Chipsatz)
Als Grafikkarte kommt bei mir eine Dualview-fähige 6200 von Club 3d mit
einem NVidia-Chipsatz und AGP zum Einsatz. das Cintiq hängt dabei am DVI,
während mein 22-Zöller von Medion am VGA-D-Sub angeschlossen ist.


7. Täglicher Einsatz
Inzwischen setze ich dies System täglich ein. Ich habe noch keine
systematische Evaluation, etwa eine Messung der Tippgeschwindigkeit,
durchgeführt, insofern sind meine Erfahrungen rein gefühlsmäßig.
Ein entspannteres Tippen ist möglich, denke ich, auch bei längeren
Sitzungen, ob ich wirklich schneller bin, siehe oben, keine Ahnung. Ich
meine aber, insbesondere bei häufigen N-Grammen schneller zu sein.
Tippfehler, insbesondere meine speziellen Probleme mit der SHift-Taste,
scheinen abgenommen zu haben. Allerdings wicht manchmal mein Stiftaufsetzen
und die Position des Mauszeigers auf dem Tablett voneinander ab, sodass
dann benachbarte Tasten aktiviert werden. Allerdings habe ich das Tablett
auch erst einmal kalibriert.
Die Slides bzw. Gesten habe ich in der Software auf ultra-grob eingestellt,
den einzigen Slide, den ich wirklich brauche, ist der nach oben zur
Großschreibung, Typos durch gezitterte Slides, das ist allerdings wohl ein
spezielles Spastiker-Problem, haben sich dadurch fast auf 0 reduziert.
Alles in allem bisher: Besser als eine normale QWERTZ-Tastatur. Und cooler.
Jetzt muß ich nur noch weiter üben.






8. Was noch zu tun ist
Um herauszufinden, ob das EINeRST-Layout eine Alternative zu QWERTZ und
anderen Layouts, gerade auf mobilen und Touch-Systemen ist, ist noch viel
zu tun:


8.1 Evaluationsstudien
Bisher sind es allein meine subjektiven Erfahrungen, die für oder auch mal
gegen das EINeRST-Layout sprechen. Um zu prüfen, ob EINerST eine
Alternative zu QWERTZ sein kann, sollten systematische Evaluationen
durchgeführt werden. Das bedeutet, dass verschiedene Tipper das Layout
testen, und Ihre Erfahrungen berichten. Zusätzlich sollten
Tippgeschwindigkeiten und Fehlerraten erhoben und mit QWERTZ werden. Dabei
wäre es wichtig, in der Stichprobe der Tipper nicht nur des Tippens normal
fähige Personen zu haben, sondern auch Personen mit motorischen
Einschränkungen.
Ebenso sollten verschiedene System-Setups getestet werden.

8.2 Unterstützung anderer Systeme
Bisher läuft EINeRST nur auf einer Bildschirmtastatur-Software (Comfort On
Screen Keyboard) und einer Hardware (Wacom Cintiq 12WX)
Damit EINeRST aber möglichst vielen Nutzern zur Verfügung stehen kann,
sollten auch andere Soft- und Hardware getestet werden. Insbesondere denke
ich da an Software, die Freeware oder Open Source ist, und an Software auf
anderen Betriebssystemen wie Mac, Linux und PDAs. Auch bei der Hardware
sollten andere Lösungen geprüft werden. Gerade in letzter Zeit gibt es
interessante Touch-Systeme etwa das Optimus Keyboard von Art Lebedev oder
die Touchsmart-Systeme von HP. Auch hier wäre es wichtig, mobile Kleingräte
wie PDAs und UMPCs in die Untersuchung mit einzubeziehen.

8.3 Lizenzsierung
Ich würde mir wüschen, dass das Layout allen Interessierten zur Verfügung
steht. Das bedeutet, ich würde das Layout gerne unter eine
Open-Source-Lizenz stellen, damit jeder das Layout nutzen und/oder
weiterentwickeln kann. Nur habe ich keine Ahnung, ob das geht. Das Layout
ist ja keine Software.

9.4 Eine breitere Version
Angesichts der Tatsache, dass die meisten Leuten breite Tastaturlayouts
gewohnt sind, sollte man vielleicht auch eine breite(re) Version testen.
Ich hätte auch schon einen Vorschlag für die Grundlinie und den Namen:
iNERST. Vielleicht sollte ich mal bei Apple anrufen… :-)


Mehr Infos gibt es (hoffentlich bald) auf der EINeRST-Seite:
http://www.einerst.de.


Für das Projekt suche ich Kritiker, Ratgeber und Mitstreiter.
Ich würde mich freuen, von Euch zu hören.


Viele Grüße

Alex

wellenr...@googlemail.com

unread,
Jul 10, 2016, 1:32:08 PM7/10/16
to
Hallo Alex,

nutzt Du einerst noch?

Ich habe das Gleiche Problem - nur umgekehrt, links ist meine Schreibhand.

Ich hacke halt so mit einer Hand rum und bin genervt, dass alt-gr rechts ist...

Falls Du das hier liest und Tipps hast, wäre das toll.

Danke,
Danny
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