Am 12.02.21 um 21:42 schrieb Kay Martinen:
> Am 12.02.21 um 19:05 schrieb Marcel Mueller:
>> Am 12.02.21 um 18:00 schrieb Arno Welzel:
>> ...
>> Naja, die meisten Hersteller schreiben in die Spezifikation, dass
>> Datenverluste zu einem bestimmten Anteil erwartungsgemäß sind.
>> Bei Festplatten aus der Holzklasse ist üblicherweise 1 Fehler pro 10^14
>> Bits erlaubt. Bei einer 1TB Platte ist das alle 10-mal lesen einmal
>> Daten verloren.
>
> Nur das man eine Magnetspur ggf. neu formatieren könnte, eine kaputte
> Flash-Speicherstelle aber nicht mehr.
Nein, da besteht kein Unterschied. Auf eine /defekte/ Magnetspur kann
man auch nichts schreiben, was man wieder lesen könnte. Mit Flash-Zellen
ist das genauso.
Ob der Datenverlust aber von einem Mediumdefekt ausgelöst wurde ist
nochmal eine ganz andere Frage. Es gibt auch statistische Datenfehler,
die einfach mit eine bestimmten Wahrscheinlichkeit auftreten. Auslöser
sind Domänenkipper bei Magnetischen Medien bzw. Ladungsabfluss bei Flash.
Ein solcher Fall wäre kein Grund, das Laufwerk als defekt zu betrachten,
da die Wahrscheinlichkeit für weitere Fehler dadurch nicht erhöht ist.
Die Defekte wurde durch einfaches Überschreiben, z.B. mit dem Backup,
verschwinden.
Nur die Firmware kann den einen von dem anderen Fall unterscheiden -
wenn überhaupt. Aber sie würde auch bei technisch defekten
Speicherzellen nicht aufgeben, sondern diese schlicht nicht mehr
verwenden. Nur ist es bei technisch defekten Zellen wahrscheinlicher,
dass weitere folgen.
Insofern hat die Firmware aus ihrer Sich schon sinnvoll gehandelt, indem
sie das Gerät als Ganzes nicht als defekt betrachtet.
Den Nutzer nervt es natürlich trotzdem, wenn seine Daten weg sind. Und
das Vertrauen erhöht das auch nicht. Nur ist man eben auch kilometerweit
von einer repräsentativen Stichprobe entfernt.
>> Was steht in der Spezifikation deiner SSD?
>
> Ist da nicht allein die Frage schon nutzlos? Denn...
>
>> Leider verloren. Bei Smart RAW-Werten kann jeder machen was er will. Und
Das mit den Raw-Werten hat damit aber jetzt nichts zu tun. Das ist
einfach nur eine technische Fehlinterpretation beim Auslesen.
>> Spezifikationsgemäß ist halt OK.
>>
>> Wenn ich es richtig sehe, hat Samsung gar keine Fehlerrate garantiert.
>> Damit sind sie fein raus.
>
> ... das erinnert mich doch sehr an den Fundamentalistisch-Physikalischen
> Ansatz
>
> "Dieses Produkt besteht zu 99% aus NICHTS, für den Dauerhaften Erhalt
> irgendeiner Produkteigenschaft kann daher nicht garantiert werden."
>
> Wenn man "Vaporware" wenigstens auch mit ebensolchen "Vapor-Euros"
> bezahlen könnte wäre alles gut. So wünsche ich den Erfindern dieser
> Windigkeiten manchmal die "Pest an den Hals" :-(
Naja, undefiniertes Verhalten schließt den Fall dass es funktioniert
bekanntenmaßen mit ein.
Und fairerweise muss man auch sagen, dass Samsung aus der Erfahrung
heraus als ein Hersteller mit noch der robustesten SSD in der
Consumer-Class gilt. Mehr bekommt man erst in der Klasse für Server,
dann aber mit einem erheblichen Vorfaktor im Preis.
Im Einzelfall heißt dass halt gar nicht. Jedes Laufwerk kann ausfallen
oder Daten verlieren, selbst die besten.
> "Wer nichts verspricht muß auch nichts halten" ist da doch wohl die
> Hinterlist, oder?
Hast Du schon jemals eine Versicherung abgeschlossen? In deren
Vertragbedingungen ist üblicherweise alles, was häufiger vorkommt,
ausgeschlossen. Sie zahlen dann natürlich meist trotzdem, um die
Reputation hoch zu halten. Nur wenn es zu teuer wird, bestehen sie auf
den Vertragsbedingugen. Dadurch bekommt man eine gute Reputation, weil
ja die Zahl der positiv entschiedenen Fälle ein Vielfaches höher ist,
ohne aber in Summe viel bezahlen zu müssen.
Das fällt alles in die Kategorie "solange der Kunde mitmacht".
Ich kaufe z.B. keine Festplatte, bei der mir der Hersteller nicht
wenigstens die wesentlichen für den Betrieb wichtigen Eigenschaften
zusichert.
Das bedeutet, dass mir kein Terabyte-Grab mit Fehlerrate größer 10^-15
in den Rechner kommt. Und ich will auch einen zugesicherten Wert für die
Zugriffszeit. Damit ist natürlich (mittlerweile) 90% vom Markt raus,
aber das ist ja gerade der Consumerschrott, den ich nicht haben will.
Selbst mit Backup nervt das nämlich erheblich. Und es ergibt auch keinen
Sinn, den doppelten Preis nebst dem doppelten Stromverbrauch für RAID zu
bezahlen. Der Aufpreis für die "besseren 10%" des Marktes ist nämlich
deutlich geringer.
In der Praxis bin ich damit bisher sehr gut gefahren. Ich habe fast noch
nie Datenverluste gehabt.
Bei SSDs ist die Sache nochmal etwas anders. Da sichert kaum einer eine
Fehlerrate zu. Das ist für eine SSD auch kein sonderlich repräsentativer
Faktor. Da wird TBW zugesichert, was im allgemeinen auch sinnvoll ist.
Und in der Disziplin sind die Samsung Pro eigentlich recht weit vorne,
vor allem, weil sie bei Tests auch noch ein Vielfaches davon überlebten.
Nur kann man daraus eben auch nicht schließen, dass es nie Datenverluste
gibt. Das ist immer nur Wahrscheinlichkeitsrechnung. Der Hersteller wägt
da eben ab, zwischen der mittleren Zuverlässigkeit einzelner Zellen und
zusätzlichen Zellen für robustere Fehlerkorrekturmechanismen.
Marcel