Wolfgang Wolf schrieb:
> ...
> Und weil du die Hilfe angesprochen hast: In der Tat, die ist inzwischen
> ein Graus. Mein VSFlexGrid hat noch eine *.hlp - für den Anwender, also
> für mich, das komfortabelste. Als Entwickler, der ab und zu auch eine
> Hilfe erstellen muss, finde ich die html-basierenden *.chm schon
> praktisch, als Anwender einen akzeptablen Kompromiss. Aber das was heute
> geliefert wird ist "sub omni canone"
>
Na ja, ich meinte nicht daß das Format mir Grauen erregt. Ich finde
schon daß die Präsentation mittels kompiliertem (eigentlich ist es ja
gezipptes) HTML ihre Vorzüge gegenüber dem alten.hlp Format hat. Selbst
die Nachfolgervariante wäre ok.
Jetzt aber kommen die Abers ;-)
Die neueren Formate (chm und sein Nachfolger) nützen halt nichts, wenn
ich gezwungen werde zum Ansehen neue Tools zu verwenden, die dann aber
zB bei XP nicht dabei sind und von MS offiziell auch nicht zum
Nachrüsten vorgesehen sind. Und chm benötigt den IE. Funktioniert zB
unter XP nur noch teilweise wenn man den IE nicht hegt und pflegt. Grund
sind ua die Killbits, die MS immer wieder mal in seinen sogenannten
Sicherheitsupdates setzt.
Aber eigentlich ging es mir ja um den Inhalt. Und der "degradierte"
schon zu .hlp-Format Zeiten. Ich erinnere da zB an Bruce McKinney und
seinen Rant aus den späten 90er Jahren. Die Unsitte, die Hilfe, also
letztendlich eine Benutzeranleitung, als Transportvehikel für
Marketingzwecke umzugestalten, die nur noch Worthülsen verwendet und
inhaltlich entleert wird, gab es auch schon zu .hlp Zeiten. Da das aber
im Laufe der Zeit immer dreister exerziert wurde, kann schon der
Eindruck entstehen, daß dies im Zusammenhang mit der Formatänderung hin
zu HTML stünde.
Es nervt halt, wenn man zB Informationen, die einem früher warm
präsentiert wurden, plötzlich nicht mehr oder nur noch an obskuren
Stellen findet, weil die Verwendung dessen, was da beschrieben wird,
nicht mehr von MS gewünscht wird, und man aufs neue superduper Spielzeug
umsteigen soll. Da schweigt man halt über das alte oder versteckt es.
Beliebt bei MS ist es dann auch, alles was über eine bloße Referenz
hinausgeht, also zB die doch fürs "Big Picture" so wichtigen
Übersichtsartikel, nur noch oberflächlich als informationstragend zu
gestalten, tatsächlich aber zum Werbeträger mit Marketinggewäsch
umzuwandeln.
Das ist ein altes Muster bei MS: statt Aufklärung Vernebelung.
Nur so nochmal ein Beispiel: bereits vor der Jahrtausendwende hat MS
COM-Server zur Verfügung gestellt, die den Datenzugriff weitgehend von
der Datenquelle abstrahieren sollten. An sich (wie so oft bei MS) eine
wirklich gute Sache: der Programmierer braucht sich nicht mehr um die
Herkunft der Datan (zB Textdatei, CSV Datei, SQL Server Datenbank, Jet
Datenbank, Oracle Datenbank etc pp) scheren. Er bekommt eine
Benutzerschnittstelle, die weitgehend für alle Datenquellen die gleichen
Methoden anbietet, inkl. zB SQL-Queries, Sortierungen etc. Für jede
Quellenart gab es Treiber, die entweder Aufgaben zur Erledigung an die
eigentliche Quelle delegierten oder aber, falls diese die Funktionalität
nicht zur Verfügung stellte, diese vom Überbau bereitgestellt wurde.
Deshalb war (und ist) es möglich, zB auf Daten in gewöhnlichen
Textdateien SQL-Queries loszulassen.
Das Problem: das Ganze war ein moving target, ständig hat sich was
verändert. Und MS hat in den Dokus zur Technologie gehörig Druck
aufgebaut, den Anwender zum Einsatz der jeweils aktuellen Technologie zu
bringen. Wenns nach MS gegangen wäre hätte man so alle halbe Jahre alles
wegwerfen und unter der Verwendung der neuen Versionen wieder von vorne
anfangen sollen. Und der Vorgänger von ADO (DAO) wurde sowieso als
völlig obsolet verdammt. Und dann kam (horrible dictu) .NET! Nun war
alles andere inakzeptabel.
Ich kann ja verstehen, daß MS Geld verdienen will und das geht halt
dadurch daß man immer was neues bringt kaum daß das "alte" auf den Markt
kam. Nur wo beleibt da der Entwickler? Der ist immer noch mit der einen
Variante beschäftigt und hat die noch nicht verstanden da kommt schon
die nächste. Und parallel dazu trommelt und feuert die
Marketingabteilung aus allen Rohren, das neue anpreisend. Ok, so ist das
Entwicklerleben halt: die Zeit bleibt nicht stehen.
Aber muß man denn den Umstieg aufs Neue, kaum daß das Alte herauskam,
erzwingen wollen? Noch dazu wenn dies dadurch geschieht, daß man die
Dokumentation des Neuen durchsetzt mit Drohungen, was alles passiert
wenn man nicht umsteigt und dergleichen mehr.
Oder die Einführung von .NET. Ich erinnere an die absichtlich
herbeigeführte Verwirrung, die durch die Beibehaltung des gleichen
Namens für unterschiedliche Dinge hervorgerufen wurde. Inzwischen ist es
wieder etwas besser geworden, aber noch vor kurzer Zeit hat man unter
"Visual Basic" nur noch Informationen zur .NET Variante erhalten.